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Die lustigen Weiber von Windsor

William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor - Kapitel 25
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleDie lustigen Weiber von Windsor
pages333-335
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierte Szene

Eine andere Gegend des Parks

Falstaff, mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf, tritt auf

Falstaff.
Die Windsorglocke hat zwölf geschlagen: der Augenblick rückt heran. Nun, ihr heißblütigen Götter, steht mir bei. Erinnre dich, Jupiter, wie du für Europa ein Stier wurdest; Liebe setzte dir deine Hörner auf. – Oh, allmächtige Liebe, die auf gewisse Weise das Vieh zum Menschen macht, und auf andre den Menschen zum Vieh: so wardst auch du, Jupiter, ein Schwan aus Liebe zu Leda. Oh, allgewaltige Liebe! Wie nah streifte der Gott an die Gestalt einer Gans! – Deine erste Sünde verwandelte dich in ein Vieh: fi Jupiter! und für die zweite gebärdetest du dich als Schwan: – schwante dir nicht, Jupiter, wie nichtsnutzig du warst? – Wenn Götter so hitziges Blut haben, was sollen die armen Menschen anfangen? Ich meinesteils bin hier ein Windsorhirsch, und der feisteste im Forste, denk ich. Schick mir eine kühle Brunstzeit, Jupiter, sonst kann mir niemand verdenken, wenn ich meinen Talg verliere. – Wer kommt hier? Meine Hindin? –

Frau Fluth und Frau Page kommen.

Frau Fluth.
Sir John? bist du da, mein Tierchen? mein allerliebster Hirsch? –

Falstaff.
Meine schlanke Ricke? Nun mag der Himmel Kartoffeln regnen: er mag donnern nach der Melodie vom Grünen Ärmel; er mag Gewürznelken hageln und Muskatkuchen schneien; es erhebe sich ein Sturm von Versuchungen: – Hier ist mein Obdach! –

Frau Fluth.
Frau Page ist hier bei mir, mein Herzchen! –

Falstaff.
Teilt mich wie einen Präsenthirsch, jede ein Viertel; meine Seiten will ich für mich behalten, meine Schultern für den Wärter dieses Parks, und meine Hörner vermach ich euern Männern. Bin ich ein Weidmann, he? Sprech ich wie Herne, der Jäger? Diesmal ist Cupido ein Kind, das Gewissen hat; er bringt Schadloshaltung. So wahr ich ein ehrlicher Geist bin, willkommen! –

(Lärm hinter der Szene.)

Frau Page.
Himmel! welch ein Lärm?

Frau Fluth.
Gott verzeih uns unsre Sünden!

Falstaff.
Was kann das sein?

Frau Fluth und Frau Page.
Fort! Fort! –

(Die Frauen laufen davon.)

Falstaff.
Ich denke, der Teufel will mich nicht verdammt sehn, damit das Öl, das ich in mir habe, nicht die Hölle in Brand stecke. sonst käm er mir nicht so in die Quer.

Eine Menge Elfen und Geister erscheinen; unter diesen Sir Hugh und Anne Page. Sie tragen Fackeln und Lichter.

Feenkönigin.
Feien, schwarz, grün, weiß und grau,
Ihr Schwärmer in des Mondscheins feuchtem Tau,
Verwaiste Pflegekinder ewger Mächte,
Tut eure Pflicht, schirmt eure heilgen Rechte!
Herold Hobgoblin! heiß die Feien schweigen.

Hobgoblin.
Ihr Elfen, horcht! Sei still, du Geisterreigen.
Heimchen! Du schlüpf in Windsors Essen ein;
Wo noch die Asche glimmt, der Herd nicht rein,
Da kneip die Magd wie Heidelbeeren blau,
Denn jeden Schmutz haßt unsre lichte Frau.

Falstaff.
Feen sind es; spräch ich, wär's um mich geschehn;
Drum deck ich mich: ihr Werk darf niemand sehn.

(Er legt sich aufs Gesicht nieder.)

Evans.
Geh, Puck, und findst du schlafend eine Magd,
Die dreimal fleißig ihr Gebet gesagt,
Der stimme süß den Sinn der Phantasei.
Sie schlummre wie die Kindheit sorgenfrei.
Doch die entschlief, der Sünden nicht gedenk,
Die kneip am Arm, Bein, Fuß und Handgelenk.

