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Die leibhaftige Bosheit

Gustav Johannes Wied: Die leibhaftige Bosheit - Kapitel 13
Quellenangabe
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typefiction
authorMathilde Mann
titleDie leibhaftige Bosheit
publisherDeutsche Buch-Gemeinschaft G. m. b. H.
year
firstpub
translatorMathilde Mann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080826
projectid47cdb47e
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Man hatte Erde auf den Sarg geworfen und den letzten Gesang gesungen.

Die Erben warfen einen wehmütigen Blick auf die teure Kiste hinab und wanderten heim, um ohne Zeugen zu trauern und um Mamsell Svendsen ihren Abschied zu geben.

Das Gefolge zerstreute sich. Und in dem Garten der Toten wurde es stille.

Nur eine pietätlose Krähe sandte aus dem Wipfel einer der hohen Pappeln vor dem Gitter des Einfahrtstores ihr heiseres Gekrächze über das Grab hin.


Die »Freßsäcke« durchschritten die Stadt in einer Gruppe. Alle trugen sie florumhüllte, hohe Hüte; und Nachdenklichkeit lag auf allen Gesichtern.

»Ja,« sagte Redakteur Heilbunth, »jetzt hat er Frieden!«

»Es war viel Gutes an Eriksen«, sagte Oberlehrer Clausen.

»Freilich war viel Gutes an ihm!« sagte Stadtkassierer Lassen. »Seine Fehler hatte er natürlich auch.«

»Wer hat die nicht!« sagte Fabrikant Rössel.

Nur Zollverwalter Knagsted sagte nichts.

Auf der Dybensbrücke blieb man stehen und starrte in das rinnende Wasser.

»Wieviel er wohl hinterlassen hat?« fragte der Stadtkassierer.

»Ach, so sechzig- bis siebzigtausend Kronen«, sagte der Redakteur.

»Ja, ziemlich genau war er«, sagte der Fabrikant. »Ich weiß noch, als die Kirche restauriert werden sollte, war es nicht möglich, mehr als fünfzehn Kronen von ihm loszueisen.«

» De mortius nil nisi bene!« sagte der Oberlehrer sanft.

Der Zollkontrolleur aber sagte noch immer nichts.

Dann gelangte man durch die Südstraße auf den Marktplatz, wo man sich verabschiedete.

»Ja dann wird in diesem Jahre wohl nichts aus der Waldpartie?« fragte der Stadtkassierer Lassen.

Alle sahen den Vorsitzenden erwartungsvoll an.

»Ja–a«, sagte er. »Weshalb? Ich finde doch nicht, daß –«

»Ja–a«, sagte Rössel.

»Nein!« sagte der Oberlehrer. »Weshalb nicht? Wenn wir ein wenig damit warten, so –«

»..Drei, vier Wochen, wie?« meinte der Stadtkassierer.

»Ja, wenn er erst genügend verwest ist!« entfuhr es plötzlich Knagstedts Munde.

Die »Brüder« zuckten zusammen, und der Oberlehrer wandte sich rasch nach dem Zöllner um.

»Du solltest dich schämen!« sagte er. Knagsteds Gesicht nahm einen einfältigen Ausdruck an.

»Ja, ich meine nur,« versuchte er, »bei diesem feuchten Wetter –«

»Sie meinen, Sie meinen –« brauste der Redakteur auf. »Wir wissen sehr wohl, was Sie meinen!«

Und der Stadtkassierer fügte hinzu:

»Du wirst wirklich bald zu amüsant!«

Und Fabrikant Rössel sagte:

»Es gibt aber doch Grenzen, Knagstedt!«

Und dann trennte man sich mit einem kurzen »Adieu«.


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