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Gutenberg > Heinrich Kruse >

Die kleine Odyssee

Heinrich Kruse: Die kleine Odyssee - Kapitel 8
Quellenangabe
typeepos
booktitleDie kleine Odyssee
authorHeinrich Kruse
year1892
firstpub1892
publisherS. Hirzel
addressLeipzig
titleDie kleine Odyssee
pages149
created20150327
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Sechstes Buch.

Ithaka.

              »Und so sind wir denn schon nach Ithaka«, sagt' ich, »gekommen«,
Als wir anderen Tag's in der Dämmerung wieder vereinigt.
»Ithaka?« sprach Claus Babbe, »da bin ich vorüber gesegelt,
Als wir nach Corfu fuhren, Korinthen zu frachten für Hamburg.«
Bootsmann hatte die Art, sich nicht an die Andern zu kehren,
Sondern er sprach vor sich hin, was grad' beiläufig ihm einfiel.
»Ithaka«, sagt' er, »ist nichts als ein hohes und felsiges Eiland,
Und man begreifet es kaum, wovon sich ernähren die Menschen.
Zwar Bergwiesen sind zwischen den Felsen zu finden und Wälder,
Und so halten sie dort sich Schweine und kletternde Ziegen,
Pferde nur giebt es da nicht, denn an Ebenen mangelt es gänzlich.«
»Ja, Bootsmann, Ihr habt uns Ithaka richtig beschrieben,
Seit Jahrtausenden hat daselbst sich wenig verändert.
Als die Phäaken gelandet an Ithakas felsiger Küste,
Schlief Odysseus noch fest auf dem Deck, und sie hoben ihn sorgsam
Sammt den Teppichen auf und den Linnen, ans Ufer ihn tragend, 111
Und sie holten desgleichen vom Schiffe die schönen Geschenke,
Die Alcinous selber gebracht und unter die Bänke
Eingeräumt, so daß nicht würden die Rudrer gehindert.
Und so legten sie ihn, umgeben von seinen Geschenken,
Unter die schattige Grotte, beschützt vor den Strahlen der Sonne.
Doch da er endlich erwacht war, erkannt' er die Heimath nicht wieder.
Fremd sah Alles ihn an, und er sah sich, glaubt' er, verlassen.«
Peter, der alte Matrose, der gern nachgrübelte, sagte:
»Sollte das möglich sein? Er erkannte die Insel nicht wieder,
Wo er geboren doch war und die er so lange beherrschte?«
»Peter, das ist sehr möglich. Es sieht die bekannteste Gegend
Ganz fremd manchmal uns an«, so versetzt' ich, »besonders im Mondschein.«
»Ich bin auf Rügen geboren«, so sprach Claus Babbe, der Bootsmann,
»Und weiß stets, wo ich bin. Ich kenne die sämmtlichen Güter,
Sämmtliche Gutsherrn auch, und wenn irgend wohin mit verbundnen
Augen ich würde geführt, so kennt' ich doch sicher den Gutsherrn,
Wessen die Feldmark ist, auf welcher ich stehe.« »Das wäre
Seltsam!« riefen wir aus. »Woran willst Du das erkennen?«
Bootsmann lächelte schlau: »Wenn die Kinderchen spielen im Dorfe,
Kann ich den gnädigen Herrn aus den Zügen der Kleinen erkennen.«
Anfangs merkten wir nicht, was er meinte. Als Einem ein Licht dann
Aufging, lachte er laut und stürmische Heiterkeit folgte.
Capitain Miedbrod selbst ward angesteckt, und er sagte
Mit Kopfschütteln: »Ei, ei! Ihr führt da verfängliche Reden! 112
Bootsmann, schämt Euch! Ihr seid doch gesetzteren Alters und solltet
Jüngeren Leuten ein Beispiel geben von Sitt' und von Anstand.
Seht auch immer so aus, als wär't Ihr die Ehrbarkeit selber.
Und nun seid Ihr der Schlimmste mit losen und lockeren Reden.«
Ihm antwortete drauf in behaglicher Ruhe der Bootsmann:
»Paschawirthschaft ist nicht allein bei den Türken zu finden.«
»Hört', ich verbitte mir doch so unanständige Reden.
Unter den Rhedern des Schiffs sind auch Barone und Grafen
Und es geziemet sich nicht, so die rügenschen Herr'n zu verlästern.«
Bootsmann schwieg. Das hieß nur so viel: »Am besten, ich schweige,
Denn Ihr seid der Captain, und ich, ich bin nur ein Bootsmann!«
Doch sobald der Captain den Rücken gewandt und der Mannschaft
Aus Hörweite gekommen, so blinzelte Claus uns vergnügt an,
Und sprach also zu uns, auf seiner gewagten Erzählung
Bulldoggmäßig beharrend: »Was wahr ist, muß es doch bleiben.«
Ich fuhr fort zu erzählen. Odysseus ergoß sich in Klagen:
»Weh mir, in welches Gebiet bin hier ich gekommen? Es hatten
Mir die Phäaken versprochen, zur Heimath mich zu entsenden,
Und nun haben sie doch mich ausgesetzt in der Fremde!
Wohin berg' ich das Gut? Wo bleib' ich selber?« so klagt' er,
Und dann zählt' er die rings ihn umgebenden reichen Geschenke.
Hier Dreifüße und Becken, da Kleider und schöne Gewebe.
Sieh, und es fehlte ihm nichts. Da kam ein Jüngling des Weges, 113
Dessen gebogener Stab, womit man greifet die Schafe,
Ihn als Hirten verrieth. Odysseus sprach ihn erfreut an:
»Ist dies ein Eiland?« fragt' er. »Wie heißt das Gebirge? Wo bin ich?«
»Kennst Du Neriton nicht«, so sprach antwortend der Hirte,
»Ithakas waldiges Haupt? Ich bin ein Hirt des Odysseus.«
»O, so ist sein Name noch nicht in der Heimath verschollen!«
Rief Odysseus entzückt und erkannte nun wieder die Gegend.
»Lebt noch Eumäus?« »Er lebt und hütet die sämmtlichen Schweine.
Unter ihm steh'n vier Knechte, wovon ich der jüngste. Es prassen
Nun drei Jahre bereits im Hause die trotzigen Freier.
Täglich schickt er mit Fluchen zur Stadt so Ferkel wie Mastschwein,
Denn er ist redlich gesinnt; für den Herrn und die Frau und den jungen
Telemach ließ er das Leben und hofft noch den Tag zu erblicken,
Wo Odysseus kommt, das Gezücht zu vertilgen der Freier.«
»Und wer sind denn die Freier? Ich komme von Kreta gefahren
Auf phönicischem Schiff und weiß nicht Bescheid auf der Insel.«
Und so erzählte der Hirt, wie die Freier Penelope drängten,
All ihr Treiben und Thun. Auch erzählt' er, wie ihrer die Herrin
Lange mit List sich erwehrt. Sie sagte, sie müsse Laertes
Weben ein Leichengewand, des Odysseus alterndem Vater,
Denn nicht schick' es sich, früher an neue Vermählung zu denken.
