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Die leibhaftige Bosheit

Gustav Johannes Wied: Die leibhaftige Bosheit - Kapitel 3
Quellenangabe
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typefiction
authorMathilde Mann
titleDie leibhaftige Bosheit
publisherDeutsche Buch-Gemeinschaft G. m. b. H.
year
firstpub
translatorMathilde Mann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080826
projectid47cdb47e
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Daß Manuel sich um dies Amt beworben, hatte seinen Grund einzig und allein in seinem monomanen Drang, Geld zusammenzuscharren, gleichviel auf welche Weise. Denn er litt im Herzen entsetzliche Qualen bei dem Anblick der seiner Ansicht nach unnatürlichen Verschwendung, die hier entfaltet wurde. Die ungeheuren Mengen von Eß- und Trinkwaren, die aufgetragen und verzehrt wurden, kränkten ihn in tiefster Seele.

Aber in noch höherem Grade nahm er Anstoß an den Überresten!

Wenn eine halbverzehrte Gans, ein so gut wie unberührter Lammbraten oder ein Rinderbraten, von dem nur eine ganz verschwindende Anzahl Scheiben abgeschnitten waren, wieder in die Küche hinausgetragen wurden, da weinte er blutige Tränen.

Daß Menschen aßen und tranken, so daß sie kurz davor waren, zu platzen, das war an und für sich schon gottlos und strafbar genug. Daß sie dann aber noch etwas übrig ließen, was sie doch mit ihrem teuren Geld bezahlt hatten. – – –

Das verdiente Zuchthaus!

Am Tage nach einer solchen Zusammenkunft lief das kleine Männchen daheim in der Stube hinter dem Laden seitwärts wie ein Taschenkrebs auf und nieder und schlenkerte mit dem langen Arm, so daß Madam Thomsen in dem Lehnstuhl zitterte und bebte und ganz bleich vor Angst wurde.

»Man kündigt die Stellung! Man kündigt die Stellung!« gestikulierte Thomsen. – »Sie ist nicht menschenwürdig!«

»Ja, kündige du nur, lieber Manuel!«

Aber Manuel kündigte nicht.

Denn die Stellung brachte ihm an jedem Zusammenkunftsabend fünf Kronen ein. Und außerdem das Essen und Trinken, was regelmäßig die schrecklichsten Magenbeschwerden für ihn zur Folge hatte. So kritiklos schaufelte er hinein.


Es war noch ein Viertel vor acht. Emanuel kam in seinem blauen Cheviotanzug, eine große, schimmerndweiße Küchenschürze um den Leib gebunden, mit einem Eiskühler, in dem der Lysholmer stand, aus dem Küchengang herein. Er trug den Kühler vorsichtig zwischen beiden Händen. Ungefähr, wie wenn er Mortensen trug.

Als er den Saal betrat, führte der Wirt gerade drei Handlungsreisende aus dem Café herein. Sie sollten die gedeckte Tafel sehen. Die Ausführung dieser Feste verlieh nämlich dem Hotel einen weithin strahlenden Glanz. Und Herr Hansen gewährte seinen Stammgästen gern einen Einblick in diese Herrlichkeiten, um den Appetit zu reizen.

Die drei Reisenden blieben sprachlos in der Tür stehen. Dies erschien ihnen wie ein Traum aus dem Reiche Gottes:

Mitten auf dem schneeweißen Gedeck der Tafel stand eine ungeheure Schüssel mit sechs großen, hochroten, strahlenden Hummern. Das Vorgericht. Ein Tier für jeden Bruder. Und um die Hummerschüssel als Mittelpunkt breitete sich dann nach beiden Seiten Schüssel neben Schüssel aus, gefüllt mit allerhand kalten Speisen, die aus Fischen, Säugetieren und Vögeln bereitet waren. Da waren Schollen, deren Dicke mehrere Zoll betrug, mit grünen Zitronen garniert. Da war eine Wildpastete mit Trüffeln. Ein Ochsenfilet. Ein Kalbsbraten. Ein Lamm, das kaum dem Mutterleibe entschlüpft war. Junge Enten, Gänse und Kapaunen. Und an jedem Ende der Tafel stand eine Pyramide aus Kibitzeiern, kunstfertig in feuchtem Sand aufgebaut. Schalen mit Sardinen, Sardellen, Frühstücksheringen, Kaviar, geräucherter Gänsebrust, Straßburger Gänseleberpastete, Lachs und Ochsenzunge bildeten zwischen den größeren Schüsseln zerstreut leckere Ruhepunkte für das Auge. Und da waren sieben Arten Kompotte, Radieschen aus dem Mistbeet, fünf Arten Käse und Butter von der feinsten Sorte.

