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Die Pfeifer vom Dusenbach

Wilhelm Jensen: Die Pfeifer vom Dusenbach - Kapitel 25
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typefiction
authorWilhelm Jensen
titleDie Pfeifer vom Dusenbach
publisherVerlag von B. Elischer Nachfolger
printrunAchte Auflage
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Vierundzwanzigstes Kapitel

Nun war die bitterliche Sorge in der Ulrichsburg einem ernsten Frohsinn gewichen; zu schwer fielen die Schatten naher und ferner Vergangenheit noch herein und belasteten das Gemüt, um auch die heitere Sonne des neuen Glückes nicht mit leiser Trübung noch zu überschleiern. An der Kirchenmauer der Stadt Rappoltsweiler lag der Ritter Bertulf von Egisheim in die Erde gebettet; leblos verlassen blickte die Giersburg von ihrem Felsgeblöck herab, als heimgefallenes Lehen in den Besitz des Grafen Schmaßmann zurückgelangt. Doch ein Schauder durchlief diesen, wenn sein Blick drüber hinging, er wiederholte das Wort, das er dem Burgwart entgegnet: »Ich will nichts von ihr – laßt sie in Trümmer fallen von Regen und Wind, sie hat keinem Glück gedient.« Und er ließ die Zugbrücke in den Abgrund hinuntersprengen, daß kein Zugang mehr zu ihr blieb.

Mit reichem Dankeslohn aber überhäufte der Graf das stumme Mädchen, dessen Todesmut und achtsamer Späherblick allein, wie Guy gesprochen, die Rettung Erlindes zum Erfolg getragen. Er sann täglich, ihr neue Freude zu bereiten, richtete ein kostbares Wohngemach für sie ein, begabte sie mit wertvollen Schmuckkleinodien und reicher Kleiderpracht. So weit die Züge Bettanes freundliche Dankesempfindung auszudrücken fähig waren, nahmen sie mit solcher die wertvollen Geschenke entgegen, doch sie legte die schönen Gewänder nicht an und ließ das Gold und Gestein der Ketten und Spangen unberührt. Nur einmal sprach ihr Gesicht lebhafte Freude, als Graf Schmaßmann, umhersinnend, Auftrag erteilte, ihr im Burgzwinger ein geräumig-behagliches, zierlich gefertigtes Wohnhäuschen für ihre beiden Ziegen zu erbauen. Daneben stand sie nun gern in der Wintermittagssonne und schaute über die Mauerzinne ins weite, schimmernde Land.

Glückvergessen saßen oben Guy und Erlinde, deren Wangen rasch wieder in junger Rosenschönheit erblühten. Sie sagte ihm, daß in der schreckensvollen Bangnis ihrer langen Gefangenschaft der kleine goldgrüne Stein, den sie stets an der Schnur getragen, ihre einzige Tröstung gewesen, selbst noch in der nächtigen Felskammer der Giersburg; wenn ihre Hand ihn gefühlt, sei allemal die schwindende Hoffnung aus ihm lebendig geworden, sie müsse doch wieder ins goldene Sonnenlicht zurückkommen. Und Erlinde lächelte und flüsterte, sie habe den Stein damals hastig an sich genommen, nicht wie sie gesprochen, weil er sie nicht mehr verklagen gesollt und sie ihn dem Dusenbach zurückgeben gewollt, sondern weil Guy ihn auf seinem Herzen getragen, dem sie hold sein gemußt vom ersten Augenblick; warum, habe schon ihr Kinderherz nicht gewußt, nur daß es freudiger in seiner Nähe geschlagen. Wider das sorgliche Gebot ihres Vaters habe es sie auch verleitet, am Frühmorgen des Pfeifertages die Burg zu verlassen und zur Kapelle hinunterzuhuschen, um der lieben Frau von Dusenbach zum Gedächtnis einen Rosenkranz zu bringen und sie um ihre Fürbitte anzugehen – wofür, sagte Erlinde nicht, sondern zog nur das flimmernde Steinchen von ihrem Halse hervor. Da bückte Guy sich hurtig und küßte dasselbe, wie schon oft, so lang es noch die süße Wärme von ihrer Brust in sich trug, und die Glücklichen flüsterten tauschend weiter von den offenbar gewordenen schönen Geheimnissen ihrer Herzen.

