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Die Presbyterianer

Walter Scott: Die Presbyterianer - Kapitel 16
Quellenangabe
authorWalter Scott
titleDie Presbyterianer
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
year1876
translatorBenno Tschischwitz
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160926
projectid17cc60b6
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Kapitel XIV

Wir hielten es Quantum in nobis für gut,
Zu verschonen theures Christenblut,
Zu versuchen, ob durch Vermittelung,
Durch Vertrag und friedliche Ausgleichung,
Wir den Streit nicht brächten zum Frieden
Und blutige Hiebe gänzlich vermieden.

Butler.

Der raschere Trab der Reiter benahm den eifernden Gefangenen, wenn auch nicht die Lust, doch den Athem zum Redenhalten. Sie hatten bereits über eine Meile der Waldung hinter sich, denn sie waren, nachdem sie die Wälder von Tillietudlem im Rücken hatten, immer noch durch eine holzreiche Gegend gekommen. Nur wenig Birken und Eichen beschatteten die engen Schluchten, und hier und da bedeckte ein zwerghaftes Gebüsch die tiefe Moorebene. Aber auch diese schwanden allmählich, und eine weite, wüste Gegend lag vor ihnen, die hier und da zu dürren Hügeln mit dunklem Haidekraut anschwellend, von tiefen Schluchten durchschnitten war. Durch diese brechen sich im Winter Waldströme gewaltsam Bahn, im Sommer aber dienen sie kleinen Bächen zum weiten Bette, die sich träge über Steinhaufen und Kies hinwegwinden. Diese öde Gegend schien sich weiter zu erstrecken als das Auge reichte, ohne Großartigkeit, sogar ohne die Erhabenheit gebirgiger Wildniß, dennoch durch das ungeheure Mißverhältniß überraschend, in welchem sie zu den begünstigten Theilen des Landes stand, die sich zum Anbau und Unterhalt des Menschen eigneten.

Nicht ohne seltsame Aufregung sah Morton in der Entfernung von ungefähr einer Viertelstunde den Reitertrupp, zu dem seine Eskorte gehörte, einen steilen gewundenen Pfad hinziehen, der sich von der Ebene in die Berge hineinschlang. Ihre Anzahl, die furchtbar schien, wenn sie sich in Hohlwegen zusammendrängte, und zwischen den Bäumen bald erscheinend, bald verschwindend, sich vervielfältigt gezeigt hatte, schien jetzt zusammengeschmolzen, da sie sich ganz dem Blick darbot, der sie in einer Landschaft, in welcher sich die Reitercolonne fast verloren, leicht übersehen konnte. Mehr einer Heerde Hornvieh als einem Truppencorps gleich, schienen sie langsam den Hügel hinan zu kriechen.

»Gewiß,« sagte Morton zu sich selbst, »eine Hand voll entschlossener Männer vermag jeden Engpaß in diesen Bergen gegen eine so geringe Macht wie diese zu vertheidigen, wenn ihre Tapferkeit nur ihrer Begeisterung gleicht.«

Während er diese Betrachtungen anstellte, hatten die Reiter, die seine Wache bildeten, schnell den Raum zurückgelegt, der sie von ihren Gefährten trennte, und ehe die Fronte der Colonnen die Spitze des Hügels erreichte, hatte sich Bothwell mit seinen Gefangenen und dem Nachtrab der Hauptmacht angeschlossen. Die großen Schwierigkeiten des Weges, der bald steil, bald sumpfig war, hielten die Colonne und besonders den Nachtrab im Marsche auf, denn die Avantgarde wühlte den sumpfigen Boden dergestalt auf, daß die Hintersten gezwungen waren, den gebahnten Pfad zu verlassen, um womöglich einen festeren zu finden.

Bei dieser Gelegenheit wurden die Leiden des ehrwürdigen Gabriel Pauker und der alten Mause Headrigg erheblich vermehrt, da die rohen Soldaten, von denen sie bewacht wurden, trotz aller Gefahr, welcher ungeübte Reiter ausgesetzt sind, sie zwangen, über Gräben und Gewässer zu setzen oder ihre Pferde durch Moräste und Sümpfe zu lenken.

»Mit Hilfe des Herrn bin ich über eine Mauer gesprungen,« rief die arme Mause, als die rohen Begleiter das Pferd gezwungen hatten, über die Rasenumfriedung einer verlassenen Hürde zu setzen, wobei ihr die Haube vom Kopfe flog und ihr graues Haar unbedeckt ließ.

