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August Wilhelm Iffland: Die Jaeger - Kapitel 5
Quellenangabe
typedrama
authorAugust Wilhelm Iffland
year1785
firstpub1785
publisherGeorg Jacob Decker
addressBerlin
titleDie Jaeger
pages184
created20110405
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritter Aufzug.

(Eine Bauer-Wirths-Stube, im Hintergrunde ein Tisch mit einem Schwenkkessel, Bouteillen, Gläsern &c. An der Seite links ein Kamin auf bäurische Art, über dem Feuer ein Kessel, worin die Bauern Kaffee kochen.)

Erster Auftritt.

Die Wirthin und Bärbel, ihre Tochter.

Wirthin. Bärbel, Bärbel!

Bärbel. (von außen.) Ia, Mutter, gleich.

Wirthin. Tummle Dich, sage ich.

Bärbel. Da bin ich – was wollt Ihr?

Wirthin. Schwenk' die Gläser; sie kommen bald. – Rühr Dich!

Bärbel. Nun – wer wird denn kommen, als der alte lahme Gerichtsschreiber?

Wirthin. Nein, die Bauern kommen auch.

 

Zweiter Auftritt.

Vorige. Gerichtsschreiber.

Gerichtsschr.. Guten Tag, Frau Wirthin!

Wirthin. (kurz.) Guten Tag, Herr Gerichtsschreiber.

Gerichtsschr.. Es ist mörderlich kalt. Einen Trunk. Jungfer Bärbel.

Wirthin. Was giebts denn heute? He?

Gerichtsschr.. Ich will in Sachen des Kappe contra Romann erkennen. (Bärbel bringt ein Glas Wein. Er trinkt.) Recht lieblich – in der schweren Kälte recht ersprießlich. (Reibt die Hände.) In der Kampagne von Anno 45 am Rheine, wo ich bei Dettingen so schwer am Fuß blessirt ward – –

Wirthin. Hahaha.

Gerichtsschr.. Was lacht Sie?

Wirthin. Der alte Quartiermeister von Remrein, war neulich hier bei uns, und – hahaha.

Gerichtsschr.. Lebt er noch, der ehrliche Schlag? Kenne ihn genau, ist mein alter Special, habe neben ihm manche Kugel sausen hören – ich!

Wirthin. Nun ia – Da kamen wir auf Ihn zu sprechen. »Ist der Kerl bei Euch Gerichtsschreiber«? fragte er – »Nun, sagte er – aber lieber Herr Gerichtsschreiber, Er muß nicht böse werden, denn ich sage es in allen Ehren – ia, sagte er, – »das war ein durchtriebner Spizbube«.

Gerichtsschr.. Wie – da? hm brr – hm.

Wirthin. Ein durchtriebner Spizbube. Da wollte ich Ihn verdefendiren und auf Seine Kampagne kommen – so sagte er – »Er wäre allemal zuerst ausgerissen«. Wie ich nun von der Blessur sprach, wovon Er uns alle Abend erzählt; sagte der Quartiermeister – »Er hätte den Bauern Hühner stehlen wollen, und wäre erwischt. Auf der Flucht wäre Er in eine Sense gefallen, davon käme das kurze Bein.«

Gerichtsschr.. Höre man doch ums Himmels willen die Schwänke an! Das will Sie gehört haben?

Wirthin. Ia, ia.

Gerichtsschr.. Der Quartiermeister ist – – Apropos! Ist er noch hier?

Wirthin. Nein, er ist fort.

Gerichtsschr.. Der ist recht schlecht. Das sage ich. Die Blessur habe ich bekommen in der Bataille bei Dettingen. Wie der Feind auf uns anrückte; so – –

Wirthin. – Stand Er auf der Batterie mit funfzig andern. Da kam der Herzog von Kumberland auf dem Schimmel geritten. Ihr Kinder, schrie der Herzog, deckt die Bataille! da liefen ihrer neun und vierzig fort, aber Er blieb stehen, und so kam eine Kugel und streifte Ihn; aber Er blieb nun noch acht Tage liegen –

Gerichtsschr.. Alles richtig.

Wirthin. Nun man wirds denn am Ende doch wissen; Er erzälts ia alle Abend.

Gerichtsschr.. Nun – also bin ich nicht in die Sense gefallen.

Wirthin. Und also hat Er keine Hühner gestohlen.

Gerichtsschr.. Eine Lehre kann ich Ihr doch bei der Gelegenheit geben – Bei Leib und Leben erzähle Sie so was Ehrenrühriges nicht, wenn einer Wein trinkt. Ich bin sonst ein moderater Mann, aber hierüber habe ich mich gealterirt – und wenn der Quartiermeister hier wäre – so könnte ich ihn in der Hizze und durch das Weintrinken – ich könnte ihn zu Granatbißchen hauen. (trinkt) Kommen heute spät, die Bauern.

Wirthin. Was sollen sie denn auch hier thun?

Gerichtsschr.. Hm br hm! Haus und Hof kaufen.

Wirthin. Und in drei Wochen wieder verkaufen, so fällt es in Euren Beutel.

Gerichtsschr.. Noch eine Bouteille!

Wirthin. Steht schon zu viel angeschrieben.

Gerichtsschr.. Laßt es stehn. Die Gemeinde muß zalen.

Wirthin. Das ist nicht fein – das werde ich melden.

Gerichtsschr.. Frau Wirthin!

