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Die lustigen Weiber von Windsor

William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor - Kapitel 8
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleDie lustigen Weiber von Windsor
pages333-335
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweite Szene

Zimmer im Gasthofe zum Hosenbande

Falstaff und Pistol treten auf

Falstaff.
Ich leih dir keinen Deut.

Pistol.
Dann ist die Welt mein' Auster,
Die ich mit Schwert will öffnen. –

Falstaff.
Nicht einen Deut. Ich habe nachgegeben, Bursch, daß du meine Autorität als Pfand gebraucht hast; ich habe meine guten Freunde molestiert, um eine dreimalige Frist für dich und deinen Nebengaul Nym zu ergattern, sonst hättet ihr durchs Gatter gucken müssen wie ein Zwillingsgestirn von Pavianen. Ich bin schon zur Hölle verdammt, weil ich ein paar Kavalieren und guten Freunden zugeschworen habe, Ihr wärt brave Soldaten und tüchtige Burschen; und als Frau Brigitte ihren Fächerstiel verlor, da nahm ich's auf meine Ehre, du hättest ihn nicht.

Pistol.
Halbiert ich's nicht? Nahmst du nicht fünfzehn Pence?

Falstaff.
Und das mit Recht, du Schurke, ganz mit Recht. Denkst du, ich werde meine Seele gratis in Gefahr geben? Mit einem Wort, hänge dich nicht mehr an mich, ich bin dein Galgen nicht. Fort! Ein kurzes Messer und ein Gedränge: – fort, auf deinen Rittersitz nach Pickt-hatch, fort! du willst mir keinen Brief bestellen, du Schuft? du trumpfst auf deine Ehre? Ei du unermeßliche Niederträchtigkeit! Es geschieht ja alles, was ich tue, um die Grenzen meiner Ehre aufs schärfste abzumarken. Ich, ich, ja ich selber, die Furcht Gottes linker Hand liegen lassend, und meine Ehre in mein Bedürfnis einhüllend, muß mich zuweilen zu Praktiken, zu Prellereien und Hinterhalten entschließen; und dennoch willst du Schurke noch deine Lumpen, deine wilden Katzenblicke, deine Bierhausphrasen und deine Karrnschieberflüche unter dem Schirmdach deiner Ehre verschanzen? Du willst es nicht tun, du?

Pistol.
Ich hege Reu, was willst du mehr vom Mann?

Robin kommt.

Robin.
Herr, hier ist eine Frau, die mit Euch sprechen möchte.

Falstaff.
Führ sie herein.

Frau Hurtig kommt.

Frau Hurtig.
Einen schönen guten Morgen, mein gnädiger Herr.

Falstaff.
Guten Morgen, meine liebe Frau!

Frau Hurtig.
Nicht so, mit Euer Gnaden Verlaub –

Falstaff.
Also meine liebe Jungfer.

Frau Hurtig.
Das will ich beschwören, wie meine Mutter war in der Stunde, da ich zur Welt kam.

Falstaff.
Wer schwört, dem glaub ich. Nun, was bringst du mir?

Frau Hurtig.
Soll ich Euer Gnaden wohl ein paar Worte vorzutragen geruhen?

Falstaff.
Ein paar tausend, schönes Kind, und ich werde dich anzuhören geruhn.

Frau Hurtig.
Da ist eine gewisse Frau Fluth, Herr; ich bitte tretet ein wenig näher hieher – ich selbst wohne beim Herrn Doktor Cajus –

Falstaff.
Gut, weiter; Frau Fluth, sagt Ihr? –

Frau Hurtig.
Da haben Euer Gnaden ganz recht; ich bitte Euer Gnaden, kommt ein wenig näher auf diese Seite.

Falstaff.
Ich versichere dich, niemand hört uns, meine eignen Leute, meine eignen Leute.

Frau Hurtig.
Sind sie das? Der Himmel segne sie und mache sie zu seinen Dienern.

Falstaff.
Nun, Frau Fluth, was ist's mit der?

