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Gutenberg > Otto Ludwig >

Die Makkabäer

Otto Ludwig: Die Makkabäer - Kapitel 4
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDie Makkabäer
authorOtto Ludwig
year1898
publisherVerlag von Otto Hendel
addressHalle a. d. Saale
titleDie Makkabäer
pages81-82
created20020519
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1852
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Dritter Akt.

Ein Hügel am Schlachtfeld von Ammaus

Posaunen und Geschrei: Sieg! Sieg mit Judas Schwert! in der Scene. Es kommen Simon, Jonathan, Hauptleute, Krieger.

Jonathan. Die Syrier fliehn!

Simon.                                   Beth Horon und Ammaus,
Ihr kleinen Sterne, kaum beachtet sonst,
Nach euch wird nun der Blick des Forschers sehn!

Jonathan. Beth Horon hat Israel neu geboren;
Ammaus hat es aufgesäugt mit Blut.

Juda kommt mit Ämilius Barbus und Gefolge.

Juda. Willkommen, wackrer Römer! (Er bleibt an der Coulisse und spricht hinein.)
                                                        Heißt die Reiter
Den Sieg verfolgen! Jenen größern Haufen
Nehmt in die Mitt'; zerdrückt ihn zwischen Fluß
Und Fels und eurer Wucht! Die kleinen hier
Und dort zerstäubt. (Vorkommend.)
                                Schnell, Simon, nach Modin;
Jonathan nach Jerusalem mit diesem
Oelblatt von Glück und Sieg und bald'ger Heimkehr!

Simon. Nicht umsehn will ich auf dem Weg. Lebt wohl! (Ab.)

Jonathan. Und ich – hilft gute Botschaft eilen, wie
Sich schlimme hindernd an die Fersen hängt,
So maß kein schnellrer Schritt je meinen Weg.
Lebt wohl! (Ab.)

Juda.                   Lebt wohl. (Zu Ämilius.) Verzeih die Unterbrechung.

Ämilius. Mich sendet der Senat von Rom zu dir,
Und glücklich fügten es die Götter so,
Daß ich, vom eignen Aug' belehrt, daheim
Versichern kann, daß deines Bildes Größe,
Wie sie es sehn, nichts der Entfernung dankt.
Doch laß mich Worte sparen –

Juda.                                                 Römisch ist's;
Ich weiß, so sparsam ist der Römer nicht
Mit seinem Herzblut, als mit seinem Atem.
Er achtet nur die That.

Ämilius.                               Du sprichst es aus,
Was Roms Senat bewog, mich dir zu senden.
Denn seinem immer wachen Aug' entging
Kein Zug vom Antlitz deines Heldenlaufes;
Die Kühnheit nicht, die dein erschlafftes Volk
In ihren Strom hineinriß, hinter ihm
Abschneidend jeden Rückweg seiner Feigheit
Zum altgewohnten Dulden, daß Verzweiflung
Den Mut ersetzen mußte; nicht die Weisheit
Und die Enthaltsamkeit, mit der, indem
Du nie dein junges Glück auf einmal wagtest,
Nie Größres wagtest als du durftest, bis du
Das Größte wagen durftest, aus Verzweiflung
Du Mut schufst; nicht das Zeugnis deiner Schlachten,
Daß du die Feldherrnkunst verstandst, zu siegen
Und – wie die Hand der ewigen Götter auch
Die Würfel lenkte – nie besiegt zu sein.
Und nun von solchem Heldenlauf gewonnen,
Beut dir die große Roma ihren Schutz.

Juda. Sag Rom, das dich gesendet, Judas Dank
Für seine gute Meinung, wünscht er schon,
Sie wäre besser noch, doch auch verdienter,
Und nicht sein Lob so auf des Volkes Tadel
Gebaut. Denn, wahrlich! dieses Volk hat mehr
Gethan, als du von Juda rühmst; und nur
Des Volkes Meinung sprech' ich aus, sag' ich:
Der soll nicht stehen wollen, der es nicht
Auf eignen Füßen kann. Und grad' heraus:
Wir stehn ganz leidlich. Zwanzig Schlachten hat
Dies Volk geschlagen, und mit diesem Sieg
Den Weg geöffnet nach Jerusalem.
Dem Syrier fehlt's an Menschen und an Geld.
Vergolde, bitt' ich, was ich dir gesagt,
Zu unscheinbar sonst ist's mit deiner Kunst.
Und nun – Rom bietet seinen Schutz – Rom will
Damit, ich weiß es, nicht ruhmredig sein;
Ich nehm's als eine Form der Höflichkeit,
Wie unter seinesgleichen man sie wechselt,
Und, sie erwidernd, bietet denn durch mich
Das große Israel Rom seinen Schutz.

Ämilius. Ich sehe, daß die Näh' dich nicht verkleinert
Wie manche Ruhmesgrößen. Lebe wohl! (Ab mit Gefolge.)

Joakim kommt.

Juda. Leb' wohl! – Schon sinkt der Abend. – Gebt das Zeichen
Zum Einhalt den Verfolgern! (Ein Hauptmann; Posaunensignal.)
                                              Laßt die Wachen
ablösen! Vorsicht sei des Glückes Siegel.
(Ein Hauptmann ab.)
Wie stattlich diese Römer. Selbstgefühl
Wie zierst du selbst im Übermaß ein Volk!
Im kleinsten Römer lebt das große Rom.
Wird mir's gelingen, nur die Hälfte dir,
Die Hälfte nur von Roms Zuviel zu geben,
Mein Volk?
Roms Schützling sein? – Im Stärkern wähle Mensch
Und Volk den Herrn, doch nie den Freund, sonst wird
Der Freund zum Herrn. Hat nur der Fuchs die Pfote
Im Taubenschlag, bald ist er selber drin.
Geh, stolzer Römer, lieber Feind als Freund. –
Nun heißt die Krieger lagern, Schar für Schar!
Den Vorrat öffnet, geizt nicht mit dem Wein;
Laßt sie des Siegs sich freun!

