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August Wilhelm Iffland: Die Jaeger - Kapitel 6
Quellenangabe
typedrama
authorAugust Wilhelm Iffland
year1785
firstpub1785
publisherGeorg Jacob Decker
addressBerlin
titleDie Jaeger
pages184
created20110405
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierter Aufzug.

Ein andres Zimmer bei dem Oberförster. Die Gesellschaft ist noch am Tisch, der Bursche trägt die lezten Teller vom Desert auf. Oben an der Ecke des Tisches sizt der Amtmann, neben ihm der Pastor, dann Friedrike, Oberförster, Kordelchen, Schulz und Oberförsterin, unten an der Ecke, dem Amtmann gegen über, ein Kouvert für Anton.

Erster Auftritt.

Oberförster. Nun – uns wohl! Niemand übel!

Oberförsterin. (zum Burschen, der eben einen Teller mit Aepfeln etwas zu hoch an ihrem Kopfe vorbei aufträgt.) Gemach, guter Freund – gemach! Wie oft soll man Euch das noch sagen? Nun, gafft mich nicht an! Weiter – wie ich gesagt habe – ihr wißt schon. Was ist das? – Warum bringt Ihr denn die Aepfel schon? Die sollten ia hernach erst kommen und dort hingestellt werden. (im Hinausgehen.) Das ist ein Kreuz und ein Elend mit den Leuten! (ab.)

Amtmann. Wir verursachen der Frau Oberförsterin gar zu viel Mühe –

Pastor. Gewiß nicht. Sie hat ihre Freude daran, pünktlich und für ihre Gäste besorgt zu sein.

Obfstr. (lächelnd.) Wenn nur nicht etwa eine Birn anders liegt, als sie sie gelegt hat; denn sonst kriegen wir sie, mit samt den Birnen, vor einer Stunde nicht wieder zu sehen.

Schulze. Ein herrliches schönes Obst hat es gegeben vorigen Herbst! Auf dem Amthofe haben sie auch viel Obst gehabt – nicht wahr, Mamsell?

Kordelchen. (ohne ihn zu bemerken.) Papa, schicken Sie mir ihre Dose, ich habe meine vergessen.

(er nimmt sie dem Amtmann ab, und übergiebt sie K.)

Obfstn. (mit den Birnen.) Dummes, einfältiges Zeug! Ia wenn man nicht die Augen überall selbst hat, so – –

Obfstr. Nun was giebts?

Obfstn. (ihm halblaut ins Ohr.) Da komme ich herunter, so hat der große Kerl die schöne Torte in den Sand geworfen –

Obfstr. Sonst nichts?

Obfstn. Nun, ich denke doch –

Obfstr. So sez Dich und laß es gut sein.

Obfstn. Der Herr Amtmann und Mamsell werden doch ia nicht ungehalten – Auf den leeren Plaz hier – hat meine Torte kommen sollen – aber – aber –

Obfstr. Die Torte ist verunglückt.

Obfstn. Verunglückt? (empfindlich.) Aber, liebes Kind! durch mich nicht; denn fertig war sie. Aber –

Obfstr. (zur Gesellschaft) Der Kerl hat sie die Treppe herunter fallen lassen. So – nun ist Dein Gewissen befreiet.

Obfstn. Sie könnten etwa denken, daß – –

Obfstr. Du nicht die beste Köchin im Lande wärest – Ia, das wäre freilich ein Unglück!

Obfstn. Der Herr Amtmann essen auch gar nicht –

Amtmann. O ich habe mit großem Appetit gegessen.

Kordelchen. Es ist alles recht delizieux.

Amtmann. Scharmant, wahrhaftig.

Kordelchen. Frau Oberförsterin haben sehr guten Geschmack, eine Tafel zu arrangiren.

Obfstn. Ich bitte –

Amtmann. So ein herrlicher Tisch und die angenehme Gesellschaft –

Obfstn. Mein werther Herr Amtmann – essen Sie doch noch etwas Kuchen – ich bitte!

Amtmann. Bin nicht im Stande.

Obfstn. Ei, nur Etwas noch – ich bitte recht sehr.

Amtmann. Ganz unmöglich, liebe Frau –

Obfstn. (steht auf und hebt den Teller nach ihm hin.) Nur die Hälfte – ich bitte.

Amtmann. Alle dergleichen ist mir zu schwer.

Obfstn. Zu schwer? Erlauben Sie mir, hochgeehrtester Herr Amtmann, der Kuchen ist sehr gut aufgegangen – dafür stehe ich. – Ohne mich zu rühmen, aber gut ist er, besonders gut – und leicht. Sehen Sie, man könnte ihn wegblasen – er schmilzt auf der Zunge. Nun ich bitte –

Obfstr. Ei, so nöthige Du und –

Obfstn. Nun, ich sage kein Wort mehr. (sezt sich.)

Obfstr. Essen Sie Sich doch ihrer Kochkunst zu Ehren ein Fieber.

Amtmann. Hahaha.

Kordelchen. Hahaha.