»Ich bin gesunken in tiefen Schlamm, wo kein Fuß Grund findet, ich bin gekommen in tiefes Wasser, wo die Wogen mich überfluthen,« rief Pauker, als sein Pferd bis an den Sattelgurt in einen Born versank, und der schwarze Brei dem gefangenen Geistlichen Kopf und Kleider bespritzte.

Die Ausrufe erweckten das schallende Gelächter ihrer Begleiter, aber bald traten Ereignisse ein, die alle ernst stimmten. Die ersten Reihen des Regiments hatten nicht sobald die Spitze des steilen Hügels erreicht, als eine Reiterpatrouille, die man bald für einen Theil der eigenen Vorhut erkannte, in vollem Galopp mit schnaubenden Rossen und offenbar flüchtig herangesprengt kamen. Ihnen folgten fünf oder sechs Reiter, mit Säbeln und Pistolen wohl bewaffnet, die auf der Spitze des Hügels Halt machten und die herannahende Leibwache beobachteten. Einige davon, die Karabiner besaßen, stiegen ab und feuerten, sorgsam und gemächlich zielend, auf die vordersten Glieder des Regiments, wodurch zwei Soldaten, und zwar einer schwer, verwundet wurden. Sie stiegen dann wieder zu Pferde und verschwanden hinter dem Bergrücken, und dies mit so viel Kaltblütigkeit, daß deutlich zu ersehen war, sie seien einmal über die Annäherung einer so beträchtlichen Schaar nicht erschreckt, und würden zweitens von einer hinlänglichen Macht in ihrem Rücken beschützt. Dieser Vorfall gebot dem ganzen Reiterhaufen Halt, und während Claverhouse selbst den Bericht des Vorpostens anhörte, der auf die Hauptmacht zurückgeworfen worden war, ritt Lord Evandale auf die Bergspitze, hinter die sich die feindlichen Reiter zurückgezogen, und Major Allan, Cornet Graham und die übrigen Offiziere waren beschäftigt, das Regiment von dem ungünstigen Boden hinweg in zwei Colonnen auf die Seite des Hügels zu führen, wo sich beide Abtheilungen unterstützen konnten.

Alsdann erfolgte der Befehl zum Vorrücken, und in wenigen Minuten standen die ersten Glieder auf der Spitze und hatten freie Aussicht auf die andere Seite des Berges. Der Nachtrab mit den Gefangenen schloß sich dicht hinter ihnen an, so daß Morton und seine Mitgefangenen gleichfalls beobachten konnten, welcher Widerstand sich den weiteren Fortschritten ihrer Wächter entgegen setzen würde.

Die Anhöhe, auf der die königlichen Leibwachen jetzt hielten, senkte sich vor ihnen über eine Viertelmeile sanft ab und zeigte einen Boden, der, obgleich an einigen Stellen uneben, doch für ein Cavalleriegefecht nicht ungünstig war, bis auf den Rand des Abhangs, wo dieser in eine sumpfige Ebene auslief. Dieselbe war in ihrer ganzen Länge von einem natürlichen oder künstlich gefertigten Graben durchschnitten, dessen Ränder durch Quellen und Einschnitte unterbrochen waren, aus denen man Torf gestochen hatte; an verschiedenen Stellen fand sich auch zerstreutes Erlengehölz, welches die Feuchtigkeit so sehr liebt, daß es als Strauchwerk überall wuchert, wo ungünstiger Boden und Sumpfwasser ihm nicht gestattet, baumartig in die Höhe zu schießen. Jenseits dieses Grabens hob sich der Boden wieder zu einem Hügel empor, an dessen Fuß das Corps der Aufrührer sich aufgestellt hatte, als wollte es das unebene Terrain und den Graben, der seine Front deckte, zur Vertheidigung benutzen. Ihre Infanterie war in drei Linien getheilt. Die erste, leidlich mit Feuergewehr versehen, war dicht bis an den Rand des Sumpfes vorgerückt, der der königlichen Reiterei, wenn sie die andere Seite des Hügels hinabritt, durchaus schaden mußte, beim Ritt durch den Morast konnte er ihr aber noch weit verderblicher werden. Hinter dieser ersten Linie stand eine Abtheilung Pikenträger zu ihrer Unterstützung, im Falle die Dragoner den Durchgang durch den Morast forciren sollten. Hinter diesen hielt die dritte Linie, die aus Landleuten bestand, welche mit aufwärts gebogenen Sensen, Heugabeln, Spießen, Keulen, Dreschflegeln, Fischspeeren und dergleichen ländlichen Geräthen bewaffnet waren, die der Jähzorn in Kriegswaffen umgewandelt hatte. Auf jeder Flanke der Infanterie, nur ein wenig hinter dem Sumpf, stand ein kleiner Haufe Reiter, der trockenen und festen Boden gefaßt hatte, um einzugreifen, wenn der Feind über den Sumpf rücken wollte. Sie waren indessen schlecht bewaffnet und noch schlechter beritten, aber voll Begeisterung für ihre Sache und bestanden meist aus kleinen Landeigentümern oder Pächtern der besseren Classe, die ihr Vermögen in den Stand setzte zu Pferde zu dienen. Einige von denen, welche die königliche Vorhut zurückgetrieben hatten, ritten jetzt langsam zu ihrer Schwadron zurück. Alle andern standen regungslos wie die grauen Steine, die zerstreut auf der Haide umherlagen.

