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Die Millionenbraut. Vierter Band

Adolf Mützelburg: Die Millionenbraut. Vierter Band - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
authorDumas-Mützelburg
titleDie Millionenbraut. Vierter Band
publisherVerlag von Gyldahl & Hansen
year1914
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Der Verrat

Es war am Gründonnerstag, am 13. April 1865, in früher Morgenstunde, als in einem Zimmer des Weißen Hauses in Washington, der Wohnung des Präsidenten, zwei Männer in der Nische eines Fensters standen und miteinander sprachen.

Der eine, sehr schlank und groß, mochte ungefähr zwischen fünfzig und sechzig Jahre alt sein, die große Nase, der Bart, der einen Teil seines Gesichtes unter dem Kinn umgab, verlieh ihm etwas Strenges, Herbes, aber sein Blick war mild und gerade jetzt besonders freundlich. Nachlässig stand er an die Fensterbrüstung gelehnt und schaute zu dem anderen hin, einem weißbärtigen Greise, der, obwohl ebenfalls von hoher und kräftiger Gestalt, dennoch nicht an die außergewöhnliche Größe des anderen heranreichte. Der eine war Abraham Lincoln, der wiedergewählte Präsident der Vereinigten Staaten, der andere Edmond Dantes, der Missionar.

»Aber weshalb müssen Sie denn durchaus gehen?« sagte Lincoln. »Wie wichtig sind gerade Sie für uns in der jetzigen Zeit! Freilich das Schwerste ist getan – und doch ist es vielleicht noch nicht getan! Glauben Sie mir, mein werter Sir, ich sehe der Zukunft mit besorgtem Blick entgegen. Im offenen Kampfe haben wir nun die Rebellion besiegt, das ist eine vollendete Tatsache. Wir haben der Schlange den Fuß auf den Kopf gesetzt, wir haben ihr auch die Giftzähne ausgebrochen – aber werden ihr nicht neue wachsen? Ich fürchte die geheimen Intrigen, ich fürchte die Freunde des Südens, die jetzt wieder ihr Haupt erheben und um Mitleid, um Schonung für die Besiegten bitten werden, zu der ich ja selbst so gern bereit bin, müßte ich nur nicht abermals fürchten, daß der Süden das Vertrauen mißbrauchen wird, das wir ihm schenken. Gerade deshalb wünschte ich sehnlichst, Sie blieben bei uns, erfreuten uns mit ihrem Rat oder wirkten als Apostel der Mäßigung und Versöhnung im Süden, dem tröstende, vernünftige Worte jetzt so not tun.«

»Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Mr. Lincoln,« sagte Dantes. »Aber ich lasse Ihnen Mr. Büchting und die beiden jungen Helden Richard Everett und Alfonso de Toledo – von Mr. Everett, der Ihnen ja mit Leib und Seele ergeben ist, will ich jetzt nicht sprechen, da der Kampf nicht seine Aufgabe und Politik bei ihm reine Herzenssache ist. Ich bliebe gern, das sage ich offen, aber ich habe versprochen, nach Mexiko zu kommen, und ich muß mein Wort halten. Ein Mann, der wie Sie im rechten Augenblick stets das Beste zu treffen, für jeden Wunsch des Volkes den richtigen Ausdruck zu finden gewußt hat – ein solcher Mann bedarf keines Rates und keiner Unterstützung mehr. Die Beruhigung und Befestigung der wiederhergestellten Union ruht sicher in Ihren Händen.«

»Wenn Sie mir das sagen, mein lieber und verehrter Freund, so könnte ich mich fast verleiten lassen, es zu glauben,« antwortete Lincoln. »Und doch, doch – seien Sie überzeugt, ein Freundeswort ist zur rechten Zeit oft von entscheidender Wichtigkeit. Wie oft habe ich geschwankt! – Zuweilen war es nur der ermunternde Zuruf eines einzigen klaren und sicheren Mannes, der mich bestimmte. Freilich – Mexiko bedarf ebenfalls der guten Freunde! Das arme Land! Wir haben noch nie ausführlich über den Gegenstand gesprochen. Wollen Sie sich für Max oder für Juarez entscheiden?«

»Ich möchte vor allem das Glück dieser armen Nation, die wie fast keine von der Vorsehung geprüft ist,« antwortete Dantes. »Natürlich hängt jede vernünftige Wirksamkeit in Mexiko davon ab, welche Stellung die Union zu Maximilian einnehmen wird. Wollen Sie mir darüber Auskunft geben?«

Lincoln blickte zum Fenster hinaus; sein Gesicht war sehr ernst.

»Auch ich wünsche von ganzem Herzen das Glück der mexikanischen Nation,« sagte er nach einem längeren Schweigen. »Ich will auch ganz davon absehen, ob Maximilian die geeignete Persönlichkeit ist, den Mexikanern Frieden, Ruhe und Glück zu bringen. Aber die Pflichten gegen die Union zwingen mich, der republikanischen Staatsform den Vorzug zu geben. An und für sich mag die Monarchie für das Glück der Völker ebenso aufrichtig und erfolgreich wirken können wie die Republik. Aber wir haben in Nordamerika die republikanische Staatsform, und zwar in einer noch sehr jugendlichen Gestalt – denn was bedeuten hundert Jahre für die Weltgeschichte! Die Monarchie in Mexiko anerkennen, hieße ihr den Vorzug vor der Republik zu geben, und das dürfen wir nicht. Sie könnten sagen, solche Gründe können wohl den Politiker, den Mann, der in der Union ein Staatsamt bekleidet, bestimmen, aber den Menschenfreund, den Kosmopoliten kümmern sie nicht. Wenn die Mexikaner durch das Kaisertum schneller und dauernder glücklich werden, als durch die Republik – was geht uns dann die Staatsform der Union an? Gut, aber mir müssen doch anders denken. In einem und demselben Weltteil werden sich mächtige Staaten unter verschiedenen Staatsformen nicht gut vertragen. Die Welt ist noch zu jung, als daß die große Streitfrage: welche Staatsform bester, geeigneter und würdiger für die Menschheit sei, die monarchische oder die republikanische, endgültig hätte entschieden werden können. Durch die Entdeckung Amerikas, durch die isolierte Lage unseres Erdteils ist endlich die Möglichkeit einer Entscheidung gegeben. Aber um die Vorzüge unserer Staatsform gegenüber Europa dartun zu können, müssen wir freie Hand haben. Wir gründen keine Republiken in Europa – wir wollen aber auch nicht die Gründung von Monarchien in Amerika. Nach tausend und abertausend Jahren mag dann die Zukunft entscheiden, welche Form die bessere ist. Bis dahin halten mir an der unseren fest – solange wir können, natürlich – denn das weiß ich recht gut, daß uns die Feuerprobe noch bevorsteht.

Unsere geringere Bevölkerung, die Unendlichkeit unserer Territorien bieten der republikanischen Form noch große Vorteile. Es wird anders werden, wenn die Bevölkerung sich der europäischen annähert. Doch, das haben Sie sich alles selbst gesagt! Ich komme darauf zurück – wir werden keine Monarchie als Nachbarin dulden. Einen Präsidenten Maximilian ließen wir uns herzlich gern gefallen; einen Kaiser halten wir naturgemäß für unseren Gegner. Das hat Monroe bereits eingesehen, und ich bin für seine Doktrin, weil ich sie für richtig halte.«

»Sollte die Monarchie dem menschlichen Wesen nicht mehr entsprechen?« fragte Dantes.

»Das hängt von der Entwickelung der Menschheit ab,« antwortete Lincoln. »Doch glaube ich, es hilft wenig, darüber zu streiten. Die Menschheit ist noch zu jung. Wir experimentieren ja alle nur. Eisenbahnen, Dampfer und Telegraphen haben uns eine neue Zeit geschaffen – die vergangenen Jahrtausende, so lehrreich sie auch sein mögen, werden künftig doch nur als eine Vorschule betrachtet werden. Der Philosoph kann sich einzig und allein mit der Zukunft befassen, wenn er will; der praktische Politiker darf den Augenblick nicht vergessen. Und jetzt eine Monarchie neben uns zu dulden, wäre ein ebenso großer Mißgriff, als eine Republik in Europa gründen und sie mit amerikanischem Blute und Gelde aufrecht erhalten zu wollen.«

»Und Brasilien?« fragte Dantes.

»Zählt gar nicht,« antwortete Lincoln mit einem leichten Lächeln. »Wer von Amerika spricht, meint doch nur die Union. Brasilien wird aufhören, eine Monarchie zu sein, sobald wir's wollen. Jetzt ist es uns zu unbedeutend, um uns damit zu beschäftigen. Vielleicht überschätze ich meine Mitbürger, wenn ich behaupte, sie werden ihren Stolz nur in der Selbstregierung finden. Aber ich denke, es ist eine Überschätzung, die ihnen und mir Ehre macht.«

»Demnach würde es verlorene Mühe sein, das Kaisertum in Mexiko zu unterstützen?« fragte Dantes.

»Wollten Sie das?« fragte Lincoln.

