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Die Islandreiter

Artur Jost Pfleghar: Die Islandreiter - Kapitel 2
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typefiction
authorArtur Jost Pfleghar
titleDie Islandreiter
publisherPaul Neff Verlag
year1939
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II

Seitdem war bereits eine Woche vergangen, und das Leben auf dem Hof ging wieder im gewohnten Takt. Keinem der Menschen vom Hof fiel es etwa ein, die Tage seit dem Besuch des Arztes oder des Mädchens zu rechnen, sondern man redete davon, daß nun bald der Winter herankäme. Und die Vorräte wären gut eingebracht, sagte der Bauer.

Nur der Sohn des Bauern machte eine Ausnahme. Nicht etwa, daß er jetzt noch über den Arzt sprach oder über Asdis, aber er dachte viel um das Mädchen herum und bekam ihr Bild nicht mehr aus dem Kopf, weil es inzwischen schon in seiner Brust saß und nicht mehr herauswollte. Dazu sah er Tag für Tag den Rappen draußen auf der Koppel gehen, – ja, er ging schon wieder ganz leidlich und blieb nicht mehr mit trübe hängendem Kopf auf dem gleichen Fleck stehen von Morgen bis Abend schier, wie er es vorher getan hatte. Und man konnte sich denken, daß er in einigen Tagen wieder zu gebrauchen war.

Der Bauer meinte wohl, hm – wer wollte jetzt noch einen Ritt nach dem Westen tun, jetzt, wo man jeden Tag darauf gefaßt sein mußte, daß die Wolken am Himmel tief gingen und plötzlich einmal die Erde in ein weißes Laken verwandelten. Und warum sollte der Rappe nicht den Winter auf Sandfell zubringen, wo sie doch auf Arnarholt gleichwohl keinen Gebrauch für ihn hatten. Denn natürlich hatten sie in Arnarholt eine gute Menge ordentlicher Pferde, – einhundert, vielleicht sogar dreihundert. Arnarholt war der Hof, der dem Bruder des Arztes gehörte. Und an Futter hatte man in diesem Jahr auch keinen Mangel, warum sollte das Pferd also nicht auf dem Hof stehen! Im Frühjahr war Zeit genug, um es in seine Heimat zu reiten.

Geir nickte, als Thorgrimur Trygvasson, sein Vater, ihm das sagte. Natürlich! Aber er hatte ein schiefes Gefühl dabei, als er nickte. Denn man hätte sich das auch anders vorstellen können.

Er war ein wenig verdrossen seit diesem Gespräch mit seinem Vater. Und danach wurde er widerborstig und wollte mit keinem mehr etwas zu tun haben auf dem Hof. Er ritt viel allein in die Berge, Tag um Tag, und kein Mensch wußte, wohin er nun eigentlich jedesmal ritt.

Er stand plötzlich einmal vom Tisch auf und langte sich die Peitsche vom Haken. Draußen nahm er den Sattel auf die Schultern und war für den Rest des Tages verschwunden. Manchmal kam er erst mitten in der Nacht auf den Hof zurück und legte sich in seine Koje, ohne erst Licht zu machen. Und wenn die Mägde morgens aufstanden, fanden sie die Schüsseln, die sie auf den Tisch gestellt hatten, weil er ja doch hungrig sein mußte, – sie fanden also die Schüsseln genau so wieder, wie sie sie am Abend vorher hingestellt hatten.

Sigrid machte sich so ihre Gedanken darüber. Und ihr starker weiblicher Instinkt brachte sie auch haarscharf auf den richtigen Weg. Aber als sie einmal Oddur am Ärmel faßte und ihn in die Küche hereinzog, weil sie ihm da etwas sagen wollte, – hm, Geirs wegen, – und ob er nicht auch einsah, daß der Bursche herumging wie ein hungriger Wolf, hm, also, – und da war auch der Grund, und er sollte nicht etwa glauben, daß sie das nicht schon vom ersten Augenblick an gemerkt hätte, und daß es überhaupt keiner übersehen konnte, der nicht so blind war wie ein Huhn, dem man eben den Kopf auf dem Hackpfosten abgehauen hatte. –

»Weiber! Diese Weiber!« knurrte Oddur verächtlich und spuckte seinen Priem auf den gescheuerten Küchenboden.

Ihr könnt glauben, daß die Unterhaltung damit beendet war, obwohl sie eben erst angefangen hatte. Denn Oddur war noch nie so schnell durch eine Tür gekommen, obwohl er hinkte und nur mit einem Auge sah. Aber er hatte genau verstanden, wo Sigrid hinauswollte, – genau, kann man sagen!

»He, Geir«, kam er einen Tag später zu dem Burschen einen Tag später, denn solche Dinge müssen ihre Weile haben, sie müssen ausreifen wie ein Apfel oder wie ein junger Hengst, sozusagen, »he, Geir!« rief er also und hinkte auf den jungen Bauern zu, »was läufst du hier herum wie ein Huhn, dem man eben den Kopf abgehauen hat, – auf dem Hackpfosten, he?« rief er und blinzelte dabei gräßlich mit dem einen Auge den Burschen an.

»Was sagst du, – was? Du altes Gerippe! Hast du vielleicht wieder einmal Lampenöl getrunken? Du!« Oddur verzog unwillkürlich sein Gesicht, als er an diese peinliche Sache erinnert wurde. Aber er schluckte seinen Unwillen hinab und versuchte wieder, das zu tun, was er lächeln nannte, wenngleich seine verhauene Maske kein Lächeln mehr zuließ.

»Willst du schon wieder wegreiten?« fragte er, als er den Burschen in den Sattel steigen sah.

»Du hast es erraten, Alter!« sagte Geir und schob seinen rechten Fuß durch den Bügel. »Los, Bleikur!«

Auch diese Unterhaltung war also kurz.

Oddur humpelte zu den Schafen hinüber, um sie auf die Weide zu lassen. Er hockte sich dann auf das Wasserfaß und starrte eine gute Stunde in die Luft, denn tatsächlich gab es nichts mehr zu tun, weil es eben auf den Winter zuging. Als er auch einmal wieder auf den Boden starrte, so zur Abwechslung, wunderte er sich über alle Maßen und glaubte nicht recht zu sehen, denn da kam Geir auf seinem Falben wieder zurückgeritten.

»Ich habe meine Pfeife vergessen«, sagte er zu dem Alten und stieg aus dem Sattel, obwohl Oddur sich nicht denken konnte, daß die Pfeife nun gerade im Schafpferch zu finden sein sollte.

»Warum priemst du nicht auch?« meinte der Alte, »ich habe noch niemals meinen Priem vergessen. Welcher vernünftige Mensch pafft auch den Tabak in die Luft, anstatt ihn zu kauen! Willst du einen Priem haben?«

Dabei zog er eine Blechschachtel aus der Hosentasche, in der ein saftstrotzendes Stück Zeitungspapier lag, und in diesem wiederum säuberlich eingewickelt die Prieme. »Nimm!« forderte er den Burschen auf, »nimm schon.«

Aber Geir warf nur einen flüchtigen Blick auf den Segen.

