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Die Liebe, alt wie die Welt

Robert Seitz: Die Liebe, alt wie die Welt - Kapitel 13
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typefiction
authorRobert Seitz
titleDie Liebe, alt wie die Welt
publisher Karl H. Bischoff Verlag
year1943
firstpub1936
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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*

Frau Wanda, die Wirtin, hätte am liebsten Thorde den Rücken gekehrt, aber sie wusste nicht wohin.

Pagel nahm sich ihrer an und schlug ihr vor, in das Logierhaus zu ziehen. Es ging zum Frühling und für die Saison konnte man jemand brauchen, eine tüchtige Kraft, die mit Haus und Küche vertraut war, denn dass Melitta sich jemals wieder mit Bieke aussöhnen würde, daran war nicht zu denken. Pagel hatte Frau Wanda diesen Vorschlag gemacht, ohne vorher gross mit Melitta darüber zu reden. Eines Nachmittags war er dazu gekommen, wie Frau Wanda weinend in dem leeren Gasthause sass, vor dem kahlen Tisch, den man ihr gelassen hatte. Er sah, wie gross ihre Not war.

Wenn man es nicht am eigenen Leibe erfährt oder wie hier in einem erschütternden Bild auf einmal vor Augen bekommt, weiss man gar nicht, wie hoffnungslos ein Elend sein kann.

Pagel setzte sich zu ihr an den leeren Tisch.

»So geht das nicht, Wanda«, sagte er, »du musst hier heraus. Weisst du denn gar keinen Ausweg?«

Frau Wanda schüttelte bloss den Kopf.

Ja ja, die Welt ist so gross, aber wenn es darauf ankommt, hat sie nicht mal für einen einzigen Menschen Platz.

Sie sassen schweigend am Tisch, Wanda in Tränen und Pagel in seinen Gedanken. Dann machte er ihr den Vorschlag, zu ihnen ins Haus zu kommen, und nach einigem Zögern ging Wanda darauf ein.

Beim Abendbrot erzählte es Pagel Melitta. Sie legte die Gabel beiseite und sah ihn bestürzt an. Sie wollte etwas erwidern, doch beherrschte sie sich. Sie stellte sich, als wäre sie damit einverstanden.

Frau Wanda war nicht ihre Freundin. Dazu waren sie viel zu verschieden. Sie hatte ihr wohl einmal eine Brosche geschenkt, aber daran war nicht ihre Zuneigung, sondern ein glücklicher Augenblick schuld gewesen. Ihr Urteil über Frau Wanda stand fest.

»Sie ist eine Aufpasserin«, sagte sie zu Stiwenhack, »sie gönnt einem kein Gläschen. Sie blinzelte dem Wirt zu, er sollte die Flasche wegstellen. So eine ist sie. Nun trägt sie ihr Unglück in unser Haus.«

Herr Daudat fand Pagels Entschluss wieder einmal fabelhaft.

»Wie stehen wir vor den Leuten da«, renommierte er. »Die arme, vom Unglück geschlagene Konkurrentin nehmen wir ins Haus. Wir drücken ein Auge zu, dass ihr Mann im Gefängnis sitzt. Ich habe es dem Konsul erzählt. Er war sichtlich gerührt. Alle Achtung, Pagel ist ein Mann mit Instinkt.«

Im übrigen war Herr Daudat jetzt oft schlechter Laune. Irgend etwas lag in der Luft.

An den Bauarbeitern liess er seinen Ärger aus.

Vor einigen Tagen war mit dem Terrassenbau begonnen worden. Zwar ist es noch früh im Jahr, Ende Februar erst, aber das Wetter war günstig, der Fluss schon längst wieder frei, und nach jenem Schlittenabend hatte es kaum noch geschneit.

Ja, es gab schon Tage mit etwas Sonne. Manchmal kamen sogar ein paar Ausflügler, tranken Grog und sahen vom geschützten Verandafenster auf die bewegte See. Sie hatten eine lange Fusswanderung hinter sich, der Dampfer hatte seine Fahrten noch nicht wieder aufgenommen, aber es würde nicht mehr lange dauern.

Zuweilen fuhr in diese lauen Tage eiskalter Regen und peitschender Sturm. Dann mussten die Maurer ihre Arbeit vorübergehend einstellen, sehr zu Herrn Daudats Verdruss, der sowieso mit den Fortschritten des Baues nicht zufrieden schien.

Ein Haufen schlechter Laune, so konnte er am Tisch hocken. Selbst Stiwenhack fand öfter als einmal mit seinen Entwürfen keine Gnade vor seinen Augen.

»Mit solchem Plakat locken Sie keinen Hund hinterm Ofen hervor«, schalt Herr Daudat, »geschweige denn einen Menschen nach Thorde.«

Stiwenhack versuchte sein Machwerk zu verteidigen, doch Herr Daudat strich es mit dem schwarzen Kohlestift einfach durch.

Der Maler stöhnte, fuhr sich erschüttert durchs Haar und sass resigniert da.

Am nächsten Tage ging es ihm mit einer neuen Zeichnung kaum besser.

Nein, es war nicht zu sagen, wie ungemütlich Herr Daudat werden konnte. Wer wusste überhaupt, was alles in der Luft lag.

Doch eines Tages kam man dahinter.

Herr Daudat konnte mit den Fischern von Thorde nicht mehr in Frieden auskommen. Das letztemal hatten sie noch nachgeben müssen. Nun war Herrn Daudat der Triumph wohl zu Kopf gestiegen: Ich werde sie noch kürzer an die Kette nehmen. Die Fischer sollen nicht glauben, dass sie die Preise bestimmen können. Die Dorsche springen ja auch nicht mit einem Etikett am Maul ins Netz.

Nun aber hatte sich Herr Daudat doch verrechnet. Die Fischer verkauften ihm keine Fische mehr. Die dicken Frauen machten sich wieder selber auf den Weg in die Stadt. Es war erstaunlich, wie schnell sie sich aufgerappelt hatten, ohne Widerspruch die schweren Lischen nahmen und stundenlang ihre Fische auf dem Markte feilboten. Die Männer kochten derweilen zu Hause den Kaffee, damit etwas Warmes da war, wenn die Frauen müde nach Hause kamen.

Nein, sie würden Herrn Daudat die Fische nicht mehr für ein paar Pfennige hinwerfen. Das also war der Grund seiner bösen Laune. Der Fischer Holms hatte es Pagel berichtet.

»Ich kann mich in solchen Menschen nicht reindenken«, sagte Holms, »man muss doch dem Nächsten das Butterbrot gönnen. Nun wird ganz und gar erzählt, dass er Heringe in Schottland aufgekauft hätte. Er will uns totmachen, hat er gesagt. Ich gebe nicht viel auf solch Geschwätz. Ich wäre dir auch gar nicht damit ins Haus gekommen, Pagel, aber ich dachte, vielleicht könntest du Daudat zur Einsicht bekehren. Es kann dir auch nicht lieb sein, wenn man deinen Kompagnon einen Ausbeuter schimpft. Schliesslich fällt es mit auf dich. Wenn zweie ein Pferd kaufen, werden sie auch den Wagen gemeinsam haben.«

Pagel widersprach. Das wäre Daudats Privatangelegenheit. Sie hätten nur das Logierhaus zusammen. »Nein, damit habe ich nichts zu tun«, sagte Pagel. »Es wäre unrecht, wenn man es mir in die Schuhe schieben wollte.«

»Das glaub ich dir, Pagel«, antwortete Holms, »aber mach es den andern klar. Mit wem man zusammen im Sarge liegt, mit dem wird man auch zusammen begraben.«

Pagel war missmutig über dieses Gespräch. Er stellte Daudat zur Rede.

