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Die Pfahlburg

: Die Pfahlburg - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorCarl Ferdinand van Vleuten
titleDie Pfahlburg
publisherJos. Scholz, Mainz
printrun9.-11. Tausend
editorWilhelm Kotzde
year1911
illustratorRobert Engels
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20141216
projectid98225eb7
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Sechstes Kapitel. Die Kundschafter

Der Insel des nächtlichen Überfalls gegenüber landen nach eiliger Fahrt die drei, abwechselnd haben Keier und Usold dem Knaben das Ruder abgenommen, unaufhörlich drängte Suwil. Nun schieben sie den Kahn ins Dickicht der Uferbüsche und decken Schilf darüber.

Der Knabe verschwindet wie ein Schatten auf den Pfahlbau zu in den Wald.

Die drei Kundschafter machen eine Stelle aus, wo sie sich treffen wollen, auch soll der Ruf der Krähe ein Erkennungszeichen sein für die anderen; dann geht jeder für sich auf die Suche nach der Spur der Feinde.

Suwil beabsichtigt, das Ufer nach dem Holzklotz abzusuchen, an den sein Sohn gebunden war, Usold will den Schilfgürtel durchmustern, Keier aber, der die Wege kennt, geht weiter hinauf an den Hang der Berge; er weiß, durch welche Schluchten die Wilden aus den Wäldern hinunterzusteigen pflegen.

Er zieht den Kopf des Bären, der am Felle hängt, über die Stirn, auch hüllt er die Arme ein, so schlägt sich der Läufer geduckt ins Dickicht. Einen Bach mit kiesigem Bett sucht er auf; langsam watend, achtet er gespannt auf seine beiden Ufer, ob kein Pestwurzblatt zerfetzt sei, ob irgendwo ein Fußstapfen sich zeige, ob ein Zweig welk und abgeknickt am Aste hänge.

Endlich, als sich Keier schon ziemlich weit vom Strome entfernt hat, bückt er sich und betrachtet aufmerksam das Bachbett, das, an dieser Stelle tiefer ausgehöhlt, von einer mit feinem Sande gemischten zähen Lehmschicht bedeckt ist.

Jäh richtet er sich auf, legt die beiden Hände trichterförmig an den Mund und läßt das heisere Krächzen der Krähe erklingen. Am Rande des Baches sitzt er und wartet, lauscht zugleich, ob die Nahenden ihn finden, noch mehrmals schickt er, damit sie ihn nicht verfehlen, den Krähenruf über das enge Tal.

Suwil dringt zuerst heran.

»Trug Seiwo Sohlen unter den Füßen, als man ihn fing?«

»So war es,« antwortet Suwil hastig.

Stumm zeigt der Läufer auf das Bachbett.

»Zahlreiche Spuren kreuzen sich, aber eine ist unter ihnen, bei der lassen sich die Zehen nicht erkennen, sondern sie ist nur glatt in Form eines Fußes.«

»Seiwos Fußspur ist das,« sagt der Händler kurz, während auch Usold herankommt.

»Suwil und Usold sollen auf meine Worte hören,« beginnt der Läufer nach kurzer Überlegung. »Die Bergwilden hatten es nicht eilig, denn die Stapfen sind breit und tief eingebohrt im Grunde. Auch sind die Ränder der Stapfen noch scharf, ein Zeichen, daß noch keinen Tag lang das Wasser darüber hinglitt.«

»Und doch ist auch eine Zeit vergangen,« fällt Suwil ein, »denn die Falten an der Fußsohle sind verwischt, und ein Hauch zarten Schlammes ist schon in die Form hineingespült.«

»Am frühen Morgen heute mögen die Wilden hierher geschritten sein, sie warteten am Stromufer auf jene, die zu Suwils Verfolgung jenseits des Flusses geblieben waren, als die aber mit dem Lichte nicht kamen, brachen sie auf.«

»Und Seiwo?« fragte finster der Vater.

»Seiwo lebt, er wird auch morgen noch leben, die wilden Zwerge werden seinen Tod planen, wenn sie ihre Nachbarn zusammengerufen haben und bis dahin ...«

»Haben wir ihn gefunden, seine Bande zerschnitten und ihn hinabgeführt zum Pfahldorf,« wirft Usold schnell ein.

