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Die Pfahlburg

: Die Pfahlburg - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorCarl Ferdinand van Vleuten
titleDie Pfahlburg
publisherJos. Scholz, Mainz
printrun9.-11. Tausend
editorWilhelm Kotzde
year1911
illustratorRobert Engels
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20141216
projectid98225eb7
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Viertes Kapitel. Die Versammlung

Die Sonne steht schon hoch, es ist nicht mehr lange bis Mittag.

Eilig nähert sich der Kahn, der Usold und Suwil trägt, dem Pfahldorf, und der Jüngere ruft seinen Falkenschrei oft nacheinander.

Donndur, im Glauben, sein Sohn komme mit der ersehnten Beute, eilt aus seiner Behausung an den Umgang, einige Männer folgen ihm, um den Häuptlingssohn zu begrüßen.

Betroffen sehen sie, daß ein zweiter Mann im Boot sitzt, betroffener ist Donndur, als er erkennt, daß Suwil der zweite ist, beschämt zugleich, daß die erwarteten Wisenthörner nicht über den Rand des Kahnes hervorschauen.

Die Landenden geben auf schnelle Fragen schnelle Antwort.

Als Donndur hört, was geschehen ist und was Suwil von ihm heischt, schreitet er, ohne Worte zu verlieren, zum Versammlungshause, bei jedem seiner Schritte rasseln die gekrümmten Eberzähne, die, zur langen Kette aufgereiht, um seinen Hals hängen. Ma, die alte Mutter, der die Freude über die Heimkehr des Sohnes aus den Augen leuchtet, wird barsch weggewiesen, der Häuptling nimmt ein großes Stierhorn, das bis zur Spitze durchbohrt ist, und setzt es an den Mund.

Langgezogene, brummende Töne, anschwellend und schmetternd, entfahren dem gekrümmten Horn.

Und bald ist das Pfahldorf, das vorher so still und friedlich dalag, unruhig wie ein flugbereiter Bienenschwarm im Korbe.

Von allen Seiten strömen die Männer zum Versammlungshause. Von der Weideninsel kommen die Hirten und die Frauen, die auf dem Acker mit krummgebogenen Hölzern den Boden bearbeitet haben, folgen neugierig halb, halb ängstlich ihren Männern. Die Kinder verkriechen sich schreiend in die Hütten, vom linken Ufer eilen ein paar Jäger herbei, und die Fischer in ihren Kähnen streben gleichfalls der Pfahlburg zu.

Aber noch lange nicht schnell genug erledigt sich die Sammlung für die nagende Ungeduld Suwils. Blaß steht er da und sieht große Wolken über die Berge des linken Ufers hinaufziehen, die Sonne beschattend. Er denkt daran, daß vielleicht schon gerade jetzt die Blicke seines Sohnes auf diese Wolken geheftet sind, daß Seiwo vielleicht schon gerade jetzt zum qualvollen Tode geführt wird.

Dann fordert ihn Usold auf, ihm zum Versammlungshause zu folgen.

Der große Raum ist ganz mit Männergestalten gefüllt, sie liegen auf Wisent- und Hirschfellen, andere sitzen auf Wurzelstücken, die Hirten stehen auf ihre Stangen gestützt, während die Jäger und Fischer unwirsch fast über die plötzliche Störung ihre Neugierde und Ungeduld kaum zurückhalten können.

Die Felle der Jäger sind noch naß vom Streifen durch die Büsche, an den Knien der Fischer hängen noch wie grüne Kränze die kleinen Teichlinsen.

Ohne ein Wort zu sagen, setzen sich Suwil und Usold zu den Handwerkern, die leise, aber geschwätzig sich über die Ursache des unvermuteten Hornrufs unterhalten. Da sind die beiden Töpfer, ihre Hände sind noch mit dem zähen grauen Ton beschmiert, den sie in ihren Hütten verarbeiten, ebenso sieht man auf den Schurzfellen, die sie umgetan haben, zahlreiche Stellen, an denen der feuchte Ton in Streifen klebt, bis in die Haare sind sie mit Staub und Ton bedeckt. Daneben sitzen die Mattenflechter und die Zurichter der Netze, da hat sich auch Bolmo niedergelassen, der aus Eschenholz die harten Schäfte zu schneiden versteht und aus dem weichen Pappelholz allerhand nützliches Gerät, Kufen, Töpfe und Löffel schnitzt.