»Sie können doch den Fischern nicht den Hals abschneiden«, sagte er. »Das geht doch nicht. Es hat doch alles seinen reellen Wert.«

»Es kostet mein Geld«, rief Herr Daudat. »Ich brauche jeden Pfennig für das Tanzzelt. Wo sind denn Ihre Millionen geblieben aus Juliusbad, Herr Pagel!«

Puterrot wurde Herr Daudat. Das war ihm noch nicht passiert, dass man ihn einen Halsabschneider nannte.

Er beklagte sich bei Melitta.

»Ihr Mann, haha, Ihr Mann! Ein feiner Kompagnon, das muss man sagen. Er steckt mit meinen Feinden unter einer Decke. Jawohl, er hält es mit den Fischern, mit diesen Piraten, diesen Seeräubern, die einem für ihre Gräten am liebsten einen Hundertmarkschein aus der Tasche zögen.«

Melitta war auf Thorde nicht gut zu sprechen.

»Man sollte ihnen keinen Pfennig geben«, sagte sie. »Mit vollem Magen werden sie bloss dreist. Die Männer weniger, aber die Frauen. Ja, erst die Weiber! Wahre Teufel sind sie. Auf der Strasse schimpfen sie hinterher, bloss weil man sich nicht gemein macht mit ihnen.«

Herr Daudat lief zu Pagel.

»Da hören Sie, was Ihre Frau sagt! Auf der Strasse wird sie belästigt. Ja, so sind die Menschen hier. Es sind ja überhaupt keine Menschen. Schnapphähne sind es. Und da soll ich mein gutes Geld hinschmeissen!«

Allen Zorn, den Herr Daudat bei den Fischern nicht losgeworden war, tobte er jetzt im Logierhause aus.

Pagel ging aus der Stube. Er antwortete ihm nicht mehr.

Still und geduldig schaffte Frau Wanda in der Küche.

Sie hatte noch keine Entscheidung über das Schicksal ihres Mannes, und ob eine innere Unruhe sie auch quälte, bemühte sie sich doch, solche Beklommenheit zu verbergen. Wenn ihr jemand begegnete, versuchte sie ein freundliches Gesicht, aber sie sah elend und abgehärmt aus, und so wurde diese kleine Freundlichkeit nur ein unglückliches Lächeln.

Bis in den späten Abend arbeitete sie, um müde genug zu sein für einen starren Schlaf.

»Du rackerst dich zu sehr ab«, sagte Pagel, »du musst dich mehr schonen.«

Er sah, dass sie darangegangen war, die Küche von Grund auf zu säubern.

»Du meinst es gut«, antwortete Wanda. Sie war dankbar, dass sich ein Mensch um sie kümmerte.

Nebenan hörte sie Herrn Daudat noch aufgeregt hin und her laufen. Auch Melittas Stimme hörten sie lauter als sonst.

»Dass man nicht in Ruhe mit ihnen sprechen kann. Es ist doch nicht schön, solcher Lärm«, sagte Pagel.

Er erzählte Wanda, um was es sich handelte. Er war froh, dass sie im Hause war.

»Mit dir kann man ein vernünftiges Wort reden«, sagte er. »Ich weiss nicht, warum Melitta immer mit den anderen zusammensteckt. Manchmal scheint es, als hätte sie kein Vertrauen zu mir. Darum habe ich mich ihretwegen doch nicht umgewöhnt, dass sie nun über mich wegsieht. Fast will es mir scheinen, als kämen wir immer weiter auseinander, je enger wir beieinander sind.«

Wanda redete zum Guten:

»Du vergisst ihre fremde Herkunft. Das wird so sein wie mit dem Gänsekücken, das unter dem Gluckenflügel schon nach dem Wasser äugt.«

Pagel hörte ihr gedankenvoll zu.

»Du darfst ihr nicht unrecht tun«, sagte Frau Wanda. »Melitta ist nicht aus Thorde. Ihr Vater war auch etwas anderes als die Männer hierzulande.«

»Das ist richtig«, antwortete Pagel. »Darum habe ich sie auch geheiratet. Sie war aparter als die Mädchen hier. Wenn man andere Länder sieht, bekommt man andere Augen. Ja, du hast recht, Wanda, aber ich fürchte nun doch, dass es Melitta nach einem Wasser verlangt, darin ich nicht schwimmen kann.«

Pagel kam ins Reden, er schüttete sein Herz aus.

Frau Wanda hatte ihren eigenen Kummer zu tragen. Nun musste sie sich Mühe geben, den wegzudenken, um für den anderen guten Zuspruch zu finden. Ja, da sass nun ein Mann, der mit jedem seiner Worte näher zu der Erkenntnis zu kommen schien, dass er sich mit seiner Ehe verfahren hätte.

»Du bist eine verständige Frau«, sagte er zu Wanda, »wollte Gott, Melitta hätte die Hälfte davon. Fast glaube ich, es ist falsch gewesen, dass ihre Mutter hier zu Besuch war. Ich sage nichts gegen Emita. Sie hat mir beigestanden und Melitta vernünftig zugeredet. Aber sie hat eine Unruhe mitgebracht. Ich fühle es, wo ich stehe und gehe.«

»Ich habe Melittas Mutter kaum gesehen«, entgegnete Wanda. »Das glaube ich schon, dass sie mehr Leben ins Haus gebracht hat, als man es hier gewöhnt ist. Nun, auch das wird sich wieder legen. Melitta wird mit dem Besuch schon zufrieden sein.«

»Du meinst das Pelzwerk«, lächelte Pagel. »Ja, das hat sie bekommen, aber fast will es mich dünken, dieser Pelz sei ein Schalksfell, das mit seinem toten Maul eine hoffärtige Sprache führt. Die bösen Zungen in Thorde hat es schon in Gang gebracht. Wenn Melitta doch etwas Vernunft annehmen würde.«

Nein, Melitta nahm keine Vernunft an.

Frau Wanda war mehrere Jahre älter als Melitta. Sie hatte auch in ihrem Leben mehr durchmachen müssen. Sogar den Hunger hatte sie kennengelernt. Ihre Ehe hatte ihr nicht viel Freuden gebracht. Trotzdem blieb sie dem Manne zugetan, der nun im Gefängnis sass.

Solch eine Frau wie Wanda hat schon ein Recht, die Jüngere beiseite zu nehmen, um sie mit guten Worten auf einen festen Weg zurückzuweisen.

Sie sah, dass Melitta drauf und dran war, den Boden unter den Füssen zu verlieren. Eine Sturzflut von krausen Geschichten war über Melitta gekommen, ein Wirbel verworrenen Denkens auf sie hereingebrochen. Man musste nur erleben, wie diese drei Männer sich anstellten, dieser konfuse Maler, der alte Holzkapitän und der schneidige Teilhaber. Fast schien es, als wollten sie sich gegenseitig den Rang ablaufen.