Feenkönigin.
Fort, Elfentroß,
Durchsucht von inn' und außen Windsors Schloß;
Streut Glück in alle heilgen Räum, ihr Feen,
Daß sie bis an den jüngsten Tag bestehn; –
In würdger Zier, gesund und unversehrt,
Der Herrscher ihrer, sie des Herrschers wert.
Die Ordenssessel reibt mit Balsamkraft
Und jeder edeln Blume würzgem Saft:
Der neuen Ritter Tracht, Helmzier und Kleid
Und ehrenwertes Wappen sei geweiht;
Ihr Wiesenelfen, singt in nächtger Stunde
Und gleich dem Knieband schließt im Kreis die Runde;
Laßt, wo der Ring sich zeichnet, üppges Grün
Und frischem Wuchs als sonst im Feld erblühn
Und hony soit qui mal y pense malt
Mit Blütenschmelz, blau, weiß und rot durchstrahlt
(Wie Perl und Saphir hell in Stickerein
Dem Knie der tapfern Ritter Zierde leihn;
Denn nur mit Blumenlettern schreiben Fein).
Nun fort! hinweg! Doch bis es eins geschlagen,
Laßt den gewohnten Tanz uns nicht versagen
Und Herne, des Jägers, Eiche rasch umkreisen.

Evans.
Schließt Hand in Hand, nach unsern alten Weisen –
Zwanzig Glühwürmer solln Laternen sein,
Zu leuchten unterm Baum dem Ringelreihn.
Doch halt! ich wittr ein Kind der Mittelwelt!

Falstaff.
O Himmel! schütz mich vor dem welschen Kobold,
Daß er mich nicht verhext in ein Stück Käse. –

Evans.
Wurm, den Geburt schon niedrig hingestellt!

Feenkönigin.
Mit Prüfungsfeur rührt seine Fingerspitze;
Denn ist er keusch, dann weicht der Gluten Hitze
Und läßt ihn unversengt; doch fühlt er Schmerz,
So dient der Sünde sein verderbtes Herz.

Evans.
Die Probe: – wird das Holz wohl Feuer fangen?

Falstaff.
Oh, oh!

Feenkönigin.
Verderbt, verderbt durch sündliches Verlangen!
Umringt ihn, Feen! mit spöttschen Versen plackt ihn,
Und wie ihr ihm vorbeischwebt, kneipt im Takt ihn! –

                  Lied.
Pfui der sündgen Phantasei!
Pfui der Lust und Buhlerei!
Lust ist Feur im wilden Blut,
Angefacht durch üppgen Mut;
Tief im Herzen wohnt die Glut,
Und geschürt wird ihre Wut
Von sündiger Gedankenbrut.
Kneipt ihn, Elfen, nach der Reih,
Kneipt ihn für die Büberei;
Kneipt ihn und brennt ihn und laßt ihn sich drehn,
Bis Kerzen und Sternlicht und Mondschein vergehn.

(Während des Gesanges kneipen sie ihn. – Doktor Cajus kommt von der einen Seite und schleicht mit einer Fee in Grün davon; Schmächtig von der andern und holt sich eine Fee in Weiß; dann kommt Fenton und geht mit Jungfer Anne Page ab. Jagdgeschrei hinter der Bühne; alle Feen laufen davon. Falstaff nimmt sein Hirschgeweih ab und steht auf.)

Page und Fluth mit ihren Frauen treten auf

Page (indem er ihn festhält).
Nein, lauft nicht fort; wir haben Euch ertappt.
Ist Herne, der Jäger, Eure letzte Kunst?

Frau Page.
Ich bitt Euch, kommt; treibt doch den Scherz nicht weiter.
Nun, Ritter, wie gefalln Euch Windsors Fraun?
Sieh, lieber Mann, paßt nicht der hübsche Kopfschmuck
Viel besser für den Forst als für die Stadt? –

Fluth.
Nun, Sir, wer ist jetzt Hahnrei? Herr Bach, Falstaff ist ein Schurke, ein hahnreiischer Schurke; hier sind seine Hörner, Herr Bach; und Herr Bach, er hat von Fluths Eigentum nichts genossen als seinen Waschkorb, seinen Prügel und zwanzig Pfund in Geld; und die müssen an Herrn Bach bezahlt werden; seine Pferde sind dafür in Beschlag genommen, Herr Bach.

