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Gutenberg > Lope de Vega >

Die Liebesheuchler

Lope de Vega: Die Liebesheuchler - Kapitel 4
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authorLope de Vega
titleDie Liebesheuchler
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translatorLudwig Fulda
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Dritter Akt

Ländliche Gegend

Erster Auftritt

(Es kommen) Felisardo, Baramo (und die beiden Musikanten) Rosileo, Alceo

Felisardo
Laßt uns hier lagern.

Alceo
            Ja, die Wiese
Gönnt uns ein friedliches Asyl,
Und von den Pappeln wird es kühl
Beschattet, gleich dem Paradiese.

Baramo
Welch hold Gewässer!

Rosileo
            Oftmals schon
Besungen.

Felisardo
            Tags belebt von Schwanen
Und nachts versilbert von Dianen,
Der Liebsten des Endymion.

Alceo
Wann wird der gute Felisardo
Aufhören, ein Poet zu sein?

Baramo
Ist er es oft?

Alceo
            Jahraus, jahrein,
Und zierlicher als ein Belardo Deckname, mit dem Lope sich selbst zu benennen pflegte..

Felisardo
Heißt Amor bei den Philosophen
Nicht Vater aller Poesie?
Wer hätt' auf seine Dame nie
Gedichtet irgendein paar Strophen?

Rosileo
Die Dichtkunst und die Malerei
Will keine Mittelmäßigkeiten.

Felisardo
Ja, sie sind Schwestern und bereiten
Die gleiche Wollust alle zwei;
Man soll, wenn sie nicht trefflich sind,
Sie weder lesen noch beschauen.

Baramo
O diese Lüfte, wie gelind!

Rosileo
Und aus den Quellen dieser Auen
Erklingt Musik.

Felisardo
            Sie ziehn, entspringend
Aus Gottes Adern, ihr Geleis
Und künden ihres Schöpfers Preis,
Ewige Melodien singend.

Alceo
Laßt unseres Gesanges Töne
Wetteifern mit dem Quell und Bach.

Baramo
Ja, von der Liebe singt uns.

Felisardo
(für sich)
            Ach,
Octavia, seelenlose Schöne!

Alceo Rosileo
(singen zur Laute)

Deine Zauberkraft, o Liebe,
Gibt uns Leben, gibt uns Tod;
Kein Geschöpf auf Erden bliebe
Fühllos für dein Machtgebot.

Uns zu schonen, uns zu retten,
Bitten wir dich auf den Knien;
Denn wir sind in deinen Ketten,
Ob wir weilen, ob wir fliehn.

Zweiter Auftritt

Vorige. (Von der anderen Seite kommen) Octavia, Beatriz (beide verschleiert), Damacio

Damacio
Zeigt, um das Auge mir zu blenden,
Mir endlich Euer Angesicht.

Octavia
Seid Ihr auf Lustbarkeit erpicht,
Wollt Euch an jemand anders wenden,
Wo solcher Redensarten Zucker
Mehr Vorteil Euch verschaffen kann.

Rosileo
Ei, seht mir diese Dämchen an!

Felisardo
Und den verliebten armen Schlucker.
Sie scheinen spröd.

Alceo
            Unnütze Leute,
Bemüht um Zeitvertreib.

Rosileo
            Was gilt's?
In Wittrung eines Edelwilds
Gehn diese Weiber aus nach Beute.

Felisardo
Sie treffen Anstalt, sich zu setzen.

Baramo
Ein Vorgang, wie er oft geschieht;
Denn Esel ohne Sattel sieht
Man überall auf Rasenplätzen.

Octavia
(leise)
Schau, Beatriz, nach jener Seite.

Beatriz
(ebenso)
Was?

Octavia
            Felisardo sitzt ja dort!

Beatriz
So ging er also doch nicht fort.

Octavia
Du siehst, wie recht ich prophezeite,
Da nur, um mich herumzukriegen,
Er vorgab, daß er von mir weicht.

Damacio
Was habt Ihr? Eifersucht?

Octavia
            Vielleicht.

Damacio
Betrübnis?

Octavia
            Was kann Euch dran liegen?

Damacio
Ha, seid Ihr nicht Octavia?

Octavia
            Schweigt!
Nennt meinen Namen nicht.

Damacio
            Ich nannte
Ihn nur, weil ich Euch jetzt erkannte;
Seid mir darum nicht abgeneigt
Und wollt vergeben, daß nicht mehr
Seit jenem Tag ich Euch besuchte,
An dem der Lümmel, der verruchte,
Mich überfiel mit blanker Wehr.

Grundsätzlich wag' ich abends spät,
Stünd' auch mein Herz im hellsten Feuer,
Zum zweitenmal kein Abenteuer,
Wenn vor der Tür ein Riese steht.

Octavia
Ihr macht durch Eurer Rede Schwung,
Damacio, nur die Sache schlimmer;
Taugt doch die Feigheit nie und nimmer
Zu triftiger Entschuldigung.

Damacio
Wie? Feigheit wär's, wenn man sich trennt
Von einem Hause, dessen Schwelle
Bewacht ein wütender Geselle,
Der dieses Hauses Herrn sich nennt,
Sich rühmt, in Gunst bei Euch zu stehn?

Octavia
Leis will ich Auskunft Euch erteilen.
(Sie fährt flüsternd fort)

Alceo
Auf dem Parnaß jetzt möcht' ich weilen.

Baramo
Ich lieber auf den Pyrenän.

Alceo
In Gottes Namen, wer ist hier,
Der eine spannende Geschichte
Erzählt?

Rosileo
            Wer sonst als du? Berichte,
Was an Absonderlichem dir
Begegnet ist im Maurenland.

Baramo
Nein, laßt uns was Gescheitres wählen:
Ein jeder soll von Gunst erzählen,
Die er bei seiner Liebsten fand.

Alceo
Vorzüglich!

Rosileo
(zu Baramo)
            Topp, du hast das Wort.

Baramo
Nun gut, auf allgemein Verlangen.

Damacio
(leise zu Octavia)
Laßt uns an seinen Lippen hangen,
Und fahrt nachher zu sprechen fort.

Baramo
Es war einmal, ihr Herrn, entschuldigt,
Ein Weibsbild, häßlich, dürr und flach;
Glück habe jeder, Ungemach
Hingegen, wer der Liebe huldigt.
Den Hof ihr macht' ich, in der Meinung,
Daß des Gesichtes hübschem Rund
Entsprechen werde der Befund
Der ganzen übrigen Erscheinung.
Bald aber ward ich unzufrieden:
Beim ersten traulichen Besuch
Fand ich das Muster von dem Tuch
Im allerhöchsten Grad verschieden.
Sie hatte Beine gleich zwei Rohren,
Und ihre Färbung, ungefähr
So schwarz wie Kohlen, paßte mehr
Für einen fieberkranken Mohren.
Dazu die Füßchen der Sirene!
Die sahen sich wie Kolben an,
Womit man Gips zerstampfen kann,
Und brauchten Schuhe, groß wie Kähne.
Dabei war sie noch fast ein Kind.

Felisardo
Was wird sie tun, wenn sie erwachsen?

Baramo
Doch einer von den jungen Dachsen,
Wie heutzutag sie häufig sind,
Ist ins Gehege mir gebrochen.
Dem überließ ich sie kurzum
Und sprach, nicht streiten woll' ich drum
Gleichwie ein Hund um einen Knochen.

