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Die lustigen Weiber von Windsor

William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor - Kapitel 12
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleDie lustigen Weiber von Windsor
pages333-335
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritte Szene

Zimmer in Fluths Hause

Frau Fluth, Frau Page und Knechte mit einem Waschkorb treten auf

Frau Fluth.
He, John! He, Robert! –

Frau Page.
Geschwind, geschwind! Ist der Waschkorb...

Frau Fluth.
Ja doch! – He, Robin, sag ich...

Frau Page.
Macht fort! Macht fort!

Frau Fluth.
Hier setzt ihn hin.

Frau Page.
Sagt Euern Leuten, was sie tun sollen; wir müssen schnell machen!

Frau Fluth.
Nun also, John und Robert, wie ich euch vorhin sagte, haltet euch hier nebenbei im Brauhause fertig; und wenn ich eilig rufe, kommt herein und nehmt ohne Verzug und Bedenken diesen Korb auf eure Schultern. Wenn das geschehn ist, trabt mir damit in aller Hast und bringt ihn zu den Bleichern auf die Datchetwiese, und da schüttet ihn aus in den schlammigen Graben nicht weit von der Themse.

Frau Page.
Wollt ihr das tun?

Frau Fluth.
Ich hab's ihnen schon lang und breit auseinandergesetzt, sie brauchen keine weitre Anweisung. Geht nun, und kommt auf den ersten Aufruf!

(Die Knechte gehn ab.)

Frau Page.
Hier kommt der kleine Robin.

Robin kommt.

Frau Fluth.
Nun, wie geht's, mein kleiner Zeisig? Was bringst du Neues? –

Robin.
Mein Herr, Sir John, ist zur Hintertür hereingekommen, Frau Fluth, und wünscht Euch aufzuwarten.

Frau Page.
Du kleiner Gelbschnabel, bist du uns auch treu gewesen?

Robin.
Ja, das schwör ich; mein Herr weiß nicht, daß Ihr hier seid, und hat mir gedroht, mich in ewge Freiheit zu versetzen, wenn ich Euch davon sage; denn er schwört, er will mich fortjagen.

Frau Page.
Du bist ein guter Junge; diese deine Verschwiegenheit soll dein Schneider werden und dir ein neues Wams und Hosen machen. Ich will mich verstecken.

Frau Fluth.
Das tut. – Geh, sag deinem Herrn, ich sei allein. Frau Page! vergeßt Euer Stichwort nicht! –

(Robin ab.)

Frau Page.
Sorge nur nicht; wenn ich meine Rolle nicht gut spiele, so zische mich aus. (Geht ab.)

Frau Fluth.
Nun wohlan; wir wollen schon mit dir fertig werden, du ungesunde Feuchtigkeit, du großer wäßriger Kürbis! wir wollen dich lehren, Tauben von Krähen zu unterscheiden.

Falstaff tritt ein.

Falstaff.
Hab ich dich errungen, mein himmlisches Juwel? Ha! Jetzt, Götter, laßt mich sterben, denn ich habe lange genug gelebt. Dies ist das Ziel meines Ehrgeizes! O die süße Stunde! –

Frau Fluth.
Oh, liebster Sir John! –

Falstaff.
Frau Fluth, ich kann nicht süß tun, ich kann nicht deklamieren, Frau Fluth. Nun laß mich einen sündlichen Wunsch aussprechen: ich wollte, dein Mann wäre tot. Ich will's dem ersten Lord ins Angesicht sagen; ich würde dich zu meiner Lady machen.

Frau Fluth.
Ich Eure Lady, Sir John? Ach, ich würde eine klägliche Lady abgeben! –

Falstaff.
Laß mir den französischen Hof einmal eine zweite solche aufweisen! Ich sehe, wie dein Auge mit dem Diamanten wetteifern würde. Du hast grade die schöngewölbte Stirn, die zu jedem Aufsatz gut kleidet; zum großen Segelaufsatz, zum Amazonenaufsatz oder zum venezianischen Aufsatz.

Frau Fluth.
Eine simple Haube, Sir John; meiner Stirn steht sonst nichts, und auch das nicht einmal recht.

