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Die leibhaftige Bosheit

Gustav Johannes Wied: Die leibhaftige Bosheit - Kapitel 40
Quellenangabe
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typefiction
authorMathilde Mann
titleDie leibhaftige Bosheit
publisherDeutsche Buch-Gemeinschaft G. m. b. H.
year
firstpub
translatorMathilde Mann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080826
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Eine Viertelstunde später kam sie mit einem ganzen Arm voll Kissen herunter, mit denen sie dem Bruder ein Bett auf dem Sofa bereitete.

Als sie damit fertig war, ging sie hin und öffnete die Tür.

»So, hier ist alles in Ordnung, Bruder Jakob«, sagte sie.

»Danke, Schwester Karen – Ja, ich bin auch wirklich müde!« – – – – – – – – – – –

»Gute Nacht – Und schlaf gut!« sagte Thomsen mit abgewandtem Gesicht.

»Gute Nacht, Manuel!«

»Gute Nacht! Und fröhliches Fest, Schwestersohn!«

Ein Wagen rasselte durch das Nonnentor. Es war die Hebamme Fredriksen, die endlich nach Hause kam.


Konsul Mörch verließ jetzt das Bett nicht mehr. Der Herbstregen und die Winterkälte hatten seine letzten Kräfte aufgezehrt. Und zu seinen übrigen Leiden war noch ein Brustkatarrh hinzugetreten, und nun lag er da und hustete und rang nach Luft, und der Arzt sagte, es würde bald zu Ende gehen.

Milder gestimmt war aber der Konsul keineswegs. Er schalt und fluchte zwischen den Hustenanfällen, so daß die Krankenpflegerin, Fräulein Lauritzen, die er auf den Befehl des Arztes hatte annehmen müssen, vor Angst bebte. Und sie wäre sicherlich davongelaufen, wenn sie es dem Verein gegenüber, der sie ausgesandt, gewagt hätte. Selbst das Dienstmädchen, die lange Engeline, die sich im übrigen im Laufe der Jahre eine gewisse Sicherheit in der Behandlung ihres alten, mürrischen Herrn erworben hatte, stand oft ganz verzagt und hilflos da.

Das Schlimmste war ja, daß der Konsul das Rauchen nicht mehr vertragen konnte.

Daß der Arzt es ihm streng untersagt hatte, war ihm einerlei, daran kehrte der alte Mörch sich nicht. Schlimmer war es, daß er jedesmal, sobald er nur die Pfeife angezündet und ein paar Züge getan hatte, von einem kräftigen Husten befallen wurde. – Und wenn er dann wieder sprechen konnte, raste und donnerte und fluchte er, so daß die beiden armen, einsamen Frauenzimmer oft vor Verzweiflung weinten.

Die Stadt kümmerte sich nicht weiter um Konsul Mörch. Sie ließ ihn liegen. Er war längst aus der Reihe der Lebenden ausgeschieden. Und dann kam ja freilich noch der Umstand hinzu, daß der Mann niemals populär gewesen war. Im Gegenteil: mürrisch und unumgänglich und sparsam bis zum Geiz, hatte er sich stets zu allem und zu allen in Opposition gestellt. Die Männer hatten ihn nur notgedrungen aufgesucht und die Frauen verabscheuten und haßten ihn beinahe, weil er ein roher Patron in seinem Verhältnis zu seiner Frau gewesen war. Man war fast geneigt, ihm seine Krankheit und seine Leiden zu gönnen. Jedenfalls betrachtete man sie als gerechte Strafe des Himmels.

Und nun lag, wie gesagt, Konsul Mörch in seinem einsamen Bett und hatte wohl nicht mehr viele Viertelmeilen bis zu der dunklen Pforte des Todes zurückzulegen.