Der Maler mit seinen qualmenden Worten, er redet ihr wunder was ein, wer sie wäre. An ihrer Seite sitzt er mit schmatzenden Äuglein: Silberfee mit dem Silberpelz!

Herr Daudat hat mit ihr ein Bündnis geschlossen gegen Thorde. »Man nimmt Sie ins Maul, ich werde die Mäuler stopfen!« ruft er. »Keinen Schritt zurück! Sie sollen uns angekrochen kommen. Jawohl, um gut Wetter sollen sie betteln. Das schwöre ich Ihnen!«

Und Ohlik erst, der alte Holzkapitän, dieser kranke Leuchtturmwärter. Mit jedem Tage wird er klappriger, aber früh morgens schon stellt er sich ein, sitzt in der Ecke und glotzt. »Ich weiss nicht, wie ich den Tag hinbringen soll«, wimmert er. »Ich hatte ein Haus auf den Holmen, nun bin ich ärmer als Hiob. Ich habe nicht einmal eine Ziege.«

»Ein Haufen Nichts«, jammerte er.

Wie mag es gekommen sein, dass es so abwärts ging mit ihm? Vor Jahresfrist hat man ihn noch geschätzt. Man machte ihm Platz, ja, für die armen Leute von Thorde war er noch immer der grosse Mann. Jetzt lachen sie hinter ihm her. Manchmal scheint er nicht ganz richtig im Kopf zu sein. Er fängt an sich zu putzen. Zwischen dem alten Krempel, den er aus den Holmen gerettet hatte, muss auch dieser Bratenrock gewesen sein. Ja, Ohlik geht jetzt im Bratenrock. Bisher trug er die kurze Joppe, die Lederweste, die blaue Mütze, aber jetzt stolziert er in langem Frack. Er trägt auch einen Hut, den er bei windigem Wetter an schwarzer Schnur festhält. Dazu den Stock in der Hand, so stelzt er durch Thorde.

Manchmal scheint er wirklich nicht bei sich zu sein. Er schwätzt wirres Zeug. Zu dem Maler hat er gesagt: »Wissen Sie noch, Herr Brint, als Sie das letztemal bei uns waren – Sie trugen einen hohen Hut und eine Rose im Knopfloch. Ich sehe Sie noch genau vor mir.«

Solchen Unsinn schwatzt der Holzkapitän jetzt öfter. »Herr Brint«, sagt er, und jeder weiss doch, dass es Stiwenhack ist, der Maler.

Warum jagt Pagel sie nicht alle fort? Darüber denkt Frau Wanda nach. Sie erschrickt plötzlich. Sollte es das sein? Ja, sollte Pagel Angst haben? Vielleicht fürchtet er sich, allein mit Melitta zu hausen. Vielleicht ist sie ihm schon so entrückt, dass er glaubt, es gäbe kein Wiederfinden mehr. Er lässt ihr also ihren Willen. Vielleicht denkt er, dass er dadurch ein Unheil abwenden kann. Ja, er will wohl nichts sehen. Sie wird eines Tages von selber zur Vernunft kommen, könnte er glauben.

Frau Wanda will ihm helfen. Darum spricht sie mit Melitta.

»Sieh mal, du hast ihn doch gern. Du hast selber gesagt: Keiner kann ihm das Wasser reichen. Ich weiss doch, dass du viel von ihm hältst.«

Ja, sie möchte die Jüngere zurückleiten auf den festeren Boden.

Aber Melitta fährt ihr ins Gesicht.

Da also steht sie, die Aufpasserin, die schlaue Frau Wanda! An ihre eigene Nase soll sie sich fassen, diese Brandstifterin. Ihr Mann gehört ins Zuchthaus, und sie will Moral predigen! »Was kann sie denn? Was versteht sie denn? Pleite gegangen sind sie.

Was denkt sich diese Frau?

»Du spionierst uns also nach? Oder hat sich Pagel bei dir beklagt?« schreit Melitta.

Sie besteht darauf, dass Frau Wanda aus dem Haus soll, aber sie stösst bei Pagel auf Widerstand. Jeden Tag liegt sie ihm in den Ohren, die Frau fortzuschicken, doch er bleibt fest.

»Was hat sie dir denn getan?« fragt er. »Sie hat es gut gemeint. Wenn du nicht immer gleich so aufgebracht wärst, müsstest du einsehen, dass sie aus Freundschaft gesprochen hat.«

»Sie ist nicht meine Freundin«, rief Melitta, »aber ihr beide könnt euch ja zusammen tun. Ich habe immer alleine gestanden. Ich musste hier in Thorde versauern.«

Frau Wanda sah ein, dass nun alles verschüttet war. Sie wollte einen Stein aus dem Weg räumen, aber darüber war der Weg eingestürzt. Sie hielt es nun auch für am besten, wenn sie das Haus verlassen würde.

Pagel wollte ihr diese Absicht ausreden, aber sie blieb dabei. »Ich werde in der Stadt schon etwas finden«, sagte sie.

Sie besuchte noch einmal ihr früheres Besitztum, den Gasthof, ordnete den Abtransport der letzten Habseligkeiten, und als der Dampfer »Ostland« zum ersten Male wieder fuhr, verliess sie Thorde für immer. Die Brosche mit den Katzenaugen hatte sie auf Melittas Tisch gelegt.

Mit diesem ersten Dampfer »Ostland« war Frau Sabine Gloddes angekommen. Vollgepackt war das kleine Deck des Dampfers. Mit vielerlei Hausrat und sechs Betten tauchte Frau Gloddes auf.

»Was will eine einzelne Person mit sechs Betten?« wunderte sich Boom Garde.

Er sollte es bald erfahren. Das alte Pagelsche Haus wurde aufs neue hergerichtet. Die Handwerker hatten tagelang zu tun.

Nun stand es schmuck da mit blanken Fenstern und frischem Ölanstrich.

Auf einmal weiss man auch, was Sabine Gloddes vor hat. Ein Privatpension für Sommergäste richtet sie ein.

»Die Frau hat Courage«, sagt Boom Garde von ihr. Er ist zufrieden, dass sie seine Bekannte ist. Er darf in dem Haus ein und aus gehen. Er kann sich sogar nützlich machen. Sabine Gloddes stellt ihn für allerhand kleine Arbeiten an. Auf dem Vertiko in ihrer Stube liegt die Bibel und das Gesangbuch, aber daneben ein noch leeres Buch für Einnahmen und Ausgaben.

Hin und wieder steckt sie ihm ein paar Zigarren zu, nicht so gute wie früher und nicht so viele.

Manchmal leistet sich Boom Garde ein Extrastündchen. Wenn die Sonne scheint, klappt er die halbe Tür zurück, lehnt sich hinaus und pafft.

Diese Sabine Gloddes! Sie hat ihm eine Lebensgeschichte gegeben. Sie hat sein Schifflein zertrümmert, aber das Wrack nimmt sie gnädig im Hafen auf.

Oftmals hält Boom Garde einen Vorübergehenden an:

»Was sagst du dazu? Sie versteht es. Schmuck innen und aussen.«

Nun ist auch ein Schild über der Türe angebracht: »Villa Daheim« steht darauf, »Familienpension«. Ja, Thorde entwickelt sich zum Seebad.

