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Gutenberg > Josef Ruederer >

Die Morgenröte

Josef Ruederer: Die Morgenröte - Kapitel 3
Quellenangabe
typecomedy
booktitleTheaterstücke
authorJosef Ruederer
year1987
publisherSüddeutscher Verlag
addressMünchen
isbn3-7991-6365-4
titleDie Morgenröte
pages129-130
created20020608
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1904
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Zweiter Akt

Im Palais der Lola Montez. Reicher Empfangssalon mit rotseidener Tapete und schweren Gobelins. Die beiden Seitenwände gehen von der Rampe weg zuerst gerade gegen den Hintergrund, dann biegen sie ein in zwei kleinere Nebenwände gegen die Mitte. Dort ist keine Türe, sondern zwei Lapislazulisäulen mit goldenen Kapitälen und Postamenten flankieren den Ausblick auf einen nicht minder kostbar eingerichteten, kleinen Vorsaal. Von da führt eine dem Zuschauer unsichtbare Türe nach rechts in das Foyer des Hauses, eine nach links in den Bankettsaal. In den beiden Nebenwänden je eine Türe, die linke zum Toilettenzimmer der Lola Montez, die rechte zum Speisesaal. In der rechten Hauptwand ein Fenster gegen die Straße. Davor ein Tischchen mit einem Stuhl derselben Art, wie sie auch sonst an den Wänden verteilt sind. Ihm gegenüber auf der linken Seite zwei Glasetageren, worauf Sèvresvasen mit prachtvollen Blumenbuketts stehen. Dazwischen in goldenem Käfig ein Kakadu. Ein mit Seide bezogenes Sofa steht parallel mit der Richtung der linken Nebenwand, von der Decke hängt ein venezianischer Prachtlüster. Es ist am Vormittag, kurz vor der Audienzstunde. An der rechten Hauptwand steht der Glasermeister Hemersbacher in Hemdärmeln und grüner Schürze. Er stützt den einen der herausgenommenen Fensterrahmen auf den Boden und putzt mit einem Lappen die frischeingesetzten Scheiben blank. Gleichzeitig erscheint Maurice in schwarzseidenen Eskarpins und Frack durch den Vorsaal.

Maurice Sind Sie fertig oder nicht?

Hemersbacher Die letzte Scheib'n is drin, jetz' brauch' i de G'schicht nur mehr einz'macha. Er putzt noch ein bißchen und hebt dann den Rahmen gemächlich hoch.

Maurice Schlimm genug, daß es so lang gedauert hat! In einer Viertelstunde beginnen die Audienzen.

Hemersbacher Wer'n scho' z' Gnad'n halt'n, Herr Kammerdiener, aber vierzehn z'sammg'schmiss'ne Fenster – da derfa S' scho' suacha in unsera Stadt, daß Eahna oaner von gestern auf d' Nacht bis heut um elfe Mittag so ebbas wieda loamt.

Maurice Machen Sie weiter!

Hemersbacher Übrigens, a schöne Gaudi is 's g'wes'n. Herrgott, hab'n de Student'n g'schrien.

Maurice In der Tat, eine allerliebste Katzenmusik. Für die Mitwirkenden freilich kann es ein übles Nachspiel geben.

Hemersbacher Is 's wahr, daß s' 'n jungen Singlspieler verhaft't ha'm?

Maurice nickt: Er sitzt hinter Schloß und Riegel, hier im Hause, in der Waschküche.

Hemersbacher Is net mögli'?

Maurice Ausdrücklicher Befehl der Frau Gräfin.

Hemersbacher Schad't eahm nix; hat allaweil scho' zu viel aufbegehrt, und sei' Alter, wissen S', Herr Kammerdiener, der nützt d' Leut aus, der treibt 's Bier in d' Höh.

Maurice Mein lieber Herr Hemersbacher, Sie sind ein wackrer Bürger, jetzt aber, sehen Sie wirklich, daß Sie das Fenster einhaken – jeden Augenblick kann seine Exzellenz der Herr Minister kommen, ja man muß unter Umständen sogar den Besuch einer Persönlichkeit riskieren, die noch höher ist als der Minister.

Hemersbacher reißt Nase und Maul auf: Da . . . da Kini . . .?

Maurice Ich habe gar nichts gesagt.

Hemersbacher Jessas, bal' si' unsaoans so was denkt: da Minister, da Kini und de Pracht da herinn', de Pracht! Ja, i sag's alleweil, wer's lang hat, der läßt's lang hänga. Er hat eingehängt und das Fenster geschlossen.

Maurice Wir wollen uns doch lieber praktischen Dingen zuwenden. Haben Sie noch etwas zu erledigen?

Hemersbacher I bin fix und fertig, Gnad'n Herr Kammerdiener.

Maurice Dann gehen Sie, Sie werden unten bezahlt.

