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Gutenberg > Lope de Vega >

Die Liebesheuchler

Lope de Vega: Die Liebesheuchler - Kapitel 2
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authorLope de Vega
titleDie Liebesheuchler
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Erster Akt

Straße. Rechts das Haus der Octavia, links das der Clarinda, beide mit Balkonen

Erster Auftritt

(Nacht) Felisardo (kommt, mit Degen und kleinem Schild) Mendoza (folgt ihm)

Mendoza
Ein züchtig Weib!

Felisardo
Ein Musterbild!
Das muß man von Octavia sagen.

Mendoza
Wollt Ihr kein Panzerhemde tragen?

Felisardo
Nein, mir genügen Schwert und Schild.

Mendoza
Doch immerhin, es schadet nie,
Sich eine starke Wehr zu schaffen.

Felisardo
Vermögen etwa mehr die Waffen,
Als Mut vermag auch ohne sie?
Klopf an ihr Haus dort; schlag vier Bretter
Der Tür entzwei mit deinem Huf.

Mendoza
Bin ich ein Maultier?

Felisardo
Oder ruf
Mit ohrbetäubendem Geschmetter.

Mendoza
Ist es nicht besser, hier zu lauern,
Bis jener Mann herunterkommt?
Ich möchte wissen, was es frommt,
Erschüttert man durch Lärm die Mauern.
Und woraus schließt Ihr, daß man nicht
Gewillt ist, Euch hineinzulassen?

Felisardo
Mögst du mit Dingen dich befassen,
Die du verstehst.

Mendoza
Euch ins Gesicht
Sag' ich: Es ist ein falsches Trachten,
Forscht Liebe solchem Skrupel nach.

Felisardo
Warum, da doch erlittne Schmach
Die Liebe wandelt in Verachten?

Mendoza
Ein Liebender behauptet immer,
Daß Eifersucht die Liebe kühlt;
Doch sengt, je mehr ihn die durchwühlt,
Die Liebesglut ihn desto schlimmer.
Herr, wartet ab, bis der da drinnen
Von selber aus dem Haus wird gehn;
Dann können wir noch immer sehn,
Was am gescheitsten wir beginnen.

Felisardo
Die Frauen gleichen sich aufs Haar.
Wenn's nicht gelingt, sie zu erwischen,
Dann leugnen sie mit gleisnerischen
Beteuerungen. Und nun gar
Octavia!

Mendoza
            Geht's ihr leicht vonstatten?

Felisardo
Die bringt den Schlausten zu dem Wahn,
Daß der belauschte Herr Galan
Nichts war als des Belauschers Schatten.
Ich wette drum, falls nicht verwogen
Mein Grimm ihr Spinngeweb zerstört,
Daß morgen früh sie mir beschwört,
Die Augen hätten mich betrogen.

Mendoza
So wollt Ihr, daß der Herzmagnet
Sich als ein lockres Weib entlarve,
Was bei dem heutigen Bedarfe
Der Fraun sich fast von selbst versteht?

Felisardo
Du wagst es, Dummkopf, der du bist,
So von Octavia mir zu sprechen?

Mendoza
Weil ich vier Bretter soll zerbrechen
Mit meinem Huf. Entweder ist
Sie locker oder ist es nicht.
Ist sie's, dann hab' ich recht gesprochen,
Und ist sie's nicht, wozu dann Pochen
Und Schwert und Zorn und Strafgericht?

Felisardo
Schon fühl' ich etwas mehr Geduld.
Zum Warten werd' ich mich bequemen.
Ich will Octavia nicht vergrämen;
Bin ich doch in Octavias Schuld.

Mendoza
Und auf wie lang? Wollt zum Exempel
Ihr immerfort jahrein, jahraus
Blind wartend stehn vor ihrem Haus
Wie Simson einst in seinem Tempel?
Nun, meinethalb; ich bin für Milde
Grundsätzlich mehr als für Krakeel.

Felisardo
Horch! Öffnet man?

Mendoza
            Ja, meiner Seel'!
Zwei Helme seh' ich dort, zwei Schilde,
Zwei Schuppenpanzer und – o Graun! –
Zwei Kriegspistolen und zwei Lanzen.

Felisardo
Ich seh' zwei Degen nur im ganzen,
Dahinter zwei verhüllte Fraun.
(»Sie treten zurück)

Zweiter Auftritt

Vorige. Damacio, Liseo (kommen aus dem Hause rechts)

Damacio
Mit viel Verstand ist sie begabt.

Liseo
Und ihre Anmut weckt Entzücken.

Felisardo
(zu Mendoza)
Hierher, und decke mir den Rücken.

Mendoza
Sagt mir, was Ihr im Sinne habt.
Denn falls wir beide fechten sollen,
Leg' ich auf Vorbereitung Wert.

Felisardo
So zieh dein Schwert.

Mendoza
            Ich zog mein Schwert.
(Für sich)
Doch möcht' ich lieber noch mich trollen.

Damacio
Treibt fleißig mit der Zofe Scherz;
Denn hat erst einer die am Schnürchen,
So kann er durch dies Hintertürchen
Einschleichen in Octavias Herz.

Liseo
Hübsch ist das Zöfchen ohnehin
Und gar nicht dumm; kurz, eine Perle.

Felisardo
Wovon denn reden die zwei Kerle?

Mendoza
Von ihr und ihrer Dienerin.

Damacio
Gefällig ist Octavias Wesen.

Liseo
Kein Wunder, daß sie Euch gefällt.

Felisardo
(zu Mendoza)
Octavia hat mich stets geprellt;
Doch dieser Schimpf ist auserlesen!

Damacio
Es ist schon spät; gehn wir nach Haus.

Liseo
Zwei Männer stehn im Hintergrunde.

Damacio
Es schwärmen ja zu dieser Stunde
Die Liebenden in Scharen aus.

Liseo
Fragt, ob sie uns vorüberlassen.

Damacio
Das ist nicht üblich in Madrid.

Liseo
Die Mode geht geschwinden Schritt,
Und Eifersücht'ge gibt's in Massen,
's ist besser, Fühler auszustrecken.

Damacio
's ist besser, glatt vorbeizugehn.

Felisardo
(zu Mendoza)
Jetzt red' ich.

Mendoza
            Laßt es, Herr, geschehn,
Daß sie sich drücken.

Felisardo
(hervortretend)
            Ihr Herrn Gecken,
Was sucht ihr da? Was treibt, was schaut,
Was wollt ihr? Einen Streich vollführen?
Was habt ihr hier herumzuspüren?
Juckt euch nach Händeln, gar die Haut?
Das Haus, das ihr verließt soeben,
Hat einen Herrn, und der bin ich.

Damacio
Dann ist dem Hause sicherlich
Ein Herr von edlem Stand gegeben.
Seid Ihr der Gatte?

Felisardo
            Einerlei.
Damacio
Wer seid Ihr?

Felisardo
            Daß ich dies Euch sage.
Beliebt mir nicht.

Damacio
Und ich ertrage
Nicht solche läst'ge Schwätzerei.

(Sie werden handgemein)
Heran, Liseo!

Felisardo
            Stoß um Stoß;
Ihr trefft auf eine gute Klinge.

Damacio
Ja; doch der Vorteil ist geringe
Und nur das Mißvergnügen groß.
(Sie gehen fechtend ab)

Dritter Auftritt

Octavia, Beatriz (kommen aus dem Hause rechts)

Beatriz
Hört, welch ein Kampflärm!