Aber was Tags sie gewebt, das trennte sie wieder des Nachts auf,
So daß nicht vorrückte das Werk und die Werber sie hinhielt. 114
Endlich ward es den Freiern verrathen durch eine der Mägde,
Ein gottloses Geschöpf, wie unter der Dienerschaft Viele,
Die mit den Freiern es halten und nicht mehr scheuen die Herrschaft.
Als Odysseus vernahm, wie schlimm von den Freiern gehaust war,
Seufzt' im Stillen er auf, doch bezwang er die zürnende Seele.
»Wahrlich«, sprach er, »es wird nicht ewig verziehen Odysseus,
Und dann wird es das Herz ihm erwärmen, so redliche Diener
Noch zu finden, wie Dich und Eumäus, den trefflichen Hirten;
Denn auch mir schon ward er gerühmt, und glaubst Du, Eumäus
Wird auch Fremde, wie mich, dem Nahrung fehlet und Obdach,
Nicht abweisen und mich herbergen auf seinem Gehöfte?«
»Wenn Du redlich bist und Arbeit suchest und nicht blos
Zu faullenzen gedenkst, so bist Du Eumäus willkommen«,
Sagte der Hirt. »Doch ich darf nicht länger die Heerde versäumen.
Gehst Du zu Jenem, so treffen wir dort am Abend zusammen.«
Und schon schritt er davon. »Wo geht zum Eumäus der Weg hin?«
Rief Odysseus ihm nach und ließ sich vom Hirten bedeuten.
Freilich, er kannte den Weg sehr wohl, doch däucht ihm das Beste,
Als ein Unbekannter in seinem Gebiet zu erscheinen
Und bei Niedrig und Hoch sich Alles vorher zu erforschen,
Eh' er beginne den Kampf mit der frevelnden Horde der Freier.
Gern auch hätt' er gefragt nach dem Sohn und der liebenden Gattin,
Aber er traute sich nicht, denn er fürchtete, sich zu verrathen.
Daß sie lebten, das war für ihn schon strahlende Wonne,
Und so hofft' er, das Andre gemach bei Eumäus zu hören.
Doch vorsichtigen Geistes besorgte vorerst er das Nächste, 115
Barg die phäakischen Gaben im innersten Winkel der Grotte,
Daß kein Andrer sie fänd' und sich an den Schätzen vergriffe,
Und dann macht' er sich auf zum Eumäus. Da kam auf dem Wege
Ihm ein Bettler entgegen und bat, ihm etwas zu schenken.
»Siehe, Du schaust nicht aus, wie ein Bettler, der Du doch sein willst!«
Dacht' Odysseus bei sich und sagte zum Bettler: »Da nimm, Freund;
Neu und heil ist das Kleid, doch gieb dafür mir das alte!«
Damit nahm er das schmutzige Kleid und den schmierigen Ranzen,
Alt und geflickt, und befestigte ihn mit dem ledernen Tragband.
Also ging er daher als Bettler, doch konnt' er die Hoheit
Selbst in Lumpen gehüllt, nicht verleugnen. So mochte der König
Oedipus einst aussehn, als Bettler geführt von der Tochter.
Und so schritt er den steinigen Pfad von dem Ufer des Meeres
Bis zum Walde hinan, wo die Schweine sich labten an Eicheln,
Bis er kam zum Gehöft, das der Sauhirt selbst sich geschaffen,
Mit zwölf Kofen. Es grunzten darin je fünfzig der Schweine.
Aber Eumäus saß und hielt in den Händen die Rindshaut,
Sohlen daraus sich zu schneiden, und war allein im Gehöfte,
Von vier Hunden bewacht, so wild wie reißende Thiere.
Als sie den Wanderer sahn ankommen, so stürzten mit lautem
Bellen sie über ihn her und fletschten die grimmigen Zähne,
Ihn zu zerfleischen bereit. »O, die bissigen Hunde der Hirten!
Einmal haben sie mir so Wade wie Hose zerrissen!
Wird man so von den Hunden gepackt, dann thut man am besten,
Daß man herunter sich duckt, als höbe man Steine vom Boden,
Davor scheuen die Köter!« bemerkte zur Sache der Bootsmann. 116
»Ob Odysseus gethan, wie Du anräthst, kann ich nicht sagen,
Aber Eumäus kam ihm zu Hülfe so rasch, daß die Rindshaut
Ihm fortflog, und schalt und wehrte den Hunden und jagte
Sie auseinander und sprach zu dem Unbekannten die Worte:
»Greis, bald hätten Dich eben die wüthenden Hunde zerrissen
Und mir den Kummer vermehrt, der so mein Herz schon belastet.
Komm nun, Alter, und laß in das Haus uns gehen, damit Du
Stärkst Dich mit Brod und mit Wein und mir ansagst, wessen Du mangelst.«
Und so führt' er Odysseus hinein, und laubiges Reisig
Schüttet' er aus auf die Erd' und deckte darüber ein Geißfell
Und hieß Jenen den Sitz einnehmen, den rasch er bereitet.
Aber Odysseus sprach: »So mögen die Götter Dir Alles,
Was Du wünschest, verleihn, das Du so gutherzig mich aufnimmst!«
Ihm antwortete drauf Eumäus, der treffliche Sauhirt:
»Ist mein Haus auch gering, es verschließt sich doch niemals dem Fremdling.
Jeglicher Fremde gehöret dem Zeus und wer darbend uns bittet.«
Und so schlug er den Gürtel sich um und ging zu den Kofen,
Wo zwei Faselschweinchen er nahm und trug in die Küche.
Diese sengte er ab und steckte das Fleisch an die Spieße.
Als nun gar es gebraten, da trug er es hin vor Odysseus,
Brätelnd noch an den Spießen, bestreut mit reichlichem Mehle,
Füllte die hölzerne Kanne mit Wein und sprach zu dem Gaste:
»Iß nun, Fremder, mit mir, so gut wir Hirten es haben;
Denn die gemästeten Schweine verzehren die üppigen Freier,
Leeren die Fässer mit Wein und verprassen das Gut des Odysseus.
Wenn mein gütiger Herr hier wäre geblieben, so hätt' er
Mir ein Gütchen im Alter geschenkt und ein Weib mir gegeben, 117
Weil ich treu ihm gedient, und Segen dem Fleiße gefolgt ist.
Doch er ist ferne von hier, und wer weiß, ob je er zurückkehrt.
Lange wohl liegt er bereits in dem fischewimmelnden Meere.«
Während er sprach, aß jener das süße Fleisch, und begierig
Trank er den Wein stillschweigend, denn Unheil sann er den Freiern.
Endlich reicht' er die Kanne, woraus er selber getrunken,
Seinem so gütigen Wirth, der ihm mit Nicken Bescheid that.
»Sei nur getrost, Eumäus«, so sprach er zum trefflichen Sauhirt,
»Siehe, Dein Herr ist nahe, Odysseus, den Du betrauerst.
Ehe vergehet das Jahr, und ehe verschwunden der Mond ist,
Welcher die Scheibe nun füllt, kommt Jener zurück in den Pallast,
Der ihm als König gehört und züchtigt die frevelnde Rotte!«
Darauf sprach kopfschüttelnd Eumäus, der treffliche Sauhirt:
»Lieber, man glaubt nicht leicht auf Ithaka Deiner Verkündung.