Jojakim.                                         Herr, keinen Wein!
Laß sie nicht jubeln, laß sie beten, Herr;
Laß sie nicht trinken, laß sie fasten, Herr!
Laß sie demütig sein und sich nicht rühmen;
Denn niemand hat gesiegt als nur der Herr,
Und überheben soll sich nicht das Werkzeug!
Des Herren Sabbath kommt hereinzubrechen,
Von dem der Herr zu Moses redete:
Wer nicht an meinem Tage ruht, soll sterben!
Du schicktest deine Brüder, Herr, zu reisen,
Botschaft zu bringen; sende nach, ruf' sie
Zurück, zwing sie nicht gegen das Gesetz!

Juda. Wenn ich dir folgte, zwäng' ich nicht die Boten?
Wär's neue Sünde nicht? Drum, heil'ger Eifer,
Laß es genug sein an der einen Sünde,
Und nicht –

(Geschrei in der Scene: Flieht! Flieht! Nein! Steht und sterbt!)

                    Was soll das Schrein? Was ist geschehn?

Nathan kommt eilig.

Nathan. Herr, flieh, denn fürchterlicher naht der Feind,
Als den du schlugst! Gen Abend starrt das Thal
Von Spießen zahllos, und der Schilde Glanz
Im Abendschein ist eines Meeres Glanz.

Juda. Der Feind? – Der Wein ist deines Hirnes Feind.
Geh, leg dich! Solchen Feind besiegt der Schlaf,
Und unsre Wachen stehen weit ins Land.

Nathan. Die Wächter kehrten heim, vom Siege sicher
Gemacht.

Jojakim.         Vom Siege nicht; nein, weil der Sabbat
Beginnt hereinzubrechen. Herr, sie thaten
Nach dem Gesetz, und alle Heil'gen lobten's
Und sagten, daß sie heilig dran gethan –
Denn niemand mehr soll herrschen als der Herr –
Und ihrer ist die Mehrzahl deines Heeres.

Juda. Tod über euch, ihr Rasenden, ist's wahr!
Heilig gethan? Heilig? – Ich sag' euch: wahrlich!
Ihr hättet heiliger gethan, ihr hättet
Alles Gesetz des Moses übertreten
Und meinem Wort gehorcht –

Jojakim.                                         Ha! welche Lästrung!
Herr, Herr, verschließ dein Ohr!

Usiel tritt auf.

Juda (ihm entgegen).                           Schnell, Usiel,
Zurück und heiß sie sich zum Rückzug ordnen.

Usiel. Zu spät, Herr, denn der Feind ist schon zu nah.

Juda. So heiß im Rückzug sie sich ordnen, kämpfend
Die Hintersten den Feind abtreiben, bis
Die Nacht uns von ihm scheidet!

Usiel.                                                   Deine Meinung
Sah ich voraus, doch fehlte der Gehorsam.
Auf deines Vaters Bruderssohn beruft
Das ganze Heer sich, denn der Sabbath nahe,
Und keiner dürfe fechten.

Juda.                                         Keiner dürfe –
Der Sabbath – sie berufen sich – auf wen?

Usiel. Auf Jojakim.

Juda.                       Auf Jojakim? Auf diesen?
Du hast verkehrt gehört. Juda befiehlt,
Und – sie berufen sich? – geh, scherz' mit andern!
War's Juda, der die zwanzig Schlachten schlug
Und siegte? Nein, wie ließ das Volk dann Juda,
Von einem Thoren von ihm fortgelockt,
Der nichts vermag als eifern; nein; es ist
Unmöglich. Geh! Juda befiehlt, hörst du?
Der Juda, der sein Volk befreit, befiehlt
Dem Volk, zu fechten. Geh! Kein Wort mehr, – eh' du
Zurückkehrst!

Jojakim.               Schon' der Deinen Blut. Sieh hin,
Dem Syrier bieten wehrlos sie die Brust,
Doch deinen Joel schlagen sie zu Boden,
Der sie will zwingen zu verruchter That.

Juda. So weit schon wär's? Was jahrelanges Mühn,
Was der Gedanke eines ganzen Lebens
Geschaffen, soll ein Hauch aus Thorenmund
Zerwehen können? Sprich Vernunft zum Volk!
Nur diesen Sieg noch, und es ist gerettet!

Jojakim. Ist dies auch Juda? dies auch Jojakim?
Wenn eure Mutter Größ' euch predigte,
Stand Jojakim verachtet unter euch –

Juda. Ist's das? – Hier nimm den Führerstab, mein Mund
Soll durch den deinen reden, meine Hand
Durch deine siegen; mein sei nur die Müh',
Und dein der Ruhm des Sieges und der Rettung!
Ist dies Gebot dir noch zu klein? Komm, laß
Den Handel gelten, heil'ger Neid, dein Volk
Nicht zu verderben!

Jojakim.                         Mund voll Lästerung!
Bin ich wie du? Herr, deinen Heiligen
Will er bestechen, daß um faulen Ehrgeiz
Dein Knecht dich lasse. Unglückseliger,
Weit besser ist's, das ganze Volk verdirbt,
Als daß von dem Gesetz ein Buchstab' nur
Werd' übertreten!

