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Die Partei

Stefan Großmann: Die Partei - Kapitel 20
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Partei
authorStefan Großmann
year1919
firstpub1919
publisherUllstein und Co
addressBerlin-Wien
titleDie Partei
pages382
created20131027
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweites Kapitel

Wisgrills Dachzimmer in der Nachmittagssonne.

»Heut war die erste Probe,« erzählt Mizzi und schaukelt sich in Wisgrills Lehnstuhl. »Aber der Direktor hat sich sehr anständig benommen. Ich weiß nicht, was Sie dem immer nachgesagt haben, der Direktor ist ein hochanständiger Herr.«

»Natürlich, Mizzerl, dir gegenüber. Hast deine Rolle mit?«

Mizzi wird blutrot: »Ich kann schon alles!«

»Vielleicht solltest du doch noch einmal mit der Rolle zu deiner Lehrerin gehen. Du bist mir gar zu sicher.«

»Nein, nein! Das ist nicht nötig. Der Direktor hat g'sagt, die Rolle paßt grad zu meiner In . . . In . . . Induvi . . .«

»Heiliger Schauer!« Wisgrill steht lachend auf. »Wenn du das hören könntest!« – Er stellt sich hinter Mizzis Sessel: »Was krieg' ich, wenn ich dir das richtig sag'? . . . In-du-vi-di-bu-li-tät!« Er stellt den Fuß auf die Spreize des Schaukelstuhls, beugt sich von hinten über sie und küßt sie.

»Pardon, ich habe geklopft,« sagt Helferich, der schon im Zimmer steht. »Grüß Sie Gott, Wisgrill. Wollen Sie mich der jungen Dame vorstellen oder nicht? Ich lege kein Gewicht auf Formalitäten.«

Dabei blinzelt er schon zu der weit nach vorn Schaukelnden.

224 »Diese junge Dame – aber verraten Sie mich nicht – ist . . . Durchlaucht Prinzessin Eleonora von Schwarzenstein – Redakteur Helferich.«

Helferich kommt vor, um die Prinzessin zu begrüßen. Da kann sich Mizzi das Lachen nicht länger verbeißen.

»Sie kennen übrigens die Prinzessin vom Prater her, sehen Sie sich sie genauer an! Sie dürfen sich durch die Seidenstrümpfe und das weiße Tüllkleid nicht täuschen lassen. Geht Ihnen endlich ein Licht auf? Na also, diese junge Lady ist das Mizzerl. Marianne Huber, Mitglied des Neuen Theaters.«

Helferich reicht ihr zögernd und noch nicht ganz sicher die Hand. Ihm ist nicht behaglich zumute, sein Gesicht, das im Begriffe war, in der Nähe von etwas Weißgekleidetem, Weiblichem mit fleischgelben Seidenstrümpfen den bekümmerten Ausdruck zu verlieren, wird sogleich steif, starr, voll mit Prinzipien. Während er Wisgrills Hand hält, schüttelt er in einem fort den Kopf. Das bedeutet: Mensch, wie kann man so unvorsichtig sein!

Mizzi spürt eine fade Strömung, springt aus dem Sessel, nimmt ihren Hut und sagt vor dem Spiegel, während sie ihn aufsetzt: »Sehen S', Wisgrill, das kommt von Ihre Witz'! Jetzt glaubt der Herr Genosse Helferich natürlich, daß wir zwei was miteinander haben.«

Wisgrill bindet ihr den Schleier: »O, da kennen Sie Helferich schlecht, er weiß, daß Sie der Kunst gehören und ich der Politik, und Kunst und Politik hassen sich, weichen einander aus und können sich leider, leider nie vereinigen . . . 225 Ein Menschenkenner wie Helferich sieht sogleich, daß Sie zu was Höherem geboren sind! Ja, wenn ich der Hofschauspieler Göbling wär, oder der Girardi oder der Direktor Schönhof . . . Aber so, ein schäbiger Gemeinderat.«

Mizzi steht vor Helferich: »Machen S' net ein gar so ernstes Gsicht! Da die Falten lassen S' weg!«

Ganz ungeniert streicht sie mit ihren frisch gepflegten Fingern über seine Stirn und kichert, schon geübt: »So ein schöner Herr und so schlecht aufgelegt!«

Helferich schnurrt: »Schon gut . . . aber daß mir das nicht mehr vorkommt!«

Mizzi knickst, wie Anno dazumal, als sie noch konfiszierte Zeitungen in den Kinderwagen warf, und flattert hinaus.