»Ich war entschlossen, mich dem zu weihen, der seinen Zweck mit den am wenigsten blutigen Mitteln zu erreichen suchte.«

»Mexiko ist ohne Blut gar nicht denkbar,« erwiderte der Präsident. »Auf lange Zeit hinaus wird doch noch jeder Streit mit den Waffen ausgefochten werden. Wer Mexiko helfen will, der muß all sein Gewicht in die eine Wagschale werfen, damit die eine Partei sobald als möglich siege. Nur endlich einmal ein Ende des Bürgerkriegs, dann wäre alles gut! Ein furchtbarer, großartiger Kampf, wie er jetzt in der Union gewütet hat, ist weniger zerstörend, als dieser ewige kleine Krieg, diese fortwährenden Rebellionen und Unruhen.«

Dantes war inzwischen an einen Schreibtisch getreten, der dicht neben dem Fenster stand, und beschrieb einige Blätter Papier. Es waren Anweisungen auf die englische Bank, ausgestellt im Namen des Kuratoriums, das den Teil des ungeheuren Vermögens verwaltete, den Dantes nicht an Privatpersonen gegeben hatte. Die Unterschrift eines jeden einzelnen Mitgliedes dieses Direktoriums wurde von der Bank respektiert.

»Hier, Mr. Lincoln,« sagte Dantes, dem Präsidenten die Papiere überreichend, »hier lasse ich Ihnen einige Erinnerungszeichen zurück. Gedenken Sie meiner freundlich, wenn Sie einen dieser Bons nach England senden.«

»Unmöglich!« rief Lincoln überrascht. »Ich kann solche Summen nicht annehmen, nicht einmal für das allgemeine Beste. Und wenn Sie jetzt nach Mexiko gehen, werden Sie da nicht das Geld nötiger brauchen?«

»Für Mexiko wird auch noch so viel übrig sein, als nötig ist,« antwortete Dantes ruhig. »Ueberdies ist es notwendig, vor allem die Union zu stützen. Mexiko wird neben ihr stets ein Staat zweiten, dritten Ranges bleiben. Die Union wird einst die Geschicke der Welt entscheiden; auf sie also muß unsere Aufmerksamkeit jetzt vor allem anderen gerichtet werden. Sie wissen ja, zu welchen Zwecken ich die Summen verwendet zu sehen wünsche: für die Privat-Wohltätigkeit, und zwar für alle, die durch den Krieg gelitten, ohne Unterschied der Partei, ohne Unterschied der Hautfarbe oder des Glaubens. Namentlich möchte ich Sie bitten, alle die Südländer zu bedenken, von denen Sie hoffen, daß sie aus Rebellen wieder gute Freunde der Union werden sollen.«

»Ich danke Ihnen, danke viele Male!« sagte Lincoln und schüttelte mit seiner breiten Hand die Rechte des Missionars voll Wärme. »Welche Opfer haben Sie, Mr. Büchting, Don Toledo und Mr. Everett dem allgemeinen Besten gebracht! Und stets in Augenblicken, in denen jede andere Hilfsquelle für uns versiegt schien und in dem eine Million für uns wichtiger war als 10 Millionen zu anderen Zeiten!«

»Vielleicht wußten das Büchting und Everett!« sagte Dantes lächelnd. »Denn sie sind neben allem Patriotismus auch gute Geschäftsleute.«

»Die bravsten Männer der Union!« rief Lincoln voll Herzlichkeit. »Bringen Sie ihnen tausend Grüße und sagen Sie ihnen, das Weiße Haus wäre stets für sie geöffnet. Sind die jungen Leute Mr. Richard und Don Alfonso schon von ihren Truppenteilen entlassen?«

»Sie wollten heut oder morgen in Neuyork eintreffen, und das ist ein Grund für mich, zu eilen. Sie können sich denken, wie sehr ich mich sehne, die lieben Jungen wieder zu sehen, auf denen die Hoffnung der Zukunft ruht.«

»Noch eines, Mr. Dantes,« sagte Lincoln. »Der Gedanke ist mir peinlich, daß man diese Bons, die auf so große Summen lauten, bei mir finden könnte, wenn mir irgendetwas zustieße. Wollen Sie mir nicht einen Vermerk machen, daß diese Summen nicht mir persönlich gehören, daß ich nur der Verwalter bin?«

»Warum das,« meinte Dantes. »Es wäre ja auch kein Unglück, wenn man glaubte, es sei Ihr Privatvermögen.«

»Nein, nein, unter keiner Bedingung!« rief Lincoln eifrig. »Gerade das will ich vermeiden. Doch ich weiß schon.«

Er nahm ein breites und langes Kuvert, schob die Bons hinein, versiegelte das Kuvert fünffach und schrieb darauf: Im Falle meines Todes uneröffnet Mr. Dantes oder Mr. Büchting oder. Mr. Everett abzuliefern.

»So, nun wäre ich beruhigt!« sagte er. »Ich möchte so bedeutende Summen denn doch nicht in anderen Händen wissen, als in den meinigen. So wenig ich der menschlichen Natur im allgemeinen mißtraue, so ungern pflege ich sie anderseits in Versuchung zu führen!«

»Und nun leben Sie wohl!« sagte Dantes, dem Präsidenten die Hand reichend, ernst und bewegt.

»Leben Sie wohl, mein treuer Freund! Auf Wiedersehen!«

»Das glaube ich nicht!« sagte Dantes mit einem sanften Lächeln. »Hier sehen wir uns nicht mehr, Mr. Lincoln. Ich bin in dieser Hinsicht Ahnungen unterworfen, die mich selten täuschen. Wahrscheinlich ist meine Aufgabe auf Erden bald beendet.«

»Also doch auch ein wenig abergläubisch!« sagte Lincoln lächelnd.

»Das ist kein Aberglaube,« antwortete Dantes. »Ich habe in meinem Leben mehrmals derartige Vorempfindungen gehabt und bin nie von ihnen betrogen worden. Einer von uns beiden wird bald in die ewige Heimat zurückkehren, und ich hoffe, daß ich es sein werde, denn Ihre Aufgabe auf Erden ist noch lange nicht beendet.«

Lincoln war ebenfalls ernst geworden.

»Wenn man bedenkt, wie wenig Gutes ich tun kann, und wie unendlich viel Sie in jeder Weise getan haben, so ist es wohl sehr fraglich, welche Aufgabe die größere und nützlichere war,« sagte er. »Doch wir haben beide an dem gemeinsamen Zweck gearbeitet, und vor dem großen Meister dort oben sind wir ja alle nur mehr oder weniger Stümper.«

Das Eintreten eines Dieners unterbrach ihn. Er überreichte dem Präsidenten einen Brief. Dieser bat Dantes um Erlaubnis, ihn lesen zu dürfen, und überflog ihn.

»Nein, ich habe keine Lust,« sagte er dann. »Fürs erste liebe ich solche Schaustellungen nicht und dann ist morgen Karfreitag, ein Tag, der sich wohl am wenigsten zu einem derartigen Prunk ziemt.«

»Was ist es,« fragte Dantes.

Der Präsident überreichte ihm den Brief. Es war ein Schreiben von dem Direktor des Fordschen Theaters, in dem er Lincoln bat, die Vorstellungen am folgenden Tage mit seiner Gegenwart zu beehren, denn es solle eine Ausnahmevorstellung, nur zur Feier der letzten entscheidenden Siege sein, und das Volk wünsche, seinen großen Präsidenten öffentlich zu sehen. Er habe auch den Kriegsminister Staunton und General Grant eingeladen.

»Freilich ist morgen kein Tag für lärmende Feierlichkeit,« sagte Dantes, »aber in Amerika hat ja die Uebung der Religion überhaupt einen außergewöhnlichen Charakter angenommen, und hauptsächlich kommt es doch immer auf die innere Stimmung, auf die wahre und tiefe Religion des Herzens an. Wenn ein Volk den herrlichen Sieg feiern will, den es errungen, so muß man nicht über den Tag mit ihm rechten, den es dazu gewählt. Ich begreife das Bedürfnis des Volkes, den Mann zu sehen, der die Rebellion zertreten. Der unerschütterlich das Banner der Union und der Humanität aufrechterhalten hat. Gehen Sie, Lincoln. Man muß dem Volke, das soviel ertragen, so standhaft zu Ihnen gehalten, eine Freude gönnen, oder ihm auch einmal den Willen tun.«

»Ich gehe ungern,« antwortete Lincoln mit gefurchter Stirn. »Doch, wenn Sie es gerechtfertigt halten – nun, so sei es!«

Er sprach einige Worte in ein Nebenzimmer hinein. Dabei hörte Dantes, daß ein Diener meldete, Colfax, der Präsident des Repräsentantenhauses sei gekommen.

»Also – leben Sie wohl!« rief er Lincoln zu. »Ich schreibe Ihnen einmal aus Mexiko.«

»Leben Sie wohl!« erwiderte Lincoln, ihm die Hand warm drückend. »Und haben Sie noch einmal vielen, vielen Dank für all das Gute, das Sie mir und unserem Lande getan! Meine herzlichen Grüße an unsere Neuyorker Freunde! Mein erster Besuch in der Hauptstadt soll Ihnen gelten!«

Dantes verließ das Weiße Haus und war nach einer halben Stunde auf dem Wege nach Neuyork.