Schulz. Gutes weisses Mehl haben die Frau Oberförstern, das muß wahr sein!

Amtmann. (sieht über die Tafel hin.)

Obfstn. Befehlen der Herr Amtmann – –

Amtmann. (etwas nieder, die Hand über die Augen.) Ist das Glace, was –

Obfstn. Glas? – Glaßscherben? Glas im Essen? Ei um Gottes willen! Einen andern Teller.

Amtmann. (langsam.) Nicht doch!

Obfstn. Peter! He, Peter! einen andern Teller. (Peter kommt.) Einen andern Teller für den Herrn Amtmann. (Peter giebt ihn.)

Kordelchen. (lacht.) Sie mißver – –

Obfstr. Tausend Element! da ist nichts zu lachen! Von Glasscherben kann man des Todes sein auf der Stelle.

Amtmann. Nein, ich frage, ob das dort vor dem Schulzen Glace ist?

Schulz. (hält das Glas gegen das Licht und klopft mit dem Messer daran.) Meines ist ganz.

Amtmann. Ob das Gefrornes ist, was dort vor Ihm steht?

Schulz. Zu dienen unterthänig, das ist Käse.

Amtmann. So – Käse –

Schulz. Ist gefällig? (steht auf und will präsentiren.)

Amtmann. Nein. Stell Er nur wieder hin. Sezze Er Sich, Schulz, Käse esse ich nicht.

Kordelchen. Ich kann ihn gar nicht leiden, ich bitte, schicken Sie ihn fort.

Obfstn. Peter, nehmt weg.

Obfstr. Nun, munter Riekchen! munter! Du bist ia ganz stumm –

Friedr. Nicht doch, lieber Vater – ich bin recht munter.

Obfstr. Nun ia, das sieht man.

Obfstn. Er wird schon wiederkommen.

Friedr. Wo er nur sein mag!

Obfstr. Wer? – Anton?

Friedr. Ia.

Kordelchen. Apropos – darauf wäre ich denn doch auch neugierig.

Obfstr. Hm – wo wird er sein –

Pastor. Sie wissen es also?

Obfstr. Ich weiß es nicht, aber das läßt sich rathen.

Kordelchen. Nun?

Obfstr. Vormittags ist ihm etwas im Kopfe herumgegangen, darüber lief er fort – und nun – wird er seinen Zorn an einem Stück Wildpret auslassen.

Obfstn. Ia ia.

Obfstr. Mag austoben. Ich will ihn schon wieder zurecht bringen, wenn er nach Hause kömmt. – Nun, Riekchen – ohne Sorgen. Es war so böse nicht gemeint. Wunderliches Ding! Ich bringe Dir es zu auf seine Gesundheit.

Schulz. Ia, das trinke ich mit. Er soll leben und so brav und so alt werden, wie sein guter Vater!

Pastor. Das soll er!

Amtm. Dieses Prognosticon stelle ich ihm gleichfalls.

Obfstr. Das gebe Gott: so erleben wir Freude!

Friedr. (steht rasch auf und geht hinaus.)

Kordelchen. Was fehlt der Jungfer?

Obfstr. Hm – lassen Sie sie nur – sie ist ein braves Mädchen, aber gewaltig weich.

Kordelchen. (hämisch.) Gewaltig! Ja so scheint es.

Obfstr. Gleich kommen ihr die Thränen in die Augen, wenn –

Schulz. Sie mag wohl auch eben keinen Haß auf ihn haben, auf Mr. Anton – –

(Pause. Alle bezeichnen ihre Verlegenheit, ieder nach seinem Interesse)

– Ich denke, die beiden sehen sich recht gern.

Kordelchen. Wenns gefällig wäre – – (steht auf. Nach ihr alle andern.)

 

Zweiter Auftritt.

Vorige. Rudolph.

Rudolph. (eilfertig.) Herr Oberförster –

Obfstr. Mit Erlaubniß – – (er geht in den Hintergrund, spricht dort leise mit R. Der Amtmann desgleichen, aber vorn, mit dem Pastor.)

Kord. Ich werde nun auch wohl bald nach Hause müssen. Meine Mutter ist doch nicht ganz wohl –

Oberfstrn. Bedaure von Herzen, daß wir von der Ehre –

Kordel. Nun, Mama! – Ich glaubte, Sie würden mir Antwort sagen. Wie ist es denn?

Obfstn. Gleich werden wir zum Kaffee gehen, dann –

Obfstr. (wiederkommend, halb laut, mit einiger Bedenkl.) Hm – Er wird schon kommen!

Rudolph. Herr Oberförster, mir ist nicht gut dabei.

Obfstr. Ihr seid nicht klug.

Rudolph. So viel ist sicher, wenn es wahr ist, daß er nach Graurode zu ist – so traue ich nicht.

Obfstn. Was ist von Anton? Wo ist er? (unterdeß spricht Kordel heftig mit dem Amtmann, Pastor gesellt sich zu Obfstr., Rudolph, Schulz und Obfstn.)

