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Die Pilger der Wildnis

Johannes Scherr: Die Pilger der Wildnis - Kapitel 6
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typefiction
authorJohannes Scherr
titleDie Pilger der Wildnis
publisherA. Anton & Co.
printrun13. bis 22. Tausend
editorJ. Jastrow
illustratorG. A. Cloß
year
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090315
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5. Die Tochter der Wildnis.

Jeden Menschen, der nicht ganz ohne Natursinn ist, wandelt ein feierliches und zugleich frohes Gefühl an, wenn er an einem schönen Sommermorgen in die Stille und Einsamkeit eines weiten Waldes sich verliert. Mit der Andacht weckenden Dämmerung eines ungeheuren gotischen Domes umfängt ihn der kühle Forst. Das Auge badet sich mit Wollust in den ineinanderfließenden Schattierungen saftigen Grüns. Der frische Harzgeruch schmeichelt den Sinnen wie entzündeter Weihrauch. Durch die Kreuzbogendecke der tausendfach verschlungenen Wipfel rieselt verstohlen grüngoldenes Licht herab. Rings in Moos und Busch regen sich leise schwirrend zahllose Insekten. Ein entzückend kühles Säuseln läßt die Blätter kaum hörbar rauschen. Dann hebt da drüben im schattigsten Dickicht die Drossel ihr schmelzendes Morgenlied an, und dort hämmert der muntere Specht den Takt dazu. Deine Brust hebt und weitet sich, du fühlst dich beglückt, wieder einmal in recht unmittelbaren Verkehr mit der Natur getreten zu sein, und mischst stillselig deinen Odem mit dem ihrigen. Zu solcher Stunde und auf solchem Gange spürst du wie sonst nie jenes geheimnisvolle Etwas dich anhauchen, was die Menschen Begeisterung, Andacht, Poesie zu nennen pflegen, jenes Emporgehobensein über die Schranken kleinlicher Verhältnisse in den Zauber der Naturgewalten, welche nun und nimmer müde werden, fortzudichten an ihrem ewigen Wundermärchen. Du träumst, du dichtest es mit. Ein Gefühl uranfänglicher Freiheit kommt über dich, der leichte Schritt der Jugend beflügelt wieder deine Füße, liebste Erinnerungen harmloser Kinderzeit umgaukeln dich und dir ist, als müßtest du dich einspinnen für immer in die grüne, duftige Waldeinsamkeit.

Solche Empfindungen mochten auch das Herz des jungen Mädchens bewegen, das an einem hellen Junimorgen einsam auf einem schmalen, vielfach kaum wahrnehmbaren Fußpfad durch einen der Urforste Neu-Englands dahinschritt. Es war die schöne Lovely. Die Anstrengung eines weiten, verschlungenen Weges hatte ihre Wangen gerötet, und ihre Augen wetteiferten an feuchter Frische mit der taufunkelnden Waldenziane.

Sie hatte, um ungehinderter ausschreiten zu können, das lange, dunkle Gewand aufgeschürzt. Mit der rechten Hand hielt sie den Henkel eines großen, tönernen Krugs, und am linken Arm trug sie einen mit einem Deckel verschlossenen, aus Schilf geflochtenen Korb, dessen Schwere die zarte Gestalt seiner Trägerin manchmal aus dem Gleichgewicht zu bringen schien.

Jetzt stand sie unter einer vielhundertjährigen Lebenseiche, deren dunkles Blätterwerk über und über mit silbergrau blinkenden Büscheln spanischen Mooses behangen war, einen Augenblick still, um auszuruhen. Ihre Lippen sogen mit Begierde den frischen Waldhauch ein, und wie sie ihre schimmernden Augen ringsher in die prächtige Wildnis tauchte, verriet der Ausdruck ihrer Blicke, daß ihre Seele erfüllt sei von dem Zauber des Waldwebens.