*

Ja, die große Rebellion des Südens war niedergeschmettert. Grant und Shermann hatten sie mit den eisernen Armen ihrer Heere umschlungen und erstickt. Richmond war genommen. Lee, der tapfere General des Südens, hatte kapituliert, Jefferson Davis, der Expräsident der Rebellen, war auf der Flucht – ein Jubel herrschte im Norden, wie ihn das Land nie gesehen. Lincolns Name wurde mit einer Verehrung genannt, wie sie vielleicht der große Washington kaum genossen hatte, alle Freunde der Freiheit und der Union erkannten, daß seine ruhige, aber eiserne Hand das Staatsschiff sicher durch den gefährlichsten aller Stürme geleitet hatte. –

Dantes bewohnte, wenn er sich in Neuyork befand, zwei Zimmer in Mr. Büchtings Hause. Er war in den letzten Monaten auf Reisen im westlichen Teile der Union, zwischen dem Mississippi und den Rocky-Mountains gewesen, um die rebellischen Indianerstämme zu besänftigen, denn keiner verstand sich wie er auf die Behandlung dieser wilden und störrischen Kinder der Natur. Dantes wünschte den Frieden zwischen ihnen und den Weißen, ebenso sehr um der Indianer, als um der Weißen willen. Denn er wußte, wenn der Krieg fortdauerte, würden die Indianer zuletzt doch den Kürzeren ziehen und bis auf den letzten Mann ausgerottet werden. Das wollte er vermeiden. Einer der Pläne, die er mit der größten Vorliebe und Feuereifer verfolgte, war die Vermischung der einzelnen Rassen miteinander. Nicht vernichten sollten sich die verschiedenen Menschengeschlechter, sondern sich miteinander verschmelzen.

Wenigstens teilweise hatte er seinen Zweck erreicht, und befriedigt kehrte er nach Neuyork zurück, um sich dort nur wenige Tage aufzuhalten und sich an dem Glück seiner Freunde zu erfreuen und dann nach Mexiko zu reisen. Daß Richard dem letzten schweren Kampf um Richmond glücklich, wenigstens nur mit einer leichten Wunde entronnen, das hatte er bereits erfahren. Auch Alfonso mußte Shermanns Armee glücklich und gesund verlassen haben. Denn die letzten Nachrichten hatten nichts von Unheil gemeldet.

Dennoch fühlte sich Dantes von einer gewissen Unruhe und Niedergeschlagenheit erfüllt, als er vom Bahnhofe nach Mr. Büchtings Wohnung ging. Dantes fuhr nur, wenn er Eile hatte, sonst zog er das Gehen vor, und zwar hauptsächlich deshalb, weil es ihm Gelegenheit bot, mehr zu beobachten und sich, wenn es ihm ratsam erschien, unmittelbar in die Angelegenheiten der Straße zu mischen. Er wußte selbst nicht, was ihm auf der Seele lag. Für den eisernen Mann, der dem Tode und den schlimmsten Leiden ins Auge geschaut, gab es keine Verstimmung im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Daran gewöhnt, seine Gedanken stets auf einen hohen und großen Zweck zu richten, hatte er längst verlernt, auf die körperlichen und geistigen Unannehmlichkeiten zu achten, von denen sich die anderen niederdrücken lassen. Aber heute fühlte er sein Herz von einer unerklärlichen Trauer ergriffen. War es der Gedanke, daß er Lincoln nicht wiedersehen werde? Nein. Denn er war überzeugt, daß diesem Gedanken nur die eigene Todesahnung zugrunde liege, und mit dem Tode war er vertraut. Die eigene Gattin, die Kinder hatten ja gelernt, ihn als einen Wanderer zu betrachten, auf dessen Ausbleiben sie gefaßt sein mußten. Und dann war ja für die Existenz der Gattin und der Kinder gesorgt; unter dem Schutze einer Mutter, wie Haydee, mußten die Kinder zu guten und braven Menschen emporwachsen. Ueberdies hatte er sich ja auch gelobt, sich nie den Freuden und Süßigkeiten des Familienlebens hinzugeben. Ihn trieb es unabänderlich durch die Welt, nicht wie den ewigen Juden, um einen Fluch zu sühnen, sondern nur um zu helfen, zu bessern, Segen zu verbreiten, Samenkörner des Guten auszustreuen, wo es nur möglich war, als Apostel. An Weib und Kinder dachte er nie anders, als mit der Empfindung, daß sie unter der Hand Gottes und unter dem Schutze der besten Mutter standen. Er empfahl sie der Vorsehung und wandelte seine Bahnen dort weiter, wo es galt, in schlichter, demütiger Form in die heiligsten Angelegenheiten der Menschheit einzugreifen.

Nein, eher bedrückte ihn der Gedanke, daß Lincoln selbst ein Unglück widerfahren konnte. Er verhehlte sich nicht, daß ein Mann wie Lincoln gerade jetzt der Union not tue. In ruhigen Zeiten war die Präsidentschaft eines Staates, dessen Bürger an Selbstverwaltung gewöhnt waren, kein allzuschweres Amt. Jetzt aber, nach einem furchtbaren Bürgerkrieg, der das Land bis in die tiefsten Abgründe aufgewühlt hatte, tat der Union ein erprobter Mann not, ein Mann, der mit der Leitung der Staatsangelegenheit vertraut war und zu dem die Nation unbedingtes Vertrauen hatte. Die Lage der Union ließ sich nur mit dem Zustande eines Kranken vergleichen, der vor kurzem noch am Rande des Todes schwebte und nun langsam seiner Genesung entgegengeht, aber jeden Augenblick doch in die gefährlichsten Krisen zurückfallen kann. Wird einem solchen Kranken der Arzt geraubt, der seinen Zustand und die Hilfsmittel genau kennt, so kann er noch unterliegen, wenn auch die eigentliche Krankheit überwunden ist.

Indessen Dantes war eine zu wissensstarke Natur, um sich von solchen Befürchtungen wirklich niederbeugen zu lassen. Er richtete seine Gedanken auf die freudigen Bilder, die ihn in Mr. Büchtings Hause erwarteten, und in der Tat bemerkte er schon an dem Gesicht, mit dem der Türhüter ihm öffnete, daß Frohes im Hause geschehen sei.

»Ist Mr. Büchting oder irgend jemand zu Hause?«

»Jawohl. Die Familie ist bei Tisch.«

Eine lange Eisenbahnfahrt übte auf Mr. Dantes wenig Wirkung aus, wie ein kurzer Spaziergang auf andere. Wie er in den Waggon einstieg, so kräftig, frisch und ruhig verließ er ihn. Dantes übergab dem Portier den kleinen Koffer, den ihm ein Dienstmann nachgetragen, und ging unmittelbar nach dem Speisesaal.

Als er die Tür öffnete, klang ihm ein einziger Freudenschrei entgegen, und dann eilten Richard und Eliza, Alfonso und Jeannette auf ihn zu. Alle umarmten und küßten ihn, als sei er ihr wirklicher Vater. Dem alten Manne leuchteten die Augen in stiller Freude.

»Hier ist Nachwuchs, der wohl wenigstens so viel wert ist, wie der alte Stamm!« sagte er still vor sich hin. »Der Herr sei gepriesen! Er ordnet alles in Weisheit!«

Dann begrüßte er die in Heiterkeit strahlende Mistreß Büchting, deren freudig erregten Gatten und Mr. Everett, dem die Seligkeit aus den hellen blauen Augen strahlte.

Richard trug den linken Arm in der Binde, Alfonso zog den rechten Fuß ein wenig nach. Dantes bemerkte es sogleich.

»Es ist nichts!« riefen ihm die jungen Männer lachend entgegen. »Ein Streifschuß am Arm! Eine Kugel im Oberschenkel, die aber längst heraus ist, und eine Sehne, die nicht parieren will – nichts weiter!«

Eliza und Jeannette am Arme ihrer Gatten – denn schon seit länger als Jahresfrist waren die beiden Paare vereint – boten einen Anblick, der auch das traurigste Herz erheitern mußte, und so wurde denn auch Dantes allmählich Herr seiner düsteren, unheilahnenden Stimmung. Mit regem Interesse lauschte er den Schilderungen Richards von den letzten Riesenkämpfen um Richmond, denen dieser als Adjutant Grants beigewohnt hatte.

»Und Justus – o, den hätten Sie sehen sollen!« rief Richard mit leuchtenden Augen, »Grant ernannte ihn auf dem Schlachtfelde zum Obersten. Der arme gute Junge liegt freilich im Lazarett, aber es hat glücklicherweise nicht viel zu bedeuten. Wie der die Kompagnie zum Sturm auf Petersborough führte – ach, es war grausig schön! Reihe auf Reihe sank nieder – Justus immer aufrecht, immer voran – die Schwarzen in der Sprache seines Vaterlandes anfeuernd, bis das Sternenbanner der Union auf dem Walle flatterte – und er selbst von vier blutenden Negern aus dem Kampfe herausgetragen wurde. Grant ritt zu ihm, und ich war natürlich dem General zur Seite. Er ist jetzt Oberst Withe. Wir simplen Majore, Alfonso und ich, müssen vor ihm salutieren – und bei Gott, wir tun es vor keinem lieber, als vor ihm!«

»Brav! Brav!« sagte Dantes, aber etwas traurig. Man konnte merken, daß die Jugendlust, mit der Richard den Kampf schilderte, in dem so viel edles Blut geflossen, im Herzen des greisen, schwergeprüften Mannes nicht mehr ihren vollen Widerhall fand.

Eine Dienerin kam und meldete leise etwas an Mistreß Everett, Richards junge Gemahlin. Die eilte mit Jeannette Toledo hinaus.

Richard benutzte den Moment und wandte sich schnell zu Dantes.

»Sie sollen es nicht wissen –« sagte er, nach der Tür deutend, durch die sie gegangen – »wir haben Nachrichten von Pettow.«

»Ah – er lebt also, der Elende!« erwiderte Dantes. »Hast Du ihn selbst gesehen, Richard?«

»Ja, ich selbst – wollen Sie es hören, lieber Vater?«

So wurde Dantes gewöhnlich von allen Mitgliedern der Familie Büchting, Everett und Toledo genannt. Es war ihm auch die liebste Bezeichnung.

