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Die kollektive Frau

Käthe Schirmacher: Die kollektive Frau - Kapitel 2
Quellenangabe
authorKäthe Schirmacher
titleDie kollektive Frau
publishern.n.
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170712
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Vorbemerkung der Schriftleitung:

Es gehört zu den besonderen Aufgaben unserer Zeitschrift, die artfremden Wege in der christlich-deutschen Sittengeschichte aufzuzeigen, zumal auch in betont völkischen, ja nordischen Kreisen überall bzgl. der uns artgemäßen Sittlichkeit stärkste Verwirrung herrscht, die politische Führer schließlich zu dem Fehlgriff verführt, Eheverächter als neudeutsche Kulturwarte zu präsentieren. Um so lieber veröffentlichen wir, selbstverständlich unter dem Vorbehalt eigener, im Einzelnen abweichender Meinung, die noch ungedruckte Schrift der jüngst verstorbenen Frau Dr. Käthe Schirmacher, die als große, klare völkische Persönlichkeit, als Kämpfer für nationale und menschliche Freiheit, unser Mitkämpfer bleibt.

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Es tut not, die nachstehenden Tatsachen einmal in möglichst wenig Worten zusammen zu stellen. Ich nehme das Ergebnis vorweg. Die Einehe ist erschüttert, sie wird von den Kräften, Schichten, Strömungen und Einzelpersonen, die den Weltkrieg vorbereiteten und dann den Weltfrieden verhinderten, planmäßig zersetzt, bekämpft und vernichtet. Wir stehen an einer Weltwende: das Eheideal der weißen, arischen, der ursprünglich nordischen, der abendländischen Völker Europas wird bewußt zerschlagen. Die lebenslängliche Einehe erscheint überlebt, rückständig, unmodern, unnatürlich. Das neue Ideal ist die Zeitehe, vorübergehende, gleichzeitige Verhältnisse, vorübergehende aufeinanderfolgende Verhältnisse. Wir sind bereits mitten in der praktischen Entwicklung, im Abbruch der lebenslänglichen Einehe, der aus ihr ruhenden Familie, der sie tragenden monogamen Gatten; wir steuern auf die kollektive (polygame) Frau zu, welcher der kollektive (polygame) Mann schon unter der Herrschaft des monogamen Ideals die Bahn gebrochen hat. Denn aus die Dauer ist lebenslängliche Einehe nur zu erhalten, wenn sie von der Mehrzahl beider Geschlechter praktisch durchgeführt wird. Die lebenslängliche Einehe beruht auf der Beherrschung des Triebs, des Geschlechtstriebs.

Ihr Gegensatz ist die kommunistisch-anarchische »Moral«, die das Triebleben entfesselt, es ganz frühzeitig und bewußt bereits im achtjährigen Kinde weckt, reizt und geschlechtliche Preisgabe bei Mädchen und Knaben, bei Männern und Frauen als selbstverständliche Betätigung vorschriftsmäßiger, proletarischer Parteigesinnung fordert. Diese Entwicklung wird bei uns vorbereitet, sie soll bei der nächsten großen Erschütterung Deutschlands zum Durchbruch kommen.

In Sowjetrußland, wo die bisherigen arisch-christlichen Ideale vom Bolschewismus dämonisch zerstampft sind, gibt es bereits den kollektiven Mann, die kollektive Frau, das kollektive Kind, Zustände von bestialischer Scheußlichkeit (die jedoch außerhalb Sowjetrußlands kaum Mitleid und Furcht erwecken). Einer der besten Redner unter den russischen Emigranten Deutschlands, Professor Iljin, bezeichnte kürzlich den russischen Umsturz als »eine kolossale Enteignung, deren Zweck es sei, die Weltenteignung herbeizuführen.« In jedem Staat, führte er aus, könne die angestrebte Enteignung sich auf verschiedene Art durchsetzen, blutig oder unblutig, auf demagogischem, cäsarischem oder mehr finanztechnischem Wege. Ihr Ziel jedoch sei stets, den Besitz in die Hände der z. Zt. Besitzlosen zu bringen. Zu dem Zweck müssen die bis 1914 herrschenden Ideale, Maßstäbe, Grundlagen und Normen auf allen Lebensgebieten entwurzelt, zerstört werden. Dies zu besorgen, ist Sache des Marxismus, Kommunismus, Bolschewismus. In Sowjetrußland ist die Arbeit getan, in allen anderen Ländern ist sie im Gange und gedeiht durch »die zwingende Macht des Kommunismus«, der alle selbstischen Triebe entfesselt, alle Genüsse und Freiheiten verspricht, um dann die Gewaltherrschaft von 500 000 schlemmenden Kommunisten und verbrecherischen Untermenschen über ein geknebeltes und verhungertes Hundertmillionenvolk, ein Volk von vertierten kollektiven Männern und Frauen, Knaben und Mädchen, auszuüben.

Maxim Gorki, der soeben in Sowjetrußland war, diese unbehaglichen Gefilde aber wieder mit dem gastlichen Capri vertauschte, gab in der »Prawda« eine Schilderung des Sowjetparadieses: 75 Prozent der Bevölkerung geschlechtskrank, jeder Kommunist hat 10 Frauen, mit 8 Jahren beginnen Kinder das Geschlechtsleben. Die literarischen Begabungen sind verschwunden, zu Wort kommen allein Juden, da sie die Schriftleiter. Hauptvorwurf gegen das Sowjetsystem ist, daß es »den Bürger mechanisiere«. Hierzu bemerkt die russische Emigrantenzeitung Vosroschdenie: die mechanisierten Bürger Gorki's sind russische Leute, die die Sowjetgewalt über sich ergehen lassen mußten, die schlechterdings gezwungen waren, dieser Staatsform zu dienen, ihre Presseerzeugnisse zu lesen, mit Mördern und Räubern zu verkehren, die Verderber ihrer Frauen und Kinder zu ertragen. Diese russischen Leute (es ist ein wehrloses Volk von rund 120 Millionen) leben nun 10 Jahre scharf bewacht von der Tscheka, die ihnen jede Verbindung nach außen hin luftdicht absperrt.«

Der Ehekommunismus ist also in vollem Gange, jeder Kommunist hat 10 Frauen, die er wechselt, oder die ihn wechseln, es verhindert auch nichts, daß Kommunistinnen sich mit 10 Männern »ausleben«. Die »kollektive Frau« ist in Sowjetrußland verwirklicht, und zwar in beiden Formen: der freiwilligen und der zwangsmäßigen. In Sowjetrußland stehen Reinheit, Unberührtheit und Keuschheit in Widerspruch zu den Grundlagen des Staats und der Gesellschaft; diese sittlichen Ideale sind »gegenrevolutionär«, staatsfeindlich, müssen verfolgt, bestraft, ausgerottet werden. Mit ihnen ist die Familie zerstört, und die staatliche Erziehungsanstalt, das »Kinderhaus« ersetzt sie. Hier ist eine Schilderung solcher Anstalt: die Räume unsauber, eine feuchte Höhle, darin hunderte von Kindern zwischen 8 und 16 Jahren, Schatten, in Stoffe gewickelt, die einst Decken waren, es fehlt an Wäsche, Bettzeug, die Kinder sind schmutzig, verlaust, die meisten waschen sich überhaupt nicht. Die Hälfte schläft in ihren Lumpen auf dem kalten, nassen Fußboden. Alle Kinder rauchen, es fehlt jede Aufsicht, Trunksucht herrscht, Glücksspiel, geschlechtliche Ausschweifung; die Küche liegt einen Kilometer entfernt, die kleineren Kinder wagen sich nicht in die Kälte und hungern, das Eßgerät fehlt, man holt Essen in Mütze oder Hut und ißt mit den Fingern. –