Hemersbacher Sag' Vergelt's Gott im voraus, es war mir a b'sond're Ehr', daß S' a amal an mi denkt hab'n. Wenn S' wieder was braucha in dera Bransch, nacher halt i mi bestens empfohl'n . . .

Man hört hinter der Türe des Toilettenzimmers Lolas entrüstete Stimme, gleichzeitig fallen Peitschenhiebe, ein weibliches Wesen stößt gellende Schreie aus.

Hemersbacher Was is denn dees?

Maurice Machen Sie, daß Sie fortkommen.

Während Hemersbacher nach seinem Glaserkasten greift, wird die Türe des Toilettenzimmers jäh aufgerissen.

Lola erscheint in reichstem, spitzenbesetztem Unterzeug, über das sie einen großen rotseidenen Schal nur sehr locker geworfen hat. Die Frisur ist bereits vollendet bis auf eine noch nicht befestigte Locke. In der rechten Hand schwingt sie die Peitsche, damit haut sie noch wütend in die Richtung des Zimmers, dann taumelt sie nach vorn: Ah! Ça c'est inoui! Un affront, un vrai affront!

Maurice Gnädigste Gräfin . . .

Lola Maurice, gut, daß Sie kommen. Werfen Sie das Mensch aus meinem Zimmer.

Maurice Wen?

Lola Das Weib, das die Karten legt.

Maurice Aber warum denn?

Lola Warum? Sie hat prophezeit mit Cœurbub und Piqueas, daß ich habe heute eine sehr schlechte Tag.

Maurice ohne eine Miene zu verziehen: Soll man's für möglich halten?

Lola fährt auf Hemersbacher los, der mit offenem Maule dasteht: Und der? Was will der vaurien? Was gafft er? Was glotzt er mich an? Va-t'en d'ici! Va-t'en! Sie haut mit der Peitsche nach Hemersbacher, der in weiten Sätzen entflieht.

Maurice als wollte er sich echauffieren: Canaille, Bürgerhund! Willst du wohl endlich . . .

Lola fällt auf das Sofa: Non, non, laissez ça, er hat schon Angst vor die cravache.

Maurice Die Justiz, von der Frau Gräfin in eigener Person vollzogen, ist jedenfalls die gründlichste und — die gerechteste.

Lola indem sie die Peitsche auf das Sofa fallen läßt: Ah, Maurice, je suis lasse, si lasse de corps et d'esprit, müde von die vielen Justiz, müde von die viele Regieren.

Maurice Eine schwere Aufgabe auch, die die Frau Gräfin in diesem Lande übernommen haben.

Lola Aber eine grandiose! Ein Volk emporzuführen über Staatsraison und Gesetze hinweg, ihm zu geben die Freiheit!

Maurice Das allerdings . . .

Lola Und dabei zu besitzen die Liebe des größten Königs!

Maurice Ja, ja, Seine Majestät sind allerdings ein ungewöhnlich aufgeklärter . . .

Lola heftig: Was?

Maurice Ein ganz herrlicher Mann.

Lola träumerisch: Un idéaliste! Je l'adore.

Maurice Schade, daß sein Volk nicht in gleichem Maße geweckt ist.

Lola N'importe! Das Volk, Maurice, hat seine eigene Psyche; man muß gerecht sein: auch das bayrische wird durch mich zum Licht geführt werden.

Maurice Dürfte noch einige Zeit dauern. Herr Singlspieler . . .

Lola Ah, ça m'amuse! Gib acht, wie ich dem zurechtsetze den Kopf. Wie ich alles blase auseinander, die ganze Revolution von gestern, – sie pfeift –: so . . . so! In die Hände klatschend: Oh, das gibt eine lustige audience, aujourd'hui, trotz die Prophetin da!

Maurice Karten lügen gar oft.

Lola Diesmal gewiß. Da, komm her zu mir, Maurice, daher auf die Sofa.

Maurice Frau Gräfin . . .

Lola Doch! Wir wollen rekapitulieren, wir wollen unsere mémoires austauschen. In Erinnerung wollen wir schwelgen.

Maurice Das geht doch auch so.

Lola schielt nach der Peitsche: Soll ich dir etwa . . . Da Maurice eilig an ihre Seite springt, laut lachend: Gelt, da kommst du? Ja, ja, ich glaube, wir beide haben schon durchgemacht Schlimmeres als die kleine chose von gestern abend. Comment?

Maurice Es kommt mir auch so vor.

Lola Weißt du noch? Die aventure in Gre-iz-Lobenste-in bei dem siebenundsiebzigsten oder siebenundachtzigsten Heinrich? Ha, ha, ha!

Maurice Ob ich's weiß! Das ganze Fürstentum stand Kopf.

Lola Oder in Petersburg beim Grafen Strobetzky?

Maurice Der Ihnen zuliebe die eigene Frau verknobelt hat.

Lola Oder die drei Amerikaner von der Spielbank in Monte Carlo, die aus mir eine société machen wollten?

Maurice Bei einem Haar wären Sie die rechtmäßige Gattin von allen dreien geworden.