Helferich schaut ihr nach: »Das Mädel wird zugrunde gehen!«

»Im Gegenteil, lieber Freund. Setzen Sie sich, bitte. Das ist ein sentimentaler Volksaberglaube. Das Mädel würde wahrscheinlich als Näherin oder als Tabakarbeiterin in drei Jahren verblüht sein, schwindsüchtig werden oder durch drei Schwangerschaften zerstört werden. Jetzt wird sie sich pflegen, baden, putzen, ordentlich essen und außerordentlich lange im Bett liegen. Daran geht man nicht zugrunde, im Gegenteil. Sie können sagen, Sie gönnen dieses rosige Ding nicht irgendeinem Direktor Mandl oder sonst einem alten Bankmenschen . . . Da haben Sie recht, das ist auch mein Fall. Da sag' ich auch: Schade!«

»Wenn Sie einen Augenblick überlegten, wie unvorsichtig Sie sind. Es ist schließlich die Schwester eines Parteigenossen!«

226 »Lieber Freund, glauben Sie mir, auch die Schwestern von Parteigenossen bedürfen gelegentlich der Liebe, und es ist ihnen ganz egal, ob der Geliebte sonst die Erhaltung oder die Vernichtung des Kleingewerbes anstrebt! Ihr hochgeschätzter Parteigenosse Runtz hat wiederholt versucht, das Mädel fürs kommunistische Manifest und natürlich für die . . . russischen Vorkämpfer zu gewinnen. Gott sei Dank, vergebens, Runtz hat zu kurze Beine!«

»Ich werde Ihnen nicht mehr raten, gut, Sie witzeln nur, aber Sie werden anders sprechen, wenn der Huber draufkommt!«

»Draufkommen! . . . Was das für Worte sind! . . . Der Huber ist waschechtes Volk, der ist darin verständiger und toleranter wie ihr. Übrigens weiß er: wenn ich nicht wär', hätte das Mädel längst eine unverzeihliche Dummheit gemacht. Erinnern Sie sich, wie wir sie damals im Prater bei dem Soldatentanz aufgelesen haben? Ich zwing' sie, bei ihrem Bruder zu wohnen. Lang' wird sie's nicht mehr aushalten, das weiß ich. Früher hat ihr Huber jeden Tag die Leitartikel der Volkszeitung vorgelesen! Seitdem haßt sie selbstverständlich die Partei und die Politik. Und der Runtz hat ihr sie nicht weiter verlockend gemacht. Die Mizzi ist mehr für das Anarchistische.«

»Da wär' sie was für Schiller. Haben Sie schon gehört, dieser Narr ist auch wieder da, mitsamt der ›Dame‹.«

»Ja, sie sollen heute nachmittag herkommen!«

»So, da geh' ich!« Helferich steht auf. »Das muß ich sagen, Sie haben hier eine schöne Menagerie! . . . Aber wegen 227 dieser Dummheiten komm' ich nicht her. Wissen Sie, daß die Verhandlung gegen Schauer schon nächste Woche stattfinden soll?«

»Ja, das hat der Schwarzenstein durchgesetzt.«

»Ich habe sogar gehofft, Ihren Fürsten hier zu finden. Ich muß noch einmal mit ihm reden. Könnten Sie ihn nicht auf eine harmlose Art zu sich bestellen?«

Wisgrill denkt nach . . . »Nein! . . . Aber gehen Sie doch einfach zu ihm hinauf . . . Das wird ihm schmeicheln, folglich ist es richtig! Gestern hat er mir stolz erzählt, Schauer verköstigt sich selbst, und die Volkszeitung kriegt er jeden Tag in die Zelle.«

»Sie meinen, Schauer ist ganz gut aufgehoben? Warum sitzen Sie denn dann nicht selber einmal! Gelegenheiten werden jetzt kommen.«