»Kram –«, knurrte er, »zum Teufel damit!«

»Es schmeckt gut!« lächelte Oddur auf seinen braunen Zahnstumpen, »übrigens, – sind es nun nicht schon acht Tage her, daß der Rappe hier ist? Man müßte einmal sehen, daß er vom Hof kommt. Oder denkst du nicht auch so? Es ist allmählich an der Zeit.«

»Der Rappe?« tat Geir gedehnt. »Jau!« hackte der Knecht.

Schweigen.

»Wer soll ihn hinüberbringen?«

»Den Rappen?«

»Jau!«

»Zum Hof? Ich weiß es nicht«, brummte der Bursche und schien die Gräser auf dem Boden zu zählen, »in diesem Jahr soll keiner mehr hinüberreiten, hat der Bauer gesagt.«

»Nicht in diesem Jahr? Wann sonst?«

»Im nächsten natürlich«, rief Geir unwirsch.

»Im nächsten also«, sagte Oddur sanft und nickte. Aber dabei schielte er von der Seite auf den Burschen und überlegte, ob er nun weiterreden sollte. Von dem Mädchen. Oder etwa von dem Arzt, was er von Asdis gesagt hatte, drinnen in der Stube, als er mit dem Bauern sprach. »In ein paar Tagen wird sie wieder nach dem Westen reisen. Sie fährt mit dem Schiff um die Südküste. Ihr Vater wollte, daß sie nun wieder auf den Hof kommen soll.«

Oder sollte er ihm sagen, was das Mädchen dem Rappen zuflüsterte, ehe sie mit dem Arzt wegritt? Es waren törichte Worte gewesen, daß sogar der Hengst erstaunt die Ohren aufstellte. Schade, daß der Bursche sie nicht auch gehört hatte, aber er hatte um diese Zeit bei dem Grauschimmel drüben gestanden, den das Mädchen ritt, und ihm über die Nüstern gestrichen, zum Abschied sozusagen. Aber Oddur war nichts von alledem entgangen. Der Teufel wußte, wie verrückt sich die Jungen gebürdeten. Sie redeten mit den Tieren anstatt mit sich selbst, wenn sie etwas füreinander übrig hatten, und Pferde konnten zwar hören, aber natürlich konnten sie nicht sprechen. Deshalb war es ein Glück, daß wenigstens der alte Oddur die Ohren offengehalten hatte, und wenn er nun auch den Kopf schütteln mußte über so viel Dummheit, so war es ihm doch klar, daß man hier ein wenig nachhelfen mußte, wenn die beiden durchaus zusammen wollten.

»Willst du nicht selbst den Rappen hinüberreiten!«

»Zum Arzt?«

»Nein! Nach Arnarholt, meine ich, zu Kjarval! Das Wetter ist just nicht so uneben.«

»Warum soll ich denn nach Arnarholt reiten?« Geir zuckte die Schultern. »Steht der Rappe nicht ebensogut beim Arzt!«

»Es kann sein, daß du Erlingur gar nicht zu Hause triffst«, sagte Oddur und kraulte sich den Kopf, »hm, und vielleicht ist dann überhaupt niemand zu Hause, siehst du, denn das Mädchen ist ja nun wieder in Arnarholt. Es könnte sein, daß du also niemanden dort triffst, jaha!«

Oddur war ein Diplomat. Er blickte gleichgültig in die Luft, nachdem er gesprochen hatte.

»Du meinst also, daß man den Rappen nach Arnarholt bringen müßte?«

Oddur griente: »Das wird es sein!«

»Woher weißt du denn das nun wieder?«

»Hm!«

»Also – man könnte ja reiten!«

»Wohl!«

»Kommst du mit, Alter?«

»Hm, jau!« griente Oddur, »man könnte vielleicht sehen, was sich machen läßt.«

+++

Wochen danach ritten sie über den weiten Sand, der sich im Süden Islands zwischen hohes Gebirge und die summende, gischtende Brandung des Nordmeers schiebt.

Jeder der Männer führte eine Koppel von Lasttieren und ledigen Pferden an der zügelfreien Hand, die in einer bunten Gruppe neben ihm trabten, mit klappernden Lasten und ächzendem Riemenzeug, dem Westen entgegen, wo die Sonne blutrot über dem Sand stand.

Müde bewegten sich die Tiere vorwärts. Sie hatten die Köpfe gesenkt, daß ihre Mäuler verstäubt waren von den kleinen Sandwolken, die ihre schleppenden Hufe vor sich her stießen. Ein junger Rappe stolperte, riß sich wieder hoch, die Peitsche pfiff über seinen Rücken hin, und die Pferde fielen danach für eine Weile wieder in eine schärfere Gangart, bis sie wieder zurückblieben, langsamer wurden. Nun gingen sie sogar im Schritt, und kurz darauf blieb eines der Tiere stehen und riß unwillig die Zügel zu sich, daß der Arm des Reiters mit einem Ruck nach hinten gezogen wurde. Er wollte die Peitsche heben, aber als er die müde stierenden Augen des Pferdes sah, ließ er sie wieder sinken und versuchte, es mit schmeichelnden, leisen Worten wieder in Gang zu bringen.

Sie waren mitten im Sand.

Eine schmale, windgebeugte Stange tauchte aus dem eintönigen Grau auf, das sie nach allen Seiten umgab. Der vordere der Reiter fiel leicht aus dem Kurs, als er sie gewahrte, und nahm Richtung auf sie. Sie war eines der wenigen Wegzeichen in der Öde, dürftig genug, aber sie zeigte an, daß man sich auf dem richtigen Wege befand, wie ein dunkles Band blieben die Huflöcher der Pferde hinter den Reitern zurück, Sand rieselte in die unscharfen Stapfen, die tief in den Grund gewühlt waren und in kleinen Abständen nebeneinander gesetzt. Kleine Schritte von müden Rossen.

Sie wandten suchend die Köpfe in der Runde, als die Reiter mit steifen Gliedern bei der Wegstange aus dem Sattel stiegen, und der starke Falbe, den Geir bisher geritten hatte, versuchte seine gelben kräftigen Zähne an dem verwaschenen Holz, das da mitten in der Öde stand. Mit weichen Lippen tastete er an dem Schaft hinab und setzte eben sein Gebiß an, um ihn zu zermalmen, als ein Ruf seines Reiters ihn erschreckt zur Seite tanzen ließ und die Stange klirrend unter seinen zur Kehre angehobenen Hufen zersplitterte. Er riß den Kopf hoch und schickte einen mißtrauischen Blick zu den Männern hinüber, seine weichen Nüstern blähten sich zitternd, doch geschah nichts weiter.

Erst nach einer Weile erhob sich Oddur und machte sich humpelnd daran, die Spleißen des Wegzeichens vom Boden aufzuklauben. Er fügte sie wieder zusammen, so gut es gehen wollte, und umband die Bruchstellen mit Schnüren, steckte sie darauf wieder in den Sand und prüfte ihre Festigkeit.

Der Bursche hatte ihm mit halbgeschlossenen Augen bei seiner Arbeit zugesehen, während er beinahe unbeweglich neben den Pferden am Boden saß und nur bisweilen seinen Kopf in die Sonne drehte, die bald hinterm Horizont untertauchte.

