Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Pierre Loti >

Die Islandfischer

Pierre Loti: Die Islandfischer - Kapitel 37
Quellenangabe
typefiction
authorPierre Loti
titleDie Islandfischer
publisherPhilipp Reclam jun
year
firstpub
translatorE. Bagge
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080430
projectid3b5adcd0
Schließen

Navigation:

Vierter Teil.

1.

Liebesleute pflegen von alters her am Abend gern auf einer Bank vor der Hausthür zu sitzen, und das thaten auch Gaud und Yann, welche die seligsten Stunden ihrer Brautzeit auf der uralten Steinbank vor der Hütte der Moans verbrachten.

Andere haben dazu den Frühling, warme Abende voll Blumenduft, schattige Bäume; diese beiden hatten jedoch nur die Dämmerstunde des Februartages, die auf ein rauhes steiniges Küstenland herabsank. Weder über ihrem Haupte noch anderswo schaukelte sich ein grüner Zweig, man sah nichts als den weiten Himmel an welchem Nebelstreifen dahin zogen, und an Stelle der Blumen gab es jetzt nur braune Algen, welche die Fischer mit ihren Netzen auf den Pfad heraufgezerrt hatten.

Der Winter ist selten hart in den Gegenden wärmerer Meeresströmungen, gleichwohl bringt der sinkende Abend oft eine eisige Feuchtigkeit, die später in feinen Sprühregen übergeht.

Mochte er auch die Schultern der Verlobten feuchten, so dachten sie doch gar nicht daran, deshalb ins Haus zu gehen; sie fühlten sich sehr behaglich auf der alten steinernen Bank, die von Generation zu Generation jungen Brautpaaren ein Plätzchen geboten, ihre zärtlichen Liebesworte gehört hatte, und diese selben Menschen später als alt und schwach gesehen, wo sie müde auf ihr ruhten, oder sich in der Sonne zu wärmen suchten.

Von Zeit zu Zeit steckte Großmutter Yvonne den Kopf durch die Thür; nicht, daß sie das junge Paar zu beaufsichtigen gebraucht hätte, aber um sich an ihrem Glück zu weiden, und sie zum Hereinkommen zu bewegen.

»Ihr werdet euch noch eine Krankheit zuziehen, meine guten Kinder!« sagte sie. »Mein Gott, hat's denn nur Sinn und Verstand, so lange draußen zu sitzen?«

Sich erkälten? War ihnen kalt? Hatten sie auch nur das Bewußtsein davon, daß es irgend etwas außer dem Glück des Beisammenseins gäbe?

Leute, die am Abend den Pfad oberhalb der Hütte hin. gingen, vernahmen wohl das Stimmengemurmel, in welches sich das Brausen des Meeres am Fuß der Klippen mischte. Es klang gar harmonisch, Gauds frische Stimme zu hören, der diejenige Yanns antwortete, ein tiefes, wohlklingendes Organ, dem er jetzt einige Klangfarben zu geben mußte. Der Schatten zeichnete ihre Umrisse an die Mauer: ein Mädchen in weißer Haube, das an die breite Schulter eines Mannes gelehnt, da saß. Über ihnen wölbte sich das alte Strohdach, und dahinter lag tiefe Dämmerung, und die farblose Leere von Wasser und Himmel.

Endlich gingen sie hinein, um sich an den Kamin zu setzen, die alte Yvonne war aber bereits eingeschlafen und hörte ihr zärtliches Geflüster gar nicht. Sie mußten sich gar viel sagen, um die verlorenen zwei Jahre einzuholen und die Stunden ihres kurzen Brautstandes auszukaufen!

Man war darin übereingekommen, daß sie bei der Großmutter wohnen sollten, die ihnen die Hütte testamentarisch vermacht hatte; für den Augenblick wurden keine Verbesserungen daran vorgenommen, dazu reichte die Zeit nicht; das sollte erst geschehen, wenn Yann von Island zurückkäme, dann wollten sie sich das arme verlassene Nest hübsch ausbauen!

 << Kapitel 36  Kapitel 38 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.