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Die lustigen Weiber von Windsor

William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor - Kapitel 5
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleDie lustigen Weiber von Windsor
pages333-335
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritte Szene

Zimmer im Gasthof zum Hosenbande

Falstaff, der Wirt, Bardolph, Nym, Pistol und Robin

Falstaff.
Mein Wirt vom Hosenbande –

Wirt.
Was sagt mein Rodomont? Sprich gelahrt und weislich.

Falstaff.
Wahrhaftig, mein Wirt, ich muß einige von meinem Gefolge abschaffen.

Wirt.
Laß fahren, Roland Herkules; dank ab; laß sie traben; marsch! marsch! –

Falstaff.
Ich brauche zehn Pfund die Woche! –

Wirt.
Du bist ein Imperator und Diktator, ein Kaiser und ein Weiser: Ich will den Bardolph nehmen, er soll trichtern und zapfen. Sprach ich so recht, mein Roland Hektor?

Falstaff.
Tu das, mein guter Wirt.

Wirt.
Ich habe gesprochen; laß ihn mitgehn. Laß mich dich schäumen und leimen sehn. Ein Wort, ein Mann! Komm mit! – (Geht ab.)

Falstaff.
Bardolph, geh mit ihm. – Ein Bierzapf ist ein gutes Gewerbe, ein alter Mantel gibt ein neues Wams und ein verwelkter Lakei einen frischen Zapfer. Geh! Leb wohl!

Bardolph.
's ist ein Leben, wie ich's mir gewünscht habe: ich werde schon fortkommen. (Geht ab.)

Pistol.
«O schnöd hungarscher Wicht! Willst du den Zapfen schwingen?»

Nym.
Er wurde im Trunk erzeugt: ist das nicht ein eingefleischter Humor? –

Falstaff.
Ich bin froh, daß ich die Zunderbüchse so losgeworden bin: seine Diebereien waren zu offenbar; sein Mausen war wie ein ungeschickter Sänger, er hielt kein Tempo.

Nym.
Der rechte Humor ist, im wahren Monument zu stehlen.

Pistol.
Aneignen nennt es der Gebildete: – Stehlen? o pfui! 'ne Feige für die Phrase! –

Falstaff.
Ja, ihr Herrn; ich fange an, auf die Neige zu geraten.

Pistol.
Kein Wunder, daß du dick und trübe wardst.

Falstaff.
's ist keine Hilfe; ich muß mein Glück verbessern, ich muß Künste ersinnen.

Pistol.
Der junge Rabe schreit nach Fraß.

Falstaff.
Wer von euch kennt Fluth in dieser Stadt?

Pistol.
Den Wicht kenn ich: gut ist er von Gehalt.

Falstaff.
Meine ehrlichen Jungen, ich will euch sagen, was mir vorschwebt.

Pistol.
Ein Wanst von hundert Pfund.

Falstaff.
Keine Wortspiele, Pistol! Allerdings hat mein Wanst es weit in der Dicke gebracht; aber hier ist die Rede nicht von Wänsten, sondern von Gewinsten, nicht von Dicke, sondern von Tücke. Mit einem Wort, ich habe im Sinn, einen Liebeshandel mit der Frau Fluth anzufangen; ich wittre Unterhaltung bei ihr; sie diskuriert, sie kommt entgegen, sie schielt mit dem Seitenblick der Auffordrung; ich konstruiere mir die Wendungen ihres vertraulichen Stils, und die schwierigste Passage ihres Betragens in einfaches Englisch übersetzt, lautet: ich bin Sir John Falstaff.

Pistol.
Er hat ihr Vorhaben studiert und dann versiert; aus der Sprache der Züchtigkeit ins Englische.

Nym.
Der Anker ist tief: soll dieser Humor gelten?

Falstaff.
Nun, das Gerücht sagt, daß sie den Knopf auf ihres Mannes Beutel regiert; er besitzt ein Regiment von Engeln.

Pistol.
Nimm gleichviel Teufel dir in Sold, und auf sie los, mein Sohn! –

Nym.
Der Humor steigt; recht gut, humorisiert mir diese Engel! –

Falstaff.
Ich habe hier einen Brief an sie geschrieben, und hier einen zweiten an Pages Frau, die mir jetzt eben gleichsfalls verliebte Augen zuwarf und meine Statur mit höchst kennerhaften Blicken musterte. Zuweilen vergoldete der Strahl ihres Anschauens meinen Fuß und zuweilen meinen stattlichen Bauch.

Pistol.
So schien die Sonn auf einen Düngerhaufen.

Nym.
Ich danke dir für den Humor.

Falstaff.
Oh, sie überlief meine Außenseite mit so gieriger Aufmerksamkeit, daß das Verlangen ihres Auges mich zu versengen drohte wie ein Brennglas. Hier ist auch ein Brief für diese; sie führt gleichfalls die Börse; sie ist eine Küste von Guayana, ganz Gold und Fülle. Diese beiden sollen meine Schätze werden, und ich will sie brandschatzen; sie sollen mein Ost- und Westindien sein, und ich will nach beiden Handel treiben. Geh, trag du diesen Brief an Frau Page und du jenen an Frau Fluth: unser Weizen blüht, Kinder, unser Weizen blüht.

Pistol.
Soll ich Herr Pandarus von Troja werden,
Die Seite stahlbewehrt? dann, Luzifer, hol alles!

Nym.
Ich will keinen schofeln Humor ausspielen; da nehmt den Humorsbrief wieder; ich will das Dekorum manifestieren.

Falstaff (zu Robin.)
Hör, Kleiner, trag die Briefe mir geschickt;
Segl' als mein Frachtschiff zu den goldnen Küsten.
Ihr Schurken, fort! Zergeht wie Schloßen, lauft,
Trabt, plackt euch, rührt die Fersen, sucht euch Schutz; –
Falstaff lernt jetzt französische Manier
Nach neuster Art: ich und mein Page hier.

(Falstaff und Robin ab.)

Pistol.
Die Geier packen dein Gedärm; denn Würfel falsch
Und sechs und As hilft durch, prellt reich und arm.
Mir schwellt der Sack von Dreiern, wenn du darbst,
Du phrygscher, niederträchtger Türke du!

Nym.
Ich habe Operationen im Kopf, die der Humor der Rache sind.

Pistol.
Willst Rache?

Nym.
Ja, beim Firmament und seinem Stern!

Pistol.
Mit Witz? mit Stahl?

Nym.
Mit beiderlei Humoren ich;
Dem Page bedeut ich dieser Liebsanstalt Humor! –

Pistol.
Und Fluth von mir die Kund erhält,
Wie Falstaff, schnöder Knecht,
Die Taub ihm raubt, ums Geld ihn prellt,
Und kränkt sein Ehbett echt.

Nym.
Mein Humor soll nicht abkühlen; ich will Page zu Giftgedanken irritieren; ich will ihn mit Gelbsucht durchgehen, denn meine Empörung ist gefährlich: das ist mein wahrer Humor.

Pistol.
Du bist der Mars der Malkontenten, ich stehe dir bei. Marsch, fort!

(Sie gehn ab.)

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