Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Guy de Maupassant >

Die kleine Roque

Guy de Maupassant: Die kleine Roque - Kapitel 8
Quellenangabe
typenovelette
authorGuy de Maupassant
titleDie kleine Roque
publisherEgon Fleischel & Co.
seriesGesammelte Werke
volume14
year1911
firstpub1905
translatorGeorg Freiherr von Ompteda
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060121
projectid0aff1248
Schließen

Navigation:

Julie Romain

Vor zwei Jahren ging ich einmal zur Frühlingszeit zu Fuß am Mittelländischen Meere hin. Giebt es Köstlicheres als auf der Landstraße hinzuschreiten und zu sinnen und zu sinnen? Auf solcher Straße geht es sich köstlich in voller Lichtflut, der Wind kost einem um die Stirn, man wandert zwischen Bergen und Meeresstrand und träumt. Wie viel Erinnerungen vergangener Liebeshuld und Abenteuer ziehen in zwei Stunden Weges vor einer Seele vorüber, die sich in Träumen ergeht. Allerlei köstliche unbestimmte Sehnsucht strömt in einen hinein mit der milden leichten Luft, weht uns an aus dem Windhauch, zaubert uns ins Herz einen Hunger nach Glück, der wächst mit dem körperlichen Hunger, den das Gehen weckt. Die reizenden blitzschnell kommenden Ideen huschen hin und her, zwitschernd wie Vöglein.

Ich folgte dem langen Wege, der von Saint Raphael nach Italien führt oder vielmehr diesem langen köstlichen, immer wechselnden Zugang, der eigens gemacht scheint, alle Liebesträume der Erde zu versinnbildlichen. Und ich überlegte mir, daß, von Cannes, wo man sich zeigt und den Hof macht, bis nach Monaco, wo man spielt, man kaum aus anderem Grunde in dieses Land kommt, als um allerlei Dummheiten anzustellen oder an Geld zu denken und unter diesem köstlichen Himmel, in diesem Garten von Rosen und Orangen die gemeinste Eitelkeit, die albernsten Prätentionen, geheimste Lüste zu befriedigen, um so recht zu beweisen wie der Mensch ist: gemein, dumm, anmaßend und geldgierig.

Plötzlich entdeckte ich in einer jener reizenden Buchten, die bei jeder Wegkrümmung vor den Blick auftauchen, einige Villen. Nur vier oder fünf dem Meer gegenüber am Fuß der Berge vor einem Gehölz von wilden Tannen, das sich hinter ihnen in zwei großen Thalern hinaufzog, vielleicht pfadlos und als Sackgasse endend. Eines jener Landhäuser war so hübsch, daß ich an seiner Thür stehen blieb. Es war ein weißes Haus mit braunem Holzwerk, bis an's Dach von Kletterrosen überrankt.

Und der Garten ein einziges Blumenbeet in allen Farben, allen Größen in absichtlichem, kokettem Durcheinander. Der ganze Rasen war damit übersäht, auf jeder Stufe der Terrasse standen welche, rechts und links aus den Fenstern hingen über die Wände blaue oder gelbe Dolden, und die mit einer Steinbalustrade eingefaßte Terrasse, die sich um das reizende Häuschen zog, war überwachsen von riesigen roten Glocken wie lauter Tupfen von Blut.

Hinten sah man eine lange blühende Orangenallee sich hinanziehen bis an den Fuß der Berge.

An der Thür stand in kleinen goldenen Buchstaben: Villa d'Antan.

Villa d'Antan – »Villa Einstmals«?

Ich fragte mich, welcher Dichter oder welche Fee hier wohnen könne, welch glücklicher Einsiedler diesen Ort gefunden und dieses Märchen-Haus gebaut, das emporgeblüht zu sein schien wie in einem Blumenstrauß. Ein Straßenarbeiter klopfte ein Stück davon entfernt an der Straße Steine. Ich fragte ihn, wem dieses Kleinod gehöre. Er antwortete:

– Es gehört Frau Julie Romain. Julie Romain! In meiner Jugend hatte ich einst von ihr gehört, von der großen Schauspielerin, der Rivalin der Rachel.