»O, wenn mir der Schwarzenstein durchsetzt, daß die Mizzi mitsitzt, gern!«

»Immer diese zynischen Übungen! . . . Glauben Sie einem gescheiteren Mann, als Sie sind, diese zynischen Redensarten schaden Ihnen, am Ende werden Sie selbst nicht mehr wissen, ob das Maske oder Natur ist, man verwächst nämlich mit seinen Masken.«

»Danke ergebenst, jedoch Sie irren . . . Sie halten so vieles, was ich in aller Gemütlichkeit offen sage, für absichtlich und witzig. Fällt mir gar nicht ein, fortwährend Witze zu erzeugen! Ich bin wahrscheinlich von Natur aus anders als ihr. Ihr habt doch alle, glaub' ich, so ein verkapptes Religionsbedürfnis in euch, ihr wollt, glaub' ich, doch 228 eigentlich mehr oder minder die ›Religion der Zukunft‹, wie Hutterer sagt, begründen, ich will praktische Politik machen.«

»Mit dem Fürschten?«

»Mein Gott, aussuchen kann man sich die Leute nicht, weder die Feinde noch die Freunde. Grad das Schwierige, das Balancieren, wenn ich pathetisch wäre, würd' ich sagen: die Synthese, das interessiert mich.«

»Soll ich Ihnen Ihr Schicksal sagen?«

»Na?«

»Sie werden von beiden Seiten hinausgeworfen werden!«

»Das wäre ein Glücksfall, dann kann ich sofort wieder aufstehen! Bös wär' die Sache, wenn ich nur von einer Seite hinausgeworfen würde. Dann reißt sich die andere um mich, dann kann ich die Balance nicht halten und falle nach rechts, dann bin ich möglicherweise erledigt.«

Nach einer Weile sagt Helferich: »Mich wundert nur, daß Sie jemals Doktor geworden sind. Ihnen fehlt der Ernst! Sie haben wahrscheinlich Ihr Lebtag kein ordentliches Buch gelesen!«

»Aber die Volkszeitung! . . . Im Ernst gesprochen, Helferich, es gibt Menschen, besonders in Wien, die absolut keinen Sinn für Theorien haben. Mein Vater war Tischler, von dem hab' ich die Vorliebe für das Handgreifliche! Ich kann nicht über den Mehrwert nachdenken! Ich kann so ein Büchel, wenn Sie's unbedingt verlangen, auswendiglernen, aber nachdenken, freiwillig, kann ich darüber nicht! Wenn Sie mich aber fragen, was für eine Bauordnung braucht Wien, 229 oder wie soll die Stadtbahn trassiert werden, das verstehe ich. Weil ich Augen habe! Drum taug' ich im Gemeinderat etwas. Außerdem hab' ich eine Nase für das, was in den Parteien gerade reif zur Verwirklichung ist. Ich riech' die Sachen, die fertig sind! Heut die Wahlreform, morgen ein Altersrentengesetz, mit einem Wort: die gemeine Tagesforderung. Sie brauchen mich nicht zu warnen, ich weiß schon, eines Tages sitz' ich zwischen den zwei Stühlen! Wenn die Gesinnungsmeier auf beiden Seiten zur Regierung kommen! Vorläufig, bitt' Sie, lassen S' mich herumbasteln . . .«

Helferich setzt den Hut auf: »Schad' um Sie! . . . Sie könnten ein ganz brauchbarer Mensch sein.«

 

Als Schiller um fünf Uhr ins Hotel Zentral kam, um Dorn abzuholen, fand er beim Portier einen Zettel: »Sei nicht bös, ich war so ungeduldig, weil ich gefürchtet habe, daß Du mich wieder warten lassen wirst, da bin ich zu Wisgrill vorausgefahren, komm mir sofort nach. Deine Dora.«

Schiller klettert die Stiege zu Wisgrill hinauf, tritt aus dem Bodendunkel in das sonnenhelle Balkonzimmer: »Ah! . . .«

Wisgrill kommt ihm entgegen, ›besichtigt‹ ihn einige Sekunden und sagt dann zu Dora: »Ich finde gar nicht, daß er so nervös ausschaut.« Da weiß Gustav, daß Dora die halbe Stunde Vorsprung dazu benutzt hat, Wisgrill von ihrem Schicksal zu erzählen. Gott bewahre, keine Anklage, nur eine Schilderung seiner beinahe unerträglichen Gereiztheit.