Wirthin. Ei was, es ist wahr – was zu arg ist, ist zu arg. Man muß leben und leben lassen. Er will de geordinirte Obrigkeit sein – –

Gerichtsschr.. Nun ia.

Wirthin. So sollte Er es auch hübsch darnach machen. Aber erst beschwazt und berauscht Er die armen Leute, daß Sie ins Tages Licht hinein kaufen. Vier Wochen danach sizt Er ihnen auf dem Halse. Nun heißt es: Geld her! Da wird wieder gerequirirt, verkauft und genommen, bis sie fort von Haus und Hof einer nach dem andern in die neue Welt ziehen.

Gerichtsschr.. Laß sie ziehen – so giebt es Plaz.

Wirthin. Wenn sie alle nach der neuen Welt gezogen sind, dann kann ich mein weisses Roß zusperren – gelt? Nein – bleib Er mir zu Liebe weg. Der Gewinn ist Sündengeld, ich mag ihn nicht. Wer weiß, wer weiß, warum mir mein Sohn so plözlich gestorben und mein Vieh so gefallen ist.

Gerichtsschr.. Hat Euch denn der Tischler bezahlt? He?

Wirthin. Der Herr Amtmann, sollte ein Einsehens haben – – aber der – –

Gerichtsschr.. Sagt doch, hat Euch der Tischler bezahlt?

Wirthin. Nein. Woher auch nehmen? Es giebt keine Arbeit.

Gerichtsschr.. Ihr sollt Euer Geld bald kriegen.

Wirthin. Wovon denn?

Gerichtsschr.. Es ist doch iezt eine ungesunde Zeit – nicht wahr?

Wirthin. Nun ia.

Gerichtsschr.. Es sterben viele Menschen?

Wirthin. Ia. Aber – – –

Gerichtsschr.. Nun seht, wie ich das ausgestudirt habe. Da fallen wir dem Tischler in die Flanque – und legen Arrest auf die Särge, oder Todtenladen.

Wirthin. Was?

Gerichtsschr.. Nun und ich wei0 ihrer . . . . drei, die alle bei ihm arbeiten lassen, für die wird schon in den Kirchen gebetet. Wenn die dran glauben müssen: so seid Ihr auch bezahlt.

Wirthin. Er will gar gescheut sein, aber sein ausgestudirtes Wesen kömmt manchmal recht albern heraus. Für unser Dorf wäre es recht gut, wenn Er mit dem andern Beine auch nicht gehen könnte. Wenn Ihm etwa einmal nach meinen Hühnern gelüstet, ich will Ihm die Sense zurecht legen. Und nun, Herr Gerichtsschreiber, wenn Er noch ein bischen gescheid ist, so kömmt Er hier nicht wieder her, oder ich packe Ihn auf, und seze Ihn vor die Thüre. (ab.)

Gerichtsschr.. Frau Wirthin! – Nun ich will diesmal nichts daraus machen, weil – – wenn aber meine Herren Kollegen hier wären; so so – –

 

Dritter Auftritt.

Vorige. Kappe. Romann. Ein alter Bauer und noch einige andre Bauern.

Romann. Guten Tag, Herr Gerichtsschreiber!

Kappe. Guten Tag, Herr Gerichtsschreiber!

Alle. Guten Tag, Herr Gerichtsschreiber. (Sie kommen einer nach dem andern herein, außer die lezten, welche zugleich hereintreten.)

Gerichtsschr.. (sezt sich.) Willkommen, Ihr Herren!

Kappe. Er solls nun einmal ausmachen mit dem Handel.

Romann. Es kostet einem ieden schon acht Thaler.

Alle. Wir wollen nun nicht mehr kommen.

Gerichtsschr.. (schlägt mit dem Stäbchen auf den Tisch.) Silentium! Ihr seid der Peter Kappe?

Kappe. Ia.

Gerichtsschr.. Und Ihr?

Romann. Hans Romann.

Gerichtsschr.. Nachdem sich neulich unter Euch dem mehrbemeldeten Peter Kappe, und Euch – wie heißt Ihr?

Romann. Hans Romann. Mein Vater ist der Kaspar Romann an der stumpfen Ecke.

Gerichtsschr.. Und Euch Hans Romann, ein Hader hat ergeben wollen –

Romann. Nein – er hat sich nicht drein ergeben wollen, darum habe ich ihn geklopft.

Kappe. (zum Gerichtsschr.) Nun hört Ers doch, daß ich Recht habe?

Romann. (zu Kappe.) Ihr habt nicht Recht, denn –

Kappe. Herr Gerichtsschreiber! Mit der geballten Faust hat er mich hier auf die Nase geschlagen –

Romann. Ihr wollt Euch verdefendiren, aber –

Kappe. Ihr lügt einmal ärger, als das andre.

(Zugleich:)

Einige. Kappe hat Recht.

Andre. Nein, er hat nicht Recht.

Gerichtsschr.. (steht auf.) Halt! – Silentium!

(Zugleich:)

Kappe. Ich laß mich nicht betölpeln – –

Romann. Ich will Euch weisen – –

Gerichtsschr.. Halt – Im Namen des hochlöblichen Amts. (die Bauern treten zurück.) Oder ich lege Euch das Handwerk. Million Bomben Sapperment! – ich weiß, was Rechtens ist! (er schreit um so stärker, ie mehr die Bauern weichen.) Ich bin dabei gewesen, war vier Jahre lang Feldwebel, habe schwere Campagnen gemacht, habe mir lassen Wind um die Nase wehen – daß Ihrs wißt! he!

