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Die Miserabeln. Dritter Band

Victor Hugo: Die Miserabeln. Dritter Band - Kapitel 32
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typefiction
authorVictor Hugo
titleDie Miserabeln. Dritter Band
publisherReichardt & Zander
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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IX. Thenardier bei der Arbeit.

Am andern Morgen, zwei Stunden wenigstens vor Tagesanbruch, saß Thenardier in der niedrigen Gaststube neben einem Licht am Tische, mit der Feder in der Hand und setzte die Rechnung für den Reisenden im gelben Rocke zusammen.

Die Frau stand halb über ihn gebeugt dabei und folgte ihm aufmerksam mit den Augen. Sie sprachen lein Wort mit einander. Es war auf der einen Seite tiefes Nachdenken, auf der andern jene andächtige Bewunderung, mit welcher man ein Wunder des menschlichen Geistes entstehen und sich entwickeln sieht. Man hörte ein Geräusch im Hause. Die Lerche kehrte die Treppe.

Nach einer guten Viertelstunde und manchem Radiren brachte Thenardier folgendes Meisterstück zu Stande:

Nota für den Herrn in Nr. 1.
Abendessen .... 3 Francs
Zimmer .... 10 "
Lichte .... 5 "
Beheizung .... 4 "
Service .... 1 "
  ________
Summa 23 Francs

»Dreiundzwanzig Francs!« rief die Frau mit einem Enthusiasmus, in welchen sich jedoch ein wenig zögernde Zurückhaltung mischte.

Thenardier war, wie alle großen Künstler, nicht mit sich zufrieden.

»Hm!« sagte er, das geschah in der Betonung Castlereaghs, als er bei dem Wiener Congreß die Rechnung für Frankreich machte.

»Du hast Recht, Herr Thenardier,« sagte leise die Frau, welche an die Puppe dachte, welche der Mann Cosetten im Beisein ihrer Tochter gegeben hatte, »er ist das schuldig, es ist richtig, aber zu viel. Er wird es nicht bezahlen wollen.«

Thenardier entgegnete mit seinem kalten Lächeln:

»Er wird bezahlen.«

Dieses Lächeln war die höchste Bedeutung der Gewißheit und Autorität. Was so gesprochen wurde, mußte geschehen. Die Frau widersprach auch nicht mehr. Sie stellte die Tische zurecht, während der Mann in der Stube hin und her ging. Nach einiger Zeit setzte er hinzu:

»Ich schulde ja fünfzehnhundert Francs!«

Dann setzte er sich in den Winkel neben dem Kamin und legte die Füße auf die warme Asche.

»Du vergißt doch nicht,« sagte die Frau, »daß ich heute Cosette aus dem Hause werfe? Dieses Ungethüm! Sie stößt mir das Herz mit ihrer Puppe ab. Lieber wollte ich Ludwig XVIII. heirathen, als sie noch einen Tag im Hause behalten.«

Thenardier zündete seine Pfeife an und antwortete, nachdem er vor- und nachher eine Rauchwolke von sich geblasen:

»Du wirst dem Manne die Rechnung geben.«

Darauf ging er hinaus.

Kaum war er aus der Stube, als der Reisende eintrat. Thenardier erschien auf der Schwelle wieder hinter ihm und blieb, nur seiner Frau sichtbar, in der halb offenen Thür stehen.

Der gelbe Mann hatte seinen Stock und sein Packet in der Hand.

»So zeitlich aufgestanden?« sagte die Thenardier. »Verläßt uns der Herr schon?«

Während sie so sprach, drehte sie mit verlegener Miene die Rechnung in den Händen hin und her und zerknitterte sie mit ihren Nägeln. Auf ihrem rauhen Gesichte erschien ein Zug, der ihr nicht gewöhnlich war, Schüchternheit und Bedenklichkeit.

Es schien ihr unbequem, eine solche Rechnung einem Manne zu geben, der so ganz wie »ein Armer« aussah.