Donndur erhebt seine Stimme: »Die Männer von den Pfählen sollen auf meine Worte hören!«

Und sogleich verstummt der vielstimmige, raunende Lärm der Gespräche, still wirds, so daß man das Anschlagen der kleinen Wellen unten an die Pfähle hören kann.

Und wieder spricht Donndur: »Meine Augen sehen nach Mittag, acht Tage sind vergangen, seitdem in Mittag eine Herde von mehr als dreißig Bergwilden gesehen wurde, unsere Netze haben sie ausgenommen über Nacht und die Netze mitgeführt in die Berge; meine Augen sehen nach Sonnenaufgang, mehr als zehn Männer hat Usold, mein Sohn, erblickt heute früh; einen Wisent, den Suwil, unser Gastfreund, erstochen, führen sie mit. Nach Mitternacht sehe ich, gestern, da der Mond schien, wurde unser Gastfreund auf der zweiten Insel überfallen; Seiwo, seinen Sohn, schleppten die Wilden in Fesseln mit, in ihr Versteck. Nach Abend sehen meine Augen, und ich erspähe die Feuer von vielen Bergmännern, die den Kriegstanz tanzen wollen. Wer erhebt seine Stimme gegen die Wilden?«

Da springt aus einer Ecke, in der er abwartend sich verborgen hatte, Graun, der Alte, hervor, schüttelt den borstigen weißen Bart und fragt: »Als Suwil, unser Gastfreund, gestern im Einbaum wegfuhr, war bei ihm Seiwo, sein Sohn. Wo ist der junge Händler geblieben? Die Augen Suwils sind düster.«

Da erzählt Suwil den Hergang.

Graun schwingt sein Beil und ruft: »Kriegsfahrt gegen die Wilden!«

Ein großes Gewirr von Stimmen antwortet ihm, die Handwerker springen erregt auf und schütteln die Hände, die Jäger scharen sich um den alten Graun, der hochaufgerichtet neben Donndur sich gestellt hat.

Der fordert Schweigen.

»Ich habe zwei Fragen zu fragen,« läßt der Häuptling sich vernehmen.

Während die Hirten die Handwerker zur Ruhe bringen, fährt Donndur fort: »Die erste Frage ist: Fühlt ihr euch sicher, Männer auf den Pfählen, sind unsere Frauen in Sicherheit, wenn sie auf der Weideninsel den Acker jäten, sind die Kinder sicher, wenn sie vom Steg hinunterschreiten, sind unsere Herden sicher?«

»Auf der Weideninsel hat sich kein Wilder gezeigt, unseren Pfahlbau meidet das Zwergengezücht,« schreit einer der Töpfer, während er unruhig die beiden Hände ineinander schmiegt, als ob er weichen Ton zu kneten habe; sein Gesicht ist beim Gedanken an einen Kriegszug von Angst verzerrt, er fürchtet sich davor, eine ragende Lanze zu berühren.

Bolma, der Schaftarbeiter, redet ihm leise zu, der hofft, daß viele Schäfte zu schnitzen seien, wenn die Fahrt beschlossen werde. Hastig rechnet er nach, wieviel Ziegen er dafür gewinnen könne.

Nun mischen sich die Jäger ein: »Nicht hundert Schritte lassen sich mehr im Walde am linken Ufer machen, ohne daß man eine Spur der Bergwilden kreuze!«

Wo ist Urdin geblieben, so fragen sie, und der große Asko, der besser als irgend einer mit aufgerichtetem Spieße den Ansturm vom braunen Bären erwarten konnte, um ihn mit der eigenen Wucht umzubringen. Eines Abends gingen sie fort und nie kehrten sie wieder; ihre Hütte steht leer, und ihre Frauen betteln um ein Stück Kochfleisch ...

Da rennt ein junges Weib aus dem Knäul der Frauen, die draußen vor dem Eingang des Versammlungshauses warten, hinein und hebt die Arme und ruft: »So ist es, meinen Asko haben die Wilden weggeschleppt, rächen sollt ihr ihn, wenn ihr Männer seid!«

Aber schon schließt ihr der alte Graun den Mund mit seiner breiten Hand und bringt die Wimmernde hinaus zu anderen Frauen, die sie wegführen.