Plötzlich wurde ihr Widerschein von den Tieren genommen und von den Dingen, und kaltes Violett kroch über die graue eintönige Ebene hin, die sich in leichten Wellen um sie dehnte. Die Farben verloschen in einem wesenlosen dunklen Grau.

Die Nacht war nahe.

Der Alte trat mit gebeugtem Rücken unter die Pferde und schnürte die Satteltasche von der Kruppe seines Tieres. Er holte Brot und getrockneten Dorsch aus ihr hervor und bot von beidem dem Jungen, als er sich bei ihm niedergelassen hatte. Die Pferde kamen näher und sahen verlangend auf die duftenden Scheiben, die die Männer in ihren Händen hielten, und auf den Fisch, von dem sie aßen. Eine Reihe von aufmerksamen Köpfen folgte jeder Bewegung der Menschenhände mit ernsten, hungernden Augen.

Nach einer Weile stand Oddur wieder auf und machte sich daran, die Lasten, die die Pferde trugen, zu vertauschen. Er zog die bis dahin ledigen Tiere an ihren langen Zäumen zu sich heran und warf ihnen die Packsäckel über die Kruppen, machte die Gurte fest und sicherte die Lasten. Geir rekelte sich und streckte seine langen Glieder im Sand. Dann sprang er mit einer schnellen Bewegung auf und ging gleichfalls an die Arbeit, bis er plötzlich im Sattel seines Falben war und die Zügel seines Koppels in der flachen Hand ordnete, wenig danach ritt er an der geflickten Wegstange vorüber und hinaus in den offenen Sand, während der Alte noch mit ungelenken Beinen auf sein Tier kletterte, um ihm zu folgen.

Geir war schlank und groß gewachsen, und obwohl er noch eher ein Knabe als ein Mann war, lag schon eine eigentümlich geschlossene Reife über seinem Jungengesicht. Ernst und beinahe bedächtig blickten seine Augen und veränderten selten die Richtung, in die sie sahen. Ob er nun zu Pferd saß und sie über die gleichmäßigen weiten Wellen des Sandes schickte, oder ob er wie vorhin bei der Rast ihnen freien Lauf ließ, – es war schwer zu erraten, was hinter diesen Augen und der gewölbten kräftigen Stirn vor sich ging. Der Junge blickte so gleichmäßig über die Dinge, als hätte er das Wissen eines Mannes.

Aber eines verriet dennoch die Jugend in seinem Gesicht. Der Mund. Die weich umrissenen Lippen bekundeten in dem Zucken und Leben, das sich in ihnen widerspiegelte, daß sich in ihnen noch die Empfindungen eines Knaben offenbaren wollten. Der Mund sagte das, was die Augen verbergen wollten. Helles Haupthaar wehte in Strähnen um seine Stirn und schlug mitunter im Wind auf den Rand seiner dicken Schaffellmütze hinauf, wo es in den rauhen, geringelten Zotten hängen blieb, als hätte man es an dem Mützenfell hinaufgekämmt.

Es gab kaum einen größeren Gegensatz zu dem Anblick und dem Ausdruck des Jüngeren, als ihn Oddur, der Alte, bot, wie er mit seiner ausgemergelten, dürren Gestalt auf den Hals seines Pferdes vornüber hing, daß seine Brust von der dichten Mähne des Tieres fast verdeckt war. Statt des linken Auges gähnte eine leere Höhle in seinem Gesicht und warf einen Schatten über seine zerfurchten Züge. Und der Mund lag verkniffen und spöttisch zwischen unzähligen scharfen Falten, die wie Narben von Hieben unaufhörlich durcheinanderzuckten. Wie Wetterleuchten war es anzusehen, wenn sich bisweilen die Ader des lebenden Auges öffneten und ein Funkeln aus ihrer Spalte schoß, das das ganze Bild, das sich ihm bot, mit Sekundenschnelle in sich hineinzuraffen schien, worauf die Lider wieder verhängt waren, verborgen unter den strahligen Brauen der Augenbögen. Selbst die leere Höhle schien in solchen Augenblicken erregt beteiligt zu sein, die Falten um ihre Ader begannen zu zucken und zu sprühen, und die Lider selbst schienen sich öffnen zu wollen, und mitten in dieser Bewegung konnte es geschehen, daß der schmale, scharfe Mund sich zu einem spöttischen Grinsen verzog, das sich nach den Augen zu ausbreitete und gegen die zuckenden Falten und Schatten kämpfte, die das Gesicht unaufhörlich durchkreuzten.

Die Gedanken traten kraß und offen in der Maske des Alten zutage, und auch darin bildete er einen starken Gegensatz zu dem Jüngeren, der nach Kräften bemüht war, sie zu verbergen.

Sie ritten schweigend durch die Nacht, Oddur, der Alte, und Geir.

Außer den mahlenden Tritten der Pferde war kaum ein Laut zu hören, vielleicht ein kurzer Zuruf an die Tiere oder ein dumpfes Poltern, wenn ihre Lasten zusammenstießen.

Der Sand und die Nacht waren weit und groß. Einmal gellte ein heiserer Schrei durch die Stille und das weiche Dunkel, das sie umgab, und der graue Schatten einer Möwe flog rüttelnd über den Köpfen der Reiter und folgte ihnen ein Stück des Weges.

Vom Süden rauschte die Brandung des Meeres herüber.

Der Junge dachte an den Hof zurück, den sie vor zwei Tagen verlassen hatten, an den Hof seines Vaters mit seinen kleinen geduckten Hütten unter den ragenden Graten des Berges.

Von Zeit zu Zeit tauchte wieder eine Stange auf aus dem Sand und blieb zur linken Hand zurück. Der Falbe warf einen scheuen Blick auf sie und griff härter aus, führte weiter zur nächsten. Sein Gesicht war schärfer als das eines Menschen, und der Junge ließ ihm die Zügel.

»Die Hofleute sind nun schon schlafen gegangen, daheim«, dachte Geir. Vielleicht saßen die Knechte noch auf ihren Lagerbänken und redeten hin und her mit dem Bauern oder der Frau. Oder sie hatten ihren Spaß mit den Mägden. Bis der magere Magnussen sich niederlegte, weil er schlafen wollte. So richtig war er nicht wieder geworden, der Alte, – eigentlich war er nicht weiter gekommen, als daß er auf schwachen Beinen durchs Haus gehen konnte. Und er hustete schier den ganzen Tag. Er mußte etwas auf der Lunge haben. Nun, das war das Alter, dachte Geir und fröstelte ein wenig, als er daran herumsinnierte, daß er auch so durchs Haus gehen müßte, wenn ihn seine Beine einmal nicht mehr tragen wollten.

Magnussen also wollte gewiß noch ein Weilchen schlafen. Und bei ihm war es nun einmal so, daß er nur in den ersten Nachtstunden zur Ruhe kommen konnte. Später war da für gewöhnlich nichts mehr zu machen. Er breitete die Decken über seinen langen knochendürren Leib und drehte sein Gesicht zur Wand, damit er nicht in das Licht der Lampe sehen mußte. Und als erst einer den Anfang gemacht hatte, dauerte es nicht mehr lange, bis überall die Betten knarrten und zuletzt die Mutter den Lampendocht herabdrehte, wie es der Bäuerin zustand, und das Licht zu einem schmalen blauleuchtenden Ring wurde, der noch eine Weile zitternd flackerte, bis er erlosch.