Viele sind hier schon erschienen, die uns von Odysseus erzählten,
Bettler und Abenteurer – es giebt viel schweifende Leute –
Und Penelope ließ sie kommen, sie mußten sich setzen
Neben sie und ihr erzählen, wo sie zuletzt ihn gesehen,
Wann er zurück wohl kehre; und was sie wünschet zu hören,
Sagen sie ihr, daß die Augen ihr übergehen vor Freude;
Und sie bewirthet sie wohl und entläßt sie mit Mantel und Leibrock.
Aber Odysseus soll noch heute nach Ithaka kommen,
Und schon sorg' ich nicht mehr allein um den Vater; der junge
Telemach auch, sein Sohn, hat die Insel verlassen.« »Wo ist er?«
Rief Odysseus erregt. »Was ist es mit Telemach? Rede!«
»Telemach ging zum Nestor in Pylos und Menelaus, 118
Welcher in Sparta herrscht, um dort zu erfahren des Vaters
Schicksal, wenn sie es wissen. Den schwelgenden Freiern gebot er,
Eh' er von Haus wegging, zu verlassen den Saal und den Vorhof,
Und zu verzehren im eigenen Haus ein Jeder das Seine.
Ja, sie waren erstaunt, daß der Knabe zum Jüngling gereift ist,
Darum wurden sie Raths und rüsteten heimlich ein Schiff aus
Voller bewaffneter Männer, in Hinterhalt sich zu legen
Und ihn, wenn er zurück nach Ithaka kehret, zu tödten.
Denn er hat schon den Freiern gedroht und sie Räuber gescholten,
Und nicht sieht er so aus, als ob er Vergebliches rede.«
»Aermster! Und gleichet er mir? Ich mein', ist der Sohn des Odysseus
Aehnlich dem Vater?« »Er ist sein Ebenbild, wie sie sagen,
Unsere Alten, die Jenen gekannt in den Jahren der Jugend,
Schlank noch und zart; doch es wachsen die Glieder und wachsen die Kräfte.«
Und des Odysseus Herz war erfreut, so vom Sohne zu hören.
Unterdeß kamen die Hirten zurück, mit den grunzenden Schweinen,
Und nachdem sie vertheilt ihr borstiges Vieh in die Kofen,
Setzten die Männer sich alle zusammen zur ärmlichen Nachtkost,
Brod und Käse und Milch: nach der Arbeit schmeckt es wie Festschmaus.
Und dann suchten sie auf ihr einfaches Lager. Es sauste
Draußen der Regen, Odysseus fror. Da deckte der Sauhirt
Sorglich ihn zu mit dem Mantel, aus grober Wolle verfertigt,
Welchen zum Schutz vor der Kälte des Winters Eumäus gebrauchte,
Und dann ging er hinaus mit dem Spieße bewaffnet, als Wächter 119
Draußen, ein redlicher Knecht, bei dem Viehe der Herrschaft zu schlafen.
»Siehe, da kommt ein Bekannter«, so sprach am anderen Morgen,
Als sie am Frühmahl saßen, der Gast zum freundlichen Wirthe,
»Denn kein Hund schlägt an und sie hüpfen ihm schmeichelnd entgegen.«
Und kaum hatt' er gesprochen, so trat in die Pforte ein Jüngling,
Edel gebildet und schön von Gesicht. Da erhob sich der Sauhirt
Und ihm fiel sein Krug aus der Hand, so war er betroffen,
Küßte dem Jüngling Gesicht und Hände und weinte vor Freuden.
Wie ein Vater den Sohn, so umschlang ihn freudig der Sauhirt.
»Telemach, bist Du gekommen, mein süßes Leben? Mein Liebling,
Bist Du entgangen dem Schiff im Sund, das zwischen den Inseln
Samos und Ithaka liegt mit lauernden Freiern bewaffnet,
Die Dir geschworen den Tod?« »Ich fuhr nicht zwischen den Inseln«,
Also versetzte darauf der verständige Sohn des Odysseus,
»Und ich kam auch zur Nacht, so hat ein Gott mich gerettet.«
Als er zur Thür eintrat, so erhob sich der Vater Odysseus,
Um ihm Platz zu machen, doch Telemach wehrt' ihm und sagte:
»Fremdling, stehe nicht auf! Ich finde noch andere Sitze
Hier in unserm Gehöft.« Und der Sauhirt schüttete Reisig
Ueber den Estrich aus und deckte darüber ein Schaffell.
»Sohn, ist Dir es bequem?« Und Telemach sagte mit Lächeln:
»Fände doch jeglicher König den Sitz so bequem auf dem Throne! 120
Aber wer ist denn der Fremde?« »Er stammt aus dem weithin gestreckten
Kreta. Er hat viel Städte gesehn und Sitten der Menschen,
Ein unseliger Mann, denn er hat viel Leiden erduldet.
Unansehnlich ist zwar sein Kleid; doch er selber ist würdig.
Nimm denn seiner Dich an, ich überlass' Dir den Fremdling.«
Telemach aber entgegnete drauf und zuckte die Achsel:
»Ach, ich bin ja nicht Herr im eigenen Hause; das weißt Du.
Da er sich Deinem Gehöfte genaht, so behalt ihn nur draußen,
Aber ich sende Dir Kleider für ihn und ein Schwert, es zu tragen;
Denn es scheint mir ein tapferer Mann von kräftigen Gliedern.
Geh' indessen geschwind und sage der sorgenden Mutter,
Daß ich wiedergekehrt und entronnen dem drohenden Tod bin,
Doch ich bleibe zurück im Gehöft mit dem würdigen Fremdling.«
Als Eumäus die Sohlen sich unter die Füße gebunden,
Nahm er den Stab und ging in die Stadt, um die Botschaft zu melden,
Aber Odysseus sprach zum theuersten Sohn nicht als Bettler,
Sondern als König und Held sich erhebend, und sagte die Worte:
»Sohn, ich bin Dein Vater, der Städteverwüster Odysseus,
Den Du so lange beweint. Ja, Ithakas König ist wieder
In sein Reich gekommen, zu lohnen die Guten, die Bösen
Abzustrafen, vor Allem die übermüthigen Freier!«
Telemach staunte, doch konnt' er so rasch nicht trauen den Worten,
Aber er blickt' auf das edle Gesicht des Fremdlings und sah dort,
Wie er im silbernen Spiegel gesehn sein eigenes Antlitz,
Männlicher nur und gebräunt. Und in der gebietenden Haltung 121
Dieses nur ärmlich gekleideten Manns war ein Hohes, ein Etwas,
Das nicht erlaubte, an dem, was er sagte, zu zweifeln. Er fuhr fort:
»Glaube nicht, Sohn, daß je ein andrer Odysseus erscheine,
Sondern ich bin's, bin's selbst, der im zwanzigsten Jahre zurückkehrt.«
Telemach aber vermochte nicht länger zu zweifeln. Der Jüngling
Schlang um den Vater den Arm, und sie mischten die stürzenden Thränen,
Und Odysseus erzählte dem Sohn, was er Alles erduldet
Auf dem Land und dem Meer und selbst im Reiche der Schatten,
Aber nur kurz, denn es war nicht Zeit, um müßig zu reden,
Sondern er fragte sogleich nach der Zahl und Bedeutung der Freier.