Nur ungern entzog sich Lovely dem beschaulichen Sinnen in dieser Waldmorgenstille. Nachdenklich schritt sie weiter, mit dem Gefühl der Gewohnheit leicht durch das Baumlabyrinth hingleitend und gewandt die Hindernisse von dichtverschlungenen Schlingpflanzen vermeidend, bis sie eine schmale eirunde Lichtung, von hochwipfeligen Eichen, Fichten und Ahornbäumen umschlossen, erreicht hatte. Am Ende derselben erhob sich das Gelände zu einer wildzerrissenen Felsengruppe von mäßiger Höhe, über die himmelhohe Tannen finster hereinblickten. Aus einer Spalte des verwitterten, von Efeu üppig umwucherten Gesteins rieselte mit dumpfem Gemurmel der Abfluß einer reichen Quelle hervor.

Der Platz war so still, so einsam, so schattenheimlich, als hätte ihn noch niemals der Fuß eines lebenden Wesens betreten. Und doch war Lovely schon manchen Morgen hier gewesen, um ihren Krug mit der klaren Flut des verborgenen Brunnens zu füllen. Auch jetzt stellte sie ihren Korb auf das Moos und bückte sich nieder, um den Krug in das kühle Wasserbecken zu tauchen.

Aber plötzlich fuhr sie mit einem leisen Schrei des Schreckens in die Höhe. Sie hatte in der Felsenspalte eine dunkle menschliche Gestalt wahrgenommen.

Ihre Bestürzung ging indessen rasch vorüber, als sie aus dem Versteck eine junge Indianerin hervorkommen und auf sich zutreten sah, mit freundlicher Gebärde die rechte Hand gegen sie ausstreckend, und in fremdartig betontem, jedoch verständlichem Englisch die Worte sprechend: »Nicht fürchten, junge Squaw. Hih-lah-dih Freundin sein vom jungen Weißgesichtmädchen; kein Krieger sein, der auf Skalpe ausgeht.«

Lovely gewann schnell ihre Fassung wieder, denn schon das Lächeln und die sanfte, liebliche Stimme des anmutigen Mädchens mußten beruhigend wirken.

Das Indianermädchen war von mittelhohem, äußerst zierlichem und schlankem Wuchse. In der ersten Blüte ihrer Jugend stehend, zeigte sie Gesichtszüge und Körperformen von vollendeter Schönheit. Sie war einfach und sittsam gekleidet. An ihre mit Stickereien von Stachelschweinnadeln verzierten Mokassins schlossen sich Beinkleider von dunkelbraunem Wollenzeug an, und eine Tunika aus gleichem Stoffe verhüllte ihren Oberkörper, jedoch nicht so neidisch, daß nicht die schöngerundete Bildung der Arme, des Nackens und Busens bemerkbar gewesen wäre. Um die Fülle ihres glänzend schwarzen, hinten in einen einfachen Knoten geschürzten Haares hatte sie ein rosaseidenes Tuch turbanartig gewunden, und um ihren schlanken Hals schlang sich eine in Gold gefaßte Korallenschnur.

Lovely zögerte nicht, die dargebotene Hand der Fremden freundlich zu ergreifen, und sagte mit Herzlichkeit:

»Meine Schwester ist willkommen.«

Die Indianerin erwiderte den Händedruck, behielt die Hand Lovelys in der ihrigen, legte ihr die linke Hand auf die rechte Schulter und betrachtete die neu gewonnene Bekannte vom Kopf bis zum Fuß genau.

Das bescheidene Mädchen schlug vor dieser Besichtigung errötend die Augen nieder.

»Nicht rot werden,« sagte die Eingeborene mit silberhellem Lachen, »nicht haben nötig zu schämen; meine weiße Schwester sehr schön sein, sehr viel schöner sein als alle die jungen Squaws in den Wigwams der Blaßgesichter, fast schöner noch als Ih-nis-kin auf dem großen Donnerkanu.«

Der Name Ih-nis-kin erinnerte Lovely sogleich an jene seltsame nächtliche Begebenheit in der Ruine auf Rhode-Island, aber die Indianerin ließ ihr nicht Zeit, nach dieser Ih-nis-kin zu fragen, wie sie beabsichtigte.

»Mein Blaßgesichtbruder, das Goldhaar –« fuhr die Tochter der Wildnis fort.

»Das Goldhaar? Thorkil Wikingson?« unterbrach Lovely lebhaft die Sprecherin.