Lola Fi donc! Meine Rolle war damals noch nicht ausgespielt, meine Mission noch nicht erfüllt.

Maurice Nun, heute können Frau Gräfin zufrieden sein.

Lola Du tout! Mir hat eine Zigeunerin prophezeit, daß ich das Höchste erreiche. Königin, Kaiserin wie Catherine, mit oder ohne Gatten, noch besser ohne, ah voilà encore une affaire pour moi.

Maurice Hm, ich denke, vorerst bleiben wir aber besser noch hier.

Lola Es gefällt dir hier?

Maurice Doch! Es lebt sich in dieser Stadt wirklich ganz angenehm. Die Lage ist hübsch, und wenn auch das Klima ein bißchen rauh ist, man hat seine Beziehungen, man . . .

Lola Man trinkt Champagner, man sieht schöne Frauen, nicht wahr, mon grand saligaud? Sie hat ihn beim Ohrläppchen gefaßt.

Maurice umschlingt sie plötzlich wütend: Oh, du prachtvolles Biest, keine ist so wie du.

Lola entwindet sich ihm und haut ihm eine klatschende Ohrfeige herunter: Maurice!

Maurice steht auf: Gnädigste Gräfin –

Lola Vraiment, das bin ich. Et toi, du bist domestique, hörst du? Sie lächelt. Hörst du, lieber Maurice? Nur ein ganz kleiner domestique, der hübsch artig hat zu parieren. Sie tätschelt ihm die Wange, auf die sie ihn geschlagen hat. So . . . so . . . so ist es brav.

Maurice fährt plötzlich auf, da er im Vorsaal den Konditor Mayerhöfer und den Hauptmann Baur von Breitenfeld gewahrt: Pardon, da sind schon die ersten zur Audienz.

Lola Konditor Mayerhöfer und der Herr Hauptmann.

Maurice sucht die Eintretenden abzuhalten: Meine Herren, das geht nicht.

Lola Doch, doch, sie sollen näher kommen, sie sollen mir gratulieren.

Mayerhöfer ein mit lächerlicher Eleganz gekleideter Vierziger. Er trägt Frack, großes Jabot, Zylinder, weiße Handschuhe und ein Monstrum von Bonbonnière, die mit gelber Seide und Goldfäden überspannen ist. Seine Redeweise ist geziert: Frau Gräfin erraten es, wir wollen unserer Entrüstung Ausdruck verleihen über den schamlosen Exzeß von gestern abend.

Baur Und zugleich wollen wir die Hoffnung aussprechen, daß die nichtsnutzigen Attentäter die gerechte Strafe finden mögen.

Lola Très enchantée, messieurs, très enchantée!

Mayerhöfer Oh, dieses Volk ist ja so dumm, so blöd, es begreift nicht, was es heißt, daß uns die Frau Gräfin die geistige Freiheit gegeben hat.

Lola Die Pfaffen, mon cher Mayerhöfer, die Pfaffen!

Baur Aber wir haben's ihnen besorgt, den zwanzig Rowdies, die die Straße heraufzogen. Gerade zur rechten Zeit kam ich noch an mit zwei Kompanien. Wissen Sie's noch, Herr Haushofmeister?

Maurice Ja, der Herr Hauptmann, wenn der nicht gewesen wäre!

Baur Vom rechten und linken Flügel zugleich ließ ich attackieren, dann drauf mit Kolben und Bajonetten, und die ganze Gesellschaft stob auseinander.

Mayerhöfer Das war eine Tat!

Baur Oh, das nächste Mal treiben wir's noch anders, da muß das Bürgerpack, das verdammte, Kartätschen statt Knödel zu fressen bekommen.

Lola Je l'espère. Sie greift nach der Bonbonnière. Was haben Sie da wieder Schönes?

Mayerhöfer Eine kleine Aufmerksamkeit.

Lola hebt den Deckel etwas auf: Ah, c'est ravissant, diese Pralinés, diese confitures, und hier? Sie zieht die Papierrolle heraus. Haben Sie wieder einmal gemacht Verse?

Mayerhöfer Ich kann's halt nicht lassen.

Lola Pourquoi pas? Seine Majestät haben erst wieder gesagt gestern: der Konditor Mayerhöfer ist ein vielversprechendes, schönes Talent.

Mayerhöfer Wirklich? Ach, gnädigste Gräfin, wenn ich hoffen dürfte . . . ich möchte nämlich Hoflieferant werden.

Lola Für die Verse?

Mayerhöfer Nein, für die Bonbons.

Baur Und ich, darf ich es aussprechen?

Lola Ihr Patent zum Major ist bereits gegangen an den Kriegsminister. Naturellement, ce n'est qu'une formalité; der Kriegsminister hat ja gar nichts zu sagen.

Baur Selbstverständlich, ich weiß, nur die Frau Gräfin.