Juda.                             Weisheit, du wirst Unsinn
Im Mund des Schwärmers, und die Thorheit furchtbar,
Ansteckender und sonnverfinsternder,
Als Pest und als Heuschreckenscharen sind!
So untergehn? – so elend lächerlich,
So – Volk, das nach der Schande jagt wie andre
Völker nach Ehre! – So den Kelch am Mund,
Verdursten; die Dattel schon am Gaum, verhungern;
So – an der Spitze schon des Speers den Sieg –
Und – untergehn – so, so – als tötete
Der Tod allein nicht, hälf' nicht Schmach dazu?
Nein! Nein! er soll nicht! hier mit diesen Händen
Erwürg' ich dich, wenn du dein Volk nicht rettest!

(Alle Anwesenden scharen sich schützend um Jojakim, außer Usiel.)

Jojakim. Laßt ihn; er mag's vollenden. Auf die Lästrung
Häuf' er den Mord am Heiligen. Laßt Jojakim,
Ja, laßt ihn sterben für sein Volk!

Die Hauptleute (um Jojakim).             Tod, wer
Den Heil'gen Tod droht!

Juda.                                       Recht! recht! recht! Drückt noch
Die Schlange, die euch sticht, fest an den Busen
Und küßt des Löwen Zahn, der euch zerreißt!
Elendes Volk, zum Werkzeug nur gemacht,
Leih dich dem eigenen Verderben dar,
Straf so dich selber! Volk, was warst du, eh'
Dich Juda aufnahm aus dem Staub? Das wirst
Du wieder werden, ärmer denn zuvor.
Du hattest nichts – nichts – gar nichts – selbst der Mut
In deiner Brust, der Witz in deinem Hirn
War Judas Mut und Witz; ich, den du zwangst,
Dich zu verachten, that der eignen Seele
Gewalt um dich, und – so vergiltst du mir?
Verflucht der Arm, der für dich schlug! verflucht
Dies Herz, verflucht das Aug', das für euch wachte!
Die Kröte wollt' ich zu 'nem Adler flügeln;
Hin in den Sumpf, der deine Heimat ist,
Werf ich dich wieder! (Es kommen immer mehr Krieger.)

Jojakim.                               Hört ihr? hört ihr? hört ihr?
Mein Hirn erschwindelt ob der Lästerung,
Mein Blut schwillt gärend auf wie Most im Schlauch,
Der Herr füllt wider Willen mich mit Eifer.
Er prahlt mit dem, was nur geliehn ihm war!
Wir alle nichts, der Herr nur hat gethan.
Der Böse wie der Gute thut unwissend
Und meinend, nur dem eignen Antrieb folg' er
Des Herren That. Der Herr braucht auch den Bösen,
So lang' er will, zu seiner Zwecke Werkzeug;
Läßt seine That geschehn, bis er ihn hinwirft
Und ihn verdirbt um seiner Absicht Bosheit.
Das neue Syrierheer kommt von dem Herrn.
Er selbst hat es erweckt, uns zu versuchen,
Ob wir ihm folgen oder seinem Feind.

Usiel. Was willst du thun? Du fliehst? Du giebst es auf?
Denn alles ist verloren.

Juda.                                     Geb' ich's auf,
Dann ist's verloren – Fliehen? Sterben? Feig
Sich selbst einreden, Tod für etwas sei
Das Größte? Leben ist's! Was ist's, den Schaum
Vom Kelch des Lebens schlürfen, wenn er braust?
Hinsinken, um in Liedern aufzustehn,
Eh' man des Bechers Grund gesehn? Nein, Tropfen
Um Tropfen kosten; so die bittre Hefe
Auskosten bis zum letzten! Undank tragen,
Verdächtigung, zerstört zu sehn und wieder
Zerstört und immer wieder, was man schuf,
Zerstört, durch die zerstört, für die man schuf.
Und dennoch nicht ermüden! Heuchler, sieh,
Was du vermagst; schlag' deine Brust und roll'
Dein glühend Aug', hier leuchtet Judas Schwert,
Hier ruft die Stimme, die dem Sieg gebeut!

Jojakim. Der Tod ist Sieg hier, und der Sieg ist Tod.
Stirb, Volk, dem Gotte, der den Sabbath schuf!

Juda. Gott schuf den Sabbath, da er ruhte, doch
Er ruhte erst, da er sein Werk vollendet;
So thu', sein Volk; erst Sieg und dann den Sabbath!
Mir nach, sein Volk, zum Sieg! (Ab. Usiel folgt ihm.)

Jojakim.                                           Mir nach zum Tod! (Ab.)

(Die übrigen folgen Jojakim.)

Von der anderen Seite kommen Antiochus, Eleazar, Nikanor, Gefolge.

Antiochus (zu Nikanor).
Du bringst uns schwere Nachricht, doch du bringst auch,
Was uns sie leichter tragen machen kann.
Ein Trost ist bei des Vaters Tod dies Heer,
Das er in Persien warb vor seinem Tode,
Und das in seinem Sinn gebraucht zu sehn,
Ihm, der, ein Gott, nun auf uns niederschaut,
Das schönste Sohnesopfer dünken muß.
Mit in sein Grabmal schließ ich meine Milde,
Und seinen Zorn nehm' ich in meine Brust.
Nur solchen soll der Zweig der Milde blühn,
Die so wie du, mein Ajax, freigewillt
Aus ihres Volkes düsterm Wahnesmoder
Herauf sich retteten ans heitre Licht
Der Götter ihres Königs.