Vor jedem Kuvert standen vier Gläser: Rotwein ( ad libitum), Rheinwein (zu den Fischen), Porter (zum Kaviar) und Madeira (zum Käse). – –

Die drei Handelsreisenden hatten die Hände gefaltet.

»Ja,« sagte der Wirt mit einer breiten Handbewegung, »so ißt man bei mir, meine Herren!«

Und mit einem feinen Lächeln fügte er hinzu:

»Wenn man dafür bezahlt!«

»Darf ich einmal den Wein sehen?« fragte einer der Fremden, ein korpulenter Herr mit rotem Gesicht.

»Dort!« sagte der Wirt und zeigte auf einen Tisch in der Ecke, wo die Flaschen in Bataillonen standen. »Das heißt, das ist natürlich nur der Rotwein.« fügte er hinzu, »der die Temperatur haben soll. Das übrige befindet sich im Eisschrank. Heute abend servieren wir ja für Kenner!«

Herr Hansen war ein verkrachter Hauptstadtrestaurateur. Aber mit »Pli«, wie er sich selber auszudrücken pflegte.

Draußen im Café schlug die Uhr acht.

»Jetzt kommen sie!« sagte Thomsen, der schweigend und verbittert neben dem Anrichtetisch gestanden hatte.

»Ja, jetzt kommen sie«, wiederholte Restaurateur Hansen. – »Meine Herren, diesen Weg, wenn ich bitten darf.« – Er verneigte sich und machte mit der Hand eine Bewegung auf die Tür zu.

»Entschuldigen Sie, meine Herrschaften –«

Und die drei Reisenden zogen sich zögernd und widerstrebend zurück.

Präzise zehn Minuten nach acht Uhr waren die Brüder versammelt. Als der letzte die Schwelle überschritt, eilte Emanuel herzu und drehte den Schlüssel hinter ihm um.

Man war in Gesellschaftstoilette, festlich: Diplomatenrock, graue Beinkleider, reines Manschettenhemd und schwarzer Schlips.

»Die Versammlung ist vollzählig«, meldete der Vorsitzende mit seinem tiefen Baß. – »Die Zusammenkunft beginnt!«

Ernst, wie zu einem kirchlichen Fest, stellte man sich in einem Halbkreis vor den Anrichtetisch, wo die Schnapsgläser in sechs Reihen, sternförmig von dem Weinkühler auf der Mitte des Tisches ausgehend, standen. Drei Gläser in jeder Reihe. Spitze, schlanke Gläser auf einem hohen, spiralförmig gedrehten Fuß.

Thomsen schenkte vorsichtig den eiskalten Lysholmer in die achtzehn Pokale. Die Flüssigkeit mußte gerade bis an den Rand des Glases gehen, und es handelte sich darum, nichts zu verschütten, wenn man es zu Munde führte.

»Der König!« sagte der Redakteur.

Die sechs äußersten Gläser wurden in die Höhe gehoben, geleert und mit einem lauten Knall wieder auf den Tisch gestellt. Alles wie auf Kommando.

»Die Frauen!«

Die nächste Reihe folgte.

»Die Freiheit!«

Die innerste Reihe wurde geleert. Die Einleitungszeremonie war beendet. Und die eigentlichen Verhandlungen nahmen ihren Anfang.

Man setzte sich.