»Thorkil Wikingson,« versetzte die Indianerin, den Namen mit Mühe aussprechend, »nicht sein guter Name für Indianermund, Goldhaar schöner klingen.«

Lovely bemerkte trotz ihrer Verwirrung den etwas gedehnten Ton, womit die Indianerin dies sprach, und fühlte, daß die dunklen Augen der Fremden mit brennendem Forschen auf ihr ruhten.

»Mein Bruder, das Goldhaar,« begann die Indianerin wieder, »hat mir gesagt, so würde ich meine Schwester finden, so würden sein ihre Haare, ihre Augen, ihr Mund. Aber wie sein der Name von meiner Schwester?«

»Lovely.«

»Lovely gut sein, Lovely schön sein. Lovely mein Bruder, das Goldhaar, meine Blaßgesichtschwester nennen.«

»Und du nennst dich Hih-lah-dih?«

»Ja, Hih-lah-dih. Sieh, der Brunnen da viel berühmt sein bei meinem Volke, heißen Hih-lah-dih bei roten Leuten, das ist bei Englischleuten »die reine Quelle«. Da bei der Quelle hat Mutter geboren mich, und die Squaws mir darum den Namen Hih-lah-dih gaben. Wir uns Lovely und Hih-lah-dih nennen, so uns verstehen gut.«

»Wohl, Hih-lah-dih klingt gut und ist ein Name von guter Vorbedeutung. Aber meine Schwester sage mir, ob sie in die Nähe der Ansiedlungen gekommen, um die Stätte ihrer Geburt wieder einmal zu besuchen.«

»Hih-lah-dih,« erwiderte die Indianerin, ihren linken Arm liebkosend um den Nacken Lovelys schlingend, »gekommen, um weiße Schwester aufzusuchen, und schon gestern sein gewesen am Brunnen hier im Verstecke, als Lovely ihren Krug füllte, um greisen, weißen Häuptling und großen weißen Krieger zu tränken.«

Erschrocken entzog sich Lovely der Umarmung des roten Mädchens, dessen Worte ein Geheimnis verrieten, das, wie sie glaubte, außer ihr nur dem Richter Eaton, seinem vertrauten Knechte und seit gestern noch einer dritten Person bekannt wäre.

Hih-lah-dih erriet den Grund der Bewegung Lovelys und sagte daher in teilnehmend beruhigendem Tone:

»Indianer haben scharfe Augen, sehen bei Tag, sehen bei Nacht alles, was in den Wäldern geschieht. Warum also nicht sehen die Spur von zwei großen Kriegern, welche im Lande der Blaßgesichter jenseit des großen Salzsees den Skalp eines großen Häuptlings genommen haben?Anspielung auf die Hinrichtung Karls I. von England

Indianer auch scharfe Ohren haben, alles hören, was hören wollen. Hih-lah-dih nur schwaches Mädchen, aber gestern alles gehört, was meine weiße Schwester auf dem Weg nach der Höhle mit dem Plymouthkrieger, den rote Leute nennen Kleinen Feuerspeier, hat geredet.«

Lovelys Beklemmung steigerte sich bei diesen Worten der Indianerin immer mehr. Sie faltete angstvoll die Hände und sah das rote Mädchen flehend cm.

»Nicht sein bange, nicht haben Furcht!« sagte Hih-lah-dih lebhaft. »Rote Leute keinem Blaßgesicht die Höhle verraten. Wampanogen, Pokanoketen, Naragansetter treu sein ihren Freunden, Hahdoh-Manitu Freund sein von rotem Mann, und roter Mann gern sein bereit, die Freunde der »Zunge des guten Geistes« zu schützen.«

»Meine Schwester kommt von Roger Williams, den ihr Volk die Zunge des guten Geistes nennt?« fragte Lovely aufatmend.