Peißner ist während der letzten Szene durch den Vorsaal gekommen. Er trägt eine Studentenmütze in den Farben der Alemannen, karmoisinrot-gold, einen stutzerhaften, braunen Salonrock mit schwarzem Sammetkragen, weiße Hosen mit Strupfen und Lackschuhe. Im Knopfloch eine weiße Rose. Jetzt kommt er mit hochrotem Gesichte nach vorne: Und ich, vergessen Sie mich nicht, lieber Herr Hauptmann.

Lola Toi? Was hast du zu sagen?

Peißner Zunächst die Herren zu bitten, daß sie zurücktreten.

Mayerhöfer und Baur wollen sich in den Vorsaal zurückziehen.

Lola Oh! Sie richtet sich auf: Wer befiehlt hier?

Peißner Eine Frage, eine dringende Frage: Ist es wahr oder nicht: der Singlspieler soll in der Audienz vorgeführt werden?

Lola Oui, c'est mon ordre.

Peißner der fortwährend zwischen geziertem Hochdeutsch und gewöhnlichstem Münchnerisch wechselt: Du bist wohl verrückt?

Lola Herr Senior des Korps Alemannia –

Maurice Wir bewegen uns in einem Empfangssaal.

Peißner Egal. Der Mensch hat gegen Euer Gnaden die schrecklichsten Drohungen ausgestoßen, drum duld' ich nicht, nein, ich duld' es nicht, daß . . .

Lola auf dem Sofa, wo sie nachlässig mit der Peitsche spielt: Maurice, fertigen Sie Herrn Peißner ab, er weiß nicht, was sich schickt.

Maurice indem er Peißner in den Vorsaal zu drängen sucht: Herr von Peißner, Sie wissen selbst, um elf Uhr ist die Audienzstunde.

Peißner Nein, nein. Ich habe eine Angelegenheit von der größten Wichtigkeit zu erledigen.

Maurice Was denn, wenn ich fragen darf?

Peißner Das geht Sie nichts an, das ist Staatsgeheimnis.

Maurice zieht ein Portefeuille aus der Brusttasche: Brauchen Sie fünfzig . . . siebzig Gulden, oder . . .?

Peißner fährt auf: Maurice! . . . Plötzlich laut lachend: No, mein'tweg'n, Sie kenna ma hundert geb'n.

Maurice gibt ihm eine Note: Das Staatsgeheimnis war also nicht so schwer zu erraten.

Peißner Kommt mir selber so vor. Übrigens Scherz beiseite. Die Alemannia will heute abend hier im Hause einen Festkommers veranstalten.

Maurice Einen Kommers?

Peißner Zu Ehren der glücklichen Niederwerfung der gestrigen Rebellion. Das ist das erste Trutzzeichen nach außen. Ich hab' aber noch ein viel stärkeres.

Lola die inzwischen Baur und Mayerhöfer zu sich gewunken hat: Was – was hast du?

Peißner Einen Hauptschlag: wir schließen die Universität.

Lola lachend: Damit du ganz gewiß nicht mehr brauchst zu hören ein Kolleg!

Peißner Nein, zur ewigen Niederwerfung der Rebellen. Fort mit den Studenten, fort mit den Professoren!

Mayerhöfer eifrig: Ja, Frau Gräfin, das ist's, fort mit der Wissenschaft!

Baur Fort mit den Federfuchsern!

Maurice Wenn ich mir eine Ansicht zu äußern erlauben darf, dann muß ich sagen: der Herr Studiosus rät nicht so übel.

Von Berks ein glattrasierter, eleganter Fünfziger, in Zylinder, schwarzem Frack, schwarzer Hose, einen großen Stern an der Brust, ist eilends durch den Vorsaal eingetreten: Er rät gut.

Maurice, Mayerhöfer, Baur mit tiefen Verbeugungen: Ah, Seine Exzellenz!

Lola Bon jour, Berks, mon petit ministre, comment ça va?

Von Berks Den Umständen und der Sorge um Euer Gnaden entsprechend.

Lola Je me fiche de ce scandale-là.

Von Berks Vor diesem Mute die größte Bewunderung, gnädigste Gräfin. Doch wir andern können unmöglich die Hände in den Schoß legen.

Peißner mit einem Blick auf die anderen: Was haben wir gesagt? Maurice, der Konditor und der Hauptmann sind dafür, daß geschlossen wird.

Von Berks Gestatten mir Euer Gnaden, daß ich den Äußerungen von so sachkundiger Seite noch eine eigene beifüge? Eine, die direkt das hochpolitische Gebiet streift! Was ist der Staat? Macht in den Händen einer Korporation oder eines Einzelnen. L'état c'est moi, sagte Ludwig der Vierzehnte. Und er war ein gewaltiger Monarch, der nie eine Schwäche zeigte. L'état c'est vous, so kann man zu Euer Gnaden sagen, denn Sie sind eine noch größere Herrscherin und werden noch weniger Schwäche zeigen als der große Franzosenkönig.

Baur und Mayerhöfer Bravo!

Maurice In der Tat glänzend.