Am oberen Ende thronte der Vorsitzende, Redakteur Heilbunth. Groß und mächtig lag er in seinem Stuhl, Ehrfurcht einflößend, imposant, ein Wunderwerk aus Fleisch. Drei Doppelkinne hingen ihm über das weiße Hemd herab, und sein rotes, blankes Gesicht leuchtete unter dem krausen, weißen Haar wie ein Vollmond unter einer Schneewolke hervor.

Zu seiner Rechten saß der stellvertretende Vorsitzende, der pensionierte Oberlehrer Clausen. Ein magerer Mann, aber ein starkknochiger Mann, der es dank seiner Länge und seines Knochenbaus mit Leichtigkeit auf die vorgeschriebenen Pfunde brachte.

Nach ihm kam der Fabrikant Rössel, dessen mächtiger Vollbart gleich einem graublonden Pelzkragen über seine Rockaufschläge herabfloß. Er war Inhaber der Essigfabrik des Städtchens, und sein Schädel war kahl wie ein Kürbis.

Am unteren Ende des Tisches saß Rentier Eriksen, klein, kurzbeinig und mit einem unförmlichen Bauch, der, wie man sich erzählte, von einer komplizierten Maschinerie zusammengehalten wurde, von einem an stählernen Hosenträgern befestigten Ringpanzer. Diese Eigentümlichkeit hatte ihm unter den Brüdern den Namen Luxusbauch verschafft.

Dann folgte der Stadtkassierer Lassen. Und an der linken Seite des Vorsitzenden Zollkontrolleur Knagsted. Lassen war groß und gut gewachsen mit einer königlichen Nase und wasserblauen, ein wenig vorstehenden Augen. Knagsted war kleiner, kurzhalsig und breit in den Schultern, gleichsam verdichtet. Sein graumeliertes Kopfhaar war kurz und struppig. Der rotbraune, buschige Vollbart wuchs ihm fast bis unter die Augen. Und aus seinen Nasenlöchern und Ohren guckten dicke Haarbüschel hervor. Die Augenbrauen waren mächtig und nach oben geschweift. Und seine Hände waren bis auf die Finger hinab behaart. Diese ganze Haarfülle verlieh ihm ein hartes und unzugängliches Aussehen. Und im geheimen nannten ihn die Brüder: Esau. –

So sah die Versammlung der »Freßsäcke« aus.

Als alle sicher zu Platz gekommen waren, erhob bei Vorsitzende, Herr Heilbunth, seine gewaltige Hand, deren Finger aussahen wie Cervelatwürste. Und Emanuel stellte geschickt eine Flasche Rotwein vor jedes Kuvert.

Die Gläser wurden gefüllt.

»Die Verstorbenen!« sagte der Vorsitzende.

Die Pokale wurden geleert.

Und der Hummer wurde herumgereicht.

Es war eine wahre Augenlust, die Gründlichkeit und den Ernst zu beobachten, mit dem diese ehrwürdigen Greise zu Werke gingen. Es war, als dienten sie einer Gottheit. Andachtsvoll wurde der Essig auf die Opfertiere gegossen. Der Pfeffer schwebte herab wie Weihrauch. Und schweigend verzehrte man geröstetes Brot mit Butter dazu.

So haben gewiß die ägyptischen Tempelpriester verzehrt, was das gläubige Volk von den Erstlingserzeugnissen des Landes für Isis und Osiris auftrug.

Nach und nach aber wurde das Schweigen gebrochen. Glas auf Glas glitt hinunter. Und die alten Augen fingen an zu leuchten, während die dicken Finger die gefüllten Flaschen umklammerten.

»Die Tauben!« brummte der Luxusbauch. »Reichen Sie mir die Tauben!«

»Lamm! Lamm!« rief Esau. Er glich einem Menschenfresser in Funktion. Und alle seine Haarbüschel bewegten sich.

Fabrikant Rössel und Oberlehrer Clausen griffen jeder nach einer Scholle. Und Redakteur Heilbunth aß blutigen Rinderbraten.