Das wurde aus der Familie. Es stimmt: » Kinder und Frauen sind die ersten Opfer des Bolschewismus«. Diese Zivilisations- und Kulturzerstörung ist das Werk Geisteskranker (Untermenschen). Professor Woskresenski, der die seelischen Erkrankungen in der Kommunistenpartei studiert hat, gibt an, daß 70 Prozent aller kommunistischen Führer »in verschiedenem Grade geistig anormal sind«, daß 40 Prozent der Parteimitglieder es auch sind, und besonders die Tscheka viele Geisteskranke zählt. Wie gesagt – dieses erschütternde russische Trauerspiel regt niemanden sonderlich auf, nicht die Humanitätswächter des Völkerbundes, nicht die Völker Europas, in deren Häusern der Bolschewismus schon die Minen legt.

Moskau und seine Parteigänger in Deutschland arbeiten planvoll daran, uns das gleiche, entsetzliche Elend zu bereiten. Wir wissen nun, was uns bevorsteht. Können wir's abwenden und wie? –

Die Dinge liegen äußerst verwickelt und sind in ihrem widersprechenden Durcheinander erst von ganz wenigen erkannt, deren Sehweise die Unvorbereiteten überrascht, befremdet und zum Widerspruch – nicht zur Mitarbeit – treibt. Deshalb muß die Sachlage einmal geklärt werden.

Die lebenslängliche Einehe beruht in Deutschland auf zwei Wurzeln, einer germanischen und einer christlichen. Schon die vorchristlichen Germanen lebten, nach Recht, Gesetz und Sitte in lebenslänglicher Einehe. Diese Eheform war in Rasse (Arier), Volk (Germanen), Stamm begründet, sie entsprach dem Blut, der physiologisch-biologischen Eigenart der Norden, und zwar beider Geschlechter. Die Germanin war in der Ehe nicht untergeordnet; sie war Trägerin der Sippenehre (auf ihr lag die Pflicht der Blutrache); sie war wehrhaft (den Dolch trug sie im Gürtel, im Felde hat sie geführt, ist sie gefallen; wurde eine wehrhafte Germanin in Privatfehde erschlagen, so stand darauf nur das einfache Wehrgeld, wie für einen Mann, während Gewalttat an einer wehr losen Frau mit doppeltem Wehrgeld bestraft wurde, vgl. die lex Bajuvariorum). Die vorchristliche Germanin war Persönlichkeit, von großem Einfluß in Familie, Haus, Sippe, Stamm, Politik und Gesellschaft. Diese Vergangenheit ist z. Zt. für die Allgemeinheit in Deutschland so gut wie verschüttet. Ihrer Neubelebung widmet sich eine Gruppe jüngerer Germanisten, die Herausgeber z. B. der Sammlung Thule (Diederichs, Jena). Besonders genannt sei die auf den Islandsagas fußende Doktorarbeit Dr. Bernhard Kummers: Midgards Untergang. (Veröffentlichungen des religionswissenschaftl. Forschungsinstituts der Univ. Leipzig, verlegt bei Ed. Pfeiffer, Leipzig 43.)

Dieses Schrifttum schildert die hohe Stellung und Wertung der vorchristlichen Germanin auf Island. Dr. Kummer betont, daß die Einführung des Christentums dort eine höchstwertige Gesellschaftsordnung, die dem Volkstum entsprach, zerstörte und sie durch eine andere fremdvölkische, ungermanische, artfremde ersetzte. Das Christentum zerbrach dort die Einheit des Germanentums, erschütterte die germanischen Grundbegriffe von Gut und Böse, machte den Germanen anfangs moralisch unsicher; so erklären sich die Greuel neubekehrter Germanenstämme (Franken, Langobarden u. a.); als Christen benahmen sie sich oft »heidnischer«, als sie es sich in ihrer vorchristlichen Zeit je hätten gestatten dürfen. – Mit diesen Gedankengängen wird die Allgemeinheit sich zu beschäftigen haben.

Es war unvermeidlich, daß das Christentum hohe germanische Werte zerstörte. Rein äußerlich – nicht alle christlichen Bekehrer waren echte Jünger Christi, und die ersten Bekehrten waren oft »schwarze Schafe« der Germanensippe, Gebannte, Geächtete, die neuen Anschluß, ja Vergeltung und Rache suchten. Vom rassischen Standpunkt aus – war das Christentum eine überwiegend fremdartige, ungermanische Gedankenwelt. Alle morgenländischen (orientalischen) Elemente des Christentums waren dem Germanen artfremd. Den Sachsen, als dem germanischen Kernvolk, hat man den artfremden Glauben auf zwingen müssen, und das Germanentum ist bis heute innerhalb der katholischen Kirche und in seinen protestantischen Kirchen der Träger fast aller Sonderbewegungen und Spaltungen gewesen. Die Ostgermanen waren von Beginn Arianer, d. h. für Rom Ketzer; die Albigenser und Waldenser waren Nachkommen der Westgoten; die Reformation brach in Deutschland aus, und in Deutschland versuchen verschiedene Bewegungen z. Zt. Volkstum und Christentum zu verschmelzen. Geschichtlich, d. h. tatsächlich, sind beide verschmolzen, sie haben das Deutschtum gebildet, eine aus Gewinn und Verlust entstandene, an ungelösten Gegensätzen reiche Mischung von Germanentum und Christentum, die seit 1½ Jahrtausenden das reichste, schöpferischste und widerspruchvollste Volkstum des Abendlandes darstellt.

In dieses anfänglich ganz überwiegend germanisch (nordisch) geartete Volkstum, das wir seit etwa dem 8. Jahrhundert n. Chr. deutsch nennen, ist nun durch das Christentum ein ganz ungermanischer Tragbalken eingezogen: die jüdisch-orientalische Auffassung von der Minderwertigkeit und daher Unterordnung der Frau. – Sie entspricht nicht der Lehre Christi. (Seine Gleichstellung der Geschlechter vor Gott, seine Religion der Erlösung durch Liebe und Opfertod sind völlig unjüdisch, was in der deutschkirchlichen Richtung zu der Annahme geführt hat, Christus – sofern er Mensch – sei Germane gewesen.)

Die Unterordnung der Frau entspricht hingegen der Lehre des Paulus und der altjüdischen Schöpfungsgeschichte, die Eva, weil sie Erkenntnis, d. h. Licht sucht, mit dem Sündenfall belastet, für den sie nun in persönlicher und allgemeiner Hinsicht zu büßen hat, als fons et caput mali, Quell alles Bösen, als Sündenbock der Welt. Ich wiederhole: es ist dies ein handgreiflich ungermanisches Denken und Fühlen. Verehrung des Lichts, Suche und Streben nach Licht, war Kern germanischen Glaubens. Das indogermanische Wesen schuf den heldischen, bewunderten Lichträuber Prometheus, das orientalisch-jüdische Denken verflucht und verachtet Eva, die, gegen Verbot, zum Licht strebte, Versuch, der in der nichtarischen Ueberlieferung auf die Stufe des groben Essens, eines kulinarischen Genusses, der Befriedigung einer Begierde gestellt wird.