Der Reisende schien zerstreut und abwesend zu sein. Er antwortete:

»Ja, Madame, ich gehe.«

»Sie haben also keine Geschäfte in Montfermeil, mein Herr?«

»Nein. Ich reise nur durch. Das ist Alles. Was bin ich schuldig, Madame?«

Die Thenardier reichte ihm, ohne zu antworten, die zusammengefaltete Rechnung hin.

Der Mann faltete das Papier auseinander, und blickte hinein; seine Gedanken aber waren offenbar anderswo.

»Machen Sie gute Geschäfte in Montfermeil, Madame?« fragte er.

»So so, mein Herr!« antwortete sie ganz erstaunt darüber, daß sie nichts anderes hörte. Dann fuhr sie in elegischem und kläglichem Tone fort: »Ach, mein Herr, die Zeiten sind sehr schlecht! Und dann haben wir auch so wenig Wohlhabende hier, lauter kleine Leute, sehen Sie. Wenn wir nicht manchmal so generöse und reiche Reisende hätten, wie der Herr! Wir haben so große Lasten! Sehen Sie, die Kleine kostet uns die Augen im Kopf.«

»Welche Kleine?«

»Nun, die Kleine, Sie wissen ja! Cosette! Die Lerche, wie die Leute hier sie nennen.«

»Ach so!« sagte der Mann.

Sie fuhr fort:

»Sind sie dumm, diese Bauern, mit ihren Zunamen! Sie sieht eher aus wie eine Fledermaus, als wie eine Lerche. Sehen Sie, mein Herr, wir verlangen kein Mitleid, wir können es aber bald nicht mehr aushalten. Wir verdienen nichts und haben viel zu bezahlen. Die Steuern! Der Herr weiß, daß die Regierung ein schreckliches Geld verlangt. Und dann habe ich ja auch meine Töchter. Ich habe nicht nöthig anderer Leute Kinder zu ernähren.«

Der Mann erwiederte mit einem Tone, der gleichgiltig klingen sollte, dem man aber doch das Zittern anhörte:

»Wenn Sie sie sich nun vom Halse schafften?«

»Wen? Die Cosette?«

»Ja.«

Das rothe und heftige Gesicht der Wirthsfrau überstrahlte eine häßliche Freude.

»Ach, mein Herr! Mein guter Herr! Nehmen Sie sie, behalten Sie sie, nehmen Sie sie mit fort, überzuckern Sie sie, stopfen Sie sie mit Trüffeln, trinken, essen Sie sie, machen Sie mit ihr was Sie wollen und die gute Jungfrau mit allen Heiligen im Paradiese mag Sie dafür segnen.«

»Abgemacht!«

»Wirklich? Sie nehmen sie mit?«

»Ich nehme sie mit.«

»Sogleich?«

»Sogleich. Rufen Sie das Kind!«

»Cosette!« rief die Wirthin.

»Unterdeß,« fuhr der Mann fort, »will ich Ihnen meine Rechnung bezahlen. Wieviel beträgt sie?«

Er warf einen Blick auf dieselbe und konnte eine Bewegung der Ueberraschung nicht unterdrücken.«

»Dreiundzwanzig Francs!«

Er sah die Frau an und sagte noch ein Mal: »Dreiundzwanzig Francs?«

In der Betonung dieser zwei Mal wiederholten Worte lag der Accent, welcher das Ausrufe- vor dem Fragezeichen trennt.

Die Thenardier hatte Zeit gehabt, sich auf den Stoß vorzubereiten. Mit Sicherheit antwortete sie:

»Ja, mein Herr, dreiundzwanzig Francs!«

Der Fremde legte fünf Fünffrancsstücke auf den Tisch und sagte: »Holen Sie die Kleine.«

In diesem Augenblick trat Thenardier bis in die Mitte der Stube und sagte:

»Der Herr ist noch sechsundzwanzig Sous schuldig.«

»Sechsundzwanzig Sous?« rief die Frau.

