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Gutenberg > Otto Ludwig >

Die Makkabäer

Otto Ludwig: Die Makkabäer - Kapitel 3
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDie Makkabäer
authorOtto Ludwig
year1898
publisherVerlag von Otto Hendel
addressHalle a. d. Saale
titleDie Makkabäer
pages81-82
created20020519
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1852
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Zweiter Akt.

Scene wie im ersten.

Juda, Naemi vom Thale herauf, aus dem Hause Lea; dann Mattathias, von Jonathan, Johannes, Joarim, Benjamin geführt.

Lea. Gut, daß mein Bote dich so schnell getroffen.

Juda. Dein Bote? Sandtest du nach mir?

Lea.                                                         Die Hand
Des Herrn fiel plötzlich auf sein Haupt –
(Sie zeigt auf Mattathias, der eben aus dem Hause kommt.)

Juda.                                                               Was seh' ich?

Lea. Der Todesengel folgt dem müden Schritt
Schon mit gehobnem Schwert. Bald wird es fallen.
Der Sterbende verlangte nach Naemi,
Der Simeitin –

Naemi (flehend, Judas Unwillen zuvorzukommen).
                        Zürne nicht der Mutter
Um dieses Wort, Herr –

Juda.                                     Hörst du? Mattathias
Verlangt nach Judas Weib. – Geh zu ihm, Demut.

(Sie geht nach einem bittenden Blick auf Mattathias zu; Juda und Lea folgen.)

Mattathias. Noch einmal sei mein Stab, du blühend Reis.

Naemi (indem er sich auf sie stützt).
Noch tausendmal, erhört der Herr Naemi.

Mattathias. Heiß mich nicht leben. Tagesmüd' bin ich
Und durste nach der Ruh', so wie ein Knecht
Zur Zeit der Ernte nach dem Schatten durstet
Und nach dem Quell der Wanderer sich sehnt.
Hierhin, mein Kind (zeigt nach der Bank), hier endet sich mein Weg,
Hier laßt mich sitzen, wo mein brechend Aug'
Die Stätten sieht vom Ruhme Israels,
Dort, wo Sennaherib dem Herrn erlag,
Dort, wo Isais Sohn den Riesen schlug.
Süß wie der Atem einer inngen Braut
Weht hier die Luft, und lieblich wie ihr Mund
Aus ihres liebsten Mund liegt kühler Schatten
Auf dieser Stelle, da ich sterben will.
(Sie helfen ihm sich niederlassen und unterstehen den Sitzenden, um ihn kniend.)
Gott Abrahams! wie hast, Barmherz'ger, du
Den Knecht gesegnet; wie so wenig war,
Herr, seines Dienstes, und wie reich sein Lohn!
Herr, zürnst du, daß ich, den du reich gemacht,
Aus eignem Trieb ein armer Bettler war?
Daß ich die Freude, die du täglich reichtest,
Aus meinen Händen gleiten ließ und nach
Dem Jammer griff, mit dem dein Volk du schlugst?
Ach, die einst herrschend saß, die Königin
Der Völker liegt verachtet nun im Staub,
Vor deren Blick die Völker zitterten –
Zerteilung hat sie schwach gemacht; nun ist's
An ihr, zu knien und fremden Hohn zu tragen.
Glied wütet wider Glied; voll Schadenfreude
Lacht nun der Starke, straflos höhnt der Schwache;
Beut sich die Rechte selber doch dem Feind,
Der Linken Kraft zu fesseln, jubelt doch
Der Fuß dem Feinde zu, drängt der das Haupt.
O Schmach, wenn Kinder Einer Mutter sich
Befeinden! Schmach dem Mann, der ohne Scham
Die Schande seiner eignen Mutter mehrt!
Kommt, Söhne, eh' der Tod mein Aug' verlöscht,
Daß ich euch segne. Wo ist Eleazar?
Ist nicht nach ihm gesandt?

Lea.                                           Schon muß er kommen.

