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Die lustigen Weiber von Windsor

William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor - Kapitel 6
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleDie lustigen Weiber von Windsor
pages333-335
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierte Szene

Im Hause des Doktor Cajus

Frau Hurtig, Simpel und John Rugby treten auf

Frau Hurtig.
He, John Rugby! Sei so gut, geh ans Fenster und sieh, ob du meinen Herrn kommen siehst, Herrn Doktor Cajus: wenn er kommt und findet jemand im Hause, so wird er des lieben Gottes Geduld und des Königs Englisch einmal wieder schön zurichten.

Rugby.
Ich will gehn und aufpassen. (Rugby ab.)

Frau Hurtig.
Geh; wir wollen auch einen Nachttrunk dafür zusammenbrauen, wenn's mit dem Steinkohlenfeuer zu Ende geht. – Ein ehrlicher, williger, guter Bursch, wie nur je einer einen Dienstboten im Hause verlangen kann; und das muß ich sagen, kein Plappermaul und kein Händelmacher: sein schlimmster Fehler ist, daß er so erpicht aufs Beten ist; in dem Stück ist er ein bißchen wunderlich; aber wir haben alle unsre Fehler. – Nun, das mag so hingehn. – Peter Simpel, sagt Ihr, ist Euer Name?

Simpel.
Ja, in Ermanglung eines bessern.

Frau Hurtig.
Und Herr Schmächtig ist Euer Herr?

Simpel.
Ja, meiner Treu.

Frau Hurtig.
Trägt er nicht einen großen runden Bart, wie eines Handschuhmachers Schabmesser?

Simpel.
Ei bewahre, er hat nur so ein kleines, dünnes Gesichtchen mit einem kleinen gelben Bart; ein zimtfarbnes Bärtchen.

Frau Hurtig.
Ein friedfertiger, tranquiller Mann, nicht wahr?

Simpel.
Ja, das ist er – aber dabei ist er mit seinen Fäusten so bei der Hand, als nur irgendeiner zwischen seinem und meinem Kopf: er hat sich einmal mit einem Flurschützen geprügelt.

Frau Hurtig.
Was Ihr sagt! Ach, nun besinne ich mich auf ihn: Wirft er die Nase nicht, sozusagen, in die Luft? – und spreizt sich, wenn er geht?

Simpel.
Ja, mein Seel, das tut er.

Frau Hurtig.
Nun, der Himmel beschere Annchen kein schlimmeres Glück. Sagt dem Herrn Pfarrer Evans, ich werde für seinen Herrn tun, was ich kann; Anne ist ein gutes Mädchen, und ich wünsche –

Rugby kommt wieder.

Rugby.
Ach, Herrje! da kommt mein Herr! –

Frau Hurtig.
Nun wird es über uns alle hergehn. Lauft hier hinein, lieber junger Mensch, geht in dies Kabinett. (Sie schiebt Simpel ins Kabinett.) Er wird nicht lange bleiben. – He, John Rugby! John! he, John, sag ich! Geh, John, und frage nach deinem Herrn; ich fürchte, es ist ihm was zugestoßen, daß er nicht heimkommt. (Singt.) Tralldaldera! tralldaldera!

Doktor Cajus kommt.

Cajus.
Was singen Ihr da? Ik nik lieben solken Poß: – ik bitten, geht und 'ohlen mik in meine Kabinett un boîtier vert, einen Büchs, einen grünen Büchs – Entendez-vous?

Frau Hurtig.
Jawohl, ich werd's Euch holen. Ich bin froh, daß er nicht selbst hineingeht; wenn er den jungen Menschen gefunden hätte, wäre er hörnertoll geworden.

Cajus.
Ouf, ouf, ouf, ouf! ma foi, il fait fort chaud. Je m'en vais à la cour – la grande affaire –

Frau Hurtig (zurückkommend).
Ist's diese, Herr Doktor?