Keine Frau war jemals mehr gefeiert und geliebt worden, vor allem mehr geliebt. Wie viel Duelle, wie viel Selbstmorde hatten um sie stattgefunden und welche Abenteuer und Geschichten! Wie alt mochte diese verführerische Zauberin jetzt sein? Sechzig – siebzig – fünfundsiebzig? Julie Romain hier in diesem Hause! Die Frau, die einst der größte Tonkünstler und der wunderbarste Dichter Frankreichs geliebt. Und ich dachte noch an das Aufsehen, das es damals im ganzen Lande gemacht (ich war damals etwa zwölf Jahr alt), als sie mit dem einen nach Sicilien floh, nach dem Bruche mit dem anderen.

Eines Abends war sie nach einer Erstaufführung, nach der man sie eine Stunde lang, wohl tausend Mal hintereinander herausgerufen, auf und davon. Sie war mit dem Dichter entflohen, mit Extrapost, wie man es damals that. Sie waren über das Meer gefahren, um auf der antiken Insel, der einstigen Tochter Griechenlands, im Schatten des gewaltigen Orangenhaines, der Palermo umgiebt, ihrer Liebe zu leben.

Man hatte von einer Aetna-Besteigung gehört und wie sie, sich umschlungen haltend, sich über den riesigen Krater gebeugt, als wollten sie sich in den glühenden Schlund hinabstürzen.

Er war gestorben, er, der Mann, der so wunderbare Versen schrieb, so wunderbar, daß sie eine ganze Generation in Begeisterung versetzt, so fein, so seltsam, daß sie den neuen Dichtern neue Bahnen erschlossen.

Auch der andere, der Verlassene, war nun tot, der für sie Melodieen gefunden, die noch in aller Ohren klangen, Triumph- und Verzweiflungslieder, begeisternd und herzzerreißend. Nur sie lebte noch, hier in diesem Blumen-bedeckten Haus.

Ich zögerte nicht und klingelte. Ein kleiner Diener öffnete, ein linkischer Bursche von achtzehn Jahren, der nicht wußte, was er mit seinen Händen anfangen sollte. Ich schrieb auf meine Karte ein paar liebenswürdige Worte für die alte Schauspielerin mit der dringenden Bitte, mich zu empfangen. Vielleicht kannte sie meinen Namen und nahm mich an.

Der junge Diener entfernte sich, kam dann zurück und bat mich, ihm zu folgen. Er ließ mich in einen korrekten, gutgehaltenen Salon im Stil Louis Philipps treten mit steifen schweren Möbeln, von denen eine kleine sechzehnjährige Dienerin mit schlanker Figur, doch wenig hübsch mir zu Ehren die Überzüge nahm.

Dann blieb ich allein.

An der Wand hingen drei Bilder: das der Schauspielerin in einer ihrer Rollen, das des Dichters im langen, in der Taille zusammengeschnürten Gehrock mit hohem Kragen, das Jabot, wie es damals Sitte war, in Spitzen heraushängend. Dann das Bild des Komponisten am Klavier. Sie war blond, reizend, etwas geziert nach der Sitte der damaligen Zeit und lächelte den Beschauer mit liebreizenden Lippen und braunen Augen an. Die Malerei schien fein, elegant, trocken hingesetzt. Es war, als blickten die Bilder schon auf das nächste Geschlecht herab.

Alles atmete die Erinnerung versunkener Zeiten und dahingegangener Menschen.

Eine Thür öffnete sich. Eine kleine Dame trat ein, alt, sehr alt, sehr winzig, mit weißen Löckchen, weißen Augenbrauen, wie eine kleine, weiße, huschende Maus.

Sie streckte mir die Hand entgegen und sagte mit einer Stimme, die klang- und ausdrucksvoll geblieben war:

– Ich danke Ihnen für Ihren Besuch. Es ist doch hübsch von den Herren von heute, daß sie sich der Damen von einst erinnern. Bitte nehmen Sie Platz.

