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Die Pfahlburg

: Die Pfahlburg - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorCarl Ferdinand van Vleuten
titleDie Pfahlburg
publisherJos. Scholz, Mainz
printrun9.-11. Tausend
editorWilhelm Kotzde
year1911
illustratorRobert Engels
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20141216
projectid98225eb7
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Siebentes Kapitel. Wutt und der Hund

Als Wutt den Wächter getäuscht und mit dem Hunde das deckende Schilf und Weidendickicht erreicht hat, nimmt er sogleich den Lederriemen des vordrängenden Tieres kürzer, dreht sich um und späht zwischen den Zweigen nach der Pfahlburg hinüber.

Einen Augenblick scheint Waldun scharf gerade in der Richtung auf den Verborgenen hinzuschauen, noch mehr scheint er aufzumerken, als Uddo, der Hund Usolds, ungeduldig, zu seinem Herrn zu kommen, laut anschlägt.

Mit Streicheln und leisen Worten beruhigt Wutt das edle Tier.

Da wendet sich Waldun ab und nimmt seinen Rundgang wieder auf.

Friedlich liegt das Dorf im hellen, freundlichen Nachmittagslicht auf dem Wasser, von den Hütten steigt der Rauch auf, ein paar Kinder spielen zwischen den zahlreichen Einbäumen herum und suchen die halbwilden Enten zu haschen, die unter den Hütten umherschwimmen und nach Abfällen fischen.

Jeder Pfahl spiegelt sich in der kaum bewegten Flut, darunter liegt das Abbild der lehmgestrichenen Hütten und der spitzen Dächer; der wandelnde Waldun, der Steg, alles schimmert in satten Farben aus dem Strom herauf.

Kaum kann Wutt, der sich nun vom Dorfe abwendet, die Unruhe des Hundes zügeln; die Nase fest am Sumpfboden, spürt Uddo nach den Fährten seines Herrn, mit seinen treuen, braunen Augen sieht er den gedrungen kurzen, gelben Menschen neben sich an, wedelt mit dem Schweif und zerrt an der Leine.

Wutt spricht mit sich selbst.

Wo der Händler ans Land gegangen ist, um mit Keier und Usold zu kundschaften, das kann Wutt nicht wissen, er hat nicht die Nase eines Wolfes oder einer Wildkatze. Aber Wutt ist klug, Uddo wird seinen Herrn finden, Uddo hat eine Nase wie ein Wolf, Uddo wird Wutt den richtigen Weg führen.«

Ohne erst ein Tal abzuwarten, steigt der mit allen Schleichpfaden dieser Wildnis Vertraute bergaufwärts. Er macht es sich recht bequem, er läßt den starken Hund voran durchs Unterholz brechen und hängt sich selbst mit seinem ganzen Gewicht daran, ohne auf das Keuchen des Tieres, dem der gespannte Lederstreifen die Kehle fast zuschnürt, viel zu achten.

Unterwegs zieht er ein paar Weizenkuchen aus dem Fellsack, die er irgendwo in einer Hütte mitgenommen, und gibt sich daran, sie langsam und gründlich zu kauen und zu verzehren.

Dazu gibt er sich angenehmen Träumen hin, die er halblaut vor sich hinredend, ausspinnt.

»Wutt wird die drei Kundschafter verfolgen, er wird die Bergmänner auf ihre Fährten locken, er selbst wird im Hinterhalte dabei sitzen und zusehen, wie Keier hingemordet wird, der dem Wutt so manchen Schlag mit der Faust gegeben hat, und Usold erschlagen wird, der Sohn des Häuptlings, den Wutt haßt, und Suwil, der den Schatz weiß. Und dann will Wutt nach der Insel gehen und sich ein Haus auf Pfählen bauen, die Bergmänner wird er herbeirufen und sie werden ihm helfen, und er wird ihr Häuptling werden und ihnen Waffen geben, und dann wird er sie gegen Donndurs Dorf führen, und keiner soll lebend von den Pfählen flüchten; ausbrennen will Wutt das Dorf bis auf die Stümpfe. Und dann wird Wutt über alles Wasser herrschen nach Mittag und Mitternacht, und alle Fische sollen ihm gebracht werden und alles Wild aus den Wäldern. Nie mehr wird Wutt rudern oder schwimmen, andere Männer werden für ihn rudern, und Wutt sitzt im schönsten Einbaum, und auf den Wink seiner Hand greifen hundert Ruder in den Strom. Auf Fellen will er liegen, in Hermelinfell will er sich kleiden, rote Kessel aus dem Schatz auf der Insel wird er am Feuer stehen haben mit köstlicher Speise. Und Mettrank will er trinken die lange Nacht bis Sonnenaufgang. Wer wird die Bergmänner groß und mächtig machen auf dem Strom und die verhaßten blondhaarigen Krieger erwürgen? Das ist Wutt, der in Donndurs Dorfe ein Knecht war!«