Obfstr. Ich habe Rudolphen nach der fahlen Eiche geschickt; ich dachte Anton wäre da – er ist es aber nicht.

Pastor. Nun – das hat ia nichts auf sich.

Obfstn. Der Junge wird doch nicht etwa ins Unglück –

Obfstr. Ist das nicht ein Geschwäz.

Rudolph. Der Schäfer von Leuthal meinte, er hätte ihn hastig nach Graurode zu gehen sehen.

Obfstr. Nun richtig. Er wird sich verspätet, und dort zu Mittage gegessen haben. – Und iezt eßt Ihr – es ist schon drei Uhr – ich kann die Unordnung nicht leiden.

Rudolph.. (im Gehen.) Ich traue nicht, und traue nicht. (ab.)

 

Dritter Auftritt.

Vorige. Ohne Rudolph.

Obfstr. Es ist ia eine Schande, einem drei und zwanzigiährigen Kerl so nachzulaufen. – Besorge den Kaffee.

Oberfstrn. Ach Gott! Ich bin wahrhaftig recht ängstlich.

Obfstr. Nun ia – wie gewöhnlich. Jezt Lied am Ende! Mach Kaffee.

Obfstn. (mit einem Seufzer oder bekümmertem Ton.) Trinkst Du auch?

Obfstr. (schüttelt den Kopf.) Wir trinken hernach noch ein Glas Wein – wie ists, Herr Schulz?

Schulz. Je nun – gut ist er und er schmeckt mir heute.

Obfstn. (das Gespräch des Amtmann mit Kordel. unterbrechend, mit tiefem Knix.) Ein Schälchen Kaffee gefällig, Herr Amtmann und Mamsell?

Amtmann. Ich bitte darum.

Kordelchen. Ich auch – ich trinke ihn stark.

Obfstn. Sie befehlen – Herr Pastor?

Pastor. (beiahet es.)

Obfstn. Befehlen Sie, oben oder unten zu trinken?

Obfstr. Wir kommen herunter, laß nur die Zeremonien weg.

Obfstn. (mit tiefer Verbeugung.) Wenns der Herr Amtmann nicht ungütig nehmen, so will ich iezt –

Obfstr. Hinausgehen.

Obfstn. (mitten im Knix auffahrend.) So wollt' ich doch auch, daß – (ab.).

Kordelchen. Herr Pastor begleiten Sie mich.

Pastor. Wenn Sie befehlen –

Kordelchen. Er wird sich nun wohl nach Hause machen, Schulz? Also Adieu. (ab mit dem Pastor.)

Obfstr. Er wird so gut sein, unten zu warten, Herr Schulz; wir sprechen hernach einander noch.

Schulz. Ganz wohl, ganz wohl. (ab.)

 

Vierter Auftritt.

Amtmann. Oberförster.

Oberförster. Nun, Herr Amtmann, iezt sind wir allein. Sie wollten mir ia nach Tisch etwas anvertrauen –

Amtmann. Das wollte ich. Allein dem Anschein nach ist meine gute Meinung überflüßig. – – Die Frau Oberförsterin hat eine gewisse Idee gehabt, und nach Zuredung von meiner Seite hat meine Frau es sich gefallen lassen wollen, daß Ihr Anton meine Tochter heirathet.

Obfstr. Wenn Ihnen das Zureden sauer geworden ist; so thut mir es leid, denn aus der Heirath kann nichts werden, weil mein Sohn Friedriken zur Frau nehmen wird.

Amtmann. So? Also hat meine Tochter recht gesehen? Die Frau Oberförstern dachte vermuthlich – –

Obfstr. Links und ihr Sohn rechts.

Amtmann. Hm! Was so ein iunger Mensch will oder nicht, darauf kömmt es nicht allemal an.

Obfstr. Aber hierbei denn doch warlich! Wenn er heirathen soll, so muß er beim Bliz, doch dabei sein!

Amtmann. Wenn die Väter über die Zahl einig sind, welche den drei Nullen vorgesezt werden soll: so giebt sich das Uebrige von selbst. Ich hätte ihm gewiß in Ansehung seines Dienstes ansehnliche Verbesserung verschafft, und –

Obfstr. Wenn Sie meinen Sohn glücklich machen können, so werden Sie es, auch wenn er Ihre Tochter nicht heirathet.

Amtmann. Ia, o ia. – Nur –

Obfstr. Dem Geschickten steht der Ungeschicktere nach. Das versteht sich. Zu leben hat mein Sohn. Um Reichthum habe ich Gott noch nie gebeten. – Indeß– (er nimmt ein Glas.) Gutes Wohlsein! (trinkt.)

Amtmann. (kalt.) Höflichen Dank.

Obfstr. Apropos – Bei den Diäten haben sie mir 50 Thaler zu viel geschickt. Ihr Schreiber hat sie zurück bekommen.

Amtmann. (mit viel Aufhebens.) Das muß ein Irrthum von dem Menschen gewesen sein, denn ich – –

Obfstr. Freilich ein Irrthum. Das sagte ich gleich –

Amtmann. Daß sie nicht denken, als –

Obfstr. Ich schickte es fort, ehe ich darüber dachte.