»Zwanzig für das Zimmer, sechs für das Abendessen,« antwortete Thenardier kalt. »Was die Kleine betrifft, so muß ich mit dem Herrn noch ein paar Worte reden. Lasse uns allein, Frau.«

Die Frau war geblendet von den Blitzen des Talentes ihres Mannes. Sie fühlte, daß jetzt der erste Held auftrat, sagte kein Wort und ging.

Sobald sie allein waren, bot Thenardier dem Fremden einen Stuhl. Der Reisende setzte sich, Thenardier blieb stehen. Sein Gesicht nahm einen seltsamen Ausdruck von Gutmüthigkeit und Einfältigkeit an.

»Sehen Sie, mein Herr,« sagte er, »ich will es Ihnen nur sagen, ich liebe dieses Kind unendlich.«

Der Fremde sah ihn fest an.

»Welches Kind?«

»Es ist wunderlich, wie man sich an Etwas gewöhnen und anschließen kann! Was ist all das Geld? Nehmen Sie Ihre hundert Sous. Ich habe das Kind zu lieb.«

»Welches denn?« fragte der Fremde.

»Nun, unsere kleine Cosette. Wollen Sie uns denn die Kleine nicht entführen? Ich rede aufrichtig, so wahr sie ein honetter Mann sind, ich kann meine Einwilligung nicht geben. Das Kind würde mir überall fehlen. Ich habe sie ganz klein gesehen. Es ist wahr, sie kostet uns freilich viel Geld, es ist wahr, sie hat ihre Fehler, es ist wahr, wir sind nicht reich, es ist wahr, ich habe in einer ihrer Krankheiten mehr als vierhundert Francs für Medicin bezahlt. Aber man muß für den lieben Gott auch etwas thun. Das arme Ding hat weder Vater noch Mutter, ich habe sie erzogen. Ich habe Brod für sie und für mich. Und in der That, ich halte was auf das Kind. Ich bin ein guter dummer Kerl, ich vernünftele nicht, ich liebe die Kleine. Meine Frau ist zwar lebhaft, aber sie liebt sie auch. Es ist als gehörte sie uns. Ich muß sie im Hause hören!«

Der Fremde sah ihn noch immer unverwandt an.

Thenardier fuhr fort:

»Verzeihen, entschuldigen Sie, mein Herr, aber man giebt sein Kind nicht so dem ersten besten Reisenden hin. Nicht wahr, ich habe Recht? Freilich, Sie sind reich, Sie scheinen ein sehr braver Mann zu sein; wenn das nun zu ihrem Glück wäre? Aber wer kann das wissen? Sie verstehen, wenn ich sie gehen ließe, wenn ich ein Opfer brächte, so könnte dies doch nur dann geschehen, wenn ich wüßte, wohin sie kommt; ich möchte sie nicht aus den Augen verlieren; ich möchte wissen, bei wem sie ist, um sie von Zeit zu Zeit besuchen zu können, damit sie erführe, ihr guter Pflegevater sei da und wache über sie. Kurz es giebt Dinge, welche nicht möglich sind. Ich kenne nicht einmal Ihren Namen. Nehmen Sie sie mit, so muß ich immer fragen: wohin ist die Lerche gekommen? Ich müßte wenigstens ein schlechtes Papier, ein Stück von einem Paß sehen, Etwas!«

Der Fremde antwortete in ernstem, festem Tone, ohne aufzuhören ihn mit einem Blicke anzusehen, der bis in die Tiefe des Gewissens dringt:

»Herr Thenardier, wenn man auf fünf Meilen Paris, verläßt, nimmt man keinen Paß. Wenn ich Cosette mitnehme, nehme ich sie mit, ohne Weiteres. Sie erfahren weder meinen Namen, noch meine Wohnung; sie erfahren nicht, wo sie sein wird, und es ist meine Absicht, daß sie Sie niemals wiedersieht. Ich zerschneide den Faden, den sie am Fuße hat und sie geht davon. Paßt Ihnen das? Ja oder Nein?«