Alceo
Mein Fall ist schrecklicher als Eurer.
Die meine war ein Fleischkoloß,
Ein massiges Rhinozeros,
Ein Elefant, ein ungeheurer,
Ein flandrisch Faß, und überbot
An Umfang Tamerlan den Recken,
Versehen mit zwei Sattelsäcken,
Zum Platzen voll von Klosterbrot.
Sie wirkte, breit und ungeschlacht,
Buchstäblich als Gigantenmutter,
Mit einer Haut, zum dicken Futter
Für Lederkoller wie gemacht.
Trotzdem war ich in allen Stücken
Ihr hörig, wurde mir's auch hart;
Denn schließlich, ist ein Mann vernarrt,
Pflegt er zwei Augen zuzudrücken.
Ich nahm sie mit mir in mein Haus.
Man pocht an meine Tür; im Schrecken
Und Wahn, sie müsse sich verstecken
Vor Häschern, wälzt sie sich hinaus
Und blieb die Nacht in einem Stall,
Wo die von Todesangst Erhitzte
Bis morgens früh so furchtbar schwitzte,
Daß draus entstand ein Flutenschwall.
Als ich dann endlich zu ihr drang,
Sie zu befrein aus der Beklemmung,
Fand ich in dieser Überschwemmung
Beinahe meinen Untergang.

Rosileo
Mit einer sündigen Hetäre
Kam einst ich heim in dunkler Nacht;
Sie war kein Weib von Rang und Pracht,
Glich eher einer alten Mähre.
Sie hatte wollne Strümpf und Jacke; Strumpfbänder trug sie aus Stramin,
Und ihr geflicktes Hemde schien
Genäht aus einem groben Sacke.
Ein Wohlgeruch von saurem Wein
Entströmte lieblich ihrem Munde;
Kein Dunst aus einem offnen Spunde
Vermag betäubender zu sein.
Erst zierte sie sich kurze Zeit
Und sprach: »Ich will nicht mit Euch kommen.
Von einem Trugbild eingenommen,
Weil man schlecht sieht bei Dunkelheit,
Wähnt' ich, mit mir nach Haus zu führen
Das herrlichste Geschöpf der Welt;
Ich hatte Gold- und Silbergeld
In einem Beutelchen mit Schnüren,
Dreihundert Gulden oder mehr,
Das zog sie mir geschickterweise …

Baramo
Und nahm sie's?

Rosileo
            Nahm's und schwebte leise
Davon auf Nimmerwiederkehr.

Felisardo
Geschichten das für Wald und Wiese,
Gezeugt von Jugendeselei.

Die meine, von Verbrämung frei,
Hat weit mehr Vornehmheit als diese
Und dient zu besserm Zeitvertreib.
Es war einmal von jenen eine,
Die heut in Mode sind; ich meine,
Gemischt aus Teufel und aus Weib.
Anmutig war sie, schön und klug
Und von dem Scheitel zu den Zehen
Wie ein Gemälde anzusehen,
Das reizend ist in jedem Zug,
Doch von solch äußerster Vollendung,
Wie keines Malers Kunst, wie nur
Die große Künstlerin Natur
Sie schafft im Rausche der Verschwendung.

Beatriz
(zu Octavia)
Hört Ihr?

Octavia
            Ich höre jedes Wort.

Felisardo
Die Nymphe brachte mich von Sinnen;
Denn sacht pflegt Liebe zu beginnen
Und setzt sich um so heft'ger fort.
Sie war wie eine Wetterfahne,
In ihren Launen kunterbunt,
Wie ein April, der ohne Grund
Bald Sonne vorweist, bald Orkane.
Zu gleicher Zeit zu lieben pflegte
Sie jeden Tag der Männer zehn,
Um nachts nicht mehr zu wissen, wen
Sie von den zehn im Herzen hegte.
Kein Dichter schrieb so vieles nieder
Wie sie; nur war's ein hohl Klingling.
Nie, wenn ich gestern von ihr ging,
Fand ich sie heut als gleiche wieder.
Und dennoch muß, all dies beiseit,
Ich ihre Sittenstrenge loben
Und muß gestehn, sie gab mir Proben
Von seltner Tugendhaftigkeit.
Sie reichte nämlich in drei Jahren
Die Hand kaum mehr als einmal mir;
Doch ihre Hand auf dem Papier
Bot schriftlich Lügen mir in Scharen.
So war sie, daß, wenn ähnlich wären
Ihr die gesamten heut'gen Fraun,
Es allen Männern würde graun,
Sie jemals liebend zu begehren.
Verzweifelnd hätt' ich gern erkannt,
Ob sie mir Glück bringt, ob Verhängnis,
Und auf dem Gipfel der Bedrängnis
Ward mir von Gott ein Freund gesandt.
Ich bat ihn, daß er sie umringe
Mit vorgespielter Liebesqual
Und Gaukelkünsten ohne Zahl,
Bis er sie regelrecht bezwinge.
Auch mög' er als ein glaubhaft Zeichen,
Wie grenzenlos er sie verehrt,
Geschenke von erlesnem Wert
Zu gleichem Zweck ihr überreichen.
Und ich, obwohl ich zwar so tat,
Als wär' ich rasend eifersüchtig,
Ich freue mich im stillen tüchtig,
Daß meinen Zweifeln Klarheit naht.
Ich hielt's für gut, mich zu gebärden,
Als reist' ich ab, doch blieb am Ort,
Und ist sie standhaft, dann – mein Wort
Darauf – soll meine Frau sie werden.

Octavia
(leise zu Beatriz)
Wohl mir, daß ich dies all vernommen;
Zustatten kommt's mir überaus.
(Laut)
Ich geh', Damacio, jetzt nach Haus.

Damacio
Ist mir erlaubt, mit Euch zu kommen,
Octavia?

Octavia
            Gebt mir nach Belieben
Bis an die Haustür das Geleit,
Doch weiter keinen Strohhalm breit.
Denn in den Sternen steht geschrieben,
Daß ich als Jungfrau sterben soll;
Das flüsterten heut im Vertrauen
Mir zu die Pappeln dieser Auen
Und diese Haine des Apoll.

Damacio
Gehn wir.
(Damacio, Octavia, Beatriz ab)

Baramo
            Die Dämchen …

Felisardo
            Sie verschwinden.

Rosileo
Ihr müßt uns, wenn Ihr Hochzeit macht,
Einladen.

Felisardo
            Gern! Mich treibt's, vor Nacht
Besagten Freund noch aufzufinden.

Alceo
Ich geh' zum Essen.

Baramo
            Ich zum Spiele.

Rosileo
Ich geh' zu einem Stelldichein.

Felisardo
Ich gehe meinen Weg allein,
Nachhängend meinem dunklen Ziele.

(Alle ab)
Straße wie zuvor

Dritter Auftritt

Clarinda, Evandro (kommen aus dem Hause links)

Clarinda
So trotzig war er?

Evandro
            Nicht zu sagen.
Er schalt und wetterte so wild,
Daß ich mir dacht', er führ' im Schild,
Den Herrn Pleberio totzuschlagen.
Der würdevolle Ton des Alten
Bezwang ihn aber; mattgesetzt
Durch den Beweis, blieb er zuletzt
Enttäuscht zurück und ungehalten.
Pleberio sucht Liseo nun,
Damit er ihm sein Glück bekunde.

Clarinda
Ich liebt' ihn sehr; doch diese Wunde
Muß ich versuchen abzutun.