Kappe. Nun ia.

Romann. Ich glaubs.

Gerichtsschr. (im nämlichen Raptus.) Was?

Kappe. (lachend.) Nun, Er ist Feldwebel gewesen.

Romann. (halb hinter dem Hute lachend.) Ia der Wind hat ihm an die Nase geweht, lieber Herr Gerichtsschreiber!

Gerichtsschr. Als ich Anno 54 die große Glocke konvoirt habe, so habe ich 9 Mann gekommandirt und will Euch schon zur Raison bringen. (im Niedersezzen.)

»Und es hat verlauten wollen, als ob mehr gedachter Romann dem Peter Kappe die Nase im Gesicht habe verlädiren wollen –«

Kappe. Kucke Er hier –

Romann. Ich habe ihn nicht geschlagen. Ich fiel, und wollte mich halten, damit kriegte ich seine Nase zu packen.

Gerichtsschr. »Und nunmehr nach genugsamer Untersuchung. – –

 

Vierter Auftritt.

Vorige. Matthes, in der Amtslivree.

Matthes. Sein Diener, Herr Gerichtsschreiber.

Gerichtsschr.. Ei – Sein Diener. Nun – auch bei dem hochlöblichen Amt in Diensten? Nun – gute Freundschaft.

Matthes. Topp – gute Freundschaft! Ein Gläschen darauf?

Gerichtsschr.. Je nun – Ihm zu Liebe. Geht in Gottes Namen nach Hause, Ihr Leute.

Kappe. Aber mein Prozeß?

Gerichtsschr.. Vergleicht Euch.

Romann. Wir können uns nicht vergleichen, darum klagen wir ia.

Gerichtsschr.. Ihr sollt Euch vergleichen.

Kappe. Ich habe in vier Verhören für einen Thaler Wein getrunken.

Gerichtsschr.. Trinkt Sonntags keinen.

Romann. In dem lezten Verhör hat er allein für einen halben Thaler auf meine Rechnung gesoffen.

Gerichtsschr.. Da ist der Bescheid.

Kappe. Ich will keinen.

Romann. Wenn wir uns vergleichen wollen: so thun wirs ohne seinen Bescheid, damit kriegt Er keinen Heller.

Gerichtsschr.. Vergleicht Euch, oder laßt es bleiben – nehmt den Bescheid oder laßt ihn liegen; nur zahlt die Unkosten – 4 Reichsthaler.

(Zugleich:)

Kappe. Ei Gott!

Romann. Das ist zu toll.

Der alte Bauer. Darnach werden wir uns weiter umsehen.

Gerichtsschr.. Das hochlöbliche Amt hat es befohlen. Wer nun noch ein Wort sagt, kömmt in den Thurm!

(die Bauern gehen unter bedrohenden Pantomimen in den Hintergrund, und sezen dort leise ihr Gespräch fort.)

Der alte Bauer. (er faßt den Gerichtsschreiber bei der Brust.) Spizbube, Du machst unser Dorf unglücklich.

Gerichtsschr.. Nun, nun – Herr – –

Der alte Bauer. Spizbube noch einmal! Wenn Du was dagegen hast – ich bin auch Soldat gewesen, und so alt ich bin, so –

Gerichtsschr.. (bietet die Hand.) Ei, lieber Herr Reinhard.

Der alte Bauer. (schlägt sie weg.) Das nehme ich nur von einem ehrlichen Kerl an. (geht zu den Uebrigen.)

Matthes. Leidet Er das?

Gerichtsschr.. Und wohl noch mehr. Denn ich muß ein Beispiel geben. Hintennach weiß ich sie doch schon wieder zu – –

Matthes. Nun so laß ichs gelten.

Gerichtsschr.. An allem dem Unheil, ist der Herr Pfarrer aus Eurem Ort schuld. Der macht die Leute so überverständig. Der Herr Oberförster, macht es denn auch nicht besser –

Matthes. Nun mit dem kann es sich legen. Wenn der iunge Förster Mamsell Kordel nicht nimmt, so kann es ihm noch wunderlich gehen. Der Amtmann hat einen langen Arm in der Stadt, und der hats ihm geschworen. Brichts da – so hat Er auch einen freien Rücken.

Gerichtsschr.. Der Herr Amtmann – – die Kerls hören uns doch nicht –

Matthes. Bewahre, die sind in ihrem Prozeß – –

Gerichtsschr.. Der Herr Amtmann lassen mich nicht im Stich, da hats gute Wege! Nun – Sie wissen auch schon, warum. – Jezt bin ich ihm darin sehr nöthig.

Matthes. Warum?

Gerichtsschr.. O iezt blühet mein Weizen. Der Herr Amtmann verhängt denn so ein Schuldenwesen nach dem andern – Versteht Er? So was wird gar klug gemacht. Das Eselsvolk zieht in die neue Welt, und – – Er versteht schon –?

Matthes. Nun – es leben die Landdienste!

Gerichtsschr.. Wo gehts denn mit Ihm hin?

Matthes. Meine erste Arbeit. Geld in die Stadt bringen.

 

Fünfter Auftritt.

Vorige. Wirthin.

Wirthin. Ach du lieber Gott!

Die Bauren (durch einander.) Was ist – was giebts, Frau Wirthin?

Wirthin. (trocknet sich die Augen, erzählt und macht Pantomime auf Matthes.)

Matthes. Die sprechen von uns – sie werden doch nichts gehört haben.