Auch Bieke hat ihre Pläne, die sie mit Herrn Mathiessen bespricht, denn mit Ohlik ist kein vernünftiges Wort mehr zu reden. »Er ist närrisch geworden«, sagen die Leute.

Herr Mathiessen ist während der Osterferien nach Thorde gekommen. Er wohnt bei Frau Gloddes. Er ist ihr erster Pensionsgast. Sie liess sich von ihm einen Taler als Anzahlung geben. Sie spuckte auf das Geld, wickelte es in Seidenpapier und legte es unter die Bibel. Es sollte ihr Glück bringen.

Auch Geesche ist bei ihrer Mutter zu Besuch. Nun sitzen sie zu dritt und bereden Biekes Plan.

Eines Tages sind die Handwerker auch bei ihr. Das Fenster wird vergrössert. Bieke richtet einen kleinen Laden ein. Im Sommer wird sie den Gästen Bernstein verkaufen und Armschmuck aus Galalith, kleine Segelschiffe und Spielzeug für die Kinder, Ansichtskarten und Bilder von Thorde.

»Ist das eine gute Idee?« fragte sie Herrn Mathiessen.

»Ja, das ist eine gute Idee«, antwortete er, drückte Geesche, lachte und küsste sie.

»Was meinst du zu Wimpeln und Fahnen?« erkundigte sich Bieke.

»Auch Lampions«, sagte Herr Mathiessen. »Rote und gelbe Papiermonde, solche mit zwinkernden Augen.«

Die grosse Mondlaterne, die er damals für Geesche im Wirtsgarten hatte hängen lassen, war allzu schnell von den Burschen zerstört worden. Nun wäre es an der Zeit, dass man allerecken freundliche Monde aus buntem Papier anzünden sollte. Bald wäre es wohl soweit.

Ja, es ist ein neues Leben nach Thorde gekommen. Die dicken Frauen haben nicht viel Zeit, sich mit all diesen Dingen zu beschäftigen. Sie müssen die schweren Fischkörbe tragen und wieder auf den Markt gehen.

Die trägen Frauen von damals waren wie ausgewechselt; Schulter an Schulter mit den Männern leisteten sie Herrn Daudat Widerstand. Nein, er sollte nicht glauben, dass sie sich mit einem Hungergeld abfinden liessen.

Es war das Gerücht gegangen, dass er Heringe in Schottland aufkaufen wollte. Nun kam Bieke und bestätigte es: »Ich weiss es von ihm selber. Er hat es wörtlich zu Ohlik gesagt.« Sonst lachte man über den Holzkapitän, aber jetzt legte man das Wort auf die Goldwaage.

Jawohl, Herr Daudat hatte es dem alten Ohlik zugeflüstert: »Ich will ihnen einen Schrecken einjagen. Ich habe geschworen, dass ich sie klein kriege.«

Er wusste, dass der Alte es Bieke wiedererzählen würde. Er war ja überhaupt so geschwätzig geworden, der herzkranke Holzkapitän.

Nun sagte es Bieke im Dorfe weiter:

»Ja, das Goldmaul frisst die armen Leute.«

Diese Bestätigung des Gerüchtes rief von neuem grosse Unruhe unter den Fischern hervor.

Wenn Pagel jetzt die Strasse entlang kam, wendete man sich ab. Auch Holms ging ihm aus dem Wege. Pagel wusste nun, dass man ihn mit Daudat in einen Topf warf. Er legte sich eine freiwillige Haft auf, blieb auf seinem Grund und Boden und vermied es, durch das Dorf zu gehen. Er hoffte, dass sich die Menschen von selber wieder beruhigen würden, denn im Grunde glaubte er nicht an die Wahrheit des Geredes. Mit Daudat hatte er seit der Auseinandersetzung kaum ein paar Worte gewechselt. Es kam sogar vor, dass Daudat geschäftliche Dinge mit Melitta besprach, ohne dass Pagel davon Notiz nahm. Fast schien es, als finge die Zukunft des Logierhauses an, ihm gleichgültig zu werden.

Wohl hätte Pagel in all diesen Tagen gern in Dole einen Trost gefunden, aber das Kind wurde von dem Maler in Anspruch genommen. Stiwenhack zeichnete und malte es, mit Kohle, in Wasserfarben und Öl.

Es sollte das grosse Werbebild werden: So frisch und gesund wie dieses Kind werden Sie in Thorde!

Als Stiwenhack Herrn Daudat diese Idee erläuterte, wurde er beinahe von einem Sturm der Begeisterung durch den anderen umgeworfen. Herr Daudat hatte sich aufs Knie geschlagen:

»Das oder nichts! Hier das Bild, und da das lebende Kind. So etwas muss überzeugen!«

Melitta putzte Dole heraus. Sie war stolz, die Mutter des Kindes zu sein, das nun wie Milch und Honig aus dem bunten Plakat herauslachte.

Auf Dole blieb solche Überschwenglichkeit nicht ohne Wirkung. Sie wurde eitel und zierte sich. Sie sass am liebsten bei dem Maler und liess sich von Grafen und Prinzessinnen erzählen. Boom Garde konnte kaum noch mit ihr fertig werden. Früher hatte sie nie auf seine Hände geachtet. Jetzt sagte sie manchmal: »Du bist schmutzig.« Sie beleidigte Boom Garde, dass er oft nicht mehr kommen mochte.

So war Dole verwandelt und Pagel konnte nicht viel Trost bei ihr finden.

Er hatte wohl versucht, ihr die Ziererei auszutreiben, aber Dole hatte ihn bestürzt angesehen, als er sie ausschalt. Sie begriff nicht, weshalb ihm das nicht gefiel, woran die anderen ihre Freude hatten. Sie lief davon und weinte. Ach, das kleine niedliche Mädchen, nun sass es da mit Tränen in der Ecke.

Pagel bekam es nicht übers Herz, ihr böse zu bleiben. Er lockte sie und redete ihr gut zu, aber sie blieb scheu und lief fort. Nein, Pagel hatte nicht viel Glück mit Dole.

Auch seine Hoffnung, dass das Gerücht über die schottischen Heringe sich bald verflüchtigen möchte, wurde getäuscht. Im Gegenteil, es geschah, dass Deeke und Antje, die beiden Fischermädchen, die nun wieder im Hause helfen sollten, den Dienst nicht antraten. Ihre Väter hatten es ihnen verboten. So musste ein Hausmädchen aus der Stadt geholt werden und später noch eine Mamsell, eine rasche Person mit fixem Mundwerk. Sie hatte schon in vielen Lokalen gearbeitet, auch einmal in einem Nachtbetrieb. Die tollsten Geschichten wusste sie zu erzählen. Melitta konnte sich totlachen über sie.

Auch kleine Lieder verstand sie zu singen, die Hände in den Hüften, mit schaukelndem Rock. Wenn man ihr Beifall klatschte, machte sie einen tiefen Knicks. »Vielen Dank, o bitte sehr«, rief sie in einem Atemzug.

Es dauerte nicht lange, da trug diese Mamsell die Brosche aus Katzenaugen.