Vierter Auftritt

Vorige. Don Lorenzo

Don Lorenzo
Clarinda!

Clarinda
            Himmel! Du?

Don Lorenzo
            Ja, ich.

Clarinda
Du wagst noch, zu mir vorzudringen?

Don Lorenzo
Die Gründe, die dazu mich zwingen,
Sind wichtig.

Clarinda
            Welche?

Don Lorenzo
            Hör nur.

Clarinda
            Sprich.

Don Lorenzo
Dein alter Oheim meldete,
Clarinda, heut mir deinen Auftrag,
Und er behandelte dabei
Mich minder gut, als mir gebührt.
Die Briefe gab er mir und Pfänder,
Die frostig du zurückgeschickt,
Obwohl sie vormals dich versengten.
Nachdem du diesen Dolch ins Herz mir
Gestoßen hast, wirst du gewiß
Verstehn, daß wie gepeitscht von Furien
Ich tobend rannte durch die Stadt.
An einer Straßenecke traf
Ich den Liseo, sprach ihn an
Und wandelte mit ihm gemächlich
Bis an des Manzanares Ufer,
Dort, wo sich jenseits von der Brücke
Ein altes Schloß im Wasser spiegelt.
Wir wurden handgemein, und er
Bezeigte fechtend so viel Mut,
So viel Geschicklichkeit und Tatkraft,
Daß ich dafür ihn loben muß.
Doch da den kürzern pflegt zu ziehen,
Wer selber sich im Unrecht weiß,
Streckt' ich ihn bei dem letzten Gang
Zu Boden mit zwei Todeswunden,
Und als ich schon das grüne Gras
Von seinem Blute rot gefärbt sah,
Sprang ich heran und prüft', ob Leben
Noch in ihm sei, damit geziemend
Man sorge für sein Seelenheil.
Doch durch des Himmels Fügung hauchte
Dein Liebster seine sünd'ge Seele
In seines Feindes Armen aus.
Ich eilte nach der Stadt zurück,
Um schleunigst mich zur Flucht zu rüsten;
Da fiel mir ein, man werde dich
Festnehmen und beschuldigen,
Und so, damit man dich nicht einsperrt
Im Kerker, bis man untersucht hat,
Ob du dran teil hast oder nicht,
Und du nicht Schimpf und Strafe leidest,
Erschein' ich hier und frage bebend,
Ob, da du keinen Bräutigam
Mehr hast, du mit mir kommen magst.
Ich will dich nach Italien führen,
Und mittlerweile bietet dir
Mein Gasthaus Schutz und Sicherheit.
Antworte hurtig und bedenk:
Die Flucht hat Engelsfittiche;
Des Bleibens Füße sind von Blei.

Clarinda
Weh mir! Was hast du da getan!

Don Lorenzo
Durft' ich die Wahrheit dir verschweigen?

Clarinda
Der Zweifel, ob dein Herz mein eigen,
Der Eifersucht verbohrter Wahn,
Die Furcht vor deinem Unbestand
Hat dieses Kreuz heraufbeschworen;
Doch geht mir alles auch verloren,
Ich reich' als Gattin dir die Hand
Und folge lebend oder tot,
Wohin dich deine Sterne treiben.

Don Lorenzo
Evandro soll im Hause bleiben,
Um, wenn mir die Verhaftung droht,
Sogleich Bericht mir zu erstatten.
Fürcht' ich doch sehr, mein Zufluchtsort
Ist dem Gericht bekannt. Nun fort!

Clarinda
Ich folge dir als meinem Gatten.
(Beide ab)

Evandro
(allein)
Ein großer Schmerz! Ein harter Kummer!
Liseo, wackrer, treuer Mann,
Der, eh sein Leben recht begann,
Schon eingehn muß zum ew'gen Schlummer!
Um ihres Hauptmanns Eifersucht
Zu schüren, drum hat unbesonnen
Mein Fräulein ihren Ohm umsponnen
Mit Trug; das ist der Liebe Frucht.
Wer sagt mir, wie der Wirrwarr endet?
Und was beginn' ich meinerseits?
Man kommt! Das sind wohl gar bereits
Die Häscher, die man ausgesendet,
Die schuldlos Schuldige zu fangen.
Gott helf' mir! Täuscht mich mein Gesicht?
Ist das der Umgebrachte nicht?

Fünfter Auftritt

Evandro (Es kommen) Pleberio, Liseo (und ein) Notar

Liseo
Ging's gut?

Pleberio
            Vortrefflich ist's gegangen.

Liseo
Und er? Was sprach er?

Pleberio
            Überlegt,
Ihr, der Clarinda liebt mit Sehnen,
Wie mein Bericht gewirkt auf jenen,
Der gleichfalls Liebe für sie hegt.

Liseo
Er drohte wohl, mich umzubringen?

Pleberio
Ja; doch deswegen seid nicht bang;
Spürt zum Erstechen er den Drang,
Ersticht er mich vor allen Dingen.
Ich zitterte vor Wut und Grimm
Auf diesen windigen Soldaten;
Bloß weil ich, von Vernunft beraten,
Die Folgen hielt für allzu schlimm,
Hab' ich ihn nicht entzweigespalten.
Denn Zorn, der lodernd aufbegehrt,
Macht einen Stock zu einem Schwert,
Zum tapfren Jüngling einen Alten.

Liseo
Ein Mann wie Ihr – das glaub' ich gern.

Pleberio
Ich war Soldat, erschlug viel Heiden.

Liseo
Nun zum Geschäfte von uns beiden.
Es liegt mir, Herr Pleberio, fern,
Auf Mitgift viel Gewicht zu legen.

Kommt nicht auf diesen Punkt zurück;
Denn meine Zukunft soll auf Glück
Beruhn und auf des Höchsten Segen.
Bloß weil Ihr's wünscht, soll der Vertrag
In Eurem Sinn gefertigt werden,
Obwohl für mich kein Gut auf Erden
Clarindas Wert erreichen mag.

Pleberio
(zum Notar)
Ihr seid, Herr Placido, vertraut
Mit diesem Fall.

Notar
            Ja, mir ist alles
Bekannt bezüglich dieses Falles.
Ich sehe nur noch nicht die Braut.
Laßt sie erscheinen zur Gewährung
Des Jaworts.

Pleberio
            Das wird gleich geschehn;
Was wir vereinbart, soll sie sehn
Und es besiegeln durch Erklärung.
Evandro!

Evandro
            Herr?

Pleberio
            Ruf meine Nichte.
Hält Scham und Scheu sie fern, so sag,
Notwendig sei's, daß im Vertrag
Sie sich durch Unterschrift verpflichte.

Evandro
Sie kann nicht kommen, Herr.

Pleberio
            Sie kann nicht?
Wenn ich es will? Vernehm' ich recht?

Liseo
Ehrt sie den Bräutigam so schlecht,
Ihr Narr zu sein, bin ich der Mann nicht,

Pleberio
Sag, um ihr Jawort zu verbuchen,
Erwarte sie der Herr Notar.

Evandro
Wollt Ihr sie sehn, dann, Herr, fürwahr,
Müßt Ihr woanders nach ihr suchen.

Pleberio
Ist sie denn nicht zu Hause?

Evandro
            Nein.

Liseo
Mich überrieseln Hitz' und Kälte.