Baur Cicero und Themistokles in einer Person.

Peißner bissig: Nur etwas spät kommt die Weisheit.

Von Berks Wieso? Wenn ich fragen darf.

Peißner Besinnen Sie sich noch? Ich hab's Ihnen immer gesagt: Wenn Sie wirklich die Freiheit wollen, dann müssen Sie die Universität zumachen.

Von Berks Das schon –

Peißner fährt ihn an: Nun ja, warum haben Sie's denn dann nicht getan?

Von Berks Herr Studiosus, wenn Sie so fortfahren, dann muß ich mich über Sie bei der Frau Gräfin beschweren.

Peißner Tun Sie's doch! Da sitzt sie ja.

Lola lacht.

Von Berks Ich bin perplex, ich bin sprachlos.

Peißner Exzellenz, ich bitte Sie ehrerbietigst, finden Sie die Sprache wieder und dann ohne Verzug: schließen Sie die Universität, aber wirklich –

Von Berks Fürchten Sie nichts, es wird gelingen.

Maurice mit salbungsvoller Ruhe: Gott mit uns!

Lola Eh bien, meinetwegen. Man schließe die Wissenschaft.

Mayerhöfer Triumph!

Baur In hoc signo vinceremus!

Die Türe zum Toilettenzimmer hat sich geöffnet, dort steht die Kammerfrau und schaut auf Lola mit vielsagendem Blick.

Lola Was ist?

Die Kammerfrau Schaut noch vielsagender drein.

Lola Sa Majesté? . . . Zu Maurice: Maurice, begleite die Herren hinaus. Zu von Berks: Excellence, vous m'accompagnerez! Zu Peißner: Et toi, du kannst Herrn Singlspieler so lange unterhalten, bis ich wiederkomme. Sie schielt in den Vorsaal. Da, da ist er ja schon.

Indem sie immer zurückschaut, geht sie mit von Berks und der Kammerfrau in das Toilettenzimmer. Mayerhöfer, Baur und Maurice ziehen sich in den Vorsaal und von dort in das Nebenzimmer zurück.

Peißner indem er sich zu Xaver umdreht, der, von einem Gendarmen eskortiert, hocherhobenen Hauptes hereinkommt: Ah so, der Herr Singlspieler! Den hätt' ich ja bald vergessen, vor lauter Politik und Staatsgeschäften. Er mißt ihn verächtlich. Na, es sind eigene Verhältnisse, unter denen wir uns wiedersehen.

Xaver Gewiß. Du warst einmal ein ehrlicher Cherusker, der brav seine Farben verteidigt hat, jetzt bist du ein schuftiger Lolamanne.

Peißner Ich muß Sie bitten, keine neue Unverschämtheit. Vor allem warne ich Sie: erlauben Sie sich nicht die mindeste Impertinenz gegen die Frau Gräfin.

Xaver Ich bin doch da, um Abbitte zu leisten.

Peißner Was? Sie wollen –

Xaver Dazu oder zur Relegierung bin ich verurteilt.

Peißner Singlspieler, ich trau' Ihnen nicht. Warum haben Sie das gestern nicht getan? Warum mußten Sie Rebellion machen?

Xaver Man ist halt manchmal so unüberlegt.

Peißner Borniert sollen Sie sagen! Jawohl, mein vieledler Cherusker, was verstehen Sie von der großen Bewegung der Geister? Was verstehen Sie von der Freiheit?

Xaver Freiheit? Davon willst du mir reden? Du?

Peißner Weil ich mich durchgerungen habe zu ihr, weil ich nicht mehr im Dunkeln tappe, weil ich nicht mehr nachbete, was ihr gesagt habt, ihr Jammerkerle, ihr Pfennigfuchser!

Xaver hält noch an sich: Peißner, nicht so daherreden. Ich hab' die besten Absichten, aber . . .

Peißner verfällt von jetzt an wieder ins Münchnerische: Aber? Aber? Was willst d' machen? Wehr' dich doch, wenn's geht. Und wenn du zehnmal um Verzeihung bittest, du bist draußen, ganz draußen. Ja, mein lieber Xaverl, es ist so weit. Du mußt Bierbrauer werden. Du mußt das Veverl heiraten.

Xaver Was geht das dich an?

Peißner Weiß, weiß, daß du andre Rosinen im Kopf hattest. Damit ist es vorbei . . . für immer vorbei! Mit Betonung: Die Universität wird geschlossen!

Xaver mit jähem Aufschrei: Nein!

Peißner Soll ich dir den Minister holen als Zeugen?

Xaver Also wahr, wirklich wahr? Wir sollen Mörtel tragen, wir sollen Stiefel putzen, Lumpen sammeln soll ich wohl gehen?

Peißner in frechem Ton singend: Xaver, der Cheruskerfürscht, handelt jetzt mit Leberwürscht.

Xaver unbeirrt fortfahrend: Aber das hat nur sie gemacht, das elende Weib, das infame.