Diese Grundauffassung traf das germanische Frauenideal ins Herz; sie ist seit rund 1500 Jahren auch in Deutschland gelehrt, sie hat den Wahn der Hexenprozesse heraufbeschworen, der eine Million Opfer im christlichen Europa verschlungen haben soll, besonders viele in Deutschland, dem Land der medialen Frauen germanischen Bluts. Die rassigsten sind dabei ausgerottet.

Belastete die orientalisch-christliche Ueberlieferung nun die Frau als Geschlecht mit dem Fluch der Sündhaftigkeit, so stand auf der anderen Seite die Frau als Erlöserin, Mutter des Heilands. Die Belastung jedoch hat auf die Dauer die Erhöhung überwogen. Sie entsprach dem Zug nach unten. Ganz unbestreitbar war nicht jede Frau Maria, Heilandsmutter; konnte nicht aber jede Verführerin zur Sünde sein? Das war so bequem. Die Geschichte vom Sündenfall ist auch stets einseitig gelehrt worden; mußte es nicht heißen: der Sündenfall war unmöglich, wenn Adam als »starkes Geschlecht« sich pflichtschuldig und »mannhaft« wehrte, sich Gott gehorsam und tapfer erwies? Er zeigte sich hingegen als Schwächling und Angeber. Auch diese Haltung widerspricht durchaus germanischem Ideal, das moralische Feigheit verachtet.

Die lebenslängliche Einehe besaß das Germanentum vor dem Christentum; einer ihrer Grundpfeiler – die Hochwertung und Wehrhaftigkeit der Frau – erhielt durch das Christentum einen vernichtenden Beilhieb. Zerstörend folgte die Auflösung der germanischen Sippe in der Berührung mit Rom, dem heidnischen wie dem christlichen, in den Stürmen der Völkerwanderung, folgte die Entstehung neuer, auf römisch-katholischer Grundlage fußender Germanenstaaten, die deutsch wurden. Sie kostete, staatlich-rechtlich, die Germanin ihre hohe Stellung. »Warum haben die Frauen sich das gefallen lassen?« wurde mir einmal eingewendet. Diese Frage zeugt von wenig Nachdenken. Mit gleichem Recht könnte man fragen: Weshalb haben die Frauen nicht das Entstehen der Großindustrie gehindert, die sie 1000 Jahre später aus dem Hause trieb, dem sie sich endgültig verschrieben wähnten? – Der Einbruch des Christentums in die germanische Welt war ein geschichtliches Naturereignis, es zerbrach die religiöse Grundlage der germanischen Sippe, es modelte schneller oder langsamer die germanische Rechts-, Familien- und Gesellschaftsordnung, alles wurde »anders«, Dinge und Menschen, die alten Grundlagen sackten weg. Wir haben, glaube ich, Aehnliches vor nicht langer Zeit erlebt, erleben es täglich. »Wie die Frauen sich das gefallen ließen?« – Genau so, wie die Männer, denen 1918 »das Alte« auch durch die Hände rann, obgleich sie am Staat doch einen wesentlich höheren Anteil hatten, als die Germaninnen des 4. bis 7. Jahrhunderts. Welche Gefährdung edelster Germanengüter die orientalische Unterordnung der Frau bedeutete, – wie viele werden das damals überhaupt geahnt haben? Es gibt – ganz wie heute – immer nur wenige, welche die Zukunft sehen, die Ereignisse der Zeit erfassen, neue Gedanken zu Ende denken. Und diese Seher sind meist Prediger in der Wüste.

In seiner jugendlichen Kraftfülle bewahrte das dem Christentum gewonnene Germanentum sich anfänglich noch ganz große Stücke seines alten Frauen-, Sippen- und Stammesideals; versiegt sind dessen starke Quellen glücklicherweise selbst heute noch nicht. So bringt das verchristlichte Deutschland bis zum Sturz der Staufen eine Fülle kraftvoller und bedeutender Frauen hervor – Fürstinnen, Gelehrte, Schriftstellerinnen, Familienmütter von Wucht und öffentlicher Macht. Aller theoretischen Unterordnung zum Trotz brach die schöpferische, willensstarke, die hochbegabte (intellektuelle) Frau sich gerade in der katholischen Kirche Bahn. Denn, um ihre weiblichen Massen zu beherrschen, braucht die katholische Kirche – mag der Einfluß des Mannes noch so entscheidend sein – doch stets weibliche Führer, so daß gerade die katholische Kirche eine weibliche Ueberlieferung der Macht und Formen weiblicher Macht besitzt, die der Protestantismus verlor und preisgab. Die Zentrumsfrau arbeitet politisch ganz anders gemeinsam mit dem Mann, als die andrer Parteien.

Wir sahen: das Germanentum besaß als Grundlage seiner Familie die lebenslängliche Einehe. Sie war ihm physiologisch, biologisch gemäß, sie lag im nordischen Blut. Die christliche Kirche bekannte sich gleichfalls zur lebenslänglichen Einehe, die aber nicht rassisch (national), sondern religiös (international) begründet war, denn die Lehre der Kirche galt »allen Völkern«, auch den nicht arischen, nicht nordischen, auch solchen, denen die Einehe gegen das Blut ging. Dazu kam die durch die Kirche vertretene orientalische Auffassung von der Unterordnung der Frau, die zwar ein Mensch (geschaffen nach Gottes Bild), aber doch ein nachgeordneter Mensch war, eine Gehilfin des Mannes, die »ergänzte«, nicht bestimmte und führte. Der einzelnen Frau hat die Kirche in dieser Hinsicht große Zugeständnisse gemacht; für das Frauengeschlecht hat sie an dieser Auffassung festgehalten; zwischen Sünderin und Erlöserin schwankend, war und ist die Stellung der Kirche nicht einheitlich.

Vor allem, die Kirche setzte die lebenslängliche Einehe beim Mann nicht durch; seit 2000 Jahren ist es ihr nicht gelungen, den Mann zur Reinheit vor, zur Treue in der Ehe praktisch zu erziehen. Die »doppelte Moral« hat sich stets behauptet und (man denke nur an die Reglementierung der Prostitution) hat den Kirchen immer schamloser getrotzt. Der »polygame« Mann schlug im Leben die theoretisch allgemeinverbindliche Einehe zusammen und führte uns in den heutigen Pfuhl. Denn seit der christlichen Zeit (um nur diese Grenze festzusetzen) führt der Mann; die christliche Welt war bisher eine Männerwelt, darin die Frau eine nachgeordnete, ergänzende Gehilfin unter Männerherrschaft war; die Grundlinien des Geschehens, die Maßstäbe gab der Mann; er bildete auch das Urteil. Was er nicht war und tat, was nicht wie er war und wie er tun konnte, war und blieb untergeordnet. Dem Wesen der Frau steckte er die Grenzen, im Sinne seiner Ergänzung: er aktiv, sie passiv, er tätig, sie leidend, er schöpferisch, sie empfangend, nachbildend, er stark, sie schwach, er geistig (und dabei »polygam«), sie triebhaft, erdnah (und dabei »monogam«).

Die orientalische Auffassung vom Wesen der Frau und ihre darauf folgende theoretische oder praktische Unterordnung auf allen Lebensgebieten sind die Ursachen der Zustände, die heute zum Bolschewismus führen und mit der kollektiven Frau enden.

