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Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse

Julie de Lespinasse: Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse - Kapitel 133
Quellenangabe
typeletter
authorJulie de Lespinasse
titleDie Liebesbriefe der Julie de Lespinasse
publisherLehmannsche Verlagsbuchhandlung
printrun1. bis 5. Tausend
year1920
translatorArthur Schurig
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060904
projectidefb38b95
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133.

Sonnabends abends. [August 1775.]

Ich bin so daran gewöhnt zu leiden und nichts als Schmerz zu empfinden, daß es mir zweifelhaft erscheint, ob ich mich so recht gefreut hätte, wenn Ihre Lobschrift von der Akademie preisgekrönt worden wäre. Es wäre mir nur gerecht erschienen, und ich hätte mich höchstens darüber ein wenig gefreut, daß Ihre Eigenliebe einen schmeichelhaften Triumph gehabt hätte. Aber ich gestehe, daß es mich immer wieder anwidert, mag sein, zu stark anwidert, daß Schulmeister den Bakel über Sie schwingen durften, als ob Schuljungen aufzumuntern und zu belohnen gewesen wären.

Wenn Ihnen nur der erste Preis entgangen wäre, so wäre das ein kränkender dummer Streich, aber zwei zweite Preise zu erteilen, das dünkt mich eine unverschämte Beleidigung, und ich bin gespannt, zu erfahren, mit welcher Einschränkung oder Klügelei man das in der öffentlichen Versammlung begründen wird. Wenn Voltaire Mitbewerber wäre und man hätte Ihnen den Nebenpreis zuerkannt, so fände ich das natürlich, aber unter Laharpe und neben einen zwanzigjährigen jungen Mann gestellt zu werden, das empört mich dermaßen, daß ich keine Worte finden und mich nicht zufrieden geben kann. Das verletzt meinen Stolz, das macht mich parteiisch und das tränkt meine Seele mit tiefem Haß gegen den Begünstigten.

Seien Sie gemäßigter als ich, wenn Sie das können. Es wäre ritterlich und edel von Ihnen, und vielleicht verachten Sie das Urteil im Bewußtsein Ihres starken Könnens. Die Akademiker der ganzen Welt wären nicht imstande, Ihnen die Vorzüge abzustreiten, mit denen die Natur Sie begnadet hat. Ich weiß das alles; ich sage es mir, aber ich kann den Ekel nicht überwinden, und mein Schmerz darüber ist stärker als die Erkenntnis.

Ich sehne mich nach Ihnen, ich möchte mit Ihnen beraten, wie Sie es mit der Drucklegung halten sollen. Ich schlage vor, die Schrift öffentlich zu verbreiten, ehe die von Laharpe bekannt werden kann, die erst am 25. gelesen und vor dem 28. oder 30. nicht zum Drucke kommt. Diese Meinung ist nicht lang überlegt; sehen Sie zu, ob Sie der Ihrigen entspricht.

Der Wahrheit und Gerechtigkeit bin ich es schuldig, Ihnen noch zu berichten, daß sich Suard, Arnaud und d'Alembert die größte Mühe gegeben haben, Ihnen den zweiten Preis zu erübrigen. Aber zehn Akademiker waren erfolgreich dagegen. Die Gebräuche und Satzungen der Akademie waren auf ihrer Seite. Nun hat man beschlossen, am Tage der öffentlichen Versammlung von Ihrer Arbeit mit der größten Anerkennung zu sprechen. Drei Stimmen sind für die Teilung des ersten Preises gewesen.

Das sind die Tatsachen. Ich berühre die Angelegenheit einmal und nie wieder.

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