»O, nicht zehn, nicht zwanzig, es sind wohl hundert und mehr noch,
Und wir Zwei, wir können den Kampf mit Allen nicht wagen,
Wenn Du nicht etwa Verbündete hast, die uns helfen im Kampfe.«
»Ja, ich habe sie, Sohn! Hoch donnernd den Ordner der Welt, Zeus,
Und die stets mich beschützte, die Aegisschwingerin Pallas,
Ja, sie streiten mit uns und das Recht und die Stimme des Volkes.
Aber Du redest ja wahr, wir können allein mit der Stärke
Nicht obsiegen dem Schwarm, wir müssen uns nähen die Fuchshaut,
Sohn, an das Löwenfell und die List uns nehmen zu Hülfe.
Niemand sage darum, daß Odysseus wiedergekommen, 122
Unbekannt muß ich gehn nach der Stadt, nach meinem Palaste,
Ein Kundschafter, der Alles erspäht in dem feindlichen Lager.
Mache Du, Sohn, Dich auf, sobald sich röthet der Morgen,
Und ich folge Dir nach und mische mich unter die Freier
Als ein Bettler, und wenn sie mich auch mißhandeln, Du mußt es
Ruhig mit ansehn, Sohn, und wenn sie mich auch an den Füßen
Schleppen zum Saale heraus, Du mußt Dein Herz noch bezwingen.
Eins nur sag' ich schon jetzt: Du mußt aus dem Saale die Waffen,
Die dort hängen, entfernen, und wenn sie fragen: Was soll das?
Sagst Du: »Ich trug sie fort aus dem Rauch, sie waren erblindet
Und sie gleichen den Waffen nicht mehr, die Odysseus zurückließ,
Als er gen Ilios zog.« So beruhigst Du ihre Gedanken.
Wenn wir, ich und Du, Eumäus und etliche Knechte,
Die uns treu und ergeben in Wehr und Waffen erscheinen,
Aber die Freier am Schmaus und im Feierkleide: – sie haben
Nichts, zu beschützen den Leib, noch weniger Waffen zum Angriff;
Dann mag wohl es geschehn, daß Wenige stärker als Viele.«
Dazu nickte vergnügt mit dem Kopf der gemüthliche Bootsmann,
Und Fritz Runge sogar, er geruhte zu sagen: »Ich wüßt' es
Besser nicht anzugeben.« So war denn des Ithakers Klugheit
Nach Jahrtausenden noch mit Brief und Siegel versehen.
Telemach ging nach der Stadt, um die sorgende Mutter zu trösten,
Erst um Mittag folgt' Eumäus ihm, welcher mit guter
Botschaft die Herrin erfreut und zurückgekehrt zum Gehöft war, 123
Und nun gab das Geleite zur Stadt dem edlen Odysseus,
Neben ihm ging er als Bettler den Pfad mit Ranzen und Knittel.
Als sie nahe gekommen der Stadt und den Brunnen erreichten,
Schön gefaßt, hellfließend, woher sich schöpften die Bürger,
Rings war ein schattiger Hain voll wasserliebender Pappeln,
Traf Melantheus mit ihnen zusammen, der Hirte der Ziegen,
Zicklein führend zur Stadt zum Schmaus für die üppigen Freier.
»Gleich und Gleich gesellet sich gern! Da sieht man es wieder,
Denn ein Taugenichts wird, so seht doch, geführt von dem andern!
Wo nur triebst Du den Bettler Dir auf, ungesegneter Sauhirt?
Wenn er die Ställe nur fegte und Laub vortrüge den Ziegen,
Könnt' er, mit Molken getränkt, noch Fleisch auf die Lenden gewinnen,
Aber der Tagedieb will nicht arbeiten, nur betteln!«
So sprach, keck und frech, Melantheus, der Hirte der Ziegen.
Und stieß aus mit dem Fuß auf die Hüfte des edlen Odysseus,
Welcher ihn gerne zu Boden geschlagen, den Schurken Melantheus,
Doch er bezwang sein Herz und duldete; aber der Sauhirt
Schalt und rief ihm nach: »O, Du ruchloser Melantheus!
Gehst Du schon wieder zur Stadt und treibst Dich herum auf den Straßen,
Während die Heerden indeß untüchtige Knechte verderben?«
Als sie zum Vorhof kamen der prächtigen Wohnung, ergötzten
Draußen die Freier sich laut mit Werfen von Scheiben und Spießen,
Und ein Stimmengewirr von Schmausenden drang aus dem Saale,
Klänge der Harfe vernahm man dazwischen mit süßem Gesange. 124
Aber Odysseus zürnte den ungeladenen Gästen.
»Mische Dich nicht in dieses Gewühl!« so rieth ihm der Sauhirt,
»Denn sie werden Dich übel behandeln.« Er sagte dagegen:
»Mögen den Bettler sie stoßen und schlagen. Ich bin schon an härtre
Schläge des Schicksals gewöhnt und kann auch dieses noch dulden.«
Sieh', da erhob ein Hund vom Lager den Kopf und die Ohren,
Argus hieß er, und war dem Odysseus bekannt, der vor zwanzig
Jahren daheim ihn ließ, wo er munter herauf an den Herrn sprang.
Doch nun drückte das Alter den Hund, der auf Hasen und Rehe
Vormals eifrig gejagt und die wilden Ziegen der Berge.
Jetzt jedoch lag er, verachtet und schwach, auf dem Haufen von Dünger.
Als er Odysseus erblickte, erkannt' er ihn, und mit dem Schwanze
Wedelnd kroch er heran und senkte herunter die Ohren.
Doch es schwand ihm die Kraft und er konnte den Herrn nicht erreichen.
Aber Odysseus wischte die Thränen sich ab bei dem Anblick.
Nichts wahrnehmend von seiner Bewegung, versetzte der Sauhirt:
»Ja, das war auf der Jagd vor Zeiten ein trefflicher Spürhund,
Und nun kümmert sich Niemand um ihn, denn die Mägde sind lässig;
Wenn nicht immer der Herr antreibt so Knechte wie Mägde,
Werden sie träg und versäumen die ihnen gebührende Arbeit.«
Und so ging Odysseus hinein in den Saal zu den Freiern.
Argus aber, er schloß sein Aug' im Dunkel des Todes,
Gleich nachdem er den Herrn, den geliebten, noch einmal gesehen. 125
Und nun begann im Saale der Held zu betteln und streckte,
Gleich als sei er's gewohnt, zum Empfange der Gabe die Hand aus.
Willig gab ihm Mancher, doch als er Antinous nahte,
Stieß ihn der frechste der Freier zurück und rief zum Eumäus:
»Warum hast Du den Bettler zur Plage des Mahles gerufen?
Haben wir nicht Landstreicher genug?« Es versetzte der Sauhirt:
»Aerzte ruft man herbei, Baukünstler und Sänger, und Alle,
Deren wir selber bedürfen, doch nicht armselige Bettler;
Bettler sendet uns Zeus, daß wir Barmherzigkeit lernen.«
Aber Antinous griff zum Schemel, als wollt' er ihn werfen.
Doch Odysseus sprach uneingeschüchtert: »Du hast hier
Alles in Füll', und es kostet Dir nichts, doch willst Du nicht geben?