Vielleicht lagen danach die Hunde noch wachend vor der Hoftür und bewegten ab und zu die Ohren, ob sie noch nicht das Poltern von Hufen vernähmen, denn sie glaubten natürlich, daß die Reiter heute sicher wieder zurückkommen würden, nachdem sie nun bereits zwei volle Tage ausgeblieben waren. Allen voran wachte Troll, den er vor dem Überreiten des breiten Gletscherflusses wieder zum Hof zurückgeschickt hatte, trotz seines Winselns und seiner bettelnden Augen. Er lag jetzt und hatte die Nase auf die Läufe geduckt, schläfrig linste er mit seinen Sehern nach Westen. In den hohen Felswänden hinter dem Hof schrien noch die Möwen und Alken, die selbst in der Nacht keine Ruhe finden konnten. In Scharen hockten die weißen Brüter auf den Terrassen herum und in den Nistlöchern und machten ein fürchterliches Geschrei um den kleinsten Raum im nackten Basalt. Wozu hatte man auch eine Kehle, die mühelos das durchdringendste Geschrei aus sich herausbringen konnte. Und der Fuchs, der ihm vor einigen Tagen in den Weg gelaufen war, sicher hockte er jetzt unter einem Felsvorsprung und wartete, daß einer der Vögel mit zusammengeklappten Schwingen seinen Hals ins Wetter streckte oder neugierig vom Rand des Felsstücks heruntersehen würde, um sich am Streit der Nachbarn zu erfreuen. Ein lautloser Sprung, ein helles entsetztes Kreischen. War es nicht eine mühelose Jagd?

Aber drunten im Hof lagen die Leute schlafend unter den Decken. Bergsvenn schnarchte wie immer, daß die Balken sangen. Hatte er nicht eigens deswegen in der Scheune schlafen müssen, solange Magnussen im Fieber lag und sterben wollte. Er schnarchte also, daß die grobgehauenen Bettstellen zitterten. Der alte Magnussen räkelte seine dürren Glieder unter den Betten und begann zu husten und zu krälen. Schließlich setzte er sich schimpfend auf und ließ trostlos seine nackten eingeschnorrten Beine über die Bettkante heraushängen, weil der Morgen noch so weit war. Es war nicht gut, wenn man immerfort darauf hören mußte, wie gut die andern schliefen, – er meinte Bergsvenn damit. »Er soll doch schlafen!« pflegte der entrüstet zu sagen. Aber man kann ja nicht schlafen, wenn einem die Last von siebzig Jahren auf dem Rücken liegt und in den Lenden zehrt, – es ist schwer, unter solcher Last Ruhe zu finden.

Bergsvenn hatte Grund genug, dem Alten einen guten Schlaf zu wünschen. Der Grund hieß Sigrid, wenn nämlich Bergsvenn eine Nacht hindurch etwa nicht schnarchte, so wurde Magnussen auch davon blitzwach und schaute aufmerksam zu Sigrids Bett hinüber – war dieser Bengel nun eigentlich drüben bei der Magd? – Oder wo steckte er sonst? Er fingerte eifrig nach Streichhölzern und ließ dabei die hölzerne Schnupfdose auf den Boden fallen, die er auch im Bett immer bei sich hatte. Aber als das erste Hölzchen aufflammte, setzte drüben an der Wand ein Schnarchen ein, so laut und so tief aus der Brust, daß der Greis das Lichtlein kopfschüttelnd wieder ausblies mit seinem keuchenden Atem, wenn er auch nicht ganz so überzeugt war, – hm, wo hätte Sigrid sonst ihr Kind herbekommen, hm. Und hatte es nicht jetzt schon den gleichen langen Schädel wie der Knecht, hm, – und die Augen? ...

Geir sah jetzt durch das Dunkel nach vorn, wo Oddur ritt. Der Falbe ging gleichmäßig unter seinen Schenkeln. Ein und das andere Mal stachen seine Hufe durch den losen Sand oder glitten in eine Grube. Dann ging ein leichtes Wogen durch den starken Leib des Hengstes, wie wenn ein Boot sich bei ruhiger See in die Wellen schmiegt. Er prustete leise und knirschte in der Trense, während er weitertrabte in jener Gangart, von der man in Island sagt, daß ein gutes Pferd sie so lange halten könnte, bis es tot unter seinem Reiter zusammenbreche.

Wieder glitt eine Stange vorüber.

Die Packtiere hatten sich dicht an den Körper des Falben gedrängt und schoben sich ungestüm zu einem Haufen zusammen, seit die Nacht über den Sand drückte. Als ob sie fürchteten, wild zu gehen in der Tiefe und Weite des Dunkels, das man nur ahnen konnte, ohne es zu erkennen. Wie ein Tropfen waren sie ineinander gesogen und preßten ihre Lasten gegen die Bügel und die Beine des Burschen, daß sich in seinen Füßen das Blut staute. Er mußte zur Peitsche greifen, wenn er seinen Sitz wechseln wollte, um nicht zu ermüden. Im Tageslicht gingen sie weit auseinander und rissen einem schier den Arm aus den Schultern. Aber die Nacht drängte sie zu einem müden Haufen von stoßenden Hufen und schnaubenden Mäulern zusammen wie eine Horde feiger Menschen.

»Ist es noch weit zur Hütte, Oddur?« rief Geir hinter dem Alten drein.

»Ich weiß nicht genau. Hm, wir müßten schon da sein. Sie steht rechts vom Weg.« Er ließ seine Pferde abfallen, bis der Jüngere ihn aufgeholt hatte. »Dort muß sie sein, reiten wir noch eine Weile!«

»Siehst du«, rief er gleich darauf, »rechts der dunkle Schatten! Da sind wir also! Hm, der alte Oddur kann seine Sachen«, schmunzelte er, »da sind wir bei der Hütte!«

Die Pferde schienen alle Müdigkeit zu verlieren, sobald sie die Hütte gewahrt hatten. In schnellem Trab bogen sie vom Weg ab und auf sie zu. Dicht bei der Tür standen sie mit einem Ruck an und hoben die Kopfe. Der Ritt war zu Ende. – Nun kam die Ruhe. Und das Futter! Und die Lasten flogen von ihren Rücken.

Geir rüttelte an der Tür. Es war kein Riegel da, der sie verschloß. Der Mann, der zuletzt hier gewesen war, hatte einen Zollnagel durch Türbretter und Rahmen getrieben. Der Bursche zog ein Messer aus dem Gürtel und stemmte sein Blatt zwischen die Bretter, daß die Tür mit einem Knall aufsprang und sich kreischend in den verrosteten Angeln drehte. Geruch von verfaultem Heu schlug ihm entgegen, es war lange niemand an diesem Ort gewesen.