Octavia
            Meinetwegen.
Ich bin nicht schreckhaft von Natur;

Eins jener Zauberfeste nur,
Bei dem zum Tanze gehn die Degen.
Liebhaber gibt's in unsern Tagen,
Die machen mit den Freunden aus,
Zum Schein sich vor der Liebsten Haus
Mit möglichst viel Geräusch zu schlagen.
Die meisten Männer nämlich wähnen,
Wir könnten nicht mehr widerstehn,
Sobald wir sie sich raufen sehn.

Beatriz
Ach Himmel, nah sind mir die Tränen,
Und von dem Scheitel bis zur Zeh
Bin ich so weiß wie Alabaster.

Octavia
Das Raufen halt' ich für ein Laster,
Das mir zuwider ist von je.
Die Weiber möge Gott verdammen,
Die kirre macht solch ein Achill.

Beatriz
Ja, eine, die solch einen will,
Muß wahrlich aus der Hölle stammen.
Alltäglich ins Gefängnis laufen,
Weil er dort brummt, ihm trotz Verbot
Einschmuggeln karges Mittagbrot,
Für ihn das letzte Hemd verkaufen,
Mit jedermann, der rechtsgelehrt,
Sich über seinen Fall besprechen,
Den Schreiber insgeheim bestechen,
Damit er ihn für krank erklärt,
Sich brüsten unter seinesgleichen,
Man habe durch Verschlagenheit
Ihn aus dem Kerkerloch befreit,
Und als der Lohn für all die Zeichen
Von Lieb' und Treu' und all die Qual
Bleibt seine abgehaune Nase;
Denn von dem schändlichen Gerase
Ist dies das Ende jedesmal.

Octavia
Ja, Beatriz, ein Mannsbild sei,
Damit man rühmlich von ihm spreche,
Feigherzig weder bis zur Schwäche
Noch tapfer bis zur Barbarei.
Ein Edelmann von echtem Wert,
Geschickt in jedem Stich und Hiebe,
Dem seiner Ehre nur zuliebe
Der Degen aus der Scheide fährt
Und der, sobald er ihn gezogen,
Viel tut und wenig davon spricht
Ein Weib, so scheint mir, braucht sich nicht
Zu schämen, wenn sie dem gewogen.

Beatriz
Solch einen liebt man allerwegen;
Doch mehr noch find' ich den galant
Und liebenswürdig, dessen Hand
Die Börse zieht und nicht den Degen.
Denn welche Kühnheit, welcher Adel,
Welch Heldentum, welch feiner Schliff
Nebst aller Gaben Inbegriff
Zeigt einen Mann so frei von Tadel,
Als wenn er aus dem Beutel nimmt
Von Gulden eine runde Summe?

Octavia
Bejahen müssen das auch Stumme,
Ist doch kein Zweifel, daß es stimmt.
Selbst in den Augen Alexanders,
Der auch im Lieben groß war, galt
Freigebigkeit mehr als Gewalt,
Und Fraun besiegt man schwerlich anders.

Vierter Auftritt

Vorige. Felisardo, Mendoza (kommen mit nackten Degen zurück)

Beatriz
Wer kommt hier mit so lauten Schritten?

Felisardo
Ich bin es.

Octavia
            Felisardo, du?

Beatriz
Mendoza, du?

Mendoza
            Noch immerzu.

Octavia
Ach, Liebster, hast du dich gestritten?

Felisardo
Ha, treffen endlich wir zusammen?

Octavia
O Gott, man sieht's, der Kampf war wild.
Schlimm zugerichtet ist der Schild,
Bedeckt mit Beulen und mit Schrammen.
(Zu Beatriz)
Bring Licht. Die Degen einzustecken
Wird ihnen sonst nicht möglich sein.

Beatriz
(hat aus dem Hausflur ein Licht geholt)
Sie stecken sie ja noch nicht ein!

Mendoza
(leise zu Felisardo)
Die beiden sind halbtot vor Schrecken.

Octavia
Steckt in die Scheiden eure Klingen,
Denn sonst erkälten sie sich leicht.

Felisardo
Du bist erschrocken, bist erbleicht,
Als du mich sahst ins Aug' dir springen.

Octavia
Was ließ dich außer dir geraten?
Hol, Beatriz, ihm Aquavit!

Mendoza
Bring auch ein bißchen Rebhuhn mit
Und ein paar Stückchen kalten Braten.

Beatriz
Ja, gerne, du geliebter Fresser.

Octavia
Sag, Teurer, doch, was dich bedrückt.
Weh, Felisardo ward verrückt,
Rast, wütet, schlägt sich bis aufs Messer!
Soll ich dich nicht mehr lieben dürfen?

Felisardo
Gib dir zu heucheln keine Müh'.

Mendoza
Hast du vielleicht auch etwas Brüh'?

Beatriz
Zu welchem Zweck?

Mendoza

            Um sie zu schlürfen.

Felisardo
Genug, Octavia, dein Versuch,
Dich hinter täuschendem Geschwätze
Zu bergen und in deine Netze
Mich zu verwickeln, mir zum Fluch.
Genug, Octavia, die Verhöhnung,
Mit der du meiner Ehre lachst
Und über mich dich lustig machst
Zu deines Gaukelspieles Krönung.
Genug, Octavia, daß dein Schauern
Der Schild erweckt und nicht die Brust,
Der leicht geschah dasselbe just,
Was dir bei diesem weckt Bedauern.
Genug, Octavia, daß bei Licht
Einstecken du mich heißt den Degen,
Den ich im Dunkeln deinetwegen
Herauszog, auf den Kampf erpicht.
Genug, Octavia, daß bei Nacht
Zwei Männer deinem Haus entschleichen
Und du mir Aquavit läßt reichen,
Nachdem du Gift mir beigebracht.
Genug, Octavia, kurz und gut,
Da du mich deutlich läßt bemerken,
Daß du nicht züchtig bist in Werken,
Wenngleich dein Wort so züchtig tut.
Was taten die zwei Männer hier,
Die mit mehr Stichen ich durchdrungen,
Als du mich mit Beleidigungen?
Gesteh, was wollten sie bei dir?
Weshalb sind sie des Nachts gekommen?

Octavia
Spricht man mit der gemeinsten Frau
In einem Ton, so grob und rauh,
Wie der, den eben ich vernommen?
Genug, du Tor, wenn ich gestatte
Mit lammsgeduldigem Gemüt,
Daß deine Rede Kränkung sprüht,
Obwohl du weder bist mein Gatte
Noch ich in deiner Vormundschaft.
Genug, daß ich dich ließ gewähren,
Mich seit drei Jahren zu verehren,
Weil mir zur Härte fehlt die Kraft.
Und ich, so schüchtern von Betragen,
Erscheine dir so wenig keusch,
Daß du mit donnerndem Geräusch
Dich unterstehst, mich anzuklagen!
Ich dachte, daß mit kühnem Schwunge
Dein Arm ein Unrecht abgewehrt;
Doch schärfer als dein nacktes Schwert
Erweist sich deine nackte Zunge.
Damit du deines Wahnes Quell
Erkennst, so höre: Jene beiden,
Die du in Stücke willst zerschneiden,
Sind Schneidermeister und Gesell.
Ich wünschte mir ein neues Kleid;
Du, der davon nichts wollte wissen,
Hast es zersäbelt und zerrissen,
Bevor's zum Anziehn war bereit.
Vermutlich hast sogar die Schere
Dem Nebenbuhler du stibitzt,
Weil du so große Löcher schnittst
In die Gewandung meiner Ehre
Und mir womöglich noch die Naht
Des Unterrockes willst zerspalten,
Da du mich kannst für fähig halten
Zum niederträchtigsten Verrat.
Drei Jahre ward ich treu befunden,
Ließ keinen ich an mich heran,
Und du – du wähnst, es könn' ein Mann
Mich überwinden in zwei Stunden?
Um einzusehn, daß jener Dritte
Ein Schneider war und kein Galan,
Nimm diesen Zettel, Grobian,
Worin ich um das Kleid dich bitte.
(Sie wirft ihm ein Papier hin)
Mich aber siehst du niemals wieder.
(Sie tut, als ob sie gehe)

Felisardo
Geliebte, hör mich an!