Frau Hurtig.
Ach Herr, sie ist ein gutes Geschöpf. Liebster Himmel, Euer Gnaden sind ein Schalk; nun, Gott verzeih es Euch und uns allen, darum bitt ich! –

Falstaff.
Frau Fluth – nun also, Frau Fluth –

Frau Hurtig.
Ei nun, da habt Ihr das Kurze und das Lange davon. Ihr habt sie in solche Bastion gebracht, daß es ein Wunder ist. Der beste Hofkavalier von allen, als der Hof in Windsor rezitierte, hätte sie nicht so in Bastion gebracht! Und da gab's doch Ritter und Lords und Edelleute mit ihren Kutschen, das versichre ich Euch, Kutsche auf Kutsche, Brief auf Brief, Geschenk auf Geschenk, und rochen so süß – (von lauter Bisam), und rauschten, ich versichr Euch, in Gold und Seide; und in so alikanten Ausdrücken, und mit Wein und Zucker von den besten, allerschönsten Sorten, daß es Euch jedes Frauenzimmer gewonnen hätte; und doch, das versichr ich Euch, konnten sie nie auch nur einen Augenwink von ihr erhalten. Mir haben sie selbst noch diesen Morgen zwanzig Engel gegeben, aber ich biete allen Engeln Trotz, wenn sie so was im Sinne haben, und wenn's nicht in allen Ehren sein kann; und das versichr ich Euch, nicht einmal so weit konnten sie's bringen, daß sie mit dem vornehmsten von ihnen auch nur aus einem Becher genippt hätte; und doch gab's da Grafen und, was noch mehr sagen will, Offiziere von der Leibgarde; aber das versichr ich Euch, bei ihr ist das alles einerlei.

Falstaff.
Aber was sagt sie von mir? Faßt Euch kurz, meine liebe Frau Merkur.

Frau Hurtig.
Ei nun, sie hat Euern Brief erhalten, für welchen sie Euch tausend Dank sagen läßt; und sie läßt Euch zu wissen tun, daß ihr Mann nicht zu Hause sein wird zwischen zehn und elf.

Falstaff.
Zehn und elf! –

Frau Hurtig.
Ja wahrhaftig, und dann könntet Ihr kommen und das Gemälde besehn, sagt sie, Ihr wüßtet schon; Herr Fluth, ihr Mann, wird nicht zu Hause sein. Ach! das liebe Weibchen führt ein schlimmes Leben mit ihm; er ist ein recht jalouser Mann; sie führt ein recht poltriges Leben mit ihm, das gute Herzchen.

Falstaff.
Zehn und elf! Frau, empfiehl mich ihr, ich werde nicht ausbleiben.

Frau Hurtig.
Nun, das ist schön; aber ich habe noch eine andre Konfession an Euer Gnaden auszurichten. Frau Page läßt sich Euch gleichfalls von Herzen empfehlen; und, das muß ich Euch ins Ohr sagen, die ist eine solche annette und repetierliche hübsche Frau, und eine, das sage ich Euch, die da weder ihren Morgen- noch ihren Abendsegen versäumt, wie's nur eine in Windsor gibt, wer sie auch sein mag; und die trug mir auf, Euer Gnaden zu sagen, daß ihr Mann selten außer Hause sei; aber sie hofft, es wird schon eine Zeit kommen. Ich habe nie eine Frau so versessen auf einen Mann gesehn; weiß Gott, ich glaube, Ihr müßt hexen können, gelt? Ja wahrhaftig! –

Falstaff.
Nicht doch, das versichre ich dir; die Anziehungskraft meiner edlen Eigenschaften beiseit gesetzt, weiß ich von keiner Hexerei.

Frau Hurtig.
Dafür segne Euch der Himmel!

Falstaff.
Aber sag mir doch, haben Frau Fluth und Frau Page es einander gesagt, daß sie in mich verliebt sind?

Frau Hurtig.
Das wär ein Spaß, meiner Treu! So dumm sind sie doch nicht, hoff ich. Das wär ein Streich, wahrhaftig! Aber Frau Page läßt Euch bitten, um alles, was Euch lieb ist, Ihr möchtet ihr Euern kleinen Pagen schicken; ihr Mann hat eine ganz aparte Infektion für den kleinen Pagen, und wahrhaftig, Herr Page ist ein rechtschaffner Mann. Da ist weit und breit in Windsor keine Frau, die ein beßres Leben führt; sie tut, was sie will, sagt, was sie will, nimmt alles ein, bezahlt alles, geht zu Bett, wenn's ihr gefällt, steht auf, wenn's ihr gefällt, alles ganz wie sie will; und wahrhaftig, sie verdient es; denn wenn es eine liebe Frau in Windsor gibt, so ist sie eine. Ihr müßt ihr Euern Pagen schicken, da hilft nichts vor.

Falstaff.
Nun, das will ich auch.