Es war gewiß keine kleine Aufgabe für die entstehende Kirche, das zuchtlose, gärende Völkergemisch, das sich römisches Weltreich nannte, für einheitliche Moral und lebenslängliche Einehe, für Reinheit, Keuschheit und eheliche Treue zu gewinnen. Wie schon gesagt, kämpfte sie bei allen nicht arischen und bei den nicht mehr arischen Völkern (zu denen leider Griechen und Römer längst gehörten) unter sehr widrigen Bedingungen für dieses Ideal. – Die günstigsten Vorbedingungen fand sie bei den Germanen, weil hier in Rasse und Volkstum das gleiche Ideal verwurzelt, gleichzeitig in Familie und Recht verankert war. Die sittliche Reinheit der Germanen machte auf die in Mammonismus, Materialismus und Unzucht verkommenen »Römer« einen überwältigenden Eindruck. Diese sittliche Hoheit und hohe Sittlichkeit beruhte aber auf der germanischen Gleichberechtigung der Geschlechter in Familie und Sippe. Die Germanin war Persönlichkeit, sowohl wehrhafte wie geschützte Persönlichkeit, das Geschlechtliche dem Germanen nichts Sündhaftes, und die Frau stand dem Göttlichen besonders nah. – Der Historiker Lamprecht nimmt an, daß die Germanen unter Frauen vorherrschaft in die Geschichte traten. Das erscheint mir nicht voll erwiesen. Das oben skizzierte Nebeneinander von Mann und Frau, das praktische Anerkenntnis der Gleichwertigkeit der zwei z. T. verschiedenen Geschlechtspersönlichkeiten genügt völlig dafür. Es ist allerdings unerläßlich, denn lebenslängliche Einehe und einheitliche Moral der Geschlechter setzt die vorherrschende oder die gleichberechtigte Frau voraus. Die untergeordnete wird sie nie durchsetzen. Wollte die Kirche den Mann nach Germanenart sittlich bändigen, so mußte sie mit ihrer orientalischen Auffassung von der Frau brechen. Das ist nicht geschehen. Wie mächtige Lager germanischer Sittlichkeit noch im 5. Jahrhundert vorhanden, zeigt der Umstand, daß die Vandalen, als sie ihr Reich auf den Trümmern Karthagos errichteten, die öffentlichen Häuser dort schlossen und die Prostituierten aus ihrem Pfuhl zu erlösen suchten, ein Kampf zweier Weltanschauungen.

In diesem Kampf ist das Germanentum unterlegen. Es er- und vergoß sein edelstes Blut in den Mittelmeerländern, die rassisch ungermanisch sind und bleiben werden. Es strömte in die »romanischen« Völker, die diesem Einstrom schöpferischen Germanentums die hohen Kulturleistungen verdanken, die dann als Troubadourdichtung, als romanische und gotische Baukunst, als Renaissance in hellen Flammen aufschlugen. Der so früh verstorbene deutsche Arzt, Dr. L. Woltmann, hat in Büchern, die fast unbekannt sind (Die Germanen und die Renaissance in Italien, Die Germanen in Frankreich) diese germanische Spur als erster geahnt und gesucht.

So verströmten die Ostgermanen in südlicher Fremde. Die Westgermanen wurden christlich, die christlichen Franken wurden sogar deutschfeindlich und der Erbfeind des Germanentums, seit Karl der Kahle 876 nach der deutschen Kaiserkrone griff. Im eigentlichen Germanien – der Germania magna der Römer – zwischen Rhein und Elbe zerbrach mit Einführung des Christentums der Gedanke der Blutrache, Grundlage der germanischen Sippe und der gebietenden Gleichberechtigung der Frau, die geistig-seelischer Träger der Blutrache war, die, wie Kriemhilt, den erschlagenen Gatten in der eigenen schuldigen Sippe zu rächen die Pflicht hatte, die aber, hätte Siegfrieds Sippe ihr ein Leids getan, von ihrer Sippe an der schuldigen Mannessippe gerächt werden mußte. Das war die germanische Erziehung zur lebenslänglichen Einehe. Unbill, der Germanin angetan, fand harte Sühne, und die Germanin, trat sie durch die Ehe auch in des Mannes Sippe ein, so behielt sie doch Rückhalt und Rückversicherung bei der eigenen Sippe. Das gab ihr die beherrschende Stellung (vgl. Dr. Kummer a. a. O.), die aber zusammenbrach, als sich die strenge Sippenordnung löste, neue Rechts-, Staats- und Gesellschaftsformen entstanden: deutsche, nicht mehr germanische.

Die Germanin war herrschfähig gewesen, Fürstin, Krieger und Führer, Lehensträger. Die Fürstin aus selbsteignem Recht, die weibliche Erbfolge strich das salische Gesetz; die deutsche Frau, von der Krone ausgeschlossen, sank tief unter die Germanin, die orientalische Anschauung ihrer Unterordnung gewann Boden in Deutschland. Als mit Humanismus und Renaissance das römische Recht vordrang, wurde die Frau dessen Objekt, ein Rechtsgegenstand. Auf diesem Boden entfaltete sich üppig die Giftsaat der doppelten Moral, die in Frankreich zur Reglementierung, zum Verbot der Vaterschaftsklage, d. h. zur völligen Sklaverei der christlichen Frau führte. Der Negerstämmling Dumas fils durfte sogar fordern, daß Mord an der untreuen Frau straflos bleiben müsse. (Tuez-la!) Gegen diese korsisch-romanische und Negermoral hat sich der deutsche Mann kaum gewehrt, sie durchdrang ganz Europa. Es gab keine scharfen Germanenschwerter mehr, die den Mann zur lebenslänglichen Einehe erzogen und anhielten; er war der Herr im Männerstaat, er allein hätte sich selbst zur Monogamie zwingen können, der ihm untergeordneten, von ihm abhängigen Frau fehlten die Zwangsmittel dazu, sie wurde auch, je länger je mehr, von dem Gefühl ihrer Nach- oder Unterordnung durchdrungen, aufgeweicht: was konnte sie von dem so Ueberlegenen verlangen: »darfst mich niedre Magd nicht kennen, hoher Stern der Herrlichkeit.« (Man stelle sich dieses Bekenntnis auf den Lippen einer Germanin vor, um den Sturz zu ermessen.) Auf den Mann, auch den deutschen, drang das verführerische Gift orientalisch-romanisch-negerlicher Denk- und Handlungsweise um so hemmungsloser ein, als die »anständige Frau« über »diese Dinge« nicht einmal sprechen durfte, also nicht das geringste dagegen tun konnte. Hier liegt die Wurzel des heutigen Niedergangs.

