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Die Liebe, alt wie die Welt

Robert Seitz: Die Liebe, alt wie die Welt - Kapitel 26
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typefiction
authorRobert Seitz
titleDie Liebe, alt wie die Welt
publisher Karl H. Bischoff Verlag
year1943
firstpub1936
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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*

Sie kamen in Sorgenstein an. Der Nachbar hielt vor der Nagelschmiede. Er sagte, dass sie aussteigen müssten, denn er hätte bei seinem Freunde, dem Meister Freilich, noch zu tun. Sie traten in die Stube. Der Alte und sein Sohn sassen am Tisch. Sie sahen verwundert auf, als der Nachbar mit einer jungen Frau eintrat.

Meister Freilich liess seine Blicke fragend auf dem Nachbar ruhen und der Nachbar nickte.

Dann schob Wilhelm Stühle heran und sie setzten sich mit an den Tisch.

Sie hatten bisher nur wenige Worte gesprochen.

Jetzt weinte das Kind in der Kammer.

Wilhelm erhob sich und Meister Freilich sagte:

»Es ist keine Frau im Hause.«

Da stand Dorothee auf und ging auch in die Kammer.

Sie kam mit dem Kind auf dem Arm in die Stube und Wilhelm stand hinter ihr.

Sie wiegte das Kind und flüsterte zu ihm. Da hörte es auf zu weinen und griff nach ihr.

Der Nachbar bat den alten Meister um ein Wort.

Sie verliessen die Stube und gingen hinüber in die Nagelschmiede.

»Sie ist meine Tochter. Ich sage es ohne Umschweife. Sie hat es nicht leicht gehabt. Nun, das wird sie euch noch erzählen. Wenn du nichts dawider hast, könnte sie wohl bleiben.«

Der Nachbar griff in die Tasche und zog ein Päckchen heraus.

»Sie soll nichts von mir wissen, das musst du mir versprechen. Ich werde fortfahren und lange Zeit nicht wiederkommen. Gib auf sie acht, sie ist ein guter Mensch.«

Sie traten an den Amboss, und der Nachbar breitete den Inhalt des Päckchens aus. Er sagte:

»Es sind meine Ersparnisse. Ich wollte sie für die Schneidemühle verwenden, aber das ist nun vorbei. Das alles soll ihr gehören. Ich bitte dich, nimm das Geld in deine Verwahrung.«

»Du hast Vertrauen zu mir, Nachbar«, antwortete Meister Freilich. »Ich gelobe es dir.«

Seine Stimme zitterte ein wenig, als er hinzufügte:

»Freilich habe ich einmal schlecht achtgegeben« – er meinte wohl Malwines Tod –, »aber nun will ich sie nicht aus den Augen lassen.«

Sie gaben sich die Hand.

Dann gingen sie langsam über den Hof zurück.

Sie sahen durch das Fenster in die erleuchtete Stube. Wilhelm sass neben Dorothee am Tisch. Sie redeten miteinander.

Da sagte Meister Freilich zu dem Nachbar:

»Gesegnet sei ihr Eingang.«

Sie traten schweigend an den Planwagen. Der Nachbar entzündete die Laterne. Der Schatten der Räder fiel gross auf die Häuser.

In dem Land in den Bergen rauschen die Wälder. An den Wegen im Tannendunkel sitzen die eisgrauen Männlein, den Kopf gesenkt auf die Hände.

Als der Nachbar in die Finsternis bog, stand ein dünnes Männlein am Wege, zog den Hut und sprach:

»Verhelf dir Gott ins Himmelreich.«

Da beugte der Nachbar sich ein wenig vor, sah, dass es der Pilzmann war, fasste an den Mützenschirm und antwortete:

»Dir auch.«

Als er diesen Gruss gesprochen hatte, kam eine wundersame Ruhe über ihn, und er fuhr die Nacht hindurch, und am Tage war er schon weit fort.

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