Wahrlich, aus Eigenem wirst Du niemals spenden ein Salzkorn.«
»Packe Dich!« rief Antinous aus. Als Jener zurückwich,
Nahm er den Schemel und warf auf Odysseus grimmig die Fußbank,
Daß sie den Hals und die Schulter ihm traf, doch er zuckte nicht einmal,
Aber er schwur ihm den Tod und allen versammelten Freiern.
Und so setzt' er bescheiden sich hin vor die Thüre und schweigend
Aß er, was ihm die Freier geschenkt, aus dem schmierigen Ranzen.
Doch hat einer zu essen, so gönnen es nicht ihm die Andern.
Irus kam, ein Bettler, daher, der lange gewohnt war,
Haus bei Haus zu betteln, ein weitberüchtigter Vielfraß.
Als er Odysseus sah an der Pforte, da ward er entrüstet,
Und er begehrte, den Greis von dem eigenen Hause zu treiben. 126
»Hebe Dich weg! Dies ist mein Platz und wenn Du nicht gleich gehst,
Schlepp' ich Dich fort und Du mußt mit mir Dich messen im Faustkampf.«
Ihm antwortete drauf der Laertiade Odysseus:
»Niemals hab' ich Dir etwas gethan, was zankst Du mit mir denn?
Raum für Beide gewährt ja die Schwelle. Und fordre zum Faustkampf
Nicht zu dreist mich heraus; denn weißt Du, was diese vermögen?«
Und er zeigt ihm den nervigen Arm und die knochigen Fäuste.
Irus war groß von Gestalt und stolz auf die jüngern Jahre.
»Soll ich die Zähne Dir schlagen aus Maul und Backen, Du Freßsack?«
Also sprach er, und Claus verdroß nicht wenig die Rede.
»Bootsmann«, fragt' ich, »was macht Ihr denn da?« »O, ich streife mir«, sagt' er,
»Unwillkürlich den Aermel nur auf.« »Und wozu denn das, Bootsmann?«
»Nun, um dem Kerl da, dem Irus, Moritzen zu lehren!« so sprach er.
Seht, so lebendig waren die Leute bei meiner Erzählung.
Herzliches Lachen erscholl aus dem Saal bei dem Streite der Bettler,
Und Antinous sprach: »Was für ein lustiges Schauspiel
Hat ein Gott uns bereitet!« Da standen sie Alle vom Mahl auf
Und umringten die Beiden, die lumpig gekleideten Bettler.
Irus prahlendem Wort entsprachen nur wenig die Kräfte,
Aber der Andre, gedrung'ner von Wuchs, war mächtig von Knochen. 127
Und Antinous sprach: »Zum Kampfe gehört auch ein Kampfpreis
Und wir haben als leckere Kost für den Abend auf Kohlen
Uns Geißmagen gelegt, die mit Fett und mit Blute gefüllt sind,
Davon wähle sich einen der glückliche Sieger im Zweikampf,
Und kein Andrer als er soll hier sich nahen als Bettler.«
Also sprach er und Allen gefiel des Antinous Rede.
Aber Odysseus gürtete sich und zeigte die Glieder.
»Welche Lenden«, so sagten die Freier, »der Bettler hervorstreckt,
Irus möge sich hüten!« Und dieser begann auch zu zittern,
Aber ihn gürteten, mocht' er auch zagen, die Diener zum Wettkampf.
Und Antinous rief: »Wie? Schämst Du Dich nicht, Dich zu fürchten
Vor dem im Elend verkümmerten Greis, Du gemästeter Schlingel?
Läßt Du Dich schimpflich besiegen, so schick' ich Dich dort, wo der König
Echetus haust, nach Epirus. Der kennt nicht Erbarmen und schneidet
Nas' und Ohren Dir ab; so pflegt er's den Fremden zu machen.«
Irus klapperten schier schon die Zähne, doch mußt' er nun kämpfen.
Aber Odysseus beschloß, ihn nicht auf den Boden zu schlagen,
Daß er entseelt hinfalle, nein, mäßig die Kraft nur zu zeigen.
Irus erhob sich und schlug den Odysseus rechts auf die Schulter,
Aber Odysseus traf grad' unter dem Ohre den Irus,
Daß ihm die Knochen im Halse zerbrachen und strömendes Blut ihm
Schoß aus dem Munde hervor und er hinschlug zappelnd und schreiend. 128
Ueber ihn lachten die Freier sich athemlos. Aber Odysseus
Zog ihn hinweg von der Thür, an die Mauer des Hofes ihn lehnend,
Gab ihm den Stab in die Hand und sprach: »So! Prahle nicht ferner!«
Doch dem Odysseus gaben die Freier, was ihm sie versprochen,
Gaben ihm Wein zu trinken und zechten und lärmten dann weiter,
Bis sie spät heimgingen, ein Jeder zur eigenen Wohnung.
Aber Odysseus begann nunmehr sein Werk mit dem Sohne,
Alle die Waffen, entlang an den Wänden der Halle geordnet,
Schwerter und Lanzen und Helme und wohlgebuckelte Schilde,
Nahmen sie ab und trugen sie dann in die obere Kammer.
Telemach sagte darauf zu Odysseus: »Ruhe nun, Vater,
Aber vorher nimm noch ein warmes, erquickendes Fußbad.« –
»Euryklea, dem Fremden ein Fußbad eilig gerüstet!«
Hatte gerufen der Sohn des Hauses zur alten, erprobten
Dienerin, welche bereits, als die Mutter Odysseus geboren,
Ihn in die Arme genommen und sorgsam ihn pflegte als Amme.
Und nicht lange, so kam mit der blinkenden Wanne die Alte,
Zum Fußwaschen bestimmt und gefüllt mit Wasser vom Brunnen,
Und dann mischte sie kochendes zu und prüfte die Mischung.
Niemals hab' ich noch Jemand gesehn, so sagte die Alte,
Der an Gestalt und Stimme so sehr glich meinem Odysseus.
Aber Odysseus rückte den Stuhl vom Herd in das Dunkle,
Damit nicht Euryklea die Narbe bemerkte am Beine
Und ihn erkannte daran. Denn es brach ein gewaltiger Eber
Einmal, die Borsten gesträubt und mit funkelndem Aug' aus dem Dickicht.
Aber der junge Sohn des Laertes ging ihm entgegen
Kühn mit dem Speer und erlegte ihn auch, doch hatte der Eber 129
Ihn mit dem Hauer verwundet am Knie, daß die Narbe zurückblieb.
Als nun die Alte den Fuß ihm wusch und die Stelle berührte,
Spürte die Narbe sie gleich und ließ hingleiten den Schenkel,
Und so fiel sein Bein in die Wanne, daß klingend das Erz scholl,
Und auf die Seite sich lehnt' und zur Erd' ausströmte das Wasser.
Freude zugleich und Staunen ergriff ihr Herz, und die Augen
Waren mit Thränen gefüllt, und es wollt' ihr die Stimme versagen,
Doch sie faßt' ihn am Kinn und sprach: »Du bist es, Odysseus!«
Aber er schnürte die Kehle ihr zu, auf Penelope weisend,
Und sie verstand, daß er Schweigen gebot und gehorchte mit Zittern.