Nun erhebt sich ein Hirt, alle Augen richten sich auf ihn, er ist fast so alt wie Graun und hat vor Zeiten die ersten Kämpfe gegen die Wilden noch mitgemacht; ungern redet er, denn seine Zunge ist schwer und überstürzt sich leicht, so daß er stotternd abbrechen muß; darum ist er der Schweigsamste auf den Pfählen und tut, ohne ein Wort zu sagen, Winter und Sommer sein Tagewerk. Wisent heißt er aber bei seinen Genossen wegen seines Stiernackens und seiner furchtbaren Kraft.

»Viel Spuren laufen durcheinander auf der Weideninsel,« so spricht er, »wer kann sie auseinander kennen. Aber ist einer unter euch, der solchen Schmuck trägt?«

Damit hält er ein kleines Ledersäckchen hoch, das er bisher an seinem Gürtel angeknüpft hatte. Graun und die Jäger drängen sich heran, öffnen den Behälter und erblicken ein wenig feuchte, grellrötliche Erde darin.

»Das ist die Kriegsfarbe der Bergwilden; wenn sie auf der Kriegsfahrt sind, so haben sie sich damit die Stirn bemalt, das wissen wir alle,« spricht Graun mit starker Stimme; »Wisent, der Starke, soll uns sagen, woher er die Tasche hat ...«

Und alle drängen auf den weißbärtigen, schweigsamen Hirten ein, damit er es verrate; der aber kann sich jetzt des Stotterns nicht erwehren und bringt es nicht heraus. Mit dem Finger zeigt er aber oft nach der Weideninsel hin.

»Auf der Weideninsel? wann? wo? weshalb sagte Wisent das uns nicht?« so gellen die erregten Fragen durcheinander.

Suwil beißt auf die Lippe, er ist sehr blaß, er denkt an seinen Sohn und die köstliche Zeit, welche verstreicht.

Donndur bemerkt es, teilt den unruhigen Schwarm der Frager und heischt Antwort von dem Hirten.

»Heute früh an der Stelle, wo wir mit dem Einbaum zu landen pflegen auf der Insel ...«

»Wutt hatte es bei sich,« ruft einer der Tonkneter, um dem großen Eindruck zu begegnen, den diese Mitteilung des alten Wisent auf die Versammelten macht.

»Was soll Wutt mit der Farbe,« wird entgegnet, »nein, die Wilden schleichen herum, sie belauern unsere Äcker und Herde, schon morgen kommen sie uns die Kinder rauben ... Wir wollen die Kriegsfahrt, ehe es zu spät ist. Wir wollen die Kriegsfahrt, ehe die Zwerge aus den entfernten Höhlen herbeigerufen sind zum Kampfe wider uns.«

»Kriegsfahrt, Kriegsfahrt!« grollen die Hirten, die Jäger und Fischer, ohne sich an die Widerrede der Handwerker zu stören.

»Kriegsfahrt!« jubelt fast der alte Graun.

Da hebt Donndur den Speer und ruft: »Kriegsfahrt! Aber noch eine andere Frage habe ich zu fragen. Ich habe einen Gastfreund, Suwil heißt er, Geräte bringt er uns und tauscht sie gegen die Felle der Waldtiere, Äxte von braunem, glänzendem Stein, schärfer als unsere Äxte, gab er uns. Nie hat er uns betrogen und hielt sein Wort.«

Suwil neigt das Haupt; er denkt an das, was Seiwo, sein Sohn auf der Fahrt zur Unglücksinsel ihm sagte, aber sein scharfeingeschnittener Mund verrät nicht seine Gedanken.

