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Die Presbyterianer

Walter Scott: Die Presbyterianer - Kapitel 12
Quellenangabe
authorWalter Scott
titleDie Presbyterianer
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
year1876
translatorBenno Tschischwitz
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160926
projectid17cc60b6
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Kapitel X

Die Reiter, sie kommen! Das Machtwort erschallt,
Sie ziehn in den Hof und der Hauptmann ruft: Halt!

Swift.

Als Gideon Pike, der alte Diener des Majors, seines Herrn Kleider vor dessen Bette zurecht legte, führte er, um sich zu entschuldigen, daß er ihn eine Stunde früher als gewöhnlich wecke, als Grund an, daß ein Expresser von Tillietudlem angelangt sei.

»Von Tillietudlem?« sagte der alte Herr, sich schnell in seinem Bette aufrichtend und kerzengerade sitzend; »öffne die Fensterläden, Pike, ich hoffe, meine Schwägerin ist wohl, zieh den Bettvorhang bei Seite, nun, was gibts hier? – Die Gicht? Nun, sie weiß ja, daß ich seit Lichtmeß keinen Anfall gehabt habe – die Waffenschau? Ich habe ihr schon vor vier Wochen gesagt, ich würde nicht dabei sein, – Sergekleid und Hängeärmel? – Laß Dich selber hängen, kleine Hexe! – Großer Cyrus und Philippdastus? – Philipp der Teufel! – Ist das Mädchen plötzlich toll geworden? Ist's der Mühe werth, um diese Lappalien einen Expressen zu schicken? – Aber was sagt das Postscriptum? Gott sei uns gnädig! Pike, sattle gleich den alten Kilsyth und ein anderes Pferd für Dich!«

»Doch hoffentlich keine bösen Nachrichten vom Schlosse?« fragte Pike, überrascht von seines Herrn plötzlicher Bewegung.

»Ja – nein – ja, das heißt, ich muß Claverhouse in einer dringenden Angelegenheit sprechen, drum, Pike, sattle, so schnell Du kannst. – Ach Gott, was sind das für Zeiten! – Der arme Junge, meines alten Kameraden Sohn! – Und die einfältige Göre steckt das in die Nachschrift, wie sie's nennt, hängts an den Schwanz von dem alten Seidenplunder und dem neuen Roman.«

In wenig Minuten war der gute alte Offizier völlig angezogen, und nachdem er seinen magern Klepper bestiegen, ritt er bedächtig nach dem Schlosse Tillietudlem. Unterwegs faßte er den vernünftigen Entschluß, der alten Dame, deren eingewurzelten Haß gegen Presbyterianer aller Art er kannte, nichts von dem Stand und Rang des Gefangenen, den ihre Mauern beherbergten, zu sagen, sondern seinen eigenen Einfluß bei Claverhouse für Mortons Freilassung anzuwenden.

»Ein so loyaler Mann wie er ist, wird doch etwas für einen Cavalier thun, wie ich bin,« dachte der Veteran bei sich selbst, »und ist er ein so guter Soldat, wie die Welt von ihm rühmt, so wirds ihn doch wohl freuen, dem Sohne eines alten Soldaten einen Dienst zu leisten. Ich habe nie einen echten Kriegsmann gekannt, der nicht ein offenherziger, wackerer Geselle gewesen, und ich denke, es wäre tausend mal besser, die Vollstreckung der Gesetze (wenns auch schlimm ist, daß mans für nöthig hält, sie so streng zu machen) ihnen zu übertragen als den schachernden Rechtsverdrehern oder den dickköpfigen Landjunkern.«

Diese Betrachtungen des Majors Bellenden unterbrach John Gudyill, der halbberauscht den Zügel des Pferdes faßte und ihm in dem schlecht gepflasterten Hofe von Tillietudlem beim Absteigen half.