Er sah einen weißen Kerzenstummel auf einem Querbalken stehen, der in Sitzhöhe mitten durch den Raum lief, als er ein Hölzchen angestrichen hatte. Das Wachs war an dem Balken hinabgetropft, auf den sandigen Boden nieder. Geir brannte den Stummel an und schleppte danach die Packsättel in das erleuchtete Innere. Oddur koppelte den Pferden die Vorderbeine zusammen und warf ihnen frisches Heu vor die Mäuler, als er so weit war. Nicht viel. Gerade so viel, daß die Pferde merkten, daß man sich um sie kümmerte, im Grunde genommen. Ja, etwas Brot bekamen sie noch hinterher, altes Brot. Tiere dürfen ja während einer Reise nicht viel zu fressen bekommen, wenn sie etwas leisten sollen am nächsten Tag! Gerade so viel soll es sein, daß die Ferne lockend für sie bleibt, wo sie fressen können, was ihnen beliebt. Es ist schier das gleiche mit den Menschen.

Die Männer waren nicht hungrig. Man machte sich den Sattel zurecht, ein paar Decken, und legte sich auf den Boden, obschon die Nächte jetzt kühl waren. Im Einschlafen aßen sie noch ein wenig Brot und geräuchertes Fleisch. Oddur klappte danach seine Blechschachtel auf und priemte. Die Kerze flackerte auf dem Balken und wurde immer kleiner. »Wir werden keine neue brauchen«, meinte der Bursche, »wenn sie niedergebrannt ist, werden wir schlafen. Ich will noch einmal nach den Pferden sehen nachher, der Rappe ist immer noch nicht so richtig. Der Weg war zu lang für ihn. Er hat auch nicht richtig zu saufen bekommen. Das Wasser reichte nur für die Pferde, die arbeiten mußten. Hm, also ich gehe noch einmal.«

Oddur schnaufte behaglich auf seinem harten Lager und zwinkerte mit seinem einen Auge. Er konnte gut verstehen, daß der Junge noch einmal nach dem Rappen sehen mußte. Sie kamen ja immer näher an Arnarholt heran, und den Burschen hatte nun vielleicht das Fieber gepackt. Teufel, es war schon lange her, daß auch ihm einmal das Herz geklopft hatte, wenn er einen gewissen Rock sah. Lange! Und es war seltsam, daß der Alte sich überhaupt noch daran erinnerte. Er hatte damals noch zwei Augen gehabt und hatte nicht gehinkt wie heute. Und auch sonst war er nicht uneben gewesen. Und ein Reiter, nach dem die Mädchen sich umsahen. Teufel – lang war das her!

»Jau«, sagte Geir draußen zu dem Rappen, – der Alte hatte sich nicht verrechnet. »Jau«, dieses Mal klang es ein wenig weicher. »Noch vier Tage!« sagte er danach und klopfte dem Rappen dabei den Hals, »hm.«

Das war alles.

Der Falbe wieherte durch die Nacht und kam mit seinen gefesselten Vorderbeinen herangehüpft. Er war ein wenig eifersüchtig geworden, daß der Junge mit dem Schwarzen redete. Das gehörte sich nicht! Der Falbe drängte sich zwischen den Burschen und den Schwarzen und biß mit einem blitzschnellen Ruck den Rappen in den Hals, als er schnaubend seinen Platz behaupten wollte. Er wußte nicht, daß die Worte Geirs nicht seinem vermeintlichen Nebenbuhler galten, sondern einem Mädchen, das im Westen schlief.

Einem Mädchen also.

Es waren jetzt nur noch vier Tage.

Geir drehte sich um und sah über den Sand. Aber natürlich konnte er Asdis nicht sehen. Vier Tage sind ein gutes Wegstück, wenn man sie umrechnet, wohl!

Er ging nachdenklich wieder in die Hütte hinein, die jetzt im Dunkeln lag, denn die Kerze war verlöscht. Über die Packsättel weg suchte er seinen Platz und legte sich hin. Fühlte den blankgerittenen Sattel unter seinen Wangen. Aber obgleich er müde war, wollte der Schlaf nicht kommen.

Übrigens war ein leichtes Zittern im Boden, gerade wie auf dem Sandfellhof. Nur daß die Lampe nicht klirrte, weil keine da war. Sonst war alles genau so. Ob das auch mit dem Berg zu tun hatte? Oder mit dem Gletscher, wie der alte Magnussen meinte? Geir wäre in diesem Augenblick vielleicht eingeschlafen, aber als er an den Gletscher dachte, sah er plötzlich wieder den strahlenden Leib des Mädchens vor sich. Es war nicht gut, daß er daran denken mußte. Es war nicht gut für den Schlaf. Das lebende sonnenbeschienene Bild des Mädchens, – dahinter der tote, schweigende Gletscher mit seinen grünen, dunklen Spalten und Riffen – – –

Nun, er war nicht immer tot gewesen, der Gletscher. Und er hatte auch nicht immer geschwiegen. Aber das lag schon eine gute Zeit zurück. Und wer wußte, am Ende war es doch nur der Alte, der dürre Magnussen, der sagte, daß es der Gletscher gewesen sei, der geredet hätte.

An einem lichten, sonnenklaren Tag war es gewesen, – der Abend lag über dem Hof. Da kam plötzlich mitten in der friedlichen Stille ein dumpfes schütterndes Rollen durch die Erde gelaufen, daß das Vieh brüllend auf der Hofwiese umherrannte und die Menschen erschreckt aus ihren Häusern flohen. Es geschieht mitunter auf der einsamen Felsinsel im Nordmeer, daß die Feuerberge zu leben anfangen, die Hekla etwa oder der Snaefell, und sie würgen wohl auch eine glühende feurige Masse aus dem aufgerissenen Maul, und das ganze Land wackelt währenddem und rollt. Aber im Osten war das Leben immer am schwächsten zu spüren gewesen. Jene Berge waren in der Mitte der Insel oder weit im Westen, weit von Sandfell. Sie hatten nie zuvor das häßliche Murren gehört, das durch die rückende Erde ging an jenem Tag. Die Weiber kreischten, und die Männer liefen mit blassen Gesichtern auf die Hofwiese hinaus. Doch das Grollen schwieg wieder nach ein paar Atemzügen.

Und während sie noch angstvoll und verwundert zur Höhe starrten, da war weit im Norden eine Wolke aufgestanden aus dem Eis. Eine kleine graue Wolke, die über ihre Köpfe wegflog in der Richtung zum Meer. Sie färbte sich aus und wurde zu tiefem, unheilvollem Schwarz, als sie die Berge verlassen hatte und hoch in den Lüften über den Hof hinschwamm. Zusehends wuchs sie, wurde größer und drohender.

Sagte da nicht Magnussen, der Altknecht: »Sie ist nicht in der Luft geboren, die Wolke! Keine Tropfen sind in ihr, sie ist nicht feucht, die Wolke!« Und als ihn die andern erstaunt ansahen, was er nun damit sagen wollte, hatte er langsam hinzugefügt: »Aus dem Gletscher kommt sie – – hm hm, – – es ist Rauch!«

Der Alte war verrückt geworden.

»Rauch –?«

Einige der Knechte begannen zu witzeln und sahen spöttisch auf den Alten. Sicher war er nicht richtig in seinem alten grauen Kopf.