»Usold vergißt,« entgegnete Keier verweisend, »daß wir auch Kundschafter sind und heimkehrend genaue Kunde den Volksgenossen geben müssen vom Bergvolk, wieviele es sind, ob sie rüsten, ob sie den Bärentanz getanzt und sich Farbe ins Gesicht gemalt haben, ob ihre Nachbarn mitkämpfen, alles müssen wir erkunden.«

Dem Händler dauert diese Unterweisung des jungen Jägers schon zu lange.

»Keier,« sagt er, »mag vorangehen, er sei unser Führer, wir wollen dem Wasserlauf folgen und eilen, zu den Höhlenklüften zu kommen.«

Aber Keier schüttelt unwillig das Haupt und spricht: »Suwil hat greises Haar fast und führt das lange Messer als ein großer Krieger, aber er ist ungeduldig wie ein junges Mädchen!«

»Er ist nicht gewohnt, in diesen Wäldern zu schreiten,« fügt der Läufer begütigend bei, als er bemerkt, daß sich in Suwils Stirn eine finstere Falte eingräbt. »Hat Suwil denn vergessen, daß er heute früh von der Horde der Wilden verfolgt wurde? Zwölf waren es vielleicht. Sie fanden den Wisent und haben ihn zerlegt, die Fleischstücke schleppen sie mit sich nach der Höhle. Vor Mittag sind sie aufgebrochen, sie mußten den Strom durchschwimmen, sie eilen aber, um den Zwergen die Nachricht zu bringen, daß unser Pfahldorf den Flüchtling aufgenommen, Suwil selbst mag mir sagen, wo diese zwölf jetzt sind.«

Dieser Überlegung des Jägers muß Suwil beistimmen. »Keier hat recht,« antwortet er, »die zwölf sind entweder kurz vor uns, oder sie folgen uns auf den Fersen. Sie kennen den Wald und können auch nachts wandern. Die Spuren am Bache sind nicht zu verschiedener Zeit in den Lehm gedrückt worden, die zwölf Wilden sind dicht hinter uns.«

»So meint es Keier; wir wissen nicht, ob sie nicht einen anderen Weg wählten. Dunkel werden nun die Wälder, leicht laufen wir in eine Falle. Wir wollen den Abhang des Berges hinauf, so hoch wir können, vielleicht, daß man von einer Kuppe weiter ins Land spähen kann, da wollen wir im Dickicht ruhen, bis der Mond aufgeht und Licht gibt.«

Jeder nimmt einen Trunk aus dem klaren Wasser des Baches, dann steigen die drei, mühsam einen Weg sich bahnend, den Urwald der Berglehne hinauf.

Ginsterstauden, Brombeerranken und andere Schlinggewächse bilden ein fast undurchdringliches Unterholz, oben aber stehen die Kronen der Eichen, Buchen und Linden eng zusammen und dämpfen das fahle Licht des scheidenden Tages zu einem grauen Dunkel. Die kaum entfalteten Adlerfarne winken gespenstisch wie Feinde, die Waffen schwingen. Schlingwerk und Efeu hängt von den Ästen und klammert sich um die Brust der Weiterschreitenden.

Kein Ausblick tut sich auf, unermeßlich rauscht und braust der hohe Urwald, und seine Wipfel hallen wieder von den tausend Stimmen der erwachenden Nacht. Nahe klingt das letzte Kullern der wilden Tauben und das erste Schnarchen der Käuze; hoch über den Tälern gleitet lautlos der gewaltige Uhu und ruft seinen tönenden, langhingezogenen Schrei auf das grüne Meer der Äste hinab. Das Schmälen des Rehbocks mischt sich mit entferntem Bellen der Füchse und Wölfe, die in der höher gelegenen Felswildnis hungernd umherstreifen.

Je mehr sich die Kundschafter aufwärts arbeiten, desto dünner wird der Waldbestand, nun schreiten sie schon, während vollständige Finsternis über die Gegend gebreitet ist, keuchend und schwitzend durch fast ebengelegenes Buschwerk.

Keier führt nach einer runden, spärlich bewachsenen Basaltkuppe, die er schon früher oft besucht hat und von der er weiß, daß sie einen Rundblick gewinnen läßt. Durch das Dorngestrüpp eilt er voraus, als erster steht er oben, um mit einem unterdrückten Ruf der Überraschung den westlichen Himmelsrand zu betrachten.