»Ei, John,« sagte der alte Krieger, »was Teufel beobachtet Ihr hier für Disciplin? Habt Ihr schon so früh in der Schnapspostille gelesen?«

»Ich habe die Litanei gelesen,« sagte John und schüttelte den Kopf in schwerer Trunkenheit, da er von der Rede des Majors kaum mehr als ein Wort aufgefaßt: »Das Leben ist kurz, lieber Herr! Wir sind, ups – wie die Blumen des Feldes, ups – wie die Lilien im Thale, ups!«

»Blumen und Lilien? Ei, Freund, solche Kerle wie Du und ich können kaum anders als Schirling, verkommene Nesseln oder verdorrtes Unkraut genannt werden, aber vermuthlich glaubst Du, wir seien noch immer des Begießens werth?«

»Ich bin ein alter Soldat, ups – Gott sei Dank – ups – das bin ich!«

»Ein alter Zechbruder, meinst Du, John. Aber laß das gut sein, alter Junge, zeig mir den Weg zu Deiner Herrschaft.«

John Gudyill ging voraus nach der Halle, wo Lady Margarethe umhertrippelte, Aufsicht führte, ordnete und die Vorbereitungen zu dem Empfange des berühmten Claverhouse traf, den die eine Partei als einen Heros ehrte und rühmte, die andere aber als einen blutdürstigen Unterdrücker verabscheute.

»Hab ich Dirs nicht gesagt,« sprach Lady Margarethe zu ihrer ersten Dienerin, »hab ich Dirs nicht gesagt, Mysie, daß es mein ausdrücklicher Wille sei, alles genau in derselben Ordnung zu sehen wie an jenem Morgen, als die geheiligte Majestät das Frühstück in Tillietudlem einzunehmen sich herabließ?«

»Freilich, das haben Eure Herrlichkeit befohlen, so viel ich weiß,« war Mysies Antwort, als sie von Ihrer Herrlichkeit unterbrochen wurde.

»Nun, warum ist denn die Wildpretpastete auf der linken Seite des Throns und die Kanne mit Rothwein auf der rechten, da Du Dich doch recht gut erinnern wirst, Mysie, daß Seine allergnädigste Majestät mit höchst eigener Hand die Pastete auf dieselbe Seite schob, wo der Wein stand, und sagte, beide wären zu gute Freunde, um getrennt zu werden?«

»Ich erinnere mich dessen recht wohl,« sagte Mysie, »und hätt ichs auch vergessen, ich habe ja seitdem Eure Herrlichkeit oft genug von jenem wichtigen Morgen sprechen hören; aber ich dachte, alles solle so gestellt werden wie damals, als Seine Majestät, Gott segne ihn, in das Zimmer kam, mehr einem Engel als einem Menschen ähnlich – wenn er nicht so schwarz im Gesicht ausgesehen hätte.«

»Da hast Du was recht Albernes gedacht, Mysie, denn, wie auch Seine geheiligte Majestät die Schüsseln und Flaschen gestellt hat, es sollte eben sowohl wie sein königlicher Wille in größeren Dingen, stets seinem Unterthanen ein Gesetz sein, und als solches zumal in Tillietudlem beobachtet werden.«

»Gut, gnädige Frau,« sagte Mysie und machte die verlangte Aenderung; »das Versehen läßt sich leicht wieder gut machen, aber wenn alles so sein soll wie damals, wo der König uns verließ, so müßte die Wildpretpastete auch ein großes Loch haben.«

In diesem Augenblicke wurde die Thüre geöffnet. »Wer ist da, Gudyill?« fragte die Lady. »Ich bin jetzt für niemand zu sprechen. – Ihr seids, mein lieber Schwager?« fuhr sie überrascht fort, als der Major eintrat; »das ist ein recht frühzeitiger Besuch!«

»Hoffentlich auch ebenso willkommen glaub ich,« sagte Major Bellenden, als er die Wittwe seines seligen Bruders begrüßte. »Ich habe aus einem Briefchen, welches mir Editha nach Charnwood wegen einiger Kleidungsstücke und Bücher schickte, ersehen, daß heut Morgen Claverhouse hier eintreffen wird; da dacht ich alter Haudegen, ich könnte wohl mit dem angehenden Soldaten ein bischen schwatzen. So ließ ich denn Pike meinen Kilsyth satteln, und da sind wir beide.«

»Und herzlich seid Ihr willkommen,« sagte die alte Dame; »ich würde Euch selbst darum gebeten haben, wenn ich geglaubt hätte, es wäre noch Zeit. Ihr seht, ich bin mit Vorbereitungen beschäftigt. Alles muß in derselben Ordnung vor sich gehen, wie damals, wo –«

»Der König zu Tillietudlem frühstückte,« unterbrach der Major; der wie alle Freunde der Lady Margarethe den Anfang dieser Erzählung befürchtete und sie kurz abzuschneiden wünschte. »Ich erinnere mich dessen recht wohl, Ihr wißt ja, ich wartete Seiner Majestät auf.«