Aber die Wolke stand drei Tage über dem Land, ehe sie wieder verschwand. Sie fraß sich voll aus dem Gletscher, in dem ein großes gähnendes Loch entstanden war, in dessen Tiefe es glühte und zischte. Das dicke Eis, das die Stelle vorher bedeckt hatte, war geschmolzen, und die Flüsse schwollen an von großen Mengen milchigen gelben Wassers. Aber nur der alte Magnussen brachte das in Zusammenhang mit der Wolke, die über der Küste gelegen und sie drei Tage lang in trübes Grau gehüllt hatte.

Bis eines Abends Sigrid, die Magd, atemlos auf den Hof gelaufen kam und entsetzt ihre großen Hände auf die wogenden Brüste preßte, während sie mit tierhaft furchtsamen Augen auf die Berghöhen hinausschaute.

»Der HERR kommt zum letzten Tag!« schrie sie, »Feuer ist im Eis, Feuerschein! Seht den Berg!«

Und als die andern ungläubig ihren ausgestreckten Händen folgten, sahen sie Feuerschein um die Bergspitzen fliegen. Leuchtend trat ein Felshaupt, hellbeschienen, aus dem nachtblauen Eis.

»Der HERR – – –« rief die Magd und sank in die Knie. – – –

Sturm ächzte in den Balken der Häuser in dieser Nacht, und die Scheiben fingen prasselnde Körner groben Sandes auf, der in dichten Wolken geflogen kam, heulend und schwirrend über die Küste hinstrich und im Meer versank. Es war Sand aus den Randgebieten des Gletschers!

Die Weiber hockten betend auf Betten und Stühlen, und die Männer und Jungen krampften stur die Fäuste zusammen, als sie den Höllenlärm hörten, der von den Bergen tobte und in der Luft zu kreisen schien über demselben Erdenfleck. Aber plötzlich trat Totenstille in den Hof. Die Balken an den Wänden leuchteten auf vom Widerschein des Morgens. Die Sonne war wiedergekommen. Die Wolken waren verschwunden. Der Sturm hatte ihn reingefegt, den großen Gletscher, und er hatte nun wieder das Schweigen gelernt. Das hatte der Bauer gesagt. Und die Knechte gingen darauf wieder an die Arbeit. Die Mägde rannten mit ihren Melkeimern zu den Kühen hinaus. Alles war vergessen.

Aber da war der alte Magnusson!

Er wollte ihm nicht trauen, dem Weißen, der mit seinen Tatzen den ganzen Osten Islands umspannte.

Magnusson kannte den Berg. Er kannte auch den Gletscher! Er schüttelte mißbilligend und besorgt den grauen Kopf, wenn er die frohen Gesichter der andern sah, die sich freuten, daß die Sonne wiedergekommen war und der Morgen. Die leichtfertigen! Die Weiber glaubten, daß der Herr sie gehört hätte in der Nacht, in der die Hölle den Hof fressen wollte mit allem, was er barg, bis hinab zu dem Säugling, den Sigrid in ihrem Erschrecken vorzeitig ans Licht gebracht hatte und der nun schreiend und gibbernd an ihren Brüsten hing und Milch und beinahe Blut aus der warmen Quelle sog. Der Alte glaubte nicht, was er nicht sah mit seinen zwinkernden, müden Augen. Und selbst dann hätte er sie noch befühlen wollen mit seinen Händen, die Wahrheit!

Eines Tages ritt er durch den nahen Fluß und den Sand zum Berg. Bevor er in das Eis einstieg, jagte er die Pferde mit losen Zügeln zum Hof zurück, weil es lange dauern konnte, bis er den Gletscher wieder verließ, lange. Vielleicht eine Ewigkeit.

Er hatte niemandem von seinem Vorhaben gesagt.

Vier Tage vergingen darauf, und es war kaum ein Tal oder eine Schlucht, die die Männer vom Hof während dieser Zeit nicht abgestreift hatten auf der Suche nach dem alten Knecht. Sie waren auch zum Gletscher vorgedrungen, aber das blanke Eis trug keine Spuren, und die Stelle trafen sie nicht, an der Magnussen eingestiegen war. Keiner von ihnen hätte übrigens den Alten dort gesucht, – droben. Sie suchten auch noch die Küste auf viele Meilen ab und die Ufer des Flusses, aber am Ende kehrten sie gedrückt zurück und überließen es der Zeit, das Rätsel zu lösen, das der Alte ihnen aufgegeben hatte. Und die Weiber murmelten unter sich von Strafe und Gericht, weil er die Hand des Herrn nicht erkennen wollte in der Nacht, in der der Berg lohte.

Nur der junge Geir hatte sich nicht zufriedengegeben. Der Sohn des Bauern. Auch am Abend des vierten Tages noch durchsuchte er mit seinem Falben und Troll, dem Schafhund, den Oberlauf des Flusses, wo er sich in schmäler werdenden Windungen bis ins Eis hinaufzog, in kleine Flüsse und schließlich Rinnsale aufgeteilt war, die aus den unzähligen Spalten des Gletschers rannen. Am Abend sah er plötzlich müden Schrittes einen Mann auf dem Gletscherrücken talwärts kommen, eine hohe, hagere Gestalt, in der er Magnusson erkannte, den Alten, den sie drunten im Tal jetzt tot glaubten und verflucht.

Er kam aus der weißen Hölle wieder.

Zeitweilig verschwand er in Mulden und Gräben und tauchte rückend, langsam wieder auf, bis er kurz vor einem hohen Eiskamm die Richtung veränderte und in der Seitenmoräne herabgeklettert kam. In voller Kleidung stapfte er durch eiskalte Gletscherbäche, in denen er einmal bis zur Brust versank, – am Ende hielt er aufatmend still und schien zurückzublicken, hinauf zum weißen Bogen, der hinter ihm in die Höhe stieg und im Himmel verlief.

Als er sich wandte, um weiterzuschreiten, hatte der Junge ihn erreicht, und Magnussen drehte ihm blinzelnd den Kopf zu, als er neben ihm aus dem Sattel sprang. Aber er sagte kein Wort, wandte nur den Kopf nochmals zum Gletscher hinauf, sah wieder zurück, nieder auf seine Hände, und strich sich dann das Zeug glatt an den Leib, das noch vom Wasser triefte. Der Wind strich singend über die Halden und ging einem wie ein Eishauch über den Rücken. Es war kein Wunder, daß der Junge die Peitsche gebrauchte, um rasch zum Hof zu kommen. Es ging um das Leben des Knechtes.

Wohl – der Alte hockte nachher am Tisch, als er ihn nach Hause gebracht hatte. Einen Happen nach dem andern schob er zwischen seine mahlenden Kinnbacken. So saß er eine gute Stunde! Es schien ihm nicht leicht zu werden, was er zu sagen hatte, und er scharrte nachdenklich und langsam noch die letzten Brotkrumen auf seinem Holzteller zusammen, – es schien ihm nicht leichtzufallen.

Der Reihe nach ließ er endlich seine Augen auf jedem der Herumsitzenden ruhen, – ja, alle waren gekommen, um zu hören, was er nun zu sagen hätte.