Die ganze Zahl der Aufrührer mochte ungefähr tausend Mann betragen; doch waren unter diesen kaum hundert Reiter, und kaum die Hälfte derselben leidlich bewaffnet. Aber die Stärke ihrer Position, das Bewußtsein, einen verzweifelten Schritt unternommen zu haben, ihre überwiegende Zahl und vor allem ihr glühender Eifer wog in den Augen ihrer Anführer den Mangel an Waffen, kriegerischer Uebung und sonstiger Ausrüstung auf. Am Abhange des Hügels, der sich hinter ihnen erhob, sah man die Weiber und selbst die Kinder, welche der gegen die Verfolgung empörte Glaubenseifer in die Wildniß geführt hatte. Sie schienen dort aufgestellt, um dem Kampfe zuzuschauen, der ihr eigenes Geschick und das ihrer Eltern, Gatten und Söhne entscheiden sollte. Wie bei den Weibern der alten Deutschen, sollte das gellende Geschrei, das sie beim Anblick der glänzenden Reihen ihrer Feinde erhoben, ihre Verwandten anspornen, bis zum Aeußersten das zu vertheidigen, was ihnen das Theuerste war. Diese Ermahnungen schienen auch den allerbesten Erfolg zu haben, ein wildes Halloh, das beim Anblick der Soldaten von Reihe zu Reihe lief, bekundete den Willen der Insurgenten, bis auf den letzten Blutstropfen zu kämpfen. Als die Reitercolonnen auf der Spitze des Berges Halt machten, ließen ihre Trompeten und Pauken drohend und herausfordernd kriegerische und wilde Signale ertönen, die wie der schmetternde Ruf des Würgengels durch die Einöde fuhren. Zur Antwort vereinigten die Wanderer ihre Stimmen und sangen in feierlicher Melodie die zwei ersten Verse des sechsundsiebenzigsten Psalms nach der metrischen Uebersetzung der schottischen Kirche:

Gott ist bekannt in Judas Land
Und groß ist dort sein Ruhm,
Stadt Salem birgt sein hehres Zelt,
Zion sein Heiligthum.

Er brach den Bogen sammt dem Pfeil,
Den Schild, das Schwert, den Krieg,
Du, herrlicher als Beut und Gut,
Du, Herr, allein bist Sieg.

Ein Geschrei oder vielmehr ein feierlicher Zuruf begleitete den Schluß der Strophe, und nach einer Todtenstille begannen die Insurgenten die folgenden Verse, indem sie prophetisch die Vertilgung der Assyrier auf den Ausgang ihres eigenen Kampfes bezogen:

Vernichtet ward der Stolzen Muth,
Im Todesschlaf sie ruhn;
Nicht einer von den Starken regt
Die Hand zum bösen Thun.

Denn als, o Jakobs Gott, dein Zorn
Sie allgewaltig traf,
Da sanken Roß und Reiter hin
In tiefen Todesschlaf.

Abermals erscholl ein Beifallszuruf, auf welchen tiefe Stille folgte.

Während diese feierlichen Töne von tausend Stimmen gerufen in den öden Berg verhallten, blickte Claverhouse mit großer Aufmerksamkeit hinab, und auf die Schlachtordnung, welche die Wanderer eingenommen hatten, und in der sie den Angriff abzuwarten entschlossen schienen.