Evandro
Der Hauptmann Don Lorenzo stellte
Vorhin sich unversehns hier ein,
Bleich wie der Tod, verstört, beklommen,
Mit mantelfreiem rechten Arm,
Gleich einem Menschen, der brühwarm
Beträchtlicher Gefahr entkommen,
Die Augen sonderbar gerötet.

Liseo
Es ahnt mir schrecklicher Verdruß.

Evandro
Er sprach, er habe nah dem Fluß
Liseo, seinen Feind, getötet.

Liseo
Mich?!

Evandro
            Mit ihm bat er sie zu fliehn;
Denn Torheit wär' es, zu verharren,
Bis kläglich auf dem Sünderkarren
Sie müss' in das Gefängnis ziehn.

Und weil Clarinda diesen Mord
Nicht hielt für eine leere Flause,
Begab sie sich von ihrem Hause
Mit ihm als ihrem Gatten fort.

Liseo
Verruchter Schurkenstreich!

Pleberio
            Erstochen
Hat er wohl Euren Freund, im Wahn,
Ihr wärt es …

Liseo
            Heil'ger Cyprian,
Da habt die Wahrheit Ihr gesprochen!
Zu zweit hat er uns hier erblickt.
Damacio kam ihm in die Quere,
Und sich zum Schaden, mir zur Ehre
Ward in den Handel er verstrickt
Und ist nun ohne Zweifel tot.

Pleberio
Entsetzlich! Weh mir armem Greise!
Wird allzu jung ein Mädchen Waise,
Dann taugt sie nichts.

Evandro
            Groß ist die Not.
Ihr Herren, folgt ihr auf dem Fuße;
Sonst schleppt man sie vor das Gericht.

Liseo
Solch Unglück sah die Welt noch nicht
Wie meines.

Evandro
            Jetzt habt Ihr nicht Muße,
Euch auf das Jammern zu verlegen.
Eilt, ihr als Schützer beizustehn.

Pleberio
Liseo, kommt sie suchen gehn,
Nicht Euret-, sondern meinetwegen.

Liseo
Auch meinethalb. Ich muß mich schämen,
Daß ich bereits zu wissen tat,
Ich sei verlobt.

Pleberio
            O Schandsoldat!

Liseo
Ach, konntest du dich nicht bezähmen,
Damacio?

Pleberio
(zu Evandro)
            Kennst du nicht sein Haus?

Evandro
Ja.

Liseo
            Schnell dorthin uns zu begeben
Tut not.

Pleberio
            Ein Fünkchen Lieb' – und Leben
Und Ehre bricht in Flammen aus.
(Alle ab)

Sechster Auftritt

(Von der anderen Seite kommen) Don Lorenzo, Felisardo, Tristan, Mendoza (Während des Auftrittes wird es Nacht)

Don Lorenzo
Clarinda hab' im Gasthaus ich geborgen.

Felisardo
Beneidenswerter!

Don Lorenzo
            Macht' ich es nicht gut?

Felisardo
Nach Finsternissen winkt Euch hell der Morgen;
Doch ich bin ohne Hoffnung, ohne Mut.
Der beste Freund kennt nur die eignen Sorgen,
Lorenzo.

Don Lorenzo
            War ich nicht auf meiner Hut,
So wär' sie jetzt vermählt. Erforscht nun weise,
Ob sich Octavia grämt um Eure Reise.
Denn mich liebt sie wohl kaum, wenngleich verschlagen
Sie sich so stellt.

Felisardo
            Indessen, wenn sie meint,
Ich sei verreist, wie darf ich dann es wagen,
Hier sie zu sehn?

Don Lorenzo
            Nichts, was mir leichter scheint:
Pocht ruhig bei ihr an, um ihr zu sagen,
Ihr hättet, weil uns Freundschaft eng vereint,
Schon im Begriff, die Reise anzutreten,
Um die bewußte Kette mich gebeten,
Die jüngst ich mir von Euch entliehen hätte,
Um ihr in Eurem Namen sie zu leihn;
Weil Ihr sie braucht, kämt Ihr zu dieser Stätte
Nochmals zurück.

Felisardo
            Könnt' ich mir das verzeihn?
Geizt ein galanter Mann mit einer Kette?

Don Lorenzo
Bei einer Frau, die lebt von Gaukelein,
Darf man getrost sich allerlei gestatten;
Drum fällt auf Euch durch dieses Tun kein Schatten.
Sie weigert sich, damit herauszurücken.
Ihr scheltet sie deshalb. Ich, hier versteckt,
Erschein', um sie zu rächen. Streit. Wir zücken
Das Schwert. Ihr tut, als wärt Ihr hingestreckt.
Mendoza, Tristan tragen auf dem Rücken
Wehklagend Euch davon. Ob sie's erschreckt,
Ob nicht, es wird mir jedenfalls gelingen,
Sie kühnlich in mein Gasthaus hinzubringen.
Dort wird sich Euch ihr Innerstes erschließen;
Dort wird sich zeigen, ob die Teufelin
Um Euch imstand ist, Tränen zu vergießen,
Das beste Zeugnis für getreuen Sinn.
Wird echter Schmerz aus echter Liebe sprießen,
Dann führt beseligt zum Altar sie hin;
Doch wird ihr Herz als falsch sich offenbaren,
Kehrt Eures von ihr ab und laßt sie fahren.

Felisardo
Es lebt kein andrer Sterblicher hienieden,
Der solch verschmitzten Plan zustande bringt;
Auch der Octavia selbst, bei der im Schmieden
Von Trug und List Ihr in die Schule gingt,
War ein so schlauer Einfall nie beschieden.
Fast scheint es, daß Ihr einen Teil empfingt
Von ihrem Ich; ausschließlich wer tiefinnen
In ihrer Seele wohnt, kann dies ersinnen.
Ihr blicktet ihr bis in das Eingeweide;
Ihr sprecht aus ihrem trügerischen Mund,
Fühlt ihr Gefühl, das schwankt auf Messers Schneide,
Gebt wie gespiegelt all ihr Wesen kund.
Durchtriebene Korsaren seid ihr beide;
Doch bohrt ihr sie, so hoff ich, in den Grund.
Um endlich dieses Zaubers Bann zu brechen,
Will ich nach Eurem Vorschlag mit ihr sprechen.
Zu lang schon gleich' ich einem Augenkranken,
Dem trotz den Mitteln, die er angewandt,
Nie von dem stumpfen Blick die Schleier sanken.
Wer Liebe heilen will, schürt nur den Brand.

Don Lorenzo
Wird nicht Octavia händeringend wanken
An Eures Grabes schauerlichem Rand,
So hofft nichts mehr.

Felisardo
(zu den Dienern)
            Ihr da, habt ihr vernommen?
Wißt ihr, was ihr zu schaffen habt?

Tristan
            Vollkommen.

Mendoza
Fortschleppen sollen, Herr, wir Eure Leiche.

Felisardo
Ich nahe dir voll Angst, verwunschnes Tor;
Denn deine Schwelle scheint zu rufen: Weiche!
Pflanzt sich der Spuk des Tartarus davor?
Bewacht ein grimmer Drache deine Reiche?
Umspinnen Feen dich mit Nebelflor?
Wohnt nicht hier nur ein Weib? Und doch – ich zaudre,
Weil ich vor meinem eignen Fühlen schaudre.
(Er pocht an die Tür des Hauses rechts)
He!

Octavia
(drinnen)
            Beatriz, hörst du das Pochen?

Beatriz
(ebenso)
Ich sehe nach. Nur daß am End'
Nicht gar das Rebhuhn uns verbrennt.