Nein, man brauchte sich nicht mit ihr zu genieren. Gute Kleidung besass sie und Melitta ging oft mit ihr durch Thorde. Arm in Arm gingen sie spazieren. Es waren die letzten Apriltage und das Wetter war schön wie im Mai. Melitta aber trug immer noch ihren Silberfuchs.

»Sie wird noch im Juli damit laufen«, sagte Bieke zu Geesche.

Das Mädchen hatte ihre Stellung beim Konsul aufgegeben. Sie wollte ja zum Sommer heiraten und nun gab es alle Hände voll zu tun mit Schneidern und Nähen.

An den Sonnabenden kam Herr Mathiessen. Wie früher stellte er sich wieder in Thorde ein, ohne Hut und mit offenem Kragen. Sein Gesicht war schon gebräunt von Wind und Wetter.

Die Mamsell warf ihm gerne flotte Blicke zu, wenn sie sich auf der Strasse trafen. »Ein netter Junge«, sagte sie zu Melitta.

Melitta verzog den Mund.

»Er ist ein kleiner Schulmeister. Früher hat er oft bei uns verkehrt. Er hat keinen Horizont. Nun heiratet er das Dienstmädchen von Konsul Klemm.«

Manchmal machte es Herrn Mathiessen Spass, seinen Kaffee im Logierhaus zu trinken. Hier hatte er also gesessen, damals, als Geesche noch in der Küche half. Hier hatte er also von seinen Reisen erzählt, von Juliusbad und dem Land in den Bergen, nur um die Zeit hinzubringen, damit es bald Abend würde und er Geesche in die Arme nehmen könnte.

Melitta mied ihn jetzt, doch Pagel setzte sich gern zu ihm an den Tisch.

»Dass wir uns früher nie etwas erzählt haben«, sagte er.

Auch andere Gäste kamen öfter dazu. Dann gab es eine kleine zufriedene Tafelrunde. Pagel war froh, dass er solche Abwechslung hatte. Überhaupt schien es langsam besser zu werden.

Der Bau der Terrassen war so gut wie beendet. Die grossen bunten Schirme waren schon eingetroffen. Nur ein Anstreicher hatte noch zu tun, die Tische aufzufrischen. Solche Arbeit durfte man Stiwenhack nun nicht mehr zumuten. Er war mit den künstlerischen Vorarbeiten zu dem Tanzzelt vollkommen beschäftigt.

Auch Herr Daudat sass nicht mehr den ganzen Tag im Logierhause. Es war mit dem Bau des Tanzzeltes begonnen worden. Ein grosses hölzernes Gebäude sollte es werden in den Dünen. Damit hatte Herr Daudat zu tun und Pagel war froh, ihn nicht mehr so viel um sich zu haben.

Einzig Ohlik, der Holzkapitän, stellte sich noch nach wie vor täglich zur bestimmten Stunde ein, sass in der Ofenecke unter dem Thorder Bild, die Rockschösse sorgsam über die Knie gelegt, den Hut neben sich, und gegen den Tisch gelehnt den verschabten Stock.

Zuweilen fand sich ein Gast, der ein Glas für ihn ausgab. Dann erhob sich Ohlik, strich die Aufschläge seines Rockes glatt und trank auf die tote Frau Hilda oder auf das verlorene Haus in den Holmen.

Wenn Melitta sich zu ihm setzte, stierte er sie an, nickte bedeutungsvoll mit dem Kopf oder zwinkerte mit den Augen. Darum kam sie immer seltener an seinen Tisch. Wenn er sie aber bettelnd um ihre Gesellschaft anging, widersetzte sie sich nicht, denn manchmal wollte es ihr dünken, als wüsste Ohlik etwas.

Im allgemeinen aber schien das Leben in dem Logierhause ruhigere Bahnen zu gewinnen.

Da wurde ein Fass angeschwemmt, ein Fass mit Heringen. Die Fischer brachten es in Sicherheit, um die Fische später unter sich zu verteilen.

An diesem Tage um die Mittagszeit hatte Herr Daudat in dem Gasthofe zu tun. Dort im Schuppen standen noch die Möbelstücke, die er auf der Auktion gekauft hatte. Der neue Besitzer war in dem Gasthause eingezogen, und der Schuppen musste geräumt werden. Die Betten und Schränke sollten nun auf dem Boden des Logierhauses untergestellt werden. Ein Fuhrmann war gedungen und Herr Daudat beaufsichtigte den Transport.

Es war bis jetzt in Thorde nicht weiter beachtet worden, dass Herr Daudat auf der Auktion vom Eigentum des Wirtes gekauft hatte. Jetzt aber, als der beladene Wagen über die Strasse fuhr, regten sich die Frauen darüber auf:

»Da sieht man, wie sie sich bereichern.«

Herr Daudat, der neben dem Wagen herging, tat, als hörte er nichts.

Die Frauen, die sowieso ärgerlich auf ihn waren, gerieten in Zorn.

»Ihr Schmarotzer!« riefen sie.

Herr Daudat ging unbeirrt seines Weges.

Die Frauen wurden erbost über solche Nichtachtung.

»Deine faulen Heringe!« schrien sie.

Zuerst hatte es eine geschrien. Richtig, das angeschwemmte Fass. Auf einmal begriffen es auch die andern. »Deine schottländschen«, schrien sie.

Nun beschleunigte Herr Daudat seine Schritte und gab dem Fuhrmann einen Wink, zuzufahren.

Im Logierhaus sank er auf einen Stuhl:

»Diese Weiber von Thorde«, stöhnte er. »Man ist seines Lebens nicht sicher.«

Er wunderte sich, dass Melitta auf seine Anklage nicht einging. Sie stand da und lachte. Sie lachte wohl gar über ihn. Er raffte sich zusammen:

»Was haben Sie denn?«

»Hier«, sagte sie und lachte.

Da war ein Brief gekommen, ein unverhoffter Brief von Emita. Herr Daudat hatte die unflätigen Weiber vergessen. Er sprang auf. »Zeigen Sie her!«

Er las. Er lachte und las.

Ja, da stand es. Im Sommer würde Emita mit dem Millionär nach Thorde kommen. »Dann können wir alles abmachen wegen des Geldes. Ja, das Geld läge schon da, es brauchte nur abgeholt zu werden. Aber Ihr habt ja jetzt mit der Saison zu tun und Pagel wird nicht abkömmlich sein. Er müsste schon kommen wegen der Unterschrift. Nun, das sei ja kein Beinbruch. Ein paar Wochen noch, dann ist Sommer. Dann kommen wir und bringen das Geld.«

Triumphierend hatte Melitta den Brief gezeigt. Daudat stürzte durch die Zimmer. Er suchte Pagel. Er dachte an keine Zwistigkeit mehr. Auf dem Hofe erwischte er ihn.

»Hören Sie mal, Pagel, Sie müssen gleich losfahren. Wir brauchen Geld. Viel Geld. Wir können immer Geld gebrauchen. Sie müssen morgen schon fahren.«

Pagel konnte sich nicht so schnell entschliessen.