Frau Hurtig.
Nun gut, so schickt ihn ihr; und seht Ihr, der kann nachher zwischen euch beiden ab und zu gehn, und kann auf alle Fälle sein Parolwort haben, daß ihr eins des andern Gedanken erfahrt und der Junge doch nichts zu verstehn braucht; denn es ist nicht gut, wenn die Kinder von solcher Gottlosigkeit was wissen; alte Leute, wißt Ihr wohl, sind dressiert, wie man zu sagen pflegt, und kennen die Welt.

Falstaff.
Gehab dich wohl; empfiehl mich beiden; da ist meine Börse; ich bleibe noch dein Schuldner. Bursch, geh mit dieser Frau; – die Neuigkeit setzt mich in Ekstase! –

(Frau Hurtig und Robin ab.)

Pistol.
Dies Jachtschiff dient wohl in Cupidos Flotte.
Mehr Segel her! setz nach! Das Schießzeug auf;
Gib Feur; die Pris' ist mein, sonst, Meer, verschling sie all!

(Pistol geht ab.)

Falstaff.
Siehst du nun, alter Hans, nur immer vorwärts! Ich will deine alte Figur mehr in Ehren halten, als ich bisher getan. Schielen sie noch nach dir? Willst du, nachdem du soviel Geld verzehrt, auch einmal etwas verdienen? Ich danke dir's, meine wackre Figur; laßt sie immer sagen, ich mach es zu grob; wenn's nur mit guter Manier geschieht.

Bardolph tritt auf.

Bardolph.
Sir John, da unten steht ein gewisser Herr Bach, der möchte euch gern sprechen und Eure Bekanntschaft machen, und hat Euer Gnaden einen Morgentrunk Sekt geschickt.

Falstaff.
Bach ist sein Name?

Bardolph.
Ja, Herr.

Falstaff.
Ruf ihn herein. (Bardolph geht.) Solche Bäche heiß ich willkommen, die von solchen Wellen überströmen! – Aha, Frau Fluth und Frau Page, habe ich euch im Netz? Viktoria! Via! –

Bardolph kommt zurück mit Fluth, der sich verkleidet hat.

Fluth.
Gott grüß Euch, Sir.

Falstaff.
Und Euch, Sir. Wollt Ihr mich sprechen?

Fluth.
Ich bin so dreist, mich ohne viel Umstände Euch aufzudrängen.

Falstaff.
Ihr seid willkommen. Was ist Euer Begehren? Laß uns allein, Küfer.

(Bardolph ab.)

Fluth.
Sir, ich bin ein Mann, der viel durchgebracht; mein Name ist Bach.

Falstaff.
Lieber Herr Bach, ich wünsche Eure nähere Bekanntschaft.

Fluth.
Werter Sir John, ich bitte um die Eurige; nicht um Euch zur Last zu fallen, denn ich muß Euch bemerken, daß ich glaube, besser imstande zu sein, Geld auszuleihen, als Ihr; und das hat mich einigermaßen dreist gemacht, Euch so zur Unzeit heimzusuchen. Denn, wie man sagt, wo Geld vorangeht, sind alle Wege offen.

Falstaff.
Geld ist ein guter Soldat, mein Herr, und macht sich Bahn.

Fluth.
Sehr wahr; und hier habe ich einen Beutel mit Geld, der mir beschwerlich ist. Wenn Ihr ihn mir wollt tragen helfen, Sir John, so nehmt ihn ganz oder halb dafür, daß Ihr mir die Last erleichtert.

Falstaff.
Sir, ich weiß nicht, wie ich dazu komme, Euer Lastträger zu sein? –

Fluth.
Ich will's Euch sagen, Sir, wenn Ihr mich anhören wollt.

Falstaff.
Redet, lieber Herr Bach, ich werde mich glücklich schätzen, Euch zu dienen.

Fluth.
Sir, ich höre, Ihr seid ein Gelehrter – (ich will mich kurz fassen) – und Ihr seid ein Mann, den ich lange gekannt habe, obgleich ich weniger die Gelegenheit als den Wunsch hatte, mir Euern Umgang zu verschaffen. Ich werde Euch eine Sache entdecken, bei der ich meine eigne Schwachheit sehr oft an den Tag legen muß; aber, lieber Sir John, indem Ihr Euer eines Auge auf meine Torheit richtet, wenn ich sie vor Euch aufdecke, lenkt das andre auf das Register Eurer eignen, damit ich um so leichter mit meinem Verweise durchkommen möge, als Ihr selbst wißt, wie leicht es sei, in solche Fehler zu fallen.