Frau Fluth.
Sir John, es ist uns recht unglücklich gegangen, wir konnten nie zusammenkommen. Zu meinem Kavalier will ich Euch nicht wieder nehmen, aber mein Tier sollt Ihr immer bleiben.

Falstaff.
Ich fange an zu merken, daß man einen Esel aus gemacht hat.

Fluth.
Ja, und einen Ochsen dazu; von beidem ist der Beweis augenscheinlich.

Falstaff.
Und das sind also keine Feen? Drei- oder viermal kam mir in den Sinn, es wären keine Feen; und doch stempelte das Bewußtsein meiner Schuld, die plötzliche Betäubung meines Urteils den handgreiflichen Betrug zum ausgemachten Glauben, allem gesunden Menschenverstande zum schnöden Trotz, daß es Feen seien. Da seht, welch ein Hanswurst aus dem Verstande werden kann, wenn er auf verbotnen Wegen schleicht.

Evans.
Sir John Falstaff, tient Kott und entsakt böser Luscht, so werden Feien Euch nicht kneipen.

Fluth.
Wohlgesprochen, Elfe Hugh.

Evans.
Und Ihr lascht ap von Eifersuchten, ich pitte Euch!

Fluth.
Ich will nie wieder an meiner Frau irre werden, bis du imstande bist, in gutem Englisch um sie zu werben.

Falstaff.
Habe ich denn mein Gehirn in der Sonne gehabt und es getrocknet, daß es nicht vermochte, einer so groben Übertölpelung zu begegnen? Muß mich nun auch eine wallisische Ziege anmeckern? Muß ich eine Kappe von welschem Fries tragen? Nun fehlte mir noch, daß ich an einem Stück gerösteten Käse erstickte. –

Evans.
Käße ischt nicht zum Puttern zu prauchen; Euer Pauch sein pure Putter.

Falstaff.
Pauch und Putter! Muß ich's erleben, mich hänseln zu lassen von einem, der das Englische radebricht? Das ist genug, um allen Übermut und Nachtschwärmerei im ganzen Königreich in Verfall zu bringen.

Frau Page.
Ei, Sir John, glaubtet Ihr denn, und hätten wir auch alle Tugend Hals über Kopf aus unsern Herzen herausgejagt und uns ohne Skrupel der Hölle verschrieben – daß der Teufel selbst Euch für uns hätte reizend machen können? –

Fluth.
Solchen Wurstberg? solchen Wollsack?

Frau Page.
Solch einen Wulst von Mann?

Page.
Alt, kalt und von außen und innen unleidlich?

Fluth.
Und so verleumderisch wie der Satan?

Page.
Und so arm wie ein Hiob?

Fluth.
Und so gottlos wie Hiobs Weib?

Evans.
Und hinkekepen ter Fleischesluscht und tene Kelake, tem Sekt, tem Wein, tem Met, tem Saufe und tem Raufe, tem Kikel und tem Kakel? –

Falstaff.
Nun ja, ich bin euer Text, und ihr seid im Vorsprung, ich bin in der Hinterhand, ich bin nicht imstande, dem Walliser Flanell da zu antworten; die Dummheit selbst will mir die Richtschnur anlegen, macht mit mir, was ihr wollt.

Fluth.
Ich dächte, Sir, wir führten Euch nach Windsor zu einem gewissen Herrn Bach, den Ihr um sein Geld geprellt habt und dem Ihr einen Kupplerdienst verspracht. Nach allem, was Ihr bisher ausgestanden habt, wird die Rückzahlung des Geldes Euch noch der bitterste Schmerz sein.

Page.
Demungeachtet, Ritter, sei guter Dinge. Du sollst heut abend in meinem Hause einen Nachttrunk bekommen, und da magst du meine Frau auslachen, die jetzt über dich lacht. Sag ihr, Herr Schmächtig habe ihre Tochter geheiratet.

Frau Page (beiseite).
Die Doktoren bezweifeln's noch; wenn Anne Page meine Tochter ist, so ist sie jetzt schon Doktor Cajus' Frau.

Schmächtig kommt.

Schmächtig.
He! holla! holla! Vater Page! –

Page.
Sohn, was gibt's? Was gibt's, Sohn? Hast du's schon abgetan?

Schmächtig.
Abgetan? Alle Leute von Stande in Glostershire sollen's zu hören kriegen, wahrhaftig, oder ich will mich hängen lassen, seht Ihr –

Page.
Was ist denn, Sohn?