Prostitution der Frau und Männerstaat sind unzertrennlich; Prostitution der Frau ist eine der vielen Formen des Mißbrauchs der Macht durch den herrschenden Mann. Da die Germanen den ungezügelten Geschlechtsverkehr erst von den Römern lernten, war ihr ursprüngliches Gemeinwesen eben keine einseitige Männerherrschaft. Im Deutschtum mit seinen immer stärker ungermanischen Beimischungen und Umgebungen schritt der Orientalismus ständig vor, die germanischen Rechte der Frau fielen, uralte Frauenberufe, z. B. der des Arztes, der Hebamme, wurden ihr entrissen, man sperrte ihr einfach die wissenschaftliche Vorbildung, die nur der Mann erhielt, der Begriff Frau, Gattin, Mutter, der Begriff »weiblich« schrumpfte immer mehr, verlor Kraft, Fülle, Persönlichkeit, Tiefe, zuletzt fielen schwach, schwächlich, eng, kleinlich und »weiblich« im Sprachgebrauch zusammen, die Weibe wurde Sache, das Weib. Der so verbogenen Frau blieb das Haus. Das Haus kann aber nie die Schule des Lebens ersetzen, das Haus läßt unselbständig, und es gewöhnt an Schutz. Der häusliche Fraueneinfluß war trotzdem groß, lief aber stets auf Bahnen, die der Mann vorschrieb. Die Frau erzog das junge Kind, es lebte die ersten sieben Jahre etwa in einer weiblich geleiteten Welt. Mit etwa 14 Jahren trat es jedoch in die Männerwelt des Berufslebens und des Daseinskampfes. Die häuslich-mütterliche Erziehung hat dann in ihrem Widerstand gegen die Männerwelt vorwiegend den kürzeren gezogen, besonders auf dem Gebiet der Geschlechtsmoral. Die Kräfte- und Machtverteilung war zu ungleich. Umsomehr als die Zeit der Geschlechtsreife den Sohn – die Minderwertigkeit und Unterordnung der Frau, das orientalische Werturteil, zu lehren pflegte. Gegen diese Strömung, die alle Einrichtungen des Männerstaats zersetzend durchdrang, setzt sich die untergeordnete Frau des Männerstaats nie durch.

Da war es die Frauenbewegung, die Abhilfe verlangte. Sie ist germanischen Ursprungs, wie der Protestantismus, dessen selbstverantwortlicher, wehrhafter Individualismus eine ihrer Voraussetzungen war. Es hat eine wurzelechte, triebkräftige, heldische und wirksame Frauenbewegung nur in germanischen Ländern gegeben, nur bei den Frauen mit wehrhaft-stolzer Vergangenheit, mit dem Gefühl elementarer Gleichberechtigung, mit dem Erinnern, daß es einst anders war und wieder anders werden müsse. Es heißt, die Frauenbewegung mißverstehen, verkleinern, herabsetzen, wenn man sie auf einen Kampf um Brot beschränkt. Das war sie auch. Vor allem aber ein Kampf um Licht, um Recht und Freiheit, ein Kampf für andre, die Entrechteten, die Hörigen, die Niedergeworfenen. Heiliger Zorn über die Schmach ihres Geschlechts (Prostitution und Reglementierung) glühte in denen, die gegen doppelte Moral aufstanden, weil sie erkannten, daß hier die Wurzel alles Uebels für Frau, Mann, Kind, das ganze Volk, die ganze Menschheit lag. Die ursprünglich germanische Frauenbewegung erstrebte eine monogame germanische Welt, gegründet auf einheitliche Moral im Sinne vorehelicher Reinheit, gegenseitiger ehelicher Treue und lebenslänglicher Gemeinschaft.

Die Aufnahme in Deutschland war kühl. Der Männerstaat und seine doppelte Moral wehrten sich ihrer Haut, ihrer Grundsätze, Rechte und Vorrechte, auf allen Gebieten, mit all ihren überlegenen Machtmitteln, höchst besorgt über die Schilderhebung, die Konkurrenz der – doch untergeordneten d. h. doch unfähigen Frau!

Die Frauenrechtlerin (die so viele neue Pflichten und Rechte forderte) die Frauenrechtlerin war unbequem, dem Manne unbequem, denn sie stellte seine Ueberlegenheit, wie die Ueberlegenheit seiner Welt, nachdrücklich, hartnäckig und zuletzt auch erfolgreich in Frage. – Der orientalisch denkende Mann, die von ihm geschulte und beherrschte Frau waren daher Gegner der Frauenbewegung, Feinde der Frauenrechtlerin. Das Wort wirkt heute noch in bestimmten Kreisen wie eine Beleidigung. Die Gegner nannten die Frauenrechtlerin unweiblich, unnatürlich und naturwidrig, weil sie ihr altes germanisches Frauentum zurückverlangte, das sich mit Unterordnung und doppelter Moral allerdings nicht vertrug. Die Unnatur lag aber nicht bei der Frauenrechtlerin, die zum germanischen Wesen zurückstrebte, sondern bei den Deutschen, die dem Orientalismus verfallen waren. So lagen 1865, und so liegen heute noch die Dinge. Innerhalb der Kirchen haben die Frauen die doppelte Moral in erster Linie als Christinnen bekämpft, nicht als Frauenrechtlerinnen. – Kein Mensch nun und kein Geschlecht verträgt die Ausübung ungeteilter Macht. Jeder und jedes bedarf der Hemmung, Beschränkung, der fühlbaren Verantwortung und greifbaren Rechenschaftslegung. Sie hat dem Männerstaat gefehlt (wie sie den Frauenstaaten der Vergangenheit gefehlt hat). Es liegt unter solchen Umständen im Wesen der Macht, sie zu mißbrauchen, der Mann hat seine Macht mißbraucht auf allen Gebieten, vor allem (denn hier liegt der stärkste Trieb) auf dem der Geschlechtsmoral. Hier hat er, der Führende, geknechtet und erniedrigt, schmachvoll, unmenschlich erniedrigt. Der Mißbrauch der Macht auf diesem Gebiet ist aber der gefährlichste von allen, denn er schädigt, verletzt, verengt, zerstört die Zelle, die den Staat aufbaut, die Familie. – Er schafft im Lauf der Zeit so große Ungerechtigkeiten, so viel Leid, Not, Bitterkeit und Zorn, so viel Empörung, Entartung, Schändlichkeit und Rechtsbeugung, daß die Keller des Hauses zuletzt voll Zündstoff liegen, der nur des Funkens harrt. – Der Mißbrauch der Macht auf dem Gebiete der Geschlechtsmoral verdirbt jedoch nicht nur die Opfer dieses Mißbrauchs, er verdirbt in gleichem Maße, wenn auch nicht in gleicher Art, den Mißbraucher der Macht selbst. Hier lernt er von Grund auf orientalisch denken: das Weib gab mir und ich aß. Das Weib fons et caput mali; diesem untergeordneten Geschöpf gegenüber hat man dann keine Verantwortung mehr, es ist Mittel zum Zweck, Genußmittel, denn Genuß muß sein, verantwortungsloser Genuß – reglementierte Prostitution mit ihren Begleitern Frauenhandel und Kinderschändung. Und das wäre germanisch? wäre christlich?

So entsteht durch den Besitz unkontrollierter Macht (denn im Männerstaat ist der Mann stets sein eigener Richter) ein Männergeschlecht, das auf Herrschsucht, Selbstsucht und Genußsucht gestellt, ein bequemes Leben führen will, Entbehrungen scheut, ohne Macht und Genuß nicht sein kann, noch will. (Vgl. Joe Lederer: das Mädchen George. Deutsche Verlagsaktiengesellschaft, Berlin 1928. Es ist eine bemerkenswerte Schilderung von Verkommenheit.) Das bedeutet Mammonismus und Materialismus, wie wir sie heute sich entfalten sehen. Das unablässige, nervös-gierige Rauchen, der Gebrauch verschiedenster Rauch- und Rauschgifte, die sinnlose Verschwendung von Riechstoffen und Leckereien sind Modeformen dieser Genußsucht.