»Ja wohl, Schwager,« sagte Lady Margarethe, »und vielleicht könnt Ihr mir bei der Einrichtung des Mahles behilflich sein.«

»Um alles in der Welt nicht!« sagte der Major; »das verdammte Mittagsessen, welches uns Cromwell ein paar Tage darauf zu Worcester gab, hat mir alle Eure guten Gerichte aus dem Kopf gejagt. Aber was ist das? Ihr habt ja selbst den großen saffianenen Armsessel mit den gestickten Kissen in Bereitschaft gestellt?«

»Den Thron, wenns beliebt, Herr Schwager,« sagte Lady Margarethe ernsthaft.

»Nun, den Thron, wenns durchaus sein muß,« fuhr der Major fort. »Soll das Claverhouses Posten sein beim Angriff auf die Pastete?«

»Nein, Schwager,« sagte die Dame, »da diese Polster einmal der Person unseres geheiligten Monarchen gedient haben, sollen sie auch, so's dem Himmel gefällt, keine minder vornehme Person tragen, so lang ich lebe.«

»Dann solltet Ihr sie keinem ehrlichen Cavalier in den Weg stellen, der schon heute vor dem Frühstück seine zehn Meilen geritten ist, denn die Wahrheit zu sagen, sie sehen sehr einladend aus. Aber, wo ist Editha?«

»Auf der Zinne des Wartthurms,« antwortete die alte Lady; »sie sieht sich um, ob unsere Gäste bald kommen.«

»Nun, dahin gehe ich auch, und das sollt Ihr auch thun, Lady Margarethe, sobald Eure Schlachtordnung hier in der Halle aufgestellt ist. Ich kann Euch versichern, ein Regiment Reiter auf dem Marsche zu sehen, ist etwas Prächtiges.«

Mit diesen Worten bot er ihr mit altfränkischer Galanterie den Arm, und Lady Margarethe nahm ihn mit einer dankbaren Verbeugung, wie sie die Damen zu Holyroodhouse zu machen pflegten, bis das Jahr 1642 Höflichkeiten und Höfe eine Zeit lang aus der Mode brachte.

Auf der Zinne des Thurms, wohin mancher gewundene Gang und manche unbequeme Wendeltreppe führte, fanden sie Editha, nicht in der Stellung eines jungen Mädchens, welches mit unruhiger Neugierde einer muntern Reiterschaar entgegensieht, sondern bleich, niedergeschlagen, und mit einem Antlitz, das deutlich verrieth, sie habe verwichene Nacht des Schlafes entbehrt. Der gute alte Krieger war über ihr Aussehen betroffen, welches ihre Großmutter im Drange der Geschäfte völlig unbeachtet gelassen.

»Was ist Dir zugestoßen, närrisches Mädchen,« sagte er; »Du siehst ja aus wie eine Offiziersfrau, die nach dem Gefecht den Schlachtbericht öffnet und ihren Mann auf der Liste der Erschlagenen und Verwundeten zu finden fürchtet. Aber ich weiß die Ursache, Du fährst fort, die unsinnigen Romane Tag und Nacht zu lesen, und winselst über Unglück, das nie existirt hat. Wie, zum Teufel, kannst Du glauben, daß Artamines, oder wie er heißt, allein mit einem ganzen Bataillon gefochten? Einer gegen drei ist schon das äußerste Mißverhältniß, und außer dem Korporal Raddlebanes hat es noch keiner auf sich genommen. Aber diese verteufelten Bücher bieten allen großen Thaten wirklicher Menschen Trotz. Ich wette, Du würdest nur sehr gering denken von Raddlebanes, wenn er an Artamines' Seite stände. – Ich wollte, die Kerle, die solchen Unsinn schreiben, müßten für ihre Lügen zu Fuß zwischen einem Piket traben.«

Lady Margarethe, die selbst gern Romane las, nahm den Streit auf.