Eleazar.                               Deiner Götter.
Sie waren deine, und so mußten sie
Auch deines Ajax Götter werden, Herr.

Gorgias (kommt eilig).
Herr, Nikomedes hat den Kampf begonnen,
Wie du gebotst.

Antiochus (wendet sich nach der Coulisse).
                          Der Kampf – ist das ein Kampf?

Nikanor. Was ist das? Ist's ein Wüstenbild, das hier
Uns äfft? Doch hier ist keine Wüste. Wehrlos,
Den Schild nicht brauchend, lassen sie sich schlachten.

Gorgias. Noch mehr – unglaublich ist's – die einen knien
Und singen Psalmen, andre werfen sich
Selbst in der Unsern Schwert.

Antiochus.                                       Als wär's ein Glück,
Sich schlachten lassen, und ein Liebesdienst,
Sie schlachten, von den Unsern.

Nikanor.                                             Sie berauschen sich
Im Trank des Tods.

Antiochus.                       Nur einer, mächtig ragend
Wie Ares, kämpft und ruft zum Kämpfen auf.
Ist das nicht Juda, ist's der Kriegsgott selbst!
Er spricht und wirft sich in den Kampf, der Meinung,
Daß sie ihm folgen. Seht, die Unsern weichen
Vor ihm allein. Nur tausend Judas, und
Mit meinen Hunderttausend wär' ich nicht
Des Siegs gewiß. Er sieht sich kämpfend um,
Ob sie ihm folgen, eilt zurück und trifft sie
Mit Reden, schärfer denn ein syrisch Schwert;
Nun mit geschwungnem Speer stürzt er von neuem
Ins blut'ge Bad – vergebens – wendet nun,
Den Speer – so wie der Treiber auf das Vieh
Läßt er die Schläge auf die Trägen regnen.
Umsonst. Nun droht er mit dem Schwert. Er haut
Den Nächsten nieder; doch der Nebenmann
Erhebt sich nicht; er will den Tod, komm er
Vom Juda oder von dem Feind. Dies Volk
Bezwing' ich wohl, doch diesen Juda nicht.

Eleazar (für sich).
Verfolgt mich seine Größe überall?
Besiegt selbst, siegt er!

Antiochus.                             Wer erklärt dies Rätsel?

Eleazar. Der Sabbathtag, an dem kein Heiliger
Was anders thut als ruhn, bricht eben an.

Antiochus. Ist's so, benutzt die Thorheit! Gorgias, du
Wirfst mit dem halben Heer dich auf den Feind
Und schlägst die Thoren mit der eignen Thorheit.
Wir mit der andern Hälfte ziehen weiter,
Den Schreck der Überraschung vor uns her.
(zu Nikanor.)
Du sendest Boten nach Jerusalem
Im Namen ihres echten Hohenpriesters –
Und daß er's wirklich sei, nimm ihr Gesetz
Zu Hilfe und der Priester Stammregister.
(Nikanor ab.)
Uns nennt Tyrannen dieses Thorenvolk?
Sein einziger Tyrann ist sein Gesetz;
Brecht auf. Des nächsten Abends Rot sieht Ajax
Als Hohenpriester. Gen Jerusalem!

(Alle ab.)


Verwandlung

Scene wie im ersten und zweiten Akt.

Frühester Morgen. Waffengeklirr und Geschrei Kämpfender in der Scene. Ein Volkshaufen wirr durcheinander rufend aus der Stadt nach vorn.

Josua. Getöse wie von Waffen!

Elia.                                           Schrein vom Felsenpaß!

Misael. Und mondenlang von Juda keine Nachricht!

Ruben. Gott Israels! es sind die Syrier!

Alle. Wir sind verloren!

Issaschar (tritt aus der Mündung des Felsenpasses).
                                  Nicht, weil Lea lebt.

Volkshaufe (durcheinander).
Wer ist's? 's ist Issaschar, der Sohn Medimnah!
Der Ältste von Modin! Herr, sprich, was ist's?

Issaschar. Ein Haufen Syrier, derselbe, der
Vor Judas Annahn ins Gebirg' zurückwich,
Ist eingedrungen in den Felsenpaß,
Der hier heraufführt aus dem Terebinthenthal.
Verrat hat diesen einz'gen Weg zur Feste
Den Feind gelehrt, den nur die Bürger kennen,
Doch Leas Wachsamkeit vereitelte
Den Bubenstreich und die Natur des Passes,
So eng und steil voll Steingeröll und Dornen,
In dem ein tapfrer Mann ein ganzes Heer
Abhalten kann – und seht! schon ist sie Siegerin.

Lea mit Anhängern, den gefangenen Aaron in der Mitte, aus der Mündung des Felsenpasses.

Jubelt ihr zu: Ein langes Leben Lea!
Der Mutter von Modin Tag ohne Ende!

Johannes mit Gefolge und dem gefangenen Boas aus der Stadt, von einem zweiten Volkshaufen begleitet, der sich hinter Lea gruppiert.

Josua, Elia, Misael, Ruben. Der Mutter von Modin Tag ohne Ende!

Misael. Fallt vor ihr nieder!

Lea.                                       Nicht so. Nur dem Herrn,
Dem Schutzgott Israels gebührt der Preis
Und Juda, dem Erwählten; dann den Treuen,
Von deren Thun mein Aug' ich Zeuge sein hieß,
Damit mein Mund vor Judas Ohr sie rühme,
Vor Juda, der der That nichts schuldig bleibt.
Ich seh' ihn, wie sich seine Heldenstirn
In Wolken hüllt, vernimmt er, wie Verrat
Modin bedroht, ein Bürger von Modin
Dem blut'gen Feinde selbst den Weg gezeigt,
Bis Sonnenschein die Nachricht ihm entlockt,
Wie Treue den Verrat besiegt und den
Verräter selbst gefangen nahm. Zeigt ihn
Dem Volke!