Ein Gemurmel des Beifalls antwortet dem Häuptling, der fährt fort: »Einen Sohn brachte Suwil mit, der jagte mit Usold, Donndurs Sohn, im Gebirge, der fing mit Usold den Hecht am Strande. Einsam sitzt Suwil in unserer Mitte, seinen Sohn schleppten die Bergwilden fort, in dämmerndem Dunkel kamen sie und schlugen mit den Äxten. Wem will es scheinen, daß wir Suwil in seine Heimat fahren lassen sollen, damit er dort sage: Gastfreunde hatte ich auf den Pfählen, aber keiner von ihnen rührte die Hand, als mein Sohn mir geraubt war in nächtlichem Kampf!«

»Keiner will, daß Suwil so spreche,« sagt Graun, der Alte schnell, »seine Not ist unsere Not, er soll uns seinen Arm mit dem langen braunen Messer leihen, wir geben ihm unsere Hände zur Kriegsfahrt, um seinen Sohn zu lösen aus den Banden der Wilden!«

Der Häuptling, klug die Leidenschaft lenkend, wendet sich an die Hirten und Jäger und fragt sie:

»Was sprechen die Hirten und Jäger?«

»Wir kennen Suwil nicht, wir sahen ihn kaum bis zum Tage heute. Aber wir sehen eines Mannes gesenkte Stirn, dem erbarmungslose, tückische Feinde den Sohn entrissen, wir hören, daß Donndur, unser Haupt, harmvoll ist, weil sein Gastfreund ehrlos wurde, wir werden dem Fremden unsern Arm leihen!«

»Ich danke euch, Männer,« spricht Donndur, »aber ich blicke um mich, und mancher sitzt da und redet kein Wort zu meiner Frage!«

Mit großen Augen starrt der Häuptling auf die Handwerker, die sich allmählich in die Ecke des Versammlungsraumes geschoben haben und mißmutig vor sich hinmurmeln.

Bolma, der Schaftschnitzer, wartet nicht lange, er ruft: »Meinen besten Eschenschaft will ich dem Händler geben, er soll mir eine seiner scharfen braunen Äxte dafür eintauschen, und wenn es nur ein paar Pfeilspitzen wären!«

Da richtet sich Suwil auf, breitet die Hände aus und antwortet: »Nichts kann ich eintauschen; was Suwil und Seiwo von Äxten und Pfeilspitzen und Schwertern bei sich führten, haben die Wilden geraubt, ganz arm bin ich bis auf das eigene Schwert und zwei Äxte!«

Stille wird es darauf einen Augenblick lang, ein wenig lauter scheinen unten die Wellen an die Pfähle anzuschlagen, es klingt wie ein Rascheln, aber die erregten Männer achten nicht darauf, und denken, daß unter dem Boden des Hauses, wie sonst wohl, die Enten hin- und herschwimmen, nach Resten der Speise suchend.

Und doch steht unten im Wasser an einen breiten Baumblock geduckt jemand, auf einem Platze, den er kennt, halb in die Flut getaucht, und horcht auf jedes Wort, das oben gesprochen wird.

Als Suwil nach den Waffen gefragt wird, erzittert das Herz des Menschen, der dort, vom Halbdunkel gedeckt, wie ein Raubtier im Wasser hockt, er fürchtet, daß Suwil sein Geheimnis, das Geheimnis der verborgenen Waffen preisgebe; nun, als Suwil die Lüge spricht, zieht ein breites Grinsen über sein mit Wasserlinsen und Moder verklebtes Gesicht.

»Wutt mag sich nicht fürchten, der schlaue Händler wird nicht verraten, daß Wutt auf der ersten Insel gegen Mitternacht hundert Waffen liegen hat und Felle und Kessel,« zischt er leise kichernd vor sich hin.

Unterdessen haben sich oben im Versammlungshause nach langem Zögern auch die Töpfer, Flechter und die anderen Handwerker einverstanden erklärt.

Donndur nimmt das Horn und läßt dreimal seinen dumpfen Ton über die Männer dröhnen, dann setzt er es ab und spricht: »Nicht wie unbesonnene Kinder werden wir in den Wald rennen, um der Übermacht der Bergwilden zu erliegen, vierfach überlegen sind sie uns an Zahl der Männer die Zwerge, wenn die Horden sich vereinigt haben. Kundschafter wollen wir senden, damit sie des Feindes schwache Flanke erspähen!«

»Das war ein Wort unseres weisen Häuptlings,« spricht Graun.