Manches freilich vermochte er ihrer jungfräulichen Unschuld nur mit leisem Hauch vorüberstreifend zu berühren, konnte ihr auch nicht mitteilen, wie ihre Rose, die er damals von ihr empfangen, sein Herz in dem Gezelt der Gersauer Gaunerkilt vor arglistiger Betörung wohl behütet habe. Doch wenn er, von der Vergangenheit und seinem Ursprung redend, an eine Stelle geriet, wo ihm die Worte ungewiß zu stocken begannen, da fragte seine Zuhörerin, von einem dunklen, unheimlichen Gefühl erbangend nicht weiter, sondern barg schweigsam ihr wunderholdes Köpfchen, dessen Antlitzähnlichkeit mit dem seinigen immer deutlicher hervortrat, an Guys Brust. Dort schwanden rasch die heraufgeflogenen Schatten wieder von ihrer rosigen Mädchenstirn, wie solche an sonnigem Sommertag wohl hastig über goldenem Ährenfeld verschweben; nur einer blieb und verdichtete sich mehr, je näher der schlimme Tag kam, an dem ihre oft schon beklagte, wenn auch hoffentlich nur kurze Trennung von dem jungen Ritter bevorstand. Denn wie laut das Herz des letzteren selbst sich gegen eine solche widersetzte, bedünkte sie doch seiner ritterlichen Ehre und einem tiefinnersten Gefühl in ihm unanwendbar. Sie ließen ihm nicht Ruhe, daß er sich mit eigenem Mund von der Treupflicht gegen seinen ersten Wohltäter und hohen Beschützer, dem er alles Glück verdankte, lösen müsse, und obzwar es ihm wunderlich bei dem Gedanken bangte, unter die glühenden Augen Karls des Kühnen zu treten, trieb es ihn doch auch unwiderstehlich zum Vollzug jener Pflichtempfindung seiner dankerfüllten Brust. Kunde war gekommen, daß der Herzog von Burgund ein neues Heer gesammelt, um René von Lothringen, der sein Land zurückerobert, wieder daraus zu verdrängen. So schien jener gar nicht weit jenseits des Wasichingebirges entfernt, und als die ersten Tage des neu beginnenden Jahres 1477 verronnen, brach Guy eines Morgens, von Velten Stacher und wenigen Dienstmannen geleitet, auf, seinen zugleich schweren und übermächtig treibenden Entschluß auszuführen. Die volle Beipflicht des Grafen Schmaßmann folgte seinem ritterpflichtigen Umritt, doch an der Wimper Erlindes blinkten sorgenvolle Tränen ihm ins kalte, nebelumzogene Frühlicht nach.

Mit ungewöhnlicher Strenge lag der Winter auf den Landen, durch welche der kleine Reitertrupp nordwärts dahinzog, und verstärkte seinen grimmigen Atem noch, als sie über die Einsattelung zwischen den Bergketten des Wasichin und der Hardt gen Westen umbogen. Mühsam gelangten sie auf schlechten, tief verschneiten Wegen vorwärts, an deren Seiten die Tannen sich unter gewaltiger Schneelast fast bis zum Erdboden herabsenkten; schneidend pfiff der Wind ihnen Eisnadeln ins Gesicht. So blieb's auch, als das glücklich überwundene Gebirge in ihrem Rücken versank und sie über das weite lotharingische Hochland davonritten. Mehrfach zwang die frühe Dunkelheit sie, in Bauernhütten armseliger herbergloser Dorfschaften zu nächtigen; in der letzten gewannen sie Nachricht, daß der Herzog René auch seine Hauptstadt Nancy wiedergewonnen und das burgundische Heer gegen diese heranziehe. Etwa fünf Meilen mochten sie selbst von ihr entfernt sein und brachen vor Morgenbeginn zum Weiterritt auf. Wie auf starrem Fittich eisigen Windes getragen, kam trüb und schaurig das zögernde Tageslicht, dann erschütterte es manchmal vor den Reitern gleich fernem, dumpfem Wetterrollen Luft und Erde. Im Anfang achteten sie nicht darauf, das Hufgetrapp ihrer Pferde verschlang den murrenden Ton, bis Guy einmal aufhorchend anhielt und plötzlich rief: »Das ist kein Wolkendonner, sondern Feuerrohrkrachen einer Feldschlacht!« Alle lauschten jetzt und vernehmbar kam es wieder herüber; bald blieb kein Zweifel, was es bedeute. Ein jäh rüttelnder Schauer fuhr Guy durchs Blut, er wußte nicht warum; sein Fuß schlug dem Pferde die Sporen ein, und schleuniger sprengten sie dahin.

