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Die lustige Arche

Fred Endrikat: Die lustige Arche - Kapitel 13
Quellenangabe
typepoem
booktitleDie lustige Arche
authorFred Endrikat
year1935
firstpub1935
publisherG. Hirth
addressMünchen
titleDie lustige Arche
pages54
created20131105
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der letzte Floh

            Sagt mir eins, ich frage euch ihr Lieben:
Wo sind nur die Flöhe allzumal geblieben?
Ausgestorben scheinen sie zu sein mit Haut und Haar.
Damals, als ich noch ein kleiner Junge war
mußten wir uns (es war lieblich anzusehen)
jeden Samstagabend vor dem Schlafengehen
gegenseitig wie die jungen Hunde flöhen.
Emsig suchten wir und fanden diese kleinen, flinken Dinger.
Mit dem naßgemachten Daumen und dem Zeigefinger
suchten wir, und fanden sie in Horden.
Heißa, dann begann ein lustig Flöhemassenmorden.
Kaufmännisch gesagt: Ein Mord en gros.
Musikalisch ausgedrückt: Mordissimo.
So erklär ich mir, daß nach und nach auf diese Weise
alle Flöhe ausgerottet wurden, wie die Indianer. Heimlich leise
möcht ich diesen festgestellten Tatbestand beweinen.
Aber eines weiß ich: Unsre gute, alte Oma hat noch einen.
Ja sie hat noch einen aus der Mädchenzeit, den liebt sie sehr.
Diesen einen gibt sie nie und nimmer her.
Allerdings behauptet unsre Oma, daß der Invalide
etwas hinke und schon überlebensmüde.
Titel, Orden, Ehrenzeichen und Banknoten –
alles hat ihr schon der Zoo dafür geboten.
Aber nein – sie gibt ihn nicht – sie pflegt ihn bis zum Tod.
Dieser Floh nascht bei der Großmama das Gnadenbrot.
Sollte nun die gute Oma schließlich einmal sterben,
werde ich den Flohpatriarchen von ihr erben.
Heute quält mich schon die Frage bis aufs Blut:
Ob der olle Floh wohl einen weißen Vollbart haben tut?

 


 

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