»Die Bauernknoten,« sagte er, »müssen Soldaten bei sich haben, ein Ackerknecht kann diese Stellung nicht gewählt haben.«

»Man sagt für gewiß, daß Burley bei ihnen sei,« sagte Lord Evandale; »auch Hackston von Rathillet, Paton von Meadowhead, Cleland und andere kriegserfahrene Männer sollen unter ihnen sein.«

»Das hab ich gleich aus der Art geschlossen, wie die abgeschickten Reiter über den Graben sprengten, als sie auf ihren Standort zurückkehrten,« erwiderte Claverhouse. »Es war leicht wahrzunehmen, daß einige rundköpfige Soldaten, die echte Brut des alten Covenants, unter ihnen wären. Wir müssen die Sache ebenso vorsichtig wie kühn anfangen, Evandale, schickt die Offiziere zu mir auf jenen Hügel.«

Er begab sich auf eine kleine moosbewachsene Anhöhe, die wahrscheinlich das Grab irgend eines Celtenhäuptlings der Vorzeit war, und der Ruf: »Offiziere vor die Front!« versammelte diese bald um ihren Feldherrn.

»Ich habe euch nicht zu mir berufen, meine Herren,« sagte Claverhouse, »um einen förmlichen Kriegsrath zu halten, denn ich will keineswegs die Verantwortlichkeit, die mein Rang mir auferlegt, auf andere wälzen. Ich möchte nur eure Meinungen hören, und mir, wie die meisten Menschen zu thun pflegen, wenn sie um Rath fragen, die Freiheit vorbehalten, meiner eigenen Ansicht zu folgen. – Was sagt Ihr, Cornet Graham? Sollen wir die Kerle angreifen, die dort unten brüllen? Ihr seid der jüngste und hitzigste, und werdet deshalb zuerst sprechen, ich mag wollen oder nicht.«

»Nun denn,« sagte Cornet Graham, »da ich die Ehre habe, die Fahne der Leibgarde zu tragen, so soll sie mit meinem Willen sich niemals vor den Rebellen zurückziehen. Ich sage: Drauf! in Gottes und des Königs Namen!«

»Und was sagt Ihr, Allan?« fuhr Claverhouse fort; »denn Evandale ist so bescheiden, daß wir ihn gewiß nicht zum Sprechen bringen, bis Ihr Eure Meinung abgegeben.«

»Diese Burschen,« sagte Major Allan, ein alter erfahrener Cavallerieoffizier, »verhalten sich gegen uns wie drei oder vier gegen einen, daraus würd ich mir nun nichts machen, wenn es auf offenem Felde wäre; aber sie stehen in einer furchtbar festen Position, und scheinen nicht geneigt, dieselbe zu verlassen. Darum denk ich, bei aller Achtung vor Cornet Grahams Meinung, am besten ists, wir ziehen nach Tillietudlem zurück, besetzen den Paß zwischen den Bergen und dem offenen Lande, und bitten den Lord Roß, der zu Glasgow mit einem Infanterieregiment liegt, um Verstärkung. Auf diese Weise schneiden wir sie vom Thale des Clyde ab und zwingen sie, entweder aus ihrer festen Stellung zu weichen und uns auf gleichem Terrain eine Schlacht anzubieten, oder sie bleiben hier, und wir greifen sie an, sobald die Infanterie zu uns stößt und uns in den Stand setzt, mit Erfolg zwischen diesen Gräben, Sümpfen und Moorgründen zu agiren.«

»Pah!« rief der junge Cornet, »was hilft eine feste Position, wenn sie nur von einem Schwarm betender und Psalmen gurgelnder alter Vetteln besetzt ist?«

»Ein Mann braucht darum nicht schlechter zu fechten, wenn er Bibel und Psalmen ehrt,« entgegnete Major Allan. »Diese Burschen werden fest sein wie Stahl, ich kenne sie von früher her.«

»Ihr näselndes Psalmodiren,« sagte der Cornet, »erinnert unsern Major an das Rennen von Dunbar.«

»Wäret Ihr bei jenem Rennen gewesen, junger Mann,« versetzte Allan, »Ihr hättet nicht nöthig gehabt, daß Euch jemand daran erinnerte, und lebtet Ihr noch so lange.«

»Still, still, meine Herren,« sagte Claverhouse, »das sind unpassende Witzeleien. – Mir würde Euer Rath gefallen, Major Allan, hätten unsere verdammten Patrouillen, die dafür gehörig gezüchtigt werden sollen, uns bei Zeiten Nachricht von des Feindes Stärke und Stellung gegeben. Da wir uns aber einmal in Schlachtordnung vor ihnen gezeigt haben, so würde der Rückzug der Leibgarde große Furcht verrathen und das Signal zum allgemeinen Aufstande im Westen geben. Und in diesem Falle würde uns Lord Roß wenig Hilfe leisten können, da er leicht von uns abgeschnitten werden könnte, bevor wir mit ihm zusammenstoßen, oder er uns erreicht. Ein Rückzug würde denselben unglücklichen Erfolg für des Königs Sache haben wie eine verlorene Schlacht, und wie groß unsere eigene Gefahr oder Sicherheit dabei sein könnte, das zu bedenken, wird gewiß keinem Edelmann nur einen Augenblick einfallen. Es müssen doch in den Morästen irgend welche Pässe zu finden sein, durch welche wir uns den Weg erzwingen können, und sind wir einmal auf festem Boden, so wird hoffentlich kein einziger in der Leibgarde glauben, daß unsere Schwadronen, wie gering auch an Zahl, unfähig wären, die doppelte Menge ungeübter Rüpel in den Staub zu treten. – Was sagt Ihr, Lord Evandale?«