»Monsieur Scudery,« sagte sie, »ist ein Soldat, und wie ich gehört habe, ein ganz vorzüglicher, und ein solcher ist Sieur d'Ufré auch.«

»Um so schändlicher; sie hätten das besser kennen sollen, worüber sie schrieben. Was mich betrifft, so habe ich seit zwanzig Jahren nichts gelesen als die Bibel, die vollständige Pflicht des Menschen, und noch vor kurzem Turners Pallas Armata, oder den Tractat über die Handhabung der Piken; aber ich gestehe, daß mir seine Vorschriften nicht besonders gefallen. Er will seine Cavallerie gerade vor einer Fronte von Piken aufstellen, statt auf dem Hügel. Hätten wir das bei Kilsythe gethan, statt daß wir unsere paar Reiter in den Flanken behielten, die erste Salve hätte sie wieder auf die Hochländer geworfen. – Aber – Pauken!«

Alle Köpfe beugten sich jetzt von der Zinne des Thurmes hinab, der eine weite Aussicht beherrschte. Das Schloß Tillietudlem stand oder steht vielleicht noch auf einem steilen Ufer, gerade wo ein großer Bach in den Clyde mündet. Nahe an der Mündung ist eine schmale Brücke mit einem einzigen hohen Bogen, über welche sich das hohe zerrissene Felsenufer entlang die Landstraße hinzieht. Die Feste, welche auf diese Weise Brücke und Paß beherrscht, war demnach in Kriegszeiten ein Posten von großer Wichtigkeit, dessen Besitz nothwendig war, um die Communication zwischen dem höheren und wilderen Theile des Landes mit dem unteren zu sichern, wo sich das Thal ausdehnt und dann für den Anbau geeigneter ist. Die Landschaft abwärts zeigt größtentheils Waldung, wenn auch unregelmäßige, aber die Ebenen und sanften Abhänge am Ufer weisen angebaute Strecken auf und sind mit Hecken und Büschen untermischt, wobei es scheint, als ob die Umfriedungen aus dem Walde gehauen wären, der sie umgibt, und in dichteren Massen die steilen Abhänge und entfernteren Ufer bedeckt. Der Strom, von heller, glänzend brauner Farbe rauscht in Windungen und Bogen durch die romantische Gegend, theils sichtbar, theils durch die Bäume verborgen, die seine Ufer bekleiden. Mit einer in anderen Theilen Schottlands unbekannten Sorgfalt hatten die Landleute auf den meisten Stellen Obstgärten um ihre Hütten gepflanzt, und die um diese Jahreszeit blühenden Aepfelbäume gewährten dem unteren Theile der Gegend das Aussehen eines Blumengartens.

Den Fluß aufwärts war die Landschaft weniger lieblich. Hügeliges, ödes, unangebautes Land zog sich bis nahe an die Ufer; es gab nur wenig Bäume an dem Flusse, und die wüsten Moore schwollen in einiger Entfernung zu formlosen Hügeln an, hinter denen eine Reihe hoher Berge hervorragte, die sich düster am Horizonte verloren. Der Thurm beherrschte also zwei Aussichten, eine reichlich angebaute und prächtige Niederung und eine andere von der düsteren Einförmigkeit eines öden unwirthlichen Moorlandes.

Die Augen der Zuschauer waren jetzt auf die untere Seite gerichtet, nicht allein wegen ihrer größeren Schönheit, sondern weil die fernen Töne einer Kriegsmusik allmählich von der Landstraße herschallten, die sich das Thal heraufwand, und die Ankunft des erwarteten Reiterregiments verkündigten. Die schimmernden Reihen wurden kurz darauf in der Entfernung wahrgenommen, bald sichtbar, bald wieder verschwindend, je nachdem die Bäume und Windungen des Weges sie verdeckten oder sie hervortreten ließen. Der Zug war lang und imposant, denn es waren ungefähr zweihundertundfünfzig Pferde, und das Blitzen der Schwerter und das Wehen der Banner, verbunden mit dem Klange der Pauken und Trompeten, wirkte mächtig und lebhaft auf die Einbildungskraft. Wie sie näher kamen, konnte man die Reihen dieser ausgewählten Schaar unterscheiden und wie sie, prächtig beritten und vollständig bewaffnet, einander folgten.