Mattathias. Und Juda? – Sendet nicht nach ihm. Soll er
Den Sterbenden verhöhnen?

Juda.                                             Herr –

Mattathias.                                               Das ist
Der Arm von Erz, ist meines Juda Arm,
Doch das ist meines Juda Herz nicht mehr.

Juda. Herr – soll ich prahlen? – jetzt?

Lea.                                                     Herr, reg dich nicht
So auf. Erheitre dich! Wirkt Eleazar
Doch für dein Volk!

Mattathias.                     Für sich, nicht für sein Volk!
Nur für sein Haus, nicht für des Herren Größe.
Was kann des Herren Volke Gutes kommen,
So lang 's ein Knecht ist in des Fremden Hand?
Mein Leben frißt der Tod mit meiner Hoffnung,
Daß meine Augen noch den Retter sähn.
Herr, laß sie brechen, denn dein Retter ist
Noch fern. Wie wird mir? (Sinkt in Ohnmacht.)

Lea.                                         Seht nach Eleazar!
Kommt er noch nicht?

Jonathan (umschauend).       Herrin, er kommt.

Lea.                                                                     So heißt
Ihn eilen.

Jonathan (winkt). Jojakim ist mit ihm.

Lea.                                                       Wer
Hat Jojakim gerufen?

Eleazar (erst noch in der Scene).
                                  Lebt er noch? (Er tritt auf.)
Daß er mich segne.

Jojakim (tritt auf).         Daß er dich verfluche!

Lea (tritt Jojakim in den Weg).
Willst du ihn töten?

Jojakim (will immer Eleazar folgen). Besser ist's, er stirbt,
Als daß du länger ihm die Wahrheit birgst.

Lea. Du nahst ihm nicht! (Hält ihn ab.)

Eleazar (beim Vater kniend). Schon kehrt sein Geist zu ihm.

Mattathias. Sind das nicht meiner Söhne Häupter?

Eleazar.                                                                   Vater!

Mattathias. Die Stimme meines Eleazars? Ja; ich seh' ihn.
Noch einmal an des Hauses Fenster tritt
Die Seele, eh' sie es für immer läßt. –
Wie steht es unten?

Eleazar.                         Gnade hat dein Knecht
Gefunden vor dem Aug' Antiochus
Des Jüngern.

Jojakim.               Gnade? Um den Preis der Gnade
Des Herrn.

Mattathias.       Ist das nicht Jojakim?

Eleazar.                                               Mich höre,
Nicht diesen, Herr! Antiochus ist edel.
Und seine Schwester ist ein hehres Weib.
So wie der Grieche seine Here bildet,
Doch süßer Reiz dämpft lieblich ihre Hoheit
Sie steigt von ihrem Thron zu mir herab,
Wie Selene einst zu Endymion.

Lea. Wer könnte sich erwehren, ihn zu lieben!

Mattathias. Mußt du dein Süß in Bitter hüllen? Was
Schmähst du mein Ohr und deinen Mund mit solch
Unheil'gen Lauten? – Weh! ich seh's, es wird
Die Tochter Syriens sein schwaches Herz
Zu ihren Göttern lenken!

Jojakim.                                 Weh dir, Mann
Des Todes, stirb, doch fluch ihm erst. Er hat
Geopfert vor dem Aug' des Syriers. –

Mattathias. Geopfert?

Lea.                             Doch nach unserm Brauch. Siehst du,
Warum der Herr den Starken nicht erwählt?
Er wollte nicht das Schwert. Das Kosen sollte
Sein Bote sein. Er machte, daß das Herz
Der Tochter Syriens nach deinem Sohn
Sich sehnte, Freundschaft goß er in das Herz
Antiochus für deinen Sohn, wie er
In Jonathans für David goß.

Jojakim (auflachend).                 Ha, Freundschaft?

Eleazar. Ja, Freundschaft! Dir zum Trotze und den Deinen,
Dem Neid, der jeden Atem mir belauert. –
Und seines Vaters Tod erharrt er nur,
Der noch die Hand hält über Menelaus,
Damit er mich zum Hohenpriester setze;
Und meine Brüder sollen Fürsten sein.

