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Die lustigen Weiber von Windsor

William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor - Kapitel 14
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleDie lustigen Weiber von Windsor
pages333-335
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfte Szene

Zimmer im Gasthofe zum Hosenband

Es treten auf Falstaff und Bardolph

Falstaff.
Bardolph, sag ich –

Bardolph.
Hier, Herr.

Falstaff.
Geh, hol mir ein Quart Sekt; leg ein Stück geröstet Brot hinein. – (Bardolph ab.) Mußte ich das erleben, daß man mich in einem Waschkorb wegtrug wie eine Tracht Kaldaunen vom Metzger, und mich in die Themse warf? Meiner Treu, wenn mir noch einmal so mitgespielt wird, so soll man mir das Gehirn ausnehmen, es mit Butter bestreichen und es einem Hunde zum Neujahrsgeschenk geben. – Die Schurken schmissen mich in den Fluß und machten nicht mehr Umstände, als hätten sie die blinden Jungen einer Hündin ersäuft, fünfzehn auf einen Wurf; und man kann mir's an meiner Statur ansehn, daß ich eine gewisse Behendigkeit im Untersinken habe; wäre der Grund so tief wie die Hölle, ich müßte hinunter. Ich wäre ertrunken, wäre nicht das Ufer seicht und sandig gewesen; ein Tod, den ich verabscheue! denn das Wasser schwellt den Menschen auf; und was für eine Figur wäre aus mir geworden, wenn ich ins Schwellen geraten wäre? Ich wäre ein Gebirg von einer Mumie geworden! –

Bardolph kommt zurück mit dem Wein.

Bardolph.
Hier ist Frau Hurtig, Herr, die Euch sprechen will.

Falstaff.
Komm her, laß mich etwas Sekt zu dem Themsewasser schütten, denn mein Bauch ist so kalt, als hätt ich Schneebälle wie Pillen verschluckt, um die Nieren abzukühlen. – Ruf sie herein.

Bardolph.
Komm herein, Frau! –

Frau Hurtig kommt.

Frau Hurtig.
Mit Vergunst – ich bitt um Verzeihung! – ich wünsch Euer Gnaden einen guten Morgen –

Falstaff.
Nimm die Kelchgläser weg; geh, braue mir eine Kanne Sekt, und säuberlich.

Bardolph.
Mit Eiern, Sir?

Falstaff.
Simpel, ohne Zusatz; ich will keinen Hahnentritt in meinem Gebräu. – Nun?

Frau Hurtig.
Ach, lieber Sir, ich komme zu Euer Gnaden von der Frau Fluth –

Falstaff.
Frau Fluth! Ich habe genug von der Flut gekostet! Man hat mich hineingeworfen in die Flut; ich habe den Bauch voll von Flut.

Frau Hurtig.
Ach, lieber Gott, das arme Herz kann ja nichts dafür. Sie hat ihre Leute recht heruntergemacht; die haben ihre Irrigierung falsch verstanden.

Falstaff.
Und ich die meine, daß ich auf das Versprechen eines albernen Weibes baute.

Frau Hurtig.
Nun gut; jetzt lamentiert sie drum, Sir, daß es Euch das Herz umkehren würde, wenn Ihr's ansäht. Ihr Mann geht heut morgen auf den Vogelherd, sie ersucht Euch, Ihr möchtet noch einmal zwischen acht und neun zu ihr kommen; ich soll ihr hurtig Antwort bringen, sie wird Euch schadlos halten, das versichr ich Euch.

Falstaff.
Nun, ich will sie besuchen, sag ihr das, und laß sie bedenken, was der Mensch sei, laß sie seine Schwachheit erwägen und dann mein Verdienst beurteilen.

Frau Hurtig.
Ich will's ihr sagen.

Falstaff.
Das tu. – Zwischen neun und zehn sagst du? –

Frau Hurtig.
Acht und neun, Sir.

Falstaff.
Gut, geh nur, ich werde nicht ausbleiben.

Frau Hurtig.
Friede sei mit Euch, Sir! (Sie geht ab.)

Falstaff.
Mich wundert, daß ich nichts vom Herrn Bach höre; er ließ mir sagen, ich möge zu Hause bleiben; – sein Gold behagt mir wohl! – Oh, hier kommt er. –

Fluth kommt.

Fluth.
Gott grüß Euch, Sir.

Falstaff.
Nun, Herr Bach? Ihr wollt wohl hören, was zwischen mir und Fluths Frau vorgefallen ist?

Fluth.
In der Tat, Sir John, darum kam ich her.

Falstaff.
Herr Bach, ich will Euch nichts vorlügen: ich war in ihrem Hause zur bestimmten Stunde.

Fluth.
Und wie ging's Euch da?

Falstaff.
Sehr unglückseligermaßen, Herr Bach.

Fluth.
Wieso, Sir? Änderte sie ihren Entschluß?

Falstaff.
Nein, Herr Bach; aber der schnüffelnde Cornuto, ihr Mann, Herr Bach, der in einem ewigen Alarm von Eifersucht lebt, kommt mir just im Augenblick unsrer Schäferstunde, nachdem wir einander umarmt, geküßt, uns ewige Liebe geschworen und sozusagen den Prologus unsrer Komödie rezitiert hatten, und ihm auf dem Fuß ein ganzes Rudel seiner Kameraden, rottiert und herbeigeschleppt durch seinen Aberwitz, um sein Haus – denkt einmal! – nach seiner Frauen Liebhaber zu durchsuchen.