Felisardo
Rebhühner scheint man da zu kochen!
Vermutlich, daß vor lauter Härmen,
Weil der Gebieter abgereist,
Man schlemmerhaft zu Abend speist.

Beatriz
(erscheint auf dem Balkon rechts)
Wer wagt es, hier so laut zu lärmen?

Felisardo
Ich. Öffne!

Beatriz
            Euren Namen, bitte.

Felisardo
Ich bin's.

Beatriz
            Herr Felisardo?

Felisardo
            Ja.

Beatriz
Gleich meld' ich, daß Ihr wieder da.

Felisardo
Beflügle, Beatriz, die Schritte.
(Beatriz ab)
Ach, Don Lorenzo!

Don Lorenzo
            Was noch weiter?

Felisardo
Wie denkt Ihr über diesen Schmaus?

Don Lorenzo
Je nun …

Felisardo
            Gepraßt wird hier im Haus.
Sie trägt den Trennungsschmerz recht heiter.

Don Lorenzo
Ei, Freund, es will mir fraglich scheinen,
Ob sie beim Rebhuhn Euch vergißt;
Falls nämlich sie's mit Zwiebeln ißt,
So tut sie das nur, um zu weinen.

Felisardo
Verdammt sei, wer von Wahn benommen
Um nichts all sein Gefühl verpufft!

Don Lorenzo
Ich rieche bis hierher den Duft.
Ihr müßt sie rufen.

Felisardo
            Was kann's frommen?

Don Lorenzo
Daß Euch sie teilen läßt ihr Mahl,
Wonach sie Euch den Mund gewässert.

Felisardo
Seid Ihr der Meinung, Ihr verbessert
Durch dies Gewitzel meine Qual?
Da kommt sie. Geht beiseit.

Siebenter Auftritt

Vorige. Octavia (Zuletzt) Beatriz

Octavia
(erscheint auf dem Balkon rechts, spricht nach innen)
            Ich lache.
Hier wäre Felisardo? Nein,
Das wird vielleicht ein Bote sein.

Felisardo
Ha, wie vergnügt sie ist!

Don Lorenzo
            Aus Rache.

Felisardo
Ich bin's, Octavia. Gib mir Raum.

Octavia
Was? Raum?

Felisardo
            Ich muß dich etwas fragen,

Octavia
Wer?

Felisardo
            Ich.

Octavia
            Das könnte jeder sagen,

Don Lorenzo
Sie scherzt.

Felisardo
(ebenso)
            Die Wut bezähm' ich kaum.

Octavia
So spät lass' ich dich nimmerdar
Ins Haus herein.

Felisardo
            Aus welchem Grunde?
Kam ich ins Haus zu spätrer Stunde
Nicht oft?

Octavia
            Als es das deine war.
Doch das ist nun vorbei; deswegen
Leb wohl und geh, Geliebter mein.
Ich bin mit Beatriz allein
Und möchte jetzt mich schlafen legen.

Felisardo
Hast ja noch nicht gespeist bis jetzt!

Octavia
Was mag dich aufgehalten haben?
Warf dich ein Fuhrwerk in den Graben?
Hat dich ein Maultier abgesetzt?
Vergaßest du was in Madrid?
Bot man dir einen hohen Posten?
Erschreckten dich die Steuerkosten
Beim Zollamt von Valladolid?
Zwang dich die Sehnsucht, umzuwenden
Zu einem heißgeliebten Weib?

Felisardo
Mich mahnte keine zum Verbleib;
Denn keine hält mein Herz in Händen.

Kein Maultier brachte mich zum Sturz,
Ich blieb mit keiner Kutsche stecken,
Kein Zollamt setzte mich in Schrecken,
Kein Zufall kam dazwischen, kurz,
Ich wankt' und wich nicht aus Madrid.

Octavia
So hemmte dich geheimer Kummer?

Felisardo
Nicht doch, vorzüglich ist mein Schlummer
Und musterhaft mein Appetit.
Vernimm, daß ich um eine Kette
Den Hauptmann Don Lorenzo bat,
Die jüngst ich ihm als Kamerad
Geborgt. Er sagte mir, er hätte
Die bloß ihm anvertraute Gabe
In meinem Namen dir geliehn,
Weil es unzweifelhaft ihm schien,
Daß ich wohl nichts dagegen habe.
Doch gilt mir auch in allen Dingen
Als Richtschnur meine Ritterpflicht,
Soll dennoch mein Besitz ihm nicht
Zu meinem Schaden Vorteil bringen.
Drum gib mir diese Kette wieder;
Das ist's, weshalb ich hier noch blieb.
Denn weder komm' ich dir zulieb,
Noch beugt dein Flattersinn mich nieder.
Wenn du den Eintritt mir verwehrst,
So wirf sie mir herab von oben;
Die Reise hab' ich drum verschoben:
Das will erledigt sein zuerst.

Octavia
Du gibst mir mit verbrauchter List
Zwar zu verstehn, daß du voll Kühle
Zurückgekehrt; ich aber fühle,
Wie toll verliebt in mich du bist.
So sehr du's leugnest, klar ist mir,
Daß Amor dem vernarrten Toren
Viel ungestümer gab die Sporen
Als dieser seinem Satteltier.
Hältst du, mein Freund, mich für so dumm,
Daß ich den Vorwand nicht erspähe?
Du kehrtest wegen meiner Nähe,
Nicht deiner Kette wegen um.
Jetzt leg dich schlafen; ja, geh fort.
Ich will sie dir nicht wiedergeben,
Und kannst du fern von mir nicht leben,
So bleib in Zukunft hübsch am Ort.
Wenn dein Verschulden abzuwälzen
Dein Wunsch ist, schick mir ein Geschenk,
Das mich versöhnt, und sei gedenk,
Daß nicht mein Schnee so bald wird schmelzen.
Vielleicht in sechs bis sieben Tagen
Lass' ich sodann dich wieder ein,
Mit der Erlaubnis, deine Pein
Von A bis Z mir vorzutragen. –
Du schweigst?

Felisardo
            Die Zunge steht mir still,
Grausame Feindin; sie verdorrte,
Weil sie nicht finden kann die Worte
Für das, was ich dir sagen will.
Du Wesen, das aus einem Steine
Der Himmel formte, starr und kalt,
Damit in eines Weibs Gestalt
Ein fühllos Ungetüm erscheine;
Du Quelle für mein Mißgeschick,
Du Tigrin, stets bereit zum Sprunge,
Du Basilisk, der durch die Zunge
Zu töten weiß statt durch den Blick;
Du Schlange, reich an Redekunst,
Die sticht, wenn man ihr Wohltat spendet,
Du Schönheit, ohne Nutz verschwendet,
Weil keinem je geneigt zur Gunst;
Entmenschte Gauklerin, gewandt
Im Ködern und im Fallenstellen,
Die spielt mit Herzen wie mit Bällen,
Beständig nur im Unbestand;
Scheinheilige Betrügerin,
Nachtgeist, von Irrlichtglanz beschienen,
Der falsche Freundschaft in den Mienen
Und echte Feindschaft hegt im Sinn!
Was ist an mir, das noch dich kümmert,
Nachdem du Seele, Herz und Brust
Mit schändlicher Zerstörungslust
Gleich einem Troja mir zertrümmert?
Warum verhöhnst du meine Not,
Die du gehäuft zu solcher Bürde,
Daß nur noch meines Namens Würde
Zurück mich hält von raschem Tod?
Doch dir zum Trotz will ich ins Haus!
Ich schlage diese Tür in Stücke;
Baut Liebe nicht zu dir die Brücke,
Höhlt Ingrimm einen Weg sich aus.
Paß auf, dir wird der Hohn verleidet;
Ich töte dich!