Peißner Wie? Das nennst du um Verzeihung bitten?

Xaver immer gesteigerter: Nur sie, die uns alle an den Rand des Verderbens bringt, diese Gottesgeißel, diese Dirne!

Peißner Was erfrechst du dich?

Maurice, Baur, Mayerhöfer zeigten sich während des Wortwechsels im Vorsaal. Jetzt stürzen sie nach vorn, von Hirschberg, Zeuler und drei andere Herren im Frack folgen.

Maurice Was ist denn das für eine Conduite?

Peißner Der Bursche hat die Frau Gräfin aufs infamste beleidigt.

Xaver Ich hab' sie genannt, was sie ist, eine Dirne!

Baur zum Gendarmen: Nehmen Sie ihn doch fest!

Hirschberg Fesseln Sie ihn gleich!

Zeuler Fort damit auf die Polizei!

Xaver während er gebunden wird: Packt mich nur, bindet mich. Heute noch werd' ich gerächt sein.

Alle schreien wild durcheinander: Fort, fort damit!

Maurice plötzlich den ganzen Tumult überschreiend: Höchste Gnaden, die Frau Gräfin Landsfeld!

An der Schwelle des Toilettenzimmers ist Lola Montez erschienen, in reicher Empfangstoilette, mit Fächer und kostbarem Schmuck. Sie steht mit stolzer Haltung und sieht ruhig auf das Gewirr. Hinter ihr von Berks.

Mayerhöfer der sich etwas abseits gehalten, legt hastig die Bonbonnière unter den linken Arm, entfaltet die Rolle der Länge nach und liest:

Nach dem goldbeglänzten Abend
Sich zur Ruh' begeben habend,
Steigt die Sonne jetzo wieder
Zu uns Glücklichen hernieder,
Nach der Nacht naht sich der Morgen,
Der verscheuchet alle Sorgen,
Scheucht der schwarzen Vögel Krächzen,
Die nach Nacht und Nebel lechzen.
Heil dir, Lola, Lola Montez,
Wer so gut wie du gekonnt es,
Den will ich mit goldnen Leiern
Und mit meinem Herzblut feiern.
Heil!            

Alle mit Ausnahme von Xaver, der vom Gendarmen gefesselt im Hintergrund zurückgehalten wird, rufen begeistert: Heil!

Lola tritt näher: Merci, merci, messieurs! Ich bedaure, daß ich nicht so gut regiere die deutsche Sprache wie unser poète, um zu erwidern die Gefühle, die Sie mir heute morgen wieder haben erwiesen. Allgemeine freudige Bewegung, sie geht die Audienzgruppe der Reihe nach ab und reicht jedem die Hand zum Kusse. Monsieur . . . Monsieur . . . Monsieur . . .

Maurice bringt auf einem silbernen Teller eine Menge Briefe und Aktenstücke: Euer Gnaden, die Bittgesuche!

Mayerhöfer präsentiert die Bonbonnière: Euer Gnaden, ein kleines Geschenk: der süßesten Muse.

Baur Euer Gnaden, die Huldigung der ganzen Armee.

Peißner überreicht ein großes Kuvert: Euer Gnaden, die devoteste Einladung zum heutigen Kommers der Alemannia.

Lola lächelnd nach allen Seiten: Grâce, grâce, messieurs, mille grâces. Nicht mir soll es gelten, das viele Schöne und Liebe, dem großen Gedanken, den wir alle repräsentieren, dem wir leben bis zum letzten Atemzuge: der Freiheit!

Alle mit Ausnahme von Xaver, begeistert: Der Freiheit!

Lola So müssen wir siegen! Sie sieht sich um. Maurice, was war das für ein Lärm? Verlegene, kurze Pause.

Maurice Gnädigste Gräfin . . .

Baur Ein Unverschämter hat es gewagt . . .

Peißner Der Cherusker, der Singlspieler.

Baur leise zum Gendarmen: Machen Sie jetzt, daß Sie fortkommen mit dem Burschen!

Lola Ah, ça non, par exemple! Lassen Sie ihn hier. Sie lorgnettiert ihn aus der Entfernung. Das ist also Herr Singlspieler, der große Revolutionär. Aber wie? Er hat ja die Hände . . .?

Peißner Weil er unverschämt war.

Lola Eh bien, das ist vorüber, binden Sie ihn los.

Baur Wie?

Lola Sofort! Und dann, messieurs, dann lassen sie mich mit ihm allein.

Maurice Gnädigste Gräfin, das ist unmöglich.

Baur Der Mensch ist zu allem fähig.

Lola Assez, assez! Wenn Sie haben Angst, Sie können warten im Vorzimmer, aber jetzt adieu, messieurs, adieu, adieu! Alle mit tiefen Komplimenten nach dem Vorsaal ab, bis auf Xaver.

Lola So, jetzt sind wir allein. Jetzt können Sie reden.