Amtmann. Die Gedanken sind oft mancherlei – man lästert mich immer – Sie könnten glauben – als ob ich Sie – als ob ich den Weg der Erkaufung –

Obfstr. Bewahre! Etwas kaufen zu wollen, das keinen Preis hat, dazu sind Sie zu vernünftig, und zu sparsam, um 50 Thaler wegzuwerfen.

Amtmann. O ich habe so viele Feinde, nicht einen Freund, der es redlich mit mir meinte –

Obfstr. Das ist Ihre eigne Schuld. Das macht – – Nun ein Glas! Es ist ein reiner Wein, ein guter Wein, macht frölich und öffnet das Herz. Mir ist so zu Sinne. – Ist Ihnen auch so – so sprechen wir iezt wohl ein Wort mehr, als sonst!

Amtmann. Ia – wie so?

Obfstr. Sehen Sie – was wir einer von dem andern halten, wissen wir. Aber wes das Herz voll ist – Sie kennen das Sprichwort – nun und ein Glas Wein löset die Zunge. Allein sind wir iezt – sagen Sie, was Sie gegen mich auf dem Herzen haben; ich wills auch so machen. Wer weiß? Kommen wir nicht näher zusammen! Die Geschäfte gehen denn doch besser, wenn wir einig sind, und das sind wir dem Fürsten und den Unterthanen schuldig.

Amtmann. Lieber Mann! Einigkeit ist ia mein täglicher Wunsch. Ich biete hiermit die erste Hand zur Freundschaft.

Obfstr. Wollen Sie, wie ich will? – Hand in Hand! – alte deutsche Treue!

Amtmann. (schlägt ein.) Und reciprokes Verständniß, amicable Behandlung.

Obfstr. Ich hoffe ia, wir werden uns noch mit einander verstehen!

Amtmann. Es ist Ihnen also Ernst darum?

Obfstr. So denke ich.

Amtmann. Nun gut. Wenn Sie denn nur einigermaßen von Ihren Grillen abgehen, so sollen Sie einen dankbaren Mann an mir finden. Ich kann mich Ihnen also ohne Rückhalt anvertrauen?

Obfstr. Völlig!

Amtmann. Mein guter Freund! Luxus – Bedürfnisse aller Art sind gestiegen. Verdienst allein wird nachgrade eine magre Empfehlung zu einer Stelle.

Obfstr. Leider! –

Amtmann. Bis man zu einem einträglichen Posten gelangt, kostet es Aufwand von aller Art. Will man fest im Sattel bleiben, so kostet es noch mehr. Das muß wieder herausgebracht werden. Mit den Herren in der Stadt ist das eine eigne Sache; wer nicht helfen kann, kann schaden. Die Helfer kosten weniger, sie kriegen von allen Ecken; daher fordern sie weniger. Aber, die schaden können, die Müßiggänger, arme Teufel aus der Antichambre, die, so zu sagen, vom Schadenthun leben, die kosten mir schrecklich viel.

Obfstr. So?

Amtmann. Schrecklich viel. Denn wenn Seine Durchlaucht in langweiligen Stunden sich nach Neuigkeiten erkundigen, so kann mir ein einziges bedeutendes Lächeln von so einem Menschen viel schaden. Darum muß den Herren alles zu Gebote stehen. Spielparthie – Schlittenfarth, Ball – Logis auf ganze Monathe für Herrn, Bediente, Jäger, Postzug und Hunde. Woher nehmen? Da langt die Besoldung warlich nicht zu.

Obfstr. Das ist begreiflich.

Amtmann. Die Ordnung der Natur hat den Bauer zum Lasttragen ausersehen. Rechte er darüber mit ihr. Genuß der Welt ist nur für die feinern Geschöpfe. – Ob eine Kreatur, die nichts bedarf, als Essen und Schlaf, etwas mehr oder weniger trägt, ist gleichgültig, wenn nur dadurch denen geholfen wird, die Mangel oder Genuß fühlen. Mit Unrecht versagen Sie also ihrer Familie Glücksgüter, welche Sie ihr erwerben könnten. Sein Sie in Zukunft weniger scrupulös, so soll von iedem Gewinn, wo das Forstwesen und das Amt zusammen treffen, die Hälfte Ihre sein. Das ist hiemit so gut, wie akkordirt. Dagegen bekomme ich, erforderlichen Falls, Ihr Zeugniß, wie ich es iedesmal vorschreibe.

Obfstr. Daß Dich alle Wetter! Den Teufel auf Ihren Kopf sollen Sie bekommen! Was unterstehen Sie Sich? Mir das zu sagen – in meinem Hause? Mir?

Amtmann. Nun, Herr Oberförster!

Obfstr. Tausend Sapperment! In Ihrer Amtsstube, wo die heilige Gerechtigkeit blinde Kuh spielt, mögen Sie Ihren Bauern so Rechts, Links machen: aber wenn Sie einen alten treuen Diener des Fürsten zum Schurken machen wollen; so soll Ihnen – Herr! Wenn Gastrecht nicht wäre: so lägen Sie iezt Hals über Kopf auf der Treppe.