Gerichtsschr.. Sollt's nicht meinen. Nun, Frau Wirthin, was Neues?

Der alte Bauer. Armer Teufel!

Alle. Ia wohl. (sie kommen herunter und sezzen sich um den Kamin.)

Wirthin. Herr Matthes – Sein Dienst mag recht gut sein, ich will auch glauben, daß Er ihn in allen Ehren gekriegt hat; aber es ist doch hart!

Matthes. Was? Ich verstehe Euch nicht.

Wirthin. Der alte Friz vom Amte war da. Du lieber Himmel, wie sieht der Mann aus! Herr Matthes – nehme Ers übel oder nicht – ich könnte nicht in dem Rock stecken, den ich einem mit Gewalt vom Leibe gerissen hätte.

Matthes. Haltet das Maul, alte –

Wirthin. Nun, lieber Gott! Ich werd's nicht ändern. Aber man hat denn doch ein Herz. Es ist Winterszeit – der Mann sah ganz verkehrt aus – Er trank ein Gläschen, und suchte in den Taschen. Ia, daß ich was von ihm genommen hätte! behüte! – ich schämte mich der Sünde!

 

Sechster Auftritt.

Anton. Vorige.

(er hat einen Hirschfänger um.)

Anton. Guten Tag. (er geht grade auf den Kamin zu, zwischen Matthes und den Gerichtsschreiber, welche sich umsehen, aber nicht rücken. Der Gerichtsschreiber grüßt kaum, Matthes gar nicht.) Nun, Plaz da!

Gerichtsschr.. Ei warum?

Matthes. Ich size gut.

Anton. Plaz! daß ich auch zum Feuer kann.

Matthes. Wer zuerst kömmt, mahlt zuerst.

Anton. Wißt Ihr, wen Ihr vor Euch habt?

Matthes^ Was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig. (NB. immer ohne sich umzusehen.)

Anton. Schurke, nun ist es genug. (zieht.)

Der alte Bauer. (fällt ihm in den Arm.) Herr Förster!

Matthes. (greift nach seinem Knotenstock.) Was er denn wohl will, ins Kuckuks Namen!

Anton. Kerl, geh aus der Stube, oder Du bist des Todes.

Matthes. Ah – (sezt sich.) Noch ein Glas, Herr Gerichtsschreiber!

Gerichtsschr.. Ich wills holen. (ab.)

Anton. Laßt mich los.

Wirthin. Um Gottes willen, haltet ihn ab!

Anton. Laßt mich los ins Teufels Namen! Ich haue ihn zusammen, den Hund –

Der alte Bauer. Gemach – Herr Förster, bedenken Sie, Ihr alter Vater!

Anton. Und Riekchen – und mein Versprechen. Alter, ich will ruhig sein. Aber schafft den Kerl fort. Wein, Frau Wirthin!

(die Bauern bereden Matthes, fortzugehen.

Wirthin. Lieber Herr! Sie sind feuerroth – so schnell in die Hizze –

Anton. Wein, sage ich –!

Wirthin. Aber, lieber Herr Förster –

Anton. (ergreift eine Bouteille, und stürzt ein Paar Gläser hinunter.) Macht nicht so viel Wesens.

Wirthin. Nun, auf Ihre Gefahr!

Der alte Bauer. Und iezt, Herr Matthes – zieh Er die Pfeife ein, und geh Er.

Matthes. So bald mirs beliebt.

Wirthin. (ängstlich zwischen beiden Partheien.) Ach Gott, Ihr Leute!

Anton. Elender Spizbube.

Matthes. (klopft die Pfeife aus.) Jezt ist mirs gelegen. Nun wärme Er sich, Monsieur. (im Gehen.)

Anton. Schurke! Ich habe Dirs lange gedacht. Aber wart, ich treffe Dich schon noch.

Matthes. (hebt den Stock und will umkehren. Aber die Bauern nehmen ihn unter Pantomimen der gütlichen Zuredung, doch ohne lächerliches Getümmel, mit sich fort.)

 

Siebenter Auftritt.

Anton. Wirthin.

Anton. (ihm nach.) Schlechter Kerl! – Noch ein Glas!

Wirthin. Lieber Herr Förster, in der Hizze, auf den Aerger – es geht ia warhaftig nicht.

Anton. Gebt es doch! Wer weiß. Ihr gebt mir wohl so bald keines wieder –

Wirthin. Was sind das für Reden?

Anton. Nun gebt her. (die Wirthin giebt ihm.) (nachdem er hastig hinein getrunken.) Für wen tragt Ihr Schwarz?

Wirthin. Für meinen Anton. Vorige Woche ist er gestorben.

Anton. Du lieber Gott!

Wirthin. Ich habe nur den einzigen Sohn gehabt, und er hat fort gemußt – Der Junge fehlt mir in allen Winkeln. Was hilfts? – man weint ihm nach – aber – Hin ist hin.

Anton. (mit gesenktem Blick und tiefem Athen.) Hin ist hin! (abwärts.) Ob sie mir auch wohl eine Thräne nachweint –

Wirthin. Was meinen Sie?

Anton. Hin ist hin! – Gebt mir Papier und Feder.

Wirthin. Hier, da ist – –

Anton. (sezt sich zum Schreiben, denkt, schreibt ein Wort, streicht es aus und springt auf.) Mutter – ich wollte, ich läge so tief, wie Euer Anton.