Und ich erzählte ihr, wie mich ihr Haus berückt, wie ich hatte wissen wollen, wem es gehörte und wie ich bei ihrem Namen nicht hatte wiederstehen können, an ihrer Thür zu klingeln.

Sie antwortete:

– Das macht mir um so mehr Vergnügen, als mir so etwas zum ersten Mal widerfährt. Als man mir Ihre Karte gab mit den liebenswürdigen Worten darauf, bin ich zusammengefahren, als hätte man mir einen alten Freund gemeldet, den ich zwanzig Jahre nicht gesehen habe. Ich bin wie eine Tote, wirklich wie eine schon Abgeschiedene, deren sich keiner erinnert, an die niemand denkt, bis ich eines Tages sterbe. Dann werden alle Zeitungen drei Tage lang von mir reden, von Julie Romain, Anekdoten erzählen, Intimitäten aus ihrem Leben, Erinnerungen und begeisterte Lobsprüche. Und dann schweigt wieder alles über mich.

Auch sie schwieg. Nach einem Augenblick fuhr sie fort:

– Und lange wird's nicht mehr dauern. In ein paar Monaten, in ein paar Tagen wird von dieser kleinen, heute noch lebenden Frau nichts mehr übrig sein, als ein Skelett.

Sie blickte zu ihrem Bilde auf, das sie anschaute, dieser Alten eutgegenlächelte, dieser Karrikatur ihrer selbst. Dann sah sie die beiden Männer an, den weltverachtenden Dichter, den begeisterten Komponisten, die zu sagen schienen: was geht uns diese Ruine an.

Eine unerklärliche, unwiderstehliche, entsetzliche Traurigkeit schnürte mir das Herz zusammen, der Gedanke an ein schon abgeschlossenes Leben, das noch mit Erinnerungen kämpft, wie man in tiefen Wassern vor dem Ertrinken ringt.

Von meinem Sitze aus sah ich auf der Straße schnelle elegante Wagen vorüberfahren, die von Nizza nach Monaco eilten. Darin saßen junge, reiche, glückliche Frauen, zufrieden lächelnde Männer. Sie folgte meinem Blick, erriet meine Gedanken und flüsterte mit dem Lächeln der Ergebung:

– Man kann nicht gleichzeitig leben und gelebt haben.

Ich sprach zu ihr:

– Wie das Leben für Sie schön gewesen sein muß.

Sie stieß einen tiefen Seufzer aus:

– Schön und köstlich. Deswegen bedauere ich so sehr, daß es vorüber ist.

Ich sah, daß sie in der Stimmung war, von sich selbst zu erzählen und langsam, mit taktvoller Vorsicht, wie man an eine schmerzende Wunde rührt, begann ich zu fragen.

Sie erzählte von ihren Erfolgen, von rauschenden Triumphen, von ihren Freunden, von ihrer erfolgreichen Laufbahn.

Ich fragte:

– Verdanken Sie das größte Glück, das echte, dem Theater?

Sie antwortete lebhaft:

– O nein.

Ich lächelte. Und sie fuhr fort, indem sie traurig die Augen zu den beiden Bildern aufschlug:

– Denen da.

Ich konnte mich nicht enthalten, zu fragen:

– Welchem?

– Beiden. Jetzt in meinem Alter verwechsle ich sie sogar ein wenig. Und dann habe ich gegen den einen heute, gegen den anderen morgen Gewissensbisse.

– Nun, gnädige Frau, dann gilt also Ihre Dankbarkeit nicht ihnen, sondern der Liebe selbst. Sie sind nur ihre Interpreten gewesen.

– Das ist möglich, aber was für Interpreten!

– Sind Sie gewiß, daß Sie einer, der kein großer Mann gewesen wäre, nicht ebenso geliebt hätte? Ein Mann, der Ihnen sein ganzes Leben angeboten hätte, sein ganzes Herz, all sein Denken und Fühlen, seine ganze Zeit, während diese beiden zwei gefährliche Nebenbuhler mitbrachten: Musik und Dichtkunst.