Falstaff.
Sehr gut, mein Herr; fahrt fort.

Fluth.
Es wohnt eine Frau hier im Ort; ihr Mann heißt Fluth.

Falstaff.
Wohl, Herr.

Fluth.
Ich habe sie lange geliebt, und, ich beteure Euch, viel auf sie gewandt; bin ihr mit der zärtlichsten Aufmerksamkeit gefolgt; habe mir Gelegenheiten geschafft, sie zu treffen; jeden geringen Anlaß mit Unkosten erspäht, wo ich sie, wenn auch nur obenhin, sehen konnte; habe nicht nur manches Geschenk für sie gekauft, sondern manchem reichlich gegeben, nur um zu erfahren, was sie gern geschenkt hätte; kurz, ich habe sie verfolgt, wie mich die Liebe verfolgt hat, das heißt, auf dem Fittich aller Gelegenheiten. Was ich aber auch verdienen mochte, sei's durch meine Leidenschaft, sei's durch meinen Aufwand – Lohn, weiß ich gewiß, habe ich keinen erhalten, man müßte denn Erfahrung ein Kleinod nennen, die habe ich mir zu unerhörtem Preise erstanden, und von ihr habe ich diesen Spruch gelernt:

    «Wie Schatten flieht die Lieb, indem man sie verfolgt;
    Sie folgt dem, der sie flieht, und flieht den, der ihr folgt.»

Falstaff.
Habt Ihr denn von ihr gar kein Versprechen der Erhörung erhalten?

Fluth.
Niemals.

Falstaff.
Habt Ihr auch nicht in solcher Absicht in sie gedrungen?

Fluth.
Niemals.

Falstaff.
Von welcher ganz besondern Art war denn also Eure Liebe?

Fluth.
Wie ein schönes Haus auf fremdem Grund errichtet, so daß ich mein Gebäude eingebüßt habe, weil ich einen unrechten Platz wählte, es aufzuführen.

Falstaff.
Und zu welchem Ende entdeckt Ihr mir das alles?

Fluth.
Wenn ich Euch das gesagt habe, so habe ich Euch alles gesagt. Man versichert mich, daß, obgleich sie gegen mich sehr ehrbar tut, sie anderswo in ihrer Munterkeit so weit geht, daß daraus die schlimmste Nachrede entsteht. Nun, Sir John, hier habt Ihr den eigentlichen Kern meines Gesuchs. Ihr seid ein Kavalier von trefflicher Erziehung, von bezaubernder Wohlredenheit, von großen Verbindungen, angesehn durch Rang und Persönlichkeit und überall gepriesen für Eure mannigfachen Verdienste als Krieger, als Hofmann und als Gelehrter.

Falstaff.
Oh, mein Herr! –

Fluth.
Glaubt es, denn Ihr wißt es. – Hier ist Geld; verwendet es; verwendet noch mehr, verwendet alles, was ich habe, nur schenkt mir dafür soviel von Eurer Zeit, als Ihr bedürft, um einen verliebten Angriff auf die Tugend der Frau Fluth zu unternehmen. Gebraucht Eure Überredungskunst, gewinnt sie, Euch zu erhören; wenn's irgend jemand vermag, vermögt Ihr's eher als einer.

Falstaff.
Würde denn das der Heftigkeit Eurer Neigung zusagen, wenn ich erhielte, was Ihr zu besitzen wünscht? Mir scheint, Ihr verschreibt Euch ein sehr widersprechendes Mittel.

Fluth.
Oh, versteht nur, worauf ich ziele. Sie fußt so zuversichtlich auf die Reinheit ihrer Ehre, daß die Torheit meines Herzens sich nicht zu zeigen wagt; sie glänzt zu hell, als daß man ihr ins Auge sehn dürfte. Könnte ich nun mit irgendeiner Entdeckung zu ihr treten, so hätten meine Wünsche Beispiel und Beweggrund, sich ihr zu empfehlen; ich könnte sie dann aus der Verschanzung ihrer Keuschheit, ihres Rufs, ihres ehlichen Gelübdes und tausend andrer Schutzwehren heraustreiben, die jetzt zu mächtig wider mich streiten. Was sagt Ihr dazu, Sir John? –

Falstaff.
Herr Bach, ich will für's erste so frei sein, Euer Geld zu nehmen; sodann gebt mir Eure Hand; und endlich, so wahr ich ein Edelmann bin, Fluths Frau sollt Ihr, wenn Ihr es wollt, besitzen.