Wirthin. Gott soll Sie bewahren! – So ein lieber iunger Herr – haben so liebe Eltern; warum wollten Sie sterben?

Anton. Nun, was giebts denn Neues bei Euch? – Die Werber sind ia von Euch gezogen – wohin denn?

Wirthin. Eine kleine halbe Stunde von hier nach Graurode.

Anton. Nun, in Gottes Namen! – Noch ein Glas.

Wirthin. Nichts – und wenn Sie es mit Golde bezahlen wollten.

Anton. Nun, so lebt wohl. Adieu, Alte – Gott tröste Euch! – Noch eins – schickt doch in meinen Ort nach Weißenbach – da ist die Fridrike wieder in unserm Hause.

Wirthin. Ich weiß, das liebe Mädchen ist diesen Morgen hier durchgekommen – es ist ein herzlich Ding.

Anton. (mit Feuer) Nicht wahr? Nicht wahr, Riekchen ist gut? Nicht wahr, ihrer giebts wenige? (mit unterdrückten Thränen.) So ehrlich – so hübsch – so brav –

Wirthin. Das ist gewiß.

Anton. (gefaßter) Nun, so thut mir den Gefallen, geht hin – ich muß über Feld – und das Schreiben will mir nicht von der Hand – ich – ich kanns Euch sagen, ich habe das Mädchen gern. Sagt ihr, ich wollte ihr bald schreiben – bald! – Ich – (er wirft sich mit Ausbruch von Thränen auf den Stuhl.) Ach, lieber Gott!

Wirthin. Herr Förster, wie wird Ihnen?

Anton. (reißt Halsbinde und Hemdkragen auf.) Es ist mir so heiß – so ängstlich, so bange. Ich hätte doch den Wein nicht trinken sollen.

Wirthin. Liebes Kind! Sie sind doch da nicht auf üblem Wege?

Anton. Ich wollte bald schreiben – und ich wollte sie in alle Ewigkeit nicht vergessen – Sie mögte nur nicht weinen, es gienge mir gut, recht gut.

Wirthin. Aber Sie kommen ia bald wieder; warum soll ich –

Anton. Nicht so bald – damit sie ruhig ist – thut mir die Liebe! denkt, es wäre Euer Anton, der Euch so bäte – –

Wirthin. Ia lieber Gott, dann wollte ich – Ia ich will es bestellen! Und an Ihre Eltern?

Anton. (mit heftiger Bewegung.) Einen Gruß – ich wäre hier durchgereist – ich ließe ihnen noch einmal Adieu sagen. Hört Ihr? – Adieu an Vater und Mutter!

Wirthin. Mein Gott! Was ist Ihnen? – Sie bluten ia aus der Nase, Herr Förster! (sie ergreift seine Hand.)

Anton. (wendet sich etwas ab und hält das Tuch vor.) Sie sollten Riekchen gut halten – ich wollt es ihnen ewig – ewig danken – und ich wollte mich gut halten und brav werden – (fast mit Schluchzen.) und wenn ich zu sterben käme – so sollten sie Riekchen zur Erbin einsezzen, und – Mutter, Gott tröst Euch! (reißt sich gewaltsam los und fort.)

 

Achter Auftritt.

Wirthin. Hernach Bärbel.

Wirthin. Je, wie ist denn das? Gelaufen – glüht wie ein Ofen – den Wein hineingestürzt – nach den Werbern gefragt – ich soll den Eltern Adieu sagen – und so fort! der Teufel wird ihn doch nicht geblendet haben, daß er unter die Reuter gehen will – was? He, Bärbel – Bärbel! – Zwar, das geht nicht; er ist ia Förster! – Indeß es ist ein iunges Blut, und wenn denen die Ratte durch den Kopf läuft – Freilich dürfen sie ihn auch nicht annehmen – aber sei Du Herr Förster, oder nicht; was das Volk einmal in den Klauen hat, giebt es nicht wieder heraus. Bärbel, he!

Bärbel. (träge.) Nun, was ist?

Wirthin. Geschwind, geschwind! Ich muß nach Weissenberg. Stell den Regenschirm parat – bring mir meine schwarze Sammtkappe, meinen Sontagsmantel und die Klapphandschuh. Rühre Dich. (Bärbel ab.) Das arme Weib! (sie räumt Sachen vorn von der Bühne in den Hintergrund.) und der gute Alte, sie grämten sich zu Tode. Gleich will ich hin – alles zugeschlossen – bei dem Wetter wird so niemand sonderlich kommen. Das Mädchen mag einmal haushalten.

Bärbel. (bringt die Sachen.)

Wirthin. Nun Du! Mach Deine Sachen gescheut, hörst Du? Jedermann richtig Maaß – Niemand aufgehalten! (sezt die Kappe auf.)

Bärbel. Es ist über eine Stunde Weges, es ist Winterszeit – schlechtes Wetter, Ihr solltet doch dableiben. –

Wirthin. Was Winterszeit, was schlechtes Wetter! die Leute haben nur den einzigen Sohn. Ach, könnt ich meinen Anton wieder holen, ans Ende der Welt wollte ich laufen.

Bärbel. Es hat ia Zeit bis morgen.

Wirthin. Wie Du es verstehst! Man soll nicht warten bis morgen, wenn man einem Menschen eine gute Stunde machen kann.

Bärbel. Aber was geht es denn Sie an?