Amtmann. Ich habe gesagt, was ich wolle; so waren wir ohne Zeugen, und solche Grobheit kann ich vergelten.

Obfstr. Herr, ich halte mich nicht an Seine Papiere, sondern an Seine Person, habe noch feste Knochen, bekümmre mich nicht um das bedeutende Lächeln bei Seiner Durchlaucht, sondern gehe grade zum Fürsten, und sage: Ich habe Ihre Durchlaucht schlechten Amtmann geprügelt, weil er es verdiente. Rudolph! – he Rudolph!

Rudolph. Herr Oberförster!

Obfstr. Der Schulz soll herauf kommen.

Amtmann. Mir so zu begegnen! Aber – (will gehen.)

Obfstr. Halt! – Wir haben von Dienstsachen zu reden. Sie wollen für tausend Thaler Holz aus dem Gemeindewald hauen lassen?

Amtmann. Ia.

Obfstr. Das kann nicht sein, und soll nicht sein.

Amtmann. Die Gemeinde hat Schulden, es muß sein.

 

Fünfter Auftritt.

Vorige. Schulz.

Obfstr. Schulden?

Amtmann. Ia. Und ansehnliche Schulden!

Obfstr. Wie sind die Schulden gemacht? Wer hat sie gemacht? Das ist ein Artikel, wobei uns die Haare zu Berge stehen.

Amtmann. Herr! Wem soll das gelten?

Obfstr. Den es trift!

Amtmann. Ich werde mich beschweren – und man wird Ihr unnüzzes Geschrei verbieten.

Obfstr. Wer mir verbietet, die Wahrheit zu sagen, hat Theil am Raube!

Schulz. Sie sprechen von dem Holz? Nehmen mir der Herr Amtmann nicht zur Ungnade – es geht warhaftig nicht an.

Amtmann. Wird Er gefragt?

Schulz. Leider Gottes! Nein. Aber es geht gegen mein Gewissen, und diesmal, Herr Amtmann, schweige ich nicht, und wenn der Kopf drauf stände! Schulden bezahlen: Verantworte es vor Gott, wer sie gemacht hat! Aber, daß wir die nämliche Schuld zum zweiten male bezahlen sollen, das ist denn doch wahrhaftig zu toll!

Obfstr. Und kurz und gut, ich leide es nicht. Der Wald ist ia so ausgehauen, daß es eine Schande ist. Die nach uns kommen, brauchen auch Holz.

Schulz. Wenn der Herr Oberförster nicht die schöne Baumpflanzung gemacht hätte; unsre Kindeskinder müßten uns ia verfluchen!

Amtmann. Hahaha! Mit den sechs Bäumen – mit der miserablen Baumpflanzung!

Obfstr. Sechs Bäume? Miserable Baumpflanzung? das ärgert mich nicht, darüber lache ich. Sie sind nun zwanzig Jahre hier Amtmann, eben so lange bin ich Oberförster – Sie sagen: ich habe nichts gethan, als Zweige in die Erde gesteckt – hingegen haben Sie viel Prozesse und große mächtige Dinge vorgenommen – Sie haben ganze Berge geschrieben und schreiben lassen. Indeß sind meine Zweige Stämme geworden. Nun sehn Sie – wenn Sie auch gleich Ihre ganze Amtsregistatur an den Ort fahren lassen, wo mein Wald steht; so liefre ich Ihnen – darauf haben Sie mein Wort – für iede Rechtsverdrehung, für iedes umgestoßne Testament, iede geplünderte Stiftung, oder für iedes bezahlte Urtheil, – liefre ich Ihnen zehn gute, grade, gesunde Stämme. Nun wissen Sie wohl selbst, daß ich dazu vielmal zehn Stämme brauchte: also ist es keine miserable Baumpflanzung!!

Amtmann. Ich sehe wohl, es scheint eine abgeredete Karte, mich hierher zu bitten, um mir die schändlichsten Grobheiten zu sagen.

Obfstr. Schlechte Zumuthung verdient Wahrheit ohne Mantel.

Amtmann. Ganz gut. Aber den Tag werd ich Ihm gedenken. (ab.)

Obfstr. Nur wie bisher.

 

Sechster Auftritt.

Vorige ohne Amtmann.

Schulz. Ei, lieber Herr Oberförster, denken Sie an Ihr Alter und Ihre Gesundheit! Sie haben Sich da ereifert –

Obfstr. Anfangs wohl – Zulezt habe ich ihm die Wahrheit gesagt, und darauf ist es mir recht wohl. Aber wenn ich daran denke – mein Anton die Hexe heirathen –? Wo das Weib nur den Kopf gehabt haben mag! Aber mit dem Gemeindewald soll es ihm nicht durchgehen, und bezahlte er die Leute so blind, daß sie den Wald nicht sähen. Heute Abend noch mache ich meinen Bericht, und wenn er mir den ad Acta legt – sieht Er, Schulz, so wahr ich Gottfried Warbergen heiße: so sollen seine Knochen auch ad Acta gelegt werden!