Scharf scheidet sich Himmel und Waldgebirge, aber fast auf jeder der zahlreichen Kuppen, die gerade unter der Stelle liegen, wo die Sonne gesunken ist, ist ein Lichtfleck zu bemerken, auf jeder der Kuppen muß ein mächtiges Feuer lodern.

Suwil fragt Keier.

Der antwortet: »Die Bergwilden geben sich Zeichen mit Flammen, das ganze Land ist im Aufruhr, sie rufen sich gegenseitig zum Krieg. Jetzt heißt es für uns eilen; ehe die Horden versammelt sind, müssen wir bei den Klüften sein. Wenn sie mehr als hundert um Seiwo herumstehen, um sein Fleisch zu schneiden, können wir ihn nicht mehr befreien. Eilen müssen wir auch, um dem Pfahldorf die Kunde von ihrer Menge und ihrem Tun zu bringen!«

Mit düsterem Schweigen nimmt Suwil diese Antwort auf.

Klare Sternennacht spannt sich über den drei Kriegern aus, die Feuer auf den Kuppen leiten sie, so nehmen sie über das Buschwerk und die Heide der Hochebene den rastlosen Weg.

Tiefeingesenkte Klüfte durchkreuzen sie, dumpfdröhnend rennt eine Wisentherde an ihnen vorbei, wie schwarze, ragende Schatten tauchen die schnaubenden Tiere auf und verschwinden wieder in der Düsterheit der Gebüsche.

Keier hat sich zurechtgefunden: »Am Fuße jener Kuppe,« raunt er, »auf der der Holzstoß jetzt schon fast erloschen ist, nach Mitternacht zu, liegt das Tal, in dessen Höhlen die wilden Zwerge hausen.«

Wieder wandern die drei auf vielfach durchfurchter Heidehochfläche.

Obwohl aber die Sterne noch scheinen und im Osten der Mond sich hinter den Wipfeln der Gebirgskämme hebt, weht ein bedrückend schwüler Wind von Südwesten, und es scheint dort auch eine breite, schwere Wolkenbank sich zu dehnen, schwarz und dick geballt.

Nun kommen die drei Kundschafter an einen gähnenden Abhang.

Suwil, der nur einen Gedanken hat, weiter, vorwärts zu seinem Sohne, will sich die Böschung hinuntergleiten lassen, aber Keier hält ihn mit gewaltigem Griffe am Arme fest.

»Suwil würde mit zerschmettertem Kopfe unten liegen, zehn Schritt weiter, und jäher Fels geht senkrecht ins Tal.«

Wie ein Kind fügt sich Suwil dem erfahrenen Jäger.

Der aber kniet nieder und lauscht in die Tiefe hinab.

»Ich höre Schritte von Männern, schwere Schritte, die durch das aufgeschichtete Buchenlaub rauschen; kein Tier wüßte ich, das so schreitet.«

Immer deutlicher ertönen die langsamen Schritte, bald ferner, bald näher, den Biegungen der engen, vielgewundenen Schlucht folgend.

Gegen Aufgang wird es lichter, der Mond hebt sich über den Kamm und beginnt die Hochebene zu bestrahlen, während die Täler noch im Schatten sind. Vorsichtig drücken sich die drei Späher in die Büsche.

Nun wird es auch unten heller vom Mondlicht, fünf Menschen sind zu sehen, die gerade über eine breitere, kiesige Stelle des Bachbettes daherschreiten, schwere Lasten auf dem Rücken.

Rötlich schimmert das blutige Fleisch eines zerlegten Tieres.

»Sie schleppen Stücke des Wisent zu den Höhlen,« flüstert Usold.

Plötzlich, als Keier sich versichert, daß die fünf nicht von anderen begleitet sind, schleicht er wie eine Schlange am Rande der Böschung weiter, bis eine weniger scharf geneigte, mit Büschen bestandene Stelle das Niedersteigen ermöglicht.

Im Tale warten die drei, nachdem Keier seine Befehle gegeben, im Hinterhalt auf die Nahenden.

Lautlos legt Keier mit dem Bogen an, der Pfeil saust, und der Vorderste stürzt mit gurgelndem Ruf zusammen.

