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Die lustigen Weiber von Windsor

William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor - Kapitel 20
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleDie lustigen Weiber von Windsor
pages333-335
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Sechste Szene

Ebendaselbst

Der Wirt und Herr Fenton treten auf

Wirt.
Laßt mich gehn, Herr Fenton; ich bin ganz mißmütig,
ich mag mich um nichts kümmern. –

Fenton.
So hör mich nur. Hilf mir in meinem Plan,
Und, auf mein Ehrenwort, ich zahle bar
Dir hundert Pfund in Gold, mehr als dein Schade.

Wirt.
Ich will Euch anhören, Herr Fenton, und will Euch wenigstens reinen Mund halten.

Fenton.
Von Zeit zu Zeit hab ich dir schon erzählt,
Wie sehr ich unser schönes Annchen liebe,
Und sie erwidert gleichfalls meine Neigung
(Soweit sie selber für sich wählen darf)
Nach Herzenswunsch. Sie schrieb ein Briefchen mir
Von solchem Inhalt, daß dich's wundern wird.
Der Spaß verknüpft sich so mit meiner Sache,
Daß keins von beiden einzeln deutlich wird,
Erklär ich beides nicht. Der dicke Falstaff
Hat eine große Szene: lies umständlich
Den Plan des Scherzes hier. Nun, liebster Wirt,
Bei Hernes Eiche, grad um Mitternacht,
Tritt Annchen auf als Feenkönigin;
Weshalb, das findst du hier. In dieser Maske,
Derweil noch andrer Spaß im Schwange geht,
Befiehlt ihr Vater, soll sie insgeheim
Mit Schmächtig fort sich schleichen und in Eton
Sich trauen lassen; sie hat eingewilligt.
Nun, Freund,
Die Mutter, dieser Heirat ganz entgegen
Und eifrig für den Doktor, hat im Sinn,
Daß der sie gleichfalls heimlich weg soll stehlen
(Weil Spaß und Lust der andern Sinn zerstreut)
Und in der Dechanei sich trauen lassen,
Wo schon ein Priester harrt. Dem Plan der Mutter
Scheinbar gehorsam, hat sie auch dem Doktor
Ihr Wort gegeben. Nun verhält sich's so:
Der Vater will, daß sie sich kleid in Weiß;
Und in der Tracht, wann Schmächtig seine Zeit
Sich ausersehn, soll sie die Hand ihm geben
Und mit ihm gehn. Die Mutter aber fordert,
Um besser sie dem Doktor zu bezeichnen
(Denn alles soll vermummt sein und maskiert),
Daß hübsch in Grün ein weites Kleid sie schmücke,
Mit wehnden Bändern, flatternd um das Haupt;
Und findt der Doktor die gelegene Zeit,
Soll er die Hand ihr kneipen: auf den Wink
Versprach das Mädchen, mit ihm fortzugehn.

Wirt.
Und wen betrügt sie? Vater oder Mutter?

Fenton.
Nun, beide, Freund, und geht davon mit mir.
Und jetzt das Hauptstück. Schaffe du den Pfarrer
Uns in die Kirche, zwischen zwölf und eins,
Der mit der Ehe heilgem Siegel uns
Die Herzen unauflöslich soll vereinen.

Wirt.
Gut, fördert Euern Plan: ich geh zum Pfarrer;
Bringt nur die Braut, am Priester soll's nicht fehlen.

Fenton.
So werd ich dir auf ewig dankbar sein
Und außerdem noch reich dich erst beschenken.

(Sie gehn ab.)

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