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Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse

Julie de Lespinasse: Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse - Kapitel 46
Quellenangabe
typeletter
authorJulie de Lespinasse
titleDie Liebesbriefe der Julie de Lespinasse
publisherLehmannsche Verlagsbuchhandlung
printrun1. bis 5. Tausend
year1920
translatorArthur Schurig
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060904
projectidefb38b95
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46.

Sonnabends [Ende Juli 1774].

Ich bin untröstlich, nicht deshalb, weil Sie sich erkältet haben, sondern deshalb, weil Sie sich nicht ordentlich schonen werden, so daß aus dem Katarrh eine Krankheit werden kann. Sie sollten den ganzen Tag Ihr Bett hüten; indessen machen Sie bereits Anstalten, auszugehen. Ich bitte Sie, bester Freund, nehmen Sie etwas ein, bleiben Sie hübsch in Ihrem Bette, ohne darin zu lesen und zu schreiben. Jedes Wort, das Sie mir geschrieben haben, liegt mir wie ein Stein auf dem Herzen. Aber ehe Sie nicht all den gewissen Damen geschrieben, geantwortet und nochmals geschrieben haben, gönnen Sie sich doch keine Ruhe. Ich habe auf Sie bis neun Uhr gewartet. Es stand Gerstenschleim, Eibischsaft und Mandelmilch bereit, um Ihnen einen Siruptee zu bereiten. So heißt das Getränk, nicht Suppe.

Ach, ich möchte an Ihrem Bette sitzen und Sie pflegen! Eine sorglichere und liebevollere Pflegerin sollte es nicht geben. Mein lieber Freund, gehen Sie nicht aus, lassen Sie alle beim Glauben, Sie wären verreist. Bei dieser Schonung sind Sie vielleicht imstande, morgen früh abzureisen. Hoffentlich fahren Sie nicht in der Nacht; das wäre eine Tollheit. Wenn Sie in Orleans übernachten, so werden Sie sich nicht überanstrengen. Sie schreiben mir gar nicht, ob Sie momentan Fieber haben. Ich werde um ein Uhr nach Ihrem Befinden fragen lassen. Ich bitte Sie, mein lieber Freund, gehen Sie ja nicht aus. Ich werde mich mehrere Male im Laufe des Tages bei Ihnen erkundigen lassen. Aus diesem Grunde will ich zu Hause Mittag essen und erst abends um neun Uhr ausgehen.

Lieber Freund, ich bitte dringend, verlassen Sie Ihr Bett auch am Abend nicht! Ich versichere Ihnen, wenn Sie sich nicht in acht nehmen, so bekommen Sie eine Lungenentzündung. Ihrem Vater haben Sie doch zweifellos Nachricht gegeben. Wenn er Sie gut kennt, wird er sowieso nicht beunruhigt sein. Man kann ja auf Sie nie mit Bestimmtheit rechnen. Das ist ein bißchen grob, nicht? Und auch die Gelegenheit, Sie damit zu ärgern, ist nicht die richtige! Wahrlich, Sie sind zur unrechten Zeit krank geworden. Aber wenn Sie gestern abgereist wären, wäre es da nicht noch viel schlimmer?

Nehmen Sie übrigens etwas ein? Was denn? Hoffentlich nichts allzu Kräftiges! Eibischsaft oder Gerstenschleim. Wenn Sie zu mir kommen, sollen Sie das alles haben. Aber kommen Sie nicht, ja nicht! Schonen Sie sich für die, die Sie so zärtlich liebt!

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