Die schlimmsten Folgen zeigen sich aber wiederum auf geschlechtlichem Gebiet, dem der Zuchtwahl und Ehe. Ein bequemes, genußreiches Leben erfordert Geld. Der Mann heiratet also »nach Geld«, und er sucht » die bequeme Frau«. Somit schaltet die wertvolle, aber unbemittelte Frau, schaltet die hochwertige, hochbegabte, die irgendwie »unbequeme« Frau aus. Es liegt auch kein Grund vor, der Heirat mit Artfremden verböte, wenn sie nur reich und bequem oder wenigstens eins von beiden sind.

Das ist die schiefe Ebene, auf der wir seit 2000 Jahren abwärts glitten bis zur heutigen Zersetzung, zu einem rassischen Niedergang, einer Ueberfremdung, die immer minderwertigere »Ehen« und Nachkommen entstehen lassen; wo steht noch die lebenslängliche Einehe fest? Das aber bedeutet die volle Preisgabe der Grundlagen germanischer Artung, und den Dammbruch germanischen Volkstums; die germanisch gearteten Deutschen sind heute in der Minderzahl, der Untermensch, der Mischling, die nicht arischen Rassen Deutschlands bilden heute die Mehrzahl des sogenannten »deutschen Volks«, das mit dem Gewicht der Masse und der Mehrheitswahl den Weg in den Völkerbrei geht. Da sein Blut nicht mehr rein, sein Rassen- und Volkstrieb nicht mehr lebendig, gibt es das Völkische und Nationale preis, dem Misch- und Fremdblütigen sind nationale Ehre und Größe, nationale Vergangenheit und Wehrhaftigkeit gleichgültig, ja verhaßt. So entstehen, wachsen, überwuchern Flaumacherei, Internationale, Pazifismus, Versöhnungs-, Erfüllungs-, Locarnopolitik; das Blut entscheidet, und dieses Blut ist nicht mehr deutsch: Versailles und Dawesannahme ließen das Nationale in der Minderheit. Dann ist ein Volk aber nicht mehr national, es hat sein Erbe vertan, löst sich von seiner Vergangenheit und sie sich von ihm: Es stirbt ab. Auf allen Gebieten deutschen Lebens vollzog sich, seit 1870 beschleunigt, diese Entnordung und Eindeutschung in deutlich sichtbarer Form; unmittelbar vorbereitet war sie seit etwa 1848, dem Kampf, der liberal und national zu trennen begann. Ganz deutsche, im Germanischen wurzelnde Geistesströmungen, z. B. die deutsche Frauenbewegung (vgl. Schirmacher: Was verdankt die deutsche Frau der deutschen Frauenbewegung? Schneider, Querfurt) sind, wie deutsche Presse, deutsches Schrifttum, deutsche Kunst u. a. m., teilweise oder ganz ins Internationale umgebogen, dem Germanischen, dem Nationalen entfremdet, so daß weite deutsche Gebiete heute nur noch Rieselwiesen für volks- und artfremde Wässer sind; was dort wächst, ist nicht mehr deutsch, geschweige denn germanisch; überwiegend orientalisch wirkt diese Pflanzenwelt

In Bezug auf die Frau denken i. J. 1929 wohl neun Zehntel aller Männer in Deutschland orientalisch, ich glaube annehmen zu müssen, daß auch die Mehrzahl der Frauen in Deutschland sich orientalisch wertet, d. h. sich für untergeordnet hält. Diese Ansicht ist in nationalen und völkischen Kreisen nachdrücklich vertreten, so entschieden, daß die selbständige führende Frau dort als »naturwidrig« bezeichnet, die schöpferische Frau geleugnet, die hochbegabte Intellektuelle als Gattin abgelehnt wird, und die völkischen Parteien die Frau aus der Politik, die durch Gesetz die Macht verteilt, die Staats- und Gesellschaftsgrundlagen bestimmt, völlig auszuschalten wünschen. Als Wähler können sie sie z. Zt. noch nicht entbehren, aber als Kandidat haben sie keine Frau aufgestellt. Bisher wehrt sich nur eine kleine Gruppe Völkischer (Frauen und Männer) dagegen.

Germanische Anschauungen vom Wesen der Frau, ihrer Gleichberechtigung, ihrem Persönlichkeitswert, der Unentbehrlichkeit ihrer Mitarbeit und Mitführung auf allen Lebensgebieten verbreiten sich erst langsam. – Die Minderzahl der (meist durch die verschiedenen Richtungen der Frauenbewegung geschulten) Frauen, die heute im politischen und öffentlichen Leben mit elementarer Selbstverständlichkeit führend hervortreten, werden zwar in steigendem Maß gewürdigt, trotzdem aber als unbequem empfunden. Und unbequeme Leute – sind eben unbequem. Man wird sie nur sparsam heranziehen. Wir können immer noch hören, die Germaninnen hätten ja auch nicht gewählt (was in dieser Ausschließlichkeit nicht stimmt, in den Islandsagas fahren die Frauen zum Thing) und müssen immer noch darauf antworten, daß sie es heute sicher täten, wir können immer noch hören, daß dem Mann die Frau für die Politik zu schade ist, daß er sie »aus Hochachtung« davon ausschließen möchte, und müssen immer noch darauf antworten, daß, solange der »polygame« Mann mit der doppelten Moral besteht und sein Staat von der Prostitution der Frau untrennbar ist, von »Hochachtung der Frau« besser nicht gesprochen wird. Auch gibt es sicher andere Formen der »Hochachtung« als gerade Entrechtung. – Diese »Frauenhochachtung« ist eine Phrase, die nur das Unbehagen über die unbequeme Konkurrenz verschleiern soll. Die »Rechtlerinnen« sehen durch den Schleier und fragen ihrerseits: Warum ist Männerpolitik denn so widerwärtig, daß hochgeachtete Frauen ihr fern bleiben müssen? Ist sie vielleicht auf falschen Gleisen? Man begegnet auch dem seltsamen Argument, die Frau sei der Natur näher und daher – weder schöpferisch, noch zum Führer, noch für die politischen Rechte geeignet. Worauf man doch nur entgegnen kann, daß die verfahrene, naturferne Welt von heute nach dieser naturnahen Frau, die noch den richtigen Germaneninstinkt ihrer Wertigkeit und Schöpferkraft besitzt, geradezu schreit. Die Unnatur der Männerwelt quillt ja aus ihrer Einseitigkeit, sie ist einseitig männlich, und da sie auf zwei Geschlechtern beruht und – soll sie harmonisch sein – den Lebensnotwendigkeiten beider Geschlechter entsprechen muß, kann ihre Einseitigkeit, die im Quadrat der Entfernung vom Germanentum zunahm, nur Trümmer schaffen, nur zerstören, nur unharmonisch, unheilvoll sein, und mit den verzweiflungsvollsten Fragezeichen enden. Der Mann gibt sich hiervon nicht Rechenschaft. Kürzlich behandelte eine völkische Zeitschrift Männer- und Frauenfragen. U. a. wurde die rassische Bedrohtheit der hochwertigen Norden festgestellt und erklärt, vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus läge die wirksamste Abhilfe darin, daß ein Diktator je einen hochwertigen, blonden und blauäugigen Norden mit zehn geeigneten ebenfalls blonden und blauäugigen Frauen auf eine Insel sperrte und ihnen beföhle: seid fruchtbar und mehret euch.