Jojakim. Vom Dornbusch Feigen, und vom Heiden Freundschaft!
Unseliger, der nur die Angel ist,
Mit der der Heide fäht nach deinem Volk,
Und die er fallen läßt, hat er den Fisch!
Unsel'ger, der um Flitter, Kindertand
Von Schmeichelei sein eigen Volk verrät!

Mattathias. Weh mir! Soll ich dem eignen Kinde fluchen?

Lea (tritt dazwischen).
Wenn du mußt thun, was dich der Fremde heißt,
Der Neider, dem der Neid die Seele frißt,
Sei blind; sieh nicht, wie Iesaias Wort:
»Dann wird Ägypten und Assyrien
Zum Herren flehn auf seinem heil'gen Berg«
Durch Eleazar sich erfüllen soll;
Fluch ihm, der Iesaias Wort erfüllt,
Dem eignen Kind! Was fluchst du nicht? Mußt du
Nicht fluchen! Will's nicht Jojakim? (Stellt sich vor Eleazar.)
                                                          Wohl! fluch ihm, doch
Mir fluche mit!

Aaron, Simei kommen voll Angst den Felsweg herauf.

Aaron.                       Der Syrier!

Simei.                                           Weh uns! der Syrier!
Er kommt!

Aaron.             Es kommen Reisige, vom Zorn
Des Syriers ausgesandt!

Mattathias.                           Was überschreit
Den Jammer Mattathias'? Häufst du, Herr,
Noch mehr auf einen Sterbenden?

Aaron.                                                   Er zieht
Herauf schon gen Modin!

Boas (kommt aus seinem Hause). Wozu dies Schrein?
Ein Haufen Jasoniten, Reisige
Von der Partei des Menelaus, der
Hinabzieht nach Jerusalem. Geht heim
Und fleht in Demut, daß nichts Schlimmres komme!

Aaron (in das Thal zeigend).
Herr, sieh sie selbst!

Simei (ebenso).                   Hier sind sie schon. Sie steigen
Herauf –

Juda (hinabsehend). Nikanor ist's und Gorgias –

Eleazar (ebenso). Antiochus des Alten beide Hände.

Boas. Ein Durchzug nach Ägypten ist's –

Simei.                                                       Wer kommt
Da atemlos?

Aaron.                 Und gärend wie der Schlauch,
Der zu zerreißen droht sein Inhalt?

Amri (kommt den Thalweg heraufgestürzt).   Er
Ist in Jerusalem –

Juda.                             Wer?

Amri.                                       Er – der König –
Der Syrier – der Alte – er hat den Tempel
Erbrochen und entweiht! Er hat das Heiligste
Besudelt mit dem Blut unreiner Tiere.

Juda (zornig). Er hat – o gut! er hat dem Volke endlich
Aus Herz gegriffen!

Amri.                               Er hat den Schaubrottisch
Geraubt – den Rauchaltar hat er genommen –
Den siebenarm'gen Leuchter weggeführt,
Und aus der Bundeslade hat er das
Gesetz gerissen und hat es zerrissen,
Mit seiner Hand zerriß er das Gesetz.

Jojakim. Der Herr reckt seinen Arm; sein Volk thu' Buße!

Amri. Gerissen hat er's aus der Bundeslade
Und hat's zerrissen; mit den eignen Händen
Zerriß er das Gesetz –

Juda (für sich).                     Und unsre Ketten,
Wenn dieses Volk noch zürnen kann.

Nikanor, Gorgias mit syrischen Kriegern den Felsweg herauf. Es ist Volk zusammengelaufen. Eine Pause der Erwartung.

Gorgias.                                                   Hier sorge,
Nikanor, daß der Altar sich erhebt.
Und ich verkündige den Befehl indes.

Nikanor. Dort seh' ich Steine haufenweis geschichtet.
Macht euch ans Werk, ihr Krieger!