Da geschah es, daß er eines Tages um die Mittagszeit plötzlich in seiner lallenden Sprache zu der Pflegerin sagte:

»Ich will mit Zollkontrolleur Knagsted sprechen.«

»Wie beliebt, Herr Konsul?«

»Ich will mit Zollkontrolleur Knagsted sprechen, sagte ich!«

»Ja, ja, ich will gleich –«

Und Fräulein Lauritzen stürzte zu Engeline in die Küche hinaus: »Der Herr Konsul will durchaus mit jemand sprechen!«

Engeline kam herein:

»Was wünschen Herr Konsul?«

»Ich will Knagsted sprechen!«

»Glauben Herr Konsul nun auch, daß Sie das vertragen können?«

»Das ist doch wohl meine Sache.«

»Soll ich hinlaufen und ihn holen?«

»Ja, natürlich! – Und sage ihm, daß er gleich kommen soll.«

»Ja – aber –«

»Er soll sofort herkommen, sage ich! Mach, daß du hinkommst!«

Und Engeline mußte ihre Küchenarbeit stehen und liegen lassen und in die Stadt laufen, um den Zöllner zu suchen.

Sie fand ihn an der Table d'hote in »Stadt Gammelkjöbing«. Er stand sofort auf und folgte ihr.

Und die ganze Südstraße geriet in Aufregung, als man die »Leibhaftige Bosheit« an der Seite von des Konsuls Dienstmädchen einherwandern sah.

In dem großen, leeren Krankenzimmer herrschte Dämmerung. Das dem Bett zunächst gelegene Fenster war verhängt. An dem anderen Fenster saß Fräulein Lauritzen und häkelte.

Ein helles Feuer flammte im Ofen. Und das Fräulein war über ihrer Arbeit eingenickt. Sie mußte im Laufe des Tages hin und wieder einmal heimlich schlafen, denn die Nächte waren am schlimmsten, oft schloß sie kaum die Augen.

Draußen auf der Straße fuhr von Zeit zu Zeit ein Wagen vorüber, und dann klirrten die Fensterscheiben, sonst aber war alles still und friedlich.

Plötzlich schlug der Konsul mit der flachen Hand heftig auf das Oberbett. Es war eine Art Zwangbewegung, an der er litt, ein krampfhaftes Zucken der Arme. Er selber vermochte sie nicht mehr zu bewegen.

Die Pflegerin riß verwirrt die Augen auf.

»Wünschen Herr Konsul etwas?«

»Ich liege abscheulich!«

Das Fräulein trat an das Bett und legte die Kissen zurecht: »Ist es jetzt besser?«

»Nein! – Rufen Sie Engeline!«

»Aber Herr Konsul haben Engeline ja selber in die Stadt geschickt!«

»Hm!«

Das Fräulein kehrte an ihren Platz zurück.

Einen Augenblick später erfolgte ein neuer Schlag auf das Oberbett:

»Geben Sie mir etwas Wasser!« Mörch war bemüht, zu verschleiern, daß er nicht selber Herr dieser Bewegungen war, indem er sich den Anschein gab, als sei das seine Art und Weise zu rufen.

Das Fräulein nahm ein Wasserglas und hielt es an seine Lippen.

»Sodawasser!« sagte er wütend und stieß mit dem Munde gegen das Glas. »Sie können sich doch denken, daß ich Sodawasser haben will! Wozu sind Sie sonst Krankenpflegerin!«

Geduldig zapfte das Fräulein ein wenig Sodawasser aus einem Siphon und reichte es ihm.

Dann setzte sie sich wieder hin.

Kaum aber hatte sie ihre Häkelarbeit wieder in die Hand genommen, als die lallende Stimme von neuem erscholl:

»Eine warme Decke! Die Füße frieren mir!«

Und abermals mußte sie aufstehen. Sie wärmte eine wollene Decke am Ofen und wickelte sie vorsichtig und sorgfältig um die Füße des Kranken.

Dann schellte die Haustürglocke.

Es war Engeline, die den Zollkontrolleur nicht die Hintertreppe hatte hinaufführen wollen.

Fräulein Lauritzen ging hinaus und öffnete.

»Steht es schlecht mit dem Herrn Konsul?« fragte Knagsted hastig.