Schmächtig.
Ich komme da hinunter nach Eton, um Jungfer Anne Page zu heiraten; und so war's ein großer Lümmel von Jungen. Wenn's nicht in der Kirche gewesen wäre, da hätt ich ihn durchgewichst, oder er hätte mich durchgewichst. Wo ich nicht gewiß und wahrhaftig glaubte, es sei Anne Page gewesen, so will ich kein Glied mehr regen; und da war's ein Junge vom Postmeister.

Page.
Nun, wahrhaftig, so habt Ihr Euch vergriffen.

Schmächtig.
Was braucht Ihr mir das noch lange zu sagen? Freilich vergriff ich mich, als ich einen Jungen für ein Mädchen nahm. Wenn ich ihn geheiratet hätte, mit allem seinem Weiberputz hätte ich ihn doch nicht haben mögen.

Page.
Ei, daran ist Eure eigne Torheit schuld. Sagt ich's Euch denn nicht, wie Ihr meine Tochter an ihren Kleidern kennen solltet? –

Schmächtig.
Ich ging zu der in Weiß und sagte schnipp, und sie sagte schnapp, wie Annchen und ich ausgemacht hatten; und da war's doch nicht Annchen, sondern ein Postmeistersjunge.

Page.
O ich bin recht verdrießlich; was ist nun da zu machen?

Frau Page.
Liebster Georg, sei nicht böse. Ich wußte von deinen Plänen, tat meine Tochter in Grün an, und jetzt ist sie mit dem Doktor in der Dechanei und schon getraut.

Doktor Cajus kommt.

Cajus.
Wo sein Madame Page? Pardieu, ik sein geführt an; ik 'aben geheirat un garçon, heine Jong; un paysan pardieu, heine Jong; es sein nik Anne Page, pardieu, ik sein geführt an! –

Frau Page.
Was? nahmt Ihr nicht die in Grün?

Cajus.
Oui pardieu, und es sein heine Jong; pardieu, ik will revoltier' ganz Windsor. (Geht ab.)

Fluth.
Das ist seltsam! Wer hat nun die rechte Anne Page bekommen?

Page.
Mir wird ganz schwül zumut; hier kommt Herr Fenton.
    Fenton und Anne Page treten auf.
Nun, mein Herr Fenton? –

Anne.
Verzeihung, lieber Vater! liebe Mutter!

Page.
Nun, Jungfer, warum folgtest du nicht Herrn Schmächtig?

Frau Page.
Sag, Mädchen, warum nahmst du nicht den Doktor?

Fenton.
Ihr macht sie schüchtern; hört den ganzen Hergang.
Ihr wolltet sie aufs schimpflichste vermählen,
Wo kein Verhältnis in der Neigung war.
So wißt denn, sie und ich, schon längst verlobt,
Sind jetzt so eins, daß nichts uns lösen kann.
Die Sünd ist heilig, die sie heut begangen,
Und ihre List verliert des Truges Namen,
Verletzter Pflicht und kindlicher Empörung,
Weil sie dadurch entflohn und vorgebeugt
Viel tausend bösen und verwünschten Stunden,
Die ein erzwungnes Band ihr auferlegt.

Fluth.
Seid nicht bestürzt, hier hilft kein Mittel mehr.
Dem Himmel muß man Liebesnot vertrauen:
Gold schafft uns Land, das Schicksal unsre Frauen.

Falstaff.
Mich freut, daß Euer Pfeil vorbeistreifte, obgleich Ihr's recht darauf angelegt hattet, mich zu treffen.

Page.
Was ist zu tun! Fenton, nimm meinen Segen;
Was schon geschehn, da hilft nicht nein zu sagen.

Falstaff.
Manch Wild springt auf, will man im Finstern jagen.

Frau Page.
Nun wohl, ich will nicht schmollen. Lieber Fenton,
Der Himmel schenk euch viel, viel frohe Tage!
Komm, bester Mann, laß uns nach Hause gehn
Und am Kamin den Spaß nochmals belachen;
Sir John und alle.

Fluth.
Wohl gesagt. – Sir John,
Eur Wort an Bach macht Ihr nun dennoch gut;
Er geht zu Bett noch heute mit Frau Fluth.

(Alle gehn ab.)

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