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Die Pfahlburg

: Die Pfahlburg - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorCarl Ferdinand van Vleuten
titleDie Pfahlburg
publisherJos. Scholz, Mainz
printrun9.-11. Tausend
editorWilhelm Kotzde
year1911
illustratorRobert Engels
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20141216
projectid98225eb7
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Dreizehntes Kapitel. Der Kampf auf der Insel

Während um die Pfahlburg schon der erste Kampf tobt, ist über die Stelle, an der die Waffen Suwils verborgen sind, noch tiefer Frieden gebreitet.

Leiser Regen rinnt nieder, und die Insel liegt in stillem Dunkel; die Wasserhühner fischen nach Teichschnecken, und die Enten schwimmen um ihre Brutstätten herum. Regen tropft vom Schilf ab und von den Blättern der Weiden.

Da heben sich schnatternd die Enten in die Nacht, und die Wasserhühner flüchten über den Fluß. Dunkele Gestalten steigen ans Ufer, immer mehr, wohl fünfzehn sind es.

Der Führer schreitet voran, es ist Wutt, ihm schlägt das Herz, und er krümmt sich vor Ärger.

Lieber hätte er das Vorhandensein des Schatzes verschwiegen, aber die Bergmänner sahen so drohend auf ihn, daß er ihre Habgier reizen mußte, weil er fürchtete, daß sie ihn auf dem Fleck erschlagen hätten, als er zu ihnen ans Ufer kam und sie mit ihrer Sprache anredete.

Und auch jetzt noch immer fühlt er hin und wieder, wie ihre düsteren Blicke ihn mit überlegenem Hohn streifen.

Obwohl er genau weiß, wie er seine Schritte zu lenken hat, selbst in dieser Finsternis, gibt er sich doch den Anschein, als ob er suchen müsse; er will Zeit gewinnen; noch immer überlegt er, ob er nicht besser ins Wasser springe und in der Nacht verschwinde. Aber dann stachelt ihn wieder die Hoffnung, daß die Pfahlburg zerstört werde und er irgendwie die Reichtümer für sich behalten könne: Rache an Donndur, Tod Suwil und Seiwo und Usold, wie den Bogenschützen schon der Tod getroffen hat.

»Wutt will ein Feuer anzünden,« sagt er in der Sprache des Bergvolkes, die er von den gefangenen Mägden gelernt hat.

Nur spärlich glimmt die Flamme von dem nassen Holze, und mit brennendem Scheite sucht der Überläufer den Boden ab; hier ist es, schon hat sich die Erdschicht etwas gesenkt über dem Verbörgnis und hätte es einem Suchenden bei Tage leicht verraten.

Mit ihren Steinbeilen schlagen die Bergmänner die Erde los und werfen die Klumpen weg.

Wutt aber wühlt wie ein Maulwurf mit den Händen, im Schimmer der Feuerbrände leuchten seine Augen in funkelnder, tierischer Gier.

Nun kommen die eingeschlagenen Ballen der Felle, die er aus der Gruft herauswirft, und nun Waffen, Ringe, Schmuckstücke und Gerätschaften aus gleißendem Kupfer.

Der Verräter wirft sich mit ganzer Wucht auf den Schatz, er taucht seine Hände hinein, er nimmt einen Arm voll auf und drückt das klirrende Metall an seine Brust, keuchend steht er auf, und sein Herz schnürt sich zusammen, als mancher von den Wilden sich ein Stück auswählt und prüfend in der Hand schwingt; es ist ihm, als ob sie ihm die Haut vom Leibe rissen.

Da tauchen plötzlich hinter den hockenden Wilden die Männer vom Pfahlbau auf; mit geschwungenen Lanzen, ohne einen Schlachtruf auszustoßen, stürzen sie sich auf die Überraschten.

Das ist ein stummer Kampf Brust gegen Brust in der Finsternis, denn die glimmenden Zweige haben die Angegriffenen längst von sich geworfen.

Einen gellenden Schrei stößt Wutt aus, als er Suwil in diesem Augenblick vor sich sieht, und die rasende Wut macht den Feigling zum reißenden Tier. Er springt auf den Händler zu, weicht durch einen unvermuteten Schwung dem Schwerthiebe seines Gegners aus, unterläuft ihn und hängt mit beiden Händen angeklammert wie eine Katze an der Kehle des Verhaßten.