Herr Daudat schmeichelte ihm. Er sagte:

»Sie haben hier viel auf dem Hals gehabt, den Winter über. Eine Abwechslung würde Ihnen einmal gut tun. Denken Sie mal: Eine Reise! Eine Reise nach Juliusbad. Na, ich liess es mir nicht zweimal sagen. Mit Kusshand würde ich fahren, Herr Pagel, mit Kusshand!«

Auch die Mamsell war schon von dem Brief unterrichtet. Als sie am Nachmittage mit Melitta spazierenging, sprachen sie von dem Land in den Bergen. Die Mamsell kannte es nur vom Hörensagen, aber Melitta schwärmte:

»Ach, Sie müssten einmal da gewesen sein. Sie würden es nie wieder vergessen. Dieses wunderschöne Juliusbad. Zwei riesige Tannen stehen an seinem Eingang, und Tag und Nacht brennt der Hochofen in dem Silberbergwerk.«

Sie gingen nebeneinander, Melitta mit dem Pelz und die Mamsell in einem Mantel, dessen Kragen zugesteckt war mit der Brosche aus Katzenaugen.

Sie gingen und sprachen von reichen Dingen.

Da kam ihnen Bieke entgegen. Sie hatte Geesche bei sich, die wieder den grossen Hut trug. Das Mädchen war aus der Stadt gekommen und hatte den Arm voller Pakete.

Hübsch und adrett kam sie daher, die junge Braut. Sie hatte Herrn Mathiessen getroffen. Sie waren in einem städtischen Café gewesen. Sie war noch ganz angetan von dieser kleinen Freude.

Als Bieke die beiden Frauen sah, funkelten ihre Augen. Auch Melittas Blicke wurden feindselig. Mit Verachtung sahen sie sich an.

»Die Gans«, sagte Bieke, »wie sie daherwatschelt. Wann wird ihr Pelz neue Federn kriegen?«

Melitta machte ein hochmütiges Gesicht. »Was diese Leute reden, fällt von mir ab«, sagte sie zu der Mamsell.

Sie hatten beide laut gesprochen. Sie hörten, was einer vom andern dachte.

Bieke verstellte ihr den Weg.

»Blas dich nur auf«, sagte sie. »Man weiss ja, woher es kommt. Den armen Wirt habt ihr ausgepowert. Die Heringe sollen euch im Hals stecken bleiben!«

Sie überschüttete Melitta mit Schimpfworten.

Ja, Bieke war unversöhnlich, wie es auch Melitta war. Sie trug es ihr nach, dass sie einmal hatte hören müssen »Was bildet ihr euch eigentlich ein, ihr kleinen Leute?« Dabei war Bieke in den grossen Städten gewesen, während Melitta nicht mehr gesehen hatte als die schiefen Häuser von Thorde. Ja, Bieke war damals enttäuscht zurückgekommen, aber was konnte sie schliesslich dafür, dass ihr Stern versagt hatte. Melitta aber wollte die Allerweltsperson spielen.

Unversöhnlich war Bieke.

Melitta kam gar nicht zu einer Entgegnung. Die Mamsell wollte sie weiterziehen. Was sollte man sich mit solcher Frau einlassen? Doch Bieke stand vor ihnen und spie und schimpfte.

Neben ihr, erschrocken, stand Geesche. Ihr junges frisches Gesicht war ganz verstört. Das letzte Lächeln war fort. Da war kein froher Anhauch mehr von der eben durchlebten Stunde mit Herrn Mathiessen. Alles war nur Entsetzen.

Melitta konnte gegen Bieke nicht an, aber sie sah die zitternde Geesche.

Ja, da stand die Schulmeisterbraut mit dem grossen Hut. Aufgeputzt stand sie da und mit Paketen über den Fingern.

Ein brauner Hut ist es mit heller Schleife. Ja, das ist derselbe Hut, den sie damals aufhatte, als sie sich mit Konsul Klemms Gesellschaft auf der Veranda breitmachte. Eingeschmuggelt hatten sie sich, Herr Mathiessen und diese Geesche. Sie sollten doch nicht glauben, dass sie dahin gehörten. Nein, Herr Mathiessen war nicht ein Freund vom Konsul Klemm, sonst hätte er wohl die Fasanen mitessen dürfen. Und für solch Mädchen sollte ich kochen, durchfuhr es Melitta.

»Auf dich habe ich gewartet!« rief sie plötzlich ausser sich.

Sie packte Geesche, sie riss ihr den Hut vom Kopf und schleuderte ihn über die Strasse.

Da lag der grosse Hut im Schmutz.

Bieke war so erstarrt, dass ihr der Mund offen blieb. So verdonnert war sie, dass sie den Weg frei gab.

Die Mamsell konnte Melitta fortziehen. Sie konnten dem wütenden Weibe entkommen.

Bieke lief von Haus zu Haus:

»Dieses Weibsbild! Sie hat meiner Tochter den Hut zerrissen. Sie gönnt ihr den Lehrer nicht. Ich bringe sie vors Gericht!« Sie zerrte die weinende Geesche mit.

»Da seht das arme Kind!« jammerte sie. »Es fliegt wie Espenlaub.«

Zehnmal liessen die Frauen sich diese Geschichte vorklagen.

Als man gegen Abend das Fass öffnete, um die Heringe zu verteilen, waren die Frauen noch immer aufgeregt. Nun stellte sich ganz und gar heraus, dass die Fische verdorben waren.

Orge, der blonde Bursche, hatte das Fass aufgeschlagen. Er warf einen Hering in die Luft.

»Die Fische aus Schottland«, rief er, »Daudats Heringe.«

Die jungen Burschen johlten. Die Frauen schrien durcheinander. Die alten Fischer hatten Mühe, sie zur Ruhe zu bringen.

Da war auf einmal Bieke unter den Weibern.

»Man müsste ihnen die Heringe ums Maul schlagen«, rief sie.

Die Fischer kriegten sie nicht still. Bieke war allen überlegen.

»Der Drache mit dem goldenen Maul wird euch alle fressen«, zeterte sie. »Was lasst ihrs euch gefallen? Diese fremde Brut! Sie hat meiner Tochter den Hut zerrissen. Es ist alles ein Gesindel!«

Auch ein paar Jungens hatten sich eingefunden, wilde Bengel, die sich nun mit den Heringen warfen. Otto, der Sohn des Friseurs Moeb, war der Anführer. Hinter dem Rücken der Fischer versteckten sie sich, sprangen hervor und warfen. Sie trafen eine der Frauen. Es erhob sich ein neues Geschimpfe.

»Werft lieber wen anders«, schrie Bieke. »In Thorde gibts eine, die hat es verdient!« Sie hustete vor Aufregung. »Was tragt ihr eure Heringe nicht zu Daudat? Sie gehören ihm doch«, hustete sie.

Das war ein Signal.

Die Fischer schüttelten unwillig die Köpfe, standen brummelnd zusammen. »Dies Lästermaul, Unruhe macht sie. Nichts weiter.«

Sie standen beiseite und murrten.

Aber die Burschen, die jungen, die Bengel, die Weiber, kamen in Bewegung.

Sie hatten die Hände voll Heringe. Sie lachten, kreischten und schrien.

Orge voran: »Jetzt gibts was, Herr Daudat!«

Vielleicht wäre alles noch in Ruhe abgegangen, aber als sie vor das Logierhaus kamen, stolzierte Daudat über die Terrasse.