Einen zweiten Pfeil kann der Schütze entsenden, denn die schwappende Fleischlast verhindert die Folgenden am sicheren Sehen. Als sie nun zum Fallenden eilen, trifft den Zweiten der schneidende, unfehlbare Pfeil.

Dann springen mit riesigen Sätzen die Kundschafter auf die Überraschten und schlagen die zwei nieder, nur einer kann einen gellenden Schrei ausstoßen, zurückspringen und verteidigt sich jetzt mit keuchendem Rufe gegen die andringenden Kundschafter; da streckt auch ihn das Kampfbeil Usolds nieder, das sich dumpftönend in seine Stirn bohrt.

Die Leichen und die Fleischstücke werden im Dickicht verborgen und zugedeckt, die Spuren des Kampfes soviel als möglich vertilgt.

»Alle guten Stücke des Wisent trugen diese fünf, die anderen werden zur Beobachtung unseres Dorfes zurückgeblieben sein,« entscheidet Keier nach kurzem Überlegen, »wir können eilenden Fußes im Bachbett weiterschreiten.«

Weiter geht es nun in die Nacht hinein, die der Mond, der unterdessen hinter einem feinen, schnelltreibenden Dunstschleier verblaßt ist, nur düster erhellt.

Allmählich steigt das Tal höher und wird breiter und sumpfiger, so daß Keier schließlich wieder den Abhang hinaufklettert.

Da sehen die drei, schnellatmend von dem Dauerlauf, daß die Wolke im Südwesten den halben Himmelsrand einnimmt und hin und wieder von Wetterleuchten erhellt wird. Schwül und feucht ist der Wind geworden, die Feuer auf den Kuppen sind bis auf eins erloschen, aber am Fuß des einen Kegels erblicken die Kundschafter dort, wo Keier die Behausungen der Bergwilden sucht, einen Feuerschein, der die Talränder ringsherum rötlich aufglühen läßt.

»Dort ist die Wohnschlucht der Wilden, vielleicht noch zweitausend Schritte, und das Ziel ist erreicht.«

Der Ginster steht dicht, nur hier und da erhebt sich ein einzelner Eichbaum oder ein rundes Gebüsch; mageres, langes Gras summt leise im Wind. Immer häufiger folgen die Blitze in der Gewitterwolke, schon hört man langgezogenes, dumpfes Murren des fernen Donners.

Dazwischen aber dröhnt aus der Kluft, die mit kahlen Wänden tief ins Tuffgestein eingesenkt ist, das vielstimmige Rufen und Schreien der Siedelung.

Auf den Knien schlüpfen die Kundschafter vor, jede Deckung benutzen sie, jedes Getöse unten ist ihnen lieb, um ein paar Schritte weiterzurücken.

Suwil, das blanke Schwert zwischen den Zähnen, sucht sein Herz zu beschwichtigen, das mit Hammerschlägen unter den Rippen klopft.

Nun streckt sich Keier lang hin, vor ihm ist der Abgrund, er winkt seine Begleiter neben sich, so liegen die drei, während der erste, lautere Donner über die Berge rollt, und spähen ins Tal.

Suwil muß mehrmals die Augenlider zusammenpressen, ehe er des Flimmerns Herr wird.

Gerade gegenüber sind zehn oder zwölf mehr als mannshohe Eingänge in der Tuffwand, wie am Flugloch eines Bienenstockes geht es da hinaus und hinein, die gedrungenen Männer mit den Krähen- und Raubvogelfedern im straffen schwarzen Haar, die flatternden Felle, die drängenden Weiber, welche mit ihren glatten Fischköpfen um die Feuer laufen und Reisig zutragen oder an Stangen Fleisch in die Flamme halten, um es zu rösten.

Aber seitwärts, an einen Pfahl gebunden, erblickt Suwil seinen Sohn. Seiwos Kopf ist auf die Brust gesunken, seine Arme und Beine sind blutrünstig, ein paar fast nackte Knaben stehen vor ihm und versuchen, aus einer Entfernung von einigen Schritten mit Stecken nach dem Regungslosen zu werfen.

Mit jäher Bewegung will Suwil aus seiner liegenden Stellung in die Höhe, aber Keier hält ihn nieder.