»Es ist unverändert!«

»Kann ich hineingehen?«

»Bitte schön!«

Der Konsul hob den Kopf einen Zoll vom Kissen empor.

»Fräulein Lauritzen soll hinausgehen!« sagte er.

»Ja, aber, – Herr Konsul –«

»Fräulein Lauritzen soll hinausgehen, sage ich.«

»Gehen Sie nur, liebes Fräulein«, flüsterte Knagsted. »Ich will Sie schon rufen, wenn es nötig ist.«

Esau näherte sich dem Bett mit ausgestreckter Hand.

»Guten Tag, alter Freund! Nun, wie geht es?«

»Guten Tag, Zöllner!« lallte der Kranke.

»Willst du mir die Hand nicht geben, Mörch?«

»Kann nicht! Kann sie nicht mehr aufheben.«

Die beiden Freunde hatten sich nicht wiedergesehen seit jenem Tage, wo sie zusammen auf Thummelumsens Brutplatz auf dem Friedhof gesessen hatten. Mörch hatte Engeline verboten, Knagsted einzulassen. Und als der Zöllner ein paarmal vergebens gekommen war, hatte er seine Besuche eingestellt.

Jetzt nach Verlauf von vollen fünf Monaten hatte der Konsul nach ihm geschickt. Und sie betrachteten einander deswegen mit forschenden Blicken.

Mörch ergriff zuerst das Wort.

»Du bist immer noch der alte!« lallte er mit einem mißgünstigen Ausdruck in seinen blöden Augen. »Dich ficht auch nichts an!«

»Nein, es geht mir sehr gut!« sagte der Zöllner. »Und wie geht es dir denn, Mörch?«

»Schlecht! Mit mir ist es bald aus!«

»Nun, nun! Ich finde, du siehst ganz munter aus!«

»Unsinn!«

Esau nahm einen Stuhl und setzte sich an das Bett.

»Es ist tüchtig warm hier bei dir«, sagte er und knöpfte den Überrock auf.

»Ja, mich friert immer!«

»Was sagt der Doktor denn, Mörch?«

»Nichts! Er versteht nichts! Er füllt mich nur mit all dem Jux voll!«

Knagsted hätte gern gefragt, weshalb der Freund nach ihm geschickt hatte. Aber er fand, daß er nicht so mit der Tür ins Haus fallen könne. Es würde schon kommen.

»Ein nettes Mädchen, die Pflegerin«, sagte er endlich. »Wo hast du die aufgegabelt?«

»Der Doktor hat sie mir aufgezwungen! Was soll ich mit ihr!«

»Nun, nun –«

Mörch, der bisher gerade auf dem Rücken gelegen und zur Decke emporgestarrt hatte, drehte den Kopf jetzt ein wenig herum, sah den Kontrolleur fest an und sagte:

»Ich habe mein Testament gemacht!«

»So?« lächelte Esau. »Also das hast du getan! Hast du mich denn auch bedacht?«

Der Konsul überhörte seinen Scherz. Er war ganz von seinen eigenen Gedanken in Anspruch genommen:

»Der Doktor sagte, wenn ich noch Bestimmungen zu treffen hätte, so sollte ich es tun!«

»Ja, das kann ja niemals schaden. Du kannst es ja wieder umstoßen, wenn du wieder gesund bist.«

»Ich werde nie wieder gesund, Zöllner, nie wieder –«

»Rede dir doch nicht solche Grillen ein, Mörch! Natürlich wirst du wieder gesund! Es gibt Leute, die viel elender gewesen sind als du, und die jetzt stolz auf ihren zwei Beinen einhermarschieren.«

Der Konsul lag da und bewegte den Kopf hin und her. Plötzlich sagte er:

»Ich fürchte mich, Knagsted, du weißt, daß ich mich fürchte –«

Esau legte seine behaarte Pfote auf die rote, geschwollene Hand des Freundes.