 

Siebenter Auftritt.

Vorige. Pastor.

Obfstr. Nun? Wer hatte denn Recht? Sagte ich es nicht meiner Frau gleich, es thäte nicht gut mit dem Amtmann und mir.

Pastor. Sie haben also wohl auch eine unangenehme Unterredung mit ihm gehabt?

Obfstr. Je nun – angenehm mag sie ihm nicht gewesen sein – Wenn ich still bin, wie der dumme Jürge, so nennt er mich cher ami; sage ich Wahrheit, so bin ich ein Jagdbauer. Daß er mich iezt zu Hause so nennt, dafür stehe ich. – Was hat denn unten meine Alte mit dem Erbfräulein angefangen?

Pastor. Mamsell Zeck mogte längst das Verständniß der iungen Leute bemerkt haben, ohne deswegen auf eine Heirath zu fallen. Die Nachricht davon wirkte übel auf sie. Die gute Frau Oberförsterin, die nun Niemanden etwas Unangenehmes sagen kann, war dabei sehr in Verlegenheit, und wollte immer überall gut machen.

Obfstr. Hm, als wenn ich sie sähe. – Und Friedrike? –

Pastor. Ist auf ihrem Zimmer. Den Amtmann habe ich zwar nicht gesprochen, er ließ seine Tochter unten abrufen; aber aus der Art, wie er sie über den Hof mit sich fortriß, vermuthete ich, was hier vorgegangen ist.

Schulz. – Nehmen Sie mir es nicht für ungut – ich meine, nun müßte es doch wegen des Herrn Amtmanns mit uns bald ein andres Ansehn gewinnen.

Pastor. Wie so?

Schulz. Ei – es müßte besser mit uns werden. Die Herren in der Stadt – sagt mein Sohn – der Gestudierte! – schreiben frisch darauf los für die Landwirtschaft.

Pastor. Neue, gute Grundsäzze gewinnen nicht so schnell die Oberhand. Das Vorurtheil drückt den Keim des Guten wieder unter den Boden. Indeß hat er selbst mir gesagt, das Gutachten dieser Herren habe seine Aecker um die Hälfte verbessert.

Schulz. Ia, das ist wahr.

Obfstr. Wahr! – Gott segne unsern guten Fürsten! – wahr. Aber Herr Pastor – so ein Thier mit langen Klauen, wie den Amtmann, sollte man einsperren. Der Fürst und wir wären wirklich um ein Großes gebessert! Und – die Summe zu gewinnen – bedarf es keiner Preisfrage –! Ein zerrissenes Patent und eine feste Thür. Die Wache geben die Unterthanen gratis.

 

Achter Auftritt.

Oberförsterin. Vorige.

Obfstn. Nun – so wollte ich auch, daß die Hochzeit schon vorbei wäre! Unten – habe ich meine liebe Noth mit Mamsel Kordeln gehabt. Kaum ist das vorbei, so komme ich oben hinauf zu Riekchen – die steht am Fenster, und hat sich ein Paar Augen geweint, feuerroth! Warum? »Ich weiß nicht.« Fehlt Dir was, hat Dir iemand etwas zu Leide gethan? –»Nein, aber ich weiß mich nicht zu lassen vor Angst.« Und nun wird in der andern Woche die Hochzeit sein, darauf muß ich noch dieß besorgen und das besorgen – ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht, ich bin ganz consternirt.

Obfstr. Laß gut sein. Wenn Deine Hochzeitskuchen gelobt werden, so hast Du alles Leid vergessen. Jezt geh und hole Friedriken.

Obfstn. Ia ia. (ab.)

 

Neunter Auftritt.

Vorige, ohne Obfstn.

Obfstr. Nun ist mir erst wohl, da wir so unter uns sind. Nun wollen wir bei dem Rest da noch ein halbes Stündchen verplaudern.

Pastor. Wenn die Zeit – (sieht nach der Uhr.)

Obfstr. Lieber Pastor – lassen Sie mir meinen Willen! Freude läßt sich nicht rufen. Wenn sie da ist – wer wird sie fortschicken!

 

Zehnter Auftritt.

Vorige. Friedrike.

Oberförster. Komm her – bleib bei uns. Du fängst gar nicht gut an in meinem Hause – und doch sollst Du länger drinn bleiben, als heute.

Friedrike. Sie haben Recht, ich schäme mich meines Betragens. Eine drückende Angst quält mich. Ich hätte sie verbergen mögen – aber das wäre Ihnen vielleicht noch auffallender gewesen.

Obfstr. Ist denn was vorgefallen –?

Fr. Ich weiß von Nichts. Aber meine Angst war unbeschreiblich – In meinem Leben habe ich so was nicht gefühlt. Jezt bin ich ruhiger.

Obfstr. Das freuet mich; denn ich mögte von Dingen mit Dir sprechen, die mir angenehm sind. Nun sag mir – hast Du was dagegen, wenn Du in der andern Woche Frau Förstern heissest?