Octavia
            Was noch?

Felisardo
Geh nicht, verweile, hör mich doch!

Octavia
Mir fuhr der Schimpf in alle Glieder.

Felisardo
Bei Gott, um schadlos dich zu halten
Für das dir zugefügte Leid,
Mach' ich dir zum Geschenk dies Kleid.
(Er hebt den Zettel auf)

Octavia
(zurückkehrend)
Oh, dieser Mann kann mit mir schalten,
Wie's ihm beliebt, und was auch immer
Er fordert, weigern kann ich's nicht.

Mendoza
(für sich)
Ja, weil das Kleidchen sie besticht.
Ein ganz verteufelt Frauenzimmer!

Felisardo
Du spendest mir zweitausend Leben.
Besäß' ich Herzen, gleich an Zahl,
Wie gern würd' ich sie allzumal
In diese schlimmen Hände geben.
Das Kleid bring' ich dir morgen mit;
Denn unverzüglich soll's der Schneider
Zuschneiden, dem ich fälschlich leider
Zuschrieb, daß er die Cour dir schnitt.
Magst du die Eifersucht vergessen,
Der es entsprang; denn Frauengunst
Im höchsten Maß wird ja der Kunst,
Das Maß zu nehmen, zugemessen.
Deshalb verzeih mir die Verkennung;
Wenn ich dir deine Ruhe nahm,
So büß' ich es durch meine Scham.

Octavia
Schwer fällt mir, Liebster, unsre Trennung.
Komm morgen; du wirst gut empfangen.

Felisardo
Mendoza trägt das Kleid ins Haus.

Mendoza
(zu Beatriz)
Und du, was bittest du dir aus?

Beatriz
Bescheidener ist mein Verlangen.
Bring mir ein Paar gestrickte Strümpfe,
Strumpfbänder auch dazu.

Mendoza

            Noch mehr?

Beatriz
Nun, auch ein Häubchen bring mir her.

Mendoza
Ich liefr' es pünktlich ab, du Nymphe.

Octavia
Auf Wiedersehn!
(Sie geht mit Beatriz ins Haus)

Fünfter Auftritt

Felisardo. Mendoza

Mendoza
            Dem Streit entquoll
Ein Kleid. Was steht Ihr so beklommen?

Felisardo
O wär' ich niemals hergekommen,
Hätt' nie besänftigt ihren Groll!

Mendoza
Wieso?

Felisardo
            Bin ich doch ohne Geld.
Aus Reue nahm ich zwar den Zettel;
Jedoch womit ich diesen Bettel
Bezahle, sei dahingestellt.

Mendoza
Ja, Herr, was hilft es besten Falles,
Wenn sie dann trägt ein kostbar Kleid,
Ihr aber ausgezogen seid?

Felisardo
Bei der bin ich gefaßt auf alles.
Gibt's denn ein zweites Weib im Lande,
So launenhaft, so wahrheitsscheu,
So grausam, störrisch, ungetreu
Und so gerieben an Verstande?

Mendoza
Weswegen liebt Ihr sie?

Felisardo
            Wer weiß?
Mich reizt an ihr das Rätselvolle.

Mendoza
Spielt Ihr des Schuldenmachers Rolle,
Ist Eure Liebe wahrlich heiß.

Felisardo
(entfaltet das Papier)
Ob ich hineinschaun soll? Die Liste
Scheint ziemlich lang.

Mendoza
            Ein halbes Buch.

Felisardo
(lesend)
»Zuvörderst sechzehn Ellen Tuch ...«

Mendoza
Soll heißen, eine ganze Kiste.

Felisardo
»… von Atlas und von Farbe blau.«

Mendoza
Das wird sie sicher trefflich kleiden;
Daran könnt Ihr das Auge weiden,
Als ob es in den Himmel schau'.

Felisardo
»Ingleichen hundert Ellen Spitzen;
Doch müssen sie aus Mailand sein.«

Mendoza
Das Wetter schlage doch hinein
Mit siebenhundert Ellen Blitzen.
Denn ist nicht solche Spitzengier
Zu spitzig selbst für einen Reichen?

Felisardo
»Ingleichen ...«

Mendoza
            Wie? Noch mehr »ingleichen«?
Die Liebe wird zum Schreiber hier.

Felisardo
Nein, dies »ingleichen« nimmt kein End'.
Mir schwindelt förmlich vor dem Reste;
Bei Licht betrachtet, ist's das beste,
Ich mache gleich mein Testament.
»Ingleichen, falls nicht solche Spitzen
Vorrätig sind, dann zum Besatz …«

Mendoza
Was denkt sich dieser süße Schatz?
Besatz, da wir doch nichts besitzen!

Felisardo
»Zweihundert Ellen feiner Borte.«

Mendoza
Heiliger Gott, was die nur glaubt!
An Bord noch lieber ausgeraubt
Von Mauren allerärgster Sorte.
Noch mehr?

Felisardo
            Der Hauptpunkt. »Zum Verzieren
Fünfhundert Ellen Stickerei.«

Mendoza
Ersticken möge sie dabei.
Laßt uns nicht weiter Zeit verlieren.

Felisardo
Fehlt noch das Futter.

Mendoza
            Ich erschrecke!
Fehlt's nicht auch uns? Dies Futter schmeckt
Nach Leim, und mit dem Schneider steckt
Das Weibsbild unter einer Decke.

Felisardo
Gleichviel, es bleibt von diesem Kelche
Kein Tropfen mir erspart. Ich muß
Herbei mich lassen zum Entschluß,
Zwei Kleider einzukaufen.

Mendoza
            Welche?

Felisardo
Erstlich das Atlaskleid. Aus List
Gedenk' ich ihr jedoch zu sagen,
Mir würd' ein glattes mehr behagen
Als ein verziertes.

Mendoza
            Welches ist
Das zweite denn?

Felisardo
            Mein Totenkleid.

Mendoza
Die Weiber sind ein bös Kapitel.

Felisardo
Wenn ich nur wüßte, welches Mittel
Von dieser Liebe mich befreit.
(Beide ab)

Zwischenvorhang. Dann dieselbe Dekoration bei hellem Tag

Sechster Auftritt

Don Lorenzo, Tristan (kommen, beide in Soldatentracht)

Tristan
Ward alles richtig abgekartet?

Don Lorenzo
Ja, nach dem Brief, den ich ihr schrieb,
Eh mich die Sehnsucht heimwärts trieb,
Ist sicher, daß man uns erwartet.
Heischt ihre Treu' nicht Anerkennung?

Tristan
Da regt sich was im Hause schon.