(Es geschieht.)

Josua, Elia, Misael. Aaron!

Ruben.                                   Der Bruderssohn
Von Simei!

Alle.                   Weh über Aaron!

Johannes. Herrin, noch mehr hat der Verrat gewagt.
Rückkehrend von den Thoren, die, wie du
Befohlen, ich mit treuer Hut besetzt,
Ergriff ich diesen hier. Er sprach zum Volke,
Es schreckend mit erlognem Dräun der Zukunft,
Um sie von dir hinweg, dem Syrier zu
Zu ängstigen.

Lea.                       Wer ist er?

Issaschar.                                   Tod den beiden!

Johannes. Hier ist er.

Lea.                             Boas?

Volkshaufe.                               Weh! Weh über Boas!

Josua. Weh über Simeis ganzes Haus!

Misael.                                                 Ergreift sie!

Issaschar. Werft sie vom Felsen ihren Freunden zu!
Eh' ist nicht Sicherheit fürs Volk Modins.

Amri, von einem dritten größeren Volkshaufen begleitet, aus der Stadt.

Amri. Streut Asche auf das Haupt!

Dritter Volkshaufe (in großer Aufregung). Streut Asche! Asche!
Der Syrier kommt!

Lea (tritt vor).                 Volk von Modin –

Amri.                                                               Bist du
Die Retterin, so rette jetzt!

Dritter Volkshaufe (drohend).   Ja, rette!

Lea. Volk von Modin, der Syrier dräut nicht mehr.
Und du, Sohn Simei, dein Verrat mißlang.
In unsrer Hand sind deines Plans Gesellen,
Und abgeschlagen ist der Syrier.

Amri. Der Syrier? Der Haufe – ha, was hilft's,
Den Haufen? Schlag die Heere von Beth Horon,
Die Heere von Ammaus tilg' uns aus!

Dritter Volkshaufe. Die Heere von Beth Horon! von Ammaus!

Lea. Der zwanzig Syrierheere hat vertilgt,
Lebt er nicht mehr, auch diese zu vertilgen?

Amri. Und halt des Königs Wagen auf, wenn er
Rückkehrt aus Persien von Elymais,
Da, wo der Tempel steht aus purem Gold,
Die Fenster von Demanten; jeder Zoll
Prägt hundert Krieger. Alles Volk umher
Schickt Sklavenhändler seinem Heere nach;
Das Kind im Mutterleib' schon ist verkauft.
Bist du die Retterin, so rett' uns nun;
Bist du erwählt, so zeig's jetzt, thu ein Wunder!

Viele Stimmen aus dem dritten Volkshaufen.
Ja, rett' uns! Zeig's.

Der übrige dritte Volkshaufe. Ein Wunder! Thu ein Wunder!

Erster Volkshaufe (indem er, der bis dahin auf der anderen Seite stand, nach rechts auf Leas Seite hinübergeht, um sich mit dem zweiten zum Schutze Leas zu vereinigen. Amri und der dritte Volkshaufe zieht sich aus der Mitte nach links).
Der Herr mit Lea aus dem Stamme David!

Lea. Schmach auf das Volk Modins, wenn's bessres nicht
Will heißen als der Stimme Tochter des
Verräters! Lallst du seine Lästrung nach,
Der dich will reißen in den eignen Abfall?
Was hat denn Simei für dich gethan,
Daß du die Seele seiner Hand vertraust?
Wie des Tyrannen Knechte hier den Altar
Erbauten, wie der Syrier dir griff
Nach deinem Gott, war's Boas, der dir half?
War's Amri, der den Altar schlug, daß klingend
Das Bild des Greuls zerbrach? Nein, er beriet sich
Und sprach: Süß ist das Leben.

Erster, zweiter Volkshaufe und Issaschar. Er beriet sich –
Weh über Simei!

Boas.                           Herr, wer bin ich,
Daß ich vor deinem Volke sprechen dürfte?
Und doch nimmst du mir selber das Gewand
Der Demut ab und setzest mir's aufs Haupt
Wie einen Helm, den Zorn zu zürnen des
Gerechten. Simei, mein Bruder, kam
Zu gehn zu opfern – ging er sonst um was,
Als – um des Volkes Leben? War Antiochus
Der Ältre ewig? Hatten wir nicht Ruh',
Bis daß sein Sohn den Scepter nahm und uns
Zurückgab unsern Gott und sein Gesetz?
Ist das nun besser, was dein Juda that,
Daß er begann, was er nicht enden kann,
Daß er die Söhn' uns nimmt und wirft sie hin,
Dem nimmersatten Syrierschwert zum Opfer?

Dritter Volkshaufe. Daß er die Söhn' uns nimmt? Weh über Juda!

Erster Volkshaufe. Hosianna Mattathias' Sohn! Hosianna!

Lea. O freilich hatten wir nicht Ruh', wenn Juda
Des Manns der Demut Bruder opfern ließ?
Ja, eben so, wie du demütig bist,
So, wie dein Zorn gerecht, so wahr ging jeder
Zu opfern, um sein Volk zu retten. Heuchler,
Den keine Scham mehr bändigt, rettet' er
Das Volk, wenn er es lockte von dem Herrn?
Nein; er verdarb's mit ewigem Verderben,
Wenn Juda nicht, den sich der Herr berief,
Das eigne Leben hinwarf in die Wage!