Sie rief laut mit jener jung gebliebenen Stimme, die etwas in der Seele nachzittern ließ:

– Nein, oh nein! Ein anderer hätte mich vielleicht mehr, aber nicht wie diese geliebt. Denn die haben mir die Liebe gesungen, wie niemand sie hätte singen können. Wie hatten sie mich in Banden geschlagen! Wie sollte ein anderer Mann, irgend ein beliebiger, die Töne, die Worte finden, die sie mir fanden? Genügt die Liebe allein, wenn man nicht alle Poesie, alle Musik Himmels und der Erden hineinlegen kann? Und die, die verstanden es, eine Frau zu bezaubern durch Gesang und Gedicht. Ja in unserer Leidenschaft lag vielleicht mehr Ideal als Wirklichkeit. Aber dieses Ideale trägt einen hinauf in die Wolken, während die Wirklichkeit einen immer am Boden läßt. Und wenn andere mich auch mehr geliebt haben, so habe ich doch bei diesen allein erst begriffen und gefühlt, was Liebe bedeutet.

Und plötzlich begann sie zu weinen. Sie weinte lautlose Thränen der Verzweiflung.

Ich that, als merkte ich es nicht und blickte in die Ferne hinaus. Und sie fuhr nach ein paar Minuten fort:

– Sehen Sie, bei beinah allen Wesen altert das Herz mit dem Leibe. Mir ist das nicht widerfahren, mein armer Leib ist neunundsechzig Jahre alt und mein armes Herz nur zwanzig. Darum lebe ich hier allein in Blumen und Träumen.

Eine lange Pause entstand. Sie war ruhig geworden und fuhr nun lächelnd fort:

– Wenn Sie wüßten, wie ich meine Abende verbringe, wenn es schön ist, Sie würden sich über mich lustig machen. Es ist eigentlich lächerlich, und traurig zugleich.

Ich bat und bat, doch sie wollte mir nicht sagen, was sie trieb. Da erhob ich mich, um zu gehen.

Sie rief: – Schon?

Und als ich sagte, ich wollte in Monte Carlo essen, fragte sie schüchtern:

– Wollen Sie nicht bei mir essen, das würde mir wirklich Vergnügen machen.

Ich nahm sofort an. Sie klingelte glückselig und, nachdem sie ihrem Mädchen ein paar Befehle gegeben, zeigte sie mir ihr Haus.

An das Eßzimmer schloß eine überglaste Veranda voll Blumen und Gewächse. Von dort aus konnte man von einem Ende zum anderen die lange Allee von Orangenbäumen übersehen, die bis an den Berg hinan ging. Ein niedriger Sitz unter Pflanzen versteckt verriet, daß die alte Schauspielerin hier oft saß.

Dann gingen wir in den Garten, um die Blumen zu betrachten. Langsam kam der Abend, einer jener ruhigen lauen Abende, die alle Düfte aus der Erde zu zaubern scheinen. Als wir uns zu Tisch setzten, war es fast dunkel geworden. Das Diner war gut und lang. Wir wurden intime Freunde, sie und ich, als sie begriff, welche tiefe Sympathie für sie in meinem Herzen erwachte. Sie hatte zwei Fingerhüte voll Wein getrunken, wie man einst zu sagen pflegte, und wurde nun zutraulicher und gesprächiger.

Sehen Sie mal den Mond, – sagte sie. – Ich liebe den guten Mond, er ist Zeuge meines größten Glückes gewesen. Mir ist es, als lägen in seinem Schein alle meine Erinnerungen, und ich brauche ihn nur zu betrachen, so kehren sie mir zurück. Sogar manchmal abends führe ich mir ein kleines Schauspiel vor, ein sehr, sehr hübsches. Ach, wenn Sie wüßten, was. Aber nein, Sie würden mich zu sehr auslachen. Ich kann nicht, – ich wage nicht, .. Nein, nein, wirklich nicht.

– Oh bitte sagen Sie mir doch, was. Ich verspreche Ihnen auch, nicht zu lachen. Ich schwöre es Ihnen, bitte.

Sie zögerte. Ich nahm ihre Hände, die armen, mageren, kalten Hände, küßte sie, eine nach der anderen, mehrmals, wie man es einst gethan. Sie war sehr bewegt und sagte zögernd:

– Aber Sie versprechen mir, nicht zu lachen.