Octavia
            Bist du verrückt?
Die Tür durch deine Hand zerstückt?
He, Beatriz!

Beatriz
(von innen)
            Ich bin entkleidet.

Octavia
Zu Hilfe, Beatriz!

Don Lorenzo
(scheinbar hinzukommend)
            Wer tobt
So dreist? Was ist des Wütrichs Name,
Der vor dem Haus der edlen Dame
Als frecher Lümmel sich erprobt?

Felisardo
Wer ist's, der diese Frage stellt?

Don Lorenzo
Ein Mann.

Felisardo
            Er trete mir entgegen,
Damit von diesem blanken Degen
Er Antwort augenblicks erhält.

Don Lorenzo
Drauflos!
(Scheingefecht)

Felisardo
            Weh mir! Ich bin erledigt.
(Er fällt zu Boden)

Tristan
(mit Mendoza dazwischenkommend)
Halt!

Don Lorenzo
            Wer da?

Tristan
            Tristan.

Mendoza
            Herr, wir zwei.
Don Lorenzo
Mendoza, du?

Tristan
            Wir stehn Euch bei.
Ihr seid, so hoff ich, nicht beschädigt.

Don Lorenzo
Ich nicht; doch der da hat genug.

Mendoza
Schlugt Ihr ihn tot?

Don Lorenzo
            Soviel ich sehe.

Octavia
Wer ist denn das? Ach, weh mir, wehe!

Don Lorenzo
Ich bin's, der einen Strolch erschlug.

Octavia
Hauptmann Lorenzo?

Don Lorenzo
            Zu Befehle.

Octavia
Was tatet Ihr in Eurem Wahn!

Don Lorenzo
Ich hab' es Eurethalb getan.

Mendoza
Soeben ist ihm seine Seele
Mit einem letzten Hauch entronnen.

Octavia
Entsetzen! Jammer! Den Ihr traft,
Ist Felisardo!

Don Lorenzo
            Nein, so straft
Mich Gott nicht! Was hab' ich begonnen?
Mendoza, bring mich um! Ich habe
Dir deinen Herrn geraubt.

Mendoza
            O Leid!
Es ist mein Herr, in Wirklichkeit.

Tristan
Der arme Mensch! Noch fast ein Knabe,
Mußt' er dahin!

Octavia
            Zu welchem Zweck,
Lorenzo, nahmt Ihr mir das Leben?

Don Lorenzo
Sinnlose Wut ließ mich erbeben,
Als ich so lärmend ihn, so keck
Die Tür zerbrechend angetroffen;
Denn wer es war, konnt' ich nicht schaun.

Octavia
Ach, ich Unsel'ge! Nacht und Graun
Mein Los! Was hab' ich noch zu hoffen?
Erkünstelte Verstellung, fahre
Dahin! Fahr hin, du Gaukelspiel!
Mein Hort, mein Heil, mein Liebster fiel
Dem Tod anheim im Lenz der Jahre.
Er starb, der eine, der für mich
Geboren ward zu Lust und Wonne.
Erblindet, Augen! Denn die Sonne,
Die Licht euch spendete, verblich.
Du falscher, eiteler Soldat,
Dem ich Verliebtheit wies zum Scheine,
Wenngleich ich wußte, daß die deine
Nichts war als Fallstrick und Verrat –
Ja, durch Mendoza eingeweiht,
Hab' ich dir etwas vorgedichtet,
Nur auf das eine Ziel gerichtet,
Daß mich mein wahrer Liebster freit.
Ich hatt' ihn nur noch hingezogen,
Um ihn zu prüfen recht genau,
Wohl wissend, wie so manche Frau
Schon von den Männern ward betrogen.
Nun starb er, der das Glück mir bot!
Ach, weil du von mir gingst, mein Ritter,
Will ich dir, über dieses Gitter
Mich stürzend, folgen in den Tod.

Beatriz
(ist hinter ihr auf dem Balkon erschienen, hält sie fest)
Fräulein, um alles in der Welt,
Was tut Ihr?

Don Lorenzo
(leise zu Felisardo)
            Toter, he, wie geht es?
Wie fühlt Ihr Euch?

Felisardo
(leise)
            Vortrefflich steht es.
Die liebt mich; nun ist's festgestellt.

Don Lorenzo
Ins Herz ward sie getroffen.

Felisardo
            Halt!
Seid still; sie könnte sonst Euch hören.

Octavia
Was kommst du, meinen Tod zu stören,
Den ich erlitt schon tausendfalt? –
Gott gebe, mörderischer Bube,
Daß eine Kugel dich errafft,
Wo nicht, daß dich ein Lanzenschaft
Jählings befördert in die Grube.
Aus keinem Feldzug, keiner Schlacht
Sollst du mit heiler Haut entrinnen.

Felisardo
(leise)
Der Schmerz um mich bringt sie von Sinnen.
Vernahmt Ihr, was sie sprach?

Don Lorenzo
            Habt acht!

Octavia
Ach, daß ich seiner Liebe nicht
Vertraun geschenkt, war ein Verbrechen!

Felisardo
(leise zu Don Lorenzo)
Was meint Ihr? Soll ich mit ihr sprechen?

Don Lorenzo
(leise)
Unmöglich, daß ein Toter spricht.

Beatriz
Fräulein, habt Mut. Ich möchte wetten,
Daß er nicht ganz den Tod erlitt.

Don Lorenzo
(laut)
Ich nehm' ihn in mein Gasthaus mit,
Um ihn womöglich noch zu retten.
Aufbieten werd' ich, was ich kann.

Octavia
Ich komme mit zu seiner Pflege.

Don Lorenzo
So steigt herab; auf gleichem Wege,
Octavia, gehn wir beide dann.
(Octavia und Beatrix verlassen den Balkon)
Ihr Diener, nehmt behutsam ihn
Und tragt ihn bis in meine Straße.

Mendoza
(leise)
Octavia läßt, von diesem Spaße
Getäuscht, sich an der Nase ziehn.
(Laut jammernd)
Mein ärmster Herr!

Don Lorenzo
            Dem wilden Grame
Leg Zügel an. Sonst bringt dein Harm
Die ganze Stadt uns in Alarm.
(Mendoza und Tristan tragen Felisardo fort)

Octavia
(mit Beatriz aus dem Haus tretend)
Nichts, Beatriz, von Rücksichtnahme!
Nicht Ehre kenn' ich mehr und Scheu,
Noch frag' ich mehr nach äußerm Scheine;
Die Liebe treibt mich!

Don Lorenzo
            Und die seine
Bleibt Euch bis in den Tod getreu.
Er lebt!

Octavia
            Ist's wahr?

Don Lorenzo
            Und sprach.

Octavia
            Er sprach?

Don Lorenzo
Er hauchte, ward's ihm auch beschwerlich:
»Octavia.«

Octavia
            Ist er sehr gefährlich
Verwundet?

Don Lorenzo
            Folgen wir ihm nach.