Simei.                                                       Was soll das
Uns werden?

Gorgias (tritt in die Mitte, so oft er den Namen Antiochus nennt, neiget sich die Syrier, die Simeiten und welche im Volk).
                        Unser Herr Antiochus,
König von Syrien und Babylon,
Armenien, Mesopotamien,
Assyrien, Bithynien, Israel,
Von Paphlagonien, der Herr von Pontos,
Von Kappadokien und Pergamos
Und von Galatia wie von Ägypten,
König von Indien, Antiochus,
Der unser aller Herr, thut euch zu wissen.
Nachdem es mir gefallen hat, daß alle,
Die in dem Schatten lagern meines Stuhls,
Hinfür zu meinen Göttern beten sollen,
Also sollt ihr auch, Männer von Judäa
Und Israel, in euern Städten, sollt
Auf euern Bergen steinerne Altäre
Errichten, meinen Göttern da zu opfern.

Nikanor. So spricht der König, unser Herr und eurer.
Gehorcht ihm denn, ihr Männer dieser Stadt.
Helft Steine tragen und den Altar schichten.
Greift an!

Simei (tritt vor). Herr, das sei fern von uns. Denn unser
Gesetz verbeut uns, irgendwo 'nen Altar
Zu haben, außer in dem Tempel zu
Jerusalem; wie unser Gott, der Herr,
Ein einz'ger ist, und keiner neben ihm,
Und hier nicht wohnt und sonst auch nirgendwo
Als nur im Tempel zu Jerusalem.

Gorgias. Im Tempel zu Jerusalem wird Zeus
Olympios wohnen; in dem Tempel, der
Sich hier erheben wird, die herrschende
Athene.

Simei.           Hier ein Tempel?

Aaron.                                       Hier ein Altar?

Nikanor. Murrt ihr, Verstockte, wider euern Herrn?
Meint ihr, der Herr der halben Welt entsendet
Uns in dies Ländchen, um mit seinem Knecht
Zu handeln? Er befiehlt. Der Herr gebeut,
Der Sklav' gehorcht. Greift an!

Mattathias.                                     Herr Zebaoth,
Laß uns so tief nicht sinken!

Gorgias.                                       Welcher hier
Ist Mattathias?

Eleazar.                 Hier der Sterbende.

Simon. Herr, laß ihn ruhig sterben; sprich mit uns!

Gorgias. Ihr seid die Söhne Mattathias'?

Simon.                                                     Herr,
Du sagst es.

Gorgias.             Und du heißest?

Simon.                                         Simon, Herr.

Gorgias. Nun wohl denn, Simon, Mattathias' Haus
Ist angesehn beim Volke dieser Stadt
Vor allen; weise geh's denn allen vor
Mit gutem Beispiel, sich und sie zu retten
Vorm Zorn Antiochus'.

Simon.                                 Herr, schlimmer wäre
Der Stadt des Herren Zorn als der des Königs.

Nikanor. Du zeichnest selbst dich als des Königs Feind?
Er wird dich finden.

Gorgias.                           Euch, ihr übrigen,
Geb' ich Bedenkzeit, bis das Werk vollendet.

Auf der Rasenbank links vorn Mattathias, von Naemi und Benjamin gehalten, das Haupt zurückgesunken an des hinter ihm stehenden Joarim Brust; die Seinen um ihn gruppiert und zwischen ihm und dem Vorgang geteilt; ganz vorn Juda; dann Eleazar und Lea; rechts Simei, Amri, Boas und Verwandte beratend; in der Mitte hinter dem Altar, der die Krieger errichten, Gorgias und Nikanor; sobald der Altar fertig, stehen die Krieger im Halbkreis hinter ihnen. Das Volk, darunter rechts ganz vorn Aaron, hinter ihm Anhänger Simeis, auf der rechten Seite Issaschar, Usiel und andere Anhänger des Hauses Mattathias, umgiebt die drei Gruppen im Halbkreis.