»Schweig!« so sagt' er ihr nahe dem Ohr. »Denn wenn ich im Hause
Ward als Odysseus erkannt, so wird es den Freiern verrathen,
Und dann werden sie eher mir Tod und Verderben bereiten,
Als mir selbst es gelinget, die Rotte der Frevler zu strafen.«
Schweigen gelobt' ihm sogleich die verständige Euryklea,
Und sie holt' ihm ein anderes Bad, da das erste verschüttet,
Und dann streckte Odysseus sich aus zur Ruhe. Die Bettstatt
Hatt' er verschmäht. Ihm genügt' auf dem Boden gebreitet die Rindshaut,
Und ein wollenes Vlies, das Euryklea, die Amme,
Hatte darüber gelegt, und sie deckte ihn zu mit dem Mantel.
So lag wachend Odysseus und sann auf der Freier Verderben.
Siehe, da kamen die Mägde, die sich mit den Freiern verstanden,
Kichernd und lachend daher, und schlichen sich fort aus dem Hause,
Nachzugehen den Freiern, wie das allnächtlich sie pflegten. 130
Gern wär' aufgesprungen Odysseus, um sie zu strafen,
Doch er bezwang sich und sprach: »Noch einmal mag es geschehen.
Duld' auch dieses, mein Herz, schon Härteres hast Du erduldet!«
Dann umfing ihn der Schlummer, der sanft auflöset die Glieder.
Als sich der Morgen geröthet, so sprang vom Lager Odysseus,
Denn schon hört' er die Stimme der Amme, den Mägden gebietend:
»Kehret den Saal mit dem Besen und wischt mit den Schwämmen die Tische,
Holt schnell Wasser vom Born und besorgt heut Alles in Eile,
Denn dies ist ein festlicher Tag, und unsere Herrin
Will entschließen sich heut, aus den Freiern den Gatten zu wählen.«
Hoch auf horchten die Mägde und thaten, wie ihnen geheißen.
Bald auch kamen die Hirten mit Schweinen und Ziegen und Schafen,
Auch Philoetius kam, der Rinderhirte, gegangen,
Der wie Eumäus treu an der Herrschaft hing und Odysseus'
Rückkehr täglich erflehte von Zeus und den himmlischen Göttern.
Schon auch kehrten zum Mahle zurück ungeladen die Freier,
Und als ein Tischchen der Sohn des Hauses dem Fremdlinge anwies,
Daß er am Schmaus theilnehme, da rief Ktesippus, aus reichem
Haus in Same, der auch um Penelope freite, mit Hohn aus:
»Freunde, da speist ja mit uns ein neuer und stattlicher Freier,
Und ich will ein Gastgeschenk ihm verehren.« Ein Kuhfuß
War's, den er holt' aus dem Korb und warf auf den edlen Odysseus,
Der sich bückte, so daß an die Wand fuhr schallend der Kuhfuß.
Aber mit männlichem Zorn rief Telemach, heftig entrüstet: 131
»Hätt'st Du den Fremden getroffen, den ich als Gast bei mir aufnahm,
Hätt' ich, Ktesippus, Dich hier mit dem Speer durchbohret. Ich bin jetzt
Herr im Hause, das laßt Euch Allen, Ihr Freier, gesagt sein!«
Alle verwunderten sich, daß Telemach so sie bedrohte,
Und sie versuchten zu lachen, allein sie konnten nur grinsen,
Und ihr Antlitz wurde verzerrt und das Fleisch, das sie aßen,
Wurde besudelt mit Blut, nicht wollend vergossen sie Thränen,
Und Theoclymenus sprach: »Wie hat sich die Sonne verdunkelt,
Freunde, ist Euch wie mir? Unheimlich ward mir zu Muthe,
Voll ist schwebender Schatten der Flur und voll auch der Vorhof,
Die zum Erebus eilen in Finsterniß.« Als er so redte,
Lachte Antinous auf: »Theoclymenus, schwatze nicht Unsinn,
Scheint hier Alles Dir Dunkel zu sein, so geh' auf den Marktplatz.«
»Ja, ich werd' auch gehen von hier, Antinous«, sagte
Theoclymenus drauf, »obgleich mein Verstand nicht verfinstert
Ist, wie Du glaubst, so ahnet mir doch ein schwarzes Verhängniß.
Und ich will nicht länger im Hause, das nicht mir gehöret,
Sitzen und schmausen am Mahl. Ich will nicht sein bei den Frevlern.«
Also sprach er und ging aus dem Hause des edlen Odysseus.
So ward Einer gerettet von Allen. »Was hast Du für Gäste!«
Rief Antinous aus. »Der Eine ein Bettler, der Andre
Ist Wahrsager geworden. Man sollte sie Beide zu Schiffe
Nach Epirus versenden, zum nasenabschneidenden König.«
Aber Penelope stieg indessen empor zu der Kammer,
Wo sie die Schätze des Hauses, ererbt von den Vätern, verwahrte, 132
Erz und Goldes genug, und köstliche duftende Kleider,
Dort war auch ein Bogen aus Horn, Odysseus gehörig,
Den nahm sie von der Wand, wo er hing in seinem Behälter,
Holte den Bogen heraus und legte sich ihn auf die Kniee,
Und dann weinte sie laut, an den, der ihn spannte, gedenkend.
Sie trug Bogen und Köcher, die dienenden Mädchen den Rüstkorb,
Mit zwölf eisernen Beilen zum Wettkampf, welcher bevorstand.
Und so ging sie hinab in den Saal mit den dienenden Mägden,
Unter dem schimmernden Schleier, gesenkt vor die züchtigen Wangen.
Und so sprach zu den Männern Odysseus' edle Gemahlin:
»Hört, Ihr Freier, mich an! Ich muß Euch endlich gehorchen,
Heut ist der traurige Tag, wo ich soll aufgeben Odysseus
Und mich als Wittwe vermählen mit Kummer dem schlechteren Manne.
Telemach ist nun erwachsen, und nicht soll wegen der Mutter
Täglich das Gut ihm verzehren die Schaar frohschmausender Freier.
Mich zu entscheiden, ist schwer, Ihr seid ja die trefflichsten Männer,
Unter Euch möge darum entscheiden der göttliche Wettkampf.
Seht, hier sind zwölf Beile, und Telemach wird sie am Boden
So nach der Richtschnur stellen, daß eins an das andre gereiht ist.
Wer nun spannet den Bogen und schnellet den Pfeil von der Sehne,
Daß er fliegt durch die Oehre, durch sämmtliche Zwölf nach einander,
Seht, der ist mir bestimmt, der führet hinaus mich als Gattin!«
Telemach stellte die Aexte schon hin, auffurchend den Estrich,
Axt nach Axt in der Furche, man konnte vom oberen Ende 133
Bis zu dem unteren sehn, denn die Oeffnungen deckten einander.
Darauf nahm er den Bogen, versuchend, ihn selber zu spannen.
Dreimal glückt' es ihm nicht, zum vierten gelang es dem Jüngling,
Wenn sein Vater ihm nicht abwinkte. Er sagte: »Ich habe
Noch nicht die Kraft. Ihr Andern, die mir an Stärke vorangehn,
Nehmet den Bogen und schießt und macht ein Ende dem Wettkampf!«
Als Leiodes zuerst sich versuchte, erschlaffte die Hand ihm,
Weichlich und arbeitsscheu. »Ich bin kein Schütze«, so sprach er,
Und gab weiter den Bogen. Dem Ziegenhirten Melantheus
Rief Antinous zu: »Geh, mach' uns Feuer und hole
Eine gewaltige Scheibe von Fett uns her aus dem Hofe,
Denn wir wollen den Bogen erweichen, ihn wärmend und salbend.«
Aber so viel sie den Bogen auch schmeidigten, war es vergebens,
Viel noch fehlte den Freiern an Kraft, um die Sehne zu spannen.