»Ja, das ist schon so, ist so!« brummte er endlich vor sich hin und fuhr sich mit dem Rücken seiner knöchernen Hand über den eingefallenen Mund, um einige Speisereste aus den Barthaaren zu wischen. »Ich ritt also erst einen halben Tag stromauf, dann ließ ich die Pferde zurück.«

Die andern nickten, rundum. Ja, die Pferde waren angekommen, und eben deshalb hatten sie geglaubt, daß der Alte, – – eben deshalb! Man dachte, – vielleicht im Fluß – – – sie hatten lange nach ihm gesucht!

»Dann band ich mir die Bergeisen unter die Füße!«

Wieder nickten die Männer. Die Bergeisen waren schon immer der Stolz des Alten gewesen. Als man noch Renntiere jagte im hohen Gebirg', war Magnusson einer der kühnsten Jäger gewesen, – kein Platz, den er nicht kannte, » – die Bergeisen also« – – –

Aber nun schwieg der Alte plötzlich und wollte nicht mehr richtig heraus mit der Sprache.

»Erzähl!« sagte Thorgrimur, der Bauer vom Hof.

Magnusson maß ihn einen Gedanken lang mit eindringlichen Blicken und dachte währenddem, daß ihm der Bauer nicht befehlen konnte, nicht jetzt, vielleicht überhaupt nicht mehr, denn erstens spürte er, wie ihm die Kälte im Leib saß und wahrscheinlich nie wieder herausgehen würde aus ihm, die Kälte fing an, ihn zu beißen! Und dann war da der Berg, der wartete. Der Berg lag schon auf dem Sprung wie der Fuchs nach den Möwen, aber diesmal lauerte er auf die Menschen. Endlich sagte er langsam, als er zu Ende gekommen war mit seinen Überlegungen:

»Das ist der Berg! Mit den Wolken – und so – –«

Und: »Es ist mitten im Eis! Ein großer Krater!«

Betreten sahen sich die Männer an.

»Es brodelt im Krater, daß selbst das Eis des Vatna zittert!«

Magnusson sagte nichts weiter an jenem Abend, da er aus dem Berg kam. Was kommen sollte, kam doch. Und wenn er heute dem Bauern gesagt hätte: »Räumt Euren Hof, Bauer, – Ihr, – Thorgrimur Tryggvasson, denn da steht der Berg über Euch, und er wird vielleicht auf Wanderschaft gehen – über Eure Hütten und Häuser hinweg, und es wird dann vielleicht nicht viel von ihnen bleiben, und auch nichts von uns, nicht viel, seht Ihr –«

»Er ist doch schon sehr alt!« hätte Thorgrimur gesagt. Und die andern hätten sich vielsagend angeblickt, – ja – hm – »er ist alt!«

Erst das Fieber hatte den Alten zum Reden gebracht. Lange nachher –

+++

Geir schlief schon eine gute Weile.

Es ging auf den Morgen zu.

Vor der Hütte im Sand trabten die Pferde unruhig hin und her. Sie liefen durcheinander und blieben wieder stehen und hoben die Nasen in die Luft, dann liefen sie weiter. Der Falbe machte einmal einen Satz und blieb dann stehen wie aus Stein gehauen. Vielleicht sah er Gespenster mitten in der Nacht. Seine großen Augen waren wie gebannt nach Osten gerichtet. Er mußte etwas gesehen haben. Auch die andern Tiere standen still, als ob sie horchten.

Es dauerte eine gute Zeit, bis sie wieder aus der Starre erwachten, die ihre Füße an den Boden zu fesseln schien.

Geir träumte – –

Er träumte, es sei Winter! Es schneite. Lachend stand er vor dem Hof und balgte sich mit den Hunden herum. Troll war noch ein junger Hund, und sein Fell war so weiß wie der Schnee, der ringsum die Wiese bedeckte. Immer wieder kam der Junghund herbeigesprungen, und Geir nahm ihn mit seinen breiten warmen Fäusten und warf ihn in den Schnee. Und der Hund wurde jedesmal kleiner, wenn er sich wieder aufraffte und auf ihn zustürzte. Und immer dünner wurde sein mutwilliges Jaulen. Am Ende war er genau so groß wie ein Schneehuhn, und wirklich, während der Junge sich das dachte, flog Troll aus seiner Hand und schwirrte um ihn in der Luft. Und auch die andern Hunde waren plötzlich zu Schneehühnern geworden, die in dichten Ketten sich vor den Hütten auf und nieder schwangen wie Schmetterlinge, denen man an der Grenze der Sandgebiete begegnen kann und die oft wie weiße Wolken das Pferd umstäuben. Die Schneeflocken tanzten im leichten Wind. Ja, sie waren nun zu Schneeflocken geworden. Es waren keine Hunde mehr zu sehen. Geir lachte im Schlaf. Es war zu seltsam, was alles geschehen konnte.

Man sollte es nicht glauben!

Nun bekamen sie brennende Augen, die Flocken. Richtige Augen, wie die Menschen sie hatten. Oder waren es nun wirklich Menschen? Gestalten! Man konnte sie leicht sehen. Ja, es waren Menschen – ein Mensch nur noch. Mit einem großen Gesicht, das sich über ihn beugte und seine Wangen streifte.

Jetzt sah er, daß es seine Mutter war.

Die Mutter, ja.

Geir war plötzlich wach. Er starrte auf das kleine Hüttenfenster, das in der Wand stand. Hell und blaugrau kam der Himmel durch das Fenster. Er fühlte Wind über seine Wangen streichen, und tatsächlich, es schneite!

Verdammt, – nun ritten sie mitten in den Winter hinein. Und hatten noch zwei Tage lang den Sand vor sich. Es war nicht gut zu reiten in Schnee und Sand zugleich. Doppelt mühselig!

Er schlief plötzlich wieder ein darüber.

Ein leises Wiegen war um ihn.

Nun hatte sich eine Schneeflocke unter seinen Leib geschoben und trug ihn wie auf einem weichen Federkissen durch den Nachthimmel – es schwankte – wiegte – alles –

Plötzlich fährt ein Stoß durch die Hütte!

Brechend scharf!

Die Stirnwand der Hütte neigt sich krachend und schlägt nach außen in den Sand, schräg hängt die Decke im Himmel, sie birst in einem Riß. Wie Trommelwirbel kommt es aus der Ferne!

Schwillt –

Donnert!

Ein zweiter Stoß!

Unter schwerem Winddruck beginnt der Sand um die Trümmer der Hütte zu wirbeln –

»Geir!« brüllte der Knecht.

»Geir!« Der Bursche stand mit bleichem Gesicht und starrte nach den Balken der Decke. »Weg! Sie fällt!«

»Die Pferde!«

Sie rannten in den Sand hinaus –

»Sättel –« keuchte der Junge, »es ist im Osten!«

Langhallender Donner schlug bei seinen Worten durch die Nacht, und flammende Lohe rötete im Osten die Wolken.

»Beim Hof ist's –«

+++

Es war dieselbe Stunde, als das Schicksal sich an den Menschen erfüllte, die bisher seine Welt gewesen waren.