Stadtsekretär Lassen aber, der ein Leckermaul war, hielt sich an die kleinen Schalen.

Thomsen lief wie ein Taschenkrebs seitwärts und geschäftig rund um den Tisch herum und setzte mit einem langen Arm neue Flaschen hin.

Der Humor war im Steigen, und die Stimmen wurden laut. Man trank sich zu, puffte sich mit den Ellenbogen in die Seite und fing an, einander mit längst verjährten Jugendtorheiten zu necken.

»Du Lassen,« rief Fabrikant Rössel dem Stadtsekretär quer über den Tisch zu, »kannst du dich wohl noch der französischen Marie mit der Hasenscharte erinnern?«

Lassen bekam den Kaviar und den Porter in den verkehrten Hals, so daß Zollkontrolleur Knagsted ihn klopfen mußte.

»Ho, ho!« grunzte der Redakteur, der Schweiß perlte ihm unter dem weißen Haar von der Stirn. »Das war bei Markussen in der Pileallee!«

Es war hier im Städtchen von jeher Sitte gewesen, in die Hauptstadt zu reisen, wenn man über die Stränge schlagen wollte. Und an dieser Sitte hielt man auch jetzt noch fest.

»Ja,« sagte Lassen, der sich wieder besonnen hatte, »das war Anno zweiundsechzig, mein Junge!« Und er schnalzte mit der Zunge in Erinnerung der schönen Zeiten.

»Ja, und da bekamst du deine lange Nase, Stadtsekretär!« sagte Rössel.

»Ho, ho!« grunzte der Redakteur von neuem. Er war nämlich mit dem Mädchen durchgebrannt. – »Ja, das waren noch Zeiten!« sagte er. »Da war man noch elastisch!«

»Wir sind, hol' mich der Teufel, noch ganz tüchtige Kerle«, meinte der Luxusbauch.

»Weiß Gott, das sind wir, Eriksen!« nickte der Redakteur. »Prost, du alter Kuponschneider!«

»Prost – du Rhinozeros! Du stinkst!«

»Was tue ich?«

»Ich sage: Du stinkst! Geradeso wie deine Zeitung. Die Druckerschwärze, die du brauchst, taugt nichts!«

»Gib ihm eine Maulschelle in meinem Namen, diesem Fettwanst!« Aber sein Gesicht wurde doch noch einen Schatten röter. Die Druckerschwärze war sein wunder Punkt.

Und dann schlug Oberlehrer Clausen an sein Glas. Er war der Redner des Vereins.

»Brüder!« begann er. »Das Leben ist ein Jammertal.« – –

»Unsinn!« brummte der Stadtsekretär Lassen.

»Halt's Maul, du Kamel!« sagte der Oberlehrer.

»Ein Jammertal!« wiederholte er ostentativ. »Aber wir haben einen Winkel gefunden, wohin der Jammer nicht zu dringen vermag!«

»Hört! hört!«

»Und wer ist es, der uns einmal über das andere wieder in diesen herrlichen Winkel hineinzieht? Das ist unser stolzer wohlproportionierter Vorsitzender!« (Hier legte Heilbunth leise Messer und Gabel nieder.) »Er ist die treibende Kraft unserer Brüderschaft!«

»Seine Druckerschwärze stinkt!« murmelte Eriksen. »– – Und obwohl man mit Fug und Recht von ihm sagen kann, daß er tagaus, tagein in drückenden Verhältnissen sitzt – –«

»Das war brillant, Clausen! Ganz brillant!«

Der Oberlehrer lächelte selbstbewußt.

