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Die lustige Arche

Fred Endrikat: Die lustige Arche - Kapitel 6
Quellenangabe
typepoem
booktitleDie lustige Arche
authorFred Endrikat
year1935
firstpub1935
publisherG. Hirth
addressMünchen
titleDie lustige Arche
pages54
created20131105
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Bär als Tenor

                    Im Walde lebte ein alter Bär,
der faßte den Vorsatz: Ich brumme nicht mehr.
Das Brummen verletzt mein zartes Ohr,
ab morgen singe ich nur Tenor!
Wie gedacht, so getan. Schon in aller Früh
probierte er: la–la–la und mi–mi–mi–mie.
Entsetzt lauschten die Tiere des Waldes da
dem mi–mi–mi– und la–la–la–la.
Sie kriegten teils Leib- und teils Ohrenweh,
denn der Bär kam nicht mal bis zum tiefen c.
Doch dacht er bei sich: »Man nur nich brummen.
Nur Geduld und Spucke, es wird schon kummen.«
Er gurgelte mit Honig, wie ein Stimmgenie,
und probte weiter: la–la–la– und mi–mi–mi–mie.
Am Nachmittag klang das mi–mi–mi schon viel leiser.
Als der Abend kam, war der Bär ganz heiser.
Man hörte aus seiner Höhle la–la–la– röcheln,
und die Vöglein in den Bäumen mußten schadenfroh löcheln.
Vom stärksten Bären läßt sich das Singen
niemals mit Kraft und Gewalt erzwingen.
Es ist und bleibt die alte Geschicht:
Was eben nicht geht – das geht eben nicht.
So wars, so bleibts, und wirds stets kommen,
daß die Lerchen singen, und die Bären brommen.

 


 

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