Don Lorenzo
Es ist der Liebe schönster Lohn
Ein Wiedersehn nach langer Trennung.
Denn vom geliebten Gegenstand
Entfernt zu sein, vermehrt das Feuer,
Und Ruhm bestandner Abenteuer
Wird vor der Heimkehr Glück zu Tand.
Hat der Entfernte seinem Harm
Tagein, tagaus Geduld gepredigt,
Wie köstlich wird er dann entschädigt
In der Geliebten weichem Arm.

Tristan
Ich, wenn ich liebte, wäre kaum
Für diese Schule des Entbehrens;
Denn für das Glück des Wiederkehrens
Hat jeder neue Morgen Raum.
Ein aufgeschobener Genuß,
Das heißt sich mühsam überwinden;
Und in der Trennung Lust zu finden,
Ist wie wer nüchtern fasten muß.

Don Lorenzo
Schweig! Wer, zum besten Schmaus geladen,-
Mag essen, wenn ihm Hunger fehlt?
Wer trinken, wenn nicht Durst ihn quält?
Wer, wenn es ihm nicht heiß ist, baden?
Wer sich erwärmen ohne Frost?
Und ist die Liebe für den Fernen,
Der so sich hat gedulden lernen,
Nicht Heizung, Bad, Getränk und Kost?

Tristan
Ihr sprecht, als ob die Holde, Hehre,
Der schon seit so geraumer Zeit
Ihr Euer Männerherz geweiht,
Ein uneinnehmbar Bollwerk wäre.
Sagt, muß man nicht ins Auge fassen
Den Fall, daß am beglückten Tag
Man sie nicht wiederfinden mag,
Wie man sie hat zurückgelassen?

Don Lorenzo
Gibt's Weiber, die so leicht sich wandeln,
Daß niemand ihnen trauen darf,
Ist das noch lang kein Grund, so scharf
Die edlen Frauen zu behandeln.
Ein Weib, das eines andern wegen
Den fernen Liebsten hintergeht,
Glaub, guter Tristan, die versteht
Das grad so gut, wenn er zugegen.

Tristan
Ach, Herr, wievielen weißen Lämmern,
Bringt die Gelegenheit Gefahr,
Die sündlos stets gelebt, sogar
In ihres Traumes halbem Dämmern.
Der Gegenwärtige hat recht,
Weil der Entfernte nicht als Wache
Eintreten kann für seine Sache,
Und darum geht es diesem schlecht.
Entfernung ist wie tiefer Schlaf,
Und Schläfer prellt man allzu gerne;
Plagt den Galan drum in der Ferne
Nicht Eifersucht, ist er ein Schaf.

Don Lorenzo
Tristan, fast werd' ich von der Schwermut
In deinen Worten angesteckt;
In alles, was mir Hoffnung weckt
Und Frohsinn, träufelst du mir Wermut.
Ich war entfernt und kehre wieder;
Stör mir die Wonne nicht, die heut
Im tiefsten Herzen mich erfreut.
Ich schließe meine Augenlider
Mit Absicht zu, weil ich durchaus
Nach einer Wartezeit von Jahren
Nicht will Enttäuschungen erfahren.

Tristan
Ganz wie der König Menelaus.

Don Lorenzo
Den Schädel werd' ich dir zertrümmern,
Verdammter, abgeschmackter Wicht!

Tristan
Ich tat nur meine Dienerpflicht;
Was brauch' ich sonst mich drum zu kümmern?

Don Lorenzo
Hab' ich gefragt nach deiner Meinung?

Tristan
Nein.

Don Lorenzo
            Dann behalte sie bei dir;
Denn dieses Weib ist heilig mir
Gleich einer göttlichen Erscheinung.
Vertrau' ich fest auf ihre Treue,
So tu das auch, mit mir vereint;
Argwohn, dem Gutes böse scheint,
Verwehrt, daß man sich dran erfreue.
Vor wem ein Bach vorüberrinnt,
Ist der kein törichter Geselle,
Wenn er zurückgeht bis zur Quelle,
Bevor zu schöpfen er beginnt?

Siebenter Auftritt

Vorige. Clarinda (kommt aus dem Hause links)

Clarinda
Lorenzo, sei willkommen!

Don Lorenzo
            Glaub,
Um diesen Willkomm zu erbitten,
Bin ich bei Tag und Nacht geritten
Und, wie du siehst, noch voll von Staub.

Clarinda
Ist das nicht Tristan?

Tristan
            Fleisch und Bein
Von ihm.

Clarinda
            Auch dich muß ich umarmen.

Tristan
Ihr dürft es, weil ich aus Erbarmen
Mit Euch ihm half, Euch treu zu sein.

Clarinda
Wer zweifelt, da mehr als ein Jahr
Dein Herr in fernen Landen weilte

Und dort von Sieg zu Siegen eilte,
Daß er mir gründlich untreu war?

Tristan
Nein, Herrin, hätt' ich was gesehn
Von anderweitem Feuerfangen,
Wär' ich ihm aus dem Dienst gegangen.

Don Lorenzo
Jetzt aber, Tristan, magst du gehn,
Nicht aus dem Dienst, doch aus dem Wege.
Clarinda, wie? Kaum bin ich hier,
So zweifelst du bereits an mir,
Der ich an dir nicht Zweifel hege?
Die Treue hab' ich dir bewahrt.
Neapel freilich ist ein Garten,
Worin auf einen Spanier warten
Gelegenheiten aller Art.
Indessen keine war imstand,
Sich deiner Schönheit zu vergleichen
Und sich in diese Brust zu schleichen,
Die fest blieb wie ein Diamant.
Nichts andrem galt mein Willensdrang,
Als durch Erfüllung meiner Pflichten
Des Feldherrn Blick auf mich zu richten,
Auf daß ich mit erhöhtem Rang
Nach Spanien könne wiederkehren.

Clarinda
Was bist du so geworden? Sprich.

Don Lorenzo
Zum Hauptmann stempelte man mich,
Die erste Staffel höchster Ehren.

Clarinda
Und, Tristan, ward auch dir ein Amt?

Tristan
Potz Wetter, habt Ihr je vernommen,
Daß einen Titel hat bekommen,
Wer aus dem großen Haufen stammt?
Stets ließ ich meinen Herrn voran,
Sobald wir uns dem Feinde nahten,
Und allen Ruhm der Heldentaten
Schöpft immer ab der Vordermann.

Clarinda
Kurzum, du bliebst in deinem Stand
Als Diener?

Tristan
            Herrin, selbstverständlich.
Bin ich als solcher nicht schon kenntlich
An dem bescheidenen Gewand?
Sind Stiefel, Kragen, Federhut
Und Degen nicht genug zerschlissen?

Don Lorenzo
Was ich erlebte, sollst du wissen,
Wenn ich ein wenig ausgeruht.
Es wäre zwar nicht zu verachten
Ein kleines Mahl noch vor der Rast.

Clarinda
Ich ließe für solch teuren Gast
Am liebsten einen Phönix schlachten.
Doch guter Wille macht nicht satt;
Ich will dir drum, damit nichts fehle
Auf deiner Tafel, meine Seele
Vorsetzen an des Phönix Statt.

Don Lorenzo
Vor allem, Liebste, werd' ich ja
Mit Augen deine Schönheit speisen;
Dir selbst – ich kann es dir beweisen –
Gebührt als Kost Ambrosia,
Denn wenn die Heiden feierlich
Die Sterblichen zu Göttern machten
Und sich auch Liebe göttlich dachten,
Bist du des Amor zweites Ich.

Clarinda
Fürwahr, du bist ein echter Ritter.

Don Lorenzo
Im Äußern oder auch im Kern?