Cajus.
Oui, mettez-le in mein Taschen, dépêchez 'urtig. Wo steck' die Schelm, Rugby?

Frau Hurtig.
He, John Rugby! John!

Rugby.
Hier! hier!

Cajus.
Ihr sein John Rugby, und Ihr sein 'ans Rugby: kommt, nehmt das Degen und folgen mir nak auf die Fuß, nak 'ofe.

Rugby.
Ich habe ihn bei der Hand, Herr, hier im Vorsaal.

Cajus.
Bei mein Ehre, ik sögern su lang. Mordieu, qu'ai-je oublié! Da sein gewisse Simple in mein Kabinett, das ik nik wollt lassen da für die Welt.

Frau Hurtig.
O weh, nun wird er den jungen Menschen dort finden und rasend werden.

Cajus (öffnet das Kabinett)
Oh diable! diable! Was sein 'ier in mein Kabinett? Spitzenbub, larron; Rugby, meine Degen.

(Er führt Simpel aus dem Kabinett.)

Frau Hurtig.
Bester Herr, gebt Euch zufrieden.

Cajus.
Und weswegen soll ik mir geben sufrieden? hein?

Frau Hurtig.
Der junge Mensch ist ein ehrlicher Mensch.

Cajus.
Was 'at der hehrlik Mensch su tun in mein Kabinett? Da is keine hehrlik Mensch, das soll kommen in mein Kabinett.

Frau Hurtig.
Ich bitte Euch, seid nicht so phlegmatisch, hört nur das Wahre von der Sache. Er kam und brachte mir einen Auftrag vom Pfarrer Evans.

Cajus.
Gut! –

Simpel.
Ja, du lieber Gott, um sie zu ersuchen, daß –

Frau Hurtig.
Still doch, ich bitte Euch! –

Cajus.
Still sein Ihr mit Eure Sung; sprecken Ihr weiter Eure commission.

Simpel.
Um diese ehrliche Frauensperson, Eure Jungfer, zu ersuchen, daß sie ein gut Wort bei der Jungfer Anne Page für meinen Herrn einlegte, um die Heirat richtig zu machen.

Frau Hurtig.
Das ist alles, wahrhaftig; ja, aber ich werde meine Finger nicht ins Feuer stecken, ich brauche das nicht.

Cajus.
Der Pasteur Hevans' aben Euk geschickt? Rugby, baillezmoi hetwas Papier; Ihr warten 'ier ein bisken.

Frau Hurtig.
Ich bin froh, daß er so ruhig ist; wenn er recht durch und durch in Aufruhr gekommen wäre, da hättet Ihr ihn einmal recht laut und melancholisch sehn sollen. Aber mit alledem, mein Freund, will ich für Euern Herrn tun, was ich nur kann, und das wahre Ja und Nein ist, daß der französische Doktor, mein Herr – ich kann ihn schon meinen Herrn nennen, seht Ihr, denn ich führe ihm seine Wirtschaft, und ich wasche, spüle, braue, backe, scheure, koche ihm Essen und Trinken, mache die Betten und tue alles selbst.

Simpel.
's ist eine große Last, wenn man unter fremde Hände kommt.

Frau Hurtig.
Wißt Ihr das auch schon? Ja wahrhaftig, eine tüchtige Last, und dabei früh auf sein und spät zu Bett; – aber mit alledem, (ich sage Euch das ins Ohr, ich möchte nicht viel Gerede davon haben) – mein Herr ist selbst verliebt in Jungfer Anne Page; – aber mit alledem – ich weiß, wie Annchen denkt – davon ist nicht die Rede.

Cajus.
Du 'ans Aff: gib diesen billet an Pasteur Ugo; pardieu, es sein eine 'erausforderung; ik will ihm habsneiden seinen Kehl in die Tierkart; und ik will lehren so eine 'asenfuß von Priest'r, sik su melier' und su mische. Du kannst dir packen; es sein nik gut, daß du 'ier bleiben. Pardieu, ik will ihm habsneiden halle sein swei Stein, pardieu! Er soll nik behalt eine Stein su smeiße nak seine 'und. (Simpel geht ab.)