Der Missionar antwortete durch ein bejahendes Zeichen und mischte sich ein Glas Wein mit Wasser – das erste Getränk, was er heute zu sich nahm.

»Ja, ich sah ihn selbst,« fuhr Richard fort, »und zwar unter eigentümlichen Verhältnissen. Es war vor ungefähr drei Wochen – ein prächtiger Märzabend. Grant hatte eine Rekognoszierung unternommen, ich war natürlich dabei, und wir ritten einen kleinen Fluß entlang. Drüben am andern Ufer dehnten sich Wiesen aus, unterbrochen von einzelnen sehr schönen Baumgruppen. Grant und wir übrigen Offiziere wurden ziemlich zu gleicher Zeit darauf aufmerksam, daß sich drüben in weiter Entfernung etwas rühre. Obwohl wir aber unsere guten Fernrohre eine Viertelstunde lang ununterbrochen gebrauchten, konnten wir doch nicht klar darüber werden, wer es sei, ob Freund oder Feind. Wir glaubten fast, daß es Freunde seien, denn Grant erwartete Zuzug aus jener Gegend. Nach der Rückkehr ins Lager beschloß jedoch der Ober-Kommandierende, abends eine kleine Truppe zur Rekognoszierung auszusenden. Wären es Freunde gewesen, so hätten sie bereits an uns heran sein müssen.

Dieser Rekognoszierungsschar schloß ich mich an. Sie bestand nur aus Offizieren und Sergeanten, denn es handelt sich um die größte Vorsicht von seiten jedes einzelnen. Wir überschritten den kleinen Fluß und gingen schweigend in die Wiesen hinein. Nach ungefähr zwei Stunden sahen wir am Saume eines Waldes ein kleines Wachtfeuer, das nach unserer Seite hin durch eine Wand von Reisig verdeckt war, so daß wir es erst bemerkten, als wir unmittelbar in der Nähe waren. Wir schlichen uns noch näher heran – ich war unter den vordersten. Wir sahen nun, daß wir Rebellen vor uns hatten, und zwar eine zahlreiche Truppe, hörten auch aus den Gesprächen, daß tiefer in den Wald hinein noch eine bedeutende Abteilung lagere, genug, daß es sich um ein Korps von 3–4000 Mann handelte, das sich nach der Gegend von Richmond zu Lee durchzuschlagen versuchte. Das war genug. Angreifen konnten wir nicht, da wir nur unserer dreißig waren. Wir kehrten also zurück.

Der Himmel war inzwischen etwas heller geworden, und plötzlich gewahrten wir vor uns eine einzelne Männergestalt, die von der Seite unseres Lagers herkam. War das ein Verräter oder ein Spion? Gehörte er zu uns oder zu unseren Feinden? Wir dachten nur einen Augenblick darüber nach, dann bückten wir uns, ließen den Fremden dicht an uns herankommen und warfen uns plötzlich auf ihn. Ehe er einen Schrei ausstoßen konnte, war er überwältigt, gebunden und geknebelt. Inzwischen hatten wir schon bemerkt, daß er keiner der Unsrigen sei. Wir führten ihn in unserer Mitte. Als wir genug vom feindlichen Lager entfernt waren, ward ihm der Knebel abgenommen und einer der Unsrigen fragte ihn, wer er sei. Ich erkannte die Stimme sofort, es war Ralph. Er nannte jedoch nicht seinen wahren Namen, sondern sagte, er sei George Brando aus Georgia, Offizier in Diensten der Konföderation. Ich hielt mich ihm so fern als möglich. Mir bangte vor diesem Wiedersehen. Auf die Frage, was er hier allein auf der Wiese beabsichtige, antwortete er, daß er hinausgegangen sei, um zu horchen, ob nicht von irgendwoher Feinde nahten.

Wir führten ihn nach dem Hauptquartier, das in tiefer, nächtlicher Ruhe lag. Nur bei der Hauptwache brannte ein großes Feuer. Dort stellte ich mich hinter einige andere Soldaten, denn ich war begierig, sein Gesicht zu sehen. Er sah sehr verändert aus, wohl 10 Jahre älter als sonst, bleich, mit tiefen Furchen im Gesicht und unheimlich leuchtenden, in tiefen Höhlungen liegenden Augen. Er mochte sich wohl dessen bewußt sein, was ihn erwartete, wenn er erkannt wurde, denn er sah sehr düster aus und bemühte sich selbst, seine Sprache zu verändern. Er wurde verhört und zu den anderen Gefangenen geführt, die nicht zahlreich waren.

In mir war inzwischen ein sonderbarer Entschluß gereift. Ich weiß, daß ich nicht recht tat, aber ich war fest entschlossen, Ralph zu befreien, ihn wieder hinauszusenden in die weite Welt, damit er irgendwoanders, nicht unter unseren Augen sterbe. Ich wußte freilich, daß mein Unternehmen sehr schwer, wenn überhaupt ausführbar sei. Ich rechnete jedoch auf folgende Umstände, die mir günstig waren. Zuerst kannte ich den Offizier, der die Wache bei den Gefangenen kommandierte. Zweitens wußte ich, daß in ungefähr drei Stunden Generalmarsch geschlagen werden würde, da die Armee ihr Lager verlassen und eine Bewegung nach Süden machen sollte. Unter dem Wirrwarr, der dann entstand, konnte eine Flucht sehr leicht unentdeckt bleiben, um so mehr, da die Gefangenen der Armee nicht folgen, sondern nach Norden abgeführt werden sollten.

So ging ich denn nach der Gefangenen-Wache und teilte meinem Freunde, dem Offizier, mit, daß ein Verwandter von mir gefangen worden sei, den ich befreien wolle. Natürlich mochte mein Freund von einem so wahnsinnigen Plan nichts wissen; als ich ihm aber endlich die volle Wahrheit sagte, als ich ihm erklärte, daß was auch geschehen sein möge, es immer für uns schwere Herzenspein bleiben müsse, als Ankläger gegen Ralph Pettow und in einem Prozesse aufzutreten, der ein allzu großes Aufsehen machen würde, da begriff er, was in mir vorging und willigte ein.«

Richard wurde hier unterbrochen. Eliza öffnete die Tür, blieb darin stehen und rief:

»Lieber Vater Dantes! Kommen Sie doch einen Augenblick zu uns! Eine Dame will Sie eifrig sprechen.«

Dantes eilte sogleich nach der Tür. In einem Nebenzimmer saß eine ganz in Schwarz gekleidete Dame, die sich schnell erhob, als Dantes eintrat, und ihm entgegenkam. Es war Anna Schwartz.

Seit jenem unheilvollen Aufruhr in Neuyork, der am vierten Tage unterdrückt wurde, nachdem ihm Hunderte von Menschenleben und Millionen von Eigentum zum Opfer gefallen, war Anna Schwartz in eine, wenn auch nur sehr lose Beziehung zur Familie Büchting getreten. Durch sie nämlich hatte Dantes erfahren, wohin sich Ralph Pettow mit Eliza gewendet. Das Telegramm, das Ralph auf jener Station nach Neuyork geschickt, war nämlich an Booth gerichtet gewesen, und Booth hatte in dem geheimen Klub alles erzählt. Anna, deren einzige Aufgabe, ja deren Lebenszweck darin bestand, die Pläne der ihr jetzt so verhaßten Männer zu belauschen, hatte aus den Reden des Schauspielers auch den Namen Dantes herausgehört und sich erinnert, daß der Missionar, der ihr in Richmond einen so uneigennützigen Beistand angeboten, den sie leider verschmäht hatte, diesen Namen führte. Ihr Scharfsinn ließ die Beziehungen erraten, in denen Dantes zur Familie Büchting stehe, und sie sandte sofort noch in der Nacht einen Boten nach Mr. Büchtings Hause mit einem Briefe an Mr. Dantes, der die Benachrichtigung enthielt, daß Ralph Pettow den Weg nach dem Südwesten, auf der nach Ohio führenden Bahn, eingeschlagen habe, und um ihre Angabe glaublich zu machen, unterzeichnete sie mit dem Namen Anna Schwartz. Daraufhin hatte Dantes, sobald der Aufruhr unterdrückt und er nach Neuyork zurückgekehrt war, die Polizei in Bewegung gesetzt und den Aufenthalt der jungen Deutschen erfahren. Vergebens bot er alle seine Ueberredung auf, um sie aus dem Hause, das sie bewohnte, zu entfernen. Sie weigerte sich, es zu verlassen.

»Ich kann in dieser Stellung nützlicher sein, als in irgendeiner anderen,« antwortete sie. »Ich höre vieles, was für einzelne Personen von der höchsten Wichtigkeit ist. Schon mehrfach habe ich Väter und Mütter von den Plänen benachrichtigen können, die gegen ihre Töchter, zuweilen gegen ihre Söhne gerichtet waren. Ich bin überzeugt, daß ich im Laufe der Zeit meinen Mitmenschen noch ähnliche Dienste leisten kann; das ist mir aber nur in meiner Stellung möglich. Und welches andere Leben soll ich auch führen?«

Dantes hatte Eliza und Jeannette, als sie verheiratet waren, alles mitgeteilt, was er über Anna Schwartz wußte, und die beiden Frauen hatten nicht eher geruht, bis Anna Schwartz eingewilligt hatte, sie zu besuchen – ein Besuch der beiden Damen in jenem Hause war natürlich unmöglich. Tief erschüttert war Anna Schwartz von den beiden Freundinnen geschieden. Wie unselig hatte sie ihr Geschick geführt – die Heimat verloren, die Ehre verloren – an eine Beschäftigung gekettet, die ihrem Ruf nicht zur Ehre diente – und doch so freundlich, so liebevoll von jenen beiden behandelt! Ihre ganze Lage war ihr, wie nie, zum klarsten Bewußtsein gekommen! Dennoch hatte sie auch Elizas und Jeannettes Bitten widerstanden, eine andere Beschäftigung zu wählen.