Aber die Träume vermindern nicht die Schnelligkeit der Schritte, denn der Hund ist unermüdlich, der Kamm des Gebirges ist schon erstiegen, und die verworrene Finsternis der Wipfel lichtet sich etwas.

Schon sinkt die Abenddämmerung herunter, im rechten Winkel wendet sich Wutt, auf diese Weise gedenkt er alle Zugänge zum Gebirge quer zu schneiden und dadurch den Hund auf die richtige Fährte zu bringen.

Nun naht sich das erste Tal, es ist nicht tief eingeschnitten, aber sumpfig und ein Schlupfwinkel der wilden Eber.

Scheu hetzt Wutt hinter dem Hunde her; als sich ein Reiher aus dem Gewässer aufhebt, fährt er zitternd zusammen und fürchtet schon die krummen Hauer der wütenden Schweine an seinen Schenkeln zu fühlen.

Als er auf der anderen Seite den Abhang wieder hinaufklimmt, atmet er auf, viel Zweige und Ranken schlagen ihm ins Gesicht, und er ist gezwungen, bei der schnellen Jagd des Hundes durch das Dickicht oft die Augen zu schließen; so überläßt er sich ganz dem führenden Uddo.

Es naht endlich die zweite Schlucht.

Bisher hat der Hund durch keine Bewegung verraten, daß er eine Spur gefunden habe, die er verfolgen möchte, in unverändertem Gleichmaße strebt er vorwärts, die Schnauze gesenkt, rastlos mit dem Schweife wedelnd.

Nun steigen die beiden zum Bache hinunter, der die große Schlucht durchfließt, schärfer schnaubt Uddo am Boden, heftiger reißt er den Trägen mit sich fort. Ungestüm setzt der Hund mit beiden Pfoten in den Bach, plötzlich springt er an das andere Ufer und wendet sich keuchend abwärts auf den Strom zu.

Wutt bückt sich, er sieht zahlreiche Spuren im Lehm des Wassers, ältere und frische, tief muß er sich bücken, um in dem blassen Dämmerlicht noch zu erkennen.

Dann aber zerrt er Uddo mit den Bach hinauf.

Mit großen Schritten eilt Wutt weiter, er hat die Spur gefunden. Aber auch der Hund sträubt sich nicht mehr, er wittert mehrmals die Fährte seines Herrn auf dem trockenen Kies, mächtige Sätze macht das kluge Tier durchs aufschäumende Wasser, ein leises Junxen läßt er laut werden, so sehr ist er in Erregung.

Plötzlich aber macht er einen Satz aufs Ufer und ist nicht weiterzubringen.

Trotz der Dunkelheit erkennt Wutt, daß sich an dieser Stelle Menschen durch das Geranke der Brombeeren und Gebüsche aufwärts gezwängt haben; hier ist ein Adlerfarnwedel niedergetreten, dort ein Zweig von einem Haselnußast abgeknickt, auch scheint es ihm so, als ob er im Schutt des Abhanggerölls drei verschiedene Fußspuren sehen könne.

Am meisten verläßt er sich aber auf Uddo, er klopft das unruhige Tier, schlingt sich den Leibriemen doppelt um die Hand und läßt sich von dem Hunde nach der Höhe zu ziehen.

Dem fertiggebahnten Wege verdankt er es, daß er schnell auf der Hochfläche ankommt, wieder führt der Hund, und Wutt folgt wie ein Halbblinder dem Voranstürmenden.