Unterdeß hatte Odysseus den Hirten der Rinder und Schweine
Sich zu erkennen gegeben und ihnen die Narbe des Ebers
Aufgezeigt, und sie hatten den Herrn, den so lange vermißten,
Freudig mit Thränen begrüßt und eifrig zum Kampf sich bereitet.
»Gehe denn, Rinderhirt, und verschließe die Pforte des Hofes,
Du, Eumäus, die Thüren von innen und sage den Weibern,
Daß sie, was auch geschieht, in den Frauengemächern verbleiben,
Und Dir sag' ich noch dies, Eumäus: Die Freier verachten
Mich als Bettler zu sehr, um mich an den Bogen zu lassen,
Doch Du fürchte Dich nicht, und bringe mir Bogen und Pfeile!« 134
Nur Eurymachus war und Antinous übrig; die Andern
Hatten sich Alle versucht an dem starren gewaltigen Bogen.
Auch Eurymachus konnte, so viel er auch wärmte den Bogen,
Nicht aufziehen die Sehne und sprach, ausbrechend in Unmuth:
»Nicht die Vermählung bedaur' ich so sehr, denn es giebt ja der Frauen
Viele noch; aber ich fürchte die spöttischen Reden im Volke,
Daß wir Alle zu schwach, um Odysseus' Bogen zu spannen.«
Aber Antinous sagte und legte bei Seite den Bogen:
»Laß uns morgen Apollo, dem Gott mit dem sichern Geschosse,
Opfern und dann von Neuem beginnen und enden den Wettkampf.«
Also sprach er und Allen gefiel des Antinous Rede.
»Endet denn morgen den Kampf«, so nahm das Wort nun Odysseus,
»Aber vergönnet mir jetzt, auch mich zu versuchen am Bogen,
Ob ich die Kraft noch habe wie sonst. Doch Leiden und Kummer,
Fürcht' ich, haben mich längst schon entkräftet.« Da schalten die Freier:
»Ist es genug nicht für Dich, daß Du mit uns issest und zuhörst,
Bettler? Wie darfst Du Dich so gleich stellen den Edlen im Volke!
Trink' in Ruh' und nicht wetteifre mit jüngeren Männern!«
»Laßt ihn«, sagte Penelope drauf, »denn ob er den Bogen
Spannte und schösse hindurch durch sämmtliche Oehre der Aexte,
Würd' er doch nicht zur Gattin verlangen das Weib des Odysseus.
Doch wenn ihm es gelingt, so geb' ich ihm Mantel und Leibrock,
Und entsende den Mann wohl ausgestattet zur Heimath.«
Aber sie lärmten dagegen mit großem und wüstem Geschreie, 135
Und Penelope zog sich zurück mit den dienenden Mägden.
Aber der Sauhirt brachte, so wie ihm Odysseus befohlen,
Bogen und Köcher, gefüllt mit tödtlichen Pfeilen, dem Herrn hin,
Welcher das Horn umdrehte und hier und dort es versuchte,
Ob es zernagt auch sei von den Würmern, indeß er entfernt war.
Als er den Bogen nun hatte geprüft wie ein Kenner und Meister,
Spannte das starke Geschoß er so leicht, wie ein Mann, der die Laute
Wohl zu schlagen versteht, anzieht durch den Wirbel die Saiten.
Und dann faßt' er die Sehne, mit kundiger Hand sie versuchend.
Lieblich erklang und hell, wie die Stimme der Schwalbe, die Sehne.
Aber der Klang durchdrang wie ein Blitz die erschrockenen Freier
Und hoch donnerte Zeus da draußen vom Himmel herunter.
Darauf nahm er den Pfeil, der vor ihm lag auf dem Tische,
Während die andern Geschosse noch ruhten im Köcher verborgen,
Und dann drückte den Bogen er ab, wie er saß auf dem Sessel
Und vom vordersten Oehr bis zum hintersten fuhr durch die Aexte,
Keine verfehlend, der Pfeil, und er sagte mit lächelndem Munde:
»Siehe, Dir bringt Dein Gast nicht Schande, o Sohn des Odysseus,
Und mir wurde die Hand nicht geschwächt, noch trübe das Auge!«
Darauf winkt' er geheim, und Telemach warf sich das Schwert um,
Griff zum Speer und stellte gewappnet sich neben den Vater.
»Jetzt ein anderes Ziel, das noch kein Schütze getroffen!«
Rief Odysseus und zielte und schoß den befiederten Pfeil ab 136
Auf Antinous Gurgel, der grade den Becher zum Mund hob.
Aber er fiel mit dem Wein zu Boden; Antinous Hals war
Ganz vom Pfeile durchbohrt, daß die Spitze am Nacken herausfuhr.
Rücklings stürzt er und stößt mit den zappelnden Beinen den Tisch um.
Aufspringt Jeder vom Schmaus und es drohen die Freier dem Schützen:
»Weh Dir, daß Du den besten getödtet von Ithakas Söhnen;
Dafür sollen Dich, Fremdling, die Geier verzehren!« Sie glaubten,
Daß er Antinous nur aus Versehen getroffen und Irrthum,
Aber Odysseus sprach mit donnernder Stimme: »Ihr Frevler,
Irret Euch nicht, ich bin Odysseus, der Sohn des Laertes,
Er, dess' Hab und Gut drei Jahr nun schon Ihr verpraßtet,
Und Ihr wolltet mein Weib entführen mir, weil ich noch lebte,
Aber Ihr büßet es nun.« Von bleichem Entsetzen ergriffen,
Suchten die Freier zu flieh'n, doch sie fanden die Thüren verschlossen.
Und Eurymachus rief: »Bist Du in Wahrheit der König
Ithakas, heimgekehrt, so ist hier Vieles geschehen,
Was Du rügest mit Recht. Doch der Schuldigste liegt schon im Blute,
Denn Antinous wollte der König von Ithaka werden,
Und er war es, er rieth es uns an, Dir den Sohn zu ermorden,
Und wir Anderen sind ja bereit, Dir Sühne zu leisten,
Zwanzig Rinder und mehr.« Doch Odysseus sagte: »Mit Nichten!
Nicht mit Gut, Ihr sollet mit Blut abbüßen die Frevel.«
»Wehrt Euch!« rief Eurymachus jetzt, da er Flehen umsonst sah,
Aber es waren im Saal nicht Lanzen noch Schilde zu finden. 137
»Nehmet die Tische und schützt Euch damit vor den Pfeilen des Königs.«
Also ruft er und reißt sein geschliffenes Schwert von der Hüfte,
Stürzt mit großem Geschrei auf Odysseus, aber ein Pfeil drang
Schon durch die Warze der Brust, und er schlug mit der Stirne den Estrich,
Während das Schwert fortflog aus der kraftlos werdenden Rechten.