Und das wäre, naturwissenschaftlich-züchterisch, der wirksamste Weg zur Aufnordung Deutschlands? Germanen entstanden und entstehen in lebenslänglicher Einehe, erwachsen unter der Zucht und Erziehung beider in lebenslänglicher Einehe verbundener Eltern in der monogamen Familie, niemals aber in einem Gestüt, sei es noch so »germanisch« beflaggt. Frauen, die unser Volk aus diese orientalische Methode, in einem Harem von zehn, aufzunorden sich hergäben, wären keine Germaninnen, und keine »Germanin« gäbe sich zu solchem Treiben her. Daß solche Ansichten rassisch instinktlos, in sich falsch, in ihrer Wirkung verderblich, durch eine völkische Zeitschrift überhaupt ausgesprochen werden können, ohne daß die Leserschaft sich geschlossen dagegen erhebt, zeigt, wie weit die lebenslängliche Einehe bereits erschüttert, wie wenig reines, nordisches Blut noch vorhanden ist. Durch seinem Wesen widersprechende Züchtung ist es nicht wiederherzustellen.

Das ist nur möglich durch Preisgabe der doppelten Moral, durch ernste, pflichtvolle Rückkehr zur germanischen Gleichberechtigung der Geschlechter in moderner Form, durch Wiedergewinnung des Mannes für Vaterschaft, Haus und Kindererziehung. Der Mann ist heute fast nur noch Berufsmensch, dem Hause ist er überwiegend entfremdet. Eine der wichtigsten Zeitaufgaben ist es, den Vater wiederzufinden, ihn der Familie zurückzugeben, die Mutter schafft es nicht allein, ja, sie kann und sie soll es nicht allein schaffen, zur nordischen Familie gehören beide Eltern, gehört gemeinsame Erziehung durch beide Eltern. (Man lese Helene Böhlau: Die kleine Goethemutter (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgarts, um sich zu vergegenwärtigen, wie der Vater einst im Hause erzog, was er dort bedeutete.)

Es ist in Rechtskreisen üblich, die heutige sittliche Entartung auf das Schuldkonto der Frauenbewegung zu schreiben. Nun ist die heutige, sogenannte »Vermännlichung« der Frau vorläufig eine Mode, eine zersetzende, gefährliche, mit ausgeprägter Richtung auf »die kollektive Frau«, d. h. das Gegenteil der reinen, hochwertigen Persönlichkeit, das Gegenteil des Germanentums, das die Vorkämpferinnen der Frauenbewegung so unerschrocken gegen die Reglementierung angehen ließ. Die sich wahllos preisgebenden Frauen von heute (Lederer a. a. O.) sind aber alles andere als Frauenrechtlerinnen, wollen es auch nicht sein, selbst die Berufsfrauen lehnen in ihrer Mehrzahl die Frauenbewegung, der sie doch ihre Bildungs- und Berufsmöglichkeiten verdanken, ab – denn die meisten wissen nichts von ihr. Besonders die Frauen der nationalen Kreise. Ihnen ist die Frauenbewegung eine dem Wesen nach internationale Bewegung und daher in sich verderblich. Wie ungermanisch weite nationale Kreise über die Frau denken: daß die deutsche Frauenbewegung national war und international erst wurde durch die Gleichgültigkeit, Abwehr, ja, Schuld der Nationalen, das ist heute von ihnen noch nicht anerkannt. (Vgl. Was verdankt die deutsche Frau der deutschen Frauenbewegung?) Der Bund deutscher Frauenvereine aber, mit seinen etwa 5 Millionen Mitgliedern weist wohl eine frauenrechtlerische Führung, nicht aber eine geschlossen frauenrechtlerische Gefolgschaft aus.

Den grundsätzlichen Kampf für eine » zweigeschlechtliche Welt« führen eigentlich nur, von oft ganz verschiedenen Standpunkten aus, die alten Frauenrechtlerinnen, die in der harten Schule des Männerstaats ihr Wissen, Können, ihre Erfahrungen erwarben, und die von ihnen geworbene jüngere z. T. völkische Generation. Sie ist frauenrechtlerisch nicht zahlreich vertreten.

Das erklärt sich: Frauenrechtlerin sein, bedeutet Kampf gegen jeden Mißbrauch der Macht seitens des Mannes, und der Umsturz von 1918 hat dem Männerstaat zwar eine rechtsseitige Lähmung gebracht, sein Wesen als Männerstaat aber noch nicht von Grund aus verändert. Der Umsturz allerdings gab die Möglichkeiten dazu, weil er eine neue Verteilung der Macht zwischen Mann und Frau anbahnte. Diese zeigt sich aber bisher nur in ihren ersten Anfängen, im allgemeinen ist die Frau auch heute noch die Unter- oder Nachgeordnete des Mannes, d. h. in ihrer Mehrzahl von seinem Wohlwollen, dem Gefallen oder Nichtgefallen, das er an ihr findet, immer noch abhängig; die kämpferischen Frauen, die Hochbegabten, Ueberlegenen, Eigenartigen mag er nicht. (Der gefeierte Löns bekennt: »Eine Frau mit Talent ist keine.«) »Niemand liebt seine Konkurrenz«, hörte ich das einmal begründen; warum sich also das Dasein erschweren? Man besitzt zwar Frauenrechte, man übt und genießt sie, ist jedoch nicht Frauenrechtlerin.

Wenn es sich nun um Gleichberechtigung der Geschlechter handelt, so kann sie in zwiefacher Gestalt erfolgen; beiden Geschlechtern die gleiche Bindung oder beiden die gleiche Lockerung. Auf dem grundlegenden Gebiet der Geschlechtsmoral ist die organisierte und verantwortlich geführte Frauenbewegung stets für die gleiche sittliche Bindung, für einheitliche Moral im Sinne der Triebbeherrschung eingetreten. Sie konnte andere Strömungen und Lehren nicht hindern, (z. B. Die neue Ethik), aber sie hat sie abgelehnt und bekämpft. Freie Liebe, Vielehe, Zeitehe, der polygame Mann, die kollektive Frau standen und stehen nicht in ihrem Programm.

Heute scheint in letzterer Richtung die Gleichberechtigung der Geschlechter eintreten zu sollen, was der deutschen Frauenbewegung, wie sie 1865 entstand, absolut widerspricht. Der Orientalismus, der das Deutschtum (am stärksten durch die undeutschen Grundlagen seiner Schulen und Hochschulen, seiner ganzen Bildung) entnordete, hat auf diesem wichtigsten Punkt den stärksten Hebel angesetzt, als durch den Umsturz der nationale Männerstaat fiel und der internationale sich gründete. Diese hochwichtigen Fragen werden heute mit einem sehr schädlichen Mangel an Wissen, Einsicht und allgemeinem Denken behandelt, obgleich es an guten Studien darüber nicht fehlt! (Vgl. Professor Dr. M. Vaerting: Die männliche Eigenart im Frauenstaat – und die weibliche Eigenart im Männerstaat. Braun, Karlsruhe. Auszug des Werks von Dr. Schirmacher, daselbst.) Die Sachlage ist im Grunde ganz einfach: Der Ueberordnung des Mannes, der Unter- und Nachordnung der Frau im nationalen Männerstaat bis 1918 entwuchsen und entsprachen zwei bestimmte Geschlechtstypen als Ergebnis bestimmter Macht- oder Ohnmachtsverhältnisse. Sie wurden »männlich« und »weiblich« genannt, sollten, so wie sie waren, der Natur entsprechen, Ewigkeitswert besitzen und Unveränderlichkeit beanspruchen dürfen.