Octavia
Ich will ihn sehn, will dem Verderben
Beherzt entreißen seinen Raub.
O Felisardo, Teurer, glaub:
Stirbst du, so werd' ich mit dir sterben.
(Alle ab)

Achter Auftritt

Damacio (kommt von der anderen Seite)

Damacio
(allein)

Ach, Liebe, hochgerühmt von allen Zungen,
Kannst du bei schlechtem Lohn dich glücklich wähnen?
Zählt nicht in seinem Himmel Gott die Tränen,
Die dir verstockter Undank abgerungen?

Fluch der Octavia; mit Erniedrigungen
Vergilt sie schnöde mir mein zärtlich Sehnen,
Das nicht dem Winde Flügel mußt' entlehnen,
Als ich zu ihrem Lichte mich geschwungen.

Ich irr' umher mit ungewissen Schritten,
Geführt allein vom schmachtenden Bemühen,
Durch das ich nichts als Ungemach erlitten.

Maßlose Liebe läßt in Flammen sprühen
Mein Herz, und wird es schonungslos zerschnitten
Von ihrem Frost, so mehrt sich nur sein Glühen.

Neunter Auftritt

Damacio. (Es kommen) Pleberio, Liseo, ein Gerichtsdiener, ein Gerichtsschreiber

Gerichtsdiener
Ich lasse niemand ohne Namensausweis
Vorbei.

Pleberio
            Habt Mitleid, Herr, mit meiner Ehre
Und dieses jungen Mannes Schmerz.

Liseo
            Noch ist es
Zu spät nicht, um den Leichnam aufzusuchen.

Gerichtsdiener
Damacio, wenn mir recht ist, war sein Name?

Liseo
Ja, Herr, Damacio hieß mein armer Freund.

Gerichtsdiener
Wo fand der Zweikampf statt?

Liseo
            Unfern der Brücke
Des Manzanares stießen sie zusammen.

Gerichtsdiener
Noch eh die Sonne morgen früh den Schnee
Des hohen Guadarrama wiedersieht,
Werd' ich den Leichnam aufgefunden haben.

Schreiber
Dort ist ein Mensch.

Liseo
            Er will entfliehn.

Gerichtsdiener
            Im Namen
Des Königs, halt! Wer seid Ihr?

Damacio
            Schreit nicht so.

Gerichtsdiener
(zum Schreiber)
Beleuchtet sein Gesicht mit der Laterne.

Damacio
Was fuchtelt Ihr mit diesem Ding herum
Vor meiner Nase? Kennt Ihr nicht die Vorschrift,
Daß man Personen meines Rangs und Standes
Mit Ehrerbietung zu behandeln hat?

Liseo
Jesus! Das ist Damacio.

Pleberio
            Heil'ger Gott!
Damacio!

Liseo
            Schaudervoll! Sein Geist geht um.
Pleberio, fort mit uns!

Damacio
            Weshalb ergreift ihr
Die Flucht vor mir!

Gerichtsdiener
            Schuld ist sein schlimmes Ende,
Daß er als Schatten ruhlos wandeln muß.
Hilf Himmel, welch gespenstisches Gesicht!

Schreiber
Ich sah noch nie so fürchterliche Augen.
(Er und der Gerichtsdiener laufen fort)

Damacio
Ihr Herrn, was ist euch? Bleibt!

Pleberio
            Er heißt uns bleiben.

Damacio
Ich bin Damacio, Gott sei Dank lebendig,
Nicht weniger von Fleisch und Blut als ihr.
Man hat euch offenbar was weisgemacht.

Pleberio
Liseo, bei der größeren Erfahrung,
Die meiner Jahre Zahl mir gibt, vermut' ich,
Daß man uns einen Possen spielte.

Liseo
            Wie?

Pleberio
Damacio sieht gesünder aus als gestern.

Liseo
Wahrhaftig! Kommt heran.

Pleberio
            Ich komm' heran.
Damacio, seid Ihr's oder nicht?

Damacio
            Ich bin's.

Pleberio
Beschwört Ihr, daß Ihr lebt?

Damacio
            Faßt mich doch an.
Nur braucht Ihr nicht mir ins Gesicht zu fahren.
Ich lebe; hoffentlich genügt Euch das.

Pleberio
Er lebt, Liseo! Ruft mir jene Leute!

Liseo
Was rufen? Spornstreichs rennen sie straßab
Und ließen ihre Mäntel gar im Stich.

Damacio
Da jetzt ihr beide kommt vom Hochzeitsfest,
So habt ihr wohl im Übermaß getafelt
Und etwas allzu tief ins Glas geschaut.

Liseo
Das ist es nicht.

Damacio
            Was dann?

Liseo
            Mein Mißgeschick.
Das Großmaul Don Lorenzo kam heut abend,
Als der Notar grad im Begriffe stand,
In aller Form den Ehvertrag zu regeln;
Er log Clarinda vor, er hab' am Fluß
In einem Zweikampf mir den Tod gegeben,
Und räuberisch nahm er sie mit sich fort.
Doch weil ich unversehrt war, glaubten wir,
Daß Ihr das Opfer wärt, und forschten nach.
Zehn Zeugen fanden wir, die Euch und ihn
Gesehen haben wollen im Gefecht.

Damacio
Ja, so begibt sich's manchmal in der Welt.
Auf Ehr', ich sah den Don Lorenzo nicht,
Und andre Worte hab' ich nie mit ihm
Getauscht als jüngst in Eurer Gegenwart.

Pleberio
Ihr machtet uns zu schaffen, weiß es Gott.
In Todesängsten hab' ich mehr als tausend
Ave Marias Eurethalb gebetet,
Und noch ein Trost bei diesem schmerzlichen
Verlust ist, daß Ihr lebt.

Damacio
            Dies ist für mich
Noch tröstlicher.

Liseo
            Sagt, ob Ihr das Quartier
Des saubren Hauptmanns kennt.

Damacio
            Wie meine Tasche.

Liseo
Betreten wir's mit der Gerichtsbarkeit;
Denn zweifellos hält er sie dort versteckt.

Damacio
So kommt.

Pleberio
            Clarinda, deinen alten Oheim
Hast du gehörig auf den Trab gebracht.

Damacio
Was kann denn sie dafür, wenn er sie täuschte?

Liseo
Wie aber, wenn er sie bereits verführt hat?

Damacio
Kein Zweifel, daß er's tat.

Liseo
            Wozu dann aber
Gehn wir noch hin?

Damacio
            Um Sicherheit zu haben.

Liseo
Dann wird man übermorgen mich begraben.
(Alle ab)

Zimmer in einem Gasthaus

Zehnter Auftritt

(Es kommen) Octavia, Beatriz, Don Lorenzo, Tristan, Clarinda

Octavia
Wie? Was? Er ist nicht hier?

Don Lorenzo
            Bekunde
Dem Fräulein, Tristan, wie das kam.

Tristan
Als ich ihn auf die Schulter nahm,
Ihn herzutragen, ging die Runde
Mit viel Laternen grad vorbei.
Um nicht die Freiheit einzubüßen,
Fragt' ich ihn, ob auf seinen Füßen
Er sich zu halten fähig sei,
Und lud ihn ab; an eine Wand
Sich lehnend, könnt' er nicht mehr weiter.

Octavia
Lebt er?

Tristan
            Ich weiß nicht. Mein Begleiter
Mendoza rannte kurzerhand
Zum Kloster San Felipe hin,
Um einen Beichtiger zu holen.

Octavia
Ach, daß nun abermals auf Kohlen
Zu stehen ich verurteilt bin!
Ihm fern sein, wenn er stirbt!