»Ich habe meine Aufgabe,« antwortete sie. »Und ist sie beendet – nun, dann komme ich vielleicht zu Ihnen und frage Sie um Rat, was ich in Zukunft tun soll.«

Ein einziges Mal, vor ungefähr einem Vierteljahr, hatte sie ihren Besuch wiederholt. Das war ihre einzige Verbindung mit der Familie Büchting. – – –

»Sind Sie es, Miß Schwartz!« rief Dantes überrascht, als sie ihren Schleier zurückschlug. »Und ich lese auf Ihrem Gesicht ...«

»Eine vielleicht verhängnisvolle Nachricht.« ergänzte Anna. »Ja, seit vorgestern habe ich Ihnen Briefe gesendet, und nun erfahre ich freilich, daß Sie erst vor einer Viertelstunde zurückgekehrt sind. Ehe ich aber ein Wort weiterspreche, senden Sie sogleich nach dem Telegraphenbureau und schicken Sie folgende Depesche nach Washington – – – schreiben Sie, ich bitte Sie, Mr. Dantes!«

Der Greis ging nach dem Seitentisch, auf dem sich ein Schreibzeug und Papier befand, und sah Anna aufmerksam an.

»Ich überlasse es Ihnen, die Adresse zu wählen,« sagte sie. »Ich diktiere Ihnen nur den Inhalt. Also schreiben Sie: Es existiert eine Verschwörung, um den Präsidenten, den Staatssekretär Seward, den General Grant und einige andere hervorragende Beamte der Regierung zu ermorden. John Wilkes Booth, der seit vorgestern nach Washington abgereist ist, scheint der Leiter der Verschwörung zu sein, jedenfalls gehört er mit zu den Verschwörern. Das Attentat soll an demselben Tage, zu derselben Stunde stattfinden. Einer der Teilnehmer heißt Payne, oder führt jetzt wenigstens diesen Namen – Senden Sie diese Depesche ab, Mr. Dantes, dann will ich weiter mit Ihnen sprechen.«

Dantes hatte mit zitternder Hand geschrieben, jetzt fügte er Adresse und Unterschrift hinzu.

»Gebe Gott, daß Ihre Benachrichtigung nicht zu spät kommt!« sagte er, das Papier zusammenfaltend. Weshalb haben Sie sich nicht an Mr. Büchting oder Mr. Everett gewandt?«

»Ich kenne nur Sie,« antwortete Anna. »Auch würde man mir kaum geglaubt haben. Man hätte mich verhaftet und die Verschworenen, die noch immer sehr viel gute Freunde in der Stadt haben, wären benachrichtigt worden. Ich hätte mich selbst ruiniert ohne irgend jemand zu nützen.«

»Das ist wahr!« sagte Dantes seufzend. »Ich will die Depesche selbst nach dem Bureau tragen. Begleiten Sie mich und erzählen Sie mir!«

Er rief in den Eßsaal hinein, daß er in einer halben Stunde zurückkehren werde, und bot dann Anna seinen Arm. Der starke Mann schien ergriffen, er zitterte ein wenig.

Vor der Tür nahm er einen Wagen.

»Erzählen Sie nun,« bat er seine Begleiterin.

»Seit Lees Kapitulation waren Booth und seine Freunde wie toll,« berichtete sie. »Ich bemerkte, daß sie bestimmte Absichten hatten. Ich hörte Drohungen. Aber leider schienen die Hauptverhandlungen an einem anderen Orte geführt zu werden, und ich konnte trotz aller Aufmerksamkeit nur wenig Bestimmtes erraten. Daß es sich um eine Ermordung Lincolns handelte, erriet ich jedoch bald. Nur das Wie und Wann schien auch bei den Verschwörern noch nicht festzustehen. Booth war in der Tat halb wahnsinnig, er trank nur die schwersten Getränke und schien doch nicht berauscht werden zu können, obgleich er es wünschte. Er fluchte gegen die Vorsehung, nannte Präsident Seward, Granz und andere Mörder, Diebe, Schufte, ballte oft die Faust und wiederholte sehr oft einige fremde Worte. Ich habe sie behalten: Sic semper tyrannis

»Es ist der Wahrspruch Virginiens,« sagte Dantes traurig, »und er bedeutete: Möge es stets so den Tyrannen geschehen! Der verblendete Mensch – wie wenig ahnt er, daß seine Partei die tyrannische ist?«

»Ich befürchtete in der Tat stets, er möchte wahnsinnig werden – oder ich glaubte es, denn was ist er mir, daß ich irgend etwas fürchten solle, was ihm zustieße! – Vorgestern nun kam er noch spät mit einigen Männern, die ich nie zuvor gesehen. Nur den Namen des einen glaubte ich zu hören – Payne. Sie gingen in eines von den kleinen Zimmern. Ich lauschte. Da hörte ich nun klar und deutlich, daß der Plan entworfen worden, den Präsidenten, den Vizepräsidenten, den General Grant und einen Herrn Seward zu ermorden, der sehr krank ist. Habe ich recht verstanden?«

»Ganz recht,« sagte Dantes. »Seward liegt krank in seinem Hause. Aber wie, bei welcher Gelegenheit, mein Kind, wollten sie den schmachvollen Plan ausführen?«

»Das wußten sie noch nicht genau, darüber eben berieten sie,« antwortete Anna. »Die verschiedenen Mordtaten sollten zu gleicher Zeit geschehen. Vielleicht sei es möglich, sagte Booth, den Präsidenten, Johnson und Grant nach irgendeinem Orte zu locken, an dem sie gemeinsam vernichtet werden können.«

»Großer Gott – die Einladung zu dem Theater morgen!« rief Dantes vor sich hin. »Nun, ich werde tun, was in Kräften steht. Noch, hoffe ich, läßt sich dieses scheußlichste aller Komplotte vereiteln.«

Sie waren an dem Telegraphen-Bureau angelangt. Dantes ging in das Gebäude und gab die Depesche ab. Es war nur ein Beamter da, der für die südliche Linie die Depeschen aufnahm. Dantes hatte seine Mitteilungen an den Präsidenten selbst gerichtet. Der Beamte strich das Geld ein. Als Dantes das Zimmer verlassen hatte, las der Beamte die Depesche genau, und statt sie abzusenden, hielt er sie an die Flamme einer Gaskerze und verbrannte so das Stück Papier bis auf den letzten Rest.

»Dafür wirst Du mir hoffentlich dankbar sein, alter Freund Booth!« murmelte er vor sich hin. Er war ein früherer Schauspieler, Mitglied der großen Verschwörung des Südens gegen den Norden, die immer noch existierte. Am anderen Tage packte er seine Sachen und floh nach dem Süden. Man hörte nie wieder von ihm.

»Ich will nun sogleich nach Washington zurückfahren,« sagte Dantes, als er wieder neben Anna Schwartz im Wagen saß. »Vielleicht begleitet mich einer von den jungen Leuten.«

Dann sprach er nichts weiter, bis der Wagen vor Mr. Büchtings Hause hielt. Er fragte Anna nun, ob sie mit ihm hinaufkommen wolle. Sie lehnte aber ab. Der Missionar drückte ihr herzlich die Hand und ging allein zu seinen Freunden.

Alle ahnten, daß etwas Ungewöhnliches geschehen sein müsse und ihre Blicke begegneten ihm mit stummer Frage.

»Ich muß sogleich nach Washington fahren,« sagte Dantes. »Womöglich mit einem Extrazug. Will einer von Euch mich begleiten?«

Richard und Alfonso riefen ihm sogleich ihre Beistimmung zu.

»Einer ist genug!« sagte Dantes. »Es handelt sich um eine Verschwörung gegen Lincoln, Johnson, Grant und Seward. Ich habe bereits telegraphiert, will aber selbst hinüber. Komm Du mit mir, Richard. Du kennst Washington besser, als Alfonso, und Booth ist Dir ja wohl auch bekannt?«

»Booth! Handelt es sich um den?« rief Alfonso erglühend. »Das ist der einzige Mensch, dem ich gegenübertreten möchte.«

»Eben deshalb wünsche ich nicht, daß Du mich begleitest,« sagte Dantes. »Er wird seinen Lohn durch eine andere Hand empfangen. Mach Dich fertig, Richard!«

Eine Viertelstunde darauf verabschiedeten sich Dantes und Richard von der Familie, über die nach der Freude des Tages eine tiefe Traurigkeit gekommen war. Auf dem Bahnhof angelangt, erfuhren sie, daß kein Extrazug zu haben sei. Sämtliche verwendbare Wagen und Lokomotiven waren nach dem Süden geschickt, um Truppen nach dem Norden und speziell nach Neuyork heraufzuführen. Sie mußten sich begnügen, mit dem nächsten, planmäßigen Zuge zu fahren, mit dem sie am andern Nachmittag in Washington anlangen konnten. Richard meinte, man solle die Zeit dazu benutzen, um noch ein Telegramm nach Washington zu schicken. Aber die Drähte waren besetzt, sie arbeiteten für die Regierung und für zwei Zeitungen. Wer konnte auch ahnen, daß die erste Depesche nicht abgegangen sei?