Fluth.
Oh, werter Sir! – –

Falstaff.
Herr Bach, ich sage, Ihr sollt.

Fluth.
Am Gelde, Sir John, am Gelde soll's nicht fehlen.

Falstaff.
An der Frau Fluth, Herr Bach, an der Frau Fluth soll's nicht fehlen. Sie hat mich selbst, daß ich's Euch nur sage, schon zu sich bestellt; eben als Ihr zu mir kamt, ging ihre Gehilfin, ihre Zwischenträgerin, von mir weg; ich sage Euch, ich werde mich bei ihr einfinden zwischen zehn und elf, denn um diese Zeit wird ihr Mann, der eifersüchtige, verdammte Kerl, nicht zu Hause sein. Kommt heut abend zu mir; Ihr sollt hören, wie mir's gelingt.

Fluth.
Eure Bekanntschaft ist ein wahrer Segen für mich. Kennt Ihr diesen Fluth, Sir?

Falstaff.
Zum Henker mit dem armen Teufel von Hahnrei! Ich kenne ihn nicht; indes, ich tue ihm Unrecht, wenn ich ihn arm nenne; man sagt, der eifersüchtige behornte Kerl hat ganze Haufen Gold; und darum kommt mir seine Frau auch hübsch vor. Sie soll mir der Schlüssel zu des Hahnreis Geldkasten sein, dort will ich mein Erntefest halten.

Fluth.
Ich wollte, Ihr kenntet Fluth, damit Ihr ihm ausweichen könntet, wenn Ihr ihn sähet.

Falstaff.
Zum Henker mit dem spießbürgerlichen Hökerkerl! – Ich will ihn mit meinen Augen durchbohren, daß er von Sinnen kommen soll; ich will ihn in Respekt erhalten mit meinem Prügel; wie ein Meteor soll der über des Hahnreis Hörnern schweben; – ja, Herr Bach, du sollst's erleben, ich triumphiere über den Flegel, und du schläfst bei seiner Frau. Komm nur gleich auf den Abend zu mir; Fluth ist ein Schuft, und ich will seine Titel noch weitläufiger machen; du, Herr Bach, sollst ihn als Schuft und Hahnrei begrüßen. Komm nur gleich heut abend zu mir. (Geht ab.)

Fluth.
Was für ein verdammter epikureischer Schurke das ist! Mein Herz möchte vor Ungeduld zerspringen. Wer will nun noch sagen, dies sei unzeitige Eifersucht? Meine Frau hat zu ihm geschickt, die Stunde ist bestimmt, der Handel geschlossen; – wer hätte so etwas denken sollen! Da seht, welche Hölle es ist, ein falsches Weib zu haben! Mein Bett soll entehrt, meine Koffer gebrandschatzt, mein guter Name zernagt werden; und nicht genug, daß ich diese nichtswürdige Kränkung erdulde, soll ich mich noch mit den verruchtesten Benennungen schelten lassen, und zwar von ebendem, der mir diesen Schimpf antut. Und welche Namen! welche Titel! Amaimon klingt gut, Luzifer gut, Barbason gut, und doch sind es Teufelstitulaturen, die Namen böser Geister; aber Hahnrei? Hörnerträger? Der Teufel selbst führt nicht solche Namen. – Page ist ein Esel, ein sorgloser Esel; er verläßt sich auf seine Frau; er weiß nichts von Eifersucht. Lieber will ich einem Holländer meine Butter, Pfarrer Hugh, dem Walliser, meinen Käse, einem Irländer meine Aquavitflasche und einem Diebe meinen Wallach, den Paßgänger, zu reiten anvertrauen, als meine Frau sich selbst. Da kabaliert, da sinnt und grübelt sie – und was sie in ihrem Herzen beschließen, das müssen sie ausführen, und sollte ihr Herz darüber brechen, sie müssen's ausführen. Dem Himmel sei Dank für meine Eifersucht! Um elf ist die Stunde; ich will dem Dinge zuvorkommen, mein Weib entlarven, mich an Falstaff rächen und Page auslachen. Gleich will ich daran; besser drei Stunden zu früh, als eine Minute zu spät! – Pfui, pfui, pfui! – Hahnrei, Hahnrei, Hahnrei! – (Geht ab.)

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