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Die lustige Arche

Fred Endrikat: Die lustige Arche - Kapitel 5
Quellenangabe
typepoem
booktitleDie lustige Arche
authorFred Endrikat
year1935
firstpub1935
publisherG. Hirth
addressMünchen
titleDie lustige Arche
pages54
created20131105
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der pensionierte Auerhahn

        Es war einmal ein Auerhahn,
der hatte seine Pflicht getan.
Acht Jahre lang und noch viel mehr,
dann ward der Dienst ihm etwas schwer.
Kein Ding auf Erden ewig dauert,
er hatte eben aus-geauert.
Nun ließ er seine Blicke schweifen
betrübt zu all den Ordensschleifen,
Diplomen und den Ehrenpreisen,
die er er-auert einst auf Reisen.
Was halfen ihm jetzt all die Prämien?
Er mußt sich vor den Hühnern schämien
Kein Hafer und kein Sellerie
entlockte ihm ein Kikeriki.
Es klang jetzt wie ein heis'res Quieken
sein einst so frohes Kikerikieken.
Und alle Hennen, alle Glucken
die waren darob baß erschrucken.
So stand er traurig wie Piek sieben
im Kreise seiner Hühnerlieben.
Man hat den Enterich gebeten
den Hahn einstweilen zu vertreten.
Was kümmert sich das Federvieh
um Sittlichkeit und Bigamie.
»Jawoll,« sprach stolz der Enterich,
»die Kleinigkeit besorge ich.«
Am Zaun stand nun der Auerhahn
und sah voll tiefer Trauer an,
wie seine Hennen, seine Glucken,
ohn mit der Wimper nur zu zucken,
im Gegenteil noch mit Frohlucken
sich von dem Entrich ließen ducken.
Verächtlich tät der Hahn ausspucken:
»Pfui Teufel, ja so sind die Glucken.«
Dann kam der böse Bauer an
und schnappte sich den Auerhahn
und sprach: »Du oller Veteran
wirst höchstens für die Suppe taugen.«
Dann schlossen sich zwei Hühneraugen.
Was ist des Lebens ganze Mühe?
Ein kleiner Topp voll Hühnerbrühe! –

 


 

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