Aber es war noch lang auf den schneetiefen Wegen bis Nancy, und die Dämmerung nahte wieder heran, ehe der hohe gothische Turmbau der Kirche des heiligen Franziskus ihnen entgegenwinkte. Schon seit Stunden hatte das schütternde Rollen aufgehört, lag winterlich tote Stille weitum in der Runde. Erst als sie zur Stadt hinannahten, füllte die Luft sich wieder mit anwachsendem lauten Getöse, brausendem Stimmenjubel über einen großen, schwerwiegenden Sieg. Doch er scholl nicht von burgundischen Lippen, sondern die eidgenössischen Feldhaufen von Grandson und Murten waren's, die den sinkenden Tag mit stürmischem Aufjauchzen beendeten. Vor der Hauptstadt Lothringens hatten sie dem Herzog René ihre Zusage von der Murtener Walstatt gelöst und mit ihm vereint die neugesammelte Heermacht ihres Todfeindes zum drittenmal geschlagen und vernichtet. Achttausend burgundische Leichen deckten das Schlachtfeld, kaum einer des ganzen Heeres war entronnen, alle übrigen auf der Flucht in den Sümpfen des Meurtheflusses niedergemacht. Doch nicht die Tapferkeit der Schweizer und des jungen Herzogs René allein hatte diesmal den Kampf entschieden, sondern der Verrat eines Feldhauptmanns Karls des Kühnen, des welschen Grafen von Campobasso, der ihn treulos während der Schlacht verlassen und zum Feinde übergegangen war. Als Karl von Burgund diese Botschaft vernommen, war ihm bei einem Aufruck seines Kopfes der goldene Löwe vom Helm zur Erde gestürzt, kein wilder Trutzfluch aber ihm vom Munde gefahren; er hatte nur dumpftönig ausgestoßen: »Ecce, magnum signum Dei!« und sich mit seinem Schwert mitten in das blutige Getümmel hineingeworfen.

Und nun raunte und rief man's durchs eidgenössische lothringische Lager, Karl der Kühne selber liege unter den Toten auf dem ungeheuren Leichenfeld. Jemand hatte gesprochen, daß er ihn fallen gesehen, und die Schlacht sei über ihn hingerast. Doch niemand wußte, ob der Ruf Wahrheit rede; tiefes Nachtdunkel fiel jetzt über die weite entsetzliche Walstatt und barg hoch und niedrig, Freund und Feind, jedem Blick.

Schlaflos durchwachte Guy in einem Gezelt die lange Januarnacht. Es war wohl seltsam Ort und Stunde, ihm die herabnickende Wimper allemal mit jagenden Gedanken wieder aufzuscheuchen. Auf diesem Feld hier, wo der Eiswind durch die Finsternis um ihn heulte, hatte er einstmals an heißem Sommertag glücktrunken am Boden gekniet und die schallende Stimme Karls des Kühnen über ihm gerufen: »Steht auf! Nach unserer Stadt Nancy sollt Ihr Euch Ritter Guy Loder von Nancy benennen!«

Atmete der Mund, der es gesprochen, noch irgendwo auf irrer Flucht, oder lag er starr und ewig verstummt draußen mit unter der großen Ernte des Todes? Fraglos hatte der heutige Tag die burgundische Macht für immer aus ihrem stolzen Wolkenflug zur Erde herabgeworfen; sie hob sich nicht wieder. Guy wußte nicht, was sein Herz im geheimen pochte, hoffte und fürchtete; fast bedünkte es ihn besser, der Unbezähmbare, dessen goldener Löwe zu Boden gestürzt, schlafe draußen, um nicht mehr aufzuwachen.