Juda. Halt an dich, Herz! nicht unreif reiß die Frucht
Vom Baum der Rettung! Jonathan! du, eil'
Zu meinem Haufe bei den Terebinthen;
Voll ist's von Waffen, bring sie her; und du,
Johannes, mit Posaunen ruf das Volk
Der Stadt hierher, und auf dem Wege sprich
Mit tausend Feuerzungen zu dem Volk –

Jonathan. Herr –

Juda (bittend).       Fort.

Johannes.                       Bedenke –

Juda.                                                  Erst helft mir's vollbringen
Dann widerratet – dann will ich bedenken.

Jonathan Johannes ab.

Lea (zu Eleazar). Siehst du die Augen glühn? den Atem stocken?
Die Fäuste, die sich unwillkürlich ballen?
Die Hände, die nach Waffen in der Luft
Schon suchend greifen, eh' der Kopf noch weiß,
Wozu? Nur eines Wort's bedarf's,
Das diesem Zorn, der nach dem Ausdruck ringt
Und ihn nicht finden kann, die Zunge leiht,
Den dumpfen Drang sich selbst verstehen lehrt –
Und hingerissen sind sie wie im Sturm
Über sich selbst aus dem gewohnten Dulden
Zu einer That, die kein Besinnen un-
Gethan mehr machen kann und schwanker Reu'
Den Weg abschneidet, je zurückzukehren;
Und was nicht Mut, das wird Verzweiflung enden.
Der Herr hat selbst den Augenblick gesandt.
Groß sollst du sein durch dich, nicht durch die Gunst
Des Syriers; du sollst der Frommen Zweifel
An dir beschämen, sollst –

Eleazar.                                     Doch denkst du auch,
Israel ist der Saum nur am Gewand
Des Syriers? ein Nichts vor seiner Macht?
Dem Syrier gehorcht die Welt. Und nur
Der Alte ist's, der uns bedräut. Und wird
Er ewig leben? Ein Gewitter braust er
Vorbei, und heitre Tage bringt sein milder Sohn.

Gorgias. Schon wendet thränenschwer ihr mildes Antlitz
Die Gnade. Einmal noch winkt ihre Hand.

Nikanor. Weh' euch, weicht sie dem Zorn, eh' ihr gehorchtet!

Simei (der sich lebhaft mit den Seinen beratet).
Was thu' ich?

Amri.                     Folg' dem Syrier, so bewahrst du
Des Volkes Leben vor Verderben; so
Hebst du dein Haus vor Mattathias' Haus.

Boas. Demütig beug' dich vor des Herren Hand,
In der der Syrier nur die Rute ist.

Simei. Der Mensch will leben, wenn er sonst nichts will!

Gorgias. Vollendet steht der Altar; hebt das Bild,
Das segenbringende, der Göttin drauf!

Jojakim (sich wegwendend, das Gesicht ins Gewand verhüllt. Viele thun desgleichen).
Das Auge müsse nie das Heilige
Mehr schaun im Tempel zu Jerusalem,
Das diesen Greul gesehn!

Mattathias.                               Herr, schlag mein sterbend Aug'
Mit Blindheit!

Gorgias.                 Jammert keinen dieser Stadt
Verderben, daß er opfre, sie zu retten?

Nikanor. So hört, ihr Rasenden: Wer noch von nun
Israels alten Gott verehrt, muß sterben!
Wer unsers Königs Götter höhnt, muß sterben!

Lea. Noch immer wählst du?

Eleazar (kämpfend)               Wo willst du mich
Hinreißen!

Juda.                 Halt! o halt an dich, mein Herz!

Nikanor. Wenn nicht von diesem Altar Opferduft,
Von einem dieser Stadt entzündet, steigt,
Eh' dieses Stundenglases Sand verrann,
Soll von Antiochus und seiner Rache
Die Stätte pred'gen bis zum End' der Zeiten,
Das Stoppelfeld vom abgehaunen Trotz,
Und fern im Schweiß vor des Ägypters Pflug
Die Witwen euch der Knechtschaft Sonne sengen.