Nun sieht er die Feuer auf den Berggipfeln, freudig und hämisch zugleich leuchtet sein dunkles Auge auf, er kennt die Bedeutung dieser Feuer sehr gut, er weiß, daß spätestens nach einem Tage alle Horden der Bergwilden auf einem Kriegszuge nach dem Tale zu begriffen sein werden. Er begreift, daß seine Hoffnungen vor ihrer Verwirklichung stehen.

Er hat den linken Arm zum Schutze gegen Zweige vor den gebeugten Kopf gelegt, und sein rasches Atemholen verrät, daß er müde wird. Aber die Gier treibt ihn weiter.

Wie er so seinen stumpfen Träumen nachhängt, überfällt ihn auf einmal der Gedanke, daß hinter jedem Baume, hinter jeder Böschung die drei Kundschafter sitzen können. Eiskalt läuft es ihm den Rücken hinunter, er denkt an die Pfeile Keiers, die ihr Ziel nie verfehlen, an die stürmische Kampfesfreude Usolds, an Suwils langes, braunes Messer. Er versucht, den Hund zurückzuhalten, der reißt aber den Widerstrebenden mit sich fort.

»Uddo wird die Nähe der Kundschafter verraten, er wird bellen, und dann will ihn Wutt erstechen. Aber die Kundschafter müssen eilen und werden großen Vorsprung haben vor Wutt.«

Ziemlich hoch steht schon der Mond und beleuchtet eine Talschlucht, die sich öffnet; weiß schimmern von unten die unbenetzten Kiesstrecken, die den Bach begleiten.

Wetterleuchten blitzt im Südwesten auf, aber Wutt sieht es nicht, er wird von dem ungestümen Hunde den Hang fast hinuntergestürzt, mit beiden Händen hält er sich an den spärlichen, zähen Ginsterbüschen, doch gleitet ihm dabei die lederne Schnur von der Hand ab.

Mit einem scharfen, kurzen Kläffen rennt Uddo über die gebleichten Kiesfelder mitten ins tiefste Kleinholz hinein, Wutt hinter ihm her, er will nicht im letzten Augenblicke den Führer verlieren. Er hofft, daß sich die Schnur um einen Ast schlingen und so den entweichenden Hund zurückhalten werde, bis er ihn wieder in der Hand habe.

Da erhebt sich im Dickicht ein dumpfes Brummen, die hellen, halblauten Schreie, die Uddo ausstößt, deuten auf seine höchste Erregung; es klingt, als ob ein großer Körper mit Wucht auf den Boden geworfen würde.

Zweifelnd hält Wutt im Vordringen an, Angst lähmt seine Glieder; ehe er aber, aus dem Gebüsch auf die Blöße hinaustretend, sich recht besonnen hat, was vorgeht, erhebt sich vor ihm eine dunkelbraune, schwere Masse, in die sich Uddo grell knurrend verbissen hat.

Ein brauner Bär war dem Geruche des frischen Fleisches nachgegangen, hatte die Leichen und Fleischstücke in den Büschen entdeckt und gerade an den Rippen des Wisentstieres sein Nachtmahl begonnen, als der Hund ihn störte. Nun richtet er sich gegen den vermeintlichen neuen Angreifer, aufrecht steht er vor Wutt, der wirr von der unvermuteten Erscheinung zögernd und unsicher nach seinem Beile greift.

Da trifft ihn ein Schlag der Tatze an die Stirn, er stürzt hin und schließt in tödlicher Angst die Augen; schon fühlt er den heißen moderig riechenden Atem des knurrenden Bären über sein Gesicht streifen, da wird er durch einen neuen Ansprung des Hundes von der erdrückenden Last des auf ihm liegenden Bären befreit.

Uddo hat sich nämlich mit einem Satze auf den Rücken des Feindes geschwungen und von dort aus dem Wehrlosen in die Oberlippe gebissen, so daß die Nase des Bären zwischen seine furchtbaren Fangzähne geraten ist.