Erster, zweiter Volkshaufe und Issaschar.
Weh Simei und seinem ganzen Haus!

Dritter Volkshaufe steht ungewiß.

Boas. Den sich der Herr berief! Hat das der Herr,
Wer dann will Juda schmähn? Und hat er's nicht?
Sagt's Judas Mutter nicht: Er hat's gethan?
Sitzt nicht ihr Hochmut mit im Götterrat?
Wer weiß es anders? Hat nicht alles Volk
Gehört, wie Gott den Juda rief? Ist's nicht so?
Ihr sagt: Wir haben nichts gehört; es redet
Der Herr von Angesicht nicht mehr mit Menschen,
Nur durch die Schrift und Bücher des Gesetzes?
Nun gut: so steht's geschrieben irgendwo?
Es steht geschrieben: Retten will der Herr
Sein Volk zu seiner Zeit: er will's, der Herr
Will's retten, sonst steht in den Schriften nichts.
Es steht nicht drin: Der Juda soll es retten,
Noch irgend wer, denn nur der Herr. Und wenn
Er's will, braucht er den Juda? braucht er sonst wen?
Ist er nicht stark genug, es selbst zu retten?
Ist's Lästrung nicht, zu sagen, daß der Herr
Den Juda dazu braucht, noch irgend wen?

Dritter Volkshaufe und Amri (immer drohender).
's ist Lästerung! 's ist Lästerung!

Boas.                                                   Nun wenn
Der Herr den Juda nicht bewegt, was sonst?
Hat er aus Lieb' zum Volk ihm vorgegriffen?
Denn vorgegriffen hat er ihm, wenn nicht
Der Herr ihn hat gerufen –

Dritter Volkshaufe und Amri (immer drohender Lea auf den Leib rückend, indem von dem ersten und zweiten Volkshaufen immer mehr von ihr zurücktreten. Issaschar, Josua, Elia, Misael, Ruben verweilen am längsten bei Lea).
                                            Ja; er hat
Ihm vorgegriffen! hat ihm vorgegriffen!

Lea. Er hat ihm –

Amri (lachend).       Lieb' zu seinem Volk? Er hat's
Gehaßt, er hat's verspottet, hat's verachtet.

Lea. Wagt man –

Dritter Volkshaufe. Er hat's verspottet! hat's verachtet!

Lea. Sein Leben für den Feind?

Dritter Volkshaufe (immer aufgeregter). Er hat's! er hat's!

Boas. Gott selbst gab Israel in Feindes Hand,
Wo's bleiben soll, bis er es selbst errettet.
Mit Skorpionen wird er's züchtigen,
Ausschütten all sein Mark! Weh, weh dem Samen
Von Jakob, weh dem Volk von Israel,
Kehrt's nicht freiwillig unter seine Hand!

Die Meisten aus dem Volke.
Weh Jakob! weh dem Volk von Israel,
Kehrt's nicht freiwillig unter seine Hand!

Lea (steht verlassen). Weh Jakob! weh dem Volk von Israel,
Folgt es dem Rate der Abtrünnigen!
Verblendet Volk, hör' meine Stimme –

Amri.                                                             Fort!
Der Syrier steht am Passe; laßt ihn ein!

Volk. Ja! fort zum Syrier und laßt ihn ein!

Lea (hat ihnen den Paß abgewonnen. Joarim und Benjamin an den Händen).
Zurück! Nie! Nimmermehr! Und sollt ich selbst
Der Pforte Riegel sein, dahingestreckt
Zur Erde diesen Leib, der Israels
Erretter trug! Zwei Kinder und ein Weib
Zertretet erst!

Amri.                     Noch haltet. Woran wird
Der Syrier in uns den Freund erkennen,
Daß er uns nicht mit seinen Feinden töte?

Volk. Ja, sprich, woran?

(In der Scene immer näher kommend Musik von Zimbeln, Flöten, Pauken.)

Lea (reißt die Kinder an sich). Ha! ich versteh' sein Aug'.
Wachst fest an meiner Brust! Eh' reiß der Tiger
In Stücke uns, eh' er uns lebend trennt!

Amri. Bring ihm des Juda Brüder, daß er sich
An ihnen räche! Über ihrem Haupt
Mach unsern Bund, Herr, mit dem Syrier.

Lea (indem Amri die Kinder ihr nehmen will).
O nun ein Wunder! Herr, ein Zeichen, bist du
Mit Leas Sohn! Ein Zeichen, Herr! Sonst war
Ein Traum nur dein Gesicht!

Amri.                                             Gieb sie gutwillig!

(Aus der Stadt kommen rosenbekränzte Jungfrauen, auf Flöten, Zimbeln, Pauken musizierend, hinter ihnen rosenbekränzte Kiuder, Frauen, Greise im feierlichen Zug; zuletzt Simon. Große Bewegung unter dem Volke.)

Boas. Was kommt dort?

Aaron.                           Festlicher Gesang.

Amri.                                                             Was soll
Die Thorheit?

Aaron. Will das Volk den Retter preisen?

Lea. Sie sind nicht aus Modin.

Johannes.                                   O wär' es Juda!

Lea (aufschreiend).
Es war kein Traum! Ha, Sieg!

Die Jungfrauen.                             Sieg! Sieg!

Boas.                                                                 Verflucht!

Johannes. Simon!

Simon.                   Wir bringen Sieg. Mit deinem Juda
Der Gott der Zebaoth!