Die Truhen und Tische im Hof begannen zu tanzen, als ob mitten durch den Raum eine Geisterschar zöge und rüttelte an Stühlen und Bänken und Leuchtern –

Große Felsblöcke lösten sich vom Berg und krachten zu Tal. Sie schossen in schwingenden Sätzen über die Hofwiese hinaus und schlugen durch die Wände der Hütten –

Das Vieh brüllte dumpf auf der Weide, und die Hunde hatten das Kläffen vergessen.

In dieser Stunde begannen die Felsen über dem Hof auf ihren Grundfesten zu schwanken und zu schüttern. Einen schaurigen Tanz führten sie auf in der Höhe, bevor sie sich unvermittelt weit ins Leere hinausneigten und in schnellem Sturz die Halden überrannten. Millionen von Tonnen Gestein und Erde rissen sie los auf ihrem Weg, trieben sie mit sich und wälzten sie über Hof und Ställe.

Vom Gletscher stand eine Flammensäule aufrecht in den Himmel und vereinte sich mit den grellen Blitzen, die aus schwarz geballten Wolken sprühten. In schwerem Todesröcheln grollte und murrte die Erde.

Gerade jetzt lief der alte Magnusson vor dem Tod, hinter den andern, die schreiend und schreckensbleich der Küste zurannten – weg vom Berg – weg von den Häusern. Und hinter allen lief eine donnernde Front von brechendem Stein und hüpfenden Blöcken. Sie hatte den gleichen Weg wie die Menschen – – –

Den Alten schlug er zuerst – der Berg!

Es half nichts, daß Sigrid in einer wahnsinnigen flehenden Geste die Arme zum Himmel hob, schwer ging der Atem in ihrer Brust, und es hing ihr wie Blei in den Beinen und hinderte sie am Fliehen. Eim Stein heulte durch die Luft und traf ihre Brust und den Säugling, der noch an ihr schlief. Und wenn er auch nun anheben wollte, zu erwachen und zu schreien, es wäre dasselbe gewesen. Schwer fiel das junge Weib hintenüber. Zu ihrem Glück! Denn nun mußte sie nicht sehen, wie die hochragende, brechende Seitenwand auf ihren Leib zurollte und ihn noch einmal spielend in dem gewaltigen Luftdruck, der vor ihr herfegte, in die Höhe schleuderte, bevor sie mit ihren schweren Tatzen über sie hinwegstieg und die andern erreichte – den Bauern – Hördis – die andern –

Die Hunde –

Es war keiner, der Nachricht bringen konnte vom Hof, den der Berg begraben hatte im Donnern und Jaulen der Natur.

Im stäubenden Sand hatten sich die Reiter ihre Pferde eingefangen und trabten durch einen Tag und die Nacht. Sie schlugen auf die ermatteten Tiere ein und rissen an den Zügeln – sie wußten nicht, daß das Urteil schon vollzogen war, das der Vatna über den Hof gesprochen hatte und das der Krater erfüllte, der unter seinem eisigen Schild zum Leben erwacht war und ihn durchbrochen hatte.

Wie eine flache Linse, blaß und unscharf, stand die Sonne am Morgen des zweiten Tages durch träge ziehende Wolken und fahlen Rauch, der den ganzen Süden der Insel bedeckte und das Sattelzeug mit seiner Asche und Staub überzog, in den schwitzenden Gesichtern kleben blieb und in Nasen und Augen drang, daß sie sich röteten und schwollen.

Fluchend und schnaubend hetzten Reiter und Pferde dem Osten zu. Dunkler wurde der Rauch und ballte sich zuletzt um sie. Rauch aus dem Gletscher!

Magnusson hatte es gesagt.

Er hatte es gewußt.

Sie kamen zum großen Fluß, der sie noch trennte vom Hof, den sie bewahrt zu finden hofften, bewahrt unter dem weiten Himmel, durch den die Hölle gegangen war.

Rauschend lag die breite Stromfläche vor ihnen, deren anderes Ufer im Qualm versank. Sie trieben ihre Pferde in die schnell strömenden Wogen, die von dem Schmelzwasser des Gletschers zu einem Meer verwandelt waren. In einem gewundenen Strahl zuckte ein Blitz durch die Berge und beschien grell die eilenden Kämme der Wellen, die kein Ende zu haben schienen. Jeder suchte sich selbst seinen Weg durch den Strom, Geir voraus mit seinem flußgewöhnten Falben, bis er auf freier Steppe nach Osten trabte, während der Knecht mit seinen Tieren noch in den Wellen kämpfte.

+++

Als Oddur nach Stunden dort eintraf, wo vorher der Hof gestanden hatte, fuhr er sich verwundert über die Augen, als narrte ihn ein Blendwerk der Hölle.

Eine breite Mur hatte sich über die Steppe geschoben – vom Berg herab – –

Hoch auf ihrem Rücken gewahrte er einen Mann bei seinen Pferden.

Es mußte Geir sein, der vor ihm geritten war!

»Vielleicht –« murmelte er vor sich hin und hieb seinem Pferd die Peitsche über die Flanken, daß es sich schmerzhaft bäumte, »vielleicht – man darf ihn wohl nicht allein lassen jetzt, den Jungen!«

Hastig ritt er bergan und sprang bei dem Sohn seines Bauern aus dem Sattel.

»Geir!«

»He – Geir!«

Aber der Bursche schien ihn nicht zu sehen.

Stumm, mit einem leichenblassen Gesicht, zog er seinen Falben seitab, ging dem Rand der Mur zu.

Er stapfte auf dem groben Geröll entlang, unter dem – unter dem sie lagen.

Da und dort bückte er sich.

Aber er hatte sich getäuscht.

Es war verbrannter Stein –

Kein Huf –

Er hatte geglaubt, daß es ein Huf sei!

Vielleicht hatte der Berg etwas vor sich hergeschoben, als er niederbrach – nur einen Hund – keinen Menschen – nur einen Hund. »Oder einen Balken!«

Hatte er das gesagt?

»Einen Balken!« sagte er noch einmal laut und wollte dabei nur seine Stimme hören.

Er träumte nur –

Ein schlechter Traum.

Man sollte nicht so träumen –

Weil es zu viel war –

»Zu viel!« schrie er gellend zu dem Alten hinüber, daß Oddurs zitternden Händen die Zügel entfielen.

Dann raffte er sich auf und sprang stolpernd weiter – eine Hand ragte aus dem Schutt – eine Hand!

Aber als er näher gekommen war, hielt er jäh.

Hatte er nicht eine Hand gesehen?

Ein Stück Wurzelwerk ragte aus gelbem Lehm.

Hatte er nicht geglaubt, es sei eine Hand!

Oder war es doch eine Hand?

Er sprang zu und fiel.

Als der Alte ihn aufrichtete, hatte er eine blutige Stirn. Er mußte sich an einem Stein verletzt haben.

Oddur ließ den Kopf des Burschen hintenüber gleiten und schob ihm dann seine hornige Hand unter den Nacken. Sein alter verkniffener Mund zitterte wie ein Gewirr von durcheinanderlaufenden Narben.

»Hör mich, Geir –«

»Hör mich!« schrie er und heulte wie ein Kind.

»Alter –« murmelte der Bursche.

Da griente Oddur in das Wasser hinein, das ihm über die Wangen tropfte.

Grinsend hockte er neben Geir.

So sah es aus.

Aber er weinte, der Alte – –

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