Macht nichts, denkt Schiller und lächelt, ich hätte gar nichts dagegen, wenn . . . In seinem Innern schwört er, daß er 230 diesmal nicht stören und verhindern oder eingreifen will! Es ist nicht freundschaftlich gegen Wisgrill, sagt er sich, Männer sollten sich warnen, aber es wäre ja auch nicht freundschaftlich, wenn er sie mir wegkaperte. Schließlich kann er ja doch nicht wissen, wie fertig dieses Kapitel in mir ist!

»Na, Schiller, du sagst gar nichts! Ein simples Ah! und dann setzt du dich, und nicht einmal der Kahlenberg kriegt einen Blick. Von der Seite hab' ich dich gar nicht gekannt! . . . Ich baue in diese alte Hütte den schönsten Aussichtspunkt von Wien ein, und du steckst das ein wie etwas Selbstverständliches.«

Schiller fühlt, daß auch dies ein Ausläufer der Unterhaltung mit Dora ist. Er steht auf, beugt sich über das Geländer des Balkons und sagt:

»Diese unerwartete Aussicht, das ist eine rechte Wisgrillsche Entdeckung! Schöner ist es in ganz Wien nicht! Wie ich diese herbstlichen Weingärten liebe! Hier in der Früh' zu sitzen und zu arbeiten.«

»Ja, geht dir das auch so? Das ist mein Fall: Wenn ich hier am Abend, nach Sonnenuntergang, sitze, da werde ich produktiv. Ich kann damit allerdings nichts anfangen, weil im politischen Geschäft eigentliche Produktivität, Selbstdenken und so weiter streng verboten ist. Aber du, was bringst du Schönes mit?«

»Nichts.«

Wisgrill dreht sich zu Dora: »So sind sie, die Künstler! In einem halben Jahr, wenn er ganz allein in seiner dumpfen Bude hausen wird, werden dann ›Lieder an die ferne Geliebte‹ entstehen, mit Orchesterbegleitung.«

231 Jetzt rührt sich Schiller denn doch: »Warum grad in einem halben Jahr? Du gibst wenigstens einen präzisen Termin an!«

Wisgrill fühlt, daß er zu deutlich war, und wird freundschaftlich: »Aber, Kinder, was macht ihr für Gesichter? Ihr seid durch die Campagna gewandert, ihr habt den Himmel von Taormina gesehen, ihr seid in Frascati gesessen . . . Du, Schiller, du hast die schönste und verständnisvollste Frau neben dir gehabt, es ist wirklich eine Schande, jetzt noch den Zerrissenen zu geben!«

Schiller sitzt mit verschränkten Armen da. Ich könnte dir antworten, denkt er, ich könnte dir erzählen, welche Hölle ich nach den ersten Wochen durchwandert bin, in Florenz, in Frascati, in Sizilien . . . Ich habe gelernt, vor jedem Vorübergehenden zu zittern, ich habe bei jedem Weg, den ich notgedrungen allein gemacht habe, die Todesangst ausgestanden: Wird sie noch da sein, wenn ich zurückkomme? Und am schlimmsten war es, wenn sie mich liebte! Jede Viertelstunde Einsamkeit war mir untersagt! In jeden Gedanken hat sie sich eingemengt, jedes Gefühl mußte sie mitmachen, jeder Blick aufs Meer, jedes Riechen zu einer Blume, jeder tiefe Atemzug mußte geteilt werden, das nennt man dann: die innere Gemeinschaft. So sind mir die Lieder an die nahe Geliebte gestorben, ehe sie so lebendig wurden, daß ich sie einfangen konnte! Endlich wird Schiller laut:

»Etwas bring' ich doch mit, eine neue Marseillaise, ein Lied für die Straße, ein paar Takte . . . aber das wird in die Massen gehen! Ich habe es in der letzten Nacht in Venedig gemacht, als ich von Schauers Verhaftung erfuhr.«

232 Wisgrill findet es im stillen ein wenig taktlos, so ohne Umschweife von Schauer zu reden. Schillers Mitgefühl muß Dora kränken . . .