»Ich denke einfach,« erwiderte dieser, »der Tag mag enden wie er will, blutig wird er doch werden, wir werden manchen wackern Burschen verlieren und wahrscheinlich genöthigt sein, eine große Anzahl jener mißleiteten Menschen hinzumorden, welche bei allem doch Schotten und Unterthanen König Karls sind, so gut als wir.«

»Rebellen! Rebellen! die nicht verdienen, Schotten oder Unterthanen zu heißen,« sagte Claverhouse; »doch sagt, Mylord, worauf zielt Eure Meinung?«

»Einen Vergleich mit diesen unwissenden und mißleiteten Menschen einzugehen,« sagte der junge Edelmann.

»Einen Vergleich, und mit Rebellen, die unter Waffen stehen? Niemals! so lange ich lebe,« antwortete der Befehlshaber.

»Schickt wenigstens einen Trompeter mit einer weißen Fahne ab,« fuhr Lord Evandale fort, »und laßt sie auffordern, die Waffen niederzulegen und auseinander zu gehen, gegen das Versprechen der Begnadigung. Ich habe immer gehört, wäre dies vor der Schlacht bei den Pentlandshügeln geschehen, so wäre viel Blut gespart worden.«

»Gut,« sagte Claverhouse; »aber, wer Teufel, glaubt Ihr denn, wird diese Aufforderung den tollen verzweifelten Schwärmern bringen wollen? Sie erkennen keine Kriegsgesetze an. Ihre Anführer, die alle großen Antheil an dem Morde des Erzbischofs von St. Andrews hatten, fechten mit dem Stricke um den Hals und machen wahrscheinlich den Abgesandten nieder, bloß um ihre Anhänger mit königstreuem Blute zu beflecken, damit diese, wie sie selbst, an der Begnadigung verzweifeln.«

»Wenn Ihr erlaubt, will ich selbst hingehn,« sagte Evandale, »ich habe oft mein Leben gewagt, um es andern zu nehmen, laßt es mich jetzt wagen, um Menschenleben zu retten.«

»Ihr sollt diese Botschaft keineswegs übernehmen, Mylord,« sagte Claverhouse. »Euer Rang und Eure Stellung machen die Sicherheit Eurer Person allzuwichtig für das Land in einer Zeit, wo gute Grundsätze so selten sind. – Hier ist meines Bruders Sohn, Richard Graham, der Schuß und Hieb so wenig fürchtet, als wenn ihm der Teufel die Rüstung gefeit hätte, wie es die Schwärmer von seinem Oheim behaupten. Er soll eine weiße Fahne nehmen und mit einem Trompeter nach dem Rande des Sumpfes hinreiten, um sie aufzufordern, die Waffen niederzulegen und sich zu zerstreuen.«

»Herzlich gern, Herr Oberst,« antwortete der Cornet. »Ich will mein Taschentuch auf eine Pike stecken, die Schurken haben in ihrem ganzen Leben noch keine Flagge von flandrischem Linnen gesehen.«

»Oberst Graham,« sagte Evandale, während jener sich zum Aufbruch anschickte, »dieser junge Edelmann ist Euer Neffe und wahrscheinlicher Erbe. Um Gottes willen, laßt mich gehen! Mein Rath war es, und ich muß diese Gefahr auf mich nehmen.«

»Und wäre es mein einziger Sohn,« sagte Claverhouse, »dies ist weder die Zeit, noch die Sache, ihn zu schonen. Ich hoffe, meine persönlichen Neigungen werden sich nie in meine Dienstpflicht mischen. Wenn Richard Graham fällt, so ist der Verlust hauptsächlich mein eigener, fielet Ihr aber, Mylord, so litten König und Vaterland. Nun, meine Herren, jeder auf seinen Posten! Wenn unsere Aufforderung ungünstig aufgenommen wird, so greifen wir sofort an, und wie es auf dem alten schottischen Wappen heißt: Gott schütze das Recht!«

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