Als Dantes und Richard allein im Kupee saßen, beide sehr ernst und niedergeschlagen, bat Dantes den jungen Mann, ihm zu erzählen, was weiter mit ihm und Ralph Pettow geschehen sei. Richard nahm also seine Erzählung wieder auf, wo er sie unterbrochen hatte.

»Die Gefangenen befanden sich in zwei großen Scheunen,« erzählte er. »Vor jeder stand eine Wache. Mein Freund, der Offizier, begleitete mich bis zu dem Eingang der einen Scheune. Wie üblich waren den Gefangenen alle Papiere und Waffen abgenommen – ich hatte also, wenn Pettow auch herauskam, nichts von ihm zu fürchten. Da ich aber wußte, mit wem ich es zu tun hatte, so steckte ich einen Revolver in die Seitentasche meines Uniformrocks und drückte meinen Degen fester in die Scheide, damit mir ihn niemand plötzlich herausreißen könne. Mein Freund ging an die Tür der Scheune und tief hinein: »George Brandon, diese Nacht gefangen, soll herauskommen!«

Ich hielt mich im Hintergrunde. Es erschien ein Mann in der Tür. Der eine der Soldaten leuchtete ihm mit einer Laterne ins Gesicht. – »Er ist es!« sagte mein Freund, der übrigens Pettow von Neuyork her kannte. »Kommen Sie mit mir!« – Die beiden entfernten sich von der Scheune. Ich folgte ihnen langsam.

»Sie müssen Freunde hier im Lager haben,« sagte der Offizier zu Pettow. »Man scheint sie befreien zu wollen.« – »Das wäre mir nicht unlieb,« erwiderte Pettow. »Ich passe nicht für das ruhige Leben.« – »Jemand anders wird Sie weiter führen,« sagte darauf mein Freund. »Glückliche Reise!«

Die Nacht war sehr dunkel. Ich trat an Pettow heran. – »Folgen Sie mir,« sagte ich. »Und sollten wir angerufen werden, so lassen Sie mich antworten.« – Er ging neben mir. – »Wer sind Sie?« fragte er leise. – »Sie sollen es erfahren,« antwortete ich ihm. »Aber sprechen Sie jetzt nicht. Es könnte uns jemand hören.«

So führte ich ihn in der dunklen Nacht hinaus bis über die Außenposten, bis an das Ufer des kleinen Flusses. – »Durchwaten Sie nun den Fluß,« sagte ich zu ihm. – »Ich denke, Sie wollten mir sagen, wer Sie sind?« fragte er.

»Das kann noch geschehen,« antwortete ich. »Waten Sie nur erst durch den Fluß!«

Er folgte, doch zögernd, wie es schien, meiner Weisung und watete durch den Fluß, der hier, ohne daß ich es wußte, ziemlich tief war. Mit einiger Mühe hörte ich ihn an das jenseitige Ufer klimmen. – »Jetzt sind Sie sicher,« rief ich ihm zu. »Was Ihre Genossen betrifft, so sagen Sie ihnen nur, wir hätten das Pulver für sie gespart, da sie doch bald unser wären.« – »Oho,« rief er zurück, »ich glaubte, Sie wären einer der Unserigen.« – »Davor behüte mich Gott!« antwortete ich ihm. »Mein Name ist Richard Everett!« –

Ich hörte nur eine Art Aechzen oder Stöhnen. Dann blieb alles still. Offenbar überlegte er, ob er zurückkehren und mit mir kämpfen sollte. – »Ich komme zurück,« rief er, »Dir will ich meine Freiheit nicht verdanken, Du –!« »Nun?« fragte ich; als er schwieg, »welchen Namen willst Du mir geben, Mörder? Was hatte ich Dir getan?« – »Nichts und alles! Du bist ein Heuchler, ein Pharisäer, ein heimlicher Schurke!« rief er. –

Doch lieber Vater, ich will Sie verschonen mit den Worten, die ich nun hörte. Er warf sich auf die Erde. Er kämpfte mit sich. Der Wunsch mich zu verderben, die Wut, daß gerade ich ihn befreit hatte, mochte ihm das Herz abdrücken. Er heulte wie ein Tier. –

»Ich finde Dich noch, ich treffe Dich!« rief er. »Du bist verloren, und alle mit Dir! Wir siegen und Eure Häuser in Neuyork machen wir der Erde gleich. Ich verfolge Euch über die ganze Erde.« – »Aber, Mensch,« rief ich ihm hinüber, »gib mir einen Grund an für Deinen wahnsinnigen Haß.« – »Weil ihr besser sein wollt, als Andere!« schrie er. »Weil ihr hochmütig seid, weil ihr die verachtet, die heißeres Blut haben, als Ihr.« – Er schrie so laut, daß ich fürchtete, die Wachen würden uns hören. – »Geh!« rief ich ihm zu. »Und wenn Du irgendwo Frieden finden kannst, so tue das Gute, statt des Schlechten. Wir haben Dir verziehen – das mag Dir ein Trost sein.« – »Ihr mir verziehen? O, wartet – ich will Euch schon finden!« rief er.

Weiter hörte ich nichts von ihm. Ich kehrte schnell nach meinem Quartier zurück.

»Du hast vielleicht doch Unrecht getan,« sagte Dantes. »Dieser Mensch ist durch und durch vergiftet, er gleicht einem tollen Hunde – für ihn gibt es keine Besserung mehr. Welche Vorwürfe würdest Du Dir machen, wenn es ihm gelänge, sich Eliza zu nahen!«

»Ich habe das felsenfeste Vertrauen zur Vorsehung, daß sie dem Mörder nicht gestatten wird, Eliza Gefahr zu bringen,« antwortete Richard. »Auch traut er sich nicht nach Neuyork. Und Eliza darf die Stadt nicht ohne mich verlassen.«

»Gebe Gott, daß Dein Vertrauen erhört werde!« sagte Dantes. »Mir wäre es lieber, ich wüßte ihn in einem festen Gefängnis oder im Grabe.«

»Und hätten Sie nicht dennoch an meiner Stelle ebenso gehandelt, lieber Vater?« fragte Richard.

»Vielleicht!« antwortete Dantes mit gesenkten Blicken. »Ich begreife, daß es leichter ist, einen solchen Menschen Mann gegen Mann zu töten, als ihn in aller Ruhe der Gerechtigkeit zu überliefern.«

Die Versuche der beiden Reisenden, auf einer der nächsten Stationen einen Extrazug zu erhalten, hatten aus demselben Grunde wie in Neuyork keinen Erfolg. Es fehlte an Lokomotiven. Aber nicht das allein – es schien auch im übrigen ein eigentümliches Verhängnis über den Beiden zu walten. Als sie in Baltimoore ausstiegen, glitt Richard aus und verletzte sich schwer am Fuß. Ueber den Bemühungen, einen Verband anzulegen, verging die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges. Sie konnten nicht mehr einsteigen. Dagegen erhielten sie das Versprechen, daß man ihnen hier in einer Stunde einen Extrazug nach Washington stellen wolle.

Richards Fuß war gut verbunden, mit Hilfe eines Stockes konnte er sich allein fortbewegen. Der Extrazug wurde auch gestellt, und die Beiden fuhren in ihrem eigenen Waggon dem Personenzuge nach. Aber kurz vor Washington, auf der Station Beltsville, traf sie ein neues Unglück. An der Lokomotive – es war, wie sich herausstellte, eine alte, längst außer Dienst gesetzte – brach die Achse. Inzwischen war es sechs Uhr nachmittags geworden. Allerdings tröstete sich Dantes mit dem Gedanken, daß ja seine Depesche in Washington eingetroffen sein müsse und keine Gefahr vorhanden sei. Aber trotzdem schien der sonst so mutige, vertrauensvolle Mann wie von einer schweren Last niedergedrückt. Sie nahmen einen Wagen mit guten Pferden und fuhren nach Washington. Dantes versprach dem Kutscher fünfzig Dollars Trinkgeld und außerdem Schadenersatz für die Pferde, wenn er vor acht Uhr in Washington sei. – Dennoch war es bereits zwischen acht und neun Uhr, als sie in die Stadt einfuhren.

Es handelte sich vor Allem darum, zu hören, ob Lincoln gewarnt sei, dann gab es keine Gefahr. Dantes ließ also zuerst am Weißen Hause vorfahren und fragte den ihm entgegentretenden Diener:

»Wo ist Mister Lincoln?«

»Im Fordschen Theater,« antwortete der Mann.

»Ist gestern abend, oder in der Nacht, oder heut morgen eine Depesche aus Neuyork angekommen?«

»Das weiß ich nicht, Sir; es sind sehr viele Depeschen gekommen.«

»Wo ist Mistreß Lincoln?«

»Im Theater mit seiner Exzellenz.«

»Sind heute Verhaftungen in Washington vorgenommen worden?«

»Nicht daß ich wüßte, Sir!«

»Nach dem Fordschen Theater!« rief Dantes dem Kutscher zu. Dann sprang er auf den Kutschersitz, erfaßte die Zügel und fuhr selbst.