Xaver hat der ganzen Szene vom Eintritt der Lola an mit verbissener Wut in seiner Ecke zugehört. Jetzt antwortet er trotzig: Nein.

Lola Nicht? Sie wollten doch? Sie konnten es doch vorhin so kräftig und deutlich, oh, ich habe sehr gut gehört, was Sie haben gerufen. »Dirne« haben Sie gerufen. Oui ou non? Das haben Sie getan?

Xaver fest: Ja?

Lola klatscht mit dem Fächer auf die Hand: Das hab' ich wollen hören.

Xaver Warum? Sie haben ja genügend Zeugen dafür.

Lola Ah, ich wollte, daß Sie mir das sagen in das Gesicht – sie tritt ihm langsam näher – face à face . . . ganz nahe . . . So, jetzt sagen Sie 's noch einmal. Sie steht ganz dicht bei ihm und wartet einen Augenblick. Sie sagen 's ja nicht?

Xaver Ich . . . Er sucht nach Worten.

Lola tritt von ihm weg, indem sie den Fächer aufschlägt: Warum verfolgen Sie mich eigentlich?

Xaver Lassen Sie mich abführen.

Lola Nein, Sie sollen mir Antwort geben.

Xaver Wenn mich der Richter ins Verhör nimmt, werd' ich sagen, was ich zu sagen habe, hier nicht.

Lola Richter? Ah, bah! Ich bin Richter, ich mache Gesetze im Lande!

Xaver Ja eben, Sie machen Gesetze, Frau Gräfin, neue Gesetze, und die alten, die haben Sie umgeworfen, die respektieren Sie nicht mehr, da treten Sie mit Füßen draufherum.

Lola Mit meine Füße? Voyez vous? Sie rafft das Kleid und hebt mit feiner Koketterie einen Fuß. Sind sie wirklich groß genug, um so etwas zusammenzutreten wie so ein altes, breites, dickes Gesetz?

Xaver Ach, Sie sollten keine Witze machen, Sie sollten nicht lachen, Frau Gräfin. Plötzlich: Schämen sollten Sie sich, ja schämen, jetzt hab' ich's heraus.

Lola beginnt zu tänzeln und dabei den Fächer zu schwingen.

Xaver geht ihr nach: Ich red' nämlich nicht nur für mich, nein, ich red' für die ganze Studentenschaft, für die anständige wenigstens, ja noch mehr, ich red' für das ganze Land. Wissen Sie, was Sie dem zugefügt haben? Ist Ihnen das schon einmal grob und ehrlich gesagt worden?

Lola singt halblaut und tanzt jetzt wirklich im kleinen Umkreis.

Xaver Nein, es ist Ihnen noch nicht gesagt worden! D'rum will ich's besorgen, Frau Gräfin. Bleiben Sie stehen! . . . Bleiben Sie stehen! . . . Ja, natürlich, Sie wollen nicht hören, Sie lachen, Sie tanzen.

Lola singt einen hohen Ton, dreht sich kurz herum, plötzlich haut sie ihm den Fächer ins Gesicht: Bête, bête!

Xaver faßt sie wütend beim Arm: Was? Was?

Lola Dummkopf!

Xaver Sagen Sie 's noch einmal, und ich zerbrech' Ihnen den Arm.

Lola Allons, allons!

Xaver hebt die Faust: Oh, Sie . . .

Lola sieht ihn durchbohrend an: Was?

Xaver läßt den Arm vor ihrem Blick langsam sinken.

Lola lächelnd: Wollen Sie Satisfaktion? Wollen Sie auf die Mensur? Ich auch bin Student wie Sie. Oh, ich schlage gut, so gut wie ich tanze. Sie glauben nicht? Kommen Sie zu uns heute abend! Sie haben gehört, wir haben Kommers, große fête. Immer langsamer und wärmer: Kommen Sie, kommen Sie.

Xaver Sie muten mir zu, ich soll . . .?

Lola rasch: Sie sollen, Sie müssen! Wollen Sie wissen, warum? Weil Sie mir gefallen, viel besser als Peißner. Das ist ein imbecile, ein Feigling, aber Sie haben Mut. Deshalb sollen Sie nicht zurück zu den Bourgeois. Sie sollen höher hinaus.

Xaver Wie das?

Lola nach einer Pause: Sie haben eine Braut.

Xaver Das wissen Sie und wagen es trotzdem, mir vorzuschlagen –?

Lola Ich wage noch mehr. Flüsternd: Warum war ich gestern beim Marderbräu? Pause. Sie können das gar nicht sich denken? Dann will ich Ihnen geben Antwort. Verlassen Sie alles, was Sie noch bindet, und Sie sollen sein, was Sie wollen.

Xaver Was – was soll ich sein?

Lola Grand-seigneur, Minister – König!

Xaver Ich soll – ah, das ist ja Wahnsinn!

Lola Eh non! Ich habe vollbracht in der Welt größere Dinge schon, und ich kenne die Welt gut, sehr gut.

Xaver Das weiß man von Ihnen.