Auf einmal war unten am Strand ein wütender Haufe. Man drohte, man brüllte:

»Friss deine Fische selber, du Krähe!«

Herr Daudat stand vor Schreck gekrümmt.

Da flog der erste Fisch.

Herr Daudat stand vor Schreck gekrümmt.

»Sofort den Landjäger holen«, rief er ins Haus. Dann fiel er zusammen. »Aufruhr«, stöhnte er hilflos.

Die anderen liefen ans Fenster. Sie sahen, was los war. Ein Regen toter Fische prasselte gegen die Terrasse. Aber die Erregung ist ein schlechter Schütze. Sie warfen zu kurz. Die Fische fielen ziellos zurück.

Pagel tat nur einen Blick hinaus. Er wandte sich ab. Er setzte sich schweigend.

»Ja, wollen Sie sich denn totschlagen lassen?« zitterte Daudat.

»Es wird Ihnen nicht an den Kragen gehen«, antwortete Pagel. Er lächelte. Es war ein müdes Lächeln.

Inzwischen waren die älteren Fischer an den Strand gekommen. Holms mahnte zur Vernunft. Der Ansturm liess nach. Sie wären wohl in Ruhe abgezogen, aber auf einmal sah Melitta, dass Bieke unter den Frauen war.

Sie liess sich nicht halten. Sie lief hinaus. Sie stand auf der Terrasse. Sie lachte und höhnte.

Da packte die anderen von neuem die Wut. Das war eine gute Zielscheibe, diese funkelnde Frau.

Sie lacht und höhnt. Um sie klatschten die toten Fische. Jeder verfehlte sein Ziel. Ja, die Erregung macht schlechte Schützen.

Aber ein Junge hat sich hinaufgeschlichen. An der Terrassenwand kriecht er entlang. Aus nächster Nähe geduckt schleudert er pfeilschnell den letzten Fisch.

Otto war es, der Sohn des Friseurs. Dort läuft er davon.

Der Fisch hatte Melittas Gesicht gestreift. Ein fauler Geruch flog an ihr hin. Da lag nun der Fisch mit dem toten Maul.

Melitta zuckte zusammen. Da liegt der Fisch, glotzend und dumpf.

Melittas Lachen starb entsetzt. Wie leblos stand sie noch lange.

Das Johlen war vorübergezogen. Der Strand lag leer.

Die Mamsell und das Mädchen hatten zu tun, die Fische fortzuschaffen. Herr Daudat und Stiwenhack begruben die Heringe in den Dünen.

Melitta war noch immer verstört. Draussen lagen die toten Fische, aber in dem Land in den Bergen sprangen die Rehe.

Später kamen Daudat und Stiwenhack zurück.

»Wir haben sie fürstlich begraben«, rief der Maler. »Wo bleibt nun der Leichenschmaus?« sagte er zu Daudat.

Herr Daudat sah etwas angegriffen aus.

»Sie haben recht, Stiwenhack«, antwortete er hastig, »wir haben uns redlich gequält. Wie wärs mit einem anständigen Trunk, damit man wieder auf die Beine kommt. Nein, diese Welt!«

Stiwenhack holte die Gläser. Die Mamsell musste ein paar Flaschen bringen.

Als das erste Glas getrunken war, wurde Melitta zugänglicher. Sie hatte die Mamsell auf den Stuhl neben sich gezogen und hielt ihre Hand.

»Es ist ein schrecklicher Tag gewesen«, sagte sie.

»Um so schöner die Nacht«, rief Stiwenhack.

Ohlik, der bisher an seinem Ofenplatz gesessen hatte, setzte sich zu ihnen. Auch während des Aufruhrs der Thorder Fischer hatte er sich still in der Ecke verhalten. Man hätte nicht sagen können, ob er von dem Tumult überhaupt was gemerkt hatte.

Nun sass er am Tisch, Stiwenhack gegenüber.

Herr Daudat wurde mit jedem Glase gesprächiger. Jetzt hatte er das letzte Zipfelchen Angst überwunden. Er wollte die fatale Geschichte ausstreichen.

Er sprach von Emitas Brief.

»Jawohl, Pagel muss nach Juliusbad fahren und das Geld holen. Da gibts keine Ausflüchte mehr. Wo steckt er überhaupt? Wo ist denn Pagel?«

Er hat vor einem Weilchen noch dagestanden. Er ist hinausgegangen. Wo soll er sein?

»Ah«, rief Herr Daudat, »er wird seinen Koffer packen. Natürlich, er trifft die Vorbereitungen zur Reise. Er muss ja morgen frühzeitig fort, um den Zug zu erreichen.«

Natürlich, das ist es. Man fragt nicht weiter, man begnügt sich damit.

Melitta lacht auf einmal:

»Trinkt«, ruft sie, »morgen holt Pagel das neue Geld!«

Das neue Geld, das ist schon ein Rausch!

Die Mamsell singt ein Liedlein vom Mammon. Die Hand in der Hüfte, mit schaukelndem Rock: »Tralala, tralala, die Millionen!«

Herr Daudat klatscht ihr begeistert zu.

»Vielen Dank! O bitte sehr!« sagt sie.

Nun erhebt sich Stiwenhack.

»Willst du auch was zum besten geben, Meister?« trällert Herr Daudat.

Aber Stiwenhack legt die Hand auf den Mund. Rückwärts geht er hinaus. Geheimnisvoll. Was hat er im Sinn? Sie warten mit Ungeduld. Die Mamsell füllt inzwischen die Gläser.

Da kommt er herein. Und was trägt er?

Er trägt einen Stuhl, einen Sessel trägt er. Er setzt ihn nieder.

»Euer Thron, Königin!«

Und er bringt die dänische Wiege.

Ja, dieser bunte Stuhl war einmal die dänische Wiege. Vor vielen Jahren wurde sie angeschwemmt. Es war ein merkwürdiger Tag gewesen. Am Mittag war Bieke verschwunden, ein Fischermädchen. Es war in die Welt gelaufen. Am Abend war Boom Garde zurückgekommen, dem die Welt nichts gab als ein Holzbein. Das war vor vielen Jahren gewesen. Dann haben die Kinder von Thorde in der dänischen Wiege gelegen. Jahrelang, jahrelang. Dann hat man die Wiege vergessen. Aber der Wirt, der Wirt, der nun im Gefängnis sitzt, hatte eine Schaukel daraus gemacht. Es war ein Tag gewesen, an dem viele Schulkinder kamen. Am Abend ist die Schaukel zerschlagen worden. Eine Frau hatte noch ihren trunkenen Schlaf drin gehabt. Die wiegende Schaukel sang sie in Schlummer. Das war das letzte gewesen. Dann kamen die Burschen und brachen das Holz auseinander.

Nun ist diese dänische Wiege ein Sessel geworden. Der Zauberer Stiwenhack hat sie von neuem zum Leben erweckt.

»Euer Thron, Königin«, sagt er und neigt sich zur Erde.

Melitta sitzt in dem bunten Stuhl. Herr Daudat kredenzt ihr den Wein. Das Glas ist leer. Stiwenhack füllt es. Die Mamsell holt neuen.