Wirthin. Höre, ich habe Dirs lange angemerkt, wenn Du nur einem Menschen ein Stück Brod abschneiden sollst, so läst Du das Maul hängen; keinem Menschen gönnst Du was Gutes: aber den heimlichen Neidhart sollst Du abschaffen, oder ich will nicht gesund von der Stelle gehen! daß Du's weißt! (ab.)

 

Neunter Auftritt.

Bärbel.
(räumt alles weg. Indem kömmt, der Seite gegenüber, wo die Wirthin abgieng,)
der Gerichtsschreiber.

Gerichtsschr.. Sind sie fort?

Bärbel. Ia. Er kann gehen.

Gerichtsschr.. Hats denn nichts gegeben?

Bärbel. Was?

Gerichtsschr.. So – von Stulbeinen – und blutigen Köpfen!

Bärbel. Bewahre uns Gott!

Gerichtsschr.. Nicht einmal? – O so habe ich die liebe Zeit davon. Wo ist mein Glas? – ich hatte noch nicht ausgetrunken, als der Rumor angieng.

Bärbel. Da stehts.

Gerichtsschr.. (im Trinken.) Das ist ein Kreuz! Nichts wird Inquisitionsmäßig, und wenn die Karten noch so gut fallen. Da hätte ich das Leben verwettet, es würde wenigstens ein halber Schädel in Untersuchung kommen – Nichts! Seit neun Jahren keinen erheblichen galgenmäßigen Malefikanten und seit achtzehn Jahren keine Tortur – es ist zum Gotterbarmen! das – (ab.)

 

Zehnter Auftritt.

(In des Oberförsters Hause.)

Oberförster. Rudolph.

Oberförster. Rudolph – seid Ihr auf dem Amte gewesen – ich weiß nicht, essen wir allein, oder – –

Rudolph. Ia. Sie kommen, nur die Frau Amtmännin nicht.

Obfstr. Auch gut.

Rudolph. Sie sagte, unsere Hunde machten zu viel Lärm, sie kriegte Kopfweh davon.

Obfstr. Der Herr Pastor, wird wohl noch da sein?

Rudolph. Nein. Vor einer halben Stunde ist er weggegangen.

Obfstr. So?

Rudolph. War der iunge Herr Förster nicht bei Ihnen?

Obfstr. Nein. – Ist er auch in der Zeit noch nicht nach Hause gekommen?

Rudolph. Ich habe ihn mit keinem Auge gesehen.

Obfstr. Schickt einmal nach der fahlen Eiche. Vielleicht ist er da. Er soll hereinkommen.

Rudolph. Ganz wohl. (ab.)

Obfstr. Wundern soll mich's doch, woran ich mit der Frau sein werde? Ob – –

 

Eilfter Auftritt.

Oberförster. Oberförsterin.

Oberförsterin. (sezt sich oft in Positur, etwas zu sagen, ist verlegen um den Anfang, nimmt Toback und geht herum.)

Oberförster. (sieht sie nicht an und geht an der andern Seite herum.)

Obfstn. Nun?

Obfstr. (kurz.) Was giebts?

Obfstn. Ei fahr mich nur nicht so an!

Obfstr. Sprich vernünftig, oder schweig.

Obfstn. Meintwegen – ich schweige. (sie geht ein Paar Schritte, er auch wieder.)

Obfstn. Alter –

Obfstr. Hm?

Obfstn. Wenn soll denn die Hochzeit sein?

Obfstr. Welche Hochzeit?

Obfstn. Mit Anton und Friedriken –

Obfstr (nach kurzer Pause mit Rührung.). Bist doch ein gutes Weib! habe Dank.

Obfstn. Nun nun – mach nur nicht so viel Aufhebens davon! – Ich denke, in der andern Woche würde sichs am besten schicken –

Obfstr. Ich habe es zwar noch verschieben wollen– aber wenn es Dir Freude macht: lieber in dieser Woche, als in der künftigen. – Sei nun auch wieder freundlich.

Obfstn. (mit allem Gardinenpredigtpathos.) Eile mit Weile! So einen Morgen habe ich lange nicht gehabt, und solche Sachen hast Du mir in Deinem Leben noch nicht gesagt.

Obfstr. Aber herzensgutes Weib, so ärgerlich hast Du auch in Deinem Leben noch nicht gesprochen.

Obfstn. Ich heulte in der Kirche, und wäre boshaft zu Hause!

Obfstr. Nun, nun – was ist denn –

Obfstn. (mit Gefühl von wahrer Kränkung.) Nein, nein – aus allem Auffahren mache ich mir Nichts; aber so was? – dann läuft es über. Wir leben dreissig Jahre zusammen. Habe ich Dich in der Zeit boshaft betrübt? Man muß seine Worte hübsch bedenken.

Obfstr. Es thut mir leid –

Obfstn. Und dann – von Scheidung? So gottlos hast Du noch nie gesprochen. Unter christlichen Eheleuten ist so was nicht erhört.

Obfstr. Ich wollte, es wäre nicht geschehen; aber über das Kapittel – – – ich sehe denn schon, wie ich es bei Gelegenheit wieder gut mache. Nun – ist denn nun wieder Friede?

Obfstn. Hm!

Obfstr. Deine Hand!

Obfstn. (giebt sie, aber sieht ihn nur halb an.)

Obfstr. Du mußt mich auch dazu ansehen. So – und einen Kuß – denk, ich wäre noch Dein Bräutigam. (sie umarmen sich.) Es hat Dich denn doch nicht gereuet, daß Du es mit mir gewagt hast?