Brüllend springt das Tier auf; mit gesenktem Kopfe rennt es hin und sucht im Laufen durch heftiges Schütteln den Hund abzustreifen; der läßt schließlich, als ihn ein Tatzenhieb auf den Hinterlauf trifft, los; aber der Bär hat genug vom Kampfe und trabt in die Wälder, indem er seine blutende, aufgerissene Nase mit der Zunge beleckt.

Uddo aber kommt winselnd zu Wutt und riecht ihm mit seiner zottigen Schnauze ins Gesicht.

Wutt schlägt die Augen auf, versichert sich, daß der Bär fort ist, richtet sich auf, grinst und schlingt schnell die Lederschnur, die der tapfere Hund noch immer nachschleppt, um seine Hand; kaum aber fühlt Uddo wieder, daß er gefesselt ist, als er die Spur wieder aufnimmt und Wutt näher zu den Wohnsitzen der Bergwilden hinleitet.

Schon zeigt sich die von den brennenden Holzstößen erleuchtete Schlucht, welche die Höhlen birgt.

Aber zugleich wühlt auch der Wind stärker in den Wacholderstämmen und Gebüschen, das Wetterleuchten zieht schon den Donner nach sich, und die Wolke steht finster im Südwesten.

Die Kronen der Eichen, die breit mit tief ansetzenden Ästen einzeln über die Hochebene verstreut sind, biegen sich im Sturm.

Da schlägt Uddo laut an, er merkt, daß die Spuren frisch sind, er wittert die Nähe seines Herrn.

Wutt sieht seinen Lebensretter mit einem schiefen Blicke an, er greift zu seinem Beile; aber die Furcht läßt ihn nicht zuschlagen.

Wieder bellt der Hund, und obwohl Wutt sich sagen könnte, daß der starke Sturm, der gerade entgegenweht, den Klang des Gebelles nicht bis zur Schlucht gelangen lassen wird, so muß doch jeder Schritt weiter verhängnisvoll werden.

Er überlegt; wenn er den Hund losläßt, so werden die drei Kundschafter vielleicht gewarnt, sie können heimlich flüchten, und alles ist vergebens; totschlagen wäre das beste, aber er fürchtet sich; ein heller Blitz zeigt die gesträubte Mähne des knurrenden, großen Tieres.

Einem jähen Einfall folgend, schwingt sich Wutt auf den untersten Ast einer breiten, hohen Eiche, jedoch ohne die Lederschnur loszulassen.

Schon reißt der Hund an der Leine, als wenn er Unheil ahne; Wutt kann ihn nur halten, indem er sich nach unten beugt. Mit schnellem Riß zieht er die Schnur in die Höhe und knüpft sie mit einem Knoten fest, außer sich ist er vor Wut, daß sie so kurz ist; denn wäre sie ein paar Handbreit länger, würde Uddo ganz in der Luft hängen und im Nu ersticken; so steht der Hund hoch auf den Hinterbeinen und stößt, während Wutt sich an einem anderen Aste zur Erde hinuntergleiten läßt, zischende, klägliche Laute aus.

Wutt glaubt, daß es dem Tiere bald unmöglich sein werde, in dieser Stellung auszuhalten, und daß es, ermattend, sich selbst erhängen werde.

Hinter dem entweichenden Wutt her tönt das gurgelnde, tonlose Atemschnappen des Hundes.

Die Nähe der Schlucht erlaubt dem Feigen nicht mehr, aufrecht zu schreiten; so kriecht er, ohne auf die Spuren der Kundschafter viel zu achten, weiter, bis er am Rande des Abhanges Halt machen muß. Mit flackernden Augen späht er unten in die Tiefe, er sieht Seiwo am Pfahl, die händeklatschenden Weiber, den Bärentanz und dahinter die lodernden Feuer.

Tückisch verzieht sich sein Gesicht, als er den einen Mitwisser des Geheimnisses von den verborgenen Waffen noch lebend findet. Er wünscht sich einen Pfeil, um die verräterische Zunge dort unten zum Schweigen bringen zu können. Vergebens späht er nach allen Seiten hin, um der Kundschafter ansichtig zu werden. Schon fürchtet er, daß irgend ein Zufall sie wieder zurückgetrieben habe; aber er hofft, daß der Vater seinen Sohn nicht hilflos am Pfahl lassen werde.

