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Die lustigen Weiber von Windsor

William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor - Kapitel 3
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleDie lustigen Weiber von Windsor
pages333-335
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Jungfer Anne Page kommt mit Wein; Frau Fluth und Frau Page.

Page.
Nein, Tochter, trag den Wein ins Haus, wir wollen drinnen trinken (Anne Page geht.)

Schmächtig.
O Himmel! das ist Jungfer Anne Page! –

Page.
Wie geht's, Frau Fluth? –

Falstaff.
Frau Fluth, bei meiner Treu, Ihr kommt recht zur guten Stunde: mit Eurer Erlaubnis, liebe Frau! (Er küßt sie.)

Page.
Frau, heiß diese Herrn willkommen: – kommt, wir haben eine warme Wildpastete zu Mittag; kommt, ihr Herrn, ich hoffe, wir lassen allen Mißmut im Glase.

(Sie gehn hinein; Schaal, Schmächtig und Evans bleiben.)

Schmächtig.
Ich wollte vierzig Schillinge drum geben, wenn ich mein Buch mit Liedern und Sonetten hier hätte.
    Simpel kommt.
Na, Simpel, wo hast du gesteckt? Ich soll mir wohl selbst aufwarten, sag einmal? Hast du vielleicht das Rätselbuch bei dir, hast du's?

Simpel.
Das Rätselbuch? Ei, habt Ihr's nicht der Else Kleinsemmel geliehen auf letzte Allerheiligen, vierzehn Tage vor Michaelis?

Schaal.
Kommt, Vetter, kommt, Vetter, wir warten auf Euch. Ein Wort mit Euch, Vetter; hört einmal an, Vetter; es ist gleichsam ein Antrag, eine Art von Antrag im Werk, der von fernher von unserm Sir Hugh ausgeht; versteht Ihr mich? –

Schmächtig.
Ja, Herr, Ihr sollt mich vernünftig finden; wenn das ist, werde ich tun, was vernünftig ist.

Schaal.
Nein, versteht nur erst.

Schmächtig.
Das tue ich auch, Sir.

Evans.
Kebt seiner Motion Kehör, Junker Schmächtig, ich werte Euch tie Sache peschreiplich mache, wann Ihr die Kapazität dazu pesitzt.

Schmächtig.
Nein, ich werde es machen, wie mein Vetter Schaal sagt, nehmt mir's nicht vor ungut; denn für mein bescheiden Teil ist der Friedensrichter in der Grafschaft, seht Ihr.

Evans.
Aber tavon sein nicht die Rete; tie Rete sein in Petreff Eurer Heurat.

Schaal.
Ja, das ist der Punkt, Sir.

Evans.
Ja, mein Seel, tas sein es auch; ter kanz eigentliche Punkt; und mit Junkfer Anne Page.

Schmächtig.
Ja, wenn das ist – die will ich heiraten auf irgend vernünftige Bedingungen.

Evans.
Aber könnt Ihr auch Affektionierungen spüren für tas Frauenzimmer? Laßt mich tas in Erfahrung pringen, aus Euerm Mund oder aus Euren Lippen; tann unterschiedliche Philosophe pehaupte, die Lippe formiere kewissermaßen Pestandteil des Mundes; teshalb also präzis: könnt Ihr tiesem Mädchen Eure Neigung zuwerfen?

Schaal.
Vetter Abraham Schmächtig, könnt Ihr sie lieben?

Schmächtig.
Ich hoffe, Vetter, ich werde es zustande bringen, wie es sich für einen schickt, der gern nach der Vernunft zu Werke geht.

Evans.
Ei, Kotts Erzengel und Holzengel! Ihr müßt wie ein Positif sprechen; könnt Ihr's tahin für sie pringe, taß Ihr euer Verlangen auf sie werft?

Schaal.
Das müßt Ihr. Wollt Ihr sie mit einer guten Aussteuer heiraten?

Schmächtig.
Wenn Ihr mir's vorstellt, Vetter, könnt Ihr mich zu noch viel größern Dingen bringen, wenn sie nur halbwege vernünftig sind.

Schaal.
Nein, versteht mich recht, versteht mich recht, mein trautster Vetter: was ich tue, ist nur Euch zu Gefallen, Vetter; könnt Ihr das Mädchen lieben?