Usold der Junge aber springt auf und ruft: »Ich will mit Suwil in die Berge, Seiwo, meinen Jagdgenossen, befreien und Kundschaft bringen vom Treiben der Zwerge!«

Graun, der Alte, der Meister des Wurfsteines, lächelt und sagt: »Usold mag kundschaften gehen, aber er soll die Männer mit weißen Bärten zuerst ausreden lassen. Mir will es scheinen, als ob die wilden Zwerge den Kampf gleichfalls rüsten; war es nicht damals bei den Drachenklippen in Esos Dorfe gerade so, wenn sie vielfältig in der Gegend wimmeln, so planen sie Überfall. Doppelt nötig scheint mir daher die Kundschaft. Wir aber hier sollen auf der Hut sein und gerüstet; nicht umsonst soll Wisent die Kriegsfarbe am Landungsplatz gefunden haben, ein Späher hat sie verloren, der zur Nachtzeit unsere Hütten zählte. Verdoppeln wollen wir unsere Wächter und bereit sein!«

Donndur neigte sein Haupt, um dem tapferen Waffengefährten seine Zustimmung zu verraten. Dann geht sein scharfes Auge ruhig über die Reihen der Männer, jedem scheint er ins Herz zu blicken, an der Gruppe der Jäger bleibt er haften.

Nun spricht er wieder: »Suwil ist ein Held, mit einem Stiche hat er den Wisentstier zu Tode getroffen, ihn zieht es zum gefangenen Sohne, er will bei den Kundschaftern sein.«

Suwil nickt.

»Usold, Donndurs Sohn, ist im Kampfe mit dem Stier unterlegen, er will eine neue Probe seines männlichen Tuns ablegen, auch er will Kundschafter sein.«

Usold steht schon leuchtenden Auges neben Suwil, die Waffe hält er fest umklammert.

»Einen Dritten will ich euch mitsenden, einen schnellen Läufer, der den Bogen mit den Pfeilen handhabt und dem der fliehende Hirsch nicht entgeht, der jede Spur kennt von Mensch und Tier.«

»Keier ist es,« rufen die Männer und lärmen mit den Waffen.

Keier, der bisher an der Beratung mit keinem Wort teilgenommen hat, steht auf und geht zu den beiden Genossen.

»Suwil und Usold, ich bin bereit, wir wollen gehen, ehe den Frauen die Tränen aus den Augen laufen!«

Mit sehnigen Schritten schreitet er hinter den beiden zum Ausgang.

Ein paar Stücke Weizenkuchen greift er flugs aus einer Hütte, sein Bärenfell hängt er um, ihre Waffen ordnen die drei Männer, dann steigen sie in den Einbaum, den ein schmächtiger Junge rudert.

An unwegsamer Ecke des Ufers wollen die Kundschafter landen; wie ein Vogel fliegt das Boot dahin, denn auch Suwil, dem die Sehnsucht nach dem gefangenen Sohne heiß aufsteigt, hilft dem Knaben mit aufwühlenden Ruderschlägen.

> illustration: Robert Engels

Fester drängte sich, als der Kahn mit den Kundschaftern in der Nähe des Dorfes noch war, Wutt in sein Versteck, nun lauscht er wieder auf die wirren Stimmen der Versammelten.

Er unterscheidet die hellen Angstschreie der Frauen, die jetzt erst verstanden haben, daß ein Wetter über dem Dorf zusammenzieht; er hört das dumpfe Stöhnen der schon bejahrten Frau des Läufers Keier, die in ihrer Hütte die Heimkehr ihres Mannes aus dem Versammlungshause erwartet hatte und nun vernimmt, daß er schon ins Gebirge zieht.

Ein Zwiespalt tut sich in seiner engen Seele auf, er möchte jetzt gleich zum Waffenverbörgnis zurück, freilich sagt er sich zugleich, daß die Ziegenhaut undicht geworden ist und zuerst ausgebessert werden muß; kaum trug sie ihn noch in der Nacht bis zum Pfahlbau zurück.

Aber es treibt ihn auch unwiderstehlich hinter Suwil her, er hofft, daß er ihn im Waldgebirge vielleicht überfallen kann, ein Axthieb in dunkler Nacht, keiner weiß, wer ihn führte, aber ein Mund, der Wutts Geheimnis verraten kann, ist für immer geschlossen.

So gehen in der niederen Stirn des Findlings, den Donndur aufzog, schlimme Gedanken hin und her.

Plötzlich scheint er einen Entschluß gefaßt zu haben. Er strebt auf, wäscht den Schmutz des Wassers fort und klettert an einer der Leitern in die Höhe, die zu den Hütten führen.

finis
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