Obfstn. Nun –

Obfstr. Jezt wollen wir darauf denken, den Leuten eine kleine stille Hochzeit zu geben.

Obfstn. (mit aller ihrer lebhaften Geschwäzzigkeit.) Was? Kleine stille Hochzeit?

Obfstr. Ich denke, es ist Dir so am liebsten.

Obfstn. Daß ich für einen Geizteufel ausgeschrien würde! daß es hiesse: meine Kinder wären mir nicht einmal so viel werth!

Obfstr. Nun, wie Du willst.

Obfstn. Nein. So einen Tag erlebt man nur einmal, und den muß man in Ehren und Freuden zubringen. Alles soll dazu gebeten werden. Das habe ich mir so ausgedacht: – –

Obfstr. Laß hören.

Obfstn. Hier oben sollen des Morgens die Gäste zusammen kommen. Mittags ist die Trauung, auf die Stunde, wie unsre. Nachher essen wir hier. Den Jägern geben wir ein Fäßchen Wein, Du weißt, von dem rechter Hand im Keller. Er ist vier Jahr alt, und es ist ein guter Wein – damit sollen sie unten sein. Abends hier oben getanzt – und dazu sollst Du die besten Musikanten aus der Stadt kommen lassen, die besten! das sage ich Dir.

Obfstr. Das will ich.

Obfstn. Unten kann sich das Volk lustig machen. Singen, tanzen, essen, was sie wollen, wie sie wollen. Um zehn Uhr geht Alles hinunter – bunt durch einander. Riekchen darf keinem den Ehrentanz abschlagen – Keinem Bauer, keinem. Wenn ich tanze; so gebe ich –

Obfstr. (lächelt.) Das geht ia, wie am Schnürchen!

Obfstn. Ia. So soll Alles gehalten werden.

Obfstr. Ich glaube, Du giebst die Heirath zu, damit Du nur Hochzeitsanstalten machen darfst?

Obfstn. Wenn ich bei so was nicht wäre – Du vergißt Alles. Du denkst an Nichts. Und die Kuchen, die sollen hier im Hause gebacken werden, nicht etwa – (sie hört die Thür öffnen.) Ach iemine! Unser Herr Amtmann und Mamsell Kordelchen.

 

Zwölfter Auftritt.

Amtmann. Kordelchen. Vorige

Amtmann. Es ward mir wahrlich sehr sauer, mich loszureissen – aber auf Ihr Begehren habe ich denn doch nicht ermangeln wollen –

Obfstr. Ia meine Frau, die – – meine Frau hat (zu ihr.) – »Sehr sauer?« Sapperment!

Kordelchen. Kommen Sie, Mama! wir gehen vorher noch auf Ihr Zimmer.

Obfstn. Wie Mamsell befehlen.

(Obfstn und Kordelchen ab.)

 

Dreizehnter Auftritt.

Oberförster. Amtmann.

Amtmann. Ich muß wegen der Gränzstreitigkeiten mit Oberhausen noch arbeiten, ehe ich dort hingehe – die Prozeßsachen hier im Ort wollen denn doch auch gefördert sein – wie gesagt – ich muste mich mit Mühe losreissen.

Oberförster. Prozeßsachen? O Herr Amtmann, kehren Sie zurück, achten Sie nicht auf die Einladung – in unserm Ort sind viel Bettelleute durch langsame Justiz. Wollten Sie ihnen heute helfen? O, so wahr Gott ist! dann thun Sie was Bessers, als Braten essen und Wein trinken – kehren Sie zurück!

Amtmann. Nicht doch – es kann Anstand haben. Es hat damit nicht so viel Eile.

Obfstr. Nicht Eile? – Mordtausend Sapperment!

Amtmann. Was ist Ihnen?

Obfstr. Herr! dem Ludwig Grothal kostet der Prozeß – der Bettel, über den er herkömmt, ist 5 Thaler werth – kostet ihm hundert. Das Haus ist für die Gerichtskosten verkauft – das Vieh wurde herausgetrieben, indeß er auf dem Felde war. – Es war nur Vieh, aber wie ich es so in der Irre brüllen hörte, schnitt mirs durchs Herz. Die Kinder sind von der Gemeinde barmherzig aufgenommen. Er ist nach Amerika. Um Papiere, um elende Rechtsverdrehungen ist ein fleißiger Hausvater aus dem Vaterlande geiagt worden! Herr – wenn zu Ihren Tressen da – auch nur etliche Groschen von ienem Vermögen verwandt sind, so drücken sie schwer.

Amtmann. Lieber, heftiger Mann – was kann ich dabei thun? Der Schlendrian ist alt – ich kann ihn nicht heben – man muß Geduld haben!

Obfstr. Wie zum Teufel! soll es ein ehrlicher Mann mit seinem Gewissen machen? Warheit ist nicht Warheit. Wer klagt, wird ausgelacht. Wem der Kopf brennt über einen Schurkenstreich, ist ein Tollkopf. Drinn hauen, soll man nicht. Was denn? Schweigen, lügen, unbarmherzig, feig sein – oder mit stehlen und rauben, drüber und drunter?

Amtmann. Mein guter Mann – das war der Welt Lauf von Anbeginn, und wirds auch wohl bleiben bis ans Ende.

Obfstr. – Herr – ich glaube, Sie haben Recht.

Amtmann. O gewiß!