Clarinda
In allem.

Don Lorenzo
            Doch nun möcht' ich gern
Zu Tisch gehn.

Tristan
            Scheint auch mir nicht bitter.
(Sie gehen ins Haus links)

Achter Auftritt

Damacio, Liseo (kommen)

Liseo
Damacio, wo hinaus? Ich flehe,
Bevor ich weiter mit Euch gehe,
Sagt mir, wohin Ihr heut mich führt
Und ob man nicht hier in der Nähe
Ein neues Wespennest berührt.
Auf meiner ganzen Lebensbahn
Bleibt jenes Weib mir unvergeßlich
Fühlt meinetwegen Euch als Hahn
In ihrem Korb und lebt im Wahn,
Sie lieb' Euch einfach unermeßlich.
Ich will, falls nochmals Ihr mich bringt
Zu einer ähnlichen Sirene,
Bewaffnet gehn bis an die Zähne,
Weil keineswegs ich unbedingt
Nach Rolands Heldentod mich sehne,
Die beiden haben grad genug
Uns mitgespielt mit Degenstößen,
Um Witzigung mir einzuflößen.

Damacio
Der eine von den beiden schlug
Sich gut; der andre gab sich Blößen.

Liseo
Der mich so hart bedrängte, war
Der Zofe Liebster offenbar.
Ich brauchte nur von ihr zu sprechen,
Da wollt' er schon den Hals mir brechen.
Doch ich entsag' ihr ganz und gar:
Vor solchen Weibern spür' ich Grauen;
Es gibt noch andre, Gott sei Dank.

Damacio
Liseo, kommen andre Frauen
Octavia gleich? Wer kann sie schauen
Und würde nicht vor Liebe krank?
Muß nicht ihr Lächeln den begnaden,
Der es erblickt?

Liseo
            Jedoch bewahrt
Ihn dieses Lächeln nicht vor Schaden.
Sind doch die Frauen solcher Art
Wie Spiegel in dem Krämerladen,
Die alle, die vorüberlaufen,
Festhalten auf den ersten Blick
Und so sie nötigen, zu kaufen;
Dann aber dreht man mit Geschick
Dem armen Käufer einen Strick.
Ich kenne Frauen, die zumal
Zehn Männern ihre Gunst bezeigen,
Doch keinem sich in Liebe neigen,
Teils weil ihr Herz besteht aus Stahl,
Teils weil es schillert wie Opal.
Das ist, weiß Gott, kein flaches Meer;
In Tiefen kann es uns begraben,
Und, guter Freund Damacio, wer
Den Sieg erringen will bei der,
Muß stets die Hand am Beutel haben.
Wie gut, daß Ihr noch nichts ihr schenktet,
Auch nicht das Kleid, um das sie bat,
Da doch, als aus dem Haus Ihr schwenktet,
Der erste beste, den Ihr saht,
Ihr Freund war.

Damacio
            Wirklich, Kamerad,
Es reut mich, daß ich ihr gehuldigt;
Blind war ich, da sie mich gekirrt.

Liseo
Wenn Eure Blindheit sehend wird,
Ist sie dadurch bereits entschuldigt;
Kein Mensch, der nicht zuweilen irrt.
Ihr habt sie tüchtig überschätzt,
Die falsche, launenhafte Hexe,
Und weil Ihr Euch darob entsetzt,
Sollt Ihr zur Schadloshaltung jetzt
Zwei Engel sehn.

Damacio
            Zwei?

Liseo
            Mehr noch, sechse.

Damacio
Ein ganzes Himmelreich im kleinen.

Liseo
Ein Weib sollt Ihr erblicken heut,
Für die nicht andre Sonnen scheinen
Am Himmel außer jener einen,
Die Licht ihr und Erwärmung beut.
Und diese Sonne seht in mir:
Zum höchsten Glück bin ich erhoben,
So daß ich neidische Begier
Erwecke bei der Sonne droben.

Damacio
Und die fünf andern?

Liseo
            Dienen ihr.
Nun gebt nur acht; ich werde rufen.
Euch winkt ein herzlicher Empfang.

Damacio
Ich habe schon im Ohr den Klang,
Als ob von dieses Thrones Stufen
Ertöne himmlischer Gesang,
Und mit Octavia bin ich fertig.

Liseo
(ruft vor dem Hause, links)
He! Holla!

Damacio
            Niemand sagt: Herein!

Liseo
Sie ist sehr scheu.

Damacio
            Nicht gegenwärtig
Ist sie vielleicht.

Liseo
            Wo soll sie sein?

Damacio
In ihrem Amt als Engelein
Gibt einer Seele sie jetzt eben
Wohl das Geleit zum ew'gen Leben.

Liseo
Sie lebt sehr häuslich, geht nicht aus.
Heda!

Neunter Auftritt

Vorige. Tristan (erscheint, Suppe essend, mit vorgebundener Serviette auf dem Balkon links)

Tristan
            Wer stört uns hier beim Schmaus?
Almosen werden nicht gegeben.
(Ab)

Liseo
Was heißt denn das?

Damacio
            Kein Harfenton.
Wenn Ihr Euch in dem Haus nicht irrtet,
So sitzt vor Eures Engels Thron
Heut eine männliche Person,
Die man sehr engelhaft bewirtet.

Liseo
(ruft)
He!

Tristan
(erscheint wieder)
            Freund, ich rat' Euch, zu verschwinden.
(Ab)

Damacio
Saht Ihr ihn diesmal nicht genau,
So nenn' ich Euch nun einen Blinden.
Die scheue, tugendsame Frau
Scheint nicht allein sich zu befinden.

Liseo
Recht niedlich!
(Er versucht die Haustür zu öffnen)

Damacio
            Könnt Ihr nicht hinein?

Liseo
Aufmachen!

Tristan
(erscheint abermals)
            Packe dich, du Schwein!

Damacio
(zu Tristan)
Freund, wie man sich dies Wort auch deute,
Für einen Engel ist's nicht fein.

Tristan
Ja, richtig, ihr seid Edelleute;
Ich seh's erst jetzt an eurem Staat.

Liseo
Dient Ihr der Dame?

Tristan
            Welcher Dame?
Liseo
Clarinda.

Tristan
            Herr, ich bin Soldat,
Fähnrich des Hauptmanns, dessen Name
Lorenzo de Guzman, und grad
Weilt er bei ihr zum Mittagessen.

Damacio
(zu Liseo)
Hört Ihr?

Liseo
            Unglaublich! (Zu Tristan) Ihr indessen,
Wie heißt Ihr?

Tristan
            Tristan.
(Ab)

Damacio
            Er macht kehrt,
Der Engel mit dem Flammenschwert.
Habt Ihr, was Ihr gesagt, vergessen?
»Ich will, falls nochmals Ihr mich bringt
Zu einer ähnlichen Sirene,
Bewaffnet gehn bis an die Zähne,
Weil keineswegs ich unbedingt
Nach Rolands Heldentod mich sehne.
Doch heut sollt Ihr ein Weib erblicken,
Dem gar nichts ist am Zeug zu flicken
Und dem ich Sonne bin und Herr.«
Jawohl, ein Engel zum Bestricken,
Jedoch der Engel Luzifer.

Liseo
Der Witz, den Ihr entfaltet, ätzt
Und sticht gleich einem Dorngewächse.

Damacio
»Ihr habt sie tüchtig überschätzt,
Die falsche, launenhafte Hexe;
Wohl Euch, daß Ihr Euch drob entsetzt.«
War schon der Fähnrich so verwegen,
Der Hauptmann ist's gewiß noch mehr.