»Mein Gott, Mörch, warum willst du nur solche Grillen fangen!«

Mit einer ungeheuren Kraftanstrengung gelang es dem Kranken, sein Gesicht ganz nach dem Zöllner herumzudrehen:

»Wenn man tot ist, Knagsted,« fragte er dann, und seine Augen traten ihm vor Angst aus dem Kopf heraus, »was wird dann aus einem?«

»Das weiß kein Mensch –«

»Was glaubst du?«

Esau rückte unruhig auf dem Stuhle hin und her.

»Es kommt jetzt nicht darauf an, was ich glaube, Mörch, sondern was du glaubst«, sagte er dann.

Der Konsul schloß die Augen und atmete mühsam.

»Ich bin wohl – ein schlechter Mensch gewesen«, murmelte er.

»Bewahre, alter Freund! Man ist so, wie man ist.«

»Das hast du selber damals gesagt, als ich die alte Stine herausgeschmissen hatte.«

»Ja, ja, aber du warst damals ja krank.«

» Du sagtest, sie wäre auch krank.«

»Ja, ja, aber an jenem Tage war ich schlecht.«

Der Konsul zwinkerte mit den Augen.

»Ist die Tür geschlossen?« fragte er.

»Wie?«

»Ist die Tür dahinten geschlossen?«

»Ja–a!«

»Gehe hin und schließe sie ab. Ich möchte dir etwas sagen!«

Knagsted ging hin und drehte den Schlüssel herum.

»So, jetzt kann niemand hereinkommen!«

»Ich habe mein Testament gemacht,« begann der Konsul in flüsterndem Ton, »ich habe mein Testament gemacht – deswegen habe ich dich kommen lassen – denn du sollst es wissen – die andern sind mir alle gleichgültig. – Ich bin ja immer sparsam gewesen – und ich habe Geld verdient, – viel Geld – Aber jetzt habe ich ein Testament gemacht, – und all mein Geld habe ich unter die Armen verteilt – alles, alles – die alte Stine bekommt auch was – und das Kinderheim – und das Jungfrauenstift – und die Gesellenherberge – alle bekommen sie etwas, – alle –«

Abermals streichelte Knagsted die geschwollene Hand:

»Ja, ja, Mörch, das ist sehr hübsch von dir! – Aber es ist dir gewiß nicht gut, wenn du soviel sprichst!«

»Und an das Aussteuerlegat –« fuhr der Kranke fort – »und für zinsenfreie Anleihe für arme Häusler – und für eine neue Orgel – all mein Geld – alles, alles! – Glaubst du denn nicht, Knagsted – daß ich ganz ruhig sterben kann? – Glaubst du das nicht auch?«

»Ja, ja, Mörch, ich glaube es zuversichtlich! Du hast gut und schön gehandelt!«

»Ja, – denn wozu sollte ich das Geld auch wohl verwenden – wenn ich erst tot bin?«

»Nein, ganz recht, das ist sehr verständig!«

Der Konsul lag eine Weile da, ohne zu sprechen. Dann starrte er wieder zur Decke empor und seufzte tief auf:

»Wenn es nur etwas gäbe, was Fegefeuer hieße,« sagte er dann, »das wäre gut für viele Menschen –«

»Ja, aber es gibt ja so etwas, Mörch! Die Katholiken glauben es doch!«

»Die Katholiken, ja, aber das geht uns andere nichts an!«

»Nein, da hast du wohl recht!«

»Und gesündigt haben wir ja alle.«

»Das kannst du getrost sagen, Mörch; aber meine Ansicht ist nun einmal, daß der Mensch so handeln muß, wie er handelt!«

»Unsinn Knagsted! Wir beide, du wie auch ich, hätten viel besser sein können, wenn wir nur gewollt hätten.«

Esau schüttelte den Kopf: »Nein,« sagte er mit Überzeugung, »wir bewegen keinen kleinen Finger, ohne daß es nicht von Ewigkeit her bestimmt wäre.«

»Das ist ein schöner Unsinn!«

Knagsted senkte resigniert den Kopf:

»Ganz wie du willst –«

Draußen auf der Straße rasselten zwei Wagen aneinander vorüber. Das Haus erzitterte, und das Gesicht des Konsuls verzog sich schmerzlich.