Frau Hurtig.
Ach lieber Himmel, er spricht ja nur für seinen Freund.

Cajus.
Das tute nix sur Sak! 'aben Ihr nik gesagt, daß ik soll 'aben Anne Page vor mir selbst? Pardieu, ik will totmaken die 'ans Priest'r, und ik 'aben bestellt meine Wirt de la jarretière su meß unsre Waff: – Pardieu! ik will selber 'aben Anne Page.

Frau Hurtig.
Herr, das Mädchen liebt Euch, und alles wird gut gehn. Wir müssen die Leute reden lassen, was zum Element!

Cajus.
Rugby, komm mit mik an die 'of. Pardieu, wenn ik nik kriegen Anne Page, ik smeißen Eure Kop aus den 'aus: folgen mir auf mein Fuß, Rugby.

(Doktor Cajus und Rugby ab.)

Frau Hurtig.
Anne lange Nase sollt ihr kriegen! – Nein, darin weiß ich, wie Annchen denkt: keine Frau in Windsor weiß besser, wie Annchen denkt, als ich, oder kann mehr mit ihr aufstellen, Gott sei Dank! –

Fenton (draußen).
Ist jemand drinnen? He?

Frau Hurtig.
Wer muß nur da sein? Kommt doch nähert Nur herein! –

Fenton tritt auf.

Fenton.
Nun, liebe Frau, wie geht's?

Frau Hurtig.
Desto besser, weil Euer Gnaden beliebt, danach zu fragen.

Fenton.
Was gibt's Neues,? Was macht die hübsche Jungfer Anne?

Frau Hurtig.
Ja, wahrhaftig, Herr, hübsch ist sie auch, und ehrbar, und artig; und ist Eure gute Freundin, das kann ich Euch nebenbei versichern, dem Himmel sei Dank.

Fenton.
Wird mir's denn gelingen, meinst du? Werde ich nicht vergeblich werben?

Frau Hurtig.
Freilich, Herr, der da droben hat alles in seiner Hand; aber mit alledem, Herr Fenton, will ich Euch hoch und teuer schwören, daß sie Euch liebt. Hat Euer Gnaden nicht eine Warze überm Auge?

Fenton.
Ja freilich, die habe ich. Was soll uns die?

Frau Hurtig.
Ei, davon wäre viel zu erzählen. Meiner Treu, sie ist mir die Rechte, das Annchen; aber soviel kann ich detestieren: so ein ehrliches Mädchen, als jemals Brot gegessen hat. Wir plauderten wohl eine Stunde von der Warze: so lache ich in meinem Leben nicht, als wenn ich bei dem Mädchen bin. Freilich, sie ist allzu langkohlisch und kopfhängerisch, das ist wahr; aber was Euch betrifft – nun! nur immer guten Mut! –

Fenton.
Nun, ich werde sie heut noch sehn. Wart, da hast du eine Kleinigkeit; sprich ein gutes Wort für mich. Solltest du sie ehr sehn als ich, so empfiehl mich. –

Frau Hurtig.
Euch empfehlen? Ja, mein Seel, das soll geschehn; und will Eur Gnaden noch mehr von der Warze erzählen, sobald sich wieder eine Konfidenz findet; und noch von andern Liebhabern.

Fenton.
Gut, lebe wohl, ich habe jetzt große Eil.

Frau Hurtig.
Viel Glück, Eur Gnaden. – (Fenton geht.) Wahrhaftig ein nobler Herr! aber Annchen kann ihn nicht leiden; ich weiß, wie Annchen denkt, besser als irgend jemand. Potztausend! Was habe ich vergessen! – (Sie geht ab.)

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