– – – »in drückenden Umständen, so denkt er doch, so wie der selige Horaz, immer nur daran, zu nützen und zu erfreuen! Habe ich nicht recht?«

»Ja, aber seine Schwärze stinkt – –«

»Halt jetzt den Mund. Eriksen, und laß den Unsinn! – – Was würde ohne ihn wohl aus uns werden, ohne ihn, diesen Ritter sans peur et sans reproche, frage ich euch? Wenn wir kurz daran sind, zu vergehen vor Langeweile und Ehegattin –«

»Bravo! Bravo!«

Der Oberlehrer lächelte von neuem. – – »vor Langeweile und Ehegattin, da entsendet er seinen Knappen, Herrn Thomsen, damit dieser an unsere Türen pocht –«

»Seine Schwärze stinkt – –«

»Und wir umgürten uns mit unserem festlichen Gewande und folgen freudig seinem Ruf! – – Ach, Knagsted, kannst du nicht aufhören, fortwährend mit dem Messer auf den Tisch zu klopfen?«

Der Zöllner hatte dagesessen und unaufhörlich den Takt zu des Oberlehrers Rede gehämmert, drei lange Schläge und zwei kurze: dum, dum, dum – dumdum! dum, dum, dum – dumdum! Jetzt hielt er inne; aber seine Haarbüschel standen zu Berge.

Ein wenig matt fuhr Clausen fort:

»Meine Absicht war, wie ihr es wohl alle längst erraten habt – –«

»Seine Schwärze stinkt – –«

»Nein, es ist ja ganz unmöglich, dabei eine Rede zu halten!«

»Jetzt sollst du aber wirklich, hol' mich der Teufel, das Maul halten, Eriksen!« sagte der Stadtkassierer und schlug seinen Nachbar an den Kopf.

Der Luxusbauch lachte, so daß er sich schüttelte. Er war ein wenig bezecht.

Und abermals legte der Oberlehrer los.

»Meine Absicht war, Sie alle zu bitten, mit mir ein Glas auf unseren ausgezeichneten Vorsitzenden zu leeren!«

»Seine Schwärze stinkt!«

Schnell legte der Stadtkassierer seine Hand auf Eriksens Mund.

Clausen erhob seine Stimme:

»Allerdings ist er nicht so ganz ohne, aber er ist doch keineswegs gewogen und zu leicht befunden –«

»Hi, hi, hi! Brillant!« »Unser klassischer Vorsitzender, Herr Redakteur Heilbunth, lebe hoch!«

Man rief ein neunfaches Hurra, und die Gläser wurden bis auf den Grund geleert.

Jetzt wurde die Lustigkeit zügellos.

»Wein her, Thomsen! Wein her!« schrie man.

»Wer will einen Käseknochen mit Fleisch daran haben?«

»Ach was, scher' dich zum Teufel!«

»Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm –«

»Einen kleinen Lysholmer, alter Junge!«

»Pfui Teufel, der ist ja ganz warm geworden!«

»Dänemark soll leben! Prost, ihr Brüder!«

»Prost! Prost! Prost!«

Man rief und schrie durcheinander. Man lachte und sang und war sentimental, klopfte sich gegenseitig auf die Schulter und umarmte einander. Die alten Augen leuchteten in hellster Freude, und aller Gesichter strahlten. Der Oberlehrer wollte noch eine Rede halten, aber niemand wollte zuhören. Stadtkassierer Lassen versuchte eine Porterflasche auf seiner Nase balancieren zu lassen. Und Rentier Eriksen saß da und kämmte Fabrikant Rössels Bart mit einer Hummerschere.

Man konnte vor Lachen, Schreien und Rufen sein eigenes Wort nicht verstehen.

»Meine Herren, meine Herren!« brüllte Redakteur Heilbunth, der fett und selig wie ein Falstaff in seinem Präsidentenstuhl lag. »Meine Herren, meine Herren, dies geht über Kreid- und Rotspon!«

Im selben Augenblick ergriff Zollkontrolleur Knagsted den roten, kugelrunden Edamer mit seinen behaarten Esauhänden und rollte ihn mit Aufbietung seiner ganzen Kraft über den Fußboden und mitten in alle die leeren Flaschen hinein.

Es war, als sollte der Saal zusammenstürzen!

Und unten in der entferntesten Ecke an der Tür nach dem Küchengang stand Manuel und sah zu, empört, indigniert, entrüstet, entsetzt – ungefähr wie eine Altarkerze inmitten eines Hexensabbats.


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