– Ja, ich schwöre es.

– Nun, kommen Sie mit.

Sie stand auf, und als der kleine, ungeschickte Diener, der in einer grünen Livree steckte, hinter ihr den Stuhl zurückzog, flüsterte sie ihm ein paar Worte ins Ohr, ganz leise, schnell. Und er antwortete:

– Sehr wohl, gnädige Frau, sofort.

Sie nahm meinen Arm und führte mich auf die Veranda.

Der Blick auf die Orangenallee war wirklich wunderbar. Der Mond war schon aufgegangen, der Vollmond, und warf einen schmalen silbernen Schein herab auf die Mitte der Allee, eine lange helle Linie, die auf den gelben Sand fiel, zwischen den runden Gipfeln der dunklen Bäume.

Da diese Bäume blühten, erfüllte ihr starker süßer Geruch die Nacht. Und in ihrem dunklen Geäst sah man tausende von Johanniswürmchen schwirren, jene Feuerkäfer, die einer Sternensaat gleichen.

Ich rief: – Das wäre ja ein wunderbarer Schauplatz für eine Liebesscene!

Sie lächelte:

– Nichtwahr? Nichtwahr? Nun passen Sie mal auf.

Ich mußte mich neben sie setzen, und sie flüsterte:

– So etwas läßt einen das verrauschte Leben bedauern. Ihr Männer von heute denkt an solche Dinge nicht mehr, ihr seid Börsianer, Kaufleute, praktische Menschen geworden. Ihr wißt ja garnicht mehr mit Damen zu reden. Wenn ich sage: ihr, meine ich damit die Jugend. Aus der Liebe sind Verhältnisse geworden, deren Anfang oft eine uneingestandene Schneiderrechnung ist. Wenn ihr meint, die Rechnung sei höher, denn der Wert des Mädchens, so verschwindet ihr; wenn ihr die Frau höher einschätzt als die Rechnung, zahlt ihr. Das sind nette Sitten, eine nette Zärtlichkeit!

Sie nahm mich bei der Hand:

– Da, sehen Sie hin.

Ich war erstaunt und beglückt. Dort am Ende der Allee auf dem mondbeglänzten Pfade gingen zwei junge Menschenkinder hin, sich eng umschlungen haltend. Reizend, mit kleinen Schritten kamen sie über die mondbeschienenen Stellen, die Licht auf sie warfen, bis sie wieder in den Schatten traten. Er trug einen Rock aus weißem Satin wie im vergangenen Jahrhundert und einen Straußenfederhut, sie ein Schäfergewand mit der hohen gepuderten Frisur der schönen Damen aus der Regentschaftszeit.

Hundert Schritt vor uns blieben sie stehen mitten in der Allee, küßten sich und hielten sich umschlungen.

Und plötzlich entdeckte ich, daß es die beiden kleinen Dienstboten waren. Da packte mich einer jener fürchterlichen Lachanfälle, die Eingeweide zerreißen, und ich wand mich auf meinem Sitz. Aber ich lachte nicht laut, ich widerstand in Krämpfen, sterbenskrank, der lauten Heiterkeit, wie ein Mann, dem man ein Bein abnimmt, ankämpft gegen das Bedürfnis laut zu brüllen, das ihn doch Kehle und Mund aufzureißen zwingt.

Aber die beiden Kleinen schritten die Allee zurück, und nun sahen sie wieder reizend aus. Sie entfernten sich immer weiter und verschwanden, wie ein Traum vergeht. Man sah sie nicht mehr, die leere Allee lag traurig da.

Und auch ich ging fort, ging, um all das nicht mehr vor Augen zu haben. Denn ich begriff, daß dieses Schauspiel noch lange dauern würde, dieses Schauspiel, das die ganze Vergangenheit in mir erweckt, jene Liebesgeschichte, jenes träumerisch -fesselnde Schauspiel, falsch und doch reizend, das noch heute das Herz der alten Komödiantin und einstigen Liebesgöttin laut schlagen ließ.

 << Kapitel 7  Kapitel 9 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.