Amri.                                   Brust, Brust, bleib ganz!
Der Juda Sieger? Thoren! Bei Beth Horon
Dort steht der Herr, die Wag' in seiner Hand,
Und wägt sein Volk, und in der Syrier Schale
Wirft er noch seines Zorns Gewicht. Der Herr
Wird richten!

Simon.                   Wird? Schon hat der Herr gerichtet.
Der Syrier Hunderttausend wogen leicht;
Der Herr warf sein Gewicht in Judas Schale.
Der Juda rief den Herrn, da wandelte
Ein Rauschen in den Palmen über ihm
Und wirbelte den Sand empor und warf ihn
Den Syriern in die Augen, daß sie blind
Des Juda Schwert nur fühlten und nicht sahn.

Lea. Der Herr geht vor dem Juda her, hört ihr?
Der Herr gehorcht, wenn ihn der Juda ruft!

Erster Volkshaufe (wieder um Lea).
Er ist! er ist! der Herr ist mit dem Juda!

Amri. Unselige, was rast ihr da? Ein Kind
War bei Beth Horon Syriens Herr; so wie
Ein reis'ger Mann gegen ein Kind, so ist
Das Heer, das bei Ammaus steht, gegen
Das von Beth Horon. Nicht die Waffen braucht's.
Wenn sie vom Jordan trinken, wird er leer;
Sie atmen, und die Luft ist weggeatmet
Über Israel; all sein Vieh verschlingt
Ein Mahl; vor ihrem Auftritt bebt die Erde;
Der Wind von ihrem Schrei wirft Juda schon.
Der Herr läßt sich mit Glück den Frevler mästen,
Eh' er ihn schlachtet zu der Rache Mahl.
Und er wird richten! Bei Ammaus wird
Er richten.

Simon.               Dort gerichtet hat er schon,
Dort bei Ammaus hat der Herr gerichtet!
Wer zeigt die Stoppeln noch von ihrer Saat?

Issaschar. Weh, Weh und Tod dem Hause Simei!

Lea. Der Herr setzt Juda auf des Herren Stuhl
Und läßt ihn richten über Syrien.
Juda ist mehr, als Menschen sind; er ist
Aus Erde nicht geschaffen!

Amri.                                           Einen Fluch,
Der mich erleichtert! Noch nicht. Kehren laß
Antiochus von Elymais erst.

Simon. Er ist gekehrt –

Amri.                             Und wird euch schrecklich richten!

Simon. Niemand mehr richtet, den der Herr gerichtet;
Denn unterwegs schlug ihn des Herren Hand,
Warf tot ihn von dem Wagen auf das Feld;
Ein Denkmal. Seht: so straft der Herr Tyrannen!

Lea. Gnügt dir dies Wunder, wunderhungrig Volk?

Issaschar. Tod über Boas; über Amri; Tod
Über Simeis ganzes Haus!

Volk.                                         Er sterbe!

Issaschar. Reißt sie aus ihren Häusern! Steinigt sie!

Volk (indem sie die Simeiten ergreifen).
Ja, steinigt sie!

Issaschar.               Hier mit des Altars Steinen,
Auf denen Simei gesündigt hat.

Volk. Laßt keinen fliehn!

Naemi (flehend den Saum von Leas Mantel fassend).
                                    Herrin!

Lea.                                                 Was geht die Tochter
Boas' mich an? Fort!

Volk.                                 Boas' Tochter? Hin
Mit ihr zum Tod, mit Boas' ganzem Haus!

Simon. Herrin, rett' Judas Weib!

Lea.                                             Aus Königstöchtern
Wählt Juda sich sein Weib. Willst du den Zorn
Des Herrn verew'gen? Wer, wenn zu Gericht
Er geht mit seinen Feinden, hindert ihn?
Nun auf, ihr Fraun von Israel, zum Reihn,
Zum Siegesreihn mit Zimbeln und mit Pauken!

(Sie nimmt einer von den Frauen die Zimbel, setzt sich an die Spitze des Zuges und führt ihn zimbelschlagend linksum über die Bühne.)

Naemi (indem sie fortgerissen wird).
Ich bin des Juda Weib! Um Judas willen!
Die Menschen hören nichts; hör' du mich, Herr!

Volk (hat die Simeiten auf die Knie gerissen, hält die Hände über sie).
Nieder! Ihr Blut über ihr Haupt! Sie haben
Den Herrn gelästert!

(Sie laufen zurück, um Steine zu holen.

Boas (kniend).                     Halt!

Amri (ebenso).                               Ein Bote!

Boas.                                                               Hört
Den Boten erst!

Nathan (kommt aus dem Thore).
                          Weh Israel! –

Amri.                                               Ha, Rettung!

Lea (den Zug aufhaltend).
Ein Bote? (ihm entgegen) Welchen neuen Sieg kommst du
Zu melden?

Amri.                 Keine Taube mit dem Ölblatt!
Ein Hiobsbote!

Nathan.                   Weh dir, Israel!
Antiochus zieht auf Jerusalem!

Lea (nimmt eine Spange von ihrem Gewand).
Da, nimm das Kleinod hier für deinen Scherz
Und gieb uns seinen Kern! Welch neuer Sieg
Lieh deinen Atem?

Nathan.                         Ist's ein Scherz, so ist's
Ein blut'ger, den nur Wahnsinn kann belachen.
Antiochus –

Lea.                     Wenn du nicht scherzest, lügst du,
Doch viel zu ungeschickt, um uns zu täuschen,
Sagst du, die Toten ziehen in das Feld!