Der Umsturz hat diese Ansicht als Irrtum erwiesen. Die neue Machtverteilung (wenn auch noch vorwiegend theoretisch) veränderte bereits das Wesen beider Geschlechter, woraus sich ergibt, daß die jeweiligen Begriffe »Mann« und »Frau« nichts Unbedingtes, nichts Unveränderliches sind, keine Konstante sondern eine Variable. Sie werden soziologisch bedingt durch Raum, Zeit, Umgebung, das von ihnen besessene Maß an Macht. Wie verschieden sie sich zu verschiedenen Zeiten auch darstellen, sie bleiben stets Natur, bleiben stets männlich, bleiben stets weiblich (denn Mann bleibt Mann – Frau bleibt Frau). Unnatürlich, irrig, abwegig ist nur der Anspruch, die Natur der Geschlechter ein für allemal festzulegen. Sie ist im Gegenteil höchst biegsam und veränderlich. Anders ist die Frau unter Frauenherrschaft, wo sie die Herrschende ist, als die Frau in Gleichberechtigung oder in Unterordnung. Das Gleiche gilt vom Mann. Jeder dieser drei Macht- oder Nichtmachtstellungen entsprechenden drei verschiedene Männer- und Frauentypen, die alle drei gleich natürlich, aber soziologisch verschieden bedingt sind; es kommt nur auf die Gewöhnung an. Die jeweilige Begriffsbestimmung irrt, nicht die Natur. Die kann nur durch Rassenverschlechterung verdorben werden, woran wir es ja nicht fehlen ließen. Alles Bedeutende, Kraftvolle männlich, alles Schwächliche, Mittelmäßige weiblich, Führung und Herrschaft der Frau »feminine Entartung« zu nennen, ist nur im einseitigen Männerstaat möglich. Die Natur aber kennt kein salisches Gesetz.

Betrachtet man von diesem geschichtlichen und entwicklungsgeschichtlichen Standpunkt aus die heutige Lage, so ergibt sich Klärung und Verstehen. Der nationale Männerstaat, in dem der Mann sein Wesen ausgelebt (Mann: Pflichten, Rechte, Freiheit, – Frau: Pflichten, Unterordnung) schuf eine bequeme Zivilisation, eine hohe intellektuelle und eine sehr geringe sittliche Kultur; er endete unter Führung und voller Verantwortung des Mannes in einem Meer von Lüge, Haß, von Blut und Tränen.

Der internationale Männerstaat, der den nationalen seit Jahrzehnten unterhöhlte, zerschlug seit 1918 den nationalen Ehr- und Wehrbegriff, die nationale Sitte und Sittlichkeit. Möglich war das nur durch die »Verköterung« des ursprünglichen Germanentums zum Rassengesindel der Großstädte, durch Landflucht und fremde Unterwanderung Deutschlands. Der internationale Männerstaat läuft hemmungslos mit dem Trieb, er zügelt ihn nicht mehr, bei keinem der beiden Geschlechter. Denn er erstrebt den Weltumsturz, den Völkerbrei der Internationale, die angebliche Herrschaft der Massen (die stets beherrscht werden), er ist Todfeind des Germanentums und der Persönlichkeit. Der Orientalismus scheint mit ihm zu siegen. Diese orientalische Krankheit übertrug der Mann auf die Frau, besonders stark im geschlechtlichen. (Vgl. Franz Blei: »Diese Erkenntnis, daß das sexuelle Vergnügen nicht mehr bedeute als andere Vergnügen auch, ging von den Männern aus und kam von ihnen auch auf die Frauen.«)

Gewohnt, alles Gute sich zuzuschreiben, alle »Sünde« der Frau, spricht er heute sehr laut von ihrer Entartung, Schamlosigkeit u. s. f. Er aber ist der Verantwortliche, denn er führte und führt noch, und er will sie so. Sonst wäre sie anders. Denn – er ist auch heute noch die Nachfrage, die das Angebot regelt und formt. Wie schon gesagt, übersieht man noch nicht, ob sich's bei dieser Entwicklung der Frau um mehr als Mode, um eine dauernde Aenderung handeln wird.

Die erste Bedingung der Gesundung ist, daß der Mann von sich selbst Abstand gewinnt und Kritik ertragen lernt. Das fällt jedem an Vorherrschaft gewöhnten Geschlecht sehr schwer; es empfindet sie als eine Beleidigung. Denn im Männerstaat ist der Mann das kritisierende, die Frau das kritisierte Geschlecht. Der Maßgebende ist vollkommen, er hört die Wahrheit nicht, kann sie ablehnen, sie unterdrücken. Er sieht mit Männeraugen, vom Männerstandpunkt, und braucht dem Frauenstandpunkt nicht Rechnung zu tragen, da der im Männerstaat nicht maßgebend ist, durch Stimmrecht es aber wird; daher die sich anbahnende Machtverschiebung und die geringe Neigung des Mannes für die politische Frau. Die Frau unter Männerherrschaft hingegen wird geschult, mit Männeraugen zu sehen, Männermaßstäbe anzunehmen, sich dem Mann anzupassen: dann ist sie weiblich. Tritt sie für ihr Recht, ihre Freiheit, ihre Maßstäbe und Leistungen ein, so ist sie unweiblich, naturwidrig. Welche Logik! (Vgl. Schirmacher: Moderne Jugend, ein Wegweiser für den Daseinskampf. Reinhardt, München 1910, das Rätsel Weib, A. Duncker, Weimar 1911.)

Es gibt eine Erneuerung Deutschlands nur durch Aufnordung in lebenslänglicher Einehe, durch Rückkehr zur germanischen Herrschaft über den Trieb, durch die gleiche Moral im Sinne gleicher Bindung. Diesen Weg bietet allein die Gleichberechtigung der Geschlechter. Es heißt, den Orientalismus bändigen. Nicht Ergänzung, wie der Männerstaat sie auffaßt, (auch nicht Ergänzung, wie der Frauenstaat sie einst festlegte, vgl. Vaerting a. a. O.) gibt eine menschliche, gerechte und harmonische Welt; der einseitige Männerstaat unterdrückt die Frau, einseitige Frauenherrschaft unterdrückt den Mann. Das jeweils herrschende Geschlecht hat stets das andere in das Haus gesteckt und einen Kerker daraus gemacht. Diese »Ergänzung« bedeutete stets eine schmerzhafte Verstümmelung des untergeordneten und eine gefährliche Ueberzüchtung des herrschenden Geschlechts, das in Selbstsucht, Herrschsucht, Genußsucht, in einem Dünkel endet, der es tatsachenblind und wahrheitsfeindlich macht. Das ist heute der Fall.

Erlösen kann uns nur die aus veränderter Machtverteilung hervorwachsende Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit der Geschlechter. Sie müssen nicht eines herrschen, das andere dienen, sondern gegenseitig, abwechselnd, nach ihren Fähigkeiten und Kräften bald dienen, bald herrschen. »Männlich« bedeutet nicht Kraft, »weiblich« nicht Schwäche, jedes Geschlecht hat Kraft und hat Schwachheit; denn Mann und Frau sind menschliche Wesen (er männlichen, sie weiblichen Geschlechts), die von den ihnen angeborenen, allgemein menschlichen Fähigkeiten die ausbilden, die ihr Grad von Macht ihnen auszubilden gestattet. – Durch Gleichberechtigung allein kann sich Entwicklung beider Geschlechter in Zucht ergeben, dem unbedingten Gegensatz des »polygamen« Mannes und der kollektiven Frau.

 

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