Auf einmal spricht Ohlik. Wahrhaftig, er sitzt noch am Tisch. Man hat nichts von ihm vernommen. Kaum einen Atemzug. Auf einmal sagt er:

»Das gelbe Kleid.«

Nichts weiter. »Das gelbe Kleid.«

»Ja, das gelbe Kleid!« ruft Stiwenhack. »Ein Einfall würdig eines Holzkapitäns. Jawohl, das gelbe Kleid! Die rauschende Seide!«

»Wir feiern! Wir feiern!« kräht Herr Daudat.

»Was feiern wir?« sagt Stiwenhack. »Die Heringe feiern wir, die toten Fische! Die begrabenen toten Heringe feiern wir. Du bist ein Hering, Holzkapitän. Du hast eine grandiose Idee gehabt: Das gelbe Kleid! Ein Glas extra für den Holzkapitän.«

Melitta lässt sich nicht lange bitten. Jawohl, aus diesem schrecklichen Tage ist ein Fest erblüht. Morgen fährt Pagel nach Juliusbad und holt die Millionen.

Sie kommt zurück in dem gelben Kleid. Sie kommt nicht allein. Stiwenhack marschiert voran. Und was trägt er da? Dieser Stiwenhack, dieser tolle Gesell!

»Walpurgis!« schreit er. »Die Hexen reiten!«

Am Besenstiel trägt er die hölzerne Frau, die nackte Frau, die reitende Frau, die sündige Frau aus den Bergen. Am langen Stiel trägt sie der Maler voran.

»Walpurgis, die Hexen reiten!«

Über den bunten Sessel schwebt nun die Frau, die Hexenfrau, die hölzerne Frau! Die reitende Frau auf dem Besen.

Im bunten Sessel, im gelben Kleid sitzt Melitta.

Wieviel Gläser Wein, man weiss es nicht mehr. Es ist ein Gewoge von Lachen und Trunk. Das schäumt durchs Haus wie ein wirbelnder Sturm.

Die kleine Dole ist aufgewacht. Im Hemdchen kommt sie herunter. Sie steht im Saal. Welch reizendes Kind. Melitta schluchzt:

»Liebling! Mein Engel!«

»Ein tanzender Engel«, ruft Stiwenhack.

Ja, seht doch, das Mädchen macht zierliche Schritte. Halb noch im Schlaf. Die Kleine tanzt. Wahrhaftig, sie tanzt.

»Liebling, mein Engel«, schluchzt glücklich Melitta.

Wie ein Sturmwind jauchzte dies Fest durch das Haus.

Pagel hört es verwundert. Er ist schon zu Bett gegangen. Der Tag war so eklig. Er will es verschlafen. Nun unten der Lärm.

Er kleidet sich an, er geht hinunter.

Er steht in der Türe, man sieht ihn nicht. Aller Augen sind jetzt auf Dole. Das Mädchen tanzt. Ja, das Mädchen tanzt. Und der Stuhl da, der bunte? Das ist doch die Wiege. Und wie damals Melitta – sie wiegt sich darin? Was ist geschehen? Ja, träume ich denn?

Die Männer betrunken, die Kleine tanzt?

Pagel steht stumm in der Türe.

Der Maler reitet jetzt lachend im Saal. Auf dem Besen reitet er um den Tisch. Ohei, so reiten die Hexen.

Melitta seufzt. Ein sehnender Seufzer.

Aus niedrigen Suben reiten die Hexen, die jachternden Hexen. Sie reiten empor. In der Finsternis warten die grossen Männer, Saul und König Salomo.

Melitta wiegt sich selig im Sessel. Was wird sie jetzt denken? Wirbelnder Schnee, das sausende Pferd, der gleitende Schlitten. Ja ja ja, und gings in die Hölle!

Hat Ohlik ihre Gedanken erraten? Er erhebt sich auf einmal, er nimmt sein Glas. Er zieht seinen Rock, er steht wie ein Redner.

»Du bist im silbernen Schlitten gefahren, Hilda«, sagt er. »Ich hatte auf dich gewartet. Ich habe dich gesucht überall. Am späten Abend kamst du zurück. Herr Brint hat dich aus dem Schlitten gehoben. Schlittenrecht, sagt er.«

Was soll das heissen, was schwätzt er da?

Der Maler klopft ihm beruhigend die Schulter:

»Du träumst, Freund Ohlik.«

Aber Melitta erschrak.

»Guten Abend, Herr Brint«, sagt der Holzkapitän.

Weiss Gott, er hat wirklich zuviel getrunken. Herr Daudat rückt verärgert im Stuhl. »Lachhaft, sowas. Was für ein Geschwätz.«

»Ich habe noch ein Geschenk für Sie, verehrter Herr Brint«, sagt Ohlik. Seine Stimme ist wie ein Schatten nur. Huschende Worte und still.

Aus der Tasche holt er ein Messer hervor. Ein Hirschfänger ist es, der fest im Griff steht.

Er öffnet das Messer. Nun erschrecken sie alle. Und Dole weint.

Der Maler lacht. »Wahrhaftig, ein Spass. Du bist ein Witzbold, Holzkapitän. Du willst Herrn Brint wohl die Kehle durchschneiden.«

Ja, Stiwenhack lacht. Er will es bemänteln. Er will im Scherz ihm das Messer entwinden: »Nur keine Aufregung. Wir sind doch Freunde. Wir sind beim Feiern, es ist ein Fest.«

Doch plötzlich ist ein harter Griff.

»Nun ist es genug«, ruft Pagel.

Er hat das Messer beiseite geschleudert. Ohlik zittert, er fliegt am Körper. »Brint«, stammelt er, »Brint!«

»Du musst jetzt gehen«, sagt Pagel.

Er nimmt ihn am Arm. Er führt ihn hinaus.

»Recht so«, ruft Stiwenhack. »Frische Luft! An die Luft mit ihm! An die Luft.«

»Jawohl, frische Luft«, sagt Pagel. »Alle Kreaturen, Herr Stiwenhack, loben die Luft. Bloss die Ratte, die nistet sich ein, ja, bis kein Brot mehr für sie abfällt.«

»Die Ratte«, lärmt Stiwenhack, »haha, die Ratte!«

Dann stutzt er, steht eine Weile verdattert.

»Aha! die Ratte«, sagt er, streift durch die Luft und wischt es weg.

Herr Daudat hat sich erhoben. Er fühlt, es ist Zeit. Das Fest ist zu Ende.

Die Mamsell weint leise. Das ist nun das Leben. Leise weint sie. So ist es immer.

Melitta hat das schreiende Kind auf dem Schoss, sie streichelt Dole. »Ruhig, Liebling, sei ruhig.«

Sie fährt verzweifelt den Maler an: »Hör auf! Hör auf!«

Sie droht.

Doch Stiwenhack lacht:

»Da sind Sie, Herr Brint! Guten Abend, Herr Brint! Ich hab Ihnen auch was mitgebracht. Jetzt schneiden wir uns alle die Gurgel durch. Heia, heia, die Ratten!«

Melitta trug das Kind zu Bett.

»Schlafe, mein Kindchen, schlaf ein. Deine Mutter hält am Bettchen Wacht, dein Vater holt die Schäflein zur Nacht, schlafe, mein Kindchen, schlaf ein.«

»Dein Vater«, schluchzt klagend Melitta.

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