Nathan. Der Junge ist's, der Alte nicht; er zieht –

Lea. Noch besser! Thor, du weißt nicht, daß der Junge
Israels Freund ist? Nun, so kommt er denn,
Bekehrt von Eleazar zu den Unsern,
Um Juda zu begrüßen.

Nathan.                               Feindlich kommt er,
Sein Liebling Ajax, ein Abtrünniger
Aus Israel, ist seines Zuges Seele.
Er hat den König uns zum Feind gemacht.
Schon zieht er auf Jerusalem.

Lea.                                               Er komme!
Dort bei Ammaus steht der starke Juda;
Er mag nur kommen; er wird wieder gehn!

Nathan. Dort bei Ammaus steht kein Juda mehr –
Unaufgehalten zieht Antiochus
Mit seinem Volke nach Jerusalem;
Dort herrscht der Hunger und die Pest! es kann
Sich keinen Tag lang halten gegen ihn.

Jojakim (aus der Stadt).
Heil Israel!

Lea (zu Nathan).   Hörst du?

Jojakim.                                 Du bist gerettet!

Lea. Nun scherze weiter.

Jojakim.                             Juda –

Lea.                                                 Hat gesiegt –

Jojakim. Den Frevler schlug der Herr –

Lea.                                                         Den Syrier.

Jojakim. Den Juda. Gott verwarf ihn!

Nathan.                                               Hörst du's nun?

Lea. Sie rasen –

Jojakim.               Den Verruchten, der das Volk
Am Tag des heil'gen Sabbaths kämpfen hieß.
Doch Jojakim schuf, daß sie wehrlos starben.

Lea. Wahnsinniger! Er hat das Volk verderbt
Und rühmt sich noch der That. Zum Tod mit ihm!

(Niemand gehorcht; das Volk verläßt einer um den anderen Lea.)

Jojakim. Du hast's verderbt. Verfluchter noch als Kain,
Hat dieses Weib sein ganzes Volk erschlagen!

Lea. Was steht ihr bleich? Verloren ist noch nichts,
Hinausgerückt nur ist das Ziel, damit sich
Des Herren Wort erfülle. Noch ist nichts
Verloren, noch lebt Eleazar!

Jojakim.                                       Ajax –

Lea. Verflucht er und sein ganzes Haus! In Martern
Müss' ihn die Mutter sterben sehn! –

Simon.                                                       Halt ein!

Jojakim. Fluche nur zu.

Lea.                               Nenn' mir ihn nicht. Noch lebt
Ein Richter ihm, und nun ist seine Zeit,
Der Tag, an dem er fragt: Ist Juda größer?
Ihn und nicht Juda krönte das Gesicht.
Nun wird er auferstehen, wie die Sonne wird
Er auferstehen, wie die Sonne wird er wandeln
In seiner Thaten Glanz. Juda war nur,
Der vor ihm herging, nur ein Stern der Nacht,
Doch Eleazar wird die Sonne sein!
Er wird ihn fassen, den Abtrünnigen!

Jojakim (auflachend). Den Ajax Eleazar?

Lea.                                                             Ihn und dich.

Simon. Weh mir und dir, daß so des Vaters Wort
Zur Wahrheit wird!

Lea.                                 Was willst du, Thor? Welch Wort?

Simon. Du selber müßtest einst dem Liebling fluchen.

Lea. Du rasest –

Simon.                 Ajax ist dein Eleazar.
(Alles weicht entsetzt einen Schritt zurück.)
Bei meiner Brüder Leben! Selber sah
Ich ihn in Jericho, da ich verkleidet
Als Späher dort verweilt.

Lea (steht ganz verlassen).       Weh! – Wer ruft Weh
Hier, wo die Sieger jubeln? Steht ihr bleich?
Ist's Sitte, bleich sein, wenn ein Rabe krächzt?
Auf, Töchter Israels, zum Siegesreihn!

(Sie thut einige Schritte; – der Zug bleibt vor Entsetzen stehen; sie selbst, wie sie sich auf den Gesichtern orientiert, wie erstarrend.)

Weh mir, und weh dem Tag, an dem ich ward!
(Sie zerreißt ihr Gewand.)

Jojakim. Er sollte König sein; nun ist er's. Schreckt
Dich deines Hochmutstraums Erfüllung nun?

Lea. So wär' des Herren Wort? – zweideutig Heil
Vorspiegelnd, doch Verderben –

Simon.                                                 Nein, er hält
Sein Wort; ob uns zum Lohn, ob uns zur Strafe,
Giebt er in unsre eigne Hand.

Lea (lachend gen Himmel).               Ich hab'
Noch Kinder!

Amri (reißt ihr Joarim von den Händen und führt ihn nach links, wo er gleich festgehalten und abgeführt wird).
                          Nun nicht mehr.

Simon (stürzt auf ihn zu, als Amri auch Benjamin nehmen will).
                                                    Verruchter, fort
Die Hand –

Amri.                 Auch du kommst mit. Ergreift ihn, Männer (Sie thun's.)
Und jenen!

(Johannes, auf den er zeigt, wird gepackt. Nun reißt er selbst auch Benjamin von ihrer Seite und eilt mit ihm ab.)

Lea (will nach, die noch zurückgebliebenen Männer halten sie zurück).
                      Meine Kinder!

Amri (im Abeilen).                           Hol sie dir
Beim König! (Mit seiner Partei und den Gefangenen ab.)

Lea.                       Meine Kinder!

(Will nach; indem sie erschöpft zu Boden sinkt und die Jungfrauen sich um sie bemühen.)

                                                Meine Kinder!

Vorhang fällt.

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