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Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse

Julie de Lespinasse: Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse - Kapitel 21
Quellenangabe
typeletter
authorJulie de Lespinasse
titleDie Liebesbriefe der Julie de Lespinasse
publisherLehmannsche Verlagsbuchhandlung
printrun1. bis 5. Tausend
year1920
translatorArthur Schurig
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060904
projectidefb38b95
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21.

Sonntags, drei und ein halb Uhr.

Mein lieber Freund, ich soll Sie wohl nicht zu sehen bekommen, und Sie wollen mir einreden, es sei nicht Ihre Schuld. Wenn Sie nur den tausendsten Teil von der Sehnsucht hätten, die ich nach Ihrem Anblick habe, so wären Sie hier – und ich wäre glücklich. Nein, nein, das ist nicht richtig. Unglücklich wäre ich und würde doch dafür die Seligkeiten des Himmels nicht eintauschen.

Mein lieber Freund, ich liebe Sie, wie man lieben muß, über alle Maßen, wahnsinnig, mit Leidenschaft, voller Verzweiflung. In allen diesen letzten Tagen haben Sie mein Herz gefoltert. Nun habe ich Sie heute morgen gesehen, und alles ist vergessen. Es dünkt mich wieder, ich tue nicht genug für Sie, wenn ich Sie auch mit ganzer Seele liebe, wenn ich immer bereit bin, für Sie zu leben und zu sterben. Sie sind mehr wert als bloß das. Ja, wenn ich Sie nur liebte, so wäre das auch wirklich nichts weiter. Denn gibt es etwas Süßeres und Natürlicheres als jemanden bis zum Wahnsinn zu lieben, der in allen Stücken liebenswert ist? Doch, Liebster, ich habe mehr als Liebe. Ich leide. Ich verzichte gern auf meine Freude zu Gunsten Ihres Glückes.

Aber da kommt jemand und stört mich in der Freude, die ich daran habe, Ihnen meine Liebe zu gestehen. Wissen Sie, warum ich Ihnen schreibe? Weil es mir wohltut. Sie wären niemals dahinter gekommen, wenn ich es Ihnen nicht verraten hätte.

Wo werden Sie wohl jetzt sein? Wenn Sie Ihre Freude haben, so darf ich mich nicht beklagen, daß Sie mir die meine nehmen. Lieber Freund, erzählen Sie mir, was Sie vorhaben und was Sie erlebt haben.

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