Obfstr. Wenn ich nicht gewiß glaubte, daß ich zu wichtigerer Ursach auf der Welt bin, als mich zu plagen und zu verwesen; daß einmal an einem andern Orte gleich gemacht wird, was hier ungleich bleibt – wenn ich das nicht mit fröhlichem Muthe glaubte: so könnte ich mit einem Schurken nicht drei Minuten allein sein, ohne ihm eine Kugel durchs Herz zu brennen. – Wie befinden sich der Herr Sohn und die Frau Gemahlin?

Amtmann. Gott sei Dank! Recht wohl. – Wen treffe ich denn bei Ihnen diesen Mittag – Vermuthlich unsern Herrn Pastor –

Obfstr. Ia.

Amtmann. Ein grundbraver Mann – er predigt die lautere Moral.

Obfstr. Und was er uns predigt, thut er.

Amtmann. Wenn er nur nicht die Grille hätte, sich um das Hauswesen der Leute im Ort zu bekümmern.

Obfstr. Warum nicht? Der Pastor hat seit zwanzig Jahren mehr für uns gethan, als das Amt in dreißig.

Amtmann. Wie so?

Obfstr. Bei dem hochlöblichen Amte muß man klagen, wenn man Hülfe haben will, und es hilft nicht: der gute Pastor hilft, ehe man klagt.

Amtmann. Das ist viel gesagt.

Obfstr. Gar nicht. Es kostet ihm sein Vermögen. Und muß es denn immer Geld sein, was hilft? Ich habe es all mein Tage gesehn, mit Geld ist oft den Leuten am wenigsten gedient. Das Herz auf dem rechten Fleck, Vertrauen – Zusprache, Geduld – ein freundliches Gesicht – Herr! Damit kann man viel Elend geringer machen.

Amtmann. Ich habe wirklich in der Stadt um Zulage für den guten Pfarrer gebeten.

Obfstr. Das ist brav! Er braucht sie. Sagen Sie ihm das bei Tische, es wird ihm einen guten Tag machen. Nun will ich gehen, und Ihnen mein Riekchen vorstellen. (ab.)

Amtmann. Der Kerl ist mir so überlästig an dem Orte – reif wäre er zum Fallen, wenn nur erst – –

 

Vierzehnter Auftritt.

Amtmann. Pastor.

Pastor. Herr Amtmann –

Amtmann. (äußerst zuvorkommend.) Ah - bon jour, mein lieber Pastor –

Pastor. Weil ich Sie doch grade allein finde –

Amtmann. Was wäre –

Pastor. Ich habe Ihnen etwas zu sagen, womit ich zwar bis nach Tische warten wollte – aber wer weiß – fände der Augenblick sich so – und dann mag ich auch ungern etwas, das mich drückt, lange gegen iemand auf dem Herzen behalten.

Amtmann. Ich bin ganz Ohr, mein lieber –

Pastor. Eben erhalte ich aus dem Konsistorium den Befehl, mich zu vertheidigen – über zehn Punkte zu vertheidigen, deren Sie mich angeklagt und deshalb auf meine Entfernung gedrungen haben.

Amtmann. Wie? – das ist ein Irrthum!

Pastor. Das ist Ihre Unterschrift.

Amtmann. Lieber Pastor – ich – es ist –

Pastor. (sanft.) Habe ich Sie iemals beleidigt?

Amtmann. Nein – o nein – ich – die Sorge für – ich dachte –

Pastor. Ich kann mich vertheidigen, und werde Ihnen meine Antwort zuschicken. Um mich ganz wehrloß gegen Sie zu machen – da ist ein Billet an mich von Ihrer Gemalin, worin sie mir 100 Rthlr. anbietet, wenn ich, im Namen der Religion, die Heirath des iungen Försters mit Friedriken hindern wollte. – Geben Sie es ihr zurück.

Amtmann. Die gute Frau – Mißdeuten Sie das nicht – es ist Bigotterie –

Pastor. Was es sei – es ist wieder in Ihren Händen.

Amtmann. Sein sie versichert, ich schäzze Sie – und wenn –

Pastor. Das Gespräch kann Ihnen nicht angenehm sein – lassen Sie uns abbrechen. Nur – Sie sagen, ich handle offen und ehrlich; vergelten Sie mir das nicht mit Bösem! Ich bin ein armer Mann, mit nothdürftigem Auskommen, gehe iedem gerne aus dem Wege und trachte nach nichts als Ruhe. Lassen Sie mich in Friede leben – sonst versündigen Sie sich.

 

Funfzehnter Auftritt.

Vorige. Oberförsterin. Oberförster und Friedrike.

Oberförsterin. Wenn es nun gefällig wäre – angerichtet ist schon.

Amtmann. Sogleich.

Oberförster mit Fr. Herr Amtmann, das ist unsere Nichte Friedrike.

Amtmann. Ein recht artiges Kind.

Obfstr. Kommen Sie – am Tisch finden Sie noch unsern Schulz. – Es kann Ihnen nicht unangenehm sein, mit dem ehrlichen Mann ein Stündchen zuzubringen.

Amtmann. Ein recht braver Mann, der Schulz! Ei, Sie haben es wohl darauf angelegt, uns ein Festin zu geben.

Obfstr. Guten Willen – fröliche Gesichter – bezahlte Gerichte, und im ganzen Hause nichts, das irgend einem Menschen Thränen gekostet hätte.

(der Amtmann führt die Oberförsterin, der Pastor Friedriken, der Oberförster geht hinten nach.)

 

Ende des dritten Aufzugs.

 

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