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Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse

Julie de Lespinasse: Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse - Kapitel 19
Quellenangabe
typeletter
authorJulie de Lespinasse
titleDie Liebesbriefe der Julie de Lespinasse
publisherLehmannsche Verlagsbuchhandlung
printrun1. bis 5. Tausend
year1920
translatorArthur Schurig
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060904
projectidefb38b95
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19.

Paris, den 17. Oktober 1773.

Ich weiß nicht, ob dieser Brief jemals zu Ihnen gelangen wird. Ich möchte es eigentlich gar nicht; denn wenn er Sie noch in Basel erreichte, so wäre das ein Beweis, daß Ihr Fieber wiedergekommen ist. Ich bin halbtot vor Angst. Mein Gott, es ist schrecklich, einen unvorsichtigen Freund zu haben! Wie überflüssig und unheilvoll, Sie zu benachrichtigen! Was nutzt es, wenn ich mir sage, daß seine Absicht vortrefflich war: sein ungeschicktes Benehmen kann ich nicht verzeihen. Wer war denn von den dummen öffentlichen Redereien nicht unterrichtet? Aber glauben Sie, die Sache liegt ganz anders! Man hat die Namen verwechselt. Herr von Guliberg war in diese Geschichte verwickelt, und für seinen Namen hat man den bekannteren des Herrn von Guibert gesetzt. Das war interessanter und machte den Klatsch pikanter. Ich versichere Ihnen nochmals, daß die besagte Mitteilung, diese verfluchte Nachricht keinen anderen Grund hat! Wie sollte Herr von Nivernais zu dieser Gewißheit kommen? Seine Beziehungen zu den Ministern sind nicht annähernd so, daß man vermuten könnte, dies Geheimnis wäre ihm anvertraut worden. Er hat nachgeschwatzt, was er alle Welt erzählen hörte, und um auf die Regierung schimpfen zu können, die ihm mißfällt. Dies hat er mit solcher Bestimmtheit getan, daß seine Kritik authentisch klang. Wie gesagt, ich verkehre mit den vertrauten Freunden des Herrn von Pir ..., und ich bin sicher, wenn sie irgendwelche Kenntnis von dem Vorfall gehabt hätten, so hätten sie mich das wissen lassen. Ich werde erfahren, warum Herr von Pir ... erwähnt worden ist. Einer meiner Freunde wird ihn morgen auf einem Landgute sehen und ihn fragen, warum und inwieweit er Veranlassung ist, daß dieser verdrießliche Klatsch aufkommen konnte. Ach, das größte Unglück dabei ist, daß Sie alles erfahren haben! Das hat Sie aufgeregt. Sie hatten Ruhe nötig. Nun hat sich von neuem das Fieber eingestellt; und dieses körperliche Leiden ist noch viel lästiger als die Verleumdungen der Leute hier, die sich in alles mengen und für nichts aufrichtige Teilnahme haben. Ich darf gar nicht daran denken, daß man Ihnen aus dem Lärm der gesellschaftlichen Komödie etwas zuträgt, sichtlich, um Ihren Frieden zu stören, und vielleicht eigens dazu erfunden, damit Sie heftig Partei ergreifen sollen, insofern Sie nicht Ihr klarer Kopf davor schützte und Ihr reines Herz, dem jedwede Intrige fremd ist. Mit einem Wort, ich bin außer mir, mit welcher Leichtfertigkeit man sich am Glück derer vergreift, die man seine Freunde nennt. Übrigens müssen Sie wissen, daß die Angelegenheit der Herren Dumouriez und Favier höchst unbedeutend ist. Sie sind noch nicht verurteilt worden, aber allgemein hört man, daß es nichts auf sich hat und daß sie sich nur einige Unbesonnenheiten haben zu Schulden kommen lassen. Und dann, was geht Sie das an, da Sie keinerlei Verbindung mit ihnen haben? Kehren Sie heim, kehren Sie heim! Fürchten Sie keine Unannehmlichkeiten, denn es ist nichts dabei, was Sie etwas angeht! Ich könnte noch lange von dieser dummen Sache sprechen, aber so leid es mir tut, daß man Ihnen Schlimmes angetan hat, ich kann es nicht ändern.

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