»Nutzlos wäre Suwils Sturmlauf in die Tiefe, zwei Krieger ständen bald am Pfahle statt des einen, wir müssen warten, vielleicht, daß die Wilden den Bärentanz bald beginnen und berauschenden Saft des Bilsenkrautes dazu trinken.«

Da legt sich Suwil wieder zurück an seine Stelle.

Mehr als hundert Bergwilde zählt Keier; nun stehen sie zusammen und malen sich gegenseitig rotgelbe Farbe ins Gesicht, andere sitzen schon, reißen das fast noch rohe Fleisch der gerösteten Braten von den Knochen und spalten die Knochen selbst mit ihren Beilen, um zu dem Mark zu kommen, das sie gierig aus den Knochenhöhlen aufsaugen.

Sie treiben mit manchem Faustschlage die Weiber zu fleißiger Arbeit an; hüpfende Lichter werfen die vom immer stärker werdenden Winde angefachten Flammen auf die plumpen, knochigen Glieder, auf die runden, niedrigen Stirnen, die kauenden Kiefer und die dünnen Bärte.

Da kommt aus dem mittelsten Eingange eine vermummte Gestalt; in ein Bärenfell ist sie ganz gehüllt, den Kopf schaukelnd schwankt sie von einem Beine zum andern.

Sogleich drängen die Weiber zusammen, hocken sich hin und beginnen, indem sie taktmäßig in die Hände klatschen, in ein schnalzendes Gemurmel auszubrechen, das anschwillt und wieder leiser wird.

Mit tierischem, stumpfem Staunen stehen die Kinder dabei.

Zugleich aber ordnen sich die Männer in einer Reihe hintereinander, springen mit kurzen Schreien um den Bären und schwingen die Äxte, als ob sie zuschlagen wollten.

Grellrot tauchen ihre Gesichter in dem Widerschein des Feuers auf und nieder, der Bär tappt plötzlich auf einen in der Reihe zu, der durch lange Bussardflügel auf dem Kopfe sich vor den anderen auszeichnet, ergreift ihn mit den Pranken und scheint mit ihm zu ringen.

Nun stürzt mit gellendem Ruf der ganze Kreis auf den Bären, er wird zu Boden gerissen, hundert Beile wollen ihn erschlagen; als er aber nun regungslos daliegt, beginnt wieder der Springtanz, zu dem die Weiber ihr Händeklatschen erklingen lassen.

Kein Auge wendet Suwil diesem Schauspiele zu, er sieht, wie Seiwo, den Kopf ein wenig erhoben, nach dem Tanze blinzelt, um dann wieder vor sich hinzustarren.

Da zuckt ein jäher und blendender Blitz aus der drohenden Wolke herunter, gerade in die gegenüberliegende Kuppe des Berges scheint er zu fahren, ein knallender Donner folgt ihm, ein zweiter Donnerschlag brüllt fast gleichzeitig mit einem Blitze über das düstere Land.

Schon sind die Weiber und Kinder unten geflüchtet, zischend fallen die ersten schweren Tropfen ins Lagerfeuer, nun schon dichter, nun in einem ununterbrochenen, sausenden Strom. Sturm peitscht den Regen gegen die Wände des Tals, Donner folgt auf Donner, Strauch und Baum werden zur Erde gebogen.

Ein Blitz zeigt den Raum vor den Höhlen leer, auch die Männer sind wohl alle in die Höhle geflohen, schon befinden sich die drei Kundschafter auf der Suche, einem kleinen Wasserlaufe folgen sie; mehr fallend und gleitend als kletternd kommen sie auf der Sohle des Tales an.

Nicht dürfen sie allzu kühn über die Blöße schreiten, denn am Eingange der Höhlen erblicken sie beim Vorrücken die hingestreckten Gestalten der Wilden, die das Wetter abwarten. Längst sind die Feuer qualmend erloschen, auf dem Bauche kriechen die Kundschafter näher an den Pfahl.

Neben dem Angebundenen sitzt ein vermummtes Wesen. Jetzt läßt ein Blitz erkennen, daß es der Bärentänzer ist, der seine regendichte Bärenhaut benutzt, um die Wache bei dem Gefangenen zu halten.

Da legen sich zwei eiskalte Hände klammernd um seinen Hals, er wird niedergerissen, und seinen röchelnden Schrei erstickt der windgepeitschte, brausende Regen ...

finis
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