Liseo
Ich fühle meinen Zorn sich regen!

Damacio
Gehn wir und kommen wieder her,
Wenn dieser Tristan nicht zugegen.

Liseo
Was, wiederkommen? Unverzeihlich!
Die Tür zerschmettr' ich! Öffnet mir!

Zehnter Auftritt

Vorige. Don Lorenzo, Tristan (kommen aus dem Hause links)

Don Lorenzo
Es ist schon offen. Wünschtet Ihr
Zu diesem Hause Zutritt?

Liseo
            Freilich!

Don Lorenzo
Nun denn, das ist kein Gasthof hier.
Vermutlich seid Ihr falsch berichtet.
Ich wohne da.

Liseo
            Doch immerhin
Wohnt auch Fräulein Clarinda drin.

Don Lorenzo
Ist sie Euch irgendwie verpflichtet?

Liseo
Und wenn ich ihr verpflichtet bin
Für unbezahlbar teure Spenden?

Don Lorenzo
Ich zahle sie sofort Euch bar.

Liseo
Nicht kaufen könnt Ihr sie, noch pfänden.

Don Lorenzo
Nach vollem Werte, bis aufs Haar.

Liseo
Allein aus ihren schönen Händen
Kann die Bezahlung ich empfangen
Für ein ihr anvertrautes Herz.

Don Lorenzo
Da seid Ihr gänzlich fehlgegangen.
Um solche Zahlung zu erlangen,
Versucht Ihr's besser anderwärts.

Liseo
Ich will sie sprechen …

Don Lorenzo
            Geht beiseite!

Liseo
Hier und vor Euch, auf diesem Fleck.

Don Lorenzo
Herr, Ihr seid unwahrscheinlich keck.

Damacio
(leise zu Liseo)
Übung bekommen wir im Streite;
Das ist seit gestern schon der zweite.

Don Lorenzo
Hinweg mit euch, ihr Satansbrut!

Liseo
Wir bleiben euch zum Trotz, ihr Bande!
(Sie fechten)

Elfter Auftritt

Vorige. Felisardo, Mendoza

Don Lorenzo
Halunken, gnad euch Gott!

Felisardo
            Mein Blut,
Mendoza, kommt sofort in Glut,
Wenn einen Mann von edlem Stande
Ich kämpfen seh'. Ich spring' ihm bei;
Denn er ist sicherlich im Rechte.

Damacio
Gezücht! So viele gegen zwei!
(Er und Liseo entweichen)

Zwölfter Auftritt

Don Lorenzo. Tristan. Felisardo. Mendoza

Felisardo
Sie fliehn.

Don Lorenzo
            Herr, laßt mich im Gefechte!
Wie gut auch Euer Wille sei,
Vor ungestilltem Grimm erstick' ich,
Kann ich nicht schleunigst einen Mord
Begehn an jenem Schwätzer dort.

Felisardo
Wie? Don Lorenzo!

Don Lorenzo
            Was erblick' ich?
Freund Felisardo!

Felisardo
            Ihr am Ort?

Don Lorenzo
Ja, heimgekehrt ins Vaterland.

Felisardo
Steckt ein; seid an mein Herz geschlossen
Wie freut's mich, daß ich hier Euch fand,
Solch alten, wackeren Genossen!

Tristan
(zu Mendoza)
Wir zwei sind uns doch auch bekannt.

Mendoza
Der kleine Tristan!

Tristan
            Ja, leibhaftig.

Mendoza
Der Krieg, so scheint es, ist gesund;
Du wardst inzwischen fett und saftig.

Tristan
Und du, Mendoza, kugelrund.

Mendoza
Ich wucherte mit meinem Pfund.

Felisardo
Sagt, wie's Euch in Italien ging,
Lorenzo.

Don Lorenzo
            Von des Schicksals Wogen
Ward ich hinauf, hinab gezogen,
Obwohl der Feldherr an mir hing
Und ich viel Gunst von ihm empfing.

Felisardo
Ihr müßt mir noch erzählen.

Don Lorenzo
            Gerne.

Felisardo
Jedoch wie kam's, daß jener Zwist
Vorhin hier ausgebrochen ist?

Don Lorenzo
Das kommt davon, wenn aus der Ferne
Man heimkehrt nach geraumer Frist.
Als ich nach dieser langen Pause
Heut eine Dame wiedersah,
Hat plötzlich das Gesindel da
Zutritt begehrt zu ihrem Hause.

Felisardo
Noch schlimmer ist, was mir geschah.

Don Lorenzo
Was denn?

Felisardo
            In Fesseln mich geschlagen
Hat eine Frau, von Aussehn Mai,
Jedoch Dezember von Betragen.

Don Lorenzo
Da können wir gemeinsam klagen.

Felisardo
Seht sie nur selbst; sie kommt vorbei.

Dreizehnter Auftritt

Vorige. Octavia, Beatriz (sind verschleiert aus dem Hause rechts gekommen)

Don Lorenzo
Ist's die? Wohin wohl mag sie gehn?

Felisardo
Sie geht nach einem Kleide sehn,
Das ihr geschenkt ward von mir Toren.

Don Lorenzo
Welch edler Wuchs!

Felisardo
            Ich bin verloren!

Don Lorenzo
Die Torheit kann ich gut verstehn.

Felisardo
Ich möchte nur geschwind ein Wort
Ihr sagen; wartet.

Don Lorenzo
            Nach Befehle.

Felisardo
(geht zu ihr)
Octavia, jenen Ritter dort,
Den ich zu meinen Freunden zähle,
Traf ich hier an. Lang war er fort,
Kam heut erst aus dem Feld nach Haus
Geh, du mein Herzblatt, unterdessen
Zum Schneider allgemach voraus
Und such nach eigenem Ermessen
Die rechten Farben dir dort aus.
Ich folge nach, sobald ich kann.

Octavia
Das heißt, du willst dich sachte drücken.

Felisardo
Wann hielt ich dir mein Wort nicht? Wann?

Octavia
Komm, Beatriz.

Felisardo
            Mein ganz Entzücken
Bist du.

Octavia
Lüg mich nicht wieder an.
(Sie geht mit Beatriz weiter)

Beatriz
(im Abgehen)
Der Fremde, Fräulein, ist gefährlich.

Octavia
Doch ob auch selber leicht entflammt?

Beatriz
Ein dutzendmal gewiß alljährlich.

Octavia
Gleichgültig oder gar beschwerlich
Sind mir die Männer insgesamt.

Beatriz
Ist's denkbar? Ewig unbewegt?

Octavia
So hat mich die Natur geprägt.

Beatriz
Habt Eure Schönheit Ihr vergebens?

Octavia
Es wurde mir zeit meines Lebens
Durch keinen ein Gefühl erregt.
(Beide ab)

Vierzehnter Auftritt

Don Lorenzo. Tristan. Felisardo. Mendoza

Felisardo
Ist sie nicht zauberhaft?

Don Lorenzo
            Sie gleicht
Der Venus.

Felisardo
Findet Ihr? So streicht
Um sie herum, nach Gunst begierig:
Sie zu beschenken ist zwar leicht,
Doch sie zu lieben äußerst schwierig.

Don Lorenzo
Wieso?

Felisardo
            Sie dankt, wenn man sie liebt,
Indem sie spricht, schreibt, nimmt.

Don Lorenzo
            Und gibt?