»Hih-lah-dih horcht gern der Stimme des Hahdoh-Manitu, die sanft klingt wie Säuseln des Frühlingswindes im jungen Laube,« entgegnete die Indianerin. »Aber Hih-lah-dih die Zunge des guten Geistes seit vielen Sonnen nicht gesehen haben, sie kommen herauf von der Salzsee, sie kommen als Botin eines jungen Blaßgesichtkriegers, schlank wie die Schierlingstanne, stark wie die Eiche, hellsehend wie der Luchs, rasch wie der Panther, großer Jäger, so groß wie der graue Bär, wie der Häuptling der Naragansetter, wie der Häuptling der Wampanogen!«

Das Gesicht des reizenden Geschöpfes errötete, während es in solcher Steigerung das Lob eines Mannes anstimmte, dessen Name Lovelys lautpochendes Herz erriet, so daß sie nicht überrascht war, als die Indianerin hinzufügte:

»Hih-lah-dih kommen als Botin des Goldhaars.«

Lovely schoß bei diesem Wort das Blut verräterisch ins Antlitz und bedeckte es über und über mit Purpur.

Diese Erscheinung entzündete eine helle Lohe in den Augen der Indianerin. Sie funkelte das weiße Mädchen mit wilden Blicken an, das feine Geäder ihrer Schläfe schwoll sichtbar, sie trat hastig einen Schritt zurück, machte eine Gebärde, als wolle sie auf Lovely losspringen, und rief ihr mit zornbebender Stimme zu:

»Das Goldhaar lebt im Herzen des Blaßgesichtmädchens.«

Die leidenschaftliche Äußerung der Indianerin zeigte Lovely blitzartig in der Tiefe ihrer Seele ein Geheimnis, das sie scheu vor sich selber zu verbergen gesucht hatte. Sie merkte mit einem Schlage, daß sie Thorkil grenzenlos liebte, und daß sie einer Nebenbuhlerin gegenüberstände.

»Ja,« erwiderte sie mit Selbstbeherrschung, »Thorkil Wikingson hat einen Platz in meinem Herzen. Thorkil hat mir und denen, die ich mehr liebe als mein Leben, die größten Dienste geleistet – ich möchte ihm Schwester sein.«

»Schwester sein, bloß Schwester sein wollen?« rief die Indianerin aus und fügte glühend vor Leidenschaft hinzu: »Hih-lah-dih ihm mehr sein wollen, viel mehr! Immer wollen sein bei ihm, ihm nachtragen seine Waffen, ihm nähen sein Jagdhemd, ihm rösten sein Wildbret, ihm –«

Die Worte versagten dem hocherregten Kinde, und es warf sich, in Tränen ausbrechend, an Lovelys Brust. Auch diese gab ihrem Schmerz nach; sie fühlte, sie bereute, daß ihre Äußerung Heuchelei war, sie mochte an Innigkeit der Leidenschaft der Tochter der Wildnis nicht nachstehen, sie umschlang voller Mitleid die Indianerin, und so vermischten sie ihre Seufzer, ihre Tränen, das herbste Weh, das je noch über ihre jungen Herzen gekommen war.

Sie hielten sich lange umfaßt. Als sich die beiden Mädchen wieder einigermaßen gesammelt, war ihnen zumute, als wären sie schon seit langer Zeit miteinander bekannt und vertraut. Mit der Wiederkehr einer ruhigeren Stimmung erinnerte sich die Indianerin des Zweckes ihres Hierseins und sagte:

»Hih-lah-dih muß weit weg sein von hier, wenn die Sonne erreicht hat Mittagshöhe. Muß übernommene Botschaft bestellen, meine Blaßgesichtschwester Ohren öffnen mag.«

»Ich höre, liebe Hih-lah-dih.«

»Gut. Das Goldhaar und auch der graue Bär lassen sagen meiner Schwester, daß nicht gut sei, bleiben in Swanzey. Meine Schwester aufmachen sich soll mit Vater und altem Vater und gehen nach Providence in das Wigwam des Hahdoh-Manitu, wo bald sein größte Sicherheit für Blaßgesichter.«