Das Theater war nicht fern. Vor dem Theater gingen vielleicht zwanzig bis dreißig Menschen im Scheine der Gasflammen auf und ab. Dantes sprang vom Wagen; Richard folgte ihm.

An der Kasse gab es keine Billetts mehr. Dantes kümmerte sich nicht mehr darum.

»Besorge das!« rief er Richard zu. »Sage, wer ich bin.«

Damit eilte er die Treppe hinauf nach dem sogenannten Dreß-Circle. Auf derselben Seite befand sich die Loge des Präsidenten. Der Circle war mit Menschen gefüllt. Dantes drängte sich durch. Nicht das Geringste schien vorgefallen zu sein. Dantes war vielleicht noch zwanzig Schritt von der Loge des Präsidenten entfernt.

Da öffnete sich die Tür der Loge.

»Hilfe!« tönte es heraus. »Hilfe! Hilfe! einen Arzt! Der Präsident ist erschossen!«

Dantes stand still. Er streckte die Hand aus und stützte sich an der Wand. Er wäre sonst gefallen. In der nächsten Sekunde hörte man nichts als ein wirres, wüstes Geschrei.

»Ich bin ein Arzt!« rief er dann. »Laßt mich hinein!«

Alle um ihn herum waren wie gelähmt. Man ließ ihn in die Loge eintreten. In einem Polstersessel an der Brüstung der Loge saß ein Mann, den Kopf an die Rückenlehne zurückgelegt. Langsam rieselten ihm einige Blutstropfen den Hinterkopf herab, über ihn beugte sich eine Dame.

Es war Lincoln.

Dantes trat von ihn hin, die Augen des Verwundeten waren geschlossen; sein Gesicht schien ruhig und verriet keinen Schmerz.

Richard war jetzt ebenfalls in die Loge getreten. Dantes winkte ihm mit der Hand, er möge zurückbleiben. Das Gesicht des alten Mannes war so weiß geworden wie sein Haar. Lange betrachtete er den Verwundeten, dann hob er leise den Kopf des Präsidenten hoch. Ein leichtes Stöhnen und ein Zucken wie von Schmerzgefühl folgte dem Druck des Missionars.

Dantes legte die Hände gefaltet ineinander und seine Lippen bewegten sich leise. Dann wandte er sich ab und kam auf Richard zu.

»Bete für ihn, mein Sohn!« sagte er. »Bete, daß Gott seinen Leiden bald ein Ende macht. Es ist alles verloren. Er stirbt noch in dieser Nacht.«

Furchtbar war der Lärm, der sich nun im Theater erhob. Die entsetzliche Nachricht war jetzt erst ins Publikum gedrungen. Mit wahnsinnigen Flüchen und Verwünschungen stürzten die Männer auf die Bühne, die Frauen schrien und sanken in Ohnmacht.

»Wir haben hier nichts mehr zu tun, Richard!« sagte Dantes. »Es ist vorbei! Laß uns gehen!«

Sie wandten sich durch die heranstürmende Menge, die Nachricht von ihnen haben wollte.

»Seid ruhig, Leute!« sagte Dantes, leicht die Hand erhebend. »Stört nicht einen Sterbenden!«

»Einen Sterbenden!« stöhnte es von allen Seiten. Dann folgte ein wilder Aufschrei, dann Totenstille.

Dantes und Richard verließen das Theater. Sie wollten in der Nähe bleiben und nahmen ein Zimmer in einem gegenüberliegenden Hotel. Dort setzten sie sich, ohne Licht anzuzünden, an das Fenster und blickten auf die Straße hinaus. Sie hörten jedes Wort, jede Nachricht. Sie sahen, wie der Präsident nach dem Hause neben dem Hotel getragen wurde, sie hörten, daß auf den Staatssekretär Seward ebenfalls ein Angriff gemacht worden sei. Der kranke Mann, so hieß es anfangs, sollte auch ermordet sein. Später hörte man, daß er nur verwundet war.

Stundenlang sprachen Dantes und Richard kein Wort miteinander. Sie hatten sich auch nichts zu sagen. Die Depesche, die Dantes abgeschickt hatte, mußte nicht eingetroffen sein; sie selbst waren eine einzige Minute zu spät gekommen. Das Schicksal hatte nicht gewollt, daß sie noch rettend eingreifen konnten.

Später empfanden sie das Bedürfnis, Genaueres zu erfahren. Wer hätte in dieser Nacht an Schlaf denken können! Sie gingen in das Nebenhaus, in das man den Sterbenden gebracht hatte. Die Beamten der Republik kannten sie, man gewährte ihnen freien Eintritt. Nur in das Zimmer, in dem der Sterbende lag, gingen sie nicht. Dantes wußte, daß keine Rettung mehr sei. Für ihn war der Präsident eine Leiche – seine Ahnungen hatten sich erfüllt.

Der Mörder hatte sich dadurch Eingang in die Präsidentenloge zu verschaffen gewußt, daß er eine Karte des Generals Grant vorzeigte und sagte, er komme mit einer wichtigen Nachricht von dem General. Dann war er schnell in die Loge hineingeschritten, hatte nur einen Schritt von Lincoln entfernt auf ihn gefeuert, dann ein Jagdmesser zu seiner Verteidigung gezogen, sich auf die Brüstung der Loge geschwungen und war auf die Bühne hinabgesprungen. Er war jedoch mit einem Sporn an einer Fahne, die die Präsidentenloge schmückte, hängen geblieben und gefallen. Schnell sich aufraffend, hatte er: Sic semper tyrannis! gerufen und war in die Kulissen geeilt. Er kannte das Theater ganz genau. In der ersten Ueberraschung, in der niemand wußte, was vorgefallen war, hatte ihn niemand aufgehalten, und er war unangefochten auf die Straße gelangt. Doch hatte man ihn erkannt. Es war John Wilkes Booth gewesen, der sich seit zwei Tagen halb im Rausche in Washington umhergetrieben hatte. Nach allen Seiten waren ihm Verfolger nachgesandt, bis jetzt vergeblich!

Am andern Morgen war Abraham Lincoln eine Leiche, und die Schreckensnachricht flog über die ganze Erde. Der Süden hatte sich gerächt. Meuchlings, wie er den Kampf begonnen, hatte er ihn beendet. Die letzten Worte, die Lincoln sprach, ehe er in das Theater ging, waren Worte der Versöhnung gewesen, die er an Colfax richtete, der nach dem Westen abreisen wollte. Aber für den Süden gab es keine Versöhnung; ihn beherrschte der Durst nach Rache. Er hatte nicht für ideale Grundsätze gekämpft, sondern für seinen Vorteil, für die Beibehaltung der Sklaverei, für den Gewinn, den er aus der tierischen Behandlung der unterdrückten schwarzen Menschenrasse zog. Er war in diesem Kampfe unterlegen – er hoffte, sich noch einmal aufraffen zu können, wenn die großen Staatsmänner und Generale des Nordens von der Hand der Meuchelmörder gefallen seien – und gelang dies nicht, so war er wenigstens gerächt und dem Norden durch den Verlust seines geliebten Führers sein Triumph vergiftet. Schmachvoll, wie er begonnen, endete der Süden.

*

Durch die Untersuchung stellte sich heraus, daß außer Booth noch Payne, der den Staatssekretär Seward angefallen, Harrald, Atzeroth und Surrat bei dem Mordplane beteiligt gewesen seien. Payne wurde in Washington, Atzeroth in Maryland verhaftet, Surrat schien nach Kanada entkommen zu sein. Booth und Harrald waren gemeinsam nach Virginien geflohen. Das ganze Land schrie nach Rache. Es schien unglaublich, daß ein Mörder wie Booth der Gerechtigkeit entgehen könne. Oberst Conger und Leutnant Backer waren, von zwei der besten Polizeibeamten und von 25 Mann Kavallerie begleitet, hinter den Flüchtlingen her. Aber tagelang hörte man nichts von ihnen. Zwar waren sie den beiden Mördern auf der Spur. Man hatte herausgebracht, daß sich ein Mann, der den Fuß gebrochen, von einem Landarzt Mudd verbinden ließ. Das war Booth gewesen, der den Fuß brach, als er auf die Bühne niederfiel. In seinem Begleiter war Harrald erkannt worden. Man hatte die Spur verfolgt, die Landstraße nach Fredericksburg in Virginien entlang. Booth war an verschiedenen Orten gesehen, aber nicht als der Präsidenten-Mörder erkannt worden. Er und Harrald hatten sich für Gefangene ausgegeben, die man auf Parole entlassen, und hatten deshalb bei den meist südlich gesinnten Farmern freundliche Aufnahme gefunden. Es stellte sich heraus, daß Booth zuletzt auf Krücken gegangen sei. Also konnte er nicht weit gekommen sein. Und doch schien seine Spur verloren zu sein. Endlich tauchte sie am Rappahannok-Flusse, der in den Potomac mündet, wieder auf.

Man hatte zwei Leute, einen auf Krücken, gesehen, die sich virginischen entlassenen Gefangenen angeschlossen, und von denen der auf Krücken Gehende in einer Farm, Garrets-Farm genannt, zurückgeblieben sei. Auch der andere, also wahrscheinlich Harrald, war zu seinem Genossen nach dieser Farm zurückgekehrt. Die ermatteten, abgehetzten Reiter zögerten keinen Augenblick, nach Garrets Farm zu reiten, obwohl es tiefe Nacht war. Endlich erblickten sie das große Dach und den hohen Schornstein, die sich von dem Himmel dunkel abzeichneten. Sollten sie den Mörder, der in den sechs Jahren, die seit dem Morde vergangen waren, hier endlich finden? Soll die irdische Gerechtigkeit ihr Opfer erhalten? Das Haus ward auf allen Seiten umzingelt.