Felisardo
Davon hab' ich in den drei Jahren,
Seit ich sie liebe, nichts erfahren.

Don Lorenzo
Drei Jahre! Doch weshalb verschiebt
Sie jetzt noch jedes Gnadenzeichen?

Felisardo
Sie wünscht wohl, daß ich am Altar
Ihr als Gemahl die Hand soll reichen.

Don Lorenzo
Ein sehr gewicht'ger Grund fürwahr.
Ließt Ihr sie's hoffen?

Felisardo
            Ziemlich klar.

Don Lorenzo
Ei, wenn man von der Heirat spricht
Mit einer Frau, dann braucht man nicht
Erstaunt zu sein, daß zum Gewähren
Sie sich erst will bereit erklären,
Nachdem man sie geehelicht.

Felisardo
Dies Weib ist manches Opfer wert;
Es haben wohl in den drei Jahren
Dreitausend Männer sie verehrt,
Die sämtlich ihre Gimpel waren,
Da, wer sie sieht, sie auch begehrt.
Nur fragt sich, ob sie jemals einem
Von diesen ihre Gunst geweiht;
Denn Lieb' und Achtung zeigt sie keinem.
Doch seltsam wär's, hätt' all die Zeit
Ein Weib wie sie sich so kasteit.
Das ist der Argwohn, der unsäglich
Mir zusetzt, weil ich ohnehin
Nicht weiß, woran ich mit ihr bin,
Und weil als Steckenpferd alltäglich
Sie unsre Heirat hegt im Sinn.
Kein Wunsch von mir, dem sie sich fügt;
All meinen Plänen widersteht sie,
All meine Absichten verdreht sie,
Zermürbt mich, quält mich, lügt und trügt,
Und es gibt nichts, was ihr genügt.
Sie flieht vor mir, komm' ich ihr nah,
Und geh' ich, folgt sie mir in Dichte;
Sag' ich ihr »nein«, sagt sie mir »ja«;
Ich bin der Schatten ihrem Lichte,
Und schwindet sie, werd' ich zunichte.
Wein' ich, dann singt sie; sing' ich, weint sie;
Will ich etwas von ihr, verneint sie;
Vernein' ich, will sie's ihrerseits:
Je mehr sie mit mir spielt, erscheint sie
Mir so von immer größrem Reiz.

Don Lorenzo
Ein tolles Weib in jedem Zoll!

Felisardo
Ach, Freund, ich selber werde toll.
Hat doch der Himmel nichts geschaffen,
Was gleichermaßen wundervoll
Geeignet wäre zum Vergaffen.
Sie heuchelt, fällt in Ohnmacht, schreit,
Hat Eifersucht, steckt voller Tücken,
Geht spionieren hinterm Rücken,
Verschmäht, was nah, begehrt, was weit,
Und alles ist Verschlagenheit.

Don Lorenzo
Da muß ich sehr beglückt mich fühlen,
Daß nicht mit mir sie so verfährt.

Felisardo
Lorenzo, glaubt, selbst einen Kühlen
Vermag sie gründlich aufzuwühlen,
Auch wenn er keine Liebe nährt;
Ja, sie verfolgt ihn noch im Traum.

Don Lorenzo
Ich sehe deutlich ihre Schlingen.
Doch was gedenkt Ihr zu vollbringen?
So schlaue Weiber lassen kaum
Sich auf gewohntem Weg bezwingen.
Stets war es meine Meinung nämlich.
Den Frauenzimmern schad' es nicht,
Beschränkt zu sein und etwas dämlich;
Ist eine von Verstande schlicht,
Macht sie das Lieben uns bequemlich.
Man darf auf ihre Treue baun,
Und ihrer angebornen Güte
Entkeimen Sanftmut und Vertraun.

Felisardo
Der Zweifel nagt mir am Gemüte
Und läßt mich wie durch Nebel schaun.
Drum ist mir ein Gedank' erwacht:
Wie war' es, wenn den Hof ihr macht
Ein Freund von stattlicher Erscheinung,
Der mit mir kommt und geht und sacht
Erkundet ihre Herzensmeinung;
Der den verliebten Schäfer spielt
Und so mich Wahrheit läßt erkennen?

Don Lorenzo
Wißt Ihr denn einen zu benennen,
Der sich für solch ein Amt empfiehlt?

Felisardo
Um diese Festung zu berennen,
Hat Euch der Himmel mir geschickt.

Ihr habt nun in mein Herz geblickt
Und werdet höchlichst mich verbinden,
Wenn mit geheucheltem Empfinden
Ihr sie geflissentlich umstrickt.
Winkt mir die Hoffnung auch, die Frucht
So treuer Huldigung zu brechen,
Will, fürchtend ihre Flattersucht,
Ich mich an ihrer Ehre rächen;
Denn diese Rache nur hat Wucht.
Zu lang schon leb' ich so beklommen;
Belügt, betört, erobert sie;
Sagt, seit Ihr sie hier wahrgenommen,
Wärt Ihr vernarrt.

Don Lorenzo
Doch werd' ich nie,
Das schwör' ich, ins Geheg Euch kommen.

Felisardo
Ich glaub's Euch.

Don Lorenzo
Geht; bezahlt ihr Kleid;
Zu ihr geb' ich Euch das Geleit.

Felisardo
So kommt.
(Beide ab)

Fünfzehnter Auftritt

Mendoza. Tristan

Mendoza
            Vernahmst du, was im Schilde
Sie führen? Keine Kleinigkeit.

Tristan
Jawohl, ich bin durchaus im Bilde.
Doch, Bruder, schaff mir auf den Platz
Nun einen drallen Küchenbesen;

Denn dort, wo ich im Feld gewesen,
Hatt' ich drei Monat einen Schatz.

Mendoza
Drei Monat?

Tristan
            Mangels von Ersatz.

Mendoza
Du Ärmster!

Tristan
            Solltest du vermuten,
Es wären dort wie hierzuland
Die Mägde zahlreich wie die Puten
Und atmeten aus ihren Schnuten
Duft von Anis und Amarant?
Zwar ließ das Weibsvolk mich nicht ruhn
Und heizte mir den Höllenofen
Vor Eifersucht auf Spaniens Zofen
Mit ihren kleinen Klapperschuhn
Und ihren Häubchen aus Kattun.

Mendoza
Gibt's keine Küchenmägde da?

Tristan
Nur Circen gibt es.

Mendoza
            Circen?

Tristan
            Ja.
So heißen am Vesuv die Nickel;
Die nehmen unsereins am Wickel,
Bevor man sich's noch recht versah.
Sie stehn mit Satanas im Bunde;
Doch spätestens nach einer Stunde
Sind sie für immer abgetan. –
Auf Wiedersehn, du Vagabunde!

Mendoza
Auf Wiedersehn, du Liedrian!
(Tristan ab)

Sechzehnter Auftritt

Mendoza. (Dann) Beatriz.

Mendoza
(allein)
Soldatenleben bringt Gewinn!
Doch unseres, trotz allen Mätzchen,
Ist reizlos bis zum Widersinn.
(Er sieht Beatriz kommen)
Schau, Beatriz!

Beatriz
            Was gibt's?

Mendoza
            Wohin,
Mein Beatrizchen, Schätzchen, Kätzchen?
Du, weißer als der neue Schnee,
Du, prickelnder als Salz und Pfeffer,
Du, schlanker als ein junges Reh,
Du, leuchtender als eine Fee
Und bissiger als zwanzig Kläffer,
Gib mir 'nen Kuß.