Don Lorenzo
            Hört auf
Mit Weinen und mit Händeringen;
Denn unabänderlichen Dingen,
Octavia, läßt man ihren Lauf.
Ich, der ich erst vor wenig Tagen
Bewundernd Euch entgegentrat,
Beklage tief die blinde Tat.

Octavia
Ihr habt mein Alles mir erschlagen.

Clarinda
Sagt' ich Euch nicht, daß er desgleichen
Auch den Liseo mir erstach?

Octavia
Doch Euer Gram steht meinem nach,
Kann ihn bei weitem nicht erreichen.
Ahnt Ihr denn bloß, was mir geschah
Durch Felisardos frühes Ende?

Clarinda
Doch wenn man ihn am Leben fände?

Octavia
Am Leben Felisardo?

Clarinda
            Ja.

Octavia
Ihr bietet mir, mein Weh zu mindern,
Umsonst, Clarinda, Tröstung dar;
Weil seine Wunde tödlich war,
Ist auch die meine nicht zu lindern.
O Hauptmann, der du zweien Bräuten
Die Gatten stahlst zu gleicher Zeit,
Damit sich dir Gelegenheit
Ergibt, zwei Witwen zu erbeuten,
Ach, daß ich Liebe dir geheuchelt,
Der Liebe mir nur vorgespielt,
Statt daß ich den am Herzen hielt,
Den ich geliebt und du gemeuchelt!
Und hat Clarinda dir im Herzen,
Als du mich täuschtest, schon gewohnt,
Weswegen hast du sie belohnt
Mit so verräterischen Scherzen?

Don Lorenzo
Weil Felisardo mich beschwor,
Den zur Verzweiflung du getrieben
Durch Kälte, dich zum Schein zu lieben,
Octavia, spielt' ich dies dir vor.
Du deinerseits, um mich zu trügen,
Hast dich in mich verliebt gestellt;
So haben uns wir zwei geprellt
Durch gegenseitiges Belügen.
Daß es am Ende so gekommen,
Die Schuld ist dein; drum halte stand.
Denn wenn dir ein Geliebter schwand,
So wurde mir ein Freund genommen.

Octavia
Standhalten? In mein Grab mich legen!
Ich ohne Felisardo? Nein,
Mir selber will ich Mördrin sein.
Gib mir den unheilvollen Degen;
Durchbohren soll auch mir sein Erz
Die Brust!

Don Lorenzo
            Ich eil', ihn abzuschnallen.

Elfter Auftritt

Vorige. Felisardo. Mendoza

Felisardo
Die ausgestreckte Hand laß fallen,
Du falsches, du getreues Herz.
Notwendig war's, daß ich so hart,
So schwer dich auf die Probe stellte,
Da Liebe du gelohnt mit Kälte,
Bis dir mein Tod verkündet ward.
Man muß ein abgeschiedner Geist
Erst sein, damit man deine Treue
Erkenn' und sich des Lobes freue,
Das dem Gestorbnen du verleihst.

Octavia
Du lebst?

Felisardo
            Merkst du mir das nicht an?

Octavia
Du hast mich also hintergangen!

Don Lorenzo
Octavia, klüger als die Schlangen
Und schlauer als der schlauste Mann,
In diesem Fall, gesteht es frei,
Habt Ihr den kürzeren gezogen.

Felisardo
Jawohl, Octavia, dich betrogen
Hat nur die eigne Gaukelei.
Doch als Besiegte darfst du feiern
Den schönsten Sieg.

Mendoza
            Du liebe Zeit!
Es naht sich die Gerichtsbarkeit
Mit den zwei abgeblitzten Freiern.

Octavia
Das hat uns grade noch gefehlt!
Was tun wir?

Don Lorenzo
            Zeigen wir Behagen.

Octavia
Was aber sagen wir?

Don Lorenzo
            Wir sagen …

Octavia
Nun, was?

Don Lorenzo
            Wir wären schon vermählt.

Tristan
Und Beatriz? Wer ist der Richter,
Ob sie Mendoza nimmt, ob mich?

Don Lorenzo
Balgt euch um sie mit Hieb und Stich.

Zwölfter Auftritt

Vorige. Gerichtsdiener, Pleberio, Damacio, Liseo (und) Volk

Gerichtsdiener
Beisammen hockt hier das Gelichter.

Damacio
Habt Ihr die Tür besetzt?

Gerichtsdiener
            Versteht sich.
Sechs Mann stellt' ich davor.

Liseo
            Ihr schaut
Den Hauptmann dort und meine Braut.

Pleberio
(zu Don Lorenzo)
Ihr wagtet …

Don Lorenzo
            Man bemüht zu spät sich.
Wir beide sind ein Ehepaar.

Liseo
So wird mir Lieb' und Treu' bescheinigt!

Felisardo
Und mit Octavia ward vereinigt
Ich ebenfalls vor dem Altar.

Liseo
Was tatst, Clarinda, du mir an!

Clarinda
O Gott! Liseo! Soll man's glauben?

Liseo
Ist's wahr? Du ließest dich mir rauben
Von einem hergelaufnen Mann?

Clarinda
Du bist nicht tot?

Liseo
            Mich zu gefährden
Braucht's mehr, als was der Mensch erlog.

Don Lorenzo
Was ich mir aus den Fingern sog,
Das kann auch jetzt noch Wahrheit werden.

Liseo
Nur zu!
(Beide ziehen)

Gerichtsdiener
            Ihr Herrn, steckt ein die Degen.
Habt Achtung vor der Polizei.

Damacio
Wem soll dies Maß von Büberei
Nicht ungeheuren Zorn erregen?
Bestrafen muß man solchen Frevel.

Pleberio
Was hilft's, Damacio? Dieser Trug
Bestraft mich selber hart genug.

Damacio
Und mich nicht minder, Pech und Schwefel!
Ich liebt' Octavia.

Felisardo
            Seid Ihr der,
Den ich an ihrer Tür getroffen,
So wißt, sie stand Euch niemals offen
Zu einem traulichen Verkehr,
Und konnt' ich Euch von dort verjagen,
Verjag' ich Euch von hier gewiß.

Damacio
Versucht es!

Gerichtsdiener
            Gebt kein Ärgernis;
Die Polizei müßt's untersagen.

Pleberio
Wir tun am besten, uns zu fügen
In das, was unabänderlich.

Liseo
Das tu', wer will; jedoch nicht ich.

Clarinda
Liseo, laßt Euch dran genügen.
Ihr seid ein Edelmann und könnt,
Was Gott zusammenfügt, nicht scheiden.

Octavia
Genau so steht es mit uns beiden,
Damacio; doch wenn Ihr uns gönnt,
Was uns beglückt, so seid ihr zwei
Zur Doppelhochzeit eingeladen.

Pleberio
Den Sündern sei von mir in Gnaden
Verziehn.

Gerichtsdiener
Auch von der Polizei.

Tristan
Will sich nur Beatriz nicht kümmern
Um eines Ehegatten Wahl?

Beatriz
Mendoza wähl' ich.

Tristan
            Was empfahl
Dir ihn?

Beatriz
            Ich halt' ihn für den Dümmern.

Octavia
(zu Don Lorenzo)
Ihr, der den Mut an mir gekühlt,
Mögt meinethalb Euch dran erheitern:
Zwar kann, wer Liebe heuchelt, scheitern,
Doch nimmerdar, wer Liebe fühlt.

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