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Die Leartragödie Ernst Haeckels

Adolf Heilborn: Die Leartragödie Ernst Haeckels - Kapitel 4
Quellenangabe
authorAdolf Heilborn
titleDie Leartragödie Ernst Haeckels
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correctorJosef Muehlgassner
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Nachträge

Zu Seite 26. Zu besserem Verständnis des besonderen Verhältnisses von Haeckel zur Ritterstiftung seien hier ein paar Sätze aus einem Gedächtnisaufsatz des Hallenser Paläontologen Prof. Dr. Johannes Walther (»Die Naturwissenschaften«, 50, 1919) wiedergegeben.

»Eine der merkwürdigsten Gestalten, die in Haeckels Leben eine nachhaltige Rolle spielten,« heißt es da, »war ein in Basel lebender Russe, Paul v. Ritter. Aus hygienischer Ängstlichkeit empfing er seine Besucher in weißen Handschuhen. Mit seinen reichen Mitteln unterstützte er die verschiedenartigsten Bestrebungen und war besonders stolz auf die von ihm herrührende Konstruktion des italienischen Militärstiefels. Nach der Münchener Naturforscher-Versammlung (1877), wo Haeckel dem müde resignierenden ›Ignorabimus‹ der alten Biologenschule sein tatenfrisches ›Impavidi progrediamur‹, entgegengerufen hatte, trat v. Ritter an ihn mit dem Plan heran, eine größere Summe für entwicklungsgeschichtliche Ziele zu stiften. Haeckel verstand es, daraus eine ›Paul-von-Ritter-Stiftung‹ für die Universität Jena zu gestalten, aus der zunächst eine Ritterprofessur für Zoologie, dann eine Haeckelprofessur für Geologie gegründet, der Ausbau des zoologischen Instituts durchgeführt und eine Reihe von Reisestipendien ermöglicht -wurden. Wenn Paul v. Ritter nach Jena kam, wurde es Haeckel recht schwer, den seltsamen Mäzen, dem er doch soviel verdankte, und der noch große Pläne zu unterstützen bereit war, in seiner selbstgefälligen Eigenart zu ertragen. Zwei ebenso glänzend ausgestattete, wie absonderlich komponierte Schriften blieben glücklicherweise nur im engsten Kreise verbreitet. Endlich wagte ein Kollege das offene Wort, dessen tragische Folgen von andern schon vorausgesehen waren; Ritter zog sich zurück ...«

Zu Seite 32. In dem Klagesatz gegen mich heißt es u. a: Plate habe sich »in der Bücherangelegenheit durchaus korrekt benommen. Umgekehrt mußte Haeckel das Gefühl schwerer Schuld haben, und es mag gern zutreffen, daß ihm dieses Gefühl seinen Lebensabend verbittert hat. Der Beschuldigte kann aber hieraus nicht den Schluß ziehen, daß Plate Haeckel ein zehnjähriges Martyrium bereitet habe, sondern dieses war, wenn es überhaupt bestand, einfach die Folge der Haeckelschen Handlungsweise, welche in der Geschichte der deutschen Universitäten ohne Beispiel dastehen dürfte« ... »Haeckel hat den ganzen Streit durch seinen Wortbruch hervorgerufen« ... Weiter heißt es: »Es fehlten die Bände von ›Brehms Tierleben‹, wurden aber zufällig später in einer Jenaer Kneipe entdeckt und dem Institut zurückgegeben.« Der Leser wird gewiß gleich mir annehmen, Haeckel, der übrigens nie ein Gasthaus besuchte, habe diese Bücher für eine Kneipschuld oder weiß Gott was sonst in besagter Kneipe »versetzt«. Und noch eine für die aus dem Klagesatz sprechende Gesinnung recht bezeichnende Stelle will ich hierhin setzen: »Es macht doch einen peinlichen Eindruck, daß Haeckel 2770 Mark 45 Pf. Institutsmittel dazu gebraucht hat, um seine eigenen Bücher oder Bücher, die ihn lobten, aufzukaufen und dann massenweise zu verbreiten. Eine solche Selbstreklame größten Stils hat wohl noch nie ein deutscher Universitätsprofessor getrieben. Jeder Schriftsteller freut sich, wenn seine Bücher gut abgesetzt werden und eine neue Auflage nötig wird, aber um dieses Ziel zu erreichen, darf ein Institutsdirektor nicht die Mittel seines Instituts verwenden.«

Verworn schrieb mir neulich bezüglich Plates Umschau-Aufsatz: »Ich halte es für eine Ehrenpflicht, alles zu tun, was imstande ist, jede Verunglimpfung des nach meiner Überzeugung unantastbaren Charakters meines alten lieben und hochverehrten Lehrers und Freundes Ernst Haeckel zu unterdrücken. Die Art und Weise, wie Herr Plate das Andenken Haeckels ehrt, macht mich speiübel.«

Wem wird das nicht, wenn er Sätze, wie die eben mitgeteilten, liest!?

»Was Ernst Haeckel mit dem Verschenken von Büchern bezweckt und erreicht hat,« schreibt Heinrich Schmidt in den »Monistischen Monatsheften«. (Mai 1920), »hat kürzlich der dazu Berufenste, der Kurator der Universität Jena, Geh. Staatsrat Dr. Vollert, selbst ausdrücklich und zweifellos mit einem Seitenblick auf die Plateschen Angriffe festgestellt: ›Aus einer im Nachlaß Haeckels vorgefundenen Zusammenstellung aus dem Jahre 1909 ergibt sich, daß durch ihn der Universität während seiner 48 Dienstjahre annähernd anderthalb Millionen (in heutiger Valuta also 15-20 Millionen) zugeführt worden sind, eine Summe, die sich bis zu seinem Tode sicherlich noch wesentlich erhöht hat ... Und großzügig, wie er bat, so gab er auch.‹ Eine Universitätskonferenz der Erhalterstaaten der Thüringer Universität wies im Sommer 1909 die Vorwürfe, die Plate gegen Haeckel erhoben hatte, scharf zurück ... Es ist nun einmal eine durch die gegebenen Größenverhältnisse bedingte Tatsache, daß ein Ernst Haeckel sich erlauben durfte, was z. B. ein Ludwig Plate sich nicht erlauben dürfte. Herr Prof. Plate sollte sich endlich mit dieser Tatsache abfinden.«

 

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