Vorsichtig, ohne Geräusch traten die Männer aus dem Schatten der Schwarztannen hervor. Sie schlichen nahe an das Haus heran, prüften jeden Eingang und jedes Fenster, drückten auf die Türklinken, fanden aber alles fest verschlossen. Noch einige Minuten, und man hörte leise Schläge an der Vordertür. Eine Ueberraschung wäre hier nicht möglich, man muß also die Bewohner des Hauses wecken. Bald lassen sich schleppende Schritte auf dem Flur hören, und im Schloß wird ein Schlüssel herumgedreht, ein Riegel aufgeschoben, und ein bejahrter Mann mit einem Licht in der Hand zeigt sich in der Tür. Sofort fühlte er seine Kehle eisern umspannt, und eine Stimme flüsterte ihm zu, daß sein Leben verloren sei, wenn er Lärm mache. Er verspricht zu schweigen und Conger und Backer fragen ihn leise nach den Männern, die er beherberge. Der Alte will von nichts wissen, er hätte keinen Wanderer, sicherlich keinen gesehen, der auf Stücken geht. Man droht ihm mit dem Tobe, aber er scheint nichts weiter zu wissen, und alle Fragen sind nutzlos. Während man ihn bindet, regt es sich im Innern des Hauses; Conger stürzt hinein und befindet sich mitten unter den Frauen, die das Geräusch gehört haben und sich hastig ankleiden. Conger mustert sie argwöhnisch und richtet Fragen an sie. Da tritt ein junger Mann ins Zimmer. Als er sieht, daß der alte Garret gebunden ist und hört, daß Conger nach zwei Männern fragt, sagt er, es sei unnütz, wegen zweier Gefangenen so viel Lärm zu machen. Sie befinden sich in der Scheune, dicht nebenan.

Hinter Garrets Wohnhause stand eine hohe, alte Scheune, deren Bretterwände bereits halb verfallen waren. Still und schweigend liegt sie jetzt da; die Verfolger schleichen um sie herum. Nichts hört man innen, nur zuweilen ein leises Aechzen. Es ist der »Tyrannenmörder«, dem der Schmerz auch im Schlafe keine Ruhe läßt. Er träumt sich frei auf virginischem Boden.

Ein Kreis von drohenden Karabinern umgibt die Scheune. Dann schlägt Conger drohend an das Tor.

»Ihr da drinnen,« ruft er. »kommt heraus und ergebt Euch, Ihr seid Gefangene.«

Keine Antwort. Alle Blicke sind auf die durchlöcherte Bretterwand gerichtet. Jetzt regt es sich im Innern; es ist als ob ein unsicherer Fuß auf die losen Bretter trete, die den Fußboden der Scheune bedecken. Niemand antwortet. Noch einmal erklingt die Stimme des Obersten laut durch die stille Nacht.

»Wer seid Ihr und was wollt Ihr von uns?« antwortete nun ebenfalls eine laute Stimme.

»Wir sind beauftragt, Euch gefangen zu nehmen! Streckt die Waffen!«

»Wer seid Ihr? Seid Ihr Freunde, gut, so wollen wir öffnen! Seid Ihr Feinde, so können wir immer noch von Ergebung sprechen!« antwortete es von drinnen.

»Keine Worte weiter!« ruft Conger. »Die Scheune ist umzingelt. Ihr könnt nicht heraus. Spart uns die Mühe, Euch totzuschießen!«

»Wollen uns die Sache überlegen!« tönte es von innen.

»Wollt Ihr Euch ergeben, so werde ich Euch den jungen Garret schicken!« ruft Conger. »Dem könnt ihr Eure Waffen überliefern.«

»Nein, schickt ihn nicht. Sein Leben ist nicht sicher – er hat uns verraten!« antwortete eine Stimme, die Booth angehört.

Darauf tritt eine lange Pause ein. Man hört, wie die beiden im Inneren flüstern.

Conger währt es zu lange. Noch einmal fordert er die Flüchtigen auf, herauszukommen. Hohnlachend antwortete Booth, er sehe den Obersten durch die Bretterwand, und könne ihn jeden Augenblick niederschießen. Man sollte ihm nur 50 Schritte Spielraum geben, dann werde er es mit der andern Schar aufnehmen, obwohl er ein Krüppel sei. Das prahlerische, hochmütige Wesen erwacht noch einmal in ihm; er glaubt wieder auf dem Theater zu sein!

Aber jetzt antworteten ihm nur feste und entschiedene Aufforderungen, dem Zögern ein Ende zu machen. Man hört, daß Booth seinen Genossen einen Feigling schilt und ihn von sich senden will. Gleich darauf öffnet sich die Tür, eine dunkle Gestalt zeigt sich und ist im nächsten Augenblick umringt – Harrald ist gefangen.

»Ich werde den Kerl ausräuchern, wie eine Ratte!« ruft Conger, und im nächsten Augenblick flammt ein Zündhölzchen in seiner Hand auf. Er hält es an die Heubüschel, die sich überall durch die Löcher der Bretterwand vordrängen. Eine Minute darauf züngelt die Flamme an der Scheunenwand empor und flackert zum Dach hinauf. Die Nacht erhellt sich, die Umrisse der Scheune treten hervor. Durch Löcher der Bretterwand sieht man auch im Innern die Flamme weiter lecken; Holz, Stroh, Aehren geben ihr Nahrung, bald breitet sich ein Flammenmeer in der Scheune aus.

In der Mitte steht Booth, auf eine Krücke gelehnt, mit der Rechten eine Pistole haltend. Er blickt nach oben, von wo brennende Halme wie ein Feuerregen auf ihn herabfallen. Denkt er in diesem Augenblicke daran, daß es doch wohl eine Hölle gebe, wenigstens auf Erden? Hinter ihm liegt Verzweiflung, vor ihm liegt der Tod und die Flammen hauchen ihn mit tödlichem Gruße an. Sein Gesicht ist eingefallen, blaß, von Leidenschaft verwüstet. Er blickt in die Flammen hinein, als wisse er nicht, woher sie plötzlich kommen. Mechanisch erhebt er die Hand, um sie auszulöschen, fast wie geistesabwesend. Plötzlich aber fliegt Entsetzen über sein Gesicht. Er begreift seine gräßliche Lage. Entweder das Feuer frißt ihn – – oder – – draußen stehen die Männer, die ihn der Gerechtigkeit überliefern sollen. Er greift nach einem Karabiner, den Harrald zurückgelassen, und schleppt sich der Tür entgegen. Da fällt ein Schuß – der Mörder bricht zusammen.

»Er hat sich erschossen!« ruft man und Conger und Backer stürzen in die Scheune, um ihn womöglich noch lebend zu ergreifen. Aber nein, er ist nicht durch eigene Hand gefallen. Einer von Corbets Sergeanten hat auf Booth geschossen. Er hat ihn nur unschädlich machen wollen und nach der Schulter gezielt, hat aber den Kopf getroffen. Es ist fast dieselbe Wunde, an der vor wenigen Tagen Lincoln starb. Nur ist die Kugel tiefer gegangen; sie hat auch das Rückgrat getroffen. Der Verwundete leidet furchtbar. Aber er ist bei vollem Verstande. Er liegt auf dem Rücken und zuckt wie im Krampfe; seine Augen dringen aus den Höhlen – er erhebt die Hand, als wollte er sie vor die Augen legen. Man zieht ihn hinaus aus der Scheune; der Himmel, den er zum letzten Male sieht, ist dunkel, wie der Weg, den er stets gewandelt.

»Er will sprechen,« flüstert man, und Corbet hält das Ohr an seine Lippen.

»Sagt meiner Mutter – ich sterbe für mein Vaterland – ich habe das Beste gewollt –,« tönt es von den Lippen des Sterbenden. Törichter Wahn, der ihn auch im letzten Augenblick nicht verläßt – oder wenigstens entsetzliche Verblendung! Was hat die Mutter, was hat das Vaterland mit diesem Meuchelmorde gemein, der vielleicht auch noch bezahlt war! Kann selbst der Fanatismus eine solche Tat entschuldigen? Wenn Booth für den Süden glühte und den Norden haßte – weshalb kämpfte er dann nicht auf den Schlachtfeldern des Südens? Nein, in diesem Menschen siegt auch jetzt noch der Schauspieler, und er will das in Heldengröße kleiden, was nur eine Tat des Wahnsinns, der Eitelkeit, der blinden Rache, oder im besten Falle eines überreizten Gehirns war!

Die lodernde Scheune wirft ihr rotes Licht auf seine verzerrten Züge – er will noch einmal reden, aber er vermag es nicht.

»Ich kann nicht!« hauchte er. Sein Blick erstarrt – noch ein langer Atemzug – ein tiefes Stöhnen, und es ist vorbei mit ihm. – –

Seine Leiche wurde nach Washington gebracht, auf der Anatomie untersucht und dann in tiefer, schweigender Nacht an einer Stelle, die nur den Beauftragten der Regierung bekannt war, in den Potomac gesenkt. Niemand weiß, wo seine Gebeine ruhen.

*

Nachdem Dantes noch eine längere Unterredung mit Grant Johnson und Staunton gehabt hatte, verließ er Ende April Neuyork und seine trauernden Freunde, um nach Mexiko zu gehen.

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