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Die Melodie des Todes

Edgar Wallace: Die Melodie des Todes - Kapitel 17
Quellenangabe
authorEdgar Wallace
titleDie Melodie des Todes
publisherJosef Singer Verlag A.-G.
year1928
translatorRichard von Goßmann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161214
projectidb11e8c06
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16
Kursbuch

Einen Monat danach kam Gilbert Standerton vom Auswärtigen Amt heim in sein kleines Haus in St. Johns Wood.

»Es ist ein Herr da, der dich sprechen will, Gilbert,« sagte seine Frau.

»Ich kann mir denken, wer es ist,« erwiderte er, »es wird der Prokurist meiner Bank sein.«

Mit einem heiteren Lächeln begrüßte er den hochgewachsenen Mann, der bei seinem Erscheinen aufstand.

»Also, Herr Brown,« sagte er, »ich muß Ihnen genau erklären, was ich von Ihnen erledigt haben möchte. Da ist in Amerika ein Mann – seit ein oder zwei Wochen wird er drüben sein – dem ich einen großen Geldbetrag schulde – achtzigtausend Pfund glatt beträgt die Summe – und ich wollte Sie ersuchen, dafür zu sorgen, daß ich genügend flüssiges Kapital habe, um die Zahlung leisten zu können.«

»Sie haben mehr als hinreichend zur Verfügung, Herr Standerton,« entgegnete der Prokurist, »sogar sofort, und ohne daß Sie etwas von Ihren sichern Papieren verkaufen müssen.«

»Das ist gut; Sie werden alle Einzelheiten hier finden,« sagte Gilbert und holte ein zusammengefaltetes Blatt Papier aus seiner Tasche. »Es handelt sich eigentlich um eine genossenschaftliche Sache, das heißt, es soll zwei Männern namens Thomas Black und George Smith überwiesen werden. Es kann sein, daß sie noch mit andern abrechnen; ich glaube nämlich,« lächelte er, »sie haben noch andre Geschäftsteilhaber, die am Ende auch noch Anspruch auf Anteile haben.«

»Ich habe noch gar nicht Gelegenheit gehabt, Sie zu beglückwünschen, Herr Standerton,« sagte der Bankprokurist, »zu dem wunderbaren Dienst, den Sie der Stadt geleistet haben. Es heißt ja, daß es Ihnen zu verdanken ist, wenn jeder Pfennig, der von der berüchtigten Wallis-Bande gestohlen worden ist, wieder herbeigeschafft ist.«

»Ich glaube, das entspricht ziemlich genau dem Sachverhalt,« sagte Gilbert gelassen.

»Ich habe neulich einen Bericht darüber in einer Zeitung gelesen,« fuhr der Prokurist fort. »Es war ein sehr großer Glückszufall, daß in unmittelbarer Nachbarschaft des Verbrecher-Hauptquartiers Feueralarm entstand.«

»Es war ein Glück, daß man das Feuer entdeckte, bevor es das Grundstück der Geldschrank-Gesellschaft erreichte,« sagte Gilbert. »Glücklicherweise bemerken mich die Feuerwehrleute durch das Oberlicht. Dadurch war die Sache ziemlich einfach, obwohl sie einige Zeit brauchten, um mich herauszukriegen, wie Ihnen wahrscheinlich bekannt sein wird.«

»Haben Sie je diesen Kerl Wallis zu Gesicht bekommen?« fragte der Prokurist neugierig.

»Haben Sie das nicht auch aus den Zeitungen entnommen?« scherzte Gilbert mit einem trocknen Lächeln.

»Es hieß darin, Sie hätten auf irgendeine Weise in Erfahrung gebracht, daß ein Einbruch bei Ihrem Onkel beabsichtigt sei, und daß Sie dorthin eilten und Herrn Wallis gerade unter dem Fenster der Bibliothek an einem Vorbau oder sonst was entdeckten.«

»Auf der Terrasse war es,« sagte Gilbert ruhig.

»Und daß er die Flucht ergriff, als er Ihrer ansichtig wurde?«

»Das stimmt nicht ganz,« sagte Gilbert. »Man kann es eher so ausdrücken, daß mein Erscheinen ihn veranlaßte, sich zu entfernen. Da ich nicht sicher war, ob er sich den Halsschmuck schon angeeignet habe, drang ich durch das Fenster in das Zimmer ein, ohne zu merken, daß jemand drin war. Sie müssen wissen, daß schwere Vorhänge das Licht abschlossen. Während ich dort stand, ist er entwischt, das ist die ganze Geschichte.«

Er machte noch ein oder zwei Vorschläge wegen der Geldüberweisung und geleitete dann den Prokuristen hinaus; danach suchte er Edith im Wohnzimmer auf. Sie kam ihm mit einem lieben Lächeln entgegen.

»Kommst du dir im Auswärtigen Amt nicht recht sonderbar vor?« fragte sie.

»Anfänglich war es mir schon etwas merkwürdig zumute, nach meinen früheren Unternehmungen.«

Er lachte.

»Ich hätte nie geglaubt, daß Sir John soviel Einfluß hätte, um dich wieder hineinzubringen.«

»Ich denke, er hat größeren Einfluß, als du dir vorstellen kannst,« sagte er; »aber außerdem gab es noch andre Erwägungen, die mir zustatten kamen. Weißt du, ich war in der Lage, in der Zeit meiner dunkeln Tätigkeit dem Auswärtigen Amt ein paar kleine Dienste zu erweisen, und das war sehr gut für mich.«

Sie sah ihn gedankenvoll an.

»Wollen wir nun zu dem Punkt zurückkehren, wo unsre Beziehungen begonnen haben?« fragte sie.

»Wo haben sie begonnen?« gab er zurück.

»Ich weiß nicht, ob wir überhaupt irgendwo begonnen haben,« erwiderte sie sinnend.

Als er ins Zimmer hereingekommen war, hatte sie in einen Fahrplan geblickt; sie nahm ihn jetzt wieder zur Hand und blätterte lässig darin.

»Interessierst du dich für dieses Kursbuch?«

»Sehr,« sagte sie. »Ich will mich gerade zu etwas entschließen.«

»Wozu entschließen?« fragte er.

»Wo – wo wir unsre Flitterwochen verbringen sollen,« flüsterte sie.

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