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Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse

Julie de Lespinasse: Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse - Kapitel 214
Quellenangabe
typeletter
authorJulie de Lespinasse
titleDie Liebesbriefe der Julie de Lespinasse
publisherLehmannsche Verlagsbuchhandlung
printrun1. bis 5. Tausend
year1920
translatorArthur Schurig
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060904
projectidefb38b95
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9.

[Am 11. Februar 1775, früh.]

Liebe Freundin!

Ich muß Ihnen zuvor kommen, denn Sie warten doch auf mich. In welcher Stimmung befinden Sie sich heute? Nimmt Ihr Herz zurück, was es mir gestern gewährt? Bereuen Sie? Quälen Sie sich? Seien Sie versichert, Sie sollen zum letzten Male von solchen Bedenken heimgesucht werden! Reue? Mein Gott, ist denn Liebe ein Verbrechen? Sollen Sie sich nur immer halb verschenken? Wollen Sie Ihr Leben verbringen, sich selber zerreißend? Nein, ich mag nicht, was Sie nicht ganz geben, was Ihnen Überwindung kostet, Ihnen Leiden bereitet, was Sie gefühllos gewähren! Das eine betrübt mich wie mich das andre kränkt.

Ich begreife die leidenschaftliche Erregung nicht, die mich gestern Abend übermannt hat. Vergebens bemühe ich mich, sie mir zu erklären. Warum machen Sie mir nicht das gleiche Geständnis? Wissen Sie nicht, daß die Liebe wie das Feuer alles läutert? Nur wo keine Liebe ist, gibt es Ungeziemliches. Ich werde Sie heute Nachmittag sehen.

Seien Sie gegrüßt!

Noch ein Wort! Ich gebe Befehl, man soll warten, bis Sie aufgestanden sind. Ihre Antwort wird man mir zu meinem Maler bringen. Wie freue ich mich darauf! Sie wird mich wieder beleben. Bis dahin bin ich wie tot.

Nochmals: Guten Morgen, Liebste!

Hippolyte.

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