Juda (für sich) Herr Zebaoth, laß keinen ihm gehorchen!
O Waffen! Waffen! Eil dich, Jonathan!

Simei (sich Gorgias nähernd).
Halt ein!

Juda (ihm in den Weg).
                Was willst du?

Simei.                                       Opfern will ich, retten!

Juda. Verderben! – Und mein eigner Ohm! Herr, halt ihn
Zurück. Soll einer gehn, so sei's ein andrer!

Simei. Geh aus dem Weg mir.

Juda.                                       Herr, ich fleh' dich, geh' nicht!

Amri. Was will der Thor? Geh, Herr, wer darf dich hindern?

Juda. Ich. – So wahr Gott lebt, leben soll der nicht,
Der geht, um diese Bubenthat zu thun.

(Die Simeiten stehen unentschlossen.)

Lea (zu Eleazar). Siehst du sie zagen? Was ein Mann vermag!
Und kannst es tragen, daß du keiner bist?

Eleazar (kämpfend für sich).
Ihm nachthun? – Eher trag' ich Vaterfluch,
Eher vergäß' ich Volk und Gott! Er soll
Der Erste wieder sein, und Eleazar –

Nikanor. So wählt ihr eurer Stadt und eu'r Verderben –

Simei. Du hörtst den Drohenden –

Gorgias.                                       Antiochus
Vermag nicht, den Gehorsam zu beschützen?
Umgebt ihn schirmend, Krieger, der dem Altar
Gehorchend naht –

Nikanor.                         Und haut den Rasenden,
Der ihn zu schrecken wagt, in Stücke!

Naemi (zwischen Juda und Simei, indem die Krieger mit Doppelreihen eine Gasse zu dem Altar bilden).
                                                            Herr,
Geh' nicht. Sieh meine Angst! Geh' nicht, mein Ohm!
O hör' Naemis Stimme! Wenn du gehst,
Wer kann dann wissen, wo es endet? Hör' mich!
Und hör' auch du mich, Herr! (Sie sinkt Juda ohnmächtig in die Arme.)

Juda.                                               Hör' sie!

Simei.                                                               Hör' du sie!

Juda. Dein eigner Ohm verwirft dich, armes Weib.
Geh – (Er wirft sie Simon zu.)

Simei.         Herr, ich gehe schon –

Juda.                                               In dein Verderben!

Mattathias. Ein Jude geht! So nimm mich zu dir, Herr!

Simei. Laß deinen Diener Gnade finden, Herr;
Wenn er will opfern – wie vollendet er's?
Nie sah er einen deines Glaubens opfern.

Gorgias. Knie hinter den Altar und heb' die Hände.

Amri, Aaron, Boas. Er kniet. Gesegnet, der das Volk errettet!

Jojakim (gleichzeitig; sich krümmend).
Thut Buße! Seine Hand ist ausgereckt!

Juda. (gleichzeitig) So sei sein Blut auf ihm! Ich kann nicht anders.

Gorgias. Nun heb' die Augen zu der Göttin auf,
Dann bete für dein Volk –

Juda (hineilend, durch die Doppelreihe der Krieger brechend).
                                          Bete für dich,
Abtrünniger! So eiferte Pinehas
Für das Gesetz des Herrn –
(Er hat einem Krieger das Schwert ans der Scheide gerissen und ersticht Simei, der hinter den Altar fällt; dann zerstört er mit den Füßen den Altar.)

Simei (sinkend).                             Ich sterbe.

(Einen Augenblick Stille der Überraschung.)

Amri (auf Juda zu, von dessen Blick auf halbem Wege festgebannt).
                                                                    Nieder mit
Dem Mörder!

Eleazar (der Juda einige Schritt nacheilt, kann jetzt erst sprechen).
                          Was thust du?