In wachem Traum verbrachte der junge Ritter die endlos lange Nacht. Um die Zeltwand strich der Wind und summte immer mit raunender Geisterstimme drein: »Nur um drei Dinge ist der Arm tapfer und das Herz mutig: für den Ruhm, für ein Königreich oder für ein Weib.« Und schwermutsvoll lauter klopfte das Herz dem Schlaflosen: Ruhm und Königreich hatte Karl von Burgund verloren, und ein Weib, nach ihrem Besitz zu trachten, dafür zu kämpfen und zu leiden, trug die Erde für ihn nicht.

Erst gegen Morgen fielen die Lider Guys einmal herab, allein im nächsten Augenblick fuhren sie schon wieder empor, denn der Ruf des Herzogs schlug ihm ans Ohr: »Den Junker von Loder!« Und er wußte wunderlich, er solle seinen Herrn für die Schlacht bei Nancy wappnen, in der Karl der Kühne den Tod suchen wolle.

Da war's Velten Stachers Mund gewesen, der ihn geweckt: der Tag breche an. Stumm blickte Guy durch das graue Zwielicht in das Gesicht des Freundes; was die Nacht ihm in irr schwankendem, hoffendem und bangendem Zweifel belassen, war ihm plötzlich in dem Augenblick des Traumes zu unerschütterlicher Gewißheit worden: der stolze Herzog habe den Tag der Schmach nicht überlebt, er liege draußen unter den Toten.

Auf dem weiten Schlachtgefild herrschte schon rege Arbeit, die vielen Tausende von Leichen zusammenzutragen, um sie in großen, mühsam im hartgefrorenen Erdreich aufgeschürften Gruben zu bestatten. Zahlreiche Augen, am unermüdlichsten diejenigen Guys, suchten eifrig dabei umher, ob das Gerücht Wahrheit rede: Karl der Kühne selbst liege auf dem blutigen Feld. Aber ungeheure Mühsal war's, die weitzerstreuten Gefallenen zu sammeln; an Stellen lagen sie zu Bergen übereinander gehäuft. Nebel wallten aus dem Meurthethal auf, der kurze Wintertag ging, ehe die Hälfte der schweren Arbeit vollbracht war. Niemand hatte den Herzog von Burgund aufgefunden, man rief durchs Lager, er sei entkommen; Guys Herz allein sprach unbeirrt, ernst und gefaßt, er liege doch da draußen unter den Toten.

Dann schwand abermals die schaurig lange Nacht, der dritte Tag begann und mit ihm die Erneuerung der emsig schreckensvollen Tätigkeit vom Tage zuvor. Doch vermochte diese auch heute noch nicht das Übermaß ihrer Aufgabe zu bewältigen, das karge Licht des Himmels hob zu früh an, langsam schon wieder zu schwinden. Da ging ein Ruf, unter einem Hügel von Toten habe man einen Leichnam halb im Sumpf vergraben gefunden, den Kopf in Eis eingefroren, unerkennbar mit Blut und Schlamm überdeckt. Nur der Bart desselben und die Nägel an den Fingern seien so lang wie bei keinem anderen, daß einer gesprochen, er habe vernommen, Karl der Kühne solle nach der Murtener Schlacht mit einem Eidschwur gelobt haben, sich Bart und Nägel wachsen zu lassen, bis er den Schimpf seiner Niederlage gerächt. So lief's auf dem Blutfeld umher und kam an Guys Ohr, der, unweit entfernt, nun zur Stelle des Fundes hinzutrat. Er warf einen Blick auf den entstellten Toten, bückte sich nieder und glitt mit dem Finger unter Blut und Schlamm über die linke Schläfe desselben, wo Karl von Burgund bei seinem tollkühnen Vorsturm in der Schlacht von Montheri einen toddrohenden Schwerthieb empfangen. Dann richtete der junge Ritter sich ernst-ruhig auf und sprach nur: »Er ist's«.