Lola Bah, was so spricht Madame Tout le monde, die mich hält für eine Maitresse, für eine Konkubine! Sie stampft auf. Und das bin ich nicht. Non, non, non. Ich mache mir nichts aus allem, was kriecht zu meine Füße, was bettelt um meine Gunst, was mir schenkt Gold und Steine, nichts, gar nichts. Mit steigender Wärme: Aber, wenn ich liebe, wirklich liebe, und wenn's ein Bettler ist, ein gamin, ein Student . . .

Xaver immer mehr befangen: Dann?

Lola tritt ihm näher: Dann warte ich nicht, non, – dann weiß ich zu handeln! Sie reißt ihn mit einer jähen Bewegung auf das Sofa und bohrt ihren Mund in den seinen.

Xaver halb erstickt: Nicht! Nicht!

Lola hastig: Du kommst zu mir, du gehörst mir, du trägst meinen Ruhm in die Welt hinaus!

Xaver sich entwindend: Nein!

Lola Doch, doch! Du wirst Alemanne!

Xaver Nein, nein! Er hat sich frei gemacht. Nach einer kleinen Pause sagt er ganz atemlos: Was unterstehen Sie sich? Ich bin kein hergelaufener Glücksritter, ich bin nicht Peißner, ich bin ein Cherusker!

Lola Ah, so! Du bist ein Cherusker. Na, dann geh'! Geh' zu deinen Korpsbrüdern, erzähl' ihnen, daß du bist geblieben rein und keusch. Geh' hin, geh'!

Xaver Hören Sie mich an . . .

Lola Kein Wort mehr, geh'!

Xaver Lassen Sie mich noch bleiben, lassen Sie mich reden. Ich hab' einen Vater, ich hab' eine Braut –

Lola Und was noch für muntere Haustiere? Non, mon cher, ich hab' mich geirrt in dir. Ich hab' einen Augenblick geglaubt, daß du wärst fähig, mich zu begreifen, ich habe gedacht, daß du wolltest gehen mit mir durch dick und dünn bis ans Ende der Welt. Jetzt seh' ich anders. Du bist ein kleiner Geselle, du bist ein Bourgeois wie alle.

Xaver Sagen Sie das nicht, Frau Gräfin, ich ertrag 's nicht.

Lola Oh, wenn du wüßtest, was ich hatte vor mit dir, wenn du ahntest, was dir war bestimmt. Das Größte, das Höchste! Alles – alles wollt' ich tun für dich! Denn, wenn ich liebe, dann reiß' ich die Erde auf und werfe die Throne um.

Xaver Lola!

Lola Sie verstehen es noch nicht, die Menschen! Du aber hättest es sollen fassen, von dir hab' ich anders gedacht.

Xaver Mit welchem Rechte?

Lola Mit meinem eigenen. Ja, mein guter Xaver, ich wollte dich führen zu den Höhen der Menschheit, weg über alle Bourgeois wollt' ich dich emporziehen zu mir, zu die Freiheit! Denn ich, ich habe sie euch gebracht. Ich habe vertrieben die Pfaffen, Gleichheit hab' ich geschaffen für alle. Ich habe es aufgebaut, das große, neue Jahrhundert, und ihr bewerft mich mit die Steine!

Xaver Ich komm' nicht zu Worte, ich weiß nicht, was ich sagen, was ich tun soll?

Lola Schlagen sollst du mich! So haben sie dir's doch befohlen, die Philister. Zeichnen vor aller Welt sollst du die Dirne. Allons! Du hast ja schon erhoben den Arm. Was hindert dich jetzt? Schlag' zu! Dann geh' hinaus und schimpfe weiter auf Lola Montez.

Xaver dumpf: Ich schlage Sie nicht.

Lola Und du hast auch bedacht die Folgen? Draußen warten sie in der Welt, sie fragen, sie verschlingen dich mit ihre Blicke: Was hast du getan? Was hat sie gesagt? Eh bien, was wirst du zur Antwort geben? Willst du behaupten, daß du mich hast vernichtet, daß du mich gesehen im Staube vor dir?

Xaver Ich – Langt mit beiden Händen nach dem Kopfe. Oh Gott im Himmel!

Lola triumphierend: Merkst du jetzt? Fühlst du? N'est-ce-pas? Es gibt kein Zurück mehr.

Xaver stößt nach einer Pause schweren Ringens hastig heraus: Sagen Sie mir selbst, was ich tun soll.

Lola Ich? Nein! Das mußt du mit dir abmachen –

Xaver will instinktiv nach ihr greifen.

Lola Nicht so, nicht hier. Lächelnd: Wir werden ja sehen. Sie läutet. Zu dem eintretenden Maurice: Herr Xaver Singlspieler kann unbeanstandet das Palais verlassen. Sie geht zum Toilettenzimmer.

Maurice nähert sich mit lächelnder Miene dem noch ganz geistesabwesenden Xaver.

Vorhang

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