Nikanor (vor Überraschung einen Schritt zurückgetreten; die Krieger sind vor Juda auf die Seite gewichen).
                                                    Was unterfängst du dich?
Verwegener!

Juda (hat die Statue heruntergeworfen, daß sie zerbrach; mit einem Fuß auf der Statue stehend, das Schwert in der Rechten über seinem Haupte schwingend. Posaunen in der Scene immer näher, in die folgenden Reden).
                        Der Herr ist Gott allein,
Der Herr, der war, der ist, der ewig sein wird,
Israels Gott, er, der lebend'ge Gott,
Der Gott, der nicht von Menschenhand gemacht,
Der Mächt'ge, der auf Feuersäulen wandelt,
Und alle Himmel beben, wenn er schilt,
Er spricht: Ich bin dein Gott, und sonst ist's keiner!
Anbeten sollst du keinen Gott als mich. –
Was ich mich unterfange, fragst du, Heide?
Ich setze meinen Fuß auf deinen Gott.
Er liegt zertrümmert. Wo ist seine Macht?
Kann er sich selbst nicht helfen, und soll's euch?
O arme Beter, ärmrer Gott!

Nikanor.                                     Zu lang
Schon dulden wir des Buben Schmähn. Greift ihn!
Reißt ihn in Stücke!

Juda.                                 Volk von Israel,
Ich bin ein Einzelner. Was bäumt denn diese
Zurück unsichtbar? Überfüllt ihr Auge
Mit Schrecken, der die ehrnen Arme lähmt?
Das ist der Gott Jehovah Zebaoth,
Der mich umkreist mit seines Fittichs Schrecken.
Er will's! der Herr will's! Wenn der Herr es will,
Wer widerstrebt?

Jojakim.                       Er will's!

Simon, Issaschar, Usiel.               Er will's! Er will's!

Volk (anwachsend).
Er will's! Der Herr will's! Ja, er will's! er will's!

Nikanor. Auf, Krieger.

Juda.                             Heran, ihr Götzenknechte, kommt!
Ich bin ein Einzelner; was zagt ihr denn?
Ich höhne eure Götter, – kommt heran!
Ich diene noch dem alten Gotte Jakobs,
Dem Gotte, der sein Volk erretten wird.
Er schüttelt meinen Arm, und bleicher Tod
Fällt von ihm nieder wie die Frucht vom Baum,
Und Jammer rauscht wie Hagel von ihm nieder!

Volk (immer naher drängend).
Er will's!

Usiel.               Bringt Waffen!

(Es werden von hieran Waffen auf einen Haufen zusammengetragen, die das Volk aufrafft, sich zu bewaffnen.)

Volk.                                         Waffen! Waffen! Waffen!

Nikanor. Scheucht ein Verrückter euch den Mut davon?
Greift ihn! Ha, Schande! Seid ihr Krieger? Seid
Ihr Buben? Muß ich selber euch beschämen?

Volk (während die, die schon Waffen aufgerafft, sich um Juda scharen).
Ha, Waffen! Waffen! Steht zu ihm! Gott will's

Jonathan, Johannes, Priester mit Posaunen, Volk.

Gorgias (Nikanor mit Gewalt zurückhaltend).
Wirfst du umsonst dein Leben hin?

Nikanor.                                                 Schmach! Schmach!

Gorgias. Die Schmach zu tilgen, laß uns leben.

Nikanor.                                                             Und
Es kommt der Tag!

Juda.                               Ihr geht?

Gorgias.                                         Ja, doch wir kehren
Mit Hunderttausend.

Juda.                               Gott allein ist Tausend
Mal Tausend!

Nikanor.               Bebt dem Zorn Antiochus'!

Juda. Er soll nur kommen, soll nur holen seinen
Zerbrochnen Gott!

Gorgias.                       Du spottest bald nicht mehr.

Nikanor. Jetzt höhnst du, doch du bebst einst, wenn wir kehren.

Juda. Vor Lust, ja, wie ein Baum im Regen bebt.

