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Die Islandfischer

Pierre Loti: Die Islandfischer - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
authorPierre Loti
titleDie Islandfischer
publisherPhilipp Reclam jun
year
firstpub
translatorE. Bagge
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080430
projectid3b5adcd0
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4.

Der Transportdampfer setzte seinen Weg durch den Indischen Ocean fort. Unten im Krankenraum war noch viel Elend eingeschlossen, droben auf dem Verdeck aber vergnügte sich die unbekümmerte, gesunde Jugend. Das Meer ringsum zeigte heute ein Festgewand von reiner Luft und Sonnenschein.

Bei dem erfrischenden Passatwind lagen die Matrosen im Schatten der Segel und belustigten sich damit, ihre Papageien laufen zu lassen. In Singapore, wo sie herkamen, wurden den Matrosen alle Arten gezähmter Tiere zum Kauf angeboten. Alle hatten junge Papageien genommen, deren Vogelgesichter noch ganz kindlich aussahen; der Schwanz fehlte ihnen noch, aber das Gefieder zeigte bereits ein prachtvolles Grün! Wie sie da auf den reinlichen Schiffsplanken saßen, glichen sie frisch grünen Blättern, die eben von einem Baum der Tropenwelt gefallen waren.

Manchmal thaten sie die Matrosen alle zusammen, dann guckten sie einander drollig an und drehten die Hälse nach allen Seiten, als wollte einer den andern in seinen verschiedenen Stellungen beobachten. Es gab welche, die mit höchst komischen Verrenkungen hinkend zu laufen verstanden; sie fingen mit großer Eile ihren Lauf an, es kam aber häufig vor, daß einer hinfiel. Einige Matrosen besaßen Meerkatzen, welchen sie allerlei Kunststückchen beibrachten, was viel Spaß gab. Manche von diesen Tieren wurden zärtlich geliebt und mit großer Innigkeit geliebkost; zusammengerollt hängten sie sich an ihres Herrn harte Brust und sahen ihn mit fast menschlichen Augen grotesk und rührend zugleich an.

Als es drei Uhr schlug, erschien der Quartiermeister mit zwei Leinwandsäcken auf Deck, die versiegelt waren und Sylvesters Namen trugen. Sein Hab und Gut sollte verauktioniert werden, wie es die Schiffsordnung vorschreibt. Voll Interesse scharten sich die Matrosen um den Quartiermeister; solch eine Auktion kommt an Bord eines Lazarettschiffes so oft vor, daß sich niemand darüber aufregt; auch hatte man Sylvester so wenig gekannt!

Seine gestrickten Jacken, Hemden und blaugestreiften Socken wurden befühlt, umgewendet und zu jedem Preis fortgegeben, wobei die Käufer zum Scherz einander überboten. Nun kam das sorgfältig gehütete Holzkistchen an die Reihe, das auf fünfzig Centimes geschätzt ward; Briefe und die Kriegsmedaille waren herausgenommen worden, um der Familie zugestellt zu werden; es blieb aber noch das Liederheft, das Buch des Konfucius, und Knöpfe, Nähnadeln und Zwirn, alle jene kleinen Dinge, welche die Fürsorge der Großmutter Yvonne ihm als Nähzeug mitgegeben. Nach diesem brachte der Quartiermeister zwei kleine Buddhas zum Vorschein, welche sich der Verstorbene aus einer Pagode mitgenommen hatte, um sie Gaud heimzubringen; sie waren von so komischem Ansehen, daß die Matrosen wie toll darüber lachten. Zuletzt wurden die beiden Säcke verkauft, und der Ersteher machte sich sogleich daran, Sylvesters Namen auszustreichen, um den seinigen an dessen Stelle zu setzen.

Darauf wurde die Stelle sorgfältig abgekehrt, damit auch nicht etwa ein Stäubchen oder Fäserchen auf dem sauberen Verdeck liegen bliebe, und die Matrosen kehrten vergnüglich wieder zur Beschäftigung mit ihren Affen und Papageien zurück.

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