Beatriz
            Was fällt dir ein?
Mendoza
Wenn ich doch schon so lang drauf warte.

Beatriz
Auf offner Straße?

Mendoza
            Freilich.

Beatriz
            Nein.

Mendoza
Wann soll denn unsre Hochzeit sein?

Beatriz
Nicht, ehe dieser Durandarte
Zuvörderst meine Herrin freit.

Mendoza
Du marterst mich mit Hindernissen.

Beatriz
Gibt's irgendeine Neuigkeit?

Mendoza
Ein groß Geheimnis.

Beatriz
            Laß mich's wissen,

Mendoza
Zwar bin ich von dir hingerissen;
Doch ein Geheimnis und ein Weib …
Gott soll bewahren!

Beatriz
            Flink, du Schlimmer!
Sag's, oder es ist aus auf immer
Mit uns!

Mendoza
            Hör, Beatrizchen; bleib!

Beatriz
Mir was zuliebe tust du nimmer,
Bist nie mir gegenüber ehrlich.
Ist dein Gefühl für mich so spärlich,
Geh' ich dir nicht mehr auf den Leim.
Du hältst vor mir etwas geheim?
Und das wär' Lieb' und Treue? Schwerlich!
Gehab dich wohl, mein guter Junge.

Mendoza
Willst du mir schwören, deine Zunge
Zu hüten?

Beatriz
            Nun, damit du nur
Beruhigt bist, leg' ich den Schwur
Dir ab mit feierlichem Schwunge:
Man soll mir keinen Dienst erweisen,
Der mir mißfällt; ich soll kein Huhn,
Das noch nicht gar ist, je verspeisen;
Nie soll ich schlafen gehn in Schuhn
Und Kleidern; Brot, so hart wie Eisen,
Soll ich nie kaun, Wein, der nicht alt,
Nie trinken, soll, wenn mit Gewalt
Die Sommersonne brennt, nie schwitzen,
Nie frieren, wenn's im Winter kalt;
Soll nie ...

Mendoza
            Was?

Beatriz
            ... in der Hölle sitzen,
Halt' ich, mein Freund, nicht reinen Mund.

Mendoza
Wohlan, so tu' ich denn dir kund …

Beatriz
Wird's bald?

Mendoza
Mein Herr will Rache nehmen
An deinem Fräulein.

Beatriz
            Und der Grund?

Mendoza
Sein Mißtraun kann er nicht mehr zähmen.
Dem Hauptmann trug er auf daher,
Daß er in sie verliebt sich stelle,
Damit aus diesem Spiel erhelle,
Wieviel sie taugt.

Beatriz
            Leicht könnte der
Heimkehren mit gerupfter Pelle.

Mendoza
Wenn er sich auf die Kunst versteht,
Wird sie, so wett' ich, ihm erliegen.

Beatriz
Von keinem läßt sie sich besiegen;
Und wenn er tausend Jahre fleht,
Er wird sie doch nicht unterkriegen.

Siebzehnter Auftritt

Vorige. Octavia, Felisardo. (In einiger Entfernung folgen ihnen) Don Lorenzo, Tristan

Felisardo
Bist du zufrieden?

Octavia
            Ja, mein Lieber.

Felisardo
Auch mit dem Atlas?

Octavia
            Ungemein.

Felisardo
Der Hauptmann, wohl vom selben Fieber
Erfaßt wie ich, kommt hinterdrein.
Gefällt er dir?

Octavia
            Nach äußrem Schein
Ist er recht flott.

Felisardo
            Und sehr galant.

Octavia
Wie heißt er?

Felisardo
            Don Lorenzo.

Octavia
            Stand
Er nicht beim Heer im jüngsten Kriege?

Felisardo
Und ward zum Hauptmann dort ernannt.

Octavia
Ist er geadelt?

Felisardo
            Von der Wiege.

Octavia
Ruhmvoll?

Felisardo
            Den höchsten Ruhm erstritt
Er sich.

Octavia
            Und reich?

Felisardo
            Mehr als ein Inder.

Octavia
Freigebig auch?

Felisardo
            Das weiß ich minder.

Octavia
Und wo geboren?

Felisardo
            In Madrid.

Octavia
Von hier?

Felisardo
            Dein Landsmann.

Octavia
            Bring ihn mit
Zu mir nach Haus.

Felisardo
            Heut nachmittag?

Octavia
Geh hin und sag es ihm.

Felisardo
                        Ich sag'
Es ihm.
(Er geht zu Don Lorenzo, während Beatriz sich Octavia nähert. Tristan und Mendoza sprechen miteinander im Hintergrund)
            Mein Bester …

Don Lorenzo
            Wird es werden?

Felisardo
Ich bringe günstigen Ertrag.

Don Lorenzo
Durch Haltung, Tracht, Gestalt, Gebärden
Hab' ich's ihr wohl schon angetan?
(Sie sprechen weiter miteinander)

Beatriz
(zu Octavia)
Ich hätt' Euch allerlei Geschichten
Von Felisardo zu berichten.

Octavia
Nun wohl, ich höre zu.

Beatriz
            Sein Plan
Ist, Euch zu fühlen auf den Zahn.
Drum soll der Hauptmann sich so stellen,
Als hätt' er sich in Euch vergafft,
Und soll versuchen, Euch zu fällen,
Damit er sich Gewißheit schafft,
Ob treu Ihr seid und tugendhaft.

Octavia
Du scherzest!

Beatriz
            Nicht doch.

Octavia
            Das ist echt!
Wer sagte dir's?

Beatriz
            Mendoza.

Octavia
            Recht!
Im Heucheln bin auch ich beschlagen.

Beatriz
Wie meint Ihr das?

Octavia
            Oft hört' ich sagen,
Es gelt' als Regel beim Gefecht:
Die beste Deckung ist der Hieb.
Ich will so tun, als hätte wunder
Wie sehr ich ebenfalls ihn lieb.
Er ist Soldat; wenn man den Plunder
Versteht, so flammt er auf wie Zunder.

Beatriz
Vorzüglich!

Octavia
            Achtung! Ich beginne.
(Sie ruft)
He, Felisardo!

Felisardo
(eilt zu ihr)
            Stets bereit.
Nun?

Octavia
            Falls in freundschaftlichem Sinne
Du den Herrn Hauptmann eingeweiht
In das Geheimnis unsrer Minne,
So bring ihn heute mit zu Tisch.
Ich will ihm Gastlichkeit erweisen
Als deinem Freund.

Felisardo
(geht zu Don Lorenzo)
            Bei ihr zu speisen,
Lädt sie Euch ein.

Don Lorenzo
            Aha, der Fisch
Beißt an.

Felisardo
            Seid recht verführerisch.

Octavia
(zu Beatriz)
Der Wolf hat sich wohl gar gedacht,
Zu tun hab' er's mit einem Schafe?
Verdient nicht solch ein Pinsel Strafe?

Don Lorenzo
(zu Felisardo)
Paßt auf, sie wird zu Fall gebracht.

Octavia
(zu Beatriz)
Einseifen werd' ich ihn, hab acht,
Und ausziehn, daß sich Gott erbarm'.

Don Lorenzo
(zu Felisardo)
Die wird im Handumdrehn bemeistert.

Octavia
Das Essen, meine Herrn, steht warm –
Herr Hauptmann, reicht mir Euren Arm.

Don Lorenzo
Ich bin beglückt.

Octavia
            Ich bin begeistert.
(Alle ab ins Haus rechts)

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