»Ich habe übrigens die Absicht, es Schauer in die Zelle zu schicken, was glaubst du?«

»Ich glaube, daß du geschmacklos bist!«

Dora fühlt, daß Wisgrill zu plump und zu schnell losgeht: »Sie meinen, vielleicht meinetwegen? Aber da tun Sie Gustav unrecht! Er kann ihm ja das Lied anonym schicken, das hatte er vor. Gustav hat die Absicht, sich wieder in der Partei zu betätigen.«

»Das wird seine Schwierigkeiten haben. Du hast alle Vorladungen der Parteibehörden unbeachtet gelassen, ich glaube, daß man dir einen Prozeß anhängen wird, Milderungsgründe kennt das demokratische Strafverfahren noch nicht. Es liegen übrigens Erschwerungsgründe vor . . .«

Schiller hat das alles längst gewußt, aber nun, da ihm ein anderer das alles sagt, dringt es erst in die Tiefe, ins stumme Herz der Erlebnisse. Eine Schwäche überfällt ihn, seine Knie schlagen aneinander. Ich sollte jetzt gehen, denkt er, aber dann würden sie bemerken, daß ich mich ohnmächtig fühle, ich würde aufstehen und umfallen . . .

Dora legt die Hand auf sein Knie und sagt sanft: »Beruhige dich, Gustav, das hast du doch gewußt, das ist dir doch nicht neu.«

Schiller lächelt fast höhnisch: »O, du bist sogar schon mitleidig!«

233 Dora zieht ihre Hand schnell fort: »Sehen Sie, Wisgrill, so ist er . . . Manchmal hat er gelinde Anwandlungen von Verfolgungswahn.«

Wisgrill findet Schillers tückischen Kampf mit geheimen Spitzen, boshaftem Lächeln und tückischen Anspielungen unerträglich. Er hat das Bedürfnis, noch einen Pfeil abzuschießen, und sagt in aller Harmlosigkeit:

»Übrigens hat mir heute Helferich erzählt, daß dir die Parteiregierung sogar quasi die Schuld an Schauers Prozeß zuschiebt.«

Das belebt Schiller! Eine Ungerechtigkeit – o, das würde ihn auffrischen! »Wie denn das?«

»Die Majestätsbeleidigung soll er in einer deiner Wahlversammlungen begangen haben. Nach einer Auflösung soll es einen Krakeel mit einem Kommissär gegeben haben.«

»Ich erinnere mich dunkel, aber den hatte ja ich . . .«

»So? Du wirst jedenfalls eine Zeugenvorladung bekommen. Doktor Klausner sucht deine Adresse. Der Prozeß ist schon am Dienstag.«

»Gut.« Schiller fühlt sich wieder bei Kräften: »Gehen wir, Dora?«

»Leben Sie wohl und bleiben Sie schick!« sagt Wisgrill beim Abschied zu Dora. »Ihnen hat das Proletarische ohnehin nie gestanden.«

»Ihnen noch weniger!«

»Ich habe es nie getragen . . . Na, und du, Gustav, erwache! Jetzt seh' ich übrigens doch auf deinem Gesicht, daß du nicht ganz auf der Höhe bist . . . Laßt euch wieder einmal ansehen!«

234 Dora fragt: »Wollen wir nicht gleich was vereinbaren?«

»Gern.«

Schiller öffnet schon die Tür: »Wir wollen nichts überstürzen. Vielleicht schadet ihm der Umgang mit uns!«

Wisgrill klopft ihm auf die Schulter: »Weißt du, leichter verdaulich bist du nicht geworden.«

Vor dem Haustor sagt Dora mit Tränen in den Augen: »Es ist dir also glücklich gelungen, dir den letzten Freund vom Hals zu schaffen, das alles tust du nur, um mich zu isolieren!«

»Richtig!«

»Aber ich lasse mich nicht so von allen Menschen abschneiden, das hast du mit deiner deutschen Gouvernante tun können!«

Schiller fühlt: so darf ich sie von Anna nicht reden lassen. Er sagt kurz: »Halt' das Maul!« 235


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