»Wie, sind den Meinigen die grausamen Verfolger wieder auf der Spur?«

»Nicht Verfolger von jenseit des großen Salzsees auf Späherzug sein, nein. Roter Mann den Kriegstanz tanzen in allen Dörfern. Rote Krieger kommen in Freundschaft zusammen, nur nicht Hunde von Pequoden. Indianer sagen, Tomahawk müsse ausgegraben und erhoben werden gegen die Blaßgesichter. Zu viele für armen roten Mann. Blaßgesichtsvolk erst klein wie Bächlein da, aber geworden groß wie großer Strom im Norden, wie Salzsee, und wegschwemmen wollen rotes Volk. Rote Krieger aber Jagdgründe ihrer Väter behaupten müssen, sonst zürnen Manitu.«

»Wenn ich meine Schwester recht verstehe,« sagte Lovely beängstigt, »so will ihr Volk in Feindseligkeit aufstehen gegen das meinige. Aber es ist ja Friede zwischen den Eingeborenen und den Pilgern der Wildnis.«

»Friede sein noch,« versetzte die Indianerin, »aber Häuptlinge meinen, Zeit sein, das Kriegsgeschrei anzustimmen.«

»Das ist eine traurige Nachricht. Aber will meine Schwester nicht mit mir in das Dorf gehen, um sich dort deutlicher auszusprechen? Mein Volk würde ihr großen Dank wissen.«

»Was in Dorf tun Hih-lah-dih?« entgegnete das rote Mädchen mit einem leichten Anflug von Mißtrauen. »Wampanogenmädchen nicht gern gesehen in Blaßgesichtsdorf. Hih-lah-dih nicht sein gesendet in Dorf, keinen Dank will von altem, bösem Häuptling in Dorf. Hih-lah-dih nur gesendet sein von dem Goldhaar an Lovely, und Dank haben will nur von dem Goldhaar.«

Lovely schwieg nachdenklich darüber, welche Beziehungen zwischen Thorkil und der Indianerin statthaben möchten oder könnten.

»Meine Schwester die Warnung des Goldhaars nicht darf lassen unbeachtet,« nahm Hih-lah-dih abermals das Wort. »Das Goldhaar und der graue Bär viel gelten bei roten Leuten, viel gelten bei Häuptlingen. Beide es gut meinen mit Lovely. Sagen lassen, Schwester sich aufmachen mit Vater und altem Vater, zu gehen nach Providence. Heute noch offen sein der Pfad durch die Wälder. Gehen rasch, nicht sich umsehen, nicht gut sein bleiben in Swanzey, wenn rote Krieger mit dem Tomahawk haben in den Kriegspfahl gehauen.«

»Du erregst mir große Angst, Hih-lah-dih. Aber deine Warnung soll beherzigt werden und – und – mein – unser Dank Thorkil nicht fehlen.«

»Gut. Lovely gehört haben die Botschaft des Goldhaars. Aber Hih-lah-dih wollen, daß das Goldhaar sagen, Hih-lah-dih gute Botin sein. Schwester ihr mitgeben ein Zeichen, daß Botschaft sei gut bestellt worden.«

Lovely besann sich einen Augenblick, dann knüpfte sie errötend das dunkelfarbige, unter dem Kinn festgebundene Flortüchlein los, womit sie nach der Sitte der puritanischen Frauen Scheitel und Schläfe züchtig verhüllt hatte, und reichte es der Indianerin hin mit den Worten:

»Nimm dies und sag' ihm, daß weder seine früheren Dienste noch dieser von mir vergessen werden sollen – und sag' ihm auch, er möge sorgen, daß er nicht böse Wege wandle, und bedenken, was seiner Abstammung, seiner Farbe und seinem Glauben gezieme.«

»Hih-lah-dih alles sagen will, was junges Mädchen einem so großen Krieger sagen darf,« entgegnete die Indianerin, und legte das Tüchlein um die Schultern.

Hieraus nahm sie rasch das Korallenhalsband von ihrem Halse, schlang es um den Lovelys und sagte:

»Gut sein, dies anhaben. Krieger der Wampanogen es kennen, auch Häuptlinge es kennen; gut sein, wenn meine Schwester zusammentrifft mit roten Männern.«

Mit diesen Worten befestigte sie das Schloß des Schmuckes am Halse Lovelys und küßte diese auf Stirn, Augen und Mund, wandte sich dann, winkte noch einmal freundlich mit der Hand und war mit leichtem Sprung wie eine Antilope im nahen Gebüsch verschwunden.

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