Schmächtig.
Ich will sie heiraten, Sir, wenn Ihr's verlangt, und wenn sich dann auch anfänglich keine große Liebe einfindet, so wird der Himmel sie schon bei näherer Bekanntschaft diminuieren lassen, wenn wir erst Mann und Frau sind und mehr Gelegenheit haben, uns einander kennenzulernen. Ich hoffe, mit der Vertraulichkeit wird sich auch die Geringschätzung einstellen. Wenn Ihr mir aber sagt, heirate sie, so heirate ich sie; dazu bin ich völlig dissolviert und ganz dissolut.

Evans.
Tas ischt kanz überkelegte Antwort, pis auf ten Schnitzer im Peiwort tissolut; das Peiwort heißt nach unserm Petünke: resolut; allein tie Meinung ischt kuth.

Schaal.
Freilich, ich denke, der Vetter meint es gut.

Schmächtig.
Ja wahrhaftig, sonst wollte ich mich ebensogern hängen lassen.

Anne Page kommt wieder.

Schaal.
Da kommt die schöne Jungfer Anne; ich wollt, ich wäre noch jung, um Euretwillen, Jungfer Anne! –

Anne.
Das Essen steht auf dem Tisch; mein Vater bittet um Euer Gestrengen Gesellschaft.

Schaal.
Ich werde ihm aufwarten, schöne Jungfer Anne!

Evans.
Kott heiliges Kepot! Ich darf nicht auspleipen, wann's zum Kratias keht.

(Schaal und Evans gehn hinein.)

Anne.
Wollen Euer Gestrengen nicht hineinkommen?

Schmächtig.
Nein, ich bedanke mich recht schönstens, mein Seel, ich bin sehr wohl so.

Anne.
Das Essen wartet auf Euch, Junker.

Schmächtig.
Ich bin nicht hungrig, ich bedanke mich meiner Seel. Geh, Kerl, obgleich du eigentlich mein Bedienter bist, geh und warte meinem Vetter Schaal auf. (Simpel geht ab.) Ein Friedensrichter kann schon einmal seinem Freunde Dank wissen für einen Bedienten. – Ich halte jetzt nur drei Kerls und einen Jungen, bis meine Mutter tot sein wird; aber was tut's? ich lebe doch wie ein armer geborner Edelmann.

Anne.
Ich darf nicht ohne Euer Gestrengen hineinkommen, sie werden sich nicht setzen, bis Ihr kommt.

Schmächtig.
Meiner Treu, ich esse doch nichts; ich dank Euch ebenso, als hätt ich's genossen.

Anne.
Bitt Euch, Junker, spaziert doch hinein.

Schmächtig.
Ich spaziere lieber hier draußen, ich danke Euch; ich ward neulich am Schienbein getroffen, als ich mit dem Oberfechtmeister auf Degen und Dolch rapierte, drei Gänge um eine Schüssel geschmorte Pflaumen, und auf Ehre, ich kann seitdem den Geruch von warmem Essen nicht ausstehen. Warum bellen Eure Hunde so? Sind Bären in der Stadt?

Anne.
Ich glaube ja, Sir; ich hörte davon reden.

Schmächtig.
Die Bärenhetze ist mein Leibspaß; aber ich gerate so schnell darüber in Händel, als jemand in England. Ihr fürchtet Euch wohl vor dem Bären, wenn Ihr ihn los seht? nicht wahr?

Anne.
Ja freilich, Junker.

Schmächtig.
Das ist nun Essen und Trinken für mich, seht Ihr, den Sackerson habe ich wohl zwanzigmal los gesehn, und habe ihn bei der Kette angefaßt; aber das muß wahr sein, die Weiber haben so gequiekt und geschrien, daß es eine Art hatte; aber die Weiber können sie überhaupt nicht ausstehn; es sind recht garstige rauhe Dinger.

Page kommst wieder.

Page.
Kommt, lieber Junker Schmächtig, wir warten auf Euch.

Schmächtig.
Ich mag nicht essen, ich dank Euch, Herr.

Page.
Ei was tausend, Ihr müßt; kommt, Junker.

Schmächtig.
Nun, so bitt ich Euch, geht voran.

Page.
Nur zu, Junker.

Schmächtig.
Jungfer Anne, Ihr müßt vorangehn.

Anne.
Nicht doch, Junker, ich bitte Euch, geht nur.

Schmächtig.
Gewiß und wahrhaftig, ich will nicht vorangehn, nein, wahrhaftig, ich will Euch nicht so zu nah tun.

Page.
Ich bitte sehr!

Schmächtig.
So will ich denn lieber unhöflich als beschwerlich sein; Ihr tut Euch selbst zu nah, wahrhaftig! –

(Sie gehn hinein.)

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