Der wälzt sich röchelnd am Boden und versucht, den Feind abzustreifen.

Schon flimmert es Suwil rot und grün vor den Augen, schon lösen sich seine Hände, da gelingt es ihm, aus dem Gürtel das Messer zu reißen, und mit unsicherer Bewegung stößt er nach dem Kopfe des auf ihm Liegenden.

Die scharfe Klinge reißt die Wange auf und senkt sich in die Zunge, da lösen sich die klammernden Hände, und ebenso jäh, wie Wutt ansprang, duckt er sich auch schon unter die fliehenden Wilden und rennt mit ihnen, von Speerwürfen der Pfahlmänner verfolgt, nach dem äußersten Ende der Insel.

Unterdessen hellt sich der Himmel auf, und der Mond scheint grell durch die Wolken.

Suwil gebietet den Pfahlmännern einen neuen Angriff, während dessen schleppt er mit raschem Hin- und Herlaufen den Schatz in die Boote. Bis zum Rande füllt er das erste in der Mitte, und nur für die Ruderer läßt er Platz.

Drüben schlagen sich die Gegner herum, und im Mondlicht schimmern die schnell geschwungenen Waffen. Usold drängt mit schrillem Falkenruf in die Schar der Gegner und fällt den Führer mit dem Beil.

Da, als Suwil den letzten Rest der Waffen hinunterbringt zum zweiten Kahn, taucht plötzlich Wutt wieder vor ihm auf; ehe Suwil noch den Kahn erreicht hat, versucht Wutt, das schatzbeladene Fahrzeug ins tiefe Wasser zu stoßen, um wegzurudern.

Schreiend läuft Suwil voran, klirrend wirft er die Last hin und schwingt das Schwert. Aber feig entweicht Wutt und flüchtet zu den anderen Feinden.

Von denen sind einige gefallen, aber auch zwei Pfahlmänner liegen auf dem Rasen.

»Zu den Booten,« ruft Suwil mit gewaltiger Stimme und sammelt die verstreuten Waffen auf. Die Männer folgen ihm, und die Wilden sind zu sehr geschwächt, um den Rückzug zu hindern.

Wuchtig greifen die Ruder ein, und das Wasser spritzt am Bug auf. Im flimmernden Mondlicht sehen die Männer im Boot, wie Wutt von den Wilden mit Geheul und Faustschlägen empfangen wird und wie sie zusammen über ihn herfallen.

Bald aber verschwindet die Insel hinter einer Biegung des Stromes, und das regelmäßige Knarren und Janken der Ruder und das Keuchen der Männer ist der einzige Laut auf dem strömenden Wasser. Vorn an der Spitze der Kähne stehen Suwil und Usold mit einer Stange und drängen das Treibholz seitwärts. Dann läßt der Händler ins seichte Wasser des rechten Ufers fahren, und von den Rudern und Stangen weitergestoßen, fliegen die Boote aufwärts.

»Wir haben die Waffen!« jauchzt Usold halblaut.

»Eine Wettfahrt um unser Leben ist es,« sagt Suwil, »wir müssen den Bergwilden, die wir auf der Insel überfallen haben, den Vorsprung abgewinnen. Wenn sie eher bei den Feinden am Ufer ankommen, die sie abgesandt haben, sind wir verloren, dann fangen sie uns ab.«

Unterdessen wird der blutende Wutt mit einem Riemen gefesselt und, auf einem Stück Holz festgebunden, ans Ufer geschafft; eilig reißen die Wilden den Widerstrebenden, der mit haßverzerrtem, blutigem Gesicht viele Worte schreit, durch die dunklen Wälder nach der Hauptrotte, die vor der Pfahlburg lagert.

Und wieder dehnt sich die Insel im stillen Mondschein; die Enten fallen wieder ein, und die Wasserhühner kommen zurück und fischen. Mit breiten Flügeln senkt sich ein Reiher an dem Schilfrande ins Wasser und schreitet suchend hin und her.

Nur an der Stelle des Verbörgnisses sind Erdstücke, Kessel, edle Geschmeide und Fellbündel bunt verstreut; der niedergetretende Rasen ist rot bespritzt, und unter den duftenden Weidenbäumen liegen Tote, wie sie im Kampfe gerade fielen.

finis
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