Er hatte nicht mehr gehofft, nur gebangt, ihn nicht zu finden. Nun war alles vorüber; sein Herz stand nur einen Augenblick still, als er die zu Eis erstarrte Hand des Toten mit der seinigen faßte, doch er hielt sie fest umschlossen, bis der leblose Körper auf eine Tragbahre gebettet worden. Auf die unerkennbaren Lippen Karls des Kühnen niederblickend, sagte er langsam, schwermütigen Tones: »Was spracht Ihr? Solltest du mich einmal schlafend finden, so tu's mir auch!« Er nahm seinen Mantel von der Schulter und deckte ihn über den schreckensvoll entstellten Leichnam; nochmals herabgebückt flüsterte sein Mund: »Wenn keiner sonst, ich habe dich geliebt; schlafe, deine Augen können's jetzt und ihnen ist wohl geschehen – denn die Erdendinge machen müde.« Dann geleitete der junge Ritter Guy Loder von Nancy die Bahre in die Kirche des heiligen Franziskus der Stadt Nancy, wo Karl der Kühne, inclytus et fortissimus Dux Burgundiae, noch in der Nacht desselbigen Tages bei Fackelgeloder in die Erde gesenkt ward, bis um ein Jahrhundert später sein Enkelsohn, der deutsche Kaiser Karl V., seine Gebeine feierlich in die Notre-Dame-Kirche zu Brügge hinüberbestatten ließ.

Eines Wortes aber, das der mächtige Herzog einstmals gesprochen, gedachte Guy heute nicht: »Verlör' ich ihn, und du fändest ihn auf, ist er dein.« An den unschätzbaren Diamanten im Löwenhelm Karls von Burgund, einem Königreich gleich an Wert, rührte kein Gedanke im Sinn des jungen Ritters.

Viele andere Augen und Hände dagegen suchten begierig nach ihm umher, doch umsonst, denn zufällig war schon während der Schlacht der Blick eines lothringischen Soldknechtes auf ein am Boden im Schmutz liegendes, buntglitzerndes Ding gefallen, er hatte sich gebückt und dasselbe in den Sack gesteckt. Und durch Zufall auch hatte er's am Spätnachmittag hervorgezogen, wo der geistliche Herr einer nahen Dorfschaft, im einbrechenden Dämmerlicht würdevoll wandelnd, aus seinem Brevier ein andächtiges Gebet für die Seelen der heute im Kampf erschlagenen treuen Anhänger und Söhne der heiligen Mutterkirche gelesen. Da gewahrte er das seltsam noch im Zwielicht leuchtende Ding in der Hand des arg von dem Schlachtgetümmel mitgenommenen Knechtes und sprach, einen Goldgulden aus der Tasche ziehend, leutselig: »Hast treulich zur Ehre Gottes und seiner Heiligen gestritten, mein Sohn, trägst gewißlich sattsam Hunger und Durst, den du zu löschen wohl mit Ehren verdienst. Nimm das und erfreue dich heut Abend an Fleisch und Wein im Marketendergezelt, mein Gebet soll's dir obendrein noch gesegnen; kannst mir den bunten Kiesel dafür geben, meine Schwester hat liebe Kindlein vom Himmel beschert, die hübsch damit spielen mögen.«

Gar hoch beglückt über die reiche Gabe und den Segensspruch des väterlichen Herrn nahm der Soldknecht, hungernd und dürstend, den dargereichten noch nie zuvor besessenen, blinkenden Goldgulden, gab freudig den bunten Kieselstein dafür hin, und der Pfaff schlug sich hurtig in den Busch.

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