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Die leibhaftige Bosheit

Gustav Johannes Wied: Die leibhaftige Bosheit - Kapitel 49
Quellenangabe
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typefiction
authorMathilde Mann
titleDie leibhaftige Bosheit
publisherDeutsche Buch-Gemeinschaft G. m. b. H.
year
firstpub
translatorMathilde Mann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080826
projectid47cdb47e
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Draußen auf der Landstraße wurden Schritte hörbar.

»Da kommt jemand, Manuel!«

Madam Thomsen erhob den Kopf vom Strickzeug.

»Weiß Gott, das sind der Oberlehrer und der Zollverwalter!« sagte sie gleichsam erleichtert. – »Ob die hier hereinkommen?«

»Hier herein?« sagte Manuel. »Nein, zu uns kommt niemand.«

Wulfdine lauschte gespannt.

»Sie kommen doch!« sagte sie.

»Ja, sie sind draußen auf dem Hofe«, sagte Madam Thomsen.

Manuel erhob sich und stellte die Pfeife hin.

»Man will den Herren entgegengehen.«


Über anderthalb Stunden blieben der Oberlehrer und der Zöllner auf dem Mühlenhof. Thomsen führte sie drinnen und draußen umher, und die Gäste priesen in hohen Tönen alles, was sie sahen.

Der kleine Wirt selber schüttelte aber seinen kleinen runden Kopf trübe:

»Was nützt das alles? sagte er, »wenn die Freude nicht sprossen will!«

Und während seine Augen in der traurigsten Hilflosigkeit umherschweiften, fügte er langsam und tiefsinnig hinzu:

» Einem sollten seine Wünsche hier in der Welt wohl niemals erfüllt werden. Herr Zollkontrolleur


Clausen und Esau trottelten heimwärts. Die Sonne war untergegangen, und die Nebel glitten leicht und wogend über den Fjord.

»Nun, kleiner Oberfreund,« sagte Knagsted, »wer hat denn jetzt recht?«

Der Pädagog machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand und antwortete nicht.

Nach einer Weile zupfte ihn der Zöllner am Rockärmel:

»Ich bin fest überzeugt, daß du jetzt sinnst, wie man ihnen helfen könnte!«

Der Oberlehrer blieb stehen.

»Ja, du kannst dich meinetwegen gern lustig machen. Zöllner«, sagte er, und seine alten Wangen röteten sich. – »Aber ich wünsche wirklich von Herzen –«

»Nun!«

»Daß es ein Junge werden möchte, den die kleine Wulfdine da draußen bekommt, denn das Dasein würde Emanuel Thomsen vielleicht ein wenig leichter erscheinen, wenn er einen Stammherrn bekäme, für den er arbeiten könnte. – Wie? – meinst du nicht auch?«

»Hm, ja, vielleicht«, antwortete Esau. »Aber, weißt du, aber es ist doch im Grunde hier in der Welt dumm eingerichtet, Clausen,« fuhr er fort, indem er nach einer vorüberfliegenden Mücke schlug, »daß man nur zwei Sorten Kinder bekommen kann!«

»Unsinn, Knagsted!«

»Ja, das sagte der selige Mörch auch –«

Und dann stießen sie von neuem die Stäbe in den Kies des Weges.


Die Dämmerung senkte sich tiefer und tiefer herab. Die Sterne schimmerten an der Himmelswölbung, und hie und da über den dunklen Feldern wurde ein einsames Licht hinter einer Fensterscheibe angezündet. – Und in der Ferne bellte der traditionelle Hund.

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