(Die Syrier in's Thal hinab, ab. Boas, Aaron, Amri tragen Simeis Leiche, Weh und Rache rufend, nach ihren Häusern zu.)

(Bis zu Ende des Aktes Waffenbringen und Waffnen, wobei Frauen und Kinder helfen, Abschiednehmen, immer noch Zuströmen des Volkes und näher und ferner Posaunen und der Ruf: Er will's! in der Scene.)

Jojakim (von einigen aus dem Volke gefolgt, hinter den Syriern her).
Laßt sie nicht fliehn! Ergreift sie! Tötet sie!

Eleazar (will ihn halten).
Unsinnige! Ruft sie zurück –

Juda.                                             Weh' dem,
Der meine Boten an den König kränkt!

(Sie gehorchen ihm; er reißt seinen Mantel ab und in Stücke, die er den Nächststehenden zuwirft, die damit, nachdem sie nach seinem Gebote gethan, abgehen.)

Taucht diese Stücke in des Frevlers Blut,
Tragt sie durchs Land, mit lauter Stimme rufend:
So that der Juda dem Abtrünnigen.
Wer denkt wie er, der sammle sich zu ihm.
In Judas Felsenwüste harrt der Aar,
Bis ihm zum Flug die starken Schwingen wachsen.
Johannes bleibt euch, Frauen von Modin,
Der Herr und dieser Felsenfeste Schutz.
Nun, Männer, reißt das Liebste von dem Herzen,
Denn wen der Herr erwählt, den will er ganz.

Lea. Hört Mattathias, denn der Geist des Herrn
Ist über ihm.

Mattathias (mit Hilfe der nächsten stehend).
                      Juda, mein Sohn! mein Herz
Dröhnt wie die Harfe unter Spielers Hand.
Der Herr rührt mich mit seinem Jubel an,
Daß ich erzittre wie das Blatt im Sturm,
Und klinge, wie der Harfe Saiten klingen.
Zeuch hin, mein Juda, Streiter Gottes, zeuch!
(Juda kniet vor ihm; der Alte legt seine Hände auf Judas Haupt.)
Er schickt den Sieg vor deinen Scharen her.
Folgt ihm, ihr Söhne, den Sein Atem treibt,
So wie ihr Juda folgt, folgt euch mein Segen,
Doch wer von Juda läßt, der sei verflucht!

(Eleazar, der sich von der ihn zurückhaltenden Lea losgemacht und reden wollend sich ihm genähert, wankt einen Schritt zurück.)

Du hast mir deinen Retter noch gezeigt –

Eleazar. Laß mich! Herr, stirb nicht, bis du mich gehört –

Mattathias. Nun laß, Herr, deinen – Diener ziehn in –
(Er stirbt.)

Juda (kniend über ihn gebeugt).                                       Frieden
Mit dir, mein Vater!

Lea.                                 Fliehst du?

Eleazar.                                             Muß ich nicht?
Treibt mich sein Fluch nicht fort und euer Eifer? (für sich)
Den ich verdienen muß, da er mich traf. –
Das Volk zu retten kehr' ich einst, das ihr
Verderbt –

Juda (aufstehend). Und ewigen Haß dem Syrier,
Und uns nicht Ruh', eh' uns der Sieg sie gönnt!

(Usiel reicht ihm eine Lanze und einen Helm.)

Eleazar (zu Lea). Es kommt der Tag, da ich dich fragen komme:
Ist Juda noch der Größere?

Juda (setzt den Helm auf).             Nun tönt,
Posaunen, in das Kriegsgeschrei: Er will's!

Die Bewaffneten (sich rangierend).
Er will's! Der Herr will's!

Juda (hebt den Speer).                 Schwert des Herrn und Juda!

(Posaunen; die Gewaffneten, Juda, Simon, Jonathan, Usiel an der Spitze, ab; Eleazar reißt sich von Lea los und eilt den Felsweg hinab; indem die Zurückbleibenden Anstalt machen, Mattathias' Leiche aufzuheben, fällt der Vorhang.)

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