Friedr. (schnell.) Mein Vater, liebe Mutter – ich – die Worte – ich kann nicht danken, aber hier, hier – (sie zeigt auf das Herz) Gott lasse Sie alt werden und seegne Sie und gebe Ihnen Freude an Ihren Kindern! (sie umarmt erst den Obfstr. dann die Obfstn.)

Obfstr. Ia es ist wahr – das ist das beste Weib für meinen Anton! – Gott erhalte sie! – das beste Weib.

Pastor. Das ist sie.

Schulz. Ia, warhaftig.

Pastor. Kind – sehen Sie in diesen lieben alten Leuten die Belohnung der Tugend. Gute Kinder und ein fröhliches Alter. –

Oberfstr. Leute – Herr Pastor – Alte – lieber Schulz; ich bin so froh, so dankbar gegen Gott – so – ach wenn doch iezt recht vielen Leuten so zu Muthe wäre, wie mir! Wenn er doch nun hier wäre, der Junge! ich möchte ihm um den Hals fallen und mich bedanken, daß er das Weib will.

Pastor. Sie haben Recht.

Obfstr. Ia es ist mir oft heiß vor der Stirn geworden, wenn ich an die Zeit dachte, wo der Junge heirathen würde. Widersprochen hätte ich keiner Heirath, um die es ihm Ernst gewesen wäre. Wenn er mir nun aber so eine Schwiegertochter gegeben hätte, die sich um nichts bekümmert, auf unsern lezten Athem gelauert hätte – aus dem Hause wäre ich gezogen auf meine alten Tage.

Obfstn. Ia wohl. Ach Gott, das wäre schrecklich gewesen!

Obfstr. Dazu – das Alter hat Schwachheiten, man wird vergeßlich, eigensinnig, grämlich und – wie es denn zu gehen pflegt, wenn nach sechzig Jahren unsre Hütte verwittert ist. – So was muß mit Liebe getragen werden. Erkaufen läßt sich die Pflege nicht, auch nicht vergelten; wem sie aber Gott giebt, den macht er iung im hohen Alter. Das wirst Du uns sein, Tochter! dafür hast Du unsere Liebe, unsern Segen, und ein kleines Vermögen, worauf kein Fluch und keine Thräne ruht. – Leute! das machte mir immer ein gutes Bette, ich mogte schlafen, wo ich wollte – Die Braut soll leben!

Alle. Soll leben!

Friedr. Ach Gott – wie glücklich machst Du mich!

Pastor. Und der Bräutigam – er ist brav.

Alle. Soll auch leben!

Obfstr. Noch Eins – weil wir denn doch einmal darauf zu sprechen gekommen sind: Anton ist ein wilder Bursche. Ihr Weiber seid denn auch obenhinaus und flüchtig; so geschiehts nun gar leicht, daß Eheleute durch Ungeduld einander überdrüßig werden. Tochter – ich bitte Dich – trag geduldig! Du kaufst Dir gute Tage damit. Sieh – als ich mein Weib nahm – war ich auch ein toller Kerl; aber das muß ich der Alten nachsagen, sie hat viel Geduld gehabt – doch ich habe es erkannt.

Obfstn. (bedeckt mit dem Tuch die Augen und reicht ihm so die Hand.)

Obfstr. Gott hat uns mit mancher frohen Stunde gesegnet; wir rechneten das Uebel gegen das Gute auf, waren arbeitsam, theilten mit, waren zufrieden, nicht begehrlich, lebten still und gut in unsrer Hütte fort: so kam denn ein Jahr nach dem andern herbei. Nun sind wir schon dreißig Jahre zusammen gegangen; aber wenn Gott die Alte da mir heute von der Seite nehmen wollte; so träfe es mich so hart, als wenn er sie mir am Brauttage genommen hätte.

Obfstn. (laut weinend.) Nun nun – laß doch – sprich doch nicht von so was.

Obfstr. So wollte ich, daß es um Euch Kinder auch stände! Wenn wir Alten denn einmal fort sollen – so will ich meine Augen so ruhig schliessen, als heute, wenn ich schlafen gehe.

Schulz. Nun – davon sind wir, wills Gott! noch weit!

Pastor. So denke ich auch. Aber warum deswegen nicht daran denken? Warlich, man muß recht gut gelebt haben, und es muß eine edle Freude sein, die der Gedanke nicht unterbricht. Deswegen hat ia das Leben nicht minder Werth?

Obfstr. Gewiß nicht!

Pastor. Es verdrießt mich allemal in der Seele, wenn man sich so viel Mühe giebt, das Leben und die Welt so hart und schwarz zu malen. Das ist unwahr und schädlich zugleich.

Obfstr. Ia wohl.