»Willst du nicht Lohe streuen lassen, Mörch? Das dämpft doch den Lärm.«

»Nein, das will ich nicht!« entgegnete Mörch wütend. »Gerber Musmann ist immer so hochnäsig gewesen!«

»Du könntest die Lohe ja aber von Gerber Johansen nehmen!«

»Nein! Der hat mich einmal mit ein Paar Pferden angeschmiert. – Wenn ich keine Lohe haben will, brauche ich doch wohl keine zu nehmen!«

»Natürlich brauchst du es nicht, alter Freund!«

Pause.

Esau sah auf den Freund herab, der mit geschlossenen Augen und schlaff herunterhängenden Mundwinkeln dalag.

»Bist du nicht müde, Mörch? Soll ich nicht lieber gehen, damit du ein wenig schlafen kannst?«

»Ja,« lallte Mörch – »aber da war noch etwas, worüber ich mit dir sprechen wollte.«

»Ich will morgen wiederkommen, wenn du magst!«

»Ja!«

Der Zöllner erhob sich:

»Adieu, Mörch«, sagte er und streichelte ihm die Hand.

»Adieu, Knagsted! – Du bist mir also nicht mehr böse, weil ich mich mit Alvilda verheiratet habe –«

»Nein, nein! Schlage dir die Gedanken nur aus dem Sinn! Soll ich dem Fräulein sagen, daß sie jetzt wieder hereinkommen soll?«

»Ja –«

Esau stand schon an der Tür, als er vom Bett her ein leises, glucksendes Lachen zu vernehmen glaubte:

»Zöllner, – komm einmal hierher, Zöllner!«

Knagsted ging durch das Zimmer zurück.

»Was wolltest du?«

Der Mund des Konsuls hatte sich zu einem schiefen, boshaften Lächeln verzerrt, und seine Augen hatten ihren alten, lauernden Ausdruck angenommen:

»Die andern werden sich schön ärgern, Zöllner!«

»Welche andern?« fragte Knagsted, und er hatte ein Gefühl, als spräche der Konsul in Fieberphantasien.

»Die andern,« wiederholte der Kranke, »die andern – hi, hi, hi – die mich beerben wollten, – meine Familie –, die Kinder meines Bruders! – die werden sich schön ärgern, hi, hi, hi! wenn sie hören, daß ich ein Testament gemacht habe! – Aber sie haben mich ja niemals besucht – die Lumpen! – Bist du noch da, Zöllner?« fragte er plötzlich und starrte wirr und angsterfüllt in die Luft. »Bist du da? – Wo bist du? Geh nicht von mir!«

»Nein, nein,« sagte Esau, »ich bin ja noch hier.«

»Ich kann dich nicht sehen! Ich kann dich nicht sehen – –«

Der Konsul sprach hastig und stoßweise; und es war, als legte sich ihm eine Haut über die Augen:

»Du sollst ja auch etwas erben, Zöllner«, sagte er in jammerndem Ton. »Das wollte ich dir gern sagen, – du sollst auch etwas erben, – dann bleibst du doch wohl hier – warum gehst du von mir!« rief er plötzlich mit vollständig klarer Stimme. – »Ich versinke! Ich versinke! Halte mich fest, das Boot kippt um –«

»Fräulein Krankenpflegerin! Schnell! Kommen Sie!« rief Knagsted und hielt den Konsul fest, dessen einer lahmer Arm sich plötzlich krampfhaft in die Höhe hob, während sein Körper sich fast in einem Bogen aufwärts krümmte. »Fräulein, – schnell! schnell!« schrie Knagsted von neuem.

Aber die Tür war ja abgeschlossen. Und ehe Esau sie geöffnet hatte und das Fräulein an das Bett eilen konnte, war der Tod mit Konsul Mörch davongewandert.


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