Ebenso wie die Dämonen und die Genien an gewissen Zeichen die Gegenwart eines überlegneren Geistes erkennen, so begriff Thenardier, daß er mit Einem zu thun hatte, der nicht geringe Kräfte habe. Es kam ihm dies ohne Nachdenken durch Anschauung. Er begriff dies mit seiner scharfsinnigen, klaren Geistesgewandtheit. Schon am Abende vorher, mitten unter dem Trinken, Rauchen und Singen, hatte er ihn genau beobachtet, ihn belauert wie eine Katze und ihn studirt wie ein Mathematiker. Im eigenen Intresse, aus Instinkt und aus Vergnügen hatte er ihn spionirt; er hatte ihn ausspionirt, als wenn er dafür bezahlt würde. Keine Geberde, keine Bewegung des Mannes im gelben Rock war ihm entgangen. Das Interesse des Unbekannten für Cosetten hatte er errathen, bevor der Mann dasselbe noch deutlich zu erkennen gegeben. Er hatte die tiefen, langen Blicke beobachtet, welche immer wieder auf das Kind zurückkamen. Warum dieses Interesse? Wer war der Mann? Warum die ärmliche Kleidung bei so viel Geld im Beutel? Alles Fragen, welche er sich vorlegte, ohne sie beantworten zu können, sie reizten seine Neugierde. Die ganze Nacht hatte er darüber nachgedacht. Der Vater Cosette's konnte er wohl nicht sein. Vielleicht der Großvater? Warum aber dann nicht sogleich sich zu erkennen geben? Wenn man ein Recht hat, zeigt man es. Der Mann hatte also offenbar kein Recht auf Cosetten. Was war er also? Thenardier verlor sich in Muthmaßungen. Er ahnte alles, sah und sah nichts. Wie dem aber auch sein mochte, er fühlte sich stark, als er mit dem Mann eine Unterhaltung anknüpfte, weil er die Gewißheit hatte, daß ein Geheimniß in alle diesem stecke und daß der Mann ein Interesse dabei habe, im Dunklen zu bleiben. Aber bei der klaren und festen Antwort des Fremden, als er sah, daß der Mann so unbefangen geheimnißvoll sei, fühlte er sich wieder schwächer. Etwas der Art hatte er nicht erwartet. Seine Vermuthungen stürzten über den Haufen. Er sammelte seine Gedanken. Er erwog Alles in einer Secunde. Thenardier gehörte zu denjenigen Menschen, welche eine Lage mit einem Blicke überschauen. Er erkannte, daß es Zeit sei rasch und graden Weges vorzugehen. Er machte es wie die großen Feldherrn in einem solchen Augenblicke, den sie allein zu erkennen vermögen, – er demaskirte plötzlich seine Batterie.

»Mein Herr,« sagte er, »Sie müssen mir fünfzehnhundert Francs zahlen.«

Der Fremde nahm aus seiner Seitentasche ein altes Portefeuille von schwarzem Leder, öffnete es und nahm drei Banknoten aus demselben, die er auf den Tisch legte. Dann drückte er seinen breiten Daumen auf die Billets und sagte zu dem Wirth:

»Holen Sie die Cosette.«

Was that Cosette, während dies geschah?