Pastor. Das Leben des Menschen enthält viel Glückseeligkeit. Man sollte uns nur früh lehren, sie nicht glänzend, auch nicht ununterbrochen zu denken. Im Zirkel einer guten Haushaltung ist tausendfache Freude, und gut getragne Widerwärtigkeit ist auch Glück. Hausvaterwürde ist die erste und edelste, die ich kenne. Ein Menschenfreund, ein guter Bürger, ein liebevoller Gatte und Vater, in der Mitte seiner Hausgenossen – wie alle auf ihn sehen – wie alle von ihm empfangen, und er, im Gedeien des Guten, wieder von allen empfängt – O das ist ein Bild, welches ich mit frommer Rürung, mit Entzücken ehre!

Obfstr. Und in einer Landhaushaltung, meine ich, könnte das am besten so sein. Eine Landhaushaltung, hat besonders viel fröhliche Tage! Aussaat, Erndtefest, Weinlese. – – Wenn man so ein Glas selbst gezognen Wein an einem frölichen Tage trinkt – o, das geht über Alles!

Schulz. Nun, Herr Oberförster, zwanzig Jahr wie heute!

Alle. Zwanzig Jahr, wie heute!

Obfstr. Danke – danke. Nun, Mädchen, nun sing mir einmal das Weinlied, das Du mir neulich schicktest. – Wie hieß es doch – –? Hm hm – Am Rhein – – hm!

Fr. Am Rhein, am Rhein da wachsen unsre Reben.

Obfstr. Höre – sing uns einen Vers vor – wir singen ihn nach, und so – – – wenn Sie es nämlich erlauben, Herr Pastor?

Pastor. (gutmüthig.) Ei ei – seit wann dürfen die Menschen in meiner Gegenwart nicht froh sein? Weil mein Amt mich oft zum Zeugen der ernsten, betrübten Begebenheiten meiner Freunde macht, muß ich deswegen von ihren muntern fröhlichen Stunden ausgeschlossen sein? Verbietet mir auch die Sitte, an ihrer Freude laut Theil zu nehmen, so lehrt mich doch mein Gefühl, ihre Freude still zu ehren.

Obfstr. Nun – also – fang an. Und Du, Alte! Du mußt mit singen.

Obfstn. Wer? Ich? Ei ich schreie ia wie ein Rabe!

Obfstr. Du sollst mitsingen, er auch, Herr Schulz. Nun – still! – Fang an. Es ist doch wohl nicht zu schwer?

Fr. Eine simple Melodie.

Obfstr. Nun so fang an?

Friedrike. (singt.)

Am Rhein, am Rhein da wachsen unsre Reben.
    Gesegnet sei der Rhein!

Schulz. Obfstr. Obfstn. Friedrike.

Am Rhein, am Rhein da wachsen unsre Reben.
    Gesegnet sei der Rhein!

Friedrike. (allein.)

Da wachsen sie am Ufer hin, und geben
    Uns diesen Labewein.

Alle (wiederholen.)

Friedrike. (allein.)

So trinkt, so trinkt! Und laßt uns allewege
    Uns freun und frölich sein.

Alle (wiederholen.)

Friedrike.

Und wüßten wir, wo iemand traurig läge –
    Wir gäben ihm den Wein!

Rudolph. (tritt hastig ein, redet leise mit dem Obfstr.)

Alle
(doch sehen Schulz und Friedr. bedenklich auf den Oberförster, der erschrocken dasizt.)

Und wüsten wir –
(Oberförster geht hinaus.)
                              Wo iemand traurig läge –

Schulz. Was ist das?

Fr. Was giebts?

Pastor. Was soll das? (stehen alle auf.)

 

Eilfter Auftritt.

Vorige. Die Wirthin.

Obfstr. (der sie führt.) Nur zu Athem, Frau!

Wirthin. Ach – Ihr Anton!

(Zugleich:)

Fr. Gott –

Obfstn. Was ist mit Anton?

Wirthin. War bei uns – ich wollt – Ach Gott! Eben bringen sie ihn auf einen Wagen – geschlossen – voll Blut – er hat den Mathes erstochen –

Fr. (fällt sinnlos dem Schulzen in die Arme.)

Obfstn. Anton – ach großer Gott! – meine Angst – ach Anton! – Das einzige Kind – Gott! erbarme dich unser! (ab.)

Pastor. Mann, Mann! Um Gottes willen, wie ist Ihnen?

Obfstr. Ich will aufs Amt.

Pastor. Ich will hin. Bleiben Sie – Sie sind außer sich – Schulz gebe er auf ihn Achtung.

(Zugleich:)

Schulz. Gehn Sie nur.

Wirthin. Ich bleibe bei der Frau.

Obfstr. Ich kann nicht fort – meine Beine – gehn Sie erst – bringen Sie bald Antwort.

(Friedrike fängt an sich zu erholen.)

Pastor. Gott sei Ihr Trost! – ich komme gleich wieder.

(Zugleich:)

Fr. Anton! – ach Anton!

Schulz. Großer Gott! Das halte ich nicht aus.

Obfstr. O mein Kind, mein Kind, mein einziges Kind!

(Wirft sich mit bedecktem Gesicht auf den Tisch.)

 

Ende des vierten Aufzugs.

 

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