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Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse

Julie de Lespinasse: Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse - Kapitel 47
Quellenangabe
typeletter
authorJulie de Lespinasse
titleDie Liebesbriefe der Julie de Lespinasse
publisherLehmannsche Verlagsbuchhandlung
printrun1. bis 5. Tausend
year1920
translatorArthur Schurig
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060904
projectidefb38b95
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47.

Donnerstags, acht und ein halb Uhr.

Mein lieber Freund, ich liebe Sie. In diesem Augenblicke fühle ich es auf das schmerzlichste. Ihre Erkältung tut mir herzlich leid. Ich ängstige mich, und dieses schreckliche Gefühl ist so oft gerechtfertigt gewesen, daß ich mich nicht beruhigen kann. Wenn Sie heute abend abreisen, so werden Sie nicht schlafen und noch mehr Fieber bekommen. Bei Gott, wie gern würde ich Ihr Leiden auf mich nehmen!

Mein Bester, während in Orleans die Pferde gewechselt werden, schreiben Sie mir, wie es Ihnen geht, schreiben Sie mir, ob Sie Brustschmerzen haben! Aus Rücksicht auf meine zärtliche Freundschaft dürfen Sie Ihre Krankheit nicht vernachlässigen. Ich sterbe bei dem Gedanken vor Gram, daß Sie fortgehen, daß ich keine Mittel und Wege habe, mich zu beruhigen. Ich werde Sie nicht sehen, nichts über Sie erfahren. Ach, wie süß war es gestern, Sie lieb zu haben, und wie grausam ist diese Liebe heute und morgen und alle die Tage! Liebster Freund, verzeihen Sie mir meine Torheit. Ich bin nun einmal abergläubisch. Es war an einem Freitag, am 7. August 1772, als der Marquis von Mora Paris verließ, an einem Freitag, am 6. Mai dieses Jahres, reiste er von Madrid ab, und an einem Freitag, am 27. Mai, habe ich ihn auf ewig verloren! Das Wort Freitag ruft ein Grauen in meiner Seele hervor, wenn ich es in Verbindung mit dem bringe, den ich mehr liebe als das Leben, mehr als die Seligkeit, mehr, als es Worte auszudrücken vermögen. Lieber Freund, sollten Sie durch einen glücklichen Zufall erst am Sonnabend abreisen, so möchte ich Sie morgen bei mir sehen. Was für einen entsetzlichen Entschluß hatte ich gefaßt, Sie nicht sehen zu wollen! Das wäre unmöglich. Das wissen Sie wohl. Sie wissen: wenn ich Sie hasse, so heißt das, ich liebe Sie mit so maßloser Leidenschaft, daß es mir die Sinne benimmt.

Leben Sie wohl! Adieu, mein lieber Freund! Niemals sind Sie inniger und zärtlicher geliebt worden. Schonen Sie sich! Denken Sie daran, daß Sie mir damit das Leben erhalten! Morgen .... ach, nein, dieser Gedanke ist schrecklich.

Ach, ich liebe Sie, tausendmal mehr, als ich es sagen kann.

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