Fluth.
Was, während Ihr noch da wart?

Falstaff.
Während ich da war.

Fluth.
Und suchte er nach Euch und konnte Euch nicht finden?

Falstaff.
Ihr sollt hören. Das gute Glück fügte es so, daß eine gewisse Frau Page hereinkommt und Fluths Ankunft meldet; und auf ihre Erfindung und bei der Verzweiflung der Frau Fluth steckten sie mich in einen Waschkorb.

Fluth.
In einen Waschkorb!

Falstaff.
Ja, in einen Waschkorb; bepackten mich mit schmutzigen Hemden und Schürzen, Socken, schmutzigen Strümpfen und schmierigen Tischtüchern; wahrhaftig, Herr Bach, es war die abscheulichste Komposition von niederträchtigem Gestank, die je ein Geruchsorgan entrüstet.

Fluth.
Und wie lange lagt Ihr darin? –

Falstaff.
Oh, Ihr sollt hören, Herr Bach, was ich ausgestanden habe, um diese Frau zu Eurem Besten zum Bösen zu verleiten. Nachdem ich so in den Korb eingepfercht war, wurden ein paar von Fluths Kerlen, seine Knechte, von ihrer Frau herbeigerufen, um mich als schmutzige Wäsche auf die Datchetwiese zu tragen; sie nahmen mich auf die Schultern, begegneten dem eifersüchtigen Kerl, ihrem Herrn, in der Tür, der sie ein paarmal fragte, was sie im Korbe hätten? – Ich zitterte vor Furcht, der verrückte Kerl möchte nachsuchen; aber das Fatum, das einmal beschlossen hat, er solle ein Hahnrei werden, hielt seine Hand zurück. Nun gut, weiter ging er als Spion, und fort ging ich als schmutzige Wäsche. Aber habt acht auf das, was jetzt folgt, Herr Bach: ich erlitt die Qual dreier verschiedener Todesarten; erstlich eine unerträgliche Furcht, von dem eifersüchtigen, verfaulten Leithammel entdeckt zu werden; zweitens, im Zirkel gekrümmt zu liegen wie eine gute Klinge im Umkreise eines Viertelscheffels, Heft an Spitze, Sohle an Kopf; und endlich, verkorkt zu sein wie ein starker Aquavit, mit stinkendem Leinzeug, das in seinem eignen Fette gor; denkt Euch nur, ein Mann von meinen Nieren, denkt nur – der sowenig Hitze verträgt als Butter: ein Mann, der in ewigem Auftauen und Evaporieren lebt; es war ein Wunder, dem Ersticken zu entgehn. Und im Siedepunkt dieses Bades, als ich schon über die Hälfte in Fett geschmort war wie ein holländisches Gericht, in die Themse geworfen zu werden, und glühend heiß in der Flut abzukühlen wie ein Hufeisen – denkt Euch nur, zischend heiß – denkt nur, Herr Bach.

Fluth.
In allem Ernst, Sir, es tut mir leid, daß Ihr um meinetwillen das alles ausgestanden. Meine Sache steht danach verzweifelt? Ihr macht Euch wohl nicht zum zweiten Male an sie? –

Falstaff.
Herr Bach, ich will mich in den Ätna werfen lassen, wie ich in die Themse geworfen bin, eh ich sie so aufgebe. Ihr Mann ist diesen Morgen auf die Vogelbeize gegangen, ich habe die Botschaft zu einem zweiten Stelldichein von ihr; zwischen acht und neun ist die Stunde, Herr Bach.

Fluth.
Es ist schon acht vorbei, Sir.

Falstaff.
Wirklich? Nun so geh ich auf meinen Posten. Kommt zu mir, sobald's Euch eben gelegen ist, und Ihr werdet von meinen Siegen hören, und die Krone von allem soll sein, daß sie Euer wird. Lebt wohl. Ihr sollt sie besitzen, Herr Bach; Herr Bach, Ihr sollt dem Fluth Hörner aufsetzen. (Geht ab.)

Fluth.
Hm! – ha! Ist das eine Erscheinung? Ist's ein Traum? Schlaf ich? Freund Fluth, wach auf, wach auf, Freund Fluth; es ist ein Loch in deinem besten Rock, Freund Fluth. Das kommt vom Heiraten! Das kommt davon, Linnen und Waschkörbe zu haben! Nun, die Welt soll erfahren, wie's mit mir steht; ich will den lockern Finken jetzt schon fassen; er ist in meinem Hause, er kann mir nicht entgehn, es ist nicht möglich, daß er's könnte; er kann doch nicht in eine Pfennigbüchse kriechen oder in eine Pfefferdose; aber damit der Teufel, der ihn schützt, ihm nicht durchhilft, will ich auch die unmöglichen Plätze durchsuchen. Ich kann zwar nicht dem entgehn, was ich einmal bin; aber daß ich bin, was ich nicht sein möchte, soll mich nicht zahm machen. Wenn ich Hörner habe, die einen toll machen können, so will ich dem Sprichwort Ehre machen und horntoll sein. (Ab.)

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