Auch Amphinomus zückte das Schwert und suchte vom Eingang
Weg zu drängen den König; doch Telemach traf ihn von hinten
Zwischen den Schultern, daß vorne die Spitze der Lanze hinausfuhr.
Aber er wagte den Speer nicht aus dem Gefällten zu ziehen,
Fürchtend, es könne die Schaar auf ihn sich stürzen der Freier.
»Laß mich Rüstungen holen!« so rief er; »da kämpft es sich besser!«
»Eile Dich!« sprach sein Vater, »so lange die Pfeile noch reichen.«
Pfeil entsandt' er auf Pfeil, daß am anderen Ende des Saales
Kauerten, für ihr Leben besorgt, die geängstigten Freier
Und mit den Tischen sich gleich wie mit Schilden zu decken versuchten.
Indeß holte vom Obergeschoß für sich und den Vater
Und Eumäus und auch für den redlichen Hirten der Rinder
Telemach rasch vier Rüstungen her, vier Helme und Schilde,
Nebst acht Lanzen und rüstete sich zuerst mit den Hirten,
Und dann lösten Odysseus sie ab, bis er selbst auch in Erz sich
Hüllte, den zagenden Freiern ein doppelt schrecklicher Anblick.
Und vier tapfere Männer vom Kopf bis zur Zehe geharnischt
Mordeten unablässig die festlich gekleideten Freier;
Phemios nur, der Sänger, umschlang das Knie des Odysseus,
Gnade fleh'nd, nicht umsonst, da Telemach gern ihm bezeugte, 138
Daß er gezwungen nur kam, um den Freiern zu singen beim Mahle.
»Medon, der Herold, auch ist treu und redlich und hat mir
Als ein Freund sich immer gezeigt; ich fürchte nur«, sagte
Telemach, »daß ihn Einer von uns im Gewühle getödtet.«
Unter dem Thron lag Medon geschmiegt. Um den Tod zu vermeiden,
Hatt' er verborgen den Leib in des eben geschlachteten Rindes
Fleckiger Haut; nun kroch er hervor, als er Telemach hörte.
Er auch faßte die Kniee des göttergleichen Odysseus.
Und so sagte der König zu ihm: »Ich schenk' Euch das Leben,
Daß Ihr selber erkennt und Anderen auch es verkündigt,
Wie weit besser, als übel zu thun, sich belohne das Wohlthun.
Geht auf den Hof und setzet Euch dort fern ab vom Gewürge!«
Rings sah nun Odysseus umher im Saale, ob irgend
Einer der Freier sich noch entzogen dem rächenden Schicksal.
Manche zwar athmeten noch, doch Jeder zum Tode getroffen.
Und so lagen sie da, wie zappelnde Fische im Netze.
»Rufe mir jetzt Euryklea!« so sprach ausruhend Odysseus.
Telemach pocht' an die Thür und rief zu dem Mütterchen also:
»Die Du der dienenden Mägd' Aufseherin bist in der Wohnung,
Komm! Dich ruft mein Vater. Er hat Dir etwas zu sagen.«
Euryklea kam und fand mit Staunen den Helden
Ganz umflossen mit Blut, von erschlagenen Feinden umgeben,
Wie ein Bergleu stolz, nachdem er die Heerde zerrissen.
Und sie jubelte laut, doch wehrt' es ihr milde Odysseus:
»Freue Dich, aber nicht laut; nicht über erschlagene Männer
Ziemt ein Jubelgeschrei, so sehr auch schuldig sie waren.
Ueber die Männer ist also Gericht gehalten; doch sage,
Amme, mir nun von den Weibern, damit wir die Schuldigen strafen.«
»Fünfzig Mägde bedienen das Haus, darunter ein Dutzend, 139
Welche gering mich selbst und sogar Penelope achten!«
»Hole sie!« heischte Odysseus. Da ging sie. Der König gebot dann
Seinem Sohn und dem Hirten Philoetius und dem Eumäus:
»Traget die Todten hinaus und laßt von den Weibern Euch helfen,
Laßt sie darauf rein machen den Saal von Blut und von Unrath
Und abwaschen die Tische und Stühle mit lockeren Schwämmen,
Und wenn Alles geordnet, so führet die buhlenden Mägde
Draußen hinaus auf den Hof, dort zwischen der Küch' und der Mauer
Zieht das geschliffene Schwert und tödtet mir sämmtliche Dirnen.«
Alsbald kamen die Weiber herbei und jammerten kläglich,
Trugen die Todten hinaus in die Halle und säuberten Alles.
Und dann führten die Männer sie fort in die Enge des Hofes,
Wo kein Weg zum Entfliehn, und Telemach sprach zu den Hirten:
»Werth sind die Mägde, die lange gebuhlt mit den üppigen Freiern,
Nicht, zu fallen durchs Schwert. Kommt, hängen wir Alle wie Diebe.«
Und dann knüpft' er das Seil an den Haken, so hoch nur, daß Jede
Fast mit den Füßen erreichte den Boden. Dann zog er die Schlinge,
Und so hingen sie bald am Halse mit zappelnden Beinen,
Wie man Drosseln erblickt, aneinander gereiht mit den Köpfen,
Wenn man geht auf den Strich, um Morgens die Vögel zu sammeln.
Auch Melantheus hängten sie auf, den vorhin sie ertappten,
Als er sich schlich in die Kammer, um Waffen den Freiern zu holen. 140
Aber nachdem sie sich rein am fließenden Brunnen gewaschen,
Hatten das Werk sie vollendet und kehrten zurück zum Odysseus.
Dieser befahl Euryklea, ihm Kohlen zu bringen und Schwefel,
Um zu räuchern den Saal, und dann zu bitten die Herrin,
Daß sie käme herbei mit den übrigen dienenden Mägden.
Als nun gereinigt der Saal, da kamen die Mägde gegangen
Und frohlockten, den Herrn als Sieger im Hause erblickend,
Küßten ihm Schultern und Hals, und Odysseus grüßte sie freundlich,
Aber die Alten zumeist, die er wieder erkannte, mit Wehmuth.
Euryklea indeß fand schlafend Penelope oben,
Weckte sie auf mit Freudengeschrei und verkündigte jauchzend,
Daß Odysseus wiedergekehrt und die Freier getödtet.
Aber die Herrin meinte, sie wäre von Sinnen gekommen,
Schalt sie und glaubte ihr nicht, doch die Schaffnerin sagte dagegen:
»O, ich habe den Herrn schon gestern erkannt an der Narbe,
Die ihm der Eber gehau'n, doch verbot er mir, Dir es zu sagen,
Bis er die Freier bestraft. Auch Telemach kannte den Vater.«
Schon ward es schwer zu zweifeln für sie. Sie erhob sich vom Lager
Und umarmte die Alte, doch zweifelte wieder von Neuem.
»Komm doch«, sprach Euryklea, »und sieh, ob dies nicht Odysseus,
Welcher den Bogen gespannt. Ja, es war sein eigener Bogen.«
Und mit wankendem Knie ging zitternd die Herrin hinunter,
Schritt hin über die steinerne Schwelle und trat in den Saal ein,
Nahm dann gegen Odysseus den Sitz im Glanze des Feuers.
Aber ihr edler Gemahl saß stumm an der ragenden Säule,
Senkte die Augen herab und wartete, was sie ihm sagte.

 


 

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