»Es ist ein Anblick, der mich dreißig Jahre jünger macht,« sagte der alte Krieger; »und doch lieb ich den Dienst nicht, in dem die armen Burschen stehen. Obgleich ich selbst am Bürgerkrieg Theil genommen, so kann ich doch eben nicht sagen, daß ich an dieser Art Dienst so viel Gefallen fand, als an dem Dienste auf dem Continent, wo wir auf Kerle mit fremden Gesichtern und ausländischer Sprache einhieben. Es ist hart, eine heimatliche schottische Zunge um Pardon bitten zu hören und den Armen doch so niederhauen zu müssen, als wenn er miséricorde riefe. – Da kommen sie schon durchs Unterholz, herrliche Bursche, meiner Treu, und trefflich beritten! – Der, welcher jetzt vom Nachtrab der Colonne vorsprengt, muß Claverhouse selber sein: – ja, er reitet an die Tête, da sie die Brücke passiren, und in fünf Minuten sind sie hier.«

Bei der Brücke unterhalb des Schlosses theilten sich die Reiter, und der größere Theil ritt am linken Ufer des Baches herauf, wo sie über eine Furth setzten, welche zur Meierei führte (so nannte man nämlich einige große Wirtschaftsgebäude, die zum Schlosse gehörten), wo Lady Margarethe Vorbereitung für ihren Empfang und angemessene Bewirthung hatte treffen lassen. Nur die Offiziere sah man mit ihrer Fahne und einer Eskorte den steilen Weg nach dem Schlosse hinaufziehen. Als sie aus dem Hohlwege hervorkamen, befanden sie sich vor der alten Burg, deren Pforten zu ihrem Empfang gastfreundlich geöffnet wurden.

Nachdem Lady Margarethe mit Editha und dem Schwager von dem Beobachtungsposten herabgestiegen waren, bewillkommneten sie die Gäste mit einem Gefolge von Bedienten in so guter Ordnung, als die Orgien der verwichenen Nacht es erlaubten. Der tapfere junge Cornet (Claverhouses Verwandter und Namensvetter, mit dem der Leser bereits bekannt ist) senkte die Fahne unter Trompetengeschmetter zu Ehren der Lady Margarethe und ihrer reizenden Enkelin, und die alten Mauern erdröhnten von dem Klange der Instrumente und dem Stampfen und Wiehern der Streitrosse. Claverhouse selbst schwang sich von seinem Rappen, vielleicht dem schönsten in ganz Schottland. Das Thier hatte nicht ein einziges weißes Haar am Leibe, ein Umstand, der, verbunden mit seinem Feuer, seiner Schnelligkeit, und weil er oft zur Verfolgung der widerspenstigen Presbyterianer gebraucht worden, diese in dem Glauben bestärkte, daß ihm dies Roß vom bösen Feind geschenkt worden sei, um ihn bei der Verfolgung der flüchtigen Wanderer zu unterstützen. Claverhouse begrüßte mit militärischem Anstande die Damen und bat um Entschuldigung wegen der Unruhe, in welche er das Haus der Lady Margarethe versetze, wogegen er die Versicherung empfing, daß sie nichts als Unbequemlichkeit betrachten könne, was mit der Aufnahme so ausgezeichneter Krieger in den Mauern Tillietudlems verbunden sei. – Nachdem alle Formen gastfreundlicher und höflicher Ceremonie erschöpft waren, bat der Oberst um Erlaubniß, den Bericht Bothwells zu hören, der schon in Bereitschaft stand und mit dem er einige Minuten bei Seite sprach. Major Bellenden benutzte die Gelegenheit, seiner Nichte zu sagen, ohne daß es die Großmutter hören konnte: »Was bist Du doch für ein flüchtiges, thörichtes Mädchen, Editha, mir einen mit Unsinn über Bücher und Kleider vollgepfropften Brief zu schicken, und das einzige, worauf ich etwas gab, in eine Nachschrift zu stecken!«

»Ich wußte nicht,« erwiderte Editha zögernd, »ob es sich ganz – ganz für mich schicke, zu –«

»Ich weiß, was Du sagen willst – ob es nämlich recht sei, so viel Interesse an einem Presbyterianer zu nehmen. Aber ich war mit dem Vater des jungen Burschen gut bekannt. Er war ein braver Soldat, und wenn er auch einmal Unrecht hatte, so hatte er auch manchmal Recht. Ich muß Deine Vorsicht loben, Editha, daß Du Deiner Großmutter nichts in Betreff dieses jungen Mannes gesagt hast; daß ich nichts sage, darauf kannst Du Dich verlassen, ich will Gelegenheit suchen, mit Claverhouse zu sprechen. Komm, meine Liebe, sie gehen zum Frühstück, laß uns ihnen folgen.«

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