Falstaff.
Du übst Felonie, wenn du so sprichst. Eine vollkommene Hofdame gäbst du ab; und der feste Akzent deines Fußes würde deinem Gange eine herrliche Bewegung geben in einem halbrunden Reifrock. Ich sehe, was du sein würdest, wenn Fortuna dir nicht als Feindin widerstrebte: Natur ist deine Freundin; ja, ja, das kannst du nicht verbergen.

Frau Fluth.
Glaubt mir, davon ist nichts in mir.

Falstaff.
Was machte mich in dich verliebt? Daraus kannst du den Schluß ziehn, du seist etwas Außerordentliches. Komm, ich kann nicht süß tun und sagen, du seist dies und das, wie so manche lispelnde Weißdornblüten, die wie Weiber in Mannskleidern gehn und riechen wie ein Apothekerladen zur Zeit der Kräuterlese; ich kann's nicht; aber ich liebe dich, keine als dich, und du verdienst es.

Frau Fluth.
Hintergeht mich nicht, Sir; ich fürchte, Ihr liebt Frau Page.

Falstaff.
Du könntest ebensogut sagen, ich liebe einen Spaziergang auf den Schuldturm, der mir ebenso verhaßt ist als der Rauch aus einem Kalkofen.

Frau Fluth.
Nun, der Himmel weiß, wie ich Euch liebe; und Ihr werdet einst noch erfahren –

Falstaff.
Bleibt bei der Gesinnung; ich werde sie verdienen.

Frau Fluth.
Oh, ich muß Euch sagen, das tut Ihr schon, sonst würde ich diese Gesinnung nicht hegen.

Robin (draußen).
Frau Fluth, Frau Fluth, hier ist Frau Page vor der Tür und schwitzt und keucht, und sieht ganz verstört aus; sie will gleich Euch sprechen.

Falstaff.
Sie soll mich nicht sehn, ich will mich hinter der Tapete verschanzen.

Frau Fluth.
Ach ja, tut das, sie ist eine gar zu schwatzhafte Frau.
    Falstaff versteckt sich hinter der Tapete. Frau Page tritt ein.
Nun, was gibt's? Was ist?

Frau Page.
Oh, Frau Fluth, was habt Ihr gemacht! Ihr seid beschimpft, Ihr seid verloren, Ihr seid auf ewig zugrunde gerichtet! –

Frau Fluth.
Was gibt's, liebe Frau Page?

Frau Page.
Recht allerliebst, Frau Fluth! – So einen ehrlichen, guten Mann zu haben und ihm solchen Anlaß zum Argwohn geben! –

Frau Fluth.
Was für einen Anlaß zum Argwohn?

Frau Page.
Was für einen Anlaß zum Argwohn? Schämt Euch doch! Wie hab ich mich in Euch geirrt! –

Frau Fluth.
Nun, mein Gott, was gibt's denn?

Frau Page.
Euer Mann kommt her, Frau, mit allen Gerichtsdienern aus Windsor, um einen Herrn zu suchen, der, wie man sagt, jetzt mit Eurer Einwilligung hier im Hause ist, um sich seine Abwesenheit auf unerlaubte Art zunutze zu machen. Ihr seid verloren! –

Frau Fluth (leise).
Sprich lauter! (Laut.) Mein Gott, ich will nicht hoffen? –

Frau Page.
Gebe Gott, daß sich's nicht so verhalte, und daß Ihr nicht so jemand hier habt; aber das ist ganz gewiß, Euer Mann kommt mit halb Windsor hinter sich, um so jemand aufzusuchen. Ich lief voran, es Euch zu sagen; wenn Ihr Euch rein wißt, nun, so soll's mich freuen; habt Ihr aber einen Freund hier, so macht, macht, daß er wegkommt. Verliert die Fassung nicht; ruft alle Eure Lebensgeister zusammen; verteidigt Euern Ruf, oder sagt Euern guten Tagen auf ewig Lebewohl.

Frau Fluth.
Was soll ich tun? Freilich ist ein Herr hier, ein sehr werter Freund, und ich fürchte meine eigne Schande nicht so sehr als seine Gefahr. Mir wär's lieber als tausend Pfund, wenn ich ihn außer Hause wüßte! –

Frau Page.
Ei, geht mir jetzt mit Eurem: mir wär's lieber! mir wär's lieber! Euer Mann wird gleich zur Stelle sein; denkt, wie Ihr ihn fortschafft; – im Hause könnt Ihr ihn nicht verstecken. – Oh, wie ich mich in Euch geirrt habe. – – Seht, hier steht ein Korb; wenn er nur irgend von gescheiter Statur ist, kann er hier hineinkriechen; und dann werft schmutzige Wäsche auf ihn, als ging es zum Einweichen; oder, es ist gerade Bleichenszeit, schickt ihn durch Eure zwei Knechte auf die Datchetwiese.

Frau Fluth.
Er ist zu dick, um da hineinzugehn; was fang ich an? –

Falstaff kommt hervor.

Falstaff.
Laßt einmal sehn! laßt einmal sehn! O laßt mich einmal sehn! Ich will hinein, ich will hinein; folgt dem Rat Eurer Freundin; ich will hinein.

Frau Page.
Was! Sir John Falstaff! Sind das Eure Briefe, Ritter?

Falstaff.
Ich liebe dich – hilf mir nur weg! – laß mich da hineinkriechen, ich will niemals – –

(Er kriecht in den Korb, sie decken ihn mit schmutziger Wäsche zu.)

Frau Page.
Hilf deinen Herrn zudecken, Kleiner! Ruft Eure Leute, Frau Fluth! Ihr heuchlerischer Ritter!

Frau Fluth.
He, Johann! Robert! Johann! Bringt mir die Wäsche fort, hurtig! Wo ist die Tragstange? Seht, wie ihr trödelt! Tragt's zur Wäscherin auf die Datchetwiese; hurtig! macht fort! –

Fluth, Page, Cajus und Evans kommen.

Fluth.
Ich bitt euch, kommt herein. Wenn ich ohne Grund Verdacht hege, so foppt mich und treibt euern Spott mit mir! es geschieht mir recht. – Holla! – wo wollt ihr damit hin?

Knecht.
Zur Wäscherin, Herr.

Frau Fluth.
Ei, was geht's dich denn an, wohin sie's tragen? Du willst dich wohl auch um meine Körbe kümmern?

Fluth.
Körbe? Ja, ich wollte, du verstandst dich drauf, einen Korb zu geben; wahrhaftig, ein Korb wäre hier recht an der Zeit gewesen. (Die Knechte tragen den Korb hinaus.) Ihr Herrn, mir träumte die Nacht etwas; ich will euch meinen Traum erzählen. Hier, hier, hier sind meine Schlüssel; geht hinauf in alle Zimmer; sucht, forscht, spürt aus; ich steh euch dafür, wir stöbern den Fuchs aus seinem Bau. Ich will ihm hier den Weg vertreten; so, jetzt grabt ihn aus.

Page.
Lieber Herr Fluth, seid ruhig, Ihr tut Euch selbst zu nah.

Fluth.
Ihr habt recht, Herr Page. Hinauf, ihr Herrn; ihr sollt gleich euern Spaß erleben; kommt nur mit, ihr Herrn.

(Er geht ab.)

Evans.
Tas ischt kar phantastische Krillen und Eifersuchten.

Cajus.
Pardieu, tas is nik la mode in Frankreik; man sein nik jaloux in Frankreik.

Page.
Nun kommt, ihr Herren; wir wollen sehn, wie dies Suchen abläuft.

(Sie gehn ab.)

Frau Page.
Ist das nicht ein doppelt königlicher Spaß?

Frau Fluth.
Ich weiß nicht, was mir besser gefällt, daß mein Mann angeführt ist oder Sir John.

Frau Page.
Wie ihm wohl zumut war, als Euer Mann fragte, was im Korb sei!

Frau Fluth.
Ich fürchte fast, daß eine Wäsche ihm ganz zuträglich sei; und so wird's ihm eine Wohltat, wenn sie ihn ins Wasser werfen.

Frau Page.
An den Galgen mit dem ehrvergeßnen Schurken! Ich wollte, daß alle von dem Gelichter in gleicher Not steckten! –

Frau Fluth.
Ich glaube, mein Mann muß einen besondern Verdacht auf Falstaffs Hiersein haben; denn nie sah ich ihn so wild in seiner Eifersucht als diesmal.

Frau Page.
Ich will schon etwas ausdenken, um das herauszubringen; und wir müssen dem Falstaff noch mehr Streiche spielen; seine liederliche Krankheit wird schwerlich dieser einen Arznei weichen.

Frau Fluth.
Sollen wir ihm das alberne Tier, die Frau Hurtig, zuschicken, um uns zu entschuldigen, daß man ihn ins Wasser geworfen? Und ihm noch einmal Hoffnung geben, um ihn noch einmal abzustrafen? –

Frau Page.
Das wollen wir tun; wir wollen ihn auf morgen früh um acht herbestellen, um ihn schadlos zu halten.

Fluth und Page kommen mit den andern zurück.

Fluth.
Ich kann ihn nicht finden; vielleicht prahlt der Schurke mit Dingen, die er nie erlangen konnte.

Frau Page.
Hört Ihr wohl?

Frau Fluth.
Ja, ja, nur stille. – Ihr behandelt mich recht artig, Herr Fluth; in der Tat! –

Fluth.
Nun ja, das tu ich auch.

Frau Fluth.
Der Himmel mach Euch besser, als Eure Gedanken sind!

Fluth.
Amen!

Frau Page.
Ihr tut Euch selbst recht zu nah, Herr Fluth! –

Fluth.
Ja, ja, ich muß es schon hinnehmen.

Evans.
Wann hier Kreatur im Hause ischt und in tene Zimmer, auf tene Pöten, in tene Kisten und Kasten, so verkepe mir himmlische Küte meine Sünden am Take tes Kerichts.

Cajus.
Pardieu, mir auk nik; da is nik ein Seel.

Page.
Pfui, pfui, Herr Fluth, schämt Ihr Euch nicht? Welcher Geist, welcher Teufel bringt Euch auf solche Einbildungen? Ich möchte diese Eure Verstimmung nicht haben, nicht für alle Schätze von Windsors Schloß.

Fluth.
Das ist mein Fehler, Herr Page; ich büße dafür.

Evans.
Ihr püßt für Euer böses Kewisse; Euer Weip ischt so ehrliche Frau, als man sich wünsche kann unter fünftausend und fünfhundert ope trein.

Cajus.
Pardieu, ik sehn, es is ein hehrlik Frau.

Fluth.
Schon gut! Ich versprach euch eine Mahlzeit; kommt, kommt, geht mit mir in den Park. Ich bitt euch, verzeiht mir; ich will euch hernach erzählen, warum ich so verfahren habe. – Komm, Frau; kommt, Frau Page; ich bitt euch, verzeiht mir; ich bitte herzlich drum, verzeiht mir.

Page.
Laßt uns gehn, ihr Herren; aber verlaßt euch drauf, wir wollen ihn aufziehn. Ich lade euch sämtlich ein, morgen in meinem Hause zu frühstücken; hernach wollen wir auf die Vogeljagd; ich habe einen herrlichen Waldfalken; seid ihr's zufrieden?

Fluth.
Mir ist's alles recht.

Evans.
Wann einer ta ischt, so will ich in ter Kompanie ten zweiten abkepen.

Cajus.
Wenn da sein ein oder swei, will ik sie habgeben den tritt.

Fluth.
Ich bitt Euch, kommt, Herr Page.

Evans.
Nun pitt ich Euch, tenkt mir auf Morke an lausigen Schurken, unsern Herrn Kastwirt!

Cajus.
Das ist sehr gut; pardieu, von ganz mein 'erz.

Evans.
's ischt lausiger Schurke, mit seinen Spotthaftigkeite und Stichelworte! –

(Sie gehn ab.)

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