Von der Sucht, seinem Opfer näher zu kommen, getrieben, schiebt sich Wutt an der Kante des Absturzes entlang, bis er den Höhleneingängen gerade gegenüber so nahe an Seiwo gekommen ist, daß er den Gefesselten unten mit einem Steinwurfe erreichen könnte.

Da knattert der erste Blitz aus der Gewitterwolke, der zweite folgt, und das Tosen und Dröhnen der stürzenden Regenfluten löscht das Feuer.

Wutt hat sich beim Gellen des ersten Schlages ins Gras gebückt, als sei ein Beil über ihm geschwungen, er erstarrt im Schrecken; als er aber merkt, daß der Donner ihn nicht vernichtet hat, sucht er bei jedem Aufleuchten der Wolken die Vorgänge unten zu erspähen.

Er sieht, wie die Bergwilden sich vor der Flut des Wetters in die Höhlen geflüchtet haben. Plötzlich fährt er auf und tastet sich den jähen Hang hinunter, sein Beil zieht er heraus, er will das Dunkel benutzen, um den gefesselten wehrlosen Seiwo zu erschlagen.

Seine Gier, den Mitwisser des Geheimnisses zu töten, ist stärker als die Furcht vor den Kundschaftern; auch hofft er, daß Finsternis ihn decken werde vor dem Schwert Suwils und den Pfeilen Keiers.

Da hält er, in der Schlucht angekommen, erschreckt inne; ein mattes Aufflackern eines Blitzes hat ihm gezeigt, daß eine Gestalt bei dem jungen Gefangenen hockt.

Als er aber noch einmal schärfer hinschaut, sieht er, wie neben dem vermummten Wächter, den Wilden in der Höhle noch durch den flachen Holzstoß verborgen, drei Männer am Boden hinkriechen. Mit hastigen Bewegungen schlüpft er durch den nassen Rasen hin hinter Gebüsche an der anderen Seite, richtet sich auf und wartet nun herzklopfend den nächsten Blitz ab.

Nur ein matter Flimmer ist es hinter den Wolken und dem rauschenden Regenvorhang, aber es genügt, um ihn erkennen zu lassen, daß der Pfahl leer ist und der Wächter ausgestreckt am Boden liegt.

Er ist sinnlos vor Zorn, er knirscht mit den Zähnen; dann aber legt er die Hände an den Mund wie einen Trichter und schreit, selbst flüchtend, gellende, unverständliche Laute ins Tal, so brüllend und laut, daß es selbst den Widerhall des Donners über den Tälern und das Prasseln des Regens übertönt.

Schon quillt die Masse der Bergwilden aus den Eingängen auf den Pfahl zu, Wutt aber springt wie ein gehetztes Tier den Abhang entlang.

Als er im nassen Ginster der Heide verschwindet, hört er die gräßlichen Rufe der Höhlenbewohner, die ihren Gefangenen entflohen, den Bärentänzer aber erdrosselt unter dem Pfahl finden.

Bald vernimmt man, während der Wetterregen ebenso schnell, wie er kam, auch wieder leiser wird und sich verzieht, von allen Seiten der Schlucht das Schreien der Bergwilden, die, rundum verteilt, sich gegenseitig anrufen, das Schleifen vieler Füße und Schlagen und Brechen der geknickten Zweige.

Wutt aber hört und sieht nicht mehr, wie von einem Hornissenschwarm verfolgt, rennt und stolpert er über die Hochebene dem fernen Flusse zu, er wird von der nagenden Ungewißheit gequält, ob es den vier Männern gelingen wird, den Verfolgern zu entgehen.

Heiß kocht der Haß in ihm auf, und er zittert vor Wut, daß es ihm nicht möglich war, Seiwo zu töten, er fühlt nicht den frostigen Morgenwind, der seine nassen Glieder trocknet, er schaut nicht auf den Mond, der sich klar über die abziehende Gewitterwolke hebt, mit halbgeschlossenen Augen fühlt er nur seinen glühenden Haß.

finis
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