Sie war gleich nach dem Erwachen zu ihrem Holzschuh gelaufen und hatte in demselben das Goldstück gefunden. Es war kein Napoleonsd'or, sondern eines der ganz neuen Goldstücke der Restauration, auf deren Vorderseite das kleine preußische Queue die Lorbeerkrone verdrängt hatte. Cosette war wie geblendet, ihr Geschick fing an sie zu berauschen. Sie wußte nicht was ein Goldstück war, sie hatte nie eins gesehen, sie steckte es rasch in ihre Tasche, als habe sie es gestohlen. Gleichwohl fühlte sie, daß es ihr angehöre; sie errieth von wem dies Geschenk komme, sie empfand eine Freude voller Angst. Sie war zufrieden, mehr aber noch verwundert. So schöne, so prächtige Dinge schienen ihr der Wirklichkeit nicht anzugehören. Die Puppe, das Goldstück flößten ihr Furcht ein. Nur vor dem Fremden fürchtete sie sich nicht. Im Gegentheil, er beruhigte sie. Seit dem gestrigen Tage, mitten in ihrem Staunen, im Traume dachte sie in ihrem kleinen Kindesgeiste an den Mann, der so alt, so arm und so traurig aussah und doch so reich und gut war. Seit sie ihn im Walde getroffen hatte, war alles verändert für sie. Cosette weniger glücklich, als die kleinste Schwalbe unter dem Himmel, hatte nie gewußt, was es heißt, sich in den Schatten einer Mutter, wie unter einen Flügel zu flüchten. Seit fünf Jahren, das heißt soweit ihre Gedanken zurückreichten, zitterte und fror das arme Kind. Sie war stets unter dem kalten Winde des Unglücks ganz nackt gewesen, jetzt kam es ihr vor, als sei sie bekleidet. Sonst hatte ihre Seele gefroren, jetzt war ihr warm. Sie fürchtete sich nicht mehr so sehr vor der Thenardier. Sie war nicht mehr allein, es war Jemand da.

Sie war schnell an die gewöhnliche Früharbeit gegangen. Das Goldstück aber, das sie bei sich hatte, in derselben Schürzentasche, aus welcher ihr am Abende vorher das Fünfzehnsousstück gefallen, zerstreute sie sehr. Sie wagte es nicht zu berühren, wobei sie, was mitzutheilen ist, stets die Zunge heraussteckte. Bei dem Kehren der Treppe hielt sie inne und blieb unbeweglich stehen, ihren Besen und die ganze Welt vergessend, ganz damit beschäftigt ihren Stern in ihrer Tasche glänzen zu sehen.

In einer dieser Betrachtungen traf sie die Thenardier, welche auf Befehl ihres Mannes sie holen wollte. Unerhörter Weise gab sie ihr keinen Schlag, nicht einmal ein Schimpfwort.

»Cosette,« sagte sie fast sanft, »komme sogleich.«

Im nächsten Augenblicke trat Cosette in die niedrige Gaststube.

Der Fremde nahm das Packet, das er mitgebracht hatte und knüpfte dasselbe auf. Es enthielt ein kleines, wollenes Kleid, ein Mieder von Barchent, eine Schürze, einen Unterrock, ein Halstuch, wollene Strümpfe, Schuhe, einen vollständigen Anzug für ein Mädchen von sieben Jahren. Alles in Schwarz.

»Mein Kind,« sagte der Mann, »nimm das und kleide Dich geschwind an.«

Es wurde Tag, als die Einwohner von Montfermeil, welche ihre Hausthüren aufmachten auf der Straße nach Paris zu einen ärmlich gekleideten Mann gehen sahen, welcher ein in Trauer gekleidetes Mädchen führte, das eine rosa Puppe in ihren Armen trug. Sie gingen nach Livry zu.

Es war unser Unbekannter und Cosette.

Niemand kannte den Mann, und da Cosette nicht mehr in Lumpen gekleidet war, erkannten Viele auch sie nicht.

Cosette ging fort. Mit wem? Sie wußte es nicht. Wohin? Sie wußte es nicht. Alles, was sie verstand, war, daß sie das Wirthshaus Thenardiers hinter sich ließ. Niemand hatte daran gedacht, ihr Adieu zu sagen, noch sie daran, von irgend Jemand Abschied zu nehmen. Hassend und gehaßt verließ sie das Haus.

Armes, kleines Wesen, dessen Herz bis zu diesem Augenblick gedrückt gewesen war!

Cosette ging ernsthaft einher, machte große Augen und sah den Himmel an. Ihr Goldstück hatte sie in die Tasche ihrer neuen Schürze gesteckt. Von Zeit zu Zeit bückte sie sich und warf einen Blick auf dasselbe, dann blickte sie den Mann an. Sie fühlte Etwas, als wenn sie in der Nähe des lieben Gottes wäre.

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