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Die lustigen Weiber von Windsor

William Shakespeare: Die lustigen Weiber von Windsor - Kapitel 11
Quellenangabe
typecomedy
booktitleEin Sommernachtstraum ? Der Kaufmann von Venedig ? Viel Lärm um nichts ...
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20635-6
titleDie lustigen Weiber von Windsor
pages333-335
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweite Szene

Straße in Windsor

Frau Page und Robin treten auf

Frau Page.
Nun, geh nur immer voran, mein kleiner Junker, sonst warst du gewohnt, nachzufolgen, jetzt aber bist du der Vorläufer. Was ist dir nun lieber? Meine Blicke zu leiten oder auf deines Herrn Fersen zu blicken?

Robin.
Ich werde doch lieber vor Euch hergehn wie ein Mann, als ihm nachfolgen wie ein Zwerg? –

Frau Page.
Ei, du bist ein kleiner Schmeichler; ich sehe schon, du wirst einmal ein Hofmann.

Fluth kommt.

Fluth.
Willkommen, Frau Page! Wo hinaus?

Frau Page.
Ich wollte grade Eure Frau besuchen. Ist sie zu Hause?

Fluth.
Ja, und so müßig, daß sie vor Langeweile nur noch eben zusammenhängt. Ich denke, wenn eure Männer tot wären, ließt ihr beide euch trauen.

Frau Page.
Ganz gewiß, mit zwei andern Männern.

Fluth.
Woher habt Ihr denn diesen allerliebsten Wetterhahn?

Frau Page.
Ich weiß nicht mehr, wie zum Kuckuck doch der Mann heißt, von dem mein Mann ihn hat – wie heißt Euer Ritter doch mit Namen, Kleiner?

Robin.
Sir John Falstaff.

Fluth.
Sir John Falstaff! –

Frau Page.
Ja, ja, ich kann mich nie auf seinen Namen besinnen. Er und mein guter Mann sind solche besondre Freunde! Ist Eure Frau wirklich zu Hause?

Fluth.
Allerdings.

Frau Page.
So erlaubt, Herr Fluth, ich bin ganz krank, sie zu sehn.

(Frau Page und Robin ab.)

Fluth.
Hat der Page kein Gehirn? hat er keine Augen? hat er keine Gedanken? Wahrhaftig, das alles schläft bei ihm, er weiß es nicht zu gebrauchen. Der Junge da wird so leicht einen Brief zwanzig Meilen weit tragen, als eine Kanone zwanzig dutzendmal ins Weiße trifft. Er schneidert selbst die Liebestorheit seiner Frau zurecht; er tut ihr Vorschub und macht ihr Gelegenheit, und nun geht sie zu meiner Frau und Falstaffs Bursche mit ihr – dies Hagelwetter kann man wahrhaftig schon von weitem pfeifen hören! Und Falstaffs Bursche mit ihr! Ein hübsches Komplott! Geschmiedet haben sie's, und unsre rebellischen Weiber teilen die Verdammnis miteinander. Nun, ich will ihn fangen und hernach meine Frau recht tüchtig quälen, der scheinheiligen Frau Page den Schleier ihrer Sittsamkeit abreißen, ihren Mann als einen sorglosen und gutwilligen Aktäon zur Schau stellen, und zu diesem stürmischen Verfahren soll die ganze Nachbarschaft Beifall rufen. Die Uhr gibt mir das Zeichen und meine Zuversicht heißt mich suchen; den Falstaff muß ich dort finden. Man wird mich gewiß eher darum loben als verspotten, denn es ist so ausgemacht, als die Erde feststeht, daß Falstaff dort ist. Ich will hingehn.

Es kommen Page, Schaal, Schmächtig, Wirt, Evans und Cajus.

Alle.
Ei, willkommen, Herr Fluth! –

Fluth.
Nun, wahrhaftig, eine hübsche Bande! Mein Tisch ist heut gut besetzt, ich bitte euch, daß ihr alle bei mir einsprecht.

Schaal.
Ich muß mich entschuldigen, Herr Fluth.

Schmächtig.
Das muß ich auch, Herr Fluth. Wir haben versprochen, mit Jungfer Anne zu speisen, und ich möchte mein Wort nicht brechen für mehr Geld, als ich nennen will.

Schaal.
Wir haben schon lange eine Heirat zwischen Anne Page und meinem Vetter Schmächtig auf dem Korn, und heute sollen wir das Jawort holen.

Schmächtig.
Ich hoffe doch, ich habe Eure Einwilligung, Vater Page?

Page.
Die habt Ihr, Herr Schmächtig, ich stimme ganz für Euch; aber meine Frau, Herr Doktor, ist allerdings auf Eurer Seite.

Cajus.
Oui, pardieu, und die Mädel lieben mir, mein Wartfrau 'urtig 'aben mik das gesagt.

Wirt.
Und was sagt Ihr zu dem jungen Herrn Fenton? Er springt, er tanzt, er hat junge, feurige Augen, er schreibt Verse, er spricht Festtagsworte, er duftet wie April und Mai; der führt sie heim, der führt sie heim, der hat das Glück in der Tasche, der führt sie heim.

Page.
Nicht mit meinem Willen, das versichr ich Euch. Der junge Mensch hat kein Vermögen. Er hat in des wilden Prinzen Gesellschaft gelebt; er ist aus einer zu hohen Region, er weiß zuviel. Nein, der soll mit dem Finger meines Reichtums keinen Knoten in sein Glück knüpfen, will er sie nehmen, so mag er sie ohne Aussteuer nehmen; das Vermögen, das mir gehört, wartet auf meine Einwilligung, und meine Einwilligung geht dieses Wegs nicht.

Fluth.
Ich bitt euch inständigst, einige von euch müssen mit mir essen; außer einer guten Mahlzeit steht euch ein Spaß bevor: ich will euch ein Monstrum zeigen. Herr Doktor, Ihr müßt mitgehn, Ihr auch, Herr Page, und Ihr, Sir Hugh.

Schaal.
Nun, so lebt wohl, wir können dann unsre Werbung um so besser beim Herrn Page anbringen.

(Schaal und Schmächtig ab.)

Cajus.
Gehn du nak 'aus, 'ans Rugby, ik kommen bald nak.

Wirt.
Lebt wohl, Kinder, ich will zu meinem ehrsamen Ritter Falstaff und eine Flasche Sekt mit ihm umbringen.

Fluth (beiseite).
Und ich will vorher noch eins mit ihm umspringen, denn er soll diesmal nach meiner Pfeife tanzen. – Wollt ihr mitkommen, liebe Herrn?

Alle.
